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FestEinsichten über die Heilige Schrift, Band 1
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FEST
Feste bildeten einen wesentlichen Bestandteil der wahren Anbetung und waren den Israeliten, dem auserwählten Volk Jehovas, von ihm durch Moses genau vorgeschrieben worden. Das mit „Fest“ übersetzte hebräische Wort chagh leitet sich möglicherweise von einem Verb ab, das den Sinn von „kreisen, kreisend sich bewegen, kreisförmig sein, im Kreis tanzen“ hat und von daher auch die Bedeutung „ein (regelmäßig wiederkehrendes) Fest feiern“ annehmen kann. Der ebenfalls mit „Fest“ wiedergegebene Begriff mōʽédh bezeichnet im Grunde eine festgesetzte Zeit oder einen festgesetzten Treffpunkt oder Versammlungsort (1Sa 20:35; 2Sa 20:5).
Die Feste und ähnliche besondere Tage könnten wie folgt eingeteilt werden:
FESTE IN ISRAEL
VOR DEM EXIL
JÄHRLICHE FESTE
1. Passah, 14. Abib (Nisan)
2. Fest der ungesäuerten Brote, 15.–21. Abib (Nisan)
3. Fest der Wochen, Pfingsten, 6. Siwan
4. Trompetenfest, 1. Ethanim (Tischri)
5. Sühnetag, 10. Ethanim (Tischri)
6. Laubhüttenfest, 15.–21. Ethanim (Tischri), mit einer feierlichen Zusammenkunft am 22.
ANDERE REGELMÄSSIG WIEDERKEHRENDE FESTE
1. Sabbat
2. Neumond
3. Sabbatjahr (jedes 7. Jahr)
4. Jubeljahr (jedes 50. Jahr)
NACH DEM EXIL
1. Fest der Einweihung, 25. Kislew
2. Purimfest, 14., 15. Adar
Die drei großen Feste. Die drei hauptsächlichen „Festzeiten“ – manchmal auch Wallfahrtsfeste genannt, weil sich alle männlichen Personen dazu in Jerusalem versammeln mussten – fanden zu bestimmten Zeiten statt und wurden mit dem hebräischen Wort mōʽédh bezeichnet (3Mo 23:2, 4). Doch wenn ausschließlich die drei großen Feste gemeint waren, wurde oft das Wort chagh gebraucht, das nicht nur auf eine regelmäßige Wiederkehr hindeutet, sondern auch auf eine Zeit großer Freude. Diese drei großen Feste waren:
1. Das Fest der ungesäuerten Brote (2Mo 23:15). Dieses Fest begann am Tag nach dem Passah und dauerte vom 15. bis 21. Abib (Nisan). Das Passah wurde am 14. Nisan gefeiert und war eigentlich ein Feiertag für sich. Da es aber zeitlich so eng mit dem Fest der ungesäuerten Brote verbunden war, wurden diese beiden Feste oft zusammen als das Passah bezeichnet (Mat 26:17; Mar 14:12; Luk 22:7).
2. Das Fest der Wochen (später Pfingsten genannt), das am 50. Tag nach dem 16. Nisan, am 6. Siwan, gefeiert wurde (2Mo 23:16a; 34:22a).
3. Das Laubhüttenfest (auch Fest der Einsammlung genannt). Es wurde vom 15. bis 21. Ethanim oder Tischri (der siebte Monat) gefeiert, und am 22. fand eine feierliche Versammlung statt (3Mo 23:34-36).
Die Zeit, der Ort und die Art und Weise, wie diese Feste durchgeführt werden sollten, waren von Jehova festgelegt. Diese „Festzeiten Jehovas“ fielen nach dem religiösen Kalender in verschiedene Jahreszeiten: in den Vorfrühling, den Spätfrühling und den Herbst. Das war von besonderer Bedeutung, denn zu diesen Zeiten wurden die Erstlingsfrüchte des Feldes und der Weingärten geerntet, was für die Bewohner des Landes der Verheißung ein Anlass zu großer Freude und Fröhlichkeit sowie zur Dankbarkeit gegenüber Jehova, dem Geber aller guten Dinge, war.
