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  • „Jehova liebt das Recht“
    Komm Jehova doch näher
    • Sonnenstrahlen dringen durch die Wolken.

      ABSCHNITT 2

      „Jehova liebt das Recht“

      In der heutigen Welt nimmt die Ungerechtigkeit überhand, und oft gibt man Gott die Schuld. Doch die Bibel lehrt eine zu Herzen gehende Wahrheit: „Jehova liebt das Recht“ (Psalm 37:28). In diesem Abschnitt erfahren wir, wie Jehova dieser Aussage gerecht wird und welche Hoffnung damit für die ganze Menschheit verbunden ist.

  • „Alle seine Wege sind gerecht“
    Komm Jehova doch näher
    • Joseph und andere Gefangene gefesselt in einem Kerker.

      KAPITEL 11

      „Alle seine Wege sind gerecht“

      1, 2. (a) Welche schlimmen Ungerechtigkeiten erlebte Joseph? (b) Was unternahm Jehova dagegen?

      EINE himmelschreiende Ungerechtigkeit! Der gut aussehende junge Mann hatte kein Verbrechen begangen und lag trotzdem im Kerker. Man warf ihm versuchte Vergewaltigung vor. Und das war nicht das erste Mal, dass ihm Unrecht widerfuhr. Jahre zuvor war der damals 17-jährige Joseph von seinen eigenen Brüdern verraten und um ein Haar umgebracht worden. Sie hatten ihn als Sklaven in ein fremdes Land verkauft. Dort hatte er sich gegen die Annäherungs­versuche der Frau seines Herrn gewehrt. Die zurückgewiesene Frau konstruierte eine Falschanklage, die ihn ins Gefängnis brachte. Traurigerweise sah es so aus, als würde sich niemand für Joseph einsetzen.

      2 Doch der Gott, der „Gerechtigkeit und Recht“ liebt, beobachtete das Ganze (Psalm 33:5). Jehova unternahm etwas gegen diese Ungerechtigkeiten und lenkte alles so, dass Joseph freikam. Nicht nur das: Joseph, der Mann, den man ins Gefängnis geworfen hatte, erhielt schließlich eine äußerst verantwortungs­volle und angesehene Stellung (1. Mose 40:15; 41:41-43; Psalm 105:17, 18). Zu guter Letzt wurde Joseph rehabilitiert und nutzte seine hohe Stellung, um Gottes Vorsatz voranzutreiben (1. Mose 45:5-8).

      Joseph litt zu Unrecht im Gefängnis

      3. Warum ist es nicht verwunderlich, dass wir alle gerecht behandelt werden möchten?

      3 Solche Berichte sprechen uns an, denn wer hat noch nie Ungerechtigkeit mit ansehen oder selbst erfahren müssen? Wir alle sehnen uns danach, gerecht und fair behandelt zu werden. Das ist auch nicht verwunderlich, denn Jehova hat uns mit Eigenschaften ausgestattet, die seine eigene Persönlichkeit widerspiegeln, und Gerechtigkeit ist eine seiner Haupt­eigenschaften (1. Mose 1:27). Um Jehova gut kennenzulernen, ist es wichtig, sein Gerechtigkeits­empfinden zu verstehen. Dadurch werden uns seine wunderbaren Wege noch klarer, und wir fühlen uns noch stärker zu ihm hingezogen.

      Was ist Gerechtigkeit?

      4. Was gilt aus menschlicher Sicht oft als gerecht?

      4 Aus menschlicher Sicht ist Gerechtigkeit oft nichts weiter als eine faire Anwendung der Gesetze. In dem Buch Right and Reason—Ethics in Theory and Practice heißt es: „Gerechtigkeit ist mit Gesetz verknüpft, mit Verpflichtung, mit Rechten und Pflichten, und sie misst Strafe nach dem Gleichbehandlungs­grundsatz und nach Verdienst zu.“ Jehovas Gerechtigkeit ist jedoch keine rein mechanische, pflichtgetreue Umsetzung von Vorschriften.

      5, 6. (a) Was bedeuten die mit „Recht“ oder „Gerechtigkeit“ wiedergegebenen Wörter? (b) Was ist damit gemeint, dass Gott gerecht ist?

      5 Die Weite und Tiefe der Gerechtigkeit Jehovas wird verständlicher, wenn man die biblischen Begriffe aus den Ursprachen mit berücksichtigt. In den Hebräischen Schriften sind es im Wesentlichen drei Ausdrücke. Das Wort, das überwiegend mit „Recht“ wiedergegeben wird, kann auch „das Rechte im Sinne des richtigen … Verhaltens“ bedeuten (1. Mose 18:25). Die beiden anderen Ausdrücke werden meistens mit „Gerechtigkeit“ übersetzt, haben aber außerdem die Bedeutung von „das Rechte“, „das Recht“. Der Begriff, der in den Christlichen Griechischen Schriften mit „Gerechtigkeit“ übersetzt wird, lässt sich auch als „Rechtlichkeit“, „rechte Beschaffenheit, Richtigkeit“ definieren. Es wird also kein großer Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Recht gemacht (Amos 5:24).

      6 Wenn die Bibel folglich davon spricht, dass Gott gerecht ist, will sie uns sagen, dass er sich richtig und fair verhält – und das beständig und ohne Parteilichkeit (Römer 2:11). Eigentlich wäre es auch unvorstellbar, dass er anders handeln würde. Der treue Elihu erklärte: „Für den wahren Gott ist es undenkbar, schlecht zu handeln. Für den Allmächtigen ist es unvorstellbar, etwas Verkehrtes zu tun!“ (Hiob 34:10). Es ist für Jehova unmöglich, ungerecht zu handeln. Wieso? Das hat zwei bedeutsame Gründe.

      7, 8. (a) Warum ist Jehova nicht imstande, ungerecht zu handeln? (b) Was drängt Jehova, gerecht zu handeln?

      7 Erstens ist er heilig. Wie in Kapitel 3 erläutert wurde, ist alles an Jehova rein und aufrichtig. Er ist also gar nicht imstande, unrecht oder ungerecht zu handeln. Sehen wir uns an, was das bedeutet. Die Heiligkeit unseres himmlischen Vaters gibt uns das starke Vertrauen, dass er seine Kinder niemals schlecht behandeln wird. Jesus hatte dieses Vertrauen. In der letzten Nacht seines irdischen Lebens betete er: „Heiliger Vater, wache über sie [die Jünger] wegen deines Namens“ (Johannes 17:11). „Heiliger Vater“ – diese Anrede bezieht sich in der Bibel einzig und allein auf Jehova. Und das mit Recht, denn kein menschlicher Vater kommt ihm an Heiligkeit gleich. Jesus war fest davon überzeugt, dass seine Jünger in der Obhut seines Vaters, der absolut rein und ganz und gar von Sünde getrennt ist, gut aufgehoben wären (Matthäus 23:9).

      8 Zweitens ist Gott der Inbegriff selbstloser Liebe. Diese Liebe drängt ihn, andere gerecht zu behandeln. Die Ungerechtigkeit in ihren vielen Formen wie Rassismus, Diskriminierung und Parteilichkeit ist dagegen oft von Gier und Selbstsucht getrieben, die der Liebe entgegengesetzt sind. Was den Gott der Liebe betrifft, versichert uns die Bibel: „Jehova ist gerecht, er liebt gerechte Taten“ (Psalm 11:7). Jehova sagt von sich selbst: „Ich, Jehova, liebe das Recht“ (Jesaja 61:8). Ist es nicht ein beruhigender Gedanke, dass unser Gott Gefallen daran hat, richtig oder gerecht zu handeln? (Jeremia 9:24).

      Barmherzigkeit und Jehovas vollkommene Gerechtigkeit

      9-11. (a) Wie ist Jehovas Gerechtigkeit mit seiner Barmherzigkeit verwoben? (b) Wie zeigt sich Jehovas Gerechtigkeit und Barmherzigkeit in seiner Handlungsweise mit sündigen Menschen?

      9 Jehovas Gerechtigkeit ist wie jede andere Facette seiner unvergleichlichen Persönlichkeit vollkommen, sie lässt nichts vermissen. Moses rühmte Jehova mit den Worten: „Der Fels, was er tut, ist vollkommen, denn alle seine Wege sind gerecht. Ein treuer Gott, der nie ungerecht ist, gerecht und aufrichtig ist er“ (5. Mose 32:3, 4). Die Art und Weise, wie Jehova Gerechtigkeit übt, ist immer ideal – niemals zu nachsichtig, niemals zu hart.

      10 Jehovas Gerechtigkeit und seine Barmherzigkeit sind eng miteinander verwoben. In Psalm 116:5 heißt es: „Jehova ist mitfühlend und gerecht. Unser Gott ist barmherzig.“ Ja, Jehova ist sowohl gerecht als auch barmherzig. Diese zwei Merkmale vertragen sich durchaus. Seine Gerechtigkeit wird nicht durch seine Barmherzigkeit verwässert, als wäre sie ansonsten zu streng. Die beiden Eigenschaften kommen oft gleichzeitig und sogar bei ein und derselben Handlung zum Tragen. Dazu ein Beispiel.

      11 Alle Menschen sind durch Vererbung Sünder und verdienen daher die Strafe für Sünde – den Tod (Römer 5:12). Jehova freut sich nicht über den Tod von Sündern. Er ist „ein Gott, der gern vergibt, der mitfühlend und barmherzig ist“ (Nehemia 9:17). Doch als heiliger Gott kann er Ungerechtigkeit nicht billigen. Wie ist es ihm nun möglich, Menschen in ihrer Sündhaftigkeit Barmherzigkeit zu erweisen? Die Antwort auf diese Frage ist zugleich eine der kostbarsten Wahrheiten in Gottes Wort: Es geht um das Lösegeld, das Gott zur Rettung der Menschheit beschafft hat. In Kapitel 14 erfahren wir mehr über dieses liebevolle Geschenk Gottes. Es ist ganz und gar gerecht und zugleich äußerst barmherzig. Durch das Lösegeld kann Jehova reumütigen Sündern innige Barmherzigkeit entgegenbringen, während er gleichzeitig an seinen Maßstäben für vollkommene Gerechtigkeit festhält (Römer 3:21-26).

      Jehovas Gerechtigkeit spricht das Herz an

      12, 13. (a) Warum zieht uns Jehovas Gerechtigkeit zu ihm? (b) Wie dachte David über Jehovas Gerechtigkeit, und wieso ist das ein Trost?

      12 Jehovas Gerechtigkeit ist keine kalte Eigenschaft, die uns abstößt, sondern eine gewinnende Eigenschaft, die uns zu ihm zieht. In der Bibel kommt die mitfühlende Seite der Gerechtigkeit Jehovas deutlich zum Ausdruck. Wenden wir uns nun einigen ergreifenden Beispielen zu, wie Jehova Gerechtigkeit übt.

      13 Jehovas vollkommene Gerechtigkeit veranlasst ihn, seinen Dienern gegenüber treu und loyal zu sein. Der Psalmist David erfuhr diese Facette der Gerechtigkeit Jehovas an sich selbst. Zu welchem Schluss kam David durch eigene Erfahrung und durch sein Studium der Handlungsweise Gottes? Er erklärte: „Jehova liebt das Recht und er wird seine Loyalen nicht im Stich lassen. Zu allen Zeiten werden sie beschützt“ (Psalm 37:28). Was für eine tröstende Zusicherung! Unser Gott wird jemand, der loyal zu ihm hält, nicht im Stich lassen, auch nicht für einen Augenblick. Wir können auf seine Nähe und liebevolle Fürsorge zählen. Seine Gerechtigkeit ist die Garantie dafür (Sprüche 2:7, 8).

      14. Wie wird Jehovas Sorge für die Benachteiligten am Gesetz für Israel deutlich?

      14 Die göttliche Gerechtigkeit nimmt die Nöte Leidender wahr. Jehovas Sorge für die Benachteiligten wird an dem Gesetz, das er Israel gab, deutlich. Darin war beispielsweise die Versorgung von Waisen und Witwen ausdrücklich geregelt (5. Mose 24:17-21). In dem Bewusstsein, wie schwer es solche Familien oft hatten, machte sich Jehova zu ihrem väterlichen Richter und Beschützer, der „dem vaterlosen Kind und der Witwe zum Recht [verhilft]“ (5. Mose 10:18; Psalm 68:5).a Jehova warnte die Israeliten davor, wehrlose Frauen und Kinder zu schikanieren, denn er werde ihren Hilferuf ganz bestimmt hören. „Mein Zorn wird dann aufflammen“, sagte er (2. Mose 22:22-24). Zorn gehört zwar nicht zu den hervorstechenden Verhaltensmerkmalen Jehovas, aber vorsätzliche Ungerechtigkeit – vor allem gegenüber Menschen, auf die andere herabblicken oder die hilflos sind – ruft bei ihm gerechte Entrüstung hervor (Psalm 103:6).

      15, 16. Was ist ein wirklich bemerkenswerter Beweis der Unparteilichkeit Jehovas?

      15 Jehova versichert uns auch, dass er „niemand parteiisch behandelt und sich nicht bestechen lässt“ (5. Mose 10:17). Im Unterschied zu vielen mächtigen und einflussreichen Menschen lässt sich Jehova von Reichtum oder von Äußerlichkeiten nicht beeindrucken. Er ist völlig unvoreingenommen und unparteiisch. Sehen wir uns einen wirklich bemerkenswerten Beweis für Jehovas Unparteilichkeit an. Die Möglichkeit, ein wahrer Anbeter Gottes mit der Aussicht auf endloses Leben zu werden, ist nicht einer Elite vorbehalten. Vielmehr heißt es über Jehova, dass er „in jedem Volk den Menschen annimmt, der Ehrfurcht vor ihm hat und tut, was richtig ist“ (Apostel­geschichte 10:34, 35). Diese herrliche Aussicht steht allen offen, ganz unabhängig von ihrer Gesellschafts­schicht, Hautfarbe oder Nationalität. Ist das nicht Gerechtigkeit, wie sie im Buche steht?

      16 Aber noch ein anderer Aspekt der vollkommenen Gerechtigkeit Gottes verdient Aufmerksamkeit und Achtung. Es geht um seine Handlungsweise mit Menschen, die gegen seine gerechten Normen verstoßen.

      Keine Straffreiheit

      17. Erkläre, weshalb die heutigen Ungerechtigkeiten Gottes Gerechtigkeit auf keinen Fall infrage stellen.

      17 Da Jehova Ungerechtigkeit nicht billigt, fragt man sich unwillkürlich: Wie lassen sich die ungerechten Leiden und die korrupten Praktiken erklären, die in der heutigen Welt grassieren? Auf keinen Fall stellen sie Jehovas Gerechtigkeit infrage. Die vielen Ungerechtigkeiten in der gegenwärtigen schlechten Welt sind Auswirkungen der Sünde, die wir von Adam geerbt haben. In einer Welt, in der sich unvollkommene Menschen ihre eigenen sündigen Wege ausgesucht haben, nehmen Ungerechtigkeiten überhand – aber nicht mehr lange (5. Mose 32:5).

      18, 19. Was zeigt, dass Jehova willentliche Übertreter seiner gerechten Gesetze nicht endlos dulden wird?

      18 Denen, die seine Nähe aufrichtig suchen, erweist Jehova große Barmherzigkeit, doch er wird eine Situation, die seinem heiligen Namen Schande macht, nicht endlos dulden (Psalm 74:10, 22, 23). Der Gott der Gerechtigkeit lässt sich nicht verspotten. Er wird willentliche Sünder nicht vor dem Strafgericht verschonen, das sie durch ihr Verhalten auf sich ziehen. Jehova ist „ein Gott, der barmherzig und mitfühlend ist, der nicht schnell zornig wird und reich ist an loyaler Liebe und Wahrheit. … Doch er wird Schuldige auf keinen Fall ungestraft lassen“ (2. Mose 34:6, 7). Ganz im Sinne dieser Aussage erachtet es Jehova manchmal für notwendig, Menschen zu bestrafen, die seine gerechten Gesetze absichtlich übertreten.

