-
Die geistigen Trunkenbolde — Wer sind sie?Der Wachtturm 1991 | 1. Juni
-
-
10, 11. Welche abscheuliche Situation bestand in Juda?
10 Jesaja sagte: „Auch diese [d. h. die Priester und die Propheten Jerusalems] — wegen des Weines sind sie abgeirrt, und wegen des berauschenden Getränks sind sie umhergeirrt. Priester und Prophet — sie sind abgeirrt wegen des berauschenden Getränks“ (Jesaja 28:7a). Die religiösen Führer Judas waren offensichtlich ebenfalls trunken. Wie in Israel waren wahrscheinlich einige von ihnen Trunkenbolde in buchstäblichem Sinne, was — wenn es zutraf — eine Schande war. Gottes Gesetz verbot den Priestern ausdrücklich, während ihres Tempeldienstes Alkohol zu trinken (3. Mose 10:8-11). Buchstäbliche Trunkenheit im Hause Gottes wäre eine schockierende Übertretung des Gesetzes Gottes gewesen.
11 Noch schwerwiegender war jedoch der Umstand, daß in Juda geistige Trunkenheit herrschte. So, wie sich Israel mit Syrien gegen Juda verbündet hatte, so strebte Juda nach Sicherheit durch ein Bündnis mit Assyrien (2. Könige 16:5-9). Obwohl es Gottes Tempel gab und seine Propheten da waren, setzte Juda seinen Glauben auf Menschen, statt auf Jehova zu vertrauen. Überdies fühlten sich die Führer Judas, nachdem sie das unkluge Bündnis geschlossen hatten, ebenso sorgenfrei wie ihre geistig trunkenen Nachbarn im Norden. Jehova verabscheute ihre verantwortungslose Haltung.
12. Wozu führte Judas geistige Trunkenheit?
12 Jesaja sagte weiter: „Sie sind verwirrt worden zufolge des Weines, sie sind umhergeirrt zufolge des berauschenden Getränks; sie sind abgeirrt bei ihrem Sehen, sie sind getaumelt im Entscheiden. Denn die Tische selbst sind alle voll von unflätigem Gespei geworden — es gibt keine Stelle ohne solches“ (Jesaja 28:7b, 8). Einige buchstäblich Betrunkene übergaben sich wahrscheinlich im Tempel. Schlimmer war allerdings, daß die Priester und Propheten, die religiöse Anleitung hätten geben sollen, geistig Unflätiges ausspien. Außerdem war das Urteil der Propheten — mit Ausnahme einiger treuer — verschroben, und sie sahen Unwahres für die Nation voraus. Jehova würde Juda wegen dieser geistigen Unreinheit bestrafen.
Geistige Trunkenbolde heute
13. Welche Situation im ersten Jahrhundert u. Z. ließ sich mit der in Israel und Juda vergleichen, und welche vergleichbare Situation besteht heute?
13 Erfüllten sich Jesajas Prophezeiungen nur damals an Israel und Juda? Keineswegs. Sowohl Jesus als auch der Apostel Paulus zitierten Jesajas Worte über die geistige Trunkenheit und wandten sie auf die religiösen Führer ihrer Tage an (Jesaja 29:10, 13; Matthäus 15:8, 9; Römer 11:8). Heute ist eine ähnliche Situation wie zur Zeit Jesajas entstanden — diesmal in der Christenheit, einer weltweiten religiösen Organisation, die behauptet, Gott zu vertreten. Statt standhaft für die Wahrheit einzutreten und sich auf Jehova zu verlassen, setzt die Christenheit — Katholiken wie Protestanten — ihren Glauben in die Welt. Daher torkelt sie umher wie die Trunkenbolde von Israel und Juda. Die geistigen Trunkenbolde jener Nationen der alten Zeit stellen treffend die heutigen geistlichen Führer der Christenheit dar. Untersuchen wir einmal, inwiefern man das sagen kann.
14. Inwiefern sind die religiösen Führer der Christenheit ebenso trunken, wie es die Führer Samarias und Jerusalems in alter Zeit waren?
14 Wie Samaria und Jerusalem hat die Christenheit in tiefen Zügen von dem Wein der politischen Bündnisse getrunken. 1919 gehörte sie zu den allerersten Befürwortern des Völkerbundes. Obwohl Jesus sagte, Christen seien kein Teil der Welt, pflegen die Führer der Christenheit Beziehungen zu politischen Führern (Johannes 17:14-16). Der symbolische Wein dieser Aktivitäten wirkt auf die Geistlichkeit anregend. (Vergleiche Offenbarung 17:4.) Es gefällt ihren Vertretern, von Politikern zu Rate gezogen zu werden und sich in der Gesellschaft der Großen der Welt zu bewegen. Die Folge ist, daß sie keine wahre geistige Anleitung geben können. Sie speien Unreinheit aus, statt die reine Botschaft der Wahrheit zu reden (Zephanja 3:9). Da sie nicht klar sehen und verwirrt sind, können sie die Menschheit nicht sicher leiten (Matthäus 15:14).
„Befehl auf Befehl“
15, 16. Wie reagierten Jesajas Zeitgenossen auf seine Warnungen?
15 Im achten Jahrhundert v. u. Z. prangerte Jesaja insbesondere die verkehrte Handlungsweise der geistlichen Führer Judas an. Wie reagierten diese darauf? Mit Haß. Als Jesaja fortfuhr, Gottes Warnungen zu verkündigen, erwiderten die religiösen Führer: „Wen wird einer in der Erkenntnis unterweisen, und wen wird einer Gehörtes verstehen lassen? Die von der Milch Entwöhnten, die von den Brüsten Entfernten?“ (Jesaja 28:9). Ja, glaubte denn Jesaja, er rede zu Kleinkindern? Jerusalems religiöse Führer betrachteten sich als erwachsene Männer, völlig befähigt, für sich selbst Entscheidungen zu treffen. Sie hatten es nicht nötig, auf die nervenden Mahnungen Jesajas zu hören.
16 Jene Religionsvertreter machten sich sogar über Jesajas Predigtwerk lustig, indem sie sagten: „Denn da ist ‚Befehl auf Befehl, Befehl auf Befehl, Meßschnur auf Meßschnur, Meßschnur auf Meßschnur, hier ein wenig, dort ein wenig‘“ (Jesaja 28:10). „Jesaja wiederholt sich“, behaupteten sie gewissermaßen. „Ständig sagt er: ‚Dies ist, was Jehova geboten hat! Dies ist, was Jehova geboten hat! Das ist Jehovas Maßstab! Das ist Jehovas Maßstab!‘“ In der hebräischen Ursprache sind die Worte aus Jesaja 28:10 ein monotoner Reim, fast wie ein Kinderreim. Und dementsprechend erschien der Prophet auch in den Augen der religiösen Führer — monoton und kindisch.