Allgemeine Vorschriften für diese Feste. Gemäß dem Gesetzesbund sollten alle männlichen Israeliten jedes Jahr während der drei großen jährlichen Feste vor Jehova, ihrem Gott, an dem Ort erscheinen, den er erwählen würde (5Mo 16:16). Der Ort, den er schließlich als Festzentrum erwählte, war Jerusalem. Eine Bestrafung für Nichtanwesenheit war nicht vorgesehen; nur das Versäumnis, beim Passah zugegen zu sein, stand unter Todesstrafe (4Mo 9:9-13). Dennoch würde die Nichtbeachtung irgendwelcher Gesetze Gottes (einschließlich seiner Feste und Sabbate) zur Folge haben, dass die ganze Nation bestraft und in Bedrängnis geraten würde (5Mo 28:58-62). Das Passah musste am 14. Nisan oder unter gewissen Umständen einen Monat später gefeiert werden.
Die Frauen waren im Gegensatz zu den Männern zwar nicht verpflichtet, die Reise zu den jährlichen Festen zu machen, dennoch gab es Frauen, die dies taten, z. B. Hanna, die Mutter Samuels (1Sa 1:7), und Maria, die Mutter Jesu (Luk 2:41). Israelitinnen, die Jehova liebten, nahmen, wenn irgend möglich, an diesen Festen teil. Nicht nur die Eltern Jesu waren regelmäßig zugegen, sondern auch ihre Verwandten und Bekannten gingen jeweils mit ihnen (Luk 2:44).
Jehova gab den Israeliten die Zusicherung: „Niemand wird dein Land begehren, während du hinaufziehst, um das Angesicht Jehovas, deines Gottes, dreimal im Jahr zu sehen“ (2Mo 34:24). Obgleich während dieser Zeit keine Männer zu Hause blieben, um die Städte und das Land zu bewachen, kam es bis zur Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 u. Z. nie vor, dass eine fremde Nation versuchte, das Land der Juden während eines ihrer Feste einzunehmen. Im Jahr 66 u. Z. jedoch, also nachdem die jüdische Nation Christus verworfen hatte, erschlug Cestius Gallus in Lydda während des Laubhüttenfestes 50 Personen.
Kein männlicher Teilnehmer durfte mit leeren Händen kommen. Jeder sollte eine Gabe bringen, die ‘entsprechend dem Segen Jehovas, seines Gottes, war, den er ihm gegeben hatte’ (5Mo 16:16, 17). Auch sollten der „zweite“ Zehnte (im Unterschied zu dem Zehnten, der für den Unterhalt der Leviten abgegeben wurde [4Mo 18:26, 27]) des in dem betreffenden Jahr geernteten Korns, des Weins und des Öls sowie die Erstgeburten des Kleinviehs und des Großviehs in Jerusalem mit den Leviten zusammen gegessen werden. War aber die Reise zu dem Festort zu weit, sah das Gesetz vor, dass diese Dinge in Geld umgesetzt werden konnten, um in der Nähe des Heiligtums Nahrung zu kaufen und sie dort zu verzehren (5Mo 14:22-27). Die Feste boten den Israeliten Gelegenheit, Jehova ihre Treue zu beweisen, und sollten für sie und für die ansässigen Fremdlinge sowie für den vaterlosen Knaben und die Witwe ein Anlass der Freude sein (5Mo 16:11, 14). Die Voraussetzung war allerdings, dass die männlichen Personen unter den ansässigen Fremdlingen beschnittene Anbeter Jehovas waren (2Mo 12:48, 49). Auch wurden bei dieser Gelegenheit außer den täglichen Opfern stets besondere Opfer dargebracht, und während die Brandopfer und die Gemeinschaftsschlachtopfer dargebracht wurden, wurden die Trompeten geblasen (4Mo 10:10).
Kurz vor dem Tempelbau reorganisierte König David die Priesterschaft; er sorgte dafür, dass die große aaronitische Priesterschaft, bestehend aus Hunderten von Priestern, in 24 Abteilungen eingeteilt wurde, zusammen mit den levitischen Helfern (1Ch 24). Jede Abteilung geschulter Arbeiter verrichtete später zweimal im Jahr je eine Woche Tempeldienst; die nötigen Vorbereitungen hierfür traf der Vorsteher des Vaterhauses. Aus 2. Chronika 5:11 geht hervor, dass die 24 Priesterabteilungen gemeinsam bei der Einweihung des Tempels dienten, die während des Laubhüttenfestes stattfand (1Kö 8:2; 3Mo 23:34). Alfred Edersheim erklärt, dass an den Festtagen jeder Priester eingeladen war, Tempeldienst zu verrichten, aber während des Laubhüttenfestes mussten alle 24 Abteilungen dienstbereit sein (The Temple, 1874, S. 66).
