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„Wir haben den Messias gefunden“Der Wachtturm 1992 | 1. Oktober
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10 Könnte es sich bei den 69 Wochen um buchstäbliche Wochen von sieben Tagen gehandelt haben? Nein, denn etwas über ein Jahr nach 455 v. u. Z. erschien der Messias nicht. Daher stimmen die meisten Bibelgelehrten und viele Übersetzungen (einschließlich der jüdischen Bibelübersetzung von Martin Buber, Ausgabe 1980) darin überein, daß es sich hier um Wochen „von Jahren“ handelt. Die Vorstellung von „Jahrwochen“ oder von einem siebenjährigen Zyklus war den Juden des Altertums vertraut. So, wie jeder siebte Tag für sie ein Sabbattag war, beobachteten sie auch jedes siebte Jahr als ein Sabbatjahr (2. Mose 20:8-11; 23:10, 11). 69 Jahrwochen würden somit 69 mal 7 Jahre oder 483 Jahre dauern. Jetzt müssen wir nur noch rechnen. Zählen wir zu 455 v. u. Z. 483 Jahre dazu, kommen wir in das Jahr 29 u. Z. — das Jahr, in dem Jesus getauft und damit der maschíach oder Messias wurde. (Siehe „Siebzig Wochen“, Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, Seite 919, 920.)
11. Was können wir denen entgegnen, die dies lediglich für eine neuzeitliche Interpretation der Prophezeiung Daniels halten?
11 Einige könnten nun den Einwand erheben, das Ganze sei doch nur eine neuzeitliche Interpretation der Prophezeiung, damit sie in die Geschichte hineinpasse. Wenn das so wäre, warum erwarteten dann die Menschen in den Tagen Jesu, daß der Messias zu jener Zeit erscheinen werde? Der christliche Geschichtsschreiber Lukas, die römischen Geschichtsschreiber Tacitus und Sueton, der jüdische Geschichtsschreiber Josephus und der jüdische Philosoph Philon lebten alle um diese Zeit und bestätigten, daß man diese Erwartung hegte (Lukas 3:15). Manche Gelehrte behaupten zwar, das römische Joch habe die Juden veranlaßt, sehnsüchtig auf den Messias zu hoffen. Doch warum erwarteten die Juden den Messias ausgerechnet zu jener Zeit und nicht schon während der brutalen Verfolgung durch die Griechen einige Jahrhunderte zuvor? Warum sprach Tacitus von „alten Priesterschriften“, die den Juden Anlaß gaben, mächtige Herrscher aus Judäa zu erwarten, „die sich der Weltherrschaft bemächtigen“ würden? Abba Hillel Silver räumt in einem seiner Werke (A History of Messianic Speculation in Israel) ein, daß „der Messias um das zweite Viertel des ersten Jahrhunderts u. Z. erwartet wurde“, und zwar nicht wegen des römischen Jochs, sondern aufgrund „der populären Chronologie jener Tage“, die sich teilweise aus dem Buch Daniel ableitete.
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„Wir haben den Messias gefunden“Der Wachtturm 1992 | 1. Oktober
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Jesus wird somit in der Bibel in ausreichendem Maße kenntlich gemacht. Aber warum stritten viele aus Jesu eigenem Volk sämtliche Beweise dafür ab, daß er der Messias war? Weil Beweise — so wichtig sie auch für echten Glauben sein mögen — keine Garantie für Glauben sind. Leider glauben viele Menschen trotz überwältigender Beweise lieber das, was sie glauben wollen. In bezug auf den Messias hatten die meisten Juden ganz genaue Wunschvorstellungen. Sie wünschten sich einen politischen Messias, einen, der dem römischen Joch ein Ende machen und Israel in materieller Hinsicht zu einer Herrlichkeit wie in den Tagen Salomos verhelfen würde. Wie hätten sie angesichts dessen diesen bescheidenen Sohn eines Zimmermanns annehmen können, diesen Nazarener, der kein Interesse an Politik oder an Reichtum hatte? Und konnte er überhaupt der Messias sein, nachdem er an einem Marterpfahl gelitten hatte und eines schändlichen Todes gestorben war?
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