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Die freudige NationDer Wachtturm 1991 | 1. Januar
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Die freudige Nation
KÖNNTE man eine der heutigen Nationen der Menschheit als freudige Nation bezeichnen? Kann irgendeine Nation freudig bekanntgeben, sie habe Gewalttätigkeit, Verbrechen, Armut, Umweltverschmutzung, schlimme Krankheiten, politische Korruption und religiösen Haß ausgemerzt? Kann irgendeine Nation wirklich hoffen, diese Ziele zu erreichen? Ganz und gar nicht!
Wie sieht es denn in der Welt aus? Michail Gorbatschow, der Präsident der UdSSR, erklärte am 16. Juli vergangenen Jahres: „Wir beenden eine Epoche internationaler Beziehungen und beginnen eine neue, eine Zeit stabilen, dauerhaften Friedens, wie ich glaube.“ Die Zeitschrift Time vom selben Datum berichtete allerdings, daß die Vereinigten Staaten immer noch 120 Atomsprengköpfe auf Moskau gerichtet haben, von denen jeder die Stadt völlig zerstören könnte. Und die Sowjets könnten zweifellos mit gleicher Münze zurückzahlen. Da inzwischen eine ganze Reihe von Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen über das Know-how für die Herstellung von Atomwaffen verfügen, denkt man lieber nicht darüber nach, wer als erster losschlagen könnte.
Eine wirklich freudige Nation
Einmal in der Geschichte — vor etwa 3 500 Jahren — gab es eine wirklich freudige Nation. Das war das alte Israel. Als Gott dieses Volk aus der Knechtschaft Ägyptens befreite, stimmte es in Moses’ freudiges Siegeslied ein, und es konnte weiterhin frohlocken, solange es seinem Gott und Befreier gehorchte (2. Mose 15:1-21; 5. Mose 28:1, 2, 15, 47).
Unter der Herrschaft Salomos waren Juda und Israel „so viele wie die Sandkörner, die am Meer sind, an Menge; sie aßen und tranken und waren voll Freude“. Es war eine Zeit großer Freude, gekrönt von der Errichtung des möglicherweise prächtigsten Bauwerks aller Zeiten — des Tempels in Jerusalem, der der Anbetung Jehovas diente (1. Könige 4:20; 6:11-14).
Die freudige Nation der Neuzeit
Das alte Israel schattete eine neuzeitliche Nation vor. Welche? Den Staat Israel im Nahen Osten? Wie die Berichte zeigen, ist diese ums Überleben kämpfende Nation alles andere als freudig. Haben die sogenannten Vereinten Nationen ihren Mitgliedsstaaten wirklich Freude beschert? Nein, echte Freude ist unter den auf die Politik vertrauenden Nationen der Gegenwart nirgendwo zu finden. Habgier, Korruption und Unehrlichkeit nehmen überhand, und in vielen Ländern kämpft die Masse der unglücklichen Bevölkerung um das Überleben (Sprüche 28:15; 29:2).
Aber es gibt heute eine Nation, die äußerst freudig ist. Sie bildet keinen Staat, denn ihr Führer, Jesus Christus, sagte von seinem Volk, es sei „kein Teil der Welt“ (Johannes 15:19). Während die Vereinten Nationen nur dem Namen nach geeint sind, kommen die friedliebenden Angehörigen dieser Nation „aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Zungen“ (Offenbarung 7:4, 9). Die Nation zählt inzwischen über vier Millionen Menschen, so daß sie eine größere Bevölkerung hat als etwa 60 der 160 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen. Über 200 verschiedene Sprachen werden von jenen Millionen gesprochen; doch sie alle reden vereint die eine „reine Sprache“ (Zephanja 3:9).
Ist es nicht verwunderlich, daß so viele verschiedene Kulturen eine gemeinsame Sprache haben? Eigentlich nicht, denn diese vereinigende Sprache schließt auch die Botschaft von Gottes Königreich der Gerechtigkeit ein. Die freudige Nation kommt „vom äußersten Ende der Erde“ und ist weltweit unter dem Namen „Jehovas Zeugen“ bekannt (Jesaja 43:5-7, 10; Sacharja 8:23). Wohin man auf der Oberfläche der Erde auch reist — man wird sie fast überall finden.