17. Wie reagieren heute viele auf die von Jehovas Zeugen verkündete Warnungsbotschaft?
17 Im ersten Jahrhundert u. Z. klang das Predigen Jesu und seiner Jünger genauso monoton und naiv. Die damaligen Nachfolger Jesu wurden von den religiösen Führern der Juden als verfluchte Hinterwäldler, als ungelehrte und gewöhnliche Menschen betrachtet (Johannes 7:47-49; Apostelgeschichte 4:13). Jehovas Zeugen betrachtet man heute oftmals genauso. Sie haben nicht die Seminare der Christenheit besucht, auch bedienen sie sich nicht wie die Geistlichkeit hochtrabender Titel und einer theologischen Sprache. Daher blicken die Hohen der Christenheit auf sie herab und meinen, Jehovas Zeugen sollten ihren Platz kennen und mehr Respekt vor diesen religiösen Führern haben.
18. Was übersehen heutige religiöse Führer?
18 Aber eines übersehen die religiösen Führer. Obwohl die Großen der Tage Jesajas seine Botschaft ablehnten, war das, was er redete, die Wahrheit, und seine Warnungen trafen ein. Auch die von Jehovas Zeugen geäußerten Warnungen sind wahr und sind fest auf Gottes Wort der Wahrheit, die Bibel, gegründet (Johannes 17:17). Deshalb werden sie sich bewahrheiten.
Die Abrechnung
19. Wie wurden die Judäer gezwungen, sich die wie Gestammel anmutende Sprache von Ausländern anzuhören?
19 In Jesaja 28:11 lesen wir: „Denn durch die mit stammelnden Lippen und durch eine andersartige Zunge wird er zu diesem Volk reden.“ Was Jesaja lehrte, klang für die Judäer wie ausländisches Geplapper. Zwar entgingen sie der drohenden Gefahr, den Assyrern, die Israel besiegt hatten, doch hatten sie es schließlich auf Veranlassung Jehovas mit einem anderen Ausländer zu tun, mit Nebukadnezar (Jeremia 5:15-17). In den Ohren jener Hebräer klang die babylonische Sprache hart und wie Gestammel. Aber sie wurden gezwungen, es sich anzuhören, als 607 v. u. Z. die Stadt Jerusalem und ihr Tempel zerstört und die Bewohner in das Babylonische Exil weggeführt wurden. Gleicherweise wird in Kürze die Christenheit bestraft werden, weil sie wie Juda in alter Zeit die Ermahnungen Jehovas in den Wind geschlagen hat.
20, 21. Was verkündigen Jehovas Zeugen unablässig, aber was zu tun, lehnen die Führer der Christenheit ab?
20 In der Prophezeiung heißt es über ihresgleichen: „Zu denen er gesagt hat: ‚Das ist der Ruheort. Gebt Ruhe dem Ermatteten. Und dies ist der Rastort‘, die aber nicht hören wollten. Und für sie wird das Wort Jehovas gewiß ‚Befehl auf Befehl, Befehl auf Befehl, Meßschnur auf Meßschnur, Meßschnur auf Meßschnur, hier ein wenig, dort ein wenig‘ werden, damit sie hingehen und sicherlich rücklings straucheln und tatsächlich zerbrochen und verstrickt und gefangen werden“ (Jesaja 28:12, 13).
21 Wie Jesaja Gottes Botschaft bekanntmachte, so weisen Jehovas Zeugen die Christenheit unablässig darauf hin, daß sie ihre Hoffnung auf Jehovas Wort setzen sollte. Doch sie will nicht hören. Für sie hört es sich so an, als plapperten die Zeugen in einer Fremdsprache. Sie sprechen eine Sprache, die die Christenheit nicht versteht. Die Christenheit lehnt es ab, dem Ermatteten dadurch Ruhe zu geben, daß sie über Gottes Königreich und die kommende neue Welt spricht. Sie ist vielmehr trunken von dem Wein ihres Verhältnisses zur Welt und zieht es vor, politische Bestrebungen zur Lösung der Probleme der Menschheit zu unterstützen. Wie die Juden zur Zeit Jesu hat sie den Ruheort — das Königreich — selbst nicht gesucht und belehrt auch andere nicht darüber (Matthäus 23:13).
22. Wovon setzt Jehova die Führer der Christenheit in Kenntnis?
22 Somit wird die Geistlichkeit durch Jesajas prophetische Worte davon in Kenntnis gesetzt, daß Jehova nicht immer durch seine harmlosen Zeugen reden wird. Bald wird er seine Prophezeiung verwirklichen — „Befehl auf Befehl, Meßschnur auf Meßschnur“ —, was sich für die Christenheit katastrophal auswirken wird. Die religiösen Führer und ihre Herden werden „zerbrochen und verstrickt und gefangen werden“. Ja, die religiösen Systeme der Christenheit werden wie das alte Jerusalem vollständig vernichtet werden. Welch eine schockierende, unerwartete Entwicklung! Und welch ein schreckliches Ende, weil die Geistlichkeit die geistige Trunkenheit den Mahnungen Jehovas vorzieht!
-
-
Ihre Zuflucht — eine LügeDer Wachtturm 1991 | 1. Juni
-
-
Ihre Zuflucht — eine Lüge
„Wir haben eine Lüge zu unserer Zuflucht gemacht, und in der Falschheit haben wir uns verborgen“ (JESAJA 28:15).
1, 2. (a) Welche heutige Organisation sollte beachten, was dem Königreich Juda in alter Zeit widerfuhr? (b) Welche falsche Zuversicht hegte man in Juda?
TREFFEN diese Worte auf die Christenheit heute genauso zu wie auf das Zweistämmereich Juda in alter Zeit? Gewiß! Und das hat für die Christenheit Schlimmes zu bedeuten. Ja, es bedeutet, daß binnen kurzem eine Katastrophe über diese abtrünnige religiöse Organisation hereinbrechen wird.
2 Nördlich von Juda lag das Zehnstämmereich Israel. Als sich Israel als treulos erwies, ließ Jehova zu, daß es 740 v. u. Z. von Assyrien besiegt wurde. Das Schwesterkönigreich Juda im Süden war Zeuge dieses tragischen Ereignisses, doch man dachte dort offensichtlich, so etwas werde Juda nicht widerfahren. Die Führer mögen sich mit den Worten gebrüstet haben: „Steht nicht der Tempel Jehovas in Jerusalem? Sind wir nicht Gottes begünstigtes Volk? Sprechen unsere Priester und Propheten nicht im Namen Jehovas?“ (Vergleiche Jeremia 7:4, 8-11.) Jene religiösen Führer waren davon überzeugt, in Sicherheit zu sein. Doch sie irrten sich. Sie waren genauso treulos wie ihre Landsleute im Nordreich. Was Samaria widerfuhr, würde daher auch mit Jerusalem geschehen.