      19 Davon zeugt zum Beispiel Gottes Handlungsweise mit dem alten Israel. Selbst nachdem sich die Israeliten im Land der Verheißung angesiedelt hatten, wurden sie wiederholt untreu. Durch ihre Verdorbenheit kränkten sie Jehova, aber er verwarf sie nicht sofort (Psalm 78:38-41). Aus Barmherzigkeit gab er ihnen Gelegenheiten zur Umkehr. Bittend redete er ihnen zu: „Ich habe kein Gefallen am Tod des Bösen, sondern daran, dass ein Böser seinen Kurs ändert und am Leben bleibt. Kehrt um, kehrt um von euren schlechten Wegen, denn warum solltet ihr sterben, Volk Israel?“ (Hesekiel 33:11). Da das Leben für Jehova kostbar ist, sandte er immer wieder Propheten aus, damit die Israeliten von ihren schlechten Wegen umkehrten. Doch das hartherzige Volk wollte als Ganzes gesehen nicht hören und bereuen. Jehova war es seinem heiligen Namen und allem, wofür sein Name steht, schuldig, die Israeliten schließlich ihren Feinden auszuliefern (Nehemia 9:26-30).

      20. (a) Was lehrt uns Jehovas Handlungsweise mit Israel? (b) Wieso ist der Löwe ein passendes Symbol für Jehovas Gerechtigkeit?

      20 Jehovas Handlungsweise mit Israel ist für uns sehr aufschlussreich. Wir erfahren, dass seine alles überwachenden Augen von Ungerechtigkeiten Notiz nehmen und dass ihm das, was er sieht, nahegeht (Sprüche 15:3). Es ist auch ein Trost, zu wissen, dass er gern Barmherzigkeit erweist, wenn es eine Grundlage dafür gibt. Außerdem wird uns klar, dass er in seiner Gerechtigkeit niemals übereilt handelt. Viele Menschen ziehen aus der Geduld Jehovas den falschen Schluss, er werde niemals ein Gericht über die Bösen bringen. Weit gefehlt! Denn an der Handlungsweise Gottes mit Israel ist zu erkennen, dass die göttliche Geduld ihre Grenzen hat. Jehova tritt entschieden für Gerechtigkeit ein. Im Gegensatz zu Menschen, die oft davor zurückschrecken, Recht zu üben, fehlt es ihm nie an dem Mut, für das Rechte einzutreten. Passenderweise wird der Löwe als Symbol mutiger Gerechtigkeit mit Gottes Gegenwart und seinem Thron in Verbindung gebracht (Hesekiel 1:10; Offenbarung 4:7).b Wir können daher sicher sein, dass er sein Versprechen halten wird, die Erde von aller Ungerechtigkeit zu befreien. Seine Art zu urteilen lässt sich wie folgt zusammenfassen: Festigkeit, wo nötig, Barmherzigkeit, wo immer möglich (2. Petrus 3:9).

      Dem Gott der Gerechtigkeit näherkommen

      21. Wie sollten wir uns Jehova vorstellen, wenn wir darüber nachdenken, wie er Recht übt, und warum?

      21 Wenn wir darüber nachdenken, wie Jehova Recht übt, dürfen wir ihn nicht als kalten, strengen Richter sehen, dem es nur darum geht, Sünder zu verurteilen. Stattdessen sollten wir uns Gott als liebevollen, aber konsequenten Vater vorstellen, der stets das Beste für seine Kinder will. Bei Jehova als gerechtem Vater hält sich entschiedenes Eintreten für das Rechte die Waage mit zartem Mitgefühl gegenüber seinen irdischen Kindern, die seine Hilfe und Vergebung brauchen (Psalm 103:10, 13).

      22. Welche Perspektive bietet uns Jehova in seiner Gerechtigkeit, und weshalb handelt er so mit uns?

      22 Wie dankbar können wir sein, dass die göttliche Gerechtigkeit viel mehr umfasst, als Unrecht zu bestrafen! In seiner Gerechtigkeit bietet uns Jehova eine ganz und gar begeisternde Perspektive: vollkommenes, endloses Leben in einer Welt, in der „Gerechtigkeit herrschen“ wird (2. Petrus 3:13). Gott handelt mit uns deshalb so, weil seine Gerechtigkeit darauf bedacht ist zu retten, statt zu verurteilen. Die ganze Bandbreite der Gerechtigkeit Jehovas besser zu verstehen, bringt uns ihm näher. Die nächsten Kapitel gehen darauf ein, wie Jehova diese bewundernswerte Eigenschaft entfaltet.

      a Wie sehr sich Jehova nicht nur um vaterlose Jungen, sondern auch um vaterlose Mädchen kümmert, zeigt der Bericht über die Töchter von Zelophhad. Da er keine Söhne hinterließ, entschied Jehova, dass seine Töchter als Erben eingesetzt wurden. Jehova sorgte dafür, dass diese Entscheidung im Gesetz verankert wurde. Dadurch wurden die Rechte vaterloser Mädchen geschützt (4. Mose 27:1-8).

      b Interessanter­weise vergleicht sich Jehova in seiner Funktion als Urteils­vollstrecker am untreuen Israel mit einem Löwen (Jeremia 25:38; Hosea 5:14).

      Fragen zum Nachdenken

      • Jeremia 18:1-11 Wie führte Jehova Jeremia vor Augen, dass er niemand übereilt verurteilt?

      • Habakuk 1:1-4, 13; 2:2-4 Wie sicherte Jehova Habakuk zu, dass er Ungerechtigkeit nicht endlos duldet?

      • Sacharja 7:8-14 Was hält Jehova von Menschen, die die Rechte anderer mit Füßen treten?

      • Römer 2:3-11 Auf welcher Grundlage beurteilt Jehova sowohl Einzelne als auch Nationen?

  • „Gibt es bei Gott Ungerechtigkeit?“
    Komm Jehova doch näher
    • Während es auf Sodom und Gomorra Feuer und Schwefel regnet, kommt Lot mit seinen beiden Töchtern sicher in Zoar an.

      KAPITEL 12

      „Gibt es bei Gott Ungerechtigkeit?“

      1. Wie berührt uns Ungerechtigkeit?

      EINE betagte Witwe wird um ihr Erspartes gebracht. Ein hilfloses Baby wird von einer herzlosen Mutter ausgesetzt. Ein Mann kommt für ein Verbrechen ins Gefängnis, das er gar nicht begangen hat. Wie reagieren wir auf solche Vorfälle? Wahrscheinlich mit großem Unbehagen, und das ist verständlich. Wir Menschen haben ein starkes Empfinden für Recht und Unrecht. Ungerechtigkeit erbost uns. Wir möchten, dass das Opfer entschädigt und der Täter den Händen der Gerechtigkeit übergeben wird. Geschieht das nicht, steigt in uns vielleicht die Frage auf: Sieht Gott nicht, was hier passiert? Warum tut er nichts?

      2. Wie reagierte Habakuk auf Ungerechtigkeit, und weshalb kritisierte Jehova ihn nicht dafür?

      2 Im Verlauf der Geschichte haben treue Diener Jehovas immer wieder solche Fragen gestellt. Der Prophet Habakuk sagte in einem Gebet: „Warum lässt du mich Unrecht mit ansehen? Warum tolerierst du Unterdrückung? Warum gibt es um mich herum Zerstörung und Gewalt? Warum so viel Streit, so viele Konflikte?“ (Habakuk 1:3). Jehova kritisierte Habakuk nicht für diese offenen, direkten Fragen, denn schließlich hat er dem Menschen einen Sinn für Gerechtigkeit verliehen. Ja, Jehova hat uns eine kleine Portion seines tiefen Gerechtigkeits­empfindens gegeben.

      Jehova hasst Ungerechtigkeit

      3. Wieso kann man sagen, dass Jehova Ungerechtigkeit deutlicher wahrnimmt als wir?

      3 Jehova ist für Ungerechtigkeit nicht blind. Er sieht, was vor sich geht. Über die Zeit Noahs heißt es in der Bibel: „Da sah Jehova, dass die Menschen auf der Erde sehr schlecht waren und die Gedanken in ihrem Herzen immer nur zum Bösen neigten“ (1. Mose 6:5). Denken wir einmal darüber nach, wie viel in dieser Aussage steckt. Was wir als Ungerechtigkeit wahrnehmen, basiert oft auf einigen wenigen Vorfällen, von denen wir gehört oder die wir persönlich erlebt haben. Jehova dagegen nimmt die Ungerechtigkeit in globalem Ausmaß wahr. Ihm entgeht nichts! Und obendrein kann er noch die Neigung des Herzens erkennen – die niedrigen Gedanken hinter ungerechten Taten (Jeremia 17:10).

      4, 5. (a) Wie geht aus der Bibel hervor, dass Jehova um die Opfer von Ungerechtigkeit besorgt ist? (b) Wie ist Jehova selbst von Ungerechtigkeit betroffen?

      4 Doch Jehova nimmt nicht nur von der Ungerechtigkeit Notiz. Er ist auch um die Opfer besorgt. Als die Israeliten unter der Grausamkeit feindlicher Völker litten, hatte Jehova „Mitleid, wenn sie stöhnten, weil man sie unterdrückte und misshandelte“ (Richter 2:18). Manche Leute werden durch die vielen Ungerechtigkeiten, die sie sehen, immer abgestumpfter. Nicht so Jehova! Er beobachtet seit rund 6000 Jahren das gesamte Ausmaß der Ungerechtigkeit, und er hasst sie wie eh und je. In der Bibel heißt es ausdrücklich, dass er „eine verlogene Zunge“, „Hände, die unschuldiges Blut vergießen“, „einen falschen Zeugen, der bei jedem Atemzug lügt“, und dergleichen verabscheut (Sprüche 6:16-19).

      5 Bemerkenswert ist auch, wie hart Jehova mit den ungerechten Führern Israels ins Gericht ging. „Müsstet ihr nicht wissen, was gerecht ist?“, fragte ein Prophet unter göttlicher Inspiration. Nach einer plastischen Schilderung ihres Machtmissbrauchs sagte Jehova voraus, wie es mit diesen korrupten Männern ausgehen würde: „Sie [werden] zu Jehova um Hilfe rufen, aber er wird ihnen nicht antworten. Er wird in dieser Zeit sein Gesicht vor ihnen verbergen wegen ihrer schlechten Taten“ (Micha 3:1-4). Wie sehr Jehova doch Ungerechtigkeit zuwider ist! Er ist selbst Leidtragender! Seit Tausenden von Jahren wird er von Satan zu Unrecht verhöhnt (Sprüche 27:11). Außerdem war Jehova von der schrecklichsten aller Ungerechtigkeiten betroffen: Sein Sohn „beging keine Sünde“ und wurde trotzdem wie ein Verbrecher hingerichtet (1. Petrus 2:22; Jesaja 53:9). Jehova ist für die Not der Opfer von Ungerechtigkeit weder blind, noch lässt sie ihn unberührt.

      6. Wie reagieren Menschen oft auf Ungerechtigkeit, und warum?

      6 Was uns betrifft, ist es ganz natürlich, dass wir heftig reagieren, wenn wir Ungerechtigkeit beobachten oder selbst unter unfairer Behandlung leiden. Wir sind im Bild Gottes erschaffen, und Ungerechtigkeit ist allem, wofür Jehova steht, absolut entgegengesetzt (1. Mose 1:27). Aber warum lässt Gott Ungerechtigkeit dann überhaupt zu?

      Eine wichtige Streitfrage

      7. Wie wurde Jehovas Name verleumdet und seine Regierungsweise infrage gestellt?

      7 Der Grund, warum Gott Ungerechtigkeit zulässt, hängt mit einer wichtigen Streitfrage zusammen. Wie schon erwähnt, hat der Schöpfer das Recht, über die Erde und alle ihre Bewohner zu herrschen (Psalm 24:1; Offenbarung 4:11). Doch zu Beginn der Menschheits­geschichte wurde Gottes guter Name verleumdet und seine Art zu regieren infrage gestellt. Wie kam es dazu? Jehova hatte dem ersten Menschen, Adam, verboten, von einem bestimmten Baum in seiner paradiesischen Heimat zu essen. Und wenn er sich nicht daran halten würde? Dann „wirst du ganz bestimmt sterben“, hatte Gott gesagt (1. Mose 2:17). Gottes Gebot war für Adam und seine Frau Eva keine Zumutung. Trotzdem ließ sich Eva von Satan einreden, Gott würde sie unnötig einschränken. Was wäre, wenn sie von dem Baum essen würde? Der Teufel behauptete: „Ihr werdet ganz bestimmt nicht sterben. Gott weiß, dass euch an dem Tag, an dem ihr davon esst, die Augen geöffnet werden. Ihr werdet wie Gott sein und erkennen, was gut und böse ist“ (1. Mose 3:1-5).

      8. (a) Was deutete der Teufel mit seinen Äußerungen gegenüber Eva an? (b) Was stellte der Teufel infrage?

      8 Mit dieser Aussage unterstellte der Teufel Jehova nicht nur, er habe Eva bedeutsame Informationen vorenthalten, sondern auch, er habe sie belogen. Satan brachte Eva dazu, anzuzweifeln, dass Jehova gut ist. Er entehrte dadurch Gottes Namen und stellte seine Art zu regieren infrage. Der Teufel war vorsichtig genug, nicht die Tatsache anzuzweifeln, dass Gott der Souverän ist. Nein, er stellte infrage, dass Gottes Souveränität oder Oberherrschaft rechtens, gerecht und verdient ist. Mit anderen Worten: Er behauptete, Jehova übe seine Souveränität nicht gerecht und nicht zum Wohl seiner Untertanen aus.

      9. (a) Was war für Adam und Eva die Folge des Ungehorsams, und welche hochbedeutsamen Fragen ergaben sich daraus? (b) Warum vernichtete Jehova die Rebellen nicht einfach?

      9 Daraufhin missachteten sowohl Adam als auch Eva Jehovas Gebot und aßen von dem verbotenen Baum. Wegen ihres Ungehorsams erwartete sie die Todesstrafe, so wie Gott es verfügt hatte. Durch Satans Lüge wurden hochbedeutsame Fragen aufgeworfen: Hat Jehova überhaupt das Recht, über die Menschheit zu herrschen, oder sollte sich der Mensch selbst regieren? Übt Jehova seine Souveränität auf bestmögliche Weise aus? Allmächtig, wie er ist, hätte Jehova die Rebellen auf der Stelle vernichten können. Doch bei den aufgeworfenen Fragen ging es nicht um seine Macht. Vielmehr ging es um seine Art zu regieren und damit um seinen guten Namen oder Ruf. Adam, Eva und den Teufel auszuschalten hätte die Rechtmäßigkeit seiner Souveränität nicht bewiesen. Womöglich wären dadurch noch mehr Zweifel an seiner Regierungsweise aufgekommen. Nur die Zeit würde zeigen, ob sich die Menschen erfolgreich selbst – also unabhängig von Gott – regieren könnten.

      10. Was sagt die Geschichte über die Menschen­herrschaft aus?

      10 Was hat die Zeit gezeigt? Im Verlauf der Jahrtausende hat der Mensch viele Regierungsformen ausprobiert, darunter Autokratie, Demokratie, Sozialismus und Kommunismus. Über die Quintessenz all dieser Experimente sagt die Bibel ganz unverblümt, dass „der Mensch über den Menschen zu dessen Schaden geherrscht“ hat (Prediger 8:9). Aus gutem Grund erklärte der Prophet Jeremia: „Ich weiß nur zu gut, Jehova, dass es dem Menschen nicht zusteht, seinen Weg selbst zu bestimmen. Es steht dem Menschen nicht zu, auf seinem Lebensweg auch nur seinen Schritt zu lenken“ (Jeremia 10:23).