In Jesaja 2:2-4 beschreibt Gottes Prophet eine Schar von Menschen, die aus allen Nationen herbeiströmen und sagen: „Kommt, und laßt uns zum Berg Jehovas hinaufziehen, zum Haus des Gottes Jakobs; und er wird uns über seine Wege unterweisen, und wir wollen auf seinen Pfaden wandeln.“ Eifrig laden sie andere ein, sich von Jehova durch sein Wort, die Bibel, unterweisen zu lassen, damit sie lernen, seinen Willen zu tun. Diese geeinte Nation folgt dem Weg wahren Friedens, denn ihre Angehörigen haben bereits ‘die Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet und die Speere zu Winzermessern, indem sie den Krieg nicht mehr lernen’. Wirklich eine freudige Nation!
Auch du kannst an dieser Freude teilhaben. Du kannst beispielsweise erfahren, daß der Tag schnell näher rückt, an dem der König, Jesus Christus, zerstörerische Menschen und Regierungen beseitigt und auf der Erde das Paradies wiederherstellt (Daniel 2:44; Matthäus 6:9, 10). Schon heute finden Jehovas Zeugen als eine wahrhaft geeinte Nation große Freude in ihrem Werk, durch das sie sich auf jenes herrliche Zeitalter wahren Friedens vorbereiten, wie die folgenden Seiten zeigen.
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Weltweite FreudeDer Wachtturm 1991 | 1. Januar
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Weltweite Freude
„SIEHE! Meine eigenen Knechte werden jubeln zufolge des guten Herzenszustandes“ (Jesaja 65:14). Das sagte Jehova durch seinen Propheten Jesaja, und welch eine wunderbare Erfüllung haben seine Worte doch unter Jehovas Zeugen! Worauf beruht ihre von Herzen kommende Freude? Auf der vereinten Anbetung ihres Gottes, Jehova. Er ist der ‘glückliche Gott’, und diejenigen, die ihn anbeten, „frohlocken in Jehova“ (1. Timotheus 1:11; Sacharja 10:7). Ihre freudige Ergebenheit vereint sie als eine Nation, da sie gemeinsam die gute Botschaft vom Königreich predigen und ihren Gott weltweit mit lauter Stimme preisen (Offenbarung 7:9, 10).
„Eine Freude ..., die einem keiner nehmen kann“
Ja, die Verkündigung des Namens und des Königreiches Gottes ist für Jehovas Zeugen eine Ursache ständiger Freude (Markus 13:10). Sie befolgen die Aufforderung des Psalmisten: „Rühmt euch in seinem heiligen Namen. Es freue sich das Herz derer, die Jehova suchen“ (Psalm 105:3).
Oft überwinden sie Hindernisse, um das zu tun. Isidro, der in Spanien lebt, wollte mit anderen über seinen Gott sprechen, nachdem er sich Jehova hingegeben hatte. Als Lastwagenfahrer hat er jedoch wenig Freizeit, da er die ganze Nacht unterwegs ist und tagsüber schläft. Wie konnte Isidro also seinen Wunsch verwirklichen, anderen Fahrern Zeugnis zu geben?
Er installierte in seinem Lastwagen ein CB-Funkgerät, so daß er sich mit anderen Fahrern unterhalten konnte. Nach kurzer Zeit stellte er fest, daß Kanal 13 wenig benutzt wurde, und er beschloß, sich das zunutze zu machen. Als er anderen Fahrern vorschlug, mittels CB-Funk über die Bibel zu sprechen, war die Reaktion zwar anfänglich ziemlich negativ, aber einige hörten zu. Die Sache sprach sich unter den spanischen Lastwagenfahrern herum, und immer mehr schalteten auf Kanal 13. Unlängst erfuhr Isidro, daß mindestens einer von ihnen Schritte unternommen hat, sein Studium der Bibel zu vertiefen.
In Italien hörte ein Mann bei einer Unterhaltung im Bus von Jehovas Zeugen. Seine Frau kam durch eine Bekannte mit ihnen in Verbindung. Beide studierten die Bibel und sprachen unentwegt mit anderen über das, was sie gelernt hatten. Sie waren so eifrig, daß der Mann eine Beförderung in der Firma ablehnte und die Frau eine gutbezahlte Stellung aufgab, damit sie mehr Zeit dafür einsetzen konnten, anderen die gute Botschaft vom Königreich zu predigen. War es das wert? Durchaus. Der Mann sagt: „Seitdem wir die Wahrheit kennengelernt haben, hatten meine Frau und ich die Freude, 20 Personen zu helfen, eine genaue Erkenntnis der Vorsätze Gottes zu erlangen. Abends, wenn ich nach einem Tag im Dienst Jehovas heimkomme, bin ich zwar müde, aber glücklich, und ich danke Jehova, daß er mir eine Freude geschenkt hat, die einem keiner nehmen kann.“
„Bis zum entferntesten Teil der Erde“
Diejenigen, die zu Gottes freudiger Nation gehören, bekunden überall einen ähnlichen Eifer, selbst in den ‘entferntesten Teilen der Erde’ (Apostelgeschichte 1:8). Wohl kaum eine Gegend ist abgelegener als Nordgrönland. Doch sogar dort, in Ilulissat, 300 km nördlich des Polarkreises, gibt es eine kleine Versammlung, zu der 19 Personen gehören, die dieselbe gute Botschaft predigen wie das italienische Ehepaar. Große Begeisterung herrschte, als sich im letzten Jahr sieben Grönländer zum Zeichen ihrer Hingabe an Jehova taufen ließen.