3. Warum ist die Christenheit bezüglich der Zukunft zuversichtlich, und gibt es für ihre Zuversicht gute Gründe?
3 Die Christenheit behauptet ebenfalls, in einem besonderen Verhältnis zu Gott zu stehen. Prahlend sagt sie: „Wir haben Zehntausende von Kirchen und sowohl eine berufsmäßige Geistlichkeit als auch Hunderte von Millionen Anhänger. Außerdem besitzen wir die Bibel, und wir benutzen bei der Anbetung den Namen Jesu. Mit Sicherheit stehen wir bei Gott in Gunst!“ Was mit dem alten Jerusalem geschah, ist jedoch eine eindringliche Warnung. Wir wissen, daß Jehova ungeachtet der jüngsten außergewöhnlichen politischen Entwicklungen bald entschieden gegen die Christenheit und alle anderen falschen Religionen vorgehen wird.
Ein „Bund mit dem Tod“
4. Welchen Bund glaubte Juda geschlossen zu haben?
4 Das untreue Jerusalem der alten Zeit war durch Gottes wahre Propheten oftmals gewarnt worden, aber man glaubte diesen Warnungen nicht. Statt dessen behauptete Jerusalem prahlerisch, niemals durch den Tod in den Scheol, das Grab, hinabzukommen, wie es dem Nordreich Israel ergangen war. Der Prophet Jesaja wurde inspiriert, zu Juda folgendes zu sagen: „Darum hört das Wort Jehovas, ihr Prahler, ihr Herrscher dieses Volkes, das in Jerusalem ist: Weil ihr gesagt habt: ‚Wir haben mit dem Tod einen Bund geschlossen; und mit dem Scheol haben wir eine Vision zustande gebracht; die überströmende Sturzflut wird, falls sie hindurchziehen sollte, nicht an uns kommen, denn wir haben eine Lüge zu unserer Zuflucht gemacht, und in der Falschheit haben wir uns verborgen‘“ (Jesaja 28:14, 15).
5. (a) Worin bestand Judas vermeintlicher Bund mit dem Tod? (b) Welche Warnung, die an König Asa ergangen war, hatte Juda vergessen?
5 Ja, Jerusalems Führer dachten, sie hätten mit dem Tod und dem Scheol sozusagen ein Abkommen getroffen, so daß ihre Stadt verschont würde. Bedeutete Jerusalems vermeintlicher Bund mit dem Tod indes, daß es auch seine Sünden bereut hatte und auf Jehova als Retter vertraute? (Jeremia 8:6, 7). Durchaus nicht. Man wandte sich statt dessen an menschliche, politische Machthaber um Hilfe. Aber Jerusalems Vertrauen auf weltliche Bündnisse war eine Selbsttäuschung, eine Lüge. Die weltlichen Mächte, auf die Jerusalem vertraute, konnten es nicht retten. Und weil Jerusalem Jehova verlassen hatte, verließ Jehova Jerusalem. Es geschah genau das, was der Prophet Asarja zu König Asa gesagt hatte: „Jehova ist mit euch, solange es sich erweist, daß ihr mit ihm seid; und wenn ihr ihn sucht, wird er sich von euch finden lassen, doch wenn ihr ihn verlaßt, wird er euch verlassen“ (2. Chronika 15:2).
6, 7. Welche Schritte unternahm Juda im Interesse seiner Sicherheit, doch wie ging die Sache letztendlich aus?
6 Im Vertrauen auf ihre politischen Bündnisse waren die Führer Jerusalems davon überzeugt, daß keine „überströmende Sturzflut“ einfallender Heere ihnen so nahe kommen würde, daß dadurch ihr Frieden und ihre Sicherheit gestört würden. Als Juda schließlich durch ein Bündnis zwischen Israel und Syrien gefährdet war, wandte es sich an Assyrien um Hilfe (2. Könige 16:5-9). Später, als durch die Heere Babylons Gefahr drohte, bat es Ägypten um Unterstützung, und Pharao erfüllte die Bitte, indem er ein Heer sandte (Jeremia 37:5-8; Hesekiel 17:11-15).
7 Babylons Heere waren jedoch zu mächtig, und die ägyptischen Truppen mußten sich zurückziehen. So erwies es sich als Fehler, daß Jerusalem auf Ägypten vertraut hatte. Im Jahr 607 v. u. Z. gab Jehova die Stadt der von ihm vorhergesagten Zerstörung preis. Jerusalems Herrscher und Priester hatten folglich unrecht. Bezüglich Frieden und Sicherheit auf weltliche Bündnisse zu vertrauen erwies sich als „eine Lüge“, die durch die Sturzflut der babylonischen Heere hinweggeschwemmt wurde.
Den „erprobten Stein“ verworfen
8. Inwiefern hat die Christenheit einen ähnlichen Standpunkt eingenommen wie Juda in alter Zeit?
8 Besteht heute eine ähnliche Situation? Ja. Die Geistlichkeit der Christenheit meint ebenfalls, es komme kein Unheil über sie. Praktisch erklärt sie, wie Jesaja voraussagte: „Wir haben mit dem Tod einen Bund geschlossen; und mit dem Scheol haben wir eine Vision zustande gebracht; die überströmende Sturzflut wird, falls sie hindurchziehen sollte, nicht an uns kommen, denn wir haben eine Lüge zu unserer Zuflucht gemacht, und in der Falschheit haben wir uns verborgen“ (Jesaja 28:15). Wie das alte Jerusalem erwartet die Christenheit von weltlichen Bündnissen Sicherheit, und ihre Geistlichkeit lehnt es ab, bei Jehova Zuflucht zu suchen. Sie gebraucht nicht einmal seinen Namen und verspottet und verfolgt diejenigen, die diesen Namen ehren. Die Geistlichkeit der Christenheit verhält sich genauso wie die jüdischen Oberpriester im ersten Jahrhundert, die Christus verwarfen. Sie sagt sinngemäß: „Wir haben keinen König außer Cäsar“ (Johannes 19:15).
9. (a) Wer warnt die Christenheit heute ebenso, wie Jesaja Juda warnte? (b) Wem sollte sich die Christenheit zuwenden?
9 Jehovas Zeugen weisen heute warnend darauf hin, daß sich über die Christenheit bald eine Flut von Heeren ergießen wird, die das Strafgericht an ihr vollziehen werden. Des weiteren machen sie auf den Ort aufmerksam, der wirklich Zuflucht vor dieser Flut bieten wird. Sie zitieren Jesaja 28:16, wo es heißt: „Der Souveräne Herr Jehova [hat] dieses gesprochen: ‚Siehe, ich lege als Grundlage in Zion einen Stein, einen erprobten Stein, die kostbare Ecke einer sicheren Grundlage. Keiner, der Glauben übt, wird in Panik geraten.‘“ Wer ist der ‘kostbare Eckstein’? Der Apostel Petrus zitierte diese Worte und wandte sie auf Jesus Christus an (1. Petrus 2:6). Hätte die Christenheit Frieden mit Jesus Christus, dem König Jehovas, gesucht, dann hätte sie der bevorstehenden Sturzflut entrinnen können. (Vergleiche Lukas 19:42-44.)