Während dieser festlichen Anlässe hatten die Priester, die Leviten und die Nethinim, die zusammen mit ihnen dienten, ein enormes Arbeitspensum zu bewältigen. Ein Beispiel ist die Beschreibung des Festes der ungesäuerten Brote, das König Hiskia nach der Tempelreinigung abhielt; bei dieser Gelegenheit wurde das Fest um sieben Tage verlängert. In dem Bericht heißt es, dass allein Hiskia für die Opfer 1000 Stiere und 7000 Schafe beisteuerte und die Fürsten 1000 Stiere und 10 000 Schafe (2Ch 30:21-24).
Gewisse Festtage galten als Sabbate, an denen feierliche Versammlungen oder heilige Zusammenkünfte stattfanden, das Geschäftsleben wie an den wöchentlichen Sabbaten völlig ruhte und keinerlei weltliche Arbeit verrichtet werden durfte. Eine Ausnahme bildeten Arbeiten, die mit den Festvorbereitungen in Verbindung standen, z. B. das Zubereiten von Speisen, was am wöchentlichen Sabbat verboten war (2Mo 12:16). Es bestand also in dieser Hinsicht ein Unterschied zwischen den Festsabbaten, an denen „heilige Zusammenkünfte“ stattfanden, und den wöchentlichen Sabbaten (sowie dem Sabbat am Zehnten des siebten Monats [Sühnetag], der ein Fastentag war), an denen keinerlei Arbeit getan werden durfte, ja nicht einmal Feuer durfte angezündet werden ‘an irgendeinem ihrer Wohnorte’. (Vgl. 3Mo 23:3, 26-32 mit den Versen 7, 8, 21, 24, 25, 35, 36 und 2Mo 35:2, 3.)
Die Wichtigkeit der Feste im Leben der Israeliten. Die Feste spielten im Leben der Nation Israel eine sehr wichtige Rolle. Als die Israeliten noch in ägyptischer Knechtschaft waren, sagte Moses zu Pharao, er solle sie samt ihrem Vieh aus Ägypten ziehen lassen, weil sie „ein Fest für Jehova“ hätten (2Mo 10:9). Der Gesetzesbund enthielt viele einzelne Vorschriften über die Durchführung der Feste (2Mo 34:18-24; 3Mo 23:1-44; 5Mo 16:1-17). Den Geboten Gottes entsprechend halfen die Feste allen Teilnehmern, ihren Sinn auf Gottes Wort gerichtet zu halten und zu vermeiden, dass sie sich so sehr von ihren persönlichen Angelegenheiten in Anspruch nehmen ließen, dass sie den wichtigeren, den geistigen Aspekt des Lebens vergaßen. Diese Feste erinnerten sie ferner daran, dass sie ein Volk für Jehovas Namen waren. Auf dem Weg zu diesen Festversammlungen und auf dem Rückweg hatten sie auch ausgiebig Gelegenheit, über die Güte ihres Gottes und seine Segnungen zu sprechen, die sie tagtäglich, jahraus, jahrein genossen. Die Feste gaben ihnen Zeit und Gelegenheit, nachzusinnen sowie mit ihresgleichen zusammen zu sein und mit ihnen über Jehovas Gesetz zu sprechen. Sie trugen dazu bei, dass sie das ihnen von Gott gegebene Land besser kennenlernten, vertieften ihr Verständnis und förderten die Nächstenliebe unter ihnen sowie die Einheit und die reine Anbetung. Sie waren Anlässe der Freude, erinnerten das Volk an Gottes Gedanken und Wege und waren für alle, die in Aufrichtigkeit teilnahmen, eine Quelle geistiger Segnungen. Ein Beispiel hierfür sind die Segnungen, die den Tausenden von Pfingstfestbesuchern im Jahr 33 u. Z. in Jerusalem zuteilwurden (Apg 2:1-47).