Viele tausend Kilometer von Grönland entfernt, auf der subtropischen Insel Mauritius im Indischen Ozean, verspürt Anjinee die gleiche Freude. Zuerst hatte sie es sehr schwer. Auf Mauritius gilt es als unschicklich, wenn ein unverheiratetes junges Mädchen indisch-hinduistischer Herkunft christliche Zusammenkünfte besucht und in der Öffentlichkeit über Gott spricht. Doch Anjinee harrte aus. Heute, neun Jahre nachdem sie ihren christlichen Lauf begann, studieren einige ihrer Verwandten ebenfalls die Bibel.
Nach Anjinee kommen wir zu Emilio, der in Honduras, auf der anderen Seite des Erdballs, lebt. Emilio hörte am Arbeitsplatz, wie sich Kollegen über die Bibel unterhielten, und fragte, ob er sich am Gespräch beteiligen dürfe. Er konnte nicht lesen, hörte jedoch gern zu, wenn Bibeltexte vorgelesen wurden. Da die christliche Wahrheit in Emilios Herz eindrang, gab er seinen unsittlichen Lebenswandel und das unmäßige Trinken auf. Jehovas Zeugen brachten ihm Lesen und Schreiben bei, und heute ist er ein Prediger in Gottes freudiger Nation.
Tausende von Kilometern nordwestlich von Honduras, in Alaska, lernte eine Eskimomutter dieselbe christliche Wahrheit kennen. Die Frau, die in einem weit abgelegenen Dorf lebt, hatte nur Briefkontakt mit Zeugen Jehovas. Auf brieflichem Wege studierte sie auch die Bibel und stellte ihre Fragen. Mittlerweile teilt sie voller Eifer das, was sie weiß, ihren Mitmenschen mit. Die Zahl solcher Beispiele ist fast unbegrenzt. Überall auf dem Erdball wollen demütige Menschen ‘Jehova mit Freuden dienen’ (Psalm 100:2).
‘Habt Liebe unter euch’
Diese Menschen fühlen sich unter anderem von der Liebe angezogen, die in Gottes freudiger Nation herrscht. Jesus sagte: „Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe unter euch habt“ (Johannes 13:35). Christliche Liebe zeigt sich im täglichen Leben wahrer Christen; besonders offenkundig wird sie jedoch in Zeiten der Not.
In einem afrikanischen Land, in dem die Tätigkeit der Zeugen Jehovas leider verboten ist, herrschte extreme Dürre. Zehntausend Menschen starben, und ganze Viehherden verendeten. Wie konnten die Zeugen überleben? Indem sie die Wurzeln von Pflanzen aßen und Avocadokerne kochten. Doch ihre Notlage wurde wesentlich erleichtert, als Zeugen in anderen Ländern dank Gottes Hilfe überraschend die Erlaubnis erhielten, ihnen 25 Tonnen Hilfsgüter zu schicken. Trotz des Verbots wurden die Güter vom Militär eskortiert, um ihre sichere Beförderung zu gewährleisten.
Die afrikanischen Zeugen waren wirklich überglücklich angesichts dieses Beweises der Liebe ihrer Brüder zu ihnen. Sie erlebten dadurch die Erfüllung folgender Worte Jesajas: „Siehe! Die Hand Jehovas ist nicht zu kurz geworden, daß sie nicht retten kann, noch ist sein Ohr zu schwer geworden, daß es nicht hören kann“ (Jesaja 59:1).
Ein friedsames Volk
Demütige Menschen fühlen sich auch zu Gottes freudiger Nation hingezogen, weil alle, die zu ihr gehören, die kriegerischen Wege der Welt verlassen und ‘ihre Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet’ haben (Jesaja 2:4). Das Haus eines ehemaligen Soldaten in El Salvador war voller Erinnerungsstücke an seine Militärzeit. Aber als er mit Jehovas Zeugen die Bibel zu studieren begann, entwickelte er friedsame Interessen. Schließlich entfernte er aus seinem Haus alles, was mit Krieg zu tun hatte, und nahm voller Eifer den Predigtdienst auf.