10. Welche Verbindungen hat die Christenheit gepflegt?
10 Aber sie hat es nicht getan. Statt dessen schmeichelt sie sich in ihrem Streben nach Frieden und Sicherheit bei den politischen Führern der Nationen ein — und das trotz der biblischen Warnung, daß die Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott bedeutet (Jakobus 4:4). Außerdem hat sie 1919 den Völkerbund mit allem Nachdruck als die größte Hoffnung des Menschen auf Frieden befürwortet. Seit 1945 setzt sie ihre Hoffnung auf die Vereinten Nationen. (Vergleiche Offenbarung 17:3, 11.) Wie eng ist sie mit dieser Organisation verbunden?
11. Wie ist die Religion bei der UNO vertreten?
11 Ein kürzlich erschienenes Buch vermittelt diesbezüglich einen gewissen Eindruck, wenn es darin heißt: „In der UNO sind nicht weniger als vierundzwanzig katholische Organisationen vertreten. Mehrere Führer von Weltreligionen haben der internationalen Organisation einen Besuch abgestattet. Am denkwürdigsten war der Besuch Seiner Heiligkeit des Papstes Paul VI. bei der Generalversammlung 1965 und derjenige von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1979. Viele Religionsgemeinschaften haben besondere Invokationen, Gebete, Kirchenlieder und Gottesdienste für die Vereinten Nationen. Die bedeutendsten Beispiele hierfür liefern die Katholiken, die Unitarian-Universalists, die Baptisten und die Bahais.“
Vergebliche Friedenshoffnungen
12, 13. Warum sind Jehovas Zeugen trotz der weitverbreiteten Friedenshoffnungen davon überzeugt, daß sie mit ihren Warnungen recht haben?
12 Einer der mächtigsten politischen Führer der Welt gab der Hoffnung vieler Ausdruck, als er erklärte: „Die Menschen der heutigen Generation auf der Erde können Zeitgenossen des Beginns einer unumkehrbar friedlichen Periode in der Geschichte der Zivilisation werden.“ Hatte er recht? Bedeuten die jüngsten Entwicklungen, daß das, was Jehovas Zeugen über die Vollstreckung des Gerichts Jehovas an den Nationen warnend verkündigt haben, nicht eintrifft? Haben Jehovas Zeugen unrecht?
13 Nein, sie haben nicht unrecht. Sie wissen, daß sie die Wahrheit sagen, weil sie auf Jehova und auf die Bibel vertrauen, die Gottes Wort der Wahrheit ist. In Titus 1:2 heißt es, daß „Gott ... nicht lügen kann“. Deshalb sind sie völlig davon überzeugt, daß etwas, was in einer biblischen Prophezeiung vorausgesagt wird, unfehlbar eintreten wird. Jehova selbst sagte: „So wird sich mein Wort erweisen, das aus meinem Mund hervorgeht. Es wird nicht ergebnislos zu mir zurückkehren, sondern es wird gewiß das tun, woran ich Gefallen gehabt habe, und es wird bestimmt Erfolg haben in dem, wozu ich es gesandt habe“ (Jesaja 55:11).
14, 15. (a) Was verkündeten die Führer Judas kurz vor der Zerstörung Jerusalems 607 v. u. Z.? (b) Was würde gemäß der Voraussage des Paulus verkündet werden, bevor plötzliche Vernichtung die Welt überfällt? (c) Was können wir auf dem Höhepunkt der in 1. Thessalonicher 5:3 vorausgesagten Proklamation erwarten?
14 In den Jahren vor der Zerstörung Jerusalems, die 607 v. u. Z. erfolgte, riefen die Führer, wie uns Jeremia berichtet, ständig: „Da ist Frieden! Da ist Frieden!“ (Jeremia 8:11). Das war jedoch eine Lüge. Jerusalem wurde zerstört, wodurch sich die inspirierten Warnungen der wahren Propheten Jehovas erfüllten. Aus den warnenden Worten des Apostels Paulus geht hervor, daß in unseren Tagen etwas Ähnliches geschehen würde. Er sagte, die Menschen würden „Frieden und Sicherheit!“ rufen. Doch anschließend würde, wie er weiter erklärte, „plötzliche Vernichtung sie überfallen“ (1. Thessalonicher 5:3).
15 Zu Beginn der 1990er Jahre war in Zeitungen und Zeitschriften überall zu lesen, der kalte Krieg sei vorüber und Weltfrieden stehe zumindest in Aussicht. Aber dann brach im Nahen Osten ein heißer Krieg aus. Früher oder später wird sich jedoch die Weltlage so weit entwickeln, daß der in 1. Thessalonicher 5:2, 3 vorausgesagte Ruf „Frieden und Sicherheit!“ einen Höhepunkt erreichen wird. Da unsere Hoffnung fest in Gottes Wort verankert ist, wissen wir, daß Gottes Strafgerichte schnell und unfehlbar vollzogen werden, wenn dieser Höhepunkt erreicht ist. Keinerlei Erklärungen über Frieden und Sicherheit — was allerdings nur Flickwerk sein wird — sollten uns zu dem Gedanken verleiten, die vorausgesagte göttliche Vernichtung werde nicht kommen. Die in Jehovas Wort angekündigten Strafgerichte sind unabänderlich. Die Christenheit wird vernichtet werden, ja die gesamte falsche Religion. Dann werden die vernichtenden Strafgerichte Jehovas am übrigen Teil der Welt Satans vollstreckt werden (2. Thessalonicher 1:6-8; 2:8; Offenbarung 18:21; 19:19-21). Jehovas Zeugen sind davon überzeugt, daß Jehova sein Wort erfüllen wird. Deshalb bleiben sie unter der Leitung der Klasse des treuen und verständigen Sklaven wachsam und beobachten sorgfältig die Entwicklung des Weltgeschehens (Matthäus 24:45-47). Auf keinen Fall sollten wir uns durch irgendwelche menschliche Friedensbemühungen zu dem Gedanken verleiten lassen, Jehova sei von seinem Vorsatz abgerückt, über die sündenbeladene Christenheit eine vernichtende Sturzflut zu bringen.
‘Gott ist unsere Zuflucht’
16, 17. Wie reagieren Jehovas Zeugen, wenn einige an der Offenheit ihrer Botschaft Anstoß nehmen?
16 Einige mögen an der Offenheit Anstoß nehmen, mit der Jehovas Zeugen diese Botschaft verkündigen. Wenn die Zeugen erklären, daß die religiösen Machthaber der Christenheit bei einer lügenhaften Einrichtung Zuflucht gesucht haben, so geben sie nur das wieder, was die Bibel sagt. Wenn sie sagen, daß die Christenheit die Strafe verdient, weil sie ein Teil der Welt geworden ist, so übermitteln sie lediglich das, was Gott selbst in der Bibel sagt (Philipper 3:18, 19). Da die Christenheit überdies ihr Vertrauen auf die von der Welt propagierten Pläne setzt, unterstützt sie in Wirklichkeit den Gott der Welt, Satan, den Teufel, den Jesus als den Vater der Lüge bezeichnete (Johannes 8:44; 2. Korinther 4:4).