Die Feste waren für die Juden gleichbedeutend mit Freude. Vor dem Babylonischen Exil, als der Großteil der Nation Israel den eigentlichen geistigen Zweck der Feste aus den Augen verloren hatte, erklärten die Propheten Hosea und Amos in Verbindung mit der bevorstehenden Verwüstung Jerusalems, diese freudigen Feste würden aufhören bzw. in Trauer verwandelt werden (Hos 2:11; Am 8:10). Nach dem Sturz Jerusalems klagte Jeremia, dass „die Wege Zions trauern, weil niemand da ist, der zum Fest kommt“. Fest und Sabbat waren nun „vergessen“ (Klg 1:4; 2:6). Jesaja beschrieb im Voraus den glücklichen Zustand der 537 v. u. Z. aus dem Babylonischen Exil Zurückgekehrten mit den Worten: „Ihr werdet schließlich ein Lied haben gleich dem in der Nacht, da man sich für ein Fest heiligt“ (Jes 30:29). Doch nicht lange nachdem sie wieder in ihr von Gott gegebenes Land gebracht worden waren, verdarben sie Jehovas Feste, weshalb Gott die Priester durch den Propheten Maleachi warnte, dass der Mist ihrer Feste auf ihre Gesichter gestreut werden würde (Mal 2:1-3).
Die Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften nehmen mehrmals direkt oder indirekt auf die Feste Bezug, manchmal mit einer freudigen, symbolischen und prophetischen Anwendung auf Christen. Christen waren allerdings nicht verpflichtet, diese Feste buchstäblich einzuhalten (Kol 2:16, 17; siehe die einzelnen Feste unter ihrem entsprechenden Namen).
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Fest der EinweihungEinsichten über die Heilige Schrift, Band 1
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FEST DER EINWEIHUNG
Das Fest der Einweihung (hebr. chanukkáh) erinnerte an die Befreiung der Juden von der syrisch-griechischen Herrschaft und an die Wiedereinweihung des Tempels Jehovas in Jerusalem, der von Antiochos IV. Epiphanes (der sich Theós Epiphanḗs, „Gott, der sich offenbart [der in Erscheinung tritt]“, nannte) entweiht worden war. Antiochos errichtete auf dem großen Altar, auf dem die täglichen Opfer dargebracht worden waren, einen Altar (1. Makkabäer 1:54-59, Me) und opferte dann (am 25. Kislew 168 v. u. Z.) darauf ein Schwein, ließ von einem Teil des Fleisches eine Brühe machen und damit den ganzen Tempel besprengen, um so seine Verachtung und seinen Hass gegen Jehova, den Gott der Juden, auszudrücken und dessen Tempel aufs Schändlichste zu entweihen. Auch verbrannte er die Tempeltore, zerstörte die Räume der Priester und schleppte den goldenen Altar, den Schaubrottisch und den goldenen Leuchter fort. Der Tempel Serubbabels wurde dem heidnischen Gott Zeus Olympios geweiht.
Zwei Jahre später wurden die Stadt und der Tempel von Judas Makkabäus zurückerobert. Das Heiligtum war verwüstet, und in den Tempelvorhöfen wucherte das Unkraut. Judas riss den alten entweihten Altar nieder und baute mit unbehauenen Steinen einen neuen. Er ließ Tempelgeräte machen und brachte den Räucheraltar, den Schaubrottisch und den Leuchter in den Tempel hinein. Nach der Reinigung des entweihten Tempels fand am 25. Kislew (165 v. u. Z.), genau drei Jahre nachdem Antiochos dem heidnischen Gott ein Opfer dargebracht hatte, die Wiedereinweihung statt. Die täglichen oder beständigen Brandopfer wurden wieder eingeführt (1. Makkabäer 4:36-54; 2. Makkabäer 10:1-9, Me).
Festbräuche. Der eigentliche Charakter dieses Festes machte es zu einem Anlass großer Freude. Es wurde ähnlich gefeiert wie das Laubhüttenfest und dauerte vom 25. Kislew an acht Tage (1. Makkabäer 4:59). Die Tempelvorhöfe erstrahlten in hellem Lichterglanz, und die Häuser wurden mit Zierlampen beleuchtet. Im Talmud wird das Fest als „Fest der Lichter“ bezeichnet. Im Lauf der Zeit wurde es bei einigen üblich, am ersten Abend acht Lampen anzuzünden und dann jeden Abend eine weniger, während andere mit einer anfingen und die Zahl bis auf acht erhöhten. Das Licht sollte nicht nur das Innere des Hauses erleuchten, sondern man sollte es auch von draußen sehen können, weshalb die Lampen neben die Türen gestellt wurden, die auf die Straße gingen. Dazu kam noch, dass Lieder zum Lobpreis Gottes, des Befreiers Israels, gesungen wurden. Josephus sagt über die Einführung dieses Festes: „So großes Frohlocken erregte die Wiedereinführung der freien Ausübung des Gottesdienstes, dass man ein Gesetz machte, wonach in Zukunft jährlich acht Tage lang die Erneuerung des Tempels gefeiert werden sollte. Dieses Fest feiern wir von jener Zeit an bis heute und nennen es das Fest der Lichter, weil, wie ich glaube, die freie Ausübung unserer Religion uns unerwartet wie ein Lichtstrahl aufgegangen ist“ (Jüdische Altertümer, 12. Buch, Kap. 7, Abs. 7). Da dieses Fest nicht als ein Sabbat betrachtet wurde, durfte gearbeitet werden.
