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Das Judentum — Die Suche nach Gott mit Hilfe der Bibel und der TraditionDie Suche der Menschheit nach Gott
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Das Judentum und der Name Gottes
38. (a) Was geschah im Laufe der Jahrhunderte in bezug auf den Gebrauch des göttlichen Namens? (b) Worauf beruht der Name Gottes?
38 Nach der jüdischen Lehre existiert der Name Gottes zwar in schriftlicher Form, ist aber so heilig, daß er nicht ausgesprochen werden darf.i Demzufolge ist die richtige Aussprache in den letzten 2 000 Jahren verlorengegangen. Die Juden haben diesen Standpunkt jedoch nicht immer vertreten. Vor ungefähr 3 500 Jahren sagte Gott zu Moses: „So sollst du zu den Kindern Jisraël sprechen: Der Ewige [hebräisch: יהוה, JHWH], der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, Jizhaks und Jaakobs hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name für ewig, und dies meine Anrufung für alle Zeit“ (2. Mose 3:15; Psalm 135:13). Was hat es mit diesem Namen und seiner Anrufung auf sich? In dem Werk Pentateuch und Haftaroth von Dr. J. H. Hertz lautet eine Fußnote zu diesem Text: „Die Übersetzung des göttlichen Namens, der durch die vier hebr. Buchstaben J H W H ausgedrückt wird und stets ‚adonaj‘ [‚der Herr‘] ausgesprochen wird ... hat die gleiche hebr. Wurzel (hajah) wie Ehjeh: ‚sein‘.“ Hier haben wir also den heiligen Gottesnamen, das Tetragrammaton, die vier hebräischen Konsonanten JHWH (Jahwe), die in ihrer latinisierten Form im Laufe der Jahrhunderte in Deutsch als JEHOVA bekannt wurden.
39. (a) Warum ist der Name Gottes von Bedeutung? (b) Warum hörten die Juden auf, den göttlichen Namen auszusprechen?
39 Die Juden haben dem persönlichen Namen Gottes in ihrer ganzen Geschichte große Bedeutung beigemessen, nur in bezug auf die Verwendung des Namens traten vor längerer Zeit drastische Änderungen ein. Dr. A. Cohen schreibt in Everyman’s Talmud: „Besondere Ehre [wurde] Gottes ‚einzigartigem Namen‘ (Schem hameforasch) zugeschrieben, den er dem Volk Israel geoffenbart hatte, nämlich dem Tetragrammaton, JHVH.“ Der göttliche Name wurde geehrt, weil er die Person Gottes selbst darstellte und charakterisierte. Schließlich hatte Gott selbst seinen Namen bekanntgegeben und seinen Anbetern geboten, ihn zu gebrauchen. Das wird dadurch betont, daß der Name in der hebräischen Bibel 6 828mal vorkommt. Fromme Juden betrachten es jedoch als respektlos, Gottes persönlichen Namen auszusprechen.j
40. Was haben namhafte Juden über die Verwendung des göttlichen Namens gesagt?
40 Über das alte rabbinische (nicht biblische) Verbot, den Namen auszusprechen, schreibt der Rabbiner A. Marmorstein in seinem Buch The Old Rabbinic Doctrine of God: „Es gab eine Zeit, da dieses Verbot [den göttlichen Namen zu gebrauchen] unter den Juden völlig unbekannt war ... Weder in Ägypten noch in Babylonien kannten oder befolgten die Juden ein Gesetz, das ihnen den Gebrauch des Gottesnamens, des Tetragrammatons, im täglichen Gespräch oder bei Begrüßungen untersagte. Doch vom dritten Jahrhundert v. Chr. bis zum dritten Jahrhundert n. Chr. bestand ein solches Verbot und wurde teilweise befolgt.“ In früheren Zeiten war die Verwendung des Namens nicht nur gestattet, sondern wie Dr. Cohen sagt, „gab es sogar eine Zeit, wo man es befürwortete, wenn selbst der Laie den Namen frei und ungezwungen gebrauchte ... Man nimmt an, daß dieser Empfehlung der Wunsch zugrunde lag, den Israeliten vom [Nichtjuden] zu unterscheiden.“