17 Daher erklären Jehovas Zeugen: Was uns betrifft, so regen wir nicht dazu an, aufgrund der sich wandelnden politischen Szene falsche Hoffnungen in bezug auf Weltfrieden zu hegen, sondern wir stimmen in die Worte des Psalmisten ein: „Gott ist uns eine Zuflucht. ... die Söhne des Erdenmenschen sind ein Dunst, die Menschensöhne sind eine Lüge. Wenn auf die Waage gelegt, sind sie alle zusammen leichter als ein Dunst“ (Psalm 62:8, 9). Menschliche Pläne, die Christenheit und das übrige gegenwärtige System der Dinge zu fördern und zu erhalten, sind eine Lüge! Alle Planer zusammengenommen haben — was die Vereitelung der Vorsätze Jehovas betrifft — nicht mehr Macht als ein Dunst.
18. Welche Warnung des Psalmisten ist heute angebracht?
18 Jehovas Zeugen verweisen ferner auf Psalm 33, Vers 17 bis 19, wo gesagt wird: „Eine Täuschung ist das Roß [aus Ägypten für Kriegszwecke] zur Rettung, und durch die Fülle seiner leistungsfähigen Kraft läßt es nicht entrinnen. Siehe! Das Auge Jehovas ist auf die gerichtet, die ihn fürchten, auf die, die auf seine liebende Güte harren, um vom Tod ihre Seele zu befreien und sie in Hungersnot am Leben zu erhalten.“ Wahre Christen vertrauen heute auf Jehova und auf sein himmlisches Königreich — die einzige Einrichtung, die dauerhaften Frieden herbeiführen kann.
Die Christenheit — eine „Stätte der Zertretung“
19. Warum ist es eine Täuschung, darauf zu vertrauen, daß politische Organisationen Weltfrieden schaffen?
19 Auf irgendeinen menschlichen Ersatz für Gottes Königreich zu vertrauen heißt, diesen Ersatz zu einem Götzenbild, einem Gegenstand der Anbetung, zu machen (Offenbarung 13:14, 15). Dazu anzuregen, sein Vertrauen hinsichtlich Frieden und Sicherheit auf politische Einrichtungen wie die Vereinten Nationen zu setzen, ist somit eine Täuschung, eine Lüge. In bezug auf solche Gegenstände falscher Hoffnungen sagt Jeremia: „Sein gegossenes Bild ist Falschheit, und es ist kein Geist in ihnen. Sie sind Nichtigkeit, ein Spottwerk. Zu der Zeit, da die Aufmerksamkeit auf sie gerichtet wird, werden sie zugrunde gehen“ (Jeremia 10:14, 15). Daher werden die Kriegsrosse des gegenbildlichen Ägypten — das heißt die militärisch-politische Macht der heutigen Nationen — dem religiösen Bereich der Christenheit in den Krisentagen keinen Schutz bieten. Das Bündnis, das die Kirchen der Christenheit mit der Welt eingegangen sind, wird sie gewiß nicht schützen.
20, 21. (a) Was geschah mit dem Völkerbund, und warum wird es den Vereinten Nationen nicht besser ergehen? (b) Inwiefern zeigen die Worte Jesajas, daß die Christenheit durch ihre Bündnisse mit der Welt nicht gerettet wird?
20 Die Christenheit setzte ihre Hoffnungen auf den Völkerbund, aber er ging in die Brüche, sogar ohne daß Harmagedon kam. Jetzt hat sie sich auf die Seite der Vereinten Nationen gestellt. Doch in kurzem hat sie mit dem „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“, zu rechnen, einem Krieg, den sie nicht überleben wird (Offenbarung 16:14). Selbst die wieder auflebenden Vereinten Nationen werden niemals Frieden und Sicherheit herbeiführen können. Wie aus Gottes prophetischem Wort hervorgeht, wird die UNO samt ihren Mitgliedsstaaten „mit dem Lamm [Christus in Königreichsmacht] kämpfen, doch wird das Lamm sie besiegen, weil es Herr der Herren und König der Könige ist“ (Offenbarung 17:14).
21 Voller Überzeugung sagen Jehovas Zeugen, daß die Christenheit durch ihre Bündnisse mit der Welt Satans nicht gerettet wird. Und wenn sie dies sagen, geben sie lediglich das wieder, was auch in der Bibel steht. Gemäß Jesaja 28:17, 18 sagt Jehova: „Und ich will das Recht zur Meßschnur und die Gerechtigkeit zur Setzwaage machen; und der Hagel soll die Zuflucht der Lüge wegfegen, und die Wasser, sie werden sogar das Versteck hinwegschwemmen. Und euer Bund mit dem Tod wird gewiß aufgelöst werden, und eure Vision mit dem Scheol, sie wird nicht bestehen. Die überströmende Sturzflut, wenn sie hindurchzieht — ihr sollt für sie auch eine Stätte der Zertretung werden.“
22. Was wird das Ergebnis sein, wenn mit der Christenheit nach vollkommener Gerechtigkeit verfahren wird?
22 Wenn Jehovas richterliche Entscheidung ausgeführt wird, erfolgt dies nach vollkommener Gerechtigkeit. Und die Grundlage des Vertrauens der Christenheit — ihr „Bund mit dem Tod“ — wird gleichsam von einer überströmenden Sturzflut vollständig hinweggefegt. Jesaja sagte weiter: „Morgen um Morgen wird sie hindurchziehen, bei Tag und bei Nacht; und es soll nur ein Grund zum Erbeben werden, um andere verstehen zu machen, was gehört worden ist“ (Jesaja 28:19). Wie schrecklich es für Beobachter sein wird, Zeuge der vollen Macht des Strafgerichts Jehovas zu sein! Wie furchtbar für die Geistlichkeit der Christenheit und ihre Anhänger, wenn sie feststellen werden — und zwar zu spät —, daß sie auf eine Lüge vertraut haben!
Jehovas Name — „ein starker Turm“
23, 24. Was werden Jehovas Zeugen tun, statt Sicherheit in der Welt zu suchen?
23 Aber wie steht es mit Jehovas Zeugen? Auch wenn sie international gehaßt und verfolgt werden, beharren sie darauf, sich von der Welt getrennt zu halten. Sie vergessen nicht, daß Jesus von seinen Nachfolgern sagte: „Sie sind kein Teil der Welt, so wie ich kein Teil der Welt bin“ (Johannes 17:16). Sie haben in den heutigen letzten Tagen stets auf Jehovas Königreich vertraut, nicht auf menschliche Pläne. Deshalb wird ihnen die über die Christenheit hereinbrechende Katastrophe keinen Schrecken einjagen. Die Vorhersage Jesajas wird sich erfüllen: „Keiner, der Glauben übt, wird in Panik geraten“ (Jesaja 28:16).