Es gab zwei frühere Tempeleinweihungen – die des ersten, von Salomo erbauten Tempels und die des zweiten, von Serubbabel errichteten Tempels; beide wurden feierlich begangen, nachdem die Bauarbeiten vollendet waren. Ein jährlich wiederkehrendes Fest zur Erinnerung daran gab es allerdings nicht wie für die Wiedereinweihung des zweiten Tempels durch Judas Makkabäus. Im Gegensatz zu den drei großen Festen, die alle männlichen Personen in Jerusalem besuchen mussten, konnte das Fest der Einweihung in den verschiedenen Städten gefeiert werden, wie es auch beim Purimfest der Fall war (2Mo 23:14-17; Est 9:18-32). Im ganzen Land versammelten sich die Juden in ihren Synagogen mit Gesang und Jubelruf, wobei sie Zweige von Bäumen in der Hand hielten; die Synagogen und die Privathäuser waren durch viele Lichter erleuchtet. Bis auf den heutigen Tag begehen sie dieses Fest.
Bedeutung für Christen. Jesus besuchte im letzten Winter seines Dienstes (32 u. Z.) während des Festes der Einweihung den Tempel. Der Bericht lautet: „Zu jener Zeit fand in Jerusalem das Fest der Einweihung statt. Es war Winterzeit, und Jesus ging im Tempel in der Säulenhalle Salomos umher“ (Joh 10:22, 23). Der neunte Monat, Kislew, fällt in unseren November und Dezember. Natürlich war es unter den Juden allgemein bekannt, dass dieses Fest in der Winterzeit stattfand. Daher bezieht sich der Hinweis auf den Winter möglicherweise weniger auf die Jahreszeit als auf die Witterungsverhältnisse, die es nötig machten, dass sich Jesus an einen geschützten Ort, in die „Säulenhalle Salomos“, begab, um zu lehren. Diese Säulenhalle befand sich auf der O-Seite des äußeren Vorhofs der Heiden, wo jeweils viele Leute zusammenkamen (Apg 3:11; 5:12).
Aus der inspirierten Heiligen Schrift geht nicht direkt hervor, dass Jehova Judas den Sieg verlieh und dass dieser unter seiner Leitung den Tempel wiederherstellte, ihn ausstattete, dessen Geräte anfertigte und ihn schließlich wieder einweihte. Doch damit sich die Prophezeiungen über Jesus und seinen Dienst erfüllen und damit die Leviten ihre Opfer fortgesetzt darbringen konnten, bis das große Opfer des Sohnes Gottes dargebracht worden war, musste der Tempel noch bestehen und mussten die Dienste darin noch verrichtet werden, als der Messias erschien (Joh 2:17; Da 9:27). Jehova benutzte Cyrus und andere Männer fremder Nationen, um gewisse Ziele in Verbindung mit seiner Anbetung zu erreichen (Jes 45:1). Wie viel mehr konnte er sich also eines Mannes bedient haben, der seinem ihm hingegebenen Volk, den Juden, angehörte.
Wie dem auch sei, die Dienste im Tempel wurden noch verrichtet, als Jesus Christus auf der Erde wirkte. Der Tempel Serubbabels wurde von Herodes neu aufgebaut (ersetzt) und vergrößert. Aus diesem Grund und aus Antipathie gegen Herodes sprechen die Juden nur von zwei Tempeln: dem Tempel Salomos und demjenigen Serubbabels. Weder in den Äußerungen Jesu noch in den Schriften seiner Jünger finden wir eine Verurteilung des Festes der Einweihung. Doch Christen, die unter dem neuen Bund stehen, sind nicht verpflichtet, es zu feiern (Kol 2:16; Gal 4:10, 11; Heb 8:6).