41. Wie kam es nach den Worten eines Rabbiners dazu, daß die Verwendung des göttlichen Namens verboten wurde?
41 Wie kam es denn, daß die Verwendung des göttlichen Namens verboten wurde? Dr. Marmorsteins Antwort lautet: „Hellenistische [griechisch beeinflußte] Gegner der jüdischen Religion, abgefallene Priester und Vornehme des Volkes waren die ersten, die die Regel festlegten, daß das Tetragrammaton im Heiligtum [im Tempel in Jerusalem] nicht ausgesprochen werden dürfe.“ Um den göttlichen Namen ja nicht unnütz auszusprechen, unterdrückten sie seine Verwendung im Gespräch vollständig und untergruben und schwächten dadurch die Möglichkeit, den wahren Gott zu erkennen. Unter dem vereinten Druck religiöser Gegner und Abtrünniger hörten die Juden auf, den göttlichen Namen zu gebrauchen.
42. Was geht aus dem Bibelbericht in bezug auf den Gebrauch des göttlichen Namens hervor?
42 Dr. Cohen erklärt jedoch: „In biblischen Zeiten scheint man keine Bedenken gehabt zu haben, ... [den göttlichen Namen] im täglichen Gespräch zu verwenden.“ Der Patriarch Abraham „rief den Namen des Ewigen an“ (1. Mose 12:8). Die meisten Schreiber der hebräischen Bibel verwendeten den Namen ungezwungen, aber respektvoll, bis hin zum Buch Maleachi, das im fünften Jahrhundert v. u. Z. geschrieben wurde (Ruth 1:8, 9, 17).
43. (a) Was steht hinsichtlich des jüdischen Gebrauchs des göttlichen Namens einwandfrei fest? (b) Wie wirkte es sich indirekt aus, daß die Juden den göttlichen Namen nicht mehr gebrauchten?
43 Es steht also einwandfrei fest, daß die alten Hebräer den göttlichen Namen gebrauchten und aussprachen. Über die Änderung, die später eintrat, sagt Marmorstein: „Damals, in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts [v. Chr.], trat in bezug auf die Verwendung des Namens Gottes eine große Änderung ein, die für die Lehre der jüdischen Theologie und Philosophie manche Änderungen mit sich brachte, deren Auswirkungen heute noch zu verspüren sind.“ Der Verlust des Namens bewirkte unter anderem, daß durch die Vorstellung von einem unbekannten Gott ein theologisches Vakuum entstand, in dem sich die Dreieinigkeitslehre der Christenheit leichter entwickeln konntek (2. Mose 15:1-3).
44. Wie wirkte sich die Unterdrückung des Gottesnamens noch aus?
44 Der Nichtgebrauch des göttlichen Namens beeinträchtigt die Anbetung des wahren Gottes. Ein Kommentator schrieb: „Die Bezeichnung ‚der Herr‘ für Gott ist zwar richtig, ist aber bedauerlicherweise kühl und farblos ... Man muß bedenken, daß man durch die Wiedergabe von JHWH oder Adonai mit ‚der Herr‘ vielen Textstellen des Alten Testaments eine abstrakte, förmliche und vage Note verleiht, die dem ursprünglichen Text völlig fremd ist“ (The Knowledge of God in Ancient Israel). Wie traurig ist es doch, feststellen zu müssen, daß der erhabene und bedeutsame Name Jahwe oder Jehova in vielen Bibelübersetzungen fehlt, da er doch im ursprünglichen hebräischen Text nachweislich Tausende von Malen vorkommt! (Jesaja 43:10-12).
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i Siehe 2. Mose 6:3, wo in der Tanakh-Übersetzung der Bibel (englisch) an dieser Stelle im englischen Text das Tetragrammaton erscheint. (In der Illustrirten Pracht Bibel für Israeliten von Prof. Dr. Julius Fürst, Leipzig 1874 steht im deutschen Text an dieser Stelle Jehova.)
j In der Encyclopaedia Judaica heißt es: „Das Aussprechen des Namens JHWH zu vermeiden ist ... auf ein Mißverständnis des dritten Gebots zurückzuführen (2. Mo. 20:7; 5. Mo. 5:11): ‚Du sollst den Namen JHWH, deines Gottes, nicht mißbrauchen‘, während es in Wirklichkeit bedeutet: ‚Du sollst bei dem Namen JHWH, deines Gottes, nicht falsch schwören.‘ “
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