24 In Sprüche 18:10 lesen wir: „Der Name Jehovas ist ein starker Turm. Der Gerechte läuft hinein und wird beschützt.“ Wir laden daher alle schafähnlichen Menschen ein, bei Jehova und seinem messianischen Königreich Zuflucht zu suchen. Wer Jehova als Versteck wählt, vertraut nicht auf Falschheit. Gottes messianisches Königreich ist keine Lüge. Die Zuflucht der Christenheit ist eine Lüge, die Zuflucht wahrer Christen aber ist die Wahrheit.
-
-
Weiterhin vor Jehovas ungewöhnlichem Werk warnenDer Wachtturm 1991 | 1. Juni
-
-
Weiterhin vor Jehovas ungewöhnlichem Werk warnen
„Jehova wird aufstehen wie am Berg Perazim, er wird erregt sein wie in der Tiefebene bei Gibeon“ (JESAJA 28:21).
1, 2. Welches ungewöhnliche Werk wirkte Jehova in den Tagen Davids zugunsten seines Volkes?
EINE seltsame Tat! Ein äußerst ungewöhnliches Werk! Das war es, was Jehova zugunsten seines Volkes im 11. Jahrhundert v. u. Z. wirkte. Und diese seltsame Tat war ein Muster für ein noch ungewöhnlicheres Werk, das er in naher Zukunft wirken wird. Worum handelte es sich bei der befremdenden Tat Jehovas in alter Zeit? Ausgelöst wurde sie bald nach der Inthronisierung Davids zum König in Jerusalem durch einen Angriff der benachbarten Philister. Zunächst fielen die Philister in die Tiefebene Rephaim ein. David befragte Jehova, was er tun solle, und erhielt die Anweisung, zum Angriff überzugehen. Er gehorchte dem Wort Jehovas und bereitete dem mächtigen Heer der Philister bei Baal-Perazim eine gehörige Niederlage. Aber die Philister fanden sich mit dieser Niederlage nicht ab. Bald kehrten sie zurück, um in der Tiefebene Rephaim erneut zu plündern und zu rauben, und wieder suchte David die Leitung Jehovas.
2 Diesmal wurde er angewiesen, mit seinen Truppen einen Hinterhalt gegen die Philister zu legen. Jehova sagte: „Es geschehe, wenn du das Geräusch eines Einherschreitens in den Wipfeln der Baka-Sträucher hörst, daß du zu jener Zeit entschieden handeln sollst, denn zu jener Zeit wird Jehova vor dir her ausgezogen sein, um das Lager der Philister niederzuschlagen.“ So kam es auch. David wartete, bis Jehova in den Wipfeln der Baka-Sträucher — vielleicht durch einen starken Wind — das Geräusch eines Einherschreitens hervorrief. Sogleich sprangen er und seine Truppen aus dem Versteck, griffen die verwirrten Philister an und schlugen sie mit einer großen Schlachtung. Die Götzenbilder, die die Philister auf dem Schlachtfeld liegenließen, wurden eingesammelt und vernichtet (2. Samuel 5:17-25; 1. Chronika 14:8-17).
3. Warum war Jehovas befremdende Tat für die Juden der Tage Jesajas von Interesse, und warum sollte sie für die Christenheit heute von Interesse sein?
3 Das war ein ungewöhnliches Werk, eine befremdende Tat Jehovas gegen die Philister und zugunsten seines gesalbten Königs. Diese bemerkenswerte Tat ist von besonderem Interesse, weil der Prophet Jesaja warnend darauf hinwies, daß Jehova gegen die geistigen Trunkenbolde Judas auf ebenso befremdende und machtvolle Weise vorgehen würde. Die untreuen religiösen Führer der Tage Jesajas sollten also aufmerken. Und die Christenheit heute sollte ebenfalls aufmerken, denn was Juda widerfuhr, war ein Muster für das endgültige Geschick der Christenheit.
„Das Lager hat sich als zu kurz erwiesen“
4, 5. (a) Wie beschrieb Jesaja anschaulich die unbequeme Lage der religiösen Führer seiner Tage? (b) Was ist die Ursache für die unbequeme Lage der Christenheit heute?
4 Jesaja entlarvte zuerst die politischen Verträge, auf die die damaligen geistigen Trunkenbolde vertrauten, als eine Täuschung, als eine Lüge. Dann beschrieb er anschaulich, daß sich diejenigen, die auf diese Lüge hofften, in einer äußerst unbequemen Lage befanden. Er sagte: „Das Lager hat sich als zu kurz erwiesen, um sich darauf auszustrecken, und das gewebte Laken ist zu schmal, wenn man sich einwickelt“ (Jesaja 28:20). Wer sich in einem Bett ausstreckt, das zu kurz ist, stellt fest, daß er die Füße in die Kälte hinausstrecken muß. Wenn er andererseits die Knie anzieht, um sich dem kurzen Bett anzupassen, erweist sich die Bettdecke als zu schmal, und ein Großteil seines Körpers ist immer noch ungeschützt. Was er auch unternimmt, ein Teil von ihm ist in der Kälte.
5 In dieser Lage befanden sich in den Tagen Jesajas, sinnbildlich gesprochen, diejenigen, die auf die Zuflucht der Lüge vertrauten. Und in derselben unbequemen Lage befinden sich heute alle, die wie die Christenheit ihr Vertrauen auf die Zuflucht der Lüge setzen. Es ist nicht an der Zeit, Behaglichkeit in weltlichen Einrichtungen zu suchen, die dem Frieden und der Sicherheit dienen sollen. Im Schatten der bevorstehenden richterlichen Taten Gottes schaffen Bündnisse mit politischen Herrschern für die Christenheit keine behagliche Wärme.
Jehovas befremdende Tat
6. Wie wollte Jehova gegen Juda vorgehen, und wie wird er gegen die Christenheit vorgehen?
6 Nachdem Jesaja die unbequeme Lage des untreuen Jerusalem seiner Tage — und der neuzeitlichen untreuen Christenheit — beschrieben hatte, sagte er weiter: „Jehova wird aufstehen wie am Berg Perazim, er wird erregt sein wie in der Tiefebene bei Gibeon, damit er seine Tat tue — seine Tat ist befremdend — und damit er sein Werk wirke — sein Werk ist ungewöhnlich“ (Jesaja 28:21). Ja, bald würde Jehova, wie Jesaja warnend betonte, wie bei Baal-Perazim aufstehen. Doch dieses Mal würde er gegen sein treuloses Volk vorgehen, und zwar wie eine unwiderstehliche Flut, die sich aus dem Riß eines einstürzenden Dammes ergießt. Jerusalems Bund mit dem Tod würde sich als null und nichtig erweisen. Ähnlich wird Jehova in naher Zukunft gegen die Christenheit vorgehen, und sie wird feststellen, daß alle ihre berauschenden Abkommen mit der Welt bedeutungslos sind. Ihre riesige Organisation wird zerschmettert, ihre Anhänger werden zerstreut und ihre falschen Götter vollständig verbrannt werden.