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Fest der ungesäuerten BroteEinsichten über die Heilige Schrift, Band 1
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FEST DER UNGESÄUERTEN BROTE
Dieses Fest begann am 15. Nisan, dem Tag nach dem Passah, und dauerte sieben Tage, bis zum 21. Nisan. (Siehe PASSAH.) Es wird nach den ungesäuerten Broten (hebr. mazzṓth) benannt. Sie waren das einzige Brot, das während des siebentägigen Festes gegessen werden durfte. Ungesäuertes Brot wird mit Wasser, aber ohne Sauerteig hergestellt. Es muss schnell zubereitet werden, da eine Gärung vermieden werden soll.
Der erste Tag des Festes der ungesäuerten Brote war ein Sabbat, an dem eine feierliche Versammlung stattfand. Am zweiten Tag (16. Nisan) wurde dem Priester eine Garbe der Erstlingsfrucht der Gerstenernte (der ersten Feldfrucht, die in Palästina reif wird) gebracht. Vor diesem Fest durfte kein Getreide, kein Brot oder geröstetes Korn von der neuen Ernte gegessen werden. Der Priester opferte diese Erstlingsfrucht sinnbildlich Jehova, indem er eine Getreidegarbe hin und her webte und einen fehlerlosen einjährigen Widder als Brandopfer sowie ein mit Öl angefeuchtetes Getreideopfer und ein Trankopfer darbrachte (3Mo 23:6-14). Etwas Getreide oder das Mehl davon auf dem Altar zu verbrennen, wie das die Priester später taten, war nicht vorgeschrieben. Nicht nur das Volk oder die Nation als solche brachte ein Erstlingsopfer dar, sondern jede Familie und jede Einzelperson, die Besitz in Israel hatte, konnte während dieses Festes Dankopfer darbringen (2Mo 23:19; 5Mo 26:1, 2; siehe ERSTLINGE, ERSTLINGSFRUCHT).
Bedeutung. Das Essen ungesäuerten Brotes während dieser Zeit entsprach den Anweisungen, die Moses von Jehova erhalten hatte und die in 2. Mose 12:14-20 aufgezeichnet sind und zu denen die strenge Bestimmung gehörte: „Sieben Tage darf kein Sauerteig in euren Häusern gefunden werden“ (V. 19). In 5. Mose 16:3 wird das ungesäuerte Brot „Brot der Trübsal“ genannt; es sollte die Israeliten jedes Jahr an ihren eiligen Auszug aus dem Land Ägypten erinnern (als sie keine Zeit hatten, ihren Teig säuern zu lassen [2Mo 12:34]). Sie gedachten so der Trübsal und der Knechtschaft, aus der ihr Volk befreit worden war, ja sie sollten, wie Jehova selbst sagte, ‘alle Tage ihres Lebens des Tages gedenken, an dem sie aus dem Land Ägypten auszogen’. Die Freiheit, die sie jetzt als Nation genossen, und ihre Anerkennung Jehovas als Befreier bildeten einen passenden Hintergrund für das erste ihrer drei großen jährlichen Feste (5Mo 16:16).
Vor dem Exil. Die Bibel enthält drei Berichte über das Fest der ungesäuerten Brote nach dem Einzug der Israeliten in das Land der Verheißung und vor ihrem Babylonischen Exil. Aber die Tatsache, dass sonst nicht von diesem Fest die Rede ist, bedeutet nicht, dass es weniger häufig begangen wurde. Vielmehr werden in dem ersten Bericht alle Feste allgemein erwähnt sowie Salomos Vorkehrungen für ihre Einhaltung (2Ch 8:12, 13).