      11. Warum lässt Jehova zu, dass die Menschheit Leid ertragen muss?

      11 Jehova wusste von Anfang an, dass die Unabhängigkeit oder Selbstregierung des Menschen viel Leid verursachen würde. War es ungerecht von ihm, den Dingen ihren Lauf zu lassen? Auf keinen Fall! Ein Beispiel: Angenommen, dein Kind braucht eine Operation, um von einer lebens­bedrohlichen Krankheit geheilt zu werden. Dir ist klar, dass es bei diesem Eingriff leiden muss, und darüber bist du tief betrübt. Du weißt aber auch, dass die Behandlung deinem Kind auf lange Sicht zu besserer Gesundheit verhelfen wird. Ebenso wusste Gott – und prophezeite es sogar –, dass die von ihm geduldete Menschen­herrschaft Schmerz und Leid mit sich bringen würde (1. Mose 3:16-19). Aber er wusste auch, dass eine sinnvolle Dauerlösung nur dann möglich wäre, wenn die ganze Menschheit die verheerenden Folgen der Rebellion sehen könnte. So ließe sich die Streitfrage endgültig und für alle Ewigkeit klären.

      Die Integrität des Menschen infrage gestellt

      12. Was unterstellte der Teufel den Menschen, wie an Hiob deutlich wird?

      12 Die Sache hat aber noch einen anderen Aspekt. Als der Teufel die Rechtmäßigkeit und Gerechtigkeit der Herrschaft Gottes anfocht, verleumdete er nicht nur Jehova als Souverän und griff seinen Namen an. Er stellte auch die Integrität der Diener Gottes infrage. Bezeichnend ist, was Satan über den gerechten Hiob zu Jehova sagte: „Hast du nicht um ihn, um sein Haus und um alles, was er hat, eine schützende Hecke gezogen? Alles, was seine Hände tun, hast du gesegnet, und sein Viehbestand hat sich im Land ausgebreitet. Aber streck doch zur Abwechslung mal deine Hand aus und nimm ihm alles weg, was er hat, und er wird dir bestimmt direkt ins Gesicht fluchen“ (Hiob 1:10, 11).

      13. Was wollte Satan mit seinen Anklagen gegen Hiob sagen, und wieso sind alle Menschen davon betroffen?

      13 Satan unterstellte Jehova, er hätte sich mit seiner schützenden Macht Hiobs Ergebenheit erkauft. Hiob hätte seine Integrität also nur vorgetäuscht und Gott nur für eine Gegenleistung gedient. Müsste Hiob auf den Segen Gottes verzichten, würde selbst er seinen Schöpfer verfluchen. Satan wusste über Hiob: „Er ist ein aufrichtiger Mann, der sich nichts zuschulden kommen lässt. Er ist gottesfürchtig und meidet alles Schlechte.“a Wenn Satan Hiob dazu bringen könnte, seine Integrität aufzugeben, wie sähe es dann mit dem Rest der Menschheit aus? In Wirklichkeit zweifelte Satan die Loyalität aller an, die Gott dienen möchten. Das sieht man daran, dass er zu Jehova sagte: „Alles, was ein Mensch hat, wird er für sein Leben geben“ (Hiob 1:8; 2:4).

      14. Wie hat die Geschichte Satans Anklagen gegen die Menschen widerlegt?

      14 Die Geschichte hat Satans Behauptung Lügen gestraft, denn so wie Hiob sind viele Menschen Jehova unter Prüfungen treu geblieben. Durch ihren treuen Lebenswandel haben sie Jehova Freude gemacht und ihm eine Antwort auf Satans prahlerische und höhnische Unterstellung geliefert, dass sich die Menschen unter widrigen Bedingungen von Gott lossagen würden (Hebräer 11:4-38). Wer die richtige Herzens­einstellung hat, lässt sich nicht von Gott wegziehen. In den tragischsten Situationen, in denen er weder aus noch ein weiß, vertraut er umso mehr darauf, dass Jehova ihm die Kraft gibt alles durchzustehen (2. Korinther 4:7-10).

      15. Welche Frage könnten Gottes vergangene und künftige Urteile aufkommen lassen?

      15 Jehovas Gerechtigkeit ist also daran zu erkennen, wie er mit den Streitfragen um die Rechtmäßigkeit seiner Souveränität und um die Integrität des Menschen umgeht. In der Bibel sind aber auch Urteile dokumentiert, die er an Einzelnen und sogar an ganzen Völkern vollstreckt hat. Außerdem enthält sie Prophezeiungen über Urteile, die er in Zukunft fällen wird. Warum können wir uns darauf verlassen, dass die Urteile Jehovas immer gerecht sind?

      Warum Gottes Gerechtigkeit überlegen ist

      Während es auf Sodom und Gomorra Feuer und Schwefel regnet, kommt Lot mit seinen beiden Töchtern sicher in Zoar an. Im Hintergrund ist Lots Frau als Salzsäule zu sehen.

      Jehova wird niemals „die Gerechten zusammen mit den Bösen vernichten“

      16, 17. Welche Beispiele zeigen, dass Menschen einen eingeschränkten Blick für wahre Gerechtigkeit haben?

      16 Treffend heißt es von Jehova: „Alle seine Wege sind gerecht“ (5. Mose 32:4). Keiner von uns kann so etwas von sich behaupten, denn durch unsere eingeschränkte Wahrnehmung erkennen wir oft nicht klar, was richtig ist. So war es auch bei Abraham. Als es um die Zerstörung Sodoms ging, richtete er trotz der dort grassierenden Schlechtigkeit einen flehentlichen Appell an Jehova. Er fragte ihn: „Wirst du wirklich die Gerechten zusammen mit den Bösen vernichten?“ (1. Mose 18:23-33). Die Antwort lautete selbst­verständlich nein. Erst als der gerechte Lot und seine Töchter sicher in der Stadt Zoar angekommen waren, ließ Jehova „Schwefel und Feuer“ auf Sodom regnen (1. Mose 19:22-24). Jona dagegen „wurde sehr zornig“, als Gott den Bewohnern Ninives Barmherzigkeit erwies. Da Jona ihnen die Vernichtung bereits angekündigt hatte, wäre es ihm nur recht gewesen, sie auch ausgerottet zu sehen – ungeachtet ihrer aufrichtigen Reue (Jona 3:10 bis 4:1).

      17 Jehova versicherte Abraham, dass er, wenn er Recht übt, nicht nur die Bösen vernichtet, sondern auch die Gerechten rettet. Und Jona musste lernen, dass Jehova barmherzig ist. Wenn sich schlechte Menschen ändern, vergibt er gern (Psalm 86:5). Jehova spricht nicht einfach deshalb ein Urteil aus, weil er seine Macht demonstrieren will, wie es oft bei unsicheren Menschen der Fall ist. Auch hält er sein Mitgefühl nicht zurück aus Furcht, das könnte ihm als Schwäche ausgelegt werden. Er handelt nach dem Prinzip, Barmherzigkeit zu üben, wann immer es eine Grundlage dafür gibt (Jesaja 55:7; Hesekiel 18:23).

      18. Belege durch biblische Beispiele, dass sich Jehova nicht von Sentimentalität leiten lässt.

      18 Doch Jehovas Blick wird nicht durch Sentimentalität getrübt. Als sein Volk dem Götzendienst verfiel, erklärte Jehova mit allem Nachdruck: „Ich werde … ein Urteil über dich sprechen, das du für dein Verhalten verdienst, und dich für all deine abscheulichen Taten zur Rechenschaft ziehen. Mein Auge wird kein Mitleid mit dir haben und ich werde kein Mitgefühl empfinden, denn ich werde dich für die Wege, die du selbst gegangen bist, zahlen lassen“ (Hesekiel 7:3, 4). Wenn Menschen also starrsinnig auf ihrem Kurs beharren, fällt Jehova auch ein entsprechendes Urteil. Es gründet sich allerdings auf unumstößliche Beweise. Als ihm ein Aufschrei über Sodom und Gomorra zu Ohren kam, sagte er: „Ich werde hinuntergehen und nachsehen, ob ihr Handeln tatsächlich dem Aufschrei entspricht, den ich gehört habe“ (1. Mose 18:20, 21). Wie dankbar können wir sein, dass Jehova nicht Menschen gleicht, die Schlüsse ziehen, bevor sie alle Fakten kennen! Jehova ist wirklich „ein treuer Gott, der nie ungerecht ist“ (5. Mose 32:4).

      Der Gerechtigkeit Jehovas vertrauen

      19. Was können wir tun, wenn uns die Art und Weise, wie Jehova Recht übt, vor ein Rätsel stellt?

      19 Die Bibel geht nicht auf jede Frage ein, die durch Jehovas vergangene Taten aufkommen könnte. Auch erklärt sie nicht detailliert, wie Jehova künftig Einzelpersonen und Gruppen beurteilen wird. Wenn uns bestimmte biblische Berichte oder Prophezeiungen verwirren, weil sie Details vermissen lassen, können wir uns ähnlich loyal zeigen wie der Prophet Micha, der schrieb: „Auf den Gott, von dem meine Rettung kommt, werde ich geduldig warten“ (Micha 7:7).

      20, 21. Wieso können wir darauf vertrauen, dass Jehova immer das Richtige tut?

      20 Wir können darauf vertrauen, dass Jehova in jeder Situation das Richtige tut. Menschen scheinen Ungerechtigkeiten zwar oft zu ignorieren, doch Jehova verspricht: „Es ist meine Sache, Rache zu nehmen. Ich werde Vergeltung üben“ (Römer 12:19). Durch unsere wartende Haltung können wir die feste Überzeugung des Apostels Paulus widerspiegeln: „Gibt es bei Gott Ungerechtigkeit? Auf keinen Fall!“ (Römer 9:14).

      21 Unterdessen erleben wir „kritische Zeiten“, „mit denen man schwer fertigwird“ (2. Timotheus 3:1). Ungerechtigkeiten und „Taten der Unterdrückung“ verursachen viele schreckliche Missstände (Prediger 4:1). Doch Jehova hat sich nicht geändert. Nach wie vor hasst er Ungerechtigkeit und ist sehr um die Opfer besorgt. Wenn wir treu für Jehova und seine Souveränität einstehen, wird er uns die Kraft geben auszuharren, bis er zur gegebenen Zeit durch seine Königreichs­regierung alle Ungerechtigkeit wiedergutmachen wird (1. Petrus 5:6, 7).

      a Jehova sagte über Hiob: „Auf der Erde gibt es keinen wie ihn“ (Hiob 1:8). Höchst­wahrscheinlich lebte Hiob also nach dem Tod Josephs und bevor Moses zum Führer Israels eingesetzt wurde. Folglich konnte man damals sagen, dass Hiobs Integrität ohnegleichen war.

      Fragen zum Nachdenken

      • 5. Mose 10:17-19 Weshalb können wir darauf vertrauen, dass Jehova unparteiisch handelt?

      • Hiob 34:1-12 Wieso können Elihus Worte unser Vertrauen auf Gottes Gerechtigkeit stärken, wenn uns Ungerechtigkeit widerfährt?

      • Psalm 1:1-6 Warum ist es beruhigend, zu wissen, dass Jehova die Taten der Gerechten und der Bösen genau beurteilt?

      • Maleachi 2:13-16 Wie dachte Jehova über die ungerechte Behandlung der Frauen, deren Männer sich ohne berechtigten Grund scheiden ließen?

  • „Das Gesetz Jehovas ist vollkommen“
    Komm Jehova doch näher
    • Moses hält die beiden Steintafeln mit den Zehn Geboten unter dem Arm.

      KAPITEL 13

      „Das Gesetz Jehovas ist vollkommen“

      1, 2. Warum haben viele Menschen keine große Achtung vor dem Recht, doch welche Empfindungen für Gottes Gesetze können in uns wachsen?

      „DIE Rechtsprechung ist ein Fass ohne Boden, sie … verschlingt alles.“ Diese Aussage stand in einem Buch aus dem Jahr 1712. Der Verfasser beklagte sich über eine Justiz, bei der sich Prozesse manchmal über Jahre hinschleppten und der Hilfesuchende in den finanziellen Ruin getrieben wurde. In vielen Ländern ist das Rechtswesen dermaßen kompliziert, ungerecht, voreingenommen und inkonsequent, dass mangelnde Achtung vor dem Recht gang und gäbe ist.

      2 Einen Kontrast dazu bilden folgende Worte, die vor ungefähr 2700 Jahren nieder­geschrieben wurden: „Wie sehr liebe ich doch dein Gesetz!“ (Psalm 119:97). Warum hatte der Psalmist diese tiefen Empfindungen? Weil das Gesetz, das er so hoch lobte, nicht von einer weltlichen Regierung stammte, sondern von Jehova Gott. Während du dich mit Jehovas Gesetzen befasst, wird es dir mit der Zeit wahrscheinlich genauso gehen wie dem Psalmisten. Durch ein solches Studium gewinnst du einen Eindruck von dem größten Rechtsgenie im ganzen Universum.

      Der höchste Gesetzgeber

      3, 4. Wie hat sich Jehova als Gesetzgeber erwiesen?

      3 „Es gibt nur einen, der Gesetzgeber und Richter ist“, sagt die Bibel (Jakobus 4:12). Ja, Jehova ist ein Gesetzgeber ohnegleichen. Selbst die Bewegungsabläufe der Himmelskörper werden durch die „Gesetze des Himmels“ bestimmt (Hiob 38:33). Auch die zahllosen heiligen Engel Jehovas lassen sich von Gottes Gesetz leiten, denn unter ihnen gibt es eine feste Aufgabenverteilung und sie stehen als Diener Jehovas unter göttlichem Befehl (Psalm 104:4; Hebräer 1:7, 14).

      4 Jehova hat auch der Menschheit Gesetze gegeben. Wir alle haben ein Gewissen, das Jehovas Rechtsempfinden widerspiegelt. Als eine Art inneres Gesetz kann uns das Gewissen helfen, zwischen Richtig und Falsch zu unterscheiden (Römer 2:14). Unsere Ureltern waren mit einem vollkommenen Gewissen ausgestattet und brauchten deshalb nur einige wenige Gesetze (1. Mose 2:15-17). Der unvollkommene Mensch dagegen benötigt mehr Gesetze, die ihn anleiten, Gottes Willen zu tun. Patriarchen wie Noah, Abraham und Jakob erhielten von Jehova Gott Gesetze, die sie an ihre Familie weiterleiteten (1. Mose 6:22; 9:3-6; 18:19; 26:4, 5). Jehova wurde zu einem unvergleichlichen Gesetzgeber, als er der Nation Israel durch Moses eine Gesetzessammlung gab. Sie gibt uns einen tiefen Einblick in Jehovas Rechtsempfinden.

      Das mosaische Gesetz – ein Überblick

      5. War das mosaische Gesetz eine unhandliche, komplizierte Gesetzessammlung, und warum antwortest du so?

      5 Offenbar halten viele das mosaische Gesetz für eine unhandliche, komplizierte Gesetzessammlung. Diese Ansicht entspricht jedoch absolut nicht den Tatsachen. Der gesamte Kodex besteht aus über 600 Gesetzen. Das klingt vielleicht nach viel, aber sehen wir uns zum Vergleich einmal die Bundesgesetze der Vereinigten Staaten an. Ende des 20. Jahrhunderts füllten sie in den Rechtsbüchern über 150 000 Seiten. Alle zwei Jahre kommen um die 600 Gesetze hinzu. Wenn es also rein um das Volumen geht, lassen die menschlichen Gesetzesberge das mosaische Gesetz direkt winzig erscheinen. Und das, obwohl Gottes Gesetz in Israel Lebensbereiche regelte, mit denen sich moderne Gesetze überhaupt nicht abgeben. Hier ein Überblick.

      6, 7. (a) Was unterscheidet das mosaische Gesetz von jedem anderen Gesetz, und wie lautet sein größtes Gebot? (b) Wie konnten die Israeliten beweisen, dass sie die Souveränität Jehovas anerkannten?

      6 Das Gesetz pries Jehovas Souveränität. Darin hebt sich das mosaische Gesetz von allen anderen Gesetzes­sammlungen ab. Das größte Gebot daraus lautete: „Höre, Israel: Jehova ist unser Gott, es gibt nur einen Jehova. Liebe Jehova, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele und deiner ganzen Kraft.“ Wie sollte Gottes Volk seine Liebe zeigen? Es sollte Gott dienen und sich seiner Souveränität unterordnen (5. Mose 6:4, 5; 11:13).