Als regierungsfeindliche Truppen das Dorf besetzten, wurde er gefangengenommen — offensichtlich hatte jemand sie darauf aufmerksam gemacht, daß er ein ehemaliger Armeeangehöriger war. Er erklärte jedoch, daß er kein Soldat mehr sei, sondern ein Zeuge Jehovas. Die Guerillas beschuldigten ihn, in seinem Haus Waffen zu haben, doch bei einer Durchsuchung wurden keine gefunden. Der Führer der Aufständischen befragte daraufhin die Nachbarn über ihn. Ein typischer Kommentar lautete: „Er geht Tag für Tag nur die Straße auf und ab und predigt aus der Bibel.“ Der Mann wurde freigelassen. Sein Eifer hat ihm zweifellos das Leben gerettet.
Ein Bericht aus einem afrikanischen Land handelt von zwei Soldaten, die mit Jehovas Zeugen die Bibel studierten. Der eine diente in den Regierungsstreitkräften, der andere kämpfte auf der Seite der Rebellen. Schließlich beschlossen beide, ‘ihre Schwerter zu Pflugscharen zu schmieden’, und schieden aus dem Militär aus. Als sie zum erstenmal eine christliche Zusammenkunft besuchten, fragte der Untergrundkämpfer den Soldaten: „Was willst du denn hier?“ Dieser entgegnete: „Und du, was willst du hier?“ Der Bericht endet: „Dann umarmten sie sich und vergossen Freudentränen, weil sie in Frieden beisammen sein konnten.“ Die beiden ehemaligen Soldaten beteten zweifellos zu Gott: „Befrei mich von Blutschuld, o Gott, du Gott meiner Rettung, daß meine Zunge freudig deine Gerechtigkeit kundtue“ (Psalm 51:14).
„Du [hast] meine Trübsal gesehen“
„Ich will frohlocken und mich freuen in deiner liebenden Güte, da du meine Trübsal gesehen hast; du hast gewußt von den Bedrängnissen meiner Seele“ (Psalm 31:7). Das betete der Psalmist, und so freuen sich auch heute viele, weil Gottes Wort ihnen hilft, mit ihrer Trübsal fertig zu werden. In Frankreich führt eine Zeugin Jehovas ein Bibelstudium mit einer Frau durch, die an Schizophrenie leidet. Die Frau befand sich schon einige Zeit in psychiatrischer Behandlung, aber das hatte ihr noch nicht geholfen. Eine Woche nachdem sie mit ihrem Studium begonnen hatte, fragte der Psychiater sie: „Verstehen Sie wirklich, was die Frau Ihnen aus der Bibel erklärt?“ In der folgenden Woche ging die Zeugin mit in die Praxis, wo sie in seiner Gegenwart mit der Frau studierte.
Nach dem Studium sagte der Psychiater zu der Zeugin: „All die Jahre habe ich mich für den Glauben meiner Patienten interessiert, aber festgestellt, daß keine Religion eine echte Hilfe ist. In Ihrem Fall ist das anders. Frau P. kommt zweimal in der Woche zur Behandlung, und sie bezahlt mich dafür. Doch mit Ihrer biblischen Belehrung und Ihrem guten Rat erweisen Sie ihr einen besseren Dienst, und das kostenlos. Sie macht gute Fortschritte. Machen Sie so weiter, und ich sichere Ihnen meine volle Zusammenarbeit zu, falls Sie sie jemals benötigen sollten.“
In der Bibel heißt es: „Glücklich ist das Volk, das den Jubelschall kennt. O Jehova, im Licht deines Angesichts wandeln sie fortwährend. In deinem Namen frohlocken sie den ganzen Tag“ (Psalm 89:15, 16). Alle Zeugen Jehovas können die Wahrheit dieses Psalms bestätigen. Aus ihrem Mund erschallt ein weltweiter Freudenruf zum Lobpreis Jehovas. Immer mehr Menschen strömen aus den Nationen herbei, um mit ihnen Gott zu preisen. Warum solltest du dich ihnen nicht anschließen, um selbst diese Freude zu verspüren?
[Bild auf Seite 7]
Jehovas Zeugen in Osteuropa freuen sich über ihre neugewonnene Freiheit, den „Wachtturm“ in ihrer eigenen Sprache zu erhalten und zu studieren
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