7. Warum wurden Jehovas Vorsätze in bezug auf Juda als „befremdend“ und „ungewöhnlich“ bezeichnet?
7 Warum bezeichnete Jesaja das Vorgehen Jehovas gegen Jerusalem als ein befremdendes und ungewöhnliches Werk? Jerusalem war das Zentrum der Anbetung Jehovas und die Stadt des gesalbten Königs Jehovas (Psalm 132:11-18). Als solche war es nie zerstört worden. Der Tempel war nie niedergebrannt worden. Das königliche Haus Davids, das einst in Jerusalem gegründet worden war, war nie gestürzt worden. So etwas war undenkbar. Es war höchst ungewöhnlich, daß Jehova beabsichtigte, so etwas zuzulassen.
8. Wie warnte Jehova vor seiner bevorstehenden ungewöhnlichen Tat?
8 Aber Jehova ließ fairerweise durch seine Propheten warnend ankündigen, daß sich Schockierendes ereignen würde (Micha 3:9-12). Zum Beispiel sagte der Prophet Habakuk, der im siebten Jahrhundert v. u. Z. lebte: „Seht unter den Nationen, und schaut zu, und starrt einander staunend an. Staunt; denn da ist eine Tätigkeit, die man in euren Tagen vollführt, ihr werdet es nicht glauben, obwohl davon erzählt wird. Denn siehe, ich erwecke die Chaldäer, die erbitterte und ungestüme Nation, die an die weit offenen Stellen der Erde zieht, um Wohnsitze in Besitz zu nehmen, die ihr nicht gehören. Schrecklich und furchteinflößend ist sie“ (Habakuk 1:5-7).
9. Wie verwirklichte Jehova das, was er Jerusalem warnend angekündigt hatte?
9 Im Jahr 607 v. u. Z. verwirklichte Jehova seine warnende Ankündigung. Er ließ zu, daß die babylonischen Heere gegen Jerusalem vorrückten, und gestattete ihnen, die Stadt und den Tempel völlig zu zerstören (Klagelieder 2:7-9). Ja er ließ zu, daß Jerusalem ein zweites Mal zerstört wurde. Warum? Nun, nach 70 Jahren Exil durften reumütige Juden in ihr Heimatland zurückkehren, und in Jerusalem wurde schließlich ein anderer Tempel erbaut. Doch wieder wandten sich die Juden von Jehova ab. Im ersten Jahrhundert u. Z. zitierte Paulus die Worte Habakuks und wandte sie auf die Juden seiner Tage an, wodurch er warnend darauf hinwies, daß diese Prophezeiung noch eine weitere Erfüllung haben sollte (Apostelgeschichte 13:40, 41). Jesus selbst hatte ausdrücklich gesagt, daß die Stadt Jerusalem und ihr Tempel wegen des Unglaubens der Juden zerstört würden (Matthäus 23:37 bis 24:2). Schenkten die Juden im ersten Jahrhundert jenen Worten Beachtung? Nein. Wie ihre Vorväter schlugen sie Jehovas Warnung völlig in den Wind. Daher wiederholte Jehova sein befremdendes Werk. Jerusalem und der Tempel wurden 70 u. Z. von römischen Legionen zerstört.
10. Wie wird Jehova in naher Zukunft gegen die Christenheit vorgehen?
10 Warum sollte also jemand auf den Gedanken kommen, Jehova würde in unserer Zeit so etwas nicht tun? Tatsache ist, daß er seinen Vorsatz verwirklichen wird, selbst wenn es Zweiflern befremdend und ungewöhnlich erscheint. Ziel seines Vorgehens ist diesmal die Christenheit, die wie das alte Juda vorgibt, Gott anzubeten, aber hoffnungslos verderbt ist. Durch den größeren David, Christus Jesus, wird Jehova zu einer Stunde über die „Philister“ der Christenheit kommen, zu der sie es nicht erwarten. Er wird sein ungewöhnliches Werk so gründlich ausführen, daß auch nicht die geringste Spur von den Religionssystemen der Christenheit übrigbleibt (Matthäus 13:36-43; 2. Thessalonicher 1:6-10).
Warnung vor Jehovas richterlicher Tat
11, 12. Wie haben Jehovas Zeugen vor den kommenden Strafgerichten Jehovas gewarnt?
11 Jehovas Zeugen haben viele Jahre vor dieser richterlichen Tat Jehovas gewarnt. Sie haben darauf hingewiesen, daß die Zerstörung der Stadt Jerusalem und ihres Tempels 607 v. u. Z. und 70 u. Z. eine prophetische Warnung vor dem darstellt, was der Christenheit widerfahren soll. Außerdem haben sie bewiesen, daß die Christenheit zufolge ihrer Abtrünnigkeit zu einem Teil Babylons der Großen geworden ist, des Weltreiches der falschen Religion. Gottes Strafgerichte an Babylon der Großen werden besonders über die Christenheit kommen, denn sie ist der schuldigste Teil dieses satanischen Konglomerats (Offenbarung 19:1-3).
12 Jehovas Zeugen haben auf die prophetische Ankündigung der Bibel hingewiesen, daß sich die politischen Liebhaber Babylons der Großen zu Jehovas bestimmter Zeit über sie hermachen werden. In der Offenbarung heißt es von diesen politischen Mächten, die durch die zehn Hörner eines scharlachfarbenen wilden Tieres sinnbildlich dargestellt werden: „Die zehn Hörner, die du sahst, und das wilde Tier, diese werden die Hure [Babylon die Große] hassen und werden sie verwüsten und nackt machen und werden ihre Fleischteile auffressen und werden sie gänzlich mit Feuer verbrennen“ (Offenbarung 17:16). Die religiöse Christenheit wird zusammen mit der gesamten falschen Religion verbrannt und vernichtet werden. Das wird Jehovas befremdende Tat sein — sein ungewöhnliches Werk in unseren Tagen.
13. Worin gleichen die Reaktionen auf die Warnungen Jehovas heute denen zur Zeit Jesajas?
13 Wenn Jehovas Zeugen vor dieser bevorstehenden Katastrophe warnen, ist die Reaktion oftmals spöttisches Gelächter. Die Menschen fragen sich, wie sie denn überhaupt dazu kommen, so etwas zu sagen. Die Christenheit ist ihrer Meinung nach sehr stabil, sehr gut gegründet. Und einige glauben, ihre Position verbessere sich sogar. Regierungen, von denen die christliche Religion früher unterdrückt worden ist, gewähren ihr seit kurzem größere Handlungsfreiheit. Dennoch sollte die Christenheit den Rat Jesajas beachten: „Zeigt euch nicht als Spötter, damit eure Bande nicht stark werden, denn es gibt eine Ausrottung, ja etwas Beschlossenes, was ich von dem Souveränen Herrn, Jehova der Heerscharen, für das ganze Land gehört habe“ (Jesaja 28:22; 2. Petrus 3:3, 4).