      7 Der einzelne Israelit erkannte die Souveränität Jehovas dadurch an, dass er sich denen unterordnete, die Autorität besaßen. Eltern, Vorsteher, Richter, Priester und später auch der König repräsentierten alle Gottes Autorität. Die Auflehnung gegen solche Autoritätspersonen war für Jehova gleichbedeutend mit der Auflehnung gegen ihn. Andererseits konnte sich jemand, der Autorität innehatte, den Zorn Jehovas zuziehen, wenn er Gottes Volk ungerecht oder arrogant behandelte (2. Mose 20:12; 22:28; 5. Mose 1:16, 17; 17:8-20; 19:16, 17). Beide Seiten waren angehalten, Gottes Souveränität zu unterstützen.

      8. Wie wurde durch das Gesetz der Standard Jehovas für Heiligkeit gewahrt?

      8 Das Gesetz wahrte Jehovas Standard für Heiligkeit. Die Wörter „heilig“ und „Heiligkeit“ kommen im mosaischen Gesetz über 280 Mal vor. Das Gesetz half dem Volk Gottes, zwischen Reinem und Unreinem zu unterscheiden, und führte ungefähr 70 Punkte auf, durch die ein Israelit zeremoniell unrein werden konnte. Diese Gesetze berührten die Körperhygiene, die Ernährung und sogar die Abfallbeseitigung. Das brachte enorme gesundheitliche Vorteile mit sich.a Aber es war noch ein höherer Zweck damit verbunden: Das Volk konnte dadurch, dass es sich von den sündigen Bräuchen der verdorbenen Nachbarvölkern fernhielt, in der Gunst Jehovas bleiben. Dazu ein Beispiel.

      9, 10. Welche Bestimmungen enthielt der Gesetzesbund für sexuelle Beziehungen und Geburten, und wieso war das von Vorteil?

      9 Im Gesetzesbund gab es Bestimmungen, wonach sexuelle Beziehungen – selbst für Verheiratete – und Geburten eine Phase der Unreinheit mit sich brachten (3. Mose 12:2-4; 15:16-18). Durch solche Vorschriften wurden diese reinen Gaben Gottes nicht herabgesetzt (1. Mose 1:28; 2:18-25). Vielmehr blieb dadurch Jehovas Heiligkeit gewahrt, weil diese Gesetze seine Anbeter vor Verunreinigung schützten. Immerhin war bei den Nachbarvölkern Israels zu beobachten, dass sie ihre Kulte mit Sex und Fruchtbarkeits­riten vermischten. Die kanaanitische Religion kannte männliche und weibliche Prostitution. Dadurch entstanden und verbreiteten sich Perversionen schlimmster Art. Das mosaische Gesetz hingegen zog eine klare Trennung zwischen der Anbetung Jehovas und der Sexualität.b Doch es gab noch einen weiteren Vorteil.

      10 Diese Gesetze lehrten das Volk eine wichtige Wahrheit.c Wie wird nämlich der Makel der adamischen Sünde von einer Generation an die nächste weitergegeben? Geschieht das nicht gerade durch sexuelle Beziehungen und Geburten? (Römer 5:12). Das Gesetz erinnerte Gottes Volk an die stets präsente Realität der Sünde. Tatsache ist, dass wir alle in Sünde geboren wurden (Psalm 51:5). Wir sind auf Vergebung und Erlösung angewiesen, um die Nähe unseres heiligen Gottes suchen zu können.

      11, 12. (a) Für welches wichtige Rechtsprinzip trat das Gesetz ein? (b) Wie wirkte das Gesetz der Rechtsbeugung entgegen?

      11 Das Gesetz hielt Jehovas vollkommene Gerechtigkeit hoch. Das mosaische Gesetz trat für das Prinzip der Gleichwertigkeit in Rechtsfragen ein. So hieß es darin: „Es gilt Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß“ (5. Mose 19:21). Bei einem Verbrechen musste die Strafe somit der Tat angemessen sein. Dieser Aspekt der göttlichen Gerechtigkeit zieht sich durch das ganze Gesetz. Er ist bis zum heutigen Tag entscheidend dafür, dass man die Notwendigkeit des Loskaufsopfers Jesu Christi versteht, wie in Kapitel 14 erläutert wird (1. Timotheus 2:5, 6).

      12 Das Gesetz wirkte außerdem der Rechtsbeugung entgegen. So waren mindestens zwei Zeugen nötig, damit eine Anklage rechtlich zulässig war. Auf Meineid stand eine schwere Strafe (5. Mose 19:15, 18, 19). Bestechung war ebenfalls streng verboten (2. Mose 23:8; 5. Mose 27:25). Selbst in Geschäfts­angelegenheiten musste Gottes Volk die hohen Rechtsnormen Jehovas wahren (3. Mose 19:35, 36; 5. Mose 23:19, 20). Diese edle und gerechte Gesetzessammlung war für Israel ein großer Segen.

      Barmherzigkeit und Fairness gesetzlich verankert

      13, 14. Wie förderte das Gesetz eine faire Behandlung von Dieben und Bestohlenen?

      13 War das mosaische Gesetz ein starres, unbarmherziges Regelwerk? Absolut nicht! König David schrieb unter Inspiration: „Das Gesetz Jehovas ist vollkommen“ (Psalm 19:7). Wie er nur zu gut wusste, förderte das Gesetz Barmherzigkeit und Fairness. Woran zeigte sich das?

      14 In manchen Ländern scheint die Rechtsprechung heutzutage mehr Wert darauf zu legen, Verbrecher nachsichtig und wohlwollend zu behandeln, als für die Opfer da zu sein. Während ein Dieb beispielsweise im Gefängnis sitzt, steht der Bestohlene mit seinem Verlust da und muss obendrein noch Steuern zahlen, mit denen Kost und Unterbringung des Verbrechers finanziert werden. Im alten Israel gab es keine Gefängnisse, wie wir sie heute kennen. Und für Strafen galten strikte Beschränkungen (5. Mose 25:1-3). Ein Dieb musste den Bestohlenen für den Verlust entschädigen. Auch musste er noch zusätzlich etwas zahlen. Wie viel? Das kam darauf an. Offenbar hatten die Richter einen gewissen Spielraum, um eine Reihe von Faktoren wie zum Beispiel die Reue des Sünders abzuwägen. Damit ließe sich erklären, warum die von einem Dieb geforderte Entschädigung in 3. Mose 6:1-7 weit niedriger angegeben wird als in 2. Mose 22:7.

      15. Wie gewährleistete das Gesetz sowohl Barmherzigkeit als auch Gerechtigkeit, wenn jemand versehentlich getötet worden war?

      15 In dem Gesetz wurde barmherzigerweise berücksichtigt, dass nicht jedes Unrecht vorsätzlich begangen wird. Tötete jemand versehentlich einen Menschen, brauchte er nicht Leben für Leben zu geben, sofern er die richtigen Schritte unternahm und in eine der Zufluchtsstädte floh, die in ganz Israel verstreut lagen. Nachdem befähigte Richter den Fall verhandelt hatten, musste er bis zum Tod des Hohen Priesters dort wohnen. Danach konnte er frei wählen, wo er leben wollte. So kam ihm die göttliche Barmherzigkeit zugute. Gleichzeitig bekräftigte dieses Gesetz den hohen Wert des menschlichen Lebens (4. Mose 15:30, 31; 35:12-25).

      16. Wie blieb das Persönlichkeits­recht durch das Gesetz gewahrt?

      16 Das Gesetz wahrte ferner das Persönlichkeits­recht. Welchen Schutz bot es Schuldnern? Laut Gesetz war es verboten, das Haus eines Schuldners zu betreten, um sich ein Pfand für ein Darlehen zu holen. Der Gläubiger musste draußen bleiben und den Schuldner das Pfand herausbringen lassen. So blieb das Haus unangetastet. Nahm der Gläubiger das Obergewand des Schuldners als Pfand, musste er es bei Einbruch der Dunkelheit zurückgeben, denn der Schuldner brauchte es wahrscheinlich, um sich nachts warm zu halten (5. Mose 24:10-14).

      17, 18. Wie unterschieden sich die Israeliten in der Kriegführung von anderen Völkern, und warum?

      17 Das Gesetz regelte sogar die Kriegführung. Gottes Volk durfte nicht aus purem Machtstreben oder Eroberungsdrang Krieg führen, sondern war Gottes Werkzeug in den „Kriegen Jehovas“ (4. Mose 21:14). In vielen Fällen mussten die Israeliten zuerst die Bedingungen für eine Kapitulation nennen. Lehnte eine Stadt dieses Angebot ab, konnte Israel sie belagern. Allerdings mussten Gottes Regeln eingehalten werden. Im Unterschied zu dem, was sich in den Kriegen der Geschichte abgespielt hat, durften die israelitischen Soldaten keine Frauen vergewaltigen oder mutwillig Menschen niedermetzeln. Sie mussten sogar Respekt vor der Natur haben und durften die Obstbäume des Feindes nicht umhauen.d Andere Heere kannten solche Einschränkungen nicht (5. Mose 20:10-15, 19, 20; 21:10-13).

      18 Läuft es dir bei dem Gedanken, dass in manchen Ländern Kinder als Soldaten ausgebildet werden, eiskalt den Rücken hinunter? Im alten Israel wurde kein Mann unter 20 einberufen (4. Mose 1:2, 3). Auch überängstliche Erwachsene waren freigestellt. Ein frisch verheirateter Mann war ein ganzes Jahr lang befreit, sodass er eventuell die Geburt eines Erben miterlebte, bevor er einen so gefährlichen Dienst antrat. So konnte der junge Ehemann, wie es im Gesetz hieß, „seiner Frau Freude machen“ (5. Mose 20:5, 6, 8; 24:5).

      19. Wie wurden durch das Gesetz Frauen, Kinder, Familien, Witwen und Waisen geschützt?

      19 Das Gesetz schützte auch Frauen, Kinder und Familien und stellte sicher, dass sie versorgt waren. Eltern wurde geboten, ihren Kindern konstant Aufmerksamkeit zu schenken und sie im Glauben zu belehren (5. Mose 6:6, 7). Alle Formen von Inzest waren bei Todesstrafe verboten (3. Mose, Kapitel 18). Ebenso war Ehebruch untersagt, der ja allzu oft Familien zerrüttet und ihre Geborgenheit und Würde zerstört. Im Gesetz wurde für Witwen und Waisen gesorgt, und es war unter den schlimmsten Androhungen verboten, sie schlecht zu behandeln (2. Mose 20:14; 22:22-24).

      20, 21. (a) Weshalb gestattete das mosaische Gesetz unter den Israeliten Polygamie? (b) Warum wich das Gesetz in Scheidungsfragen von der Norm ab, die Jesus später wieder einführte?

      20 In diesem Zusammenhang könnte allerdings die Frage aufkommen, warum das Gesetz Polygamie erlaubte (5. Mose 21:15-17). Solche Gesetze muss man im Kontext der damaligen Zeit sehen. Wer das mosaische Gesetz aus dem Blickwinkel der heutigen Zeit und der heutigen Kultur beurteilt, wird es höchst­wahrscheinlich nicht verstehen (Sprüche 18:13). Nach den Normen, die Jehova im Garten Eden aufstellte, war die Ehe eine dauerhafte Bindung zwischen einem Mann und einer Frau (1. Mose 2:18, 20-24). Doch als Israel von Jehova das Gesetz erhielt, hatten Bräuche wie die Polygamie schon eine jahrhundertelange Tradition. Jehova wusste nur zu gut, „wie eigensinnig dieses Volk“ war; es würde oft selbst die grundlegendsten Gebote missachten, wie zum Beispiel das Verbot des Götzendienstes (2. Mose 32:9). In seiner Weisheit wählte er nicht gerade die damalige Epoche aus, um alle Ehebräuche zu reformieren. Wohlgemerkt, Jehova hat die Polygamie nicht eingeführt. Aber er nutzte das mosaische Gesetz dazu, die Polygamie unter seinem Volk zu regeln und Missbräuche zu verhindern.

      21 Unter dem mosaischen Gesetz war es einem Mann außerdem erlaubt, sich aus recht unterschiedlichen schwerwiegenden Gründen von seiner Frau scheiden zu lassen (5. Mose 24:1-4). Jesus sprach in diesem Zusammenhang von einem Zugeständnis Gottes an die Juden, weil sie „so hartherzig“ waren. Doch solche Zugeständnisse waren vorübergehender Natur. Für seine Nachfolger setzte Jesus die ursprünglichen Ehenormen Jehovas wieder ein (Matthäus 19:8).

      Das Gesetz förderte die Liebe

      22. Wie förderte das mosaische Gesetz die Liebe, und wem gegenüber?

      22 Kannst du dir ein modernes Rechtssystem vorstellen, das Liebe propagiert? Das mosaische Gesetz stellte die Liebe über alles andere. Allein im 5. Buch Mose kommt das Wort für „Liebe“ in seinen verschiedenen Formen über 20 Mal vor. „Du sollst deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst“, lautete das zweitgrößte Gebot des ganzen Gesetzes (3. Mose 19:18; Matthäus 22:37-40). Die Israeliten sollten diese Liebe nicht nur untereinander praktizieren, sondern auch gegenüber den Fremden, die in ihrer Mitte wohnten – in dem Bewusstsein, dass sie selbst einmal in der Fremde gelebt hatten. Sie sollten den Armen und Unterdrückten Liebe zeigen, ihnen materielle Hilfe leisten und sich davor hüten, ihre missliche Lage auszunutzen. Sie waren sogar angehalten, Arbeitstiere gut und rücksichtsvoll zu behandeln (2. Mose 23:6; 3. Mose 19:14, 33, 34; 5. Mose 22:4, 10; 24:17, 18).

      23. Wozu wurde der Schreiber von Psalm 119 motiviert, und was können wir uns vornehmen?

      23 Welches andere Volk war mit einem solchen Gesetz gesegnet? Kein Wunder, dass der Psalmist schrieb: „Wie sehr liebe ich doch dein Gesetz!“ Seine Liebe war jedoch keine reine Gefühlssache. Sie motivierte ihn zur Tat, denn er bemühte sich, dem Gesetz zu gehorchen und danach zu leben. Auch fügte er noch hinzu: „Den ganzen Tag denke ich darüber nach“ (Psalm 119:11, 97). Ja, er verbrachte regelmäßig Zeit damit, Jehovas Gesetze zu erforschen. Ganz ohne Zweifel ist seine Liebe zu den Gesetzen dadurch stärker geworden. Gleichzeitig ist auch seine Liebe zu dem Gesetzgeber, Jehova Gott, gewachsen. Auch du kannst dadurch, dass du dich weiter mit dem göttlichen Gesetz befasst, dem großen Gesetzgeber und Gott der Gerechtigkeit, Jehova, immer näherkommen.

      a Die Gesetze, in denen verlangt wurde, menschliche Exkremente zu vergraben, Kranke unter Quarantäne zu stellen und sich zu waschen, wenn man eine Leiche angefasst hatte, waren ihrer Zeit viele Jahrhunderte voraus (3. Mose 13:4-8; 4. Mose 19:11-13, 17-19; 5. Mose 23:13, 14).

      b Während es in kanaanitischen Tempeln spezielle Räume für sexuelle Aktivitäten gab, durfte nach dem mosaischen Gesetz jemand, der sich in einem unreinen Zustand befand, den Tempel nicht einmal betreten. Da sexuelle Beziehungen also eine Zeit der Unreinheit nach sich zogen, konnte niemand auf legalem Weg Sexualität mit der Anbetung im Haus Jehovas vermengen.

      c Das Lehren war ein Hauptzweck des Gesetzes. In der Encyclopædia Judaica heißt es, dass das hebräische Wort für „Gesetz“, toráh, auch „Lehre, Unterweisung“ bedeutet.

      d In dem Gesetz heißt es ausdrücklich: „Willst du etwa einen Baum auf dem Feld belagern, als wäre es ein Mensch?“ (5. Mose 20:19). Wie Philon, ein jüdischer Gelehrter aus dem 1. Jahrhundert, anhand dieses Gesetzes erklärte, hält Gott es für „unstatthaft, dass der gegen Menschen gerichtete Zorn sich auf Dinge entlade, die nichts Böses verschuldet haben“.

      Fragen zum Nachdenken

      • 3. Mose 19:9, 10; 5. Mose 24:19 Wie empfindest du für den Gott, der solche Gesetze ins Leben ruft?

      • Psalm 19:7-14 Wie dachte David über das „Gesetz Jehovas“, und wie kostbar sollten Gottes Gesetze für uns sein?

      • Micha 6:6-8 Wie hilft uns diese Passage erkennen, dass man Jehovas Gesetze nicht zu Recht als Last ansehen kann?

      • Matthäus 23:23-39 Wie ließen die Pharisäer erkennen, dass sie den Sinn des Gesetzes nicht erfasst hatten, und wieso ist das für uns eine Warnung?

  • Jehova beschafft ein „Lösegeld für viele“
    Komm Jehova doch näher
    • Jesus steht vor einer Balkenwaage.

      KAPITEL 14

      Jehova beschafft ein „Lösegeld für viele“

      1, 2. Wie beschreibt die Bibel den Zustand der Menschheit, und was ist der einzige Ausweg?

      „WIR wissen, dass die gesamte Schöpfung bis jetzt zusammen seufzt und Schmerzen leidet“ (Römer 8:22). Mit diesen Worten beschreibt der Apostel Paulus den jämmerlichen Zustand, in dem wir uns befinden. Vom menschlichen Standpunkt aus scheint an Leid, Sünde und Tod kein Weg vorbeizugehen. Doch Jehova sind keine menschlichen Grenzen gesetzt (4. Mose 23:19). Der Gott der Gerechtigkeit hat einen Ausweg aus der Misere geschaffen. Die Rede ist vom Lösegeld.

      2 Das Lösegeld ist Jehovas größtes Geschenk für die Menschheit. Es ermöglicht unsere Befreiung von Sünde und Tod (Epheser 1:7). Es ist die Grundlage der Hoffnung auf ewiges Leben im Himmel oder auf einer paradiesischen Erde (Lukas 23:43; Johannes 3:16; 1. Petrus 1:4). Aber was ist denn das Lösegeld genau? Wie lernen wir dadurch Jehovas unübertreffliche Gerechtigkeit besser kennen?

      Wie es dazu kam, dass wir das Lösegeld brauchen

      3. (a) Warum wurde das Lösegeld erforderlich? (b) Weshalb konnte Gott die Todesstrafe bei Adams Nachkommen nicht einfach abmildern?

      3 Das Lösegeld wurde wegen der Sünde Adams erforderlich. Durch seinen Ungehorsam gegenüber Gott vererbte Adam seinen Nachkommen Krankheit, Kummer, Schmerz und Tod (1. Mose 2:17; Römer 8:20). Gott konnte die Todesstrafe nicht einfach aus Sentimentalität abmildern. Damit hätte er sein eigenes Gesetz umgestoßen: „Der Lohn, den die Sünde zahlt, ist der Tod“ (Römer 6:23). Würde Jehova seine eigenen Rechtsnormen aufheben, würden im ganzen Universum Chaos und Gesetzlosigkeit herrschen.

      4, 5. (a) Wie wurde Gott von Satan verleumdet, und warum war Jehova verpflichtet, auf diese Streitfragen einzugehen? (b) Was unterstellte Satan den loyalen Dienern Jehovas?

      4 Wie wir in Kapitel 12 gesehen haben, entstanden durch die Rebellion im Garten Eden Streitfragen von großer Tragweite. Satan warf einen dunklen Schatten auf Gottes guten Namen. Er klagte Jehova an, ein Lügner und ein grausamer Diktator zu sein, der seinen Geschöpfen die Freiheit nimmt (1. Mose 3:1-5). Und dadurch, dass er Gottes Vorsatz, die Erde mit gerechten Menschen zu bevölkern, scheinbar vereitelte, stellte er Gott als Versager hin (1. Mose 1:28; Jesaja 55:10, 11). Hätte Jehova diese Heraus­forderungen im Raum stehen lassen, wären wahrscheinlich viele seiner vernunftbegabten Geschöpfe in ihrem Vertrauen zu seiner Herrschaft erschüttert worden.

      5 Satan verleumdete außerdem die loyalen Diener Jehovas, indem er behauptete, sie würden Gott aus purer Selbstsucht dienen und ihm unter Belastungen samt und sonders die Treue brechen (Hiob 1:9-11). Diese Streitfragen waren weit bedeutsamer als die traurige Lage der Menschheit. Jehova fühlte sich zu Recht verpflichtet, auf Satans verleumderische Behauptungen einzugehen. Aber wie könnte Gott diese Streitfragen klären und gleichzeitig die Menschheit retten?

      Das Lösegeld – etwas Gleichwertiges

      6. Mit welchen Ausdrücken wird Gottes Mittel zur Rettung der Menschheit in der Bibel beschrieben?

      6 Jehovas Lösung war sowohl äußerst barmherzig als auch durch und durch gerecht – kein Mensch wäre jemals darauf gekommen. Zugleich war sie aber bestechend einfach. Die Bezeichnungen dafür sind recht unterschiedlich: von Loskauf oder Erlösung bis Versöhnung oder auch Sühne (Psalm 49:8, Fußnote; Daniel 9:24; Galater 3:13; Kolosser 1:20; Hebräer 2:17). Doch der Ausdruck, der den Kern wahrscheinlich am besten trifft, wurde von Jesus selbst gewählt. Er sagte, dass „der Menschensohn nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld [griechisch: lýtron] für viele zu geben“ (Matthäus 20:28).

      7, 8. (a) Was bedeutet der Ausdruck „Lösegeld“ in der Bibel? (b) Welche Bedingung muss ein Lösegeld erfüllen?

      7 Was ist ein Lösegeld? Der hier verwendete griechische Ausdruck geht auf ein Verb zurück, das „lösen“ oder „losbinden“ bedeutet. Er bezeichnete das Geld, das im Austausch gegen die Befreiung von Kriegsgefangenen bezahlt wurde. Lösegeld lässt sich als etwas definieren, was bezahlt wird, um etwas oder jemanden zurückzukaufen. In den Hebräischen Schriften ist das Wort für „Lösegeld“ (kópher) von einem Verb abgeleitet, das „bedecken“ oder „zudecken“ bedeutet. Gott gebrauchte eine Form dieses Wortes zum Beispiel, als er Noah anwies, die Arche mit Teer zu überziehen (1. Mose 6:14). Das hilft uns verstehen, dass mit loskaufen auch das Zudecken von Sünden gemeint ist (Psalm 65:3).

      8 Wie es im Theologischen Wörterbuch zum Neuen Testament bedeutsamerweise heißt, „steht … [kópher] stets im Sinne eines Äquivalents“, das heißt einer gleichwertigen Entsprechung. Das Loskaufen oder Zudecken von Sünde erfordert demnach einen Preis, der den entstandenen Schaden voll abdeckt oder ihm ganz und gar entspricht. In dem Gesetz, das Gott den Israeliten gab, hieß es: „Es gilt Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß“ (5. Mose 19:21).

      9. Warum brachten Glaubensmänner Tieropfer dar, und wie betrachtete Jehova solche Opfer?

      9 Beginnend mit Abel brachten Glaubensmänner Gott Tieropfer dar. Dadurch gestanden sie ihre Sündhaftigkeit und die Notwendigkeit einer Erlösung ein. Auch bewiesen sie ihren Glauben an die von Gott versprochene Befreiung durch seinen „Nachkommen“ (1. Mose 3:15; 4:1-4; 3. Mose 17:11; Hebräer 11:4). Jehova betrachtete solche Opfer mit Wohlwollen und die Opfernden standen bei ihm in gutem Ansehen. Die Tieropfer hatten jedoch allenfalls symbolischen Charakter. Da die Tiere ja unter den Menschen stehen, konnten sie deren Sünden nicht wirklich zudecken (Psalm 8:4-8). Die Bibel sagt, dass „das Blut von Stieren und Ziegenböcken unmöglich Sünden wegnehmen kann“ (Hebräer 10:1-4). Diese Opfer waren nur ein Sinnbild für das künftige wahre Loskaufsopfer.

      Ein „entsprechendes Lösegeld“

      10. (a) Wem musste der Loskäufer entsprechen, und weshalb? (b) Warum war nur ein menschliches Opfer notwendig?

      10 Der Apostel Paulus schrieb, dass „in Adam alle sterben“ (1. Korinther 15:22). Das Lösegeld erforderte somit den Tod einer Person, die Adam ebenbürtig war, also eines vollkommenen Menschen (Römer 5:14). Kein anderes Geschöpf war in der Lage, die Waagschalen der Gerechtigkeit auszutarieren. Nur ein vollkommener Mensch, der nicht unter dem adamischen Todesurteil stand, konnte ein „entsprechendes Lösegeld für alle“ erbringen – ein Lösegeld, das Adam vollkommen entsprach (1. Timotheus 2:6). Es war nicht notwendig, dass unzählige Millionen Einzelpersonen geopfert wurden, etwa als Entsprechung für jeden Nachkommen Adams. Der Apostel Paulus erklärte, dass „durch einen einzigen Menschen [Adam] die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod“ (Römer 5:12). Und „da der Tod durch einen Menschen gekommen ist“, ermöglichte Gott auch „durch einen Menschen“ die Erlösung der Menschheit (1. Korinther 15:21). Wie?

      Ein „entsprechendes Lösegeld für alle“

      11. (a) Wie würde der Loskäufer für jeden den Tod schmecken? (b) Warum profitieren Adam und Eva nicht von dem Lösegeld? (Siehe Fußnote.)

      11 Jehova leitete in die Wege, dass ein vollkommener Mensch freiwillig sein Leben opferte. In Römer 6:23 heißt es: „Der Lohn, den die Sünde zahlt, ist der Tod.“ Durch das Opfern seines Lebens würde der Loskäufer für jeden den Tod schmecken. Mit anderen Worten: Er würde den Lohn für Adams Sünde zahlen (2. Korinther 5:21; Hebräer 2:9; 1. Petrus 2:24). Das hätte tiefgreifende rechtliche Auswirkungen. Das Lösegeld würde die gehorsamen Nachkommen Adams von ihrem Todesurteil befreien. Damit wäre die zerstörerische Macht der Sünde im Keim erstickt (Römer 5:16).a

      12. Veranschauliche, wie das Tilgen einer Schuld vielen zugutekommen kann.

      12 Um das Ganze zu verdeutlichen: Stell dir vor, du wohnst in einer Stadt, in der die meisten Einwohner zu der Belegschaft einer großen Fabrik gehören. Du wirst, genau wie deine Nachbarn, gut für deine Arbeit bezahlt und hast ein angenehmes Leben. Damit ist es allerdings vorbei, als die Fabrik ihre Tore schließt. Was ist geschehen? Der Geschäftsführer hat sich zur Korruption hinreißen lassen und das Unternehmen in den Bankrott getrieben. Die Beschäftigten, die über Nacht ihre Arbeit verloren haben, sind nicht mehr in der Lage, ihre Rechnungen zu bezahlen. Ehepartner, Kinder und Gläubiger leiden unter der Korruption eines einzigen Mannes. Gibt es einen Ausweg? Ja! Ein reicher Wohltäter schaltet sich ein. Er weiß um den Wert des Unternehmens. Davon abgesehen tun ihm die vielen Arbeitnehmer und ihre Familien leid. Er sorgt deshalb dafür, dass die Schulden des Unternehmens getilgt und die Fabriktore wieder geöffnet werden. Die Tilgung dieser einen Schuld kommt der ganzen Belegschaft, den Angehörigen und den Gläubigern zugute. Auch die Tilgung der Schuld Adams hat weitreichende Auswirkungen. Viele Millionen Menschen profitieren davon.

      Wer beschafft das Lösegeld?

      13, 14. (a) Wie beschaffte Jehova das Lösegeld für die Menschheit? (b) An wen wird das Lösegeld gezahlt, und weshalb ist diese Zahlung notwendig?

      13 Nur Jehova konnte „das Lamm“ beschaffen, „das die Sünde der Welt wegnimmt“ (Johannes 1:29). Doch Gott sandte nicht einfach irgendeinen Engel, um die Menschheit zu befreien. Er nahm dafür denjenigen, der Satans Anklage gegen Jehovas Diener restlos und überzeugend widerlegen konnte – seinen einziggezeugten Sohn, „den er … besonders lieb hatte“ (Sprüche 8:30). Es war das größte Opfer, das Jehova bringen konnte. Bereitwillig gab Gottes Sohn alles auf, was er im Himmel hatte, und wurde Mensch (Philipper 2:7). Durch ein Wunder übertrug Jehova das Leben seines erstgeborenen himmlischen Sohnes in den Mutterleib einer jüdischen Jungfrau mit Namen Maria (Lukas 1:27, 35). Als Mensch wurde er Jesus genannt. Aber in rechtlichem Sinne konnte man ihn als den zweiten Adam bezeichnen, denn er entsprach Adam vollkommen (1. Korinther 15:45, 47). Jesus konnte sich folglich als Lösegeld für die sündige Menschheit opfern.

      14 An wen würde das Lösegeld gezahlt werden? In Psalm 49:7 heißt es ausdrücklich, dass Gott das Lösegeld gegeben wird. Aber ist es nicht Jehova, der das Lösegeld überhaupt erst beschaffte? Das schon, doch das Lösegeld wird dadurch nicht zu einem reinen Pro-forma-Austausch, so als würde man Geld von der einen Jackentasche in die andere stecken. Man darf das Lösegeld nicht als materiellen Austausch sehen, sondern es ist eine rechtliche Transaktion. Durch die Beschaffung des Lösegelds, die Jehova ungeheuer viel kostete, bekräftigte er, dass er sich unerschütterlich an seine eigenen vollkommenen Rechtsnormen hält (1. Mose 22:7, 8, 11-13; Hebräer 11:17; Jakobus 1:17).

      15. Warum musste Jesus leiden und sterben?

      15 Im Frühjahr 33 u. Z. setzte sich Jesus Christus freiwillig einer Tortur aus, die zur Zahlung des Lösegelds führte. Er ließ sich unter falschen Anklagen festnehmen, schuldig sprechen und an einen Hinrichtungspfahl nageln. War es für Jesus wirklich notwendig, so sehr zu leiden? Ja, denn die Streitfrage, bei der es um die Integrität der Diener Gottes ging, musste geklärt werden. Bedeutsamerweise ließ Gott nicht zu, dass der kleine Jesus von Herodes umgebracht wurde (Matthäus 2:13-18). Als Jesus jedoch erwachsen war, konnte er den Frontalangriffen Satans in dem vollen Bewusstsein der Streitfragen standhalten.b Dadurch, dass er trotz schrecklicher Behandlung „loyal, unschuldig, ohne Makel, getrennt von den Sündern“ blieb, bewies er eindrucksvoll und bis zur letzten Konsequenz, dass Jehova Diener hat, die ihm unter Prüfungen die Treue halten (Hebräer 7:26). Kein Wunder, dass Jesus in dem Augenblick vor seinem Tod triumphierend rief: „Es ist vollbracht!“ (Johannes 19:30).

      Der Erlösungsauftrag wird zu Ende geführt

      16, 17. (a) Wie führte Jesus seinen Erlösungsauftrag zu Ende? (b) Warum war es nötig, dass Jesus vor Gott für uns erschien?

      16 Jesus musste seinen Erlösungsauftrag allerdings noch zu Ende führen. Am dritten Tag nach seinem Tod wurde er von Jehova auferweckt (Apostel­geschichte 3:15; 10:40). Durch diesen bedeutsamen Akt belohnte Jehova seinen Sohn nicht nur für seinen treuen Dienst, sondern gab ihm auch die Gelegenheit, seinen Erlösungsauftrag als Hoher Priester zu vollenden (Römer 1:4; 1. Korinther 15:3-8). Der Apostel Paulus erklärt: „Christus [kam] als Hoher Priester … Er ging ein für alle Mal an den heiligen Ort – aber nicht mit dem Blut von Ziegenböcken und jungen Stieren, sondern mit seinem eigenen Blut – und erlangte eine ewige Befreiung für uns. Denn Christus begab sich nicht an einen mit Händen gemachten heiligen Ort, der ein Abbild der Wirklichkeit ist, sondern in den Himmel, um jetzt vor Gott für uns zu erscheinen“ (Hebräer 9:11, 12, 24).