14. Wieso werden die Bande der Christenheit immer stärker und enger?
14 Die Christenheit wird sich gegenüber dem König und dem Königreich weiterhin größtenteils feindlich verhalten (2. Thessalonicher 2:3, 4, 8). Währenddessen werden aber ihre Bande immer stärker und enger. Mit anderen Worten: Ihre Vernichtung wird immer sicherer. Jehova wird von seinem Beschluß, die Christenheit vernichten zu lassen, genausowenig abrücken, wie er seinen Beschluß rückgängig machte, 607 v. u. Z. die Zerstörung der Stadt Jerusalem und ihres Tempels zuzulassen.
„Geht aus ihr hinaus“
15. Welcher Ausweg steht Gerechtgesinnten offen?
15 Wie kann man dem Geschick der Christenheit entgehen? Zur Zeit des Volkes Israel sandte Jehova treue Propheten, um Gerechtgesinnte wieder zur reinen Anbetung aufzufordern. Heute hat er zu einem ähnlichen Zweck seine Zeugen erweckt, die jetzt in die Millionen zählen. Furchtlos entlarven sie die Christenheit als geistig tot. Dabei geben sie getreu die plagenähnlichen öffentlichen Erklärungen wieder, die den Trompetenstößen der Engel aus Offenbarung, Kapitel 8 und 9 entsprechen. Außerdem haben sie eifrig die in Offenbarung 18:4 aufgezeichnete Aufforderung bekanntgemacht: „Geht aus ihr hinaus, mein Volk, ... wenn ihr nicht einen Teil ihrer Plagen empfangen wollt.“ Das erste „ihr“ bezieht sich auf Babylon die Große, das Weltreich der falschen Religion, dessen führender Teil die Christenheit ist.
16. Auf welche Weise haben Millionen die falsche Religion verlassen?
16 Seit 1919 und hauptsächlich seit 1922 haben immer mehr Sanftmütige diese Aufforderung befolgt und Babylon die Große verlassen. Zunächst haben sich Tausende, dann Hunderttausende und heute Millionen von der falschen Religion, insbesondere von der Christenheit, getrennt und die wahre Anbetung aufgenommen (Jesaja 2:2-4). Sie wissen, daß sie nur dadurch, daß sie Babylon die Große verlassen, vermeiden können, unter ihren Plagen zu leiden, die in ihrer Vernichtung gipfeln, wenn die Zeit für Jehovas ungewöhnliches Werk kommt.
17, 18. Wie ist Jehova für sein Volk zu einer Krone der Zierde und einem Kranz der Schönheit geworden?
17 Der Prophet Jesaja beschrieb den glücklichen Zustand derer, die für die wahre Anbetung eintreten. Er sagte: „An jenem Tag wird Jehova der Heerscharen wie eine Krone der Zierde und wie ein Kranz der Schönheit für die von seinem Volk Übriggebliebenen werden und wie ein Geist des Rechts dem zu Gericht Sitzenden und wie Macht denen, die die Schlacht vom Tor wegwenden“ (Jesaja 28:5, 6).
18 Wegen ihrer Loyalität gegenüber der Wahrheit ist Jehova für die Glieder der treuen und verständigen Sklavenklasse eine unvergängliche Krone der Herrlichkeit. Das ist besonders seit 1926 der Fall. In der englischen Ausgabe des Wachtturms vom 1. Januar jenes Jahres wurde betont, wie notwendig die Verherrlichung des Namens Jehovas ist, und zwar in dem aufrüttelnden Artikel: „Wer wird Jehova ehren?“ In der Folge haben die gesalbten Christen diesen Namen weltweit bekanntgemacht wie nie zuvor. 1931 haben sie sich sogar noch mehr mit Jehova identifiziert, indem sie den Namen Jehovas Zeugen annahmen. Außerdem ist aus der Christenheit und dem übrigen Teil Groß-Babylons eine große Volksmenge anderer Schafe herausgekommen. Auch sie haben Gottes Namen angenommen. Mit welchem Ergebnis? Jehova selbst — keine zeitweilige nationale Unabhängigkeit — ist für über vier Millionen Menschen in 212 Ländern und Inselgebieten eine Krone der Zierde und ein Kranz der Schönheit geworden. Welch eine Ehre ist es doch für sie, den Namen des allein wahren und lebendigen Gottes zu tragen! (Offenbarung 7:3, 4, 9, 10; 15:4).
„Auf ihm soll sich der Geist Jehovas niederlassen“
19. Wer ist der zu Gericht Sitzende, und wie ist Jehova für ihn ein Geist des Rechts geworden?
19 Für Jesus, den „zu Gericht Sitzenden“, ist Jehova „ein Geist des Rechts“ geworden. Als Jesus auf der Erde war, verschloß er sich gegenüber dem berauschenden Geist weltlicher Bündnisse. Heute ist er als Jehovas inthronisierter König mit heiligem Geist erfüllt, und dieser befähigt ihn, ausgewogene, gut fundierte Entscheidungen zu fällen. An Jesus hat sich Jesajas Prophezeiung erfüllt: „Auf ihm soll sich der Geist Jehovas niederlassen, der Geist der Weisheit und des Verständnisses, der Geist des Rates und der Macht, der Geist der Erkenntnis und der Furcht Jehovas“ (Jesaja 11:2). Ja, durch Jesus wird Jehova „das Recht zur Meßschnur und die Gerechtigkeit zur Setzwaage machen“ (Jesaja 28:17). Geistig trunkene Feinde werden vernichtet werden. Dem heiligen Namen und der universellen Souveränität Jehovas wird dagegen Gerechtigkeit widerfahren.
20, 21. Wie wirken sich die Worte aus Jesaja 28:1-22 auf dich aus?
20 Welch großartige Bedeutung doch die Prophezeiung aus Jesaja, Kapitel 28 für uns heute hat! Sofern wir von den geistigen Trunkenbolden der Christenheit deutlich getrennt bleiben und an der reinen Anbetung festhalten, werden wir beschützt werden, wenn Jehova seine befremdende Tat und sein ungewöhnliches Werk ausführt. Wie wir uns freuen, das zu wissen! Und wie glücklich uns der Gedanke stimmt, daß dann, wenn diese Dinge geschehen, jeder zu der Erkenntnis gezwungen werden wird, daß Jehova der Heerscharen zugunsten seines treuen Volkes und zu seiner eigenen Rechtfertigung durch Jesus Christus handelt! (Psalm 83:17, 18).
21 Mögen somit alle wahren Christen weiterhin furchtlos vor der befremdenden Tat Jehovas warnen. Mögen sie darin beharren, von seinem ungewöhnlichen Werk zu reden. Mögen sie dabei allen verkündigen, daß sie unerschütterlich auf Gottes Königreich vertrauen, an dessen Spitze sein inthronisierter König steht. Mögen sie durch ihren Eifer, ihre Entschlossenheit und durch ihre Loyalität zum ewigen Lobpreis Jehovas, unseres allmächtigen Gottes, beitragen (Psalm 146:1, 2, 10).
-