      17 Christus konnte sein buchstäbliches Blut nicht in den Himmel mitnehmen (1. Korinther 15:50). Stattdessen nahm er das mit, was sein Blut symbolisierte: den rechtlichen Wert seines geopferten vollkommenen menschlichen Lebens. Den Wert dieses Lebens brachte er dann formell vor Gott dar – als Lösegeld für die sündige Menschheit. Nahm Jehova das Opfer an? Ja. Das wurde zu Pfingsten 33 u. Z. deutlich, als der heilige Geist auf etwa 120 Jünger in Jerusalem ausgegossen wurde (Apostel­geschichte 2:1-4). Doch so begeisternd das auch war, es war erst der Anfang der herrlichen Segnungen, die das Lösegeld mit sich bringt.

      Segnungen des Lösegelds

      18, 19. (a) Welchen zwei Gruppen kommt die Versöhnung durch Christi Blut zugute? (b) Welche gegenwärtigen und künftigen Segnungen bringt das Lösegeld der „großen Volksmenge“?

      18 In seinem Brief an die Kolosser erklärt Paulus, dass Gott es für gut befand, durch Christus alles andere wieder mit sich zu versöhnen, indem durch das Blut, das Jesus am Marterpfahl vergoss, Frieden geschlossen wurde. Wie Paulus weiter ausführt, betrifft diese Versöhnung zwei verschiedene Gruppen – eine „im Himmel“ und eine „auf der Erde“ (Kolosser 1:19, 20; Epheser 1:10). Die erste Gruppe setzt sich aus 144 000 Christen zusammen, die die Hoffnung haben, als himmlische Priester zu dienen und mit Jesus Christus zusammen als Könige über die Erde zu regieren (Offenbarung 5:9, 10; 7:4; 14:1-3). Durch sie werden die Segnungen des Lösegelds über einen Zeitraum von tausend Jahren nach und nach gehorsamen Menschen zugutekommen (1. Korinther 15:24-26; Offenbarung 20:6; 21:3, 4).

      19 Die Gruppe „auf der Erde“ setzt sich aus Menschen zusammen, die ein Leben in Vollkommenheit auf einer paradiesischen Erde erwarten. In Offenbarung 7:9-17 werden sie als „eine große Volksmenge“ beschrieben, die die bevorstehende „große Drangsal“ überleben wird. Sie müssen jedoch nicht bis dahin warten, um die Segnungen des Lösegelds genießen zu können. „Sie haben ihre langen Gewänder gewaschen und weiß gemacht im Blut des Lammes.“ Da sie an das Lösegeld glauben, bringt es ihnen schon jetzt geistige Segnungen. Sie sind als Freunde Gottes für gerecht erklärt worden (Jakobus 2:23). Durch Jesu Opfer können sie sich „ganz offen dem Thron der unverdienten Güte“ nähern (Hebräer 4:14-16). Wenn sie einen Fehler machen, können sie auf echte Vergebung zählen (Epheser 1:7). Trotz ihrer Unvollkommenheit erfreuen sie sich eines reinen Gewissens (Hebräer 9:9; 10:22; 1. Petrus 3:21). Die Versöhnung mit Gott ist für sie somit weniger etwas Erhofftes als vielmehr etwas bereits Reales! (2. Korinther 5:19, 20). Während der tausend Jahre werden sie allmählich „aus der Sklaverei des Verderbens befreit“ und gelangen zur „herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“ (Römer 8:21).

      20. Wie berührt es dich persönlich, über das Lösegeld nachzudenken?

      20 „Dank sei Gott durch Jesus Christus“ für das Lösegeld! (Römer 7:25). Diese Lösung ist vom Prinzip her einfach, geht aber so sehr in die Tiefe, dass uns große Ehrfurcht packt (Römer 11:33). Ganz bewusst über das Lösegeld nachzudenken berührt unser Herz und bringt uns dem Gott der Gerechtigkeit noch näher. Wie der Psalmist haben wir allen Grund, Jehova zu preisen, denn „er liebt Gerechtigkeit und Recht“ (Psalm 33:5).

      a Adam und Eva profitieren nicht von dem Lösegeld. Das mosaische Gesetz enthielt folgenden Grundsatz, der für willentliche Mörder galt: „Ihr dürft kein Lösegeld für das Leben eines Mörders annehmen, der den Tod verdient“ (4. Mose 35:31). Adam und Eva verdienten eindeutig den Tod, weil sie Gott wissentlich und willentlich ungehorsam waren. Dadurch verscherzten sie sich die Aussicht auf ewiges Leben.

      b Um die Sünde Adams aufwiegen zu können, musste Jesus als vollkommener Mann sterben, nicht als vollkommenes Kind. Schließlich sündigte Adam ja willentlich und war sich über die Schwere seiner Tat und die Konsequenzen völlig im Klaren. Damit Jesus diese Sünde als „der letzte Adam“ zudecken konnte, musste er sich als erwachsener Mensch ganz bewusst dafür entscheiden, seine Treue gegenüber Jehova zu bewahren (1. Korinther 15:45, 47). So diente der gesamte treue Lebensweg Jesu – einschließlich seines Opfertodes – als „ein einziger Akt der Rechtfertigung“ (Römer 5:18, 19).

      Fragen zum Nachdenken

      • 4. Mose 3:39-51 Warum muss das Lösegeld eine gleichwertige Entsprechung sein?

      • Psalm 49:7, 8 Warum stehen wir durch das Lösegeld in Gottes Schuld?

      • Jesaja 43:25 Wie geht hieraus hervor, dass Jehova das Lösegeld nicht in erster Linie zur Rettung der Menschen beschafft hat?

      • 1. Korinther 6:20 Wie sollte sich das Lösegeld auf unser Verhalten und unsere Lebensweise auswirken?

  • Jesus sorgt auf der Erde für Recht
    Komm Jehova doch näher
    • Jesus wirft einen Tisch mit Münzen um und verbietet den Geldwechslern, im Tempel Handel zu treiben.

      KAPITEL 15

      Jesus sorgt auf der Erde für Recht

      1, 2. Bei welcher Gelegenheit wurde Jesus zornig, und weshalb?

      JESUS war sichtlich verärgert. Man kann sich das vielleicht nur schwer vorstellen, weil er ein so mildes Wesen hatte (Matthäus 21:5). Natürlich hatte er sich vollkommen unter Kontrolle, denn sein Zorn war ein gerechter Zorn.a Doch was brachte einen friedliebenden Menschen wie ihn dermaßen in Rage? Eine empörende Ungerechtigkeit.

      2 Der Tempel in Jerusalem lag Jesus sehr am Herzen. Er war auf der ganzen Welt die einzige heilige Stätte, die der Anbetung seines himmlischen Vaters gewidmet war. Aus vielen weit entfernten Ländern kamen die Juden dorthin. Selbst gottesfürchtige Nichtjuden suchten den für sie gedachten Tempelvorhof auf. Als Jesus am Anfang seines Wirkens das Tempelgebiet betrat, war er entsetzt. Man hätte meinen können, man wäre auf einem Marktplatz statt in einem Haus der Anbetung. Es wimmelte von Händlern und Geldwechslern. Worin bestand nun aber die Ungerechtigkeit? Für diese Männer war Gottes Tempel nichts weiter als ein Ort, wo man Leute ausbeuten, ja Wucher treiben konnte. Wie kam das? (Johannes 2:14).

      3, 4. Wie wurden die Leute im Haus Jehovas ausgebeutet, und wie schritt Jesus dagegen ein?

      3 Die religiösen Führer hatten entschieden, dass die Tempelsteuer nur mit einer bestimmten Art Münze zu entrichten war. Die Besucher mussten ihr Geld umtauschen, um solche Münzen zu erhalten. Deshalb stellten Geldwechsler ihre Tische im Tempel auf und verlangten für jeden Umtausch eine Gebühr. Auch der Verkauf von Tieren war äußerst einträglich. Besucher, die ein Opfer darbringen wollten, konnten es sich zwar bei irgendeinem Händler in der Stadt besorgen, doch es war gut möglich, dass die Tempelbeamten das Opfertier als ungeeignet zurückwiesen. Direkt im Tempelgebiet gekaufte Opfertiere wurden dagegen mit Sicherheit akzeptiert. Die Händler verlangten zuweilen maßlos überhöhte Preise, da ihnen die Leute ja auf Gedeih und Verderb ausgeliefert waren.b Das war noch schlimmer als krasse Geschäftemacherei. Es war der reinste Wucher!

      4 Jesus konnte diese Ungerechtigkeit nicht ertragen. Es war schließlich das Haus seines Vaters! Er machte sich aus Stricken eine Peitsche und trieb die Rinder- und Schafherden aus dem Tempel. Dann ging er mit energischen Schritten zu den Geldwechslern und stieß ihre Tische um. Die Münzen flogen nur so über den Marmorboden! „Schafft das hier weg!“, fuhr er die Taubenverkäufer an (Johannes 2:15, 16). Allem Anschein nach wagte es niemand, sich diesem mutigen Mann in den Weg zu stellen.

      „Schafft das hier weg!“

      Wie der Vater, so der Sohn

      5-7. (a) Wie beeinflusste Jesu vormenschliche Existenz seinen Gerechtigkeits­sinn, und was können wir durch sein Vorbild besser verstehen? (b) Wie hat Christus die Ungerechtigkeiten bekämpft, für die der Teufel verantwortlich ist, und wie wird er das in Zukunft tun?

      5 Die Händler kamen selbst­verständlich wieder. Ungefähr drei Jahre später wandte sich Jesus gegen dieselbe Ungerechtigkeit und zitierte diesmal Jehovas Ausspruch gegen diejenigen, die sein Haus zu einer „Räuberhöhle“ gemacht hatten (Jeremia 7:11; Matthäus 21:13). Ja, als Jesus sah, mit welcher Gier die Leute ausgebeutet wurden und wie Gottes Tempel verschandelt wurde, empfand er genau wie sein Vater. Kein Wunder, denn Jesus hatte unzählige Jahrmillionen von seinem Vater gelernt. Deshalb war er von Jehovas Gerechtigkeits­sinn durchdrungen. Er war ein Paradebeispiel für das Sprichwort: „Wie der Vater, so der Sohn.“ Wenn wir also ein klares Bild von der Gerechtigkeit Jehovas gewinnen möchten, können wir nichts Besseres tun, als über das Vorbild Jesu Christi nachzudenken (Johannes 14:9, 10).

      6 Jehovas einziggezeugter Sohn war dabei, als Satan Gott der Lüge bezichtigte und die Rechtmäßigkeit seiner Herrschaft anfocht. Was für eine Verleumdung! Der Sohn musste später auch Satans provozierende Behauptung mit anhören, niemand würde Jehova selbstlos, aus Liebe, dienen. Diese falschen Anschuldigungen gaben dem Sohn bestimmt einen Stich in sein gerechtes Herz. Wie muss es ihn begeistert haben, zu erfahren, dass er beim Richtigstellen dieser Vorwürfe die Schlüsselrolle spielen würde! (2. Korinther 1:20). Was war seine Aufgabe?

      7 Wie in Kapitel 14 erwähnt, widerlegte Jesus Christus die anklagenden Zweifel des Teufels an der Integrität der Geschöpfe Jehovas restlos und überzeugend. Dadurch schuf er die Grundlage dafür, dass Gottes heiliger Name, Jehova, von allen Anklagen befreit wird, wozu auch die Lüge gehört, Jehova würde nicht gut regieren. Als Jehovas „Hauptvermittler“ wird Jesus im ganzen Universum dem göttlichen Recht Geltung verschaffen (Apostel­geschichte 5:31). Auch während seines Lebens auf der Erde spiegelte er Gottes Recht und Gerechtigkeit wider. Jehova sagte über ihn: „Ich werde meinen Geist auf ihn legen, und er wird den Völkern das Recht erklären“ (Matthäus 12:18). Wie erfüllten sich diese Worte an Jesus?

      Jesus erklärt „das Recht“

      8-10. (a) Wie förderten die mündlichen Überlieferungen der jüdischen religiösen Führer die Verachtung von Nichtjuden und von Frauen? (b) Wieso machten die mündlichen Gesetze das Sabbatgebot Jehovas zu einer Bürde?

      8 Jesus liebte Jehovas Gesetz und lebte danach. Die religiösen Führer seiner Tage hingegen verdrehten es und wandten es falsch an. Jesus sagte zu ihnen: „Wehe euch, ihr Schrift­gelehrten und Pharisäer! Heuchler! … das Wichtigere im Gesetz von Moses – Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue –, das habt ihr vernachlässigt“ (Matthäus 23:23). Diese Lehrer des Gesetzes Gottes erklärten mit Sicherheit nicht „das Recht“. Stattdessen entstellten sie die göttliche Gerechtigkeit. Wie? Das sollen ein paar Beispiele verdeutlichen.

      9 Jehova wies sein Volk an, sich von den umliegenden heidnischen Völkern getrennt zu halten (1. Könige 11:1, 2). Doch einige fanatische religiöse Führer riefen dazu auf, Nichtjuden regelrecht zu verachten. Die Mischna schrieb sogar vor: „Man darf kein Vieh in die Gasthöfe der Heiden stellen, weil sie der schändlichen Vermischung [Sodomie] verdächtig sind.“ Solche Pauschalurteile gegen Nichtjuden waren ungerecht und mit dem Geist des mosaischen Gesetzes unvereinbar (3. Mose 19:34). Andere Vorschriften menschlicher Machart waren frauenverachtend. Im mündlichen Gesetz hieß es, eine Frau solle hinter ihrem Mann gehen, nicht neben ihm. Männer durften sich in der Öffentlichkeit nicht mit einer Frau unterhalten, nicht einmal mit der eigenen. Ähnlich wie Sklaven durften Frauen nicht vor Gericht aussagen. Es gab sogar ein offizielles Gebet, in dem Männer Gott dafür dankten, keine Frau zu sein.

      10 Die religiösen Führer schütteten Gottes Gesetz mit einem Berg menschlicher Regeln und Vorschriften zu. Das Sabbatgesetz beispielsweise untersagte einfach das Arbeiten am Sabbat, sodass dieser Tag für die Anbetung, Stärkung des Glaubens und Ruhe reserviert war. Doch die Pharisäer machten dieses Gesetz zu einer Bürde. Sie maßten sich an, genau definieren zu dürfen, was „Arbeit“ sei. Unter den Begriff Arbeit reihten sie 39 verschiedene Tätigkeiten ein, darunter auch das Ernten und das Jagen. Diese Einteilung ließ Fragen ohne Ende aufkommen. Wenn jemand am Sabbat einen Floh tötete, jagte er dann? Wenn er eine Handvoll Getreide pflückte, um es auf dem Weg zu essen, erntete er dann? Zählte es als Arbeit, einen Kranken zu heilen? Solche Fragen wurden mit starren, detaillierten Regeln beantwortet.

      11, 12. Wie zeigte Jesus, dass er gegen die unbiblischen Überlieferungen der Pharisäer war?

      11 Wie sollte Jesus in einem solchen Klima den Menschen das Recht verständlich machen? Durch seine Lehren und seine Lebensweise stellte er sich den religiösen Führern mutig entgegen. Sehen wir uns zunächst an, was er lehrte. Er verurteilte die unzähligen von Menschen aufgestellten Vorschriften rundheraus und sagte: „So setzt ihr Gottes Wort durch die Traditionen, die ihr weitergebt, außer Kraft“ (Markus 7:13).

      12 Jesus lehrte eindrucksvoll, dass die Pharisäer mit ihrer Auffassung vom Sabbatgesetz im Irrtum waren – dass sie den Zweck des Gesetzes völlig verfehlt hatten. Der Messias, so erklärte er, ist „Herr über den Sabbat“ und somit berechtigt, am Sabbat Menschen zu heilen (Matthäus 12:8). Um das herauszustellen, vollbrachte er am Sabbat in aller Öffentlichkeit Wunderheilungen (Lukas 6:7-10). Das war eine Vorschau auf die Heilungen, die er während der Tausendjahr­herrschaft weltweit vollbringen wird. Dieses Millennium wird ein Sabbat ohnegleichen sein, denn die gesamte treue Menschheit wird dann endlich von der jahrhundertealten drückenden Last der Sünde und des Todes frei sein und ruhen.

      13. Welches Gesetz kam durch Christi irdisches Wirken ins Dasein, und worin unterschied es sich von seinem Vorläufer?

      13 Jesus erklärte das Recht auch durch ein neues Gesetz, das „Gesetz des Christus“, das nach dem Ende seines irdischen Wirkens in Kraft trat (Galater 6:2). Im Unterschied zu seinem Vorläufer, dem mosaischen Gesetz, beruhte dieses neue Gesetz weitgehend auf Grundsätzen und nicht auf einer Sammlung schriftlicher Gebote. Es enthielt aber auch einige direkte Gebote. Eins davon bezeichnete Jesus als „neues Gebot“. Jesus lehrte alle seine Nachfolger, einander so zu lieben, wie er sie geliebt hatte (Johannes 13:34, 35). Aufopfernde Liebe sollte das Gütesiegel all derer sein, die nach dem „Gesetz des Christus“ leben.

      Ein lebendes Beispiel für Gerechtigkeit

      14, 15. Wie ließ Jesus erkennen, dass er seine Kompetenzen nicht überschreiten wollte, und warum ist das beruhigend?

      14 Jesus hat die Liebe jedoch nicht nur gelehrt. Er hat das „Gesetz des Christus“ ausgelebt. Er verkörperte es durch seine Lebensweise. Wir wollen drei Bereiche beleuchten, in denen Jesus durch sein eigenes Beispiel das Recht erklärte.

      15 Als Erstes war Jesus peinlich darauf bedacht, kein Unrecht zu begehen. Wie wir vielleicht schon beobachtet haben, rührt Ungerechtigkeit oft daher, dass unvollkommene Menschen anmaßend werden und ihre Kompetenzen überschreiten. Das war bei Jesus nicht der Fall. Einmal kam ein Mann zu ihm und bat ihn: „Lehrer, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen.“ Was antwortete Jesus? „Mensch, wer hat mich zum Schlichter zwischen euch beiden eingesetzt?“ (Lukas 12:13, 14). Ist das nicht beeindruckend? Immerhin reichte niemand auf der Erde an Jesu Verstand, sein Urteilsvermögen und seine göttlichen Befugnisse heran. Und trotzdem ließ er sich nicht in die Sache hineinziehen, weil er genau diese Befugnis nicht hatte. Eine solche Bescheidenheit kennzeichnete Jesus schon in den Jahrtausenden seiner vormenschlichen Existenz (Judas 9). Dass er demütig und vertrauensvoll Jehova bestimmen lässt, was recht ist, spricht sehr für Jesus.

      16, 17. (a) Wie übte Jesus beim Predigen der guten Botschaft von Gottes Königreich Gerechtigkeit? (b) Was zeigt, dass sich Jesu Gerechtigkeits­sinn durch Barmherzigkeit auszeichnete?

      16 Zweitens übte Jesus beim Predigen der guten Botschaft von Gottes Königreich Gerechtigkeit. Er war unvoreingenommen und bemühte sich aufrichtig, Menschen aller Art zu erreichen – ob arm oder reich. Die Pharisäer dagegen bedachten die armen, einfachen Leute mit der verächtlichen Bezeichnung ‛am-haʼárez oder „Volk des Landes“. Jesus ging mutig gegen diese Ungerechtigkeit an. Als er die gute Botschaft lehrte – oder auch als er mit den Menschen aß, ihnen zu essen gab, sie heilte, ja sogar auferweckte –, verfocht er die Gerechtigkeit Gottes, des Gottes, der möchte, dass „Menschen aller Art“ erreicht werden (1. Timotheus 2:4).c

      17 Drittens zeichnete sich Jesu Gerechtigkeits­sinn durch große Barmherzigkeit aus. Er reichte Sündern die Hand (Matthäus 9:11-13). Gern stand er Menschen bei, die sich selbst nicht helfen konnten. Zum Beispiel blies er nicht ins gleiche Horn wie die religiösen Führer, die Misstrauen gegen alle Nichtjuden schürten. In seiner Barmherzigkeit half er verschiedentlich Nichtjuden und lehrte sie, obwohl sein Auftrag in erster Linie dem jüdischen Volk galt. Er erklärte sich bereit, für einen römischen Offizier eine Wunderheilung zu vollbringen, und sagte: „Bei niemandem in Israel habe ich so einen starken Glauben entdeckt“ (Matthäus 8:5-13).

      18, 19. (a) Wie wahrte Jesus die Würde von Frauen? (b) Wie wird an Jesu Beispiel der Zusammenhang zwischen Mut und Gerechtigkeit deutlich?

      18 Auch die allgemein üblichen Ansichten über Frauen stützte Jesus nicht. Mutig tat er das, was recht war. Samariterinnen wurden damals als ebenso unrein eingestuft wie Nichtjuden. Doch Jesus zögerte nicht, der Samariterin am Brunnen von Sychar zu predigen. Ihr gab sich Jesus auch zum ersten Mal ganz klar als der versprochene Messias zu erkennen (Johannes 4:6, 25, 26). Die Pharisäer meinten, Frauen sollten nicht im Gesetz Gottes unterwiesen werden, wohingegen Jesus viel Zeit und Kraft dafür aufwandte, Frauen zu lehren (Lukas 10:38-42). Und während man Frauen traditionell keine glaubwürdige Zeugenaussage zutraute, ließ Jesus mehreren Frauen die Ehre zukommen, ihn nach seiner Auferstehung als Erste zu sehen. Er beauftragte sie sogar, seine männlichen Jünger von diesem höchst bedeutsamen Ereignis zu unterrichten (Matthäus 28:1-10).

      19 Ja, Jesus erklärte den Völkern das Recht. In vielen Fällen nahm er dabei ein großes Risiko auf sich. An Jesu Beispiel wird deutlich, dass es Mut erfordert, für wahre Gerechtigkeit einzutreten. Treffend wird er als „der Löwe vom Stamm Juda“ bezeichnet (Offenbarung 5:5). Und der Löwe ist ja ein Symbol für mutige Gerechtigkeit. In naher Zukunft wird Jesus in noch größerem Umfang dem Recht Geltung verschaffen. Dann wird er im wahrsten Sinne des Wortes „auf der Erde für Recht“ sorgen (Jesaja 42:4).

      Der messianische König sorgt auf der Erde für Recht

      20, 21. Wie setzt sich der messianische König heute weltweit und innerhalb der Christen­versammlung für das Recht ein?

      20 Im Jahr 1914 wurde Jesus als der messianische König eingesetzt. Seither tritt er weltweit für das Recht ein. Wie? Indem er hinter der Erfüllung seiner Prophezeiung aus Matthäus 24:14 steht. Jesu Nachfolger auf der Erde lehren Menschen aller Länder die Wahrheit über Jehovas Königreich. Wie Jesus sind sie beim Predigen unparteiisch, gerecht und darum bemüht, dass jeder – Jung oder Alt, Reich oder Arm, Mann oder Frau – die Gelegenheit erhält, Jehova, den Gott der Gerechtigkeit, kennenzulernen.

      21 Jesus setzt sich auch innerhalb der Christen­versammlung, deren Haupt er ist, für das Recht ein. Wie vorhergesagt, gibt er „Menschen als Gaben“ – treue christliche Älteste, die in der Versammlung die Führung übernehmen (Epheser 4:8-12). Beim Hüten der kostbaren Herde Gottes treten diese Männer nach dem Vorbild Jesu Christi für das Recht ein. Sie vergessen nie, dass Jesus seine Schafe gerecht behandelt wissen möchte – ohne Ansehen der Stellung, Bekanntheit oder der finanziellen Situation.

      22. Wie empfindet Jehova die überhandnehmenden Ungerechtigkeiten in der heutigen Welt, und womit hat er deswegen seinen Sohn beauftragt?

      22 Binnen Kurzem wird Jesus auf eine noch nie gekannte Weise weltweit für Recht sorgen. In der heutigen korrupten Welt nehmen Ungerechtigkeiten überhand. Jedes Kind, das verhungert, ist Opfer unentschuldbarer Ungerechtigkeit, zumal die Produktion von Kriegswaffen und die Launen egoistischer, vergnügungshungriger Menschen Unsummen verschlingen. Die Millionen Hungertoten jedes Jahr sind nur einer von vielen Auswüchsen der Ungerechtigkeit, die Jehovas gerechten Zorn hervorrufen. Gott hat seinen Sohn dazu bestimmt, einen gerechten Krieg gegen das gesamte böse Weltsystem zu führen, um endgültig mit aller Ungerechtigkeit Schluss zu machen (Offenbarung 16:14, 16; 19:11-15).

      23. Wie wird Christus nach Armageddon bis in alle Ewigkeit für Gerechtigkeit eintreten?

      23 Doch die Gerechtigkeit Jehovas verlangt mehr als nur die Vernichtung der Bösen. Er hat seinen Sohn auch dazu bestimmt, als „Friedensfürst“ zu regieren. Nach dem Krieg von Armageddon wird Jesu „durch Recht“ gestützte Herrschaft auf der ganzen Erde Frieden schaffen (Jesaja 9:6, 7). Jesus wird mit Freuden all die Ungerechtigkeiten wiedergutmachen, die weltweit so großes Leid und Elend angerichtet haben. Bis in alle Ewigkeit wird er treu für die vollkommene Gerechtigkeit Jehovas eintreten. Wir sollten uns deshalb schon heute unbedingt bemühen, Jehovas Gerechtigkeit nachzuahmen. Wie wir das erreichen können, wird im Folgenden erörtert.

      a In seinem gerechten Zorn glich Jesus Jehova, der bereit ist, gegen alles Schlechte „seinen Zorn zu zeigen“ (Nahum 1:2). Als Jehova seinem eigensinnigen Volk beispielsweise vorwarf, es habe sein Haus zu einer „Räuberhöhle“ gemacht, sagte er: „Meine Verärgerung, mein Zorn, wird sich über diesen Ort ergießen“ (Jeremia 7:11, 20).

      b Der Mischna zufolge erhob sich Jahre später ein Protest gegen die Unsummen, die im Tempelgebiet für Tauben verlangt wurden. Prompt fiel der Preis um 99 Prozent! Wer profitierte am meisten von dem lukrativen Handel im Tempelgebiet? Einige Historiker gehen davon aus, dass die Tempelmärkte der Familie des Hohen Priesters Annas gehörten und sehr zu dem unermesslichen Reichtum dieser Priesterdynastie beitrugen (Johannes 18:13).

      c Die Pharisäer waren der Ansicht, die einfachen Menschen, die sich nicht im Gesetz auskannten, seien „verfluchte Leute“ (Johannes 7:49). Man solle sie weder lehren noch Geschäfte mit ihnen treiben noch mit ihnen essen oder beten. Die eigene Tochter mit ihnen zu verheiraten sei schlimmer, als sie wilden Tieren vorzuwerfen. Nach Auffassung der Pharisäer war dem einfachen Volk die Auferstehungs­hoffnung verschlossen.

      Fragen zum Nachdenken

      • Psalm 45:1-7 Warum können wir sicher sein, dass der messianische König für vollkommene Gerechtigkeit eintreten wird?

      • Matthäus 12:19-21 Wie würde der Messias laut der Prophezeiung einfache Menschen behandeln?

      • Matthäus 18:21-35 Wie lehrte Jesus, dass wahre Gerechtigkeit barmherzig ist?

      • Markus 5:25-34 Wie machte Jesus deutlich, dass wahre Gerechtigkeit die Umstände mit berücksichtigt?

  • Recht üben, während wir mit Gott gehen
    Komm Jehova doch näher
    • Zwei Älteste besuchen eine Schwester mit ihren zwei Kindern und hören ihr aufmerksam zu.

      KAPITEL 16

      Recht üben, während wir mit Gott gehen

      1-3. (a) Warum stehen wir in Jehovas Schuld? (b) Was erwartet unser liebevoller Retter von uns?

      STELL dir vor, du bist auf einem sinkenden Schiff und kannst nicht weg. Du hast die Hoffnung schon aufgegeben – da kommt jemand und rettet dich. Wie erleichtert du bist, als er dich aus der Gefahrenzone holt und sagt: „Jetzt bist du in Sicherheit“! Wärst du ihm nicht zu Dank verpflichtet? Immerhin hat er dir das Leben gerettet!

      2 Das verdeutlicht in etwa, was Jehova für uns getan hat. Wir stehen eindeutig in seiner Schuld. Schließlich hat er ja das Lösegeld beschafft, durch das wir aus dem Würgegriff von Sünde und Tod befreit werden können. Das Bewusstsein, dass unsere Sünden vergeben werden und uns eine ewige Zukunft sicher ist, solange wir an dieses wertvolle Opfer glauben, schenkt uns Geborgenheit (1. Johannes 1:7; 4:9). Wie wir in Kapitel 14 gesehen haben, ist das Lösegeld die höchste Ausdrucksform der Liebe und der Gerechtigkeit Jehovas. Wie sollten wir darauf reagieren?

      3 Es wäre gut, zu untersuchen, was unser liebevoller Retter von uns erwartet. Jehova lässt uns durch den Propheten Micha sagen: „Er hat dir mitgeteilt, o Mensch, was gut ist. Und was erwartet Jehova von dir? Nur dies: Recht zu üben, Loyalität von Herzen zu lieben und deinen Weg bescheiden mit deinem Gott zu gehen!“ (Micha 6:8). Zu dem, was Jehova von uns erwartet, gehört also „Recht zu üben“. Wie ist uns das möglich?

      Nach „wahrer Gerechtigkeit“ suchen

      4. Woher wissen wir, dass Jehova von uns erwartet, nach seinen gerechten Normen zu leben?

      4 Jehova erwartet von uns, dass wir uns nach seinen Maßstäben für Recht und Unrecht richten. Da seine Normen gerecht sind, suchen wir Recht und Gerechtigkeit, wenn wir sie einhalten. „Lernt Gutes tun; bemüht euch um Gerechtigkeit“, heißt es in Jesaja 1:17. Gottes Wort fordert uns auf: „Sucht Gerechtigkeit“ (Zephanja 2:3). Auch werden wir angehalten, „die neue Persönlichkeit“ anzuziehen, „die nach Gottes Willen in wahrer Gerechtigkeit … geschaffen worden ist“ (Epheser 4:24). Wahre Gerechtigkeit – wahres Recht – ist mit Gewalt, Unreinheit und Unmoral nicht zu vereinbaren, denn all das verletzt, was heilig ist (Psalm 11:5; Epheser 5:3-5).

      5, 6. (a) Warum ist es für uns keine Last, uns an die gerechten Maßstäbe Jehovas zu halten? (b) Wie deutet die Bibel an, dass es ein fortlaufender Prozess ist, nach Gerechtigkeit zu suchen?

      5 Ist es für uns eine Last, Jehovas gerechte Maßstäbe einzuhalten? Nein. Wenn wir uns von Herzen zu Jehova hingezogen fühlen, ärgern wir uns nicht über das, was er von uns erwartet. Da wir unseren Gott und alles, wofür er steht, lieben, möchten wir so leben, wie es ihm gefällt (1. Johannes 5:3). Denken wir daran: Jehova „liebt gerechte Taten“ (Psalm 11:7). Gottes Recht oder Gerechtigkeit wirklich umzusetzen verlangt von uns, das lieben zu lernen, was Jehova liebt, und das hassen zu lernen, was Jehova hasst (Psalm 97:10).

      6 Unvollkommenen Menschen fällt es nicht leicht, nach Gerechtigkeit zu suchen. Wir müssen die alte Persönlichkeit mit ihren sündigen Handlungen ausziehen und die neue anziehen. In der Bibel heißt es, dass die neue Persönlichkeit durch genaue Erkenntnis „erneuert wird“ (Kolosser 3:9, 10). Diese Formulierung deutet an, dass das Erwerben der neuen Persönlichkeit ein fortlaufender Prozess ist, der angestrengtes Bemühen voraussetzt. Aber so sehr wir uns auch anstrengen, richtig zu handeln, wird unsere sündige Natur uns immer wieder veranlassen, in Gedanken, Worten oder Taten danebenzugreifen (Römer 7:14-20; Jakobus 3:2).

      7. Wie sollten wir Rückschläge in unserem Streben nach Gerechtigkeit ansehen?

      7 Wie sollten wir Rückschläge in unserem Streben nach Gerechtigkeit ansehen? Natürlich werden wir die Schwere der Sünde nicht herunterspielen wollen. Aber gleichzeitig dürfen wir auch nie aufgeben und denken, wir seien wegen unserer Fehler für den Dienst Jehovas ungeeignet. Unser Gott hat in seiner Güte dafür gesorgt, dass wir, sofern wir ehrlich bereuen, wieder in seine Gunst kommen können. Der Apostel Johannes äußerte die beruhigenden Worte: „Ich schreibe euch das alles, damit ihr keine Sünde begeht.“ Aber dann schloss er die realistische Aussage an: „Und doch: Wenn jemand eine Sünde begeht [aufgrund der angeborenen Unvollkommenheit], dann haben wir einen Helfer beim Vater, Jesus Christus“ (1. Johannes 2:1). Ja, Jehova hat Jesu Loskaufsopfer bereitgestellt, damit wir ihm trotz unserer sündigen Natur auf annehmbare Weise dienen können. Motiviert uns das nicht, unser Bestes zu tun, um Jehova zu gefallen?

      Die gute Botschaft und göttliche Gerechtigkeit

      8, 9. Wieso zeugt die Verkündigung der guten Botschaft von der Gerechtigkeit Jehovas?

      8 Wir können Recht üben – ja die göttliche Gerechtigkeit nachahmen –, indem wir uns beim Predigen der guten Botschaft von Gottes Königreich voll einsetzen. Welcher Zusammenhang besteht zwischen Jehovas Gerechtigkeit und der guten Botschaft?

      9 Jehova wird das heutige böse Weltsystem nicht auslöschen, ohne vorher eine Warnung geben zu lassen. Jesus sagte in seiner Prophezeiung über die Zeit des Endes: „Auch muss unter allen Völkern zuerst die gute Botschaft bekannt gemacht werden“ (Markus 13:10; Matthäus 24:3). Das Wort „zuerst“ deutet darauf hin, dass dem weltweiten Predigtwerk bestimmte Ereignisse folgen werden. Dazu gehört die vorhergesagte große Drangsal, die einerseits den Bösen die Vernichtung bringt, andererseits aber auch den Weg in eine gerechte neue Welt ebnet (Matthäus 24:14, 21, 22). Niemand kann Jehova mit Recht vorwerfen, er behandle die Bösen ungerecht. Dadurch, dass er sie warnen lässt, gibt er ihnen reichlich Gelegenheit, ihr Verhalten zu ändern, um so der Vernichtung zu entgehen (Jona 3:1-10).

      10, 11. Wieso spiegeln wir Gottes Gerechtigkeit wider, wenn wir die gute Botschaft predigen?

      10 Wieso spiegeln wir Gottes Gerechtigkeit wider, wenn wir die gute Botschaft predigen? Zunächst einmal ist es nur recht und billig, dass wir unser Möglichstes tun, um anderen zur Rettung zu verhelfen. Nochmals zurück zu dem Beispiel mit dem sinkenden Schiff: Wenn wir uns in einem Rettungsboot in Sicherheit befänden, würden wir bestimmt anderen, die noch im Wasser treiben, helfen wollen. Genauso sind wir denen verpflichtet, die mit den „Wasserfluten“ der heutigen bösen Welt kämpfen. Zwar lehnen viele unsere Botschaft ab, doch solange Jehova Geduld übt, ist es unsere Aufgabe, ihnen Gelegenheit zu geben, „zur Reue [zu] finden“ und gerettet zu werden (2. Petrus 3:9).

      11 Dadurch dass wir allen, denen wir begegnen, die gute Botschaft predigen, üben wir noch in einem weiteren wichtigen Punkt Gerechtigkeit: Wir sind unparteiisch. Denken wir daran, dass „Gott nicht parteiisch ist, sondern dass er in jedem Volk den Menschen annimmt, der Ehrfurcht vor ihm hat und tut, was richtig ist“ (Apostel­geschichte 10:34, 35). Wenn wir seine Gerechtigkeit nachahmen möchten, dürfen wir nicht vorschnell über andere urteilen. Wir sollten die gute Botschaft an andere weitergeben, ganz egal welche Hautfarbe sie haben, welcher Gesellschafts­schicht sie angehören oder wie sie finanziell gestellt sind. So eröffnen wir jedem, der zuhört, die Möglichkeit, von der guten Botschaft zu erfahren und entsprechend zu reagieren (Römer 10:11-13).

      Wie wir mit anderen umgehen

      12, 13. (a) Warum sollten wir nicht vorschnell über andere urteilen? (b) Was meinte Jesus mit der Aufforderung „Hört auf, ein Urteil über andere zu fällen“ und „Hört auf, andere zu verurteilen“? (Siehe auch Fußnote.)

      12 Wir können auch dadurch Recht üben, dass wir mit anderen so umgehen, wie Jehova mit uns umgeht. Es ist so leicht, über andere zu urteilen, ihre Fehler zu kritisieren oder ihre Beweggründe anzuzweifeln. Aber würden wir uns wünschen, dass Jehova unsere Beweggründe und Fehler gnadenlos unter die Lupe nimmt? Das tut er jedenfalls nicht. Der Psalmist erklärte: „Wären Vergehen das, worauf du achtest, o Jah, wer, o Jehova, könnte bestehen?“ (Psalm 130:3). Sind wir nicht dankbar, dass sich unser gerechter und barmherziger Gott gar nicht mit unseren Fehlern und Schwächen aufhalten möchte? (Psalm 103:8-10). Wie sollten wir deshalb mit anderen umgehen?

      13 Wenn wir erkennen, dass Gottes Gerechtigkeit dem Wesen nach barmherzig ist, werden wir in Angelegenheiten, die uns eigentlich gar nichts angehen oder nicht weiter wichtig sind, nicht vorschnell über andere urteilen. In seiner Bergpredigt sagte Jesus warnend: „Hört auf, ein Urteil über andere zu fällen, damit kein Urteil über euch gefällt wird“ (Matthäus 7:1). Nach dem Lukasbericht fügte Jesus noch hinzu: „Hört auf, andere zu verurteilen, und ihr werdet ganz sicher nicht verurteilt werden“ (Lukas 6:37).a Jesus war sich also dessen bewusst, dass unvollkommene Menschen zu Werturteilen neigen. Wer unter seinen Zuhörern die Angewohnheit hatte, mit anderen hart ins Gericht zu gehen, sollte damit aufhören.

      Eine Schwester spricht mit einem gehbehinderten Mann und einem Mädchen über die Bibel.

      Wir ahmen die Gerechtigkeit Gottes nach, wenn wir die gute Botschaft unvoreingenommen predigen

      14. Aus welchen Gründen müssen wir aufhören zu urteilen?

      14 Warum müssen wir aufhören zu urteilen? Zum einen haben wir nur eine begrenzte Autorität. Der Jünger Jakobus erinnert uns an Folgendes: „Es gibt nur einen, der Gesetzgeber und Richter ist“ – Jehova. Deshalb fragt Jakobus unverblümt: „Wer bist du, dass du ein Urteil über deinen Mitmenschen fällst?“ (Jakobus 4:12; Römer 14:1-4). Zum anderen können unsere Urteile durch unsere sündige Natur nur allzu leicht unfair ausfallen. Bestimmte Auffassungen und Beweggründe – Vorurteile, verletzter Stolz, Eifersucht oder Selbst­gerechtigkeit – können das Bild, das wir uns von anderen machen, verzerren. Das Bewusstsein der Grenzen, die uns selbst gesetzt sind, sollte uns eigentlich davon abhalten, jemandem vorschnell etwas anzukreiden. Wir können anderen nicht ins Herz sehen und kennen auch nicht alle ihre persönlichen Umstände. Wer sind wir deshalb, dass wir unseren Glaubensbrüdern verkehrte Beweggründe unterschieben oder ihren Einsatz im Dienst für Gott kritisieren? Wie viel besser ist es, Jehova nachzuahmen und bei unseren Brüdern und Schwestern das Gute zu sehen, statt uns auf ihre Schwächen zu konzentrieren!

      15. Welches Verhalten ist unter Gottes Anbetern fehl am Platz, und warum?

      15 Wie sieht es in der Familie aus? Eigentlich sollte sie eine Insel des Friedens sein. Doch heutzutage wird dort leider oft am härtesten verurteilt. Ehepartner oder Kinder, die unaufhörlich Beschimpfungen und Misshandlungen über sich ergehen lassen müssen, sind keine Seltenheit. Unter Gottes Anbetern dagegen sind boshafte Bemerkungen, beißender Sarkasmus und Misshandlungen völlig fehl am Platz (Epheser 4:29, 31; 5:33; 6:4). Jesu Aufforderung, mit dem Urteilen und Verurteilen aufzuhören, verliert in den eigenen vier Wänden nicht an Gültigkeit. Recht zu üben schließt wie gesagt ein, mit anderen so umzugehen, wie Jehova mit uns umgeht. Und unser Gott geht nie hart oder grausam mit uns um. Vielmehr ist er gegenüber denen, die ihn lieben, „voll inniger Liebe“ (Jakobus 5:11). Was für ein nachahmenswertes Beispiel!

      Älteste sorgen für Recht

      16, 17. (a) Was erwartet Jehova von Ältesten? (b) Was ist zu tun, wenn ein Sünder nicht wirklich bereut, und weshalb?

      16 Wir alle sind verpflichtet, Recht zu üben, doch die Ältesten in der Christen­versammlung haben da eine besondere Verantwortung. Achten wir einmal auf Jesajas prophetische Beschreibung der „Fürsten“ oder Ältesten: „Seht! Ein König wird regieren und für Gerechtigkeit sorgen und Fürsten werden herrschen und für Recht sorgen“ (Jesaja 32:1). Jehova erwartet also von Ältesten, im Interesse von Recht und Gerechtigkeit zu handeln. Wie können sie das tun?

      17 Diese reifen Christen sind sich deutlich bewusst, dass die Versammlung rein bleiben muss, wenn das Recht oder die Gerechtigkeit gewahrt werden soll. Ab und zu sehen sich Älteste gezwungen, sich mit Rechtsfällen zu befassen, bei denen es um schweres Fehlverhalten geht. Dabei behalten sie im Sinn, dass die göttliche Gerechtigkeit immer nach Möglichkeiten sucht, Barmherzigkeit zu erweisen. Deshalb versuchen sie, den Sünder zur Reue zu bewegen. Was aber, wenn der Sünder trotz dieses Beistands nicht wirklich bereut? In diesem Fall sieht Jehovas Wort vollkommen zu Recht eine entschiedene Maßnahme vor: „Entfernt den schlechten Menschen aus eurer Mitte.“ Das bedeutet, ihn aus der Versammlung auszuschließen (1. Korinther 5:11-13; 2. Johannes 9-11). Es macht die Ältesten traurig, so weit gehen zu müssen, aber ihnen ist klar, dass die moralische und geistige Reinheit der Versammlung nur so gewahrt werden kann. Doch sie hoffen dann immer noch, dass der Sünder eines Tages zur Besinnung kommt und in die Versammlung zurückkehrt (Lukas 15:17, 18).

      18. Was behalten Älteste im Sinn, wenn sie jemandem einen biblischen Rat geben?

      18 Im Interesse von Recht und Gerechtigkeit zu handeln bedeutet außerdem, biblisch fundierten Rat zu geben, wo er nötig ist. Selbst­verständlich suchen Älteste bei anderen nicht nach Fehlern. Auch ergreifen sie nicht jede Gelegenheit, jemand zur Seite zu nehmen. Allerdings kann es vorkommen, dass ein Glaubensbruder „einen Fehltritt tut, ohne dass es ihm bewusst ist“. Dann werden Älteste versuchen, „ihn im Geist der Milde wieder auf den richtigen Weg zu bringen“ – ohne zu vergessen, dass die göttliche Gerechtigkeit weder grausam noch gefühllos ist (Galater 6:1). Sie würden also nicht schimpfen oder schroff werden. Vielmehr zielt ihr Rat darauf ab, dem Empfänger liebevoll Mut zu machen. Selbst wenn sie jemand ernst zurechtweisen müssen, ihm also ganz offen die Folgen seines unklugen Verhaltens aufzeigen, behalten sie im Sinn, dass ein Glaubensbruder, der einen Fehler gemacht hat, immer noch ein Schaf der Herde Jehovas ist (Lukas 15:7).b Ein Rat oder eine Zurechtweisung, die aus Liebe und in Liebe erteilt wird, bewirkt eher eine Änderung.

      19. Welche Entscheidungen haben Älteste zu treffen, und worauf müssen solche Entscheidungen beruhen?

      19 Älteste haben oft Entscheidungen zu treffen, die sich auf ihre Glaubensbrüder auswirken. In gewissen Abständen kommen sie zusammen, um zu beraten, ob sich noch andere Brüder in der Versammlung als Älteste oder Dienstamt­gehilfen eignen. Die Ältesten wissen, wie wichtig Unparteilichkeit ist. Ausschlaggebend für ihre Entscheidungen sind die Erfordernisse, die Gott für solche Ernennungen festgelegt hat – keine persönlichen Empfindungen. Sie handeln somit „völlig vorurteilslos und unvoreingenommen“ (1. Timotheus 5:21).

      20, 21. (a) Was möchten Älteste für andere sein, und weshalb? (b) Wie können Älteste Nieder­geschlagenen helfen?

      20 Älteste verhalten sich auch auf anderen Gebieten im Sinne der göttlichen Gerechtigkeit. Jesaja sagte voraus, dass sie „für Recht sorgen“ würden, und fuhr fort: „Jeder von ihnen wird wie ein sicherer Ort bei Sturm sein, wie ein schützender Ort bei einem Wolkenbruch, wie Wasserbäche in einem wasserlosen Land, wie der Schatten eines massiven Felsens in einem trockenen Land“ (Jesaja 32:1, 2). Die Ältesten bemühen sich also, ihre Glaubensbrüder zu trösten und sie wieder aufleben zu lassen.

      21 Bei all den Problemen, die uns heutzutage zusetzen, ist Ermutigung sehr gefragt. Älteste, wie könnt ihr Nieder­geschlagenen helfen? (1. Thessalonicher 5:14). Seid ihnen ein einfühlsamer Zuhörer (Jakobus 1:19). Vielleicht brauchen sie jemand, dem sie ihre Sorgen anvertrauen können (Sprüche 12:25). Versichert ihnen, dass sie gebraucht, geschätzt und geliebt werden – von Jehova und auch von ihren Brüdern und Schwestern (1. Petrus 1:22; 5:6, 7). Außerdem könnt ihr mit ihnen und für sie beten. Zu hören, wie ein Ältester ein inniges Gebet für einen spricht, kann sehr tröstend sein (Jakobus 5:14, 15). Euer liebevoller Einsatz für Niedergeschlagene bleibt von dem Gott der Gerechtigkeit nicht unbemerkt.

      Älteste, die Nieder­geschlagenen Mut machen, spiegeln Gottes Gerechtigkeit wider

      22. Wie können wir Jehovas Gerechtigkeit nachahmen, und was bewirkt das?

      22 Wenn wir Jehovas Gerechtigkeit nachahmen, werden wir ihm mit Sicherheit immer näher kommen. Gottes Gerechtigkeit zu praktizieren bedeutet, dass wir für seine gerechten Maßstäbe eintreten, die lebensrettende gute Botschaft bekannt machen und bei anderen bewusst das Gute sehen, statt nach Fehlern zu suchen. Älteste spiegeln Gottes Gerechtigkeit wider, wenn sie die Reinheit der Versammlung wahren, konstruktiven biblischen Rat geben, unparteiische Entscheidungen treffen und Nieder­geschlagenen Mut machen. Wie sich Jehova doch freuen muss, vom Himmel herunterzuschauen und zu sehen, wie seine Diener nach besten Kräften Recht üben, während sie mit ihrem Gott gehen!

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