Bei den anderen beiden Feiern sind die Umstände außergewöhnlich. In dem einen Fall ist davon die Rede, dass das Fest der ungesäuerten Brote wieder eingeführt wurde, nachdem man es eine Zeit lang vernachlässigt hatte. Diese Wiedereinführung fand im ersten Jahr der Regierung des treuen Königs Hiskia statt. Interessanterweise war in diesem Fall nicht genügend Vorbereitungszeit für das jährliche Fest am 15. Nisan, weil die Reinigungs- und Reparaturarbeiten am Tempel bis zum 16. Nisan dauerten. Also machte man von der Vorkehrung des Gesetzes Gebrauch, das Fest im zweiten Monat zu feiern (2Ch 29:17; 30:13, 21, 22; 4Mo 9:10, 11). Es war solch ein freudiger Anlass und solch eine geistige Wiederbelebung, dass die siebentägige Feier einfach zu kurz war, weshalb man sie um weitere sieben Tage verlängerte. König Hiskia und seine Fürsten steuerten großzügig 2000 Stiere und 17 000 Schafe bei, damit die anwesenden Menschenmengen mit Nahrung versorgt werden konnten (2Ch 30:23, 24).
Dieses Fest war der Beginn eines groß angelegten Feldzugs gegen die falsche Religion, und in vielen Städten beteiligten sich die Anbeter an diesem Feldzug, ehe sie nach Hause zurückkehrten (2Ch 31:1). Das Fest der ungesäuerten Brote trug den Israeliten Jehovas Segen ein und befreite sie von der Dämonenanbetung; es ist ein gutes Beispiel für die segensreichen Auswirkungen, die solche Feste auf die Israeliten hatten.
Der letzte aufgezeichnete Bericht über das Fest der ungesäuerten Brote vor dem Exil stammt aus der Zeit der Regierung König Josias, als dieser mutig Anstrengungen unternahm, die reine Anbetung Jehovas in Juda wiederherzustellen (2Ch 35:1-19).
Das sind zwar die einzigen Feiern, die ausdrücklich erwähnt werden, doch vor der Zeit der Könige sorgten zweifellos die treuen Richter und Priester Israels dafür, dass die Feste gefeiert wurden. Später trafen sowohl David als auch Salomo umfangreiche Vorkehrungen, damit die Priesterschaft ihren Dienst ordnungsgemäß verrichten konnte, und andere Könige Judas müssen dafür gesorgt haben, dass die Feste regelmäßig abgehalten wurden. Außerdem feierte man das Fest der ungesäuerten Brote nach dem Exil recht regelmäßig.
Nach dem Exil. Nach der Freilassung der Juden aus Babylon und ihrer Rückkehr in das Land der Verheißung wurde der Tempel in Jerusalem wieder aufgebaut und vollendet, und zwar mithilfe der kraftvollen Ermunterung durch die Propheten Jehovas, Haggai und Sacharja (Esr 5:1, 2). Im Jahr 515 v. u. Z. wurde das wieder erbaute Haus Jehovas mit großer Freude und mit all den für das Fest der ungesäuerten Brote vorgesehenen Opfern abgehalten. Der Bericht in Esra 6:22 lautet: „Und sie fuhren fort, das Fest der ungesäuerten Brote sieben Tage mit Freuden zu halten.“
Das Buch Maleachi zeigt, dass die Priester mit der Zeit nachlässig, stolz und selbstgerecht wurden – und das trotz des Eifers, den sie zu Beginn in Verbindung mit der Wiederherstellung der wahren Anbetung hatten, als die Gefangenen aus Babylon zurückkehrten. Der Tempeldienst wurde zur Farce herabgewürdigt, und die Feste führte man nur noch formal durch (Mal 1:6-8, 12-14; 2:1-3; 3:8-10). Jesus stellte fest, dass die Schriftgelehrten und die Pharisäer peinlich genau die Einzelheiten des Gesetzes einhielten, zusätzlich zu ihren hinzugefügten Traditionen. Eifrig waren sie darauf bedacht, die Feste abzuhalten, einschließlich des Festes der ungesäuerten Brote. Aber Jesus verurteilte sie, denn zufolge ihrer Heuchelei hatten sie die wahre Bedeutung dieser hervorragenden Vorkehrungen, die Jehova zu ihrem Segen getroffen hatte, aus den Augen verloren (Mat 15:1-9; 23:23, 24; Luk 19:45, 46).
Prophetische Bedeutung. Gemäß dem Bericht in Matthäus 16:6, 11, 12 erklärte Jesus Christus die sinnbildliche Bedeutung des Gärstoffs oder Sauerteigs, als er zu seinen Jüngern warnend sagte: „Haltet eure Augen offen, und nehmt euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer in Acht.“ Als die Jünger unter sich überlegten und zu einer falschen Schlussfolgerung kamen, sagte er klipp und klar: „‚Wie kommt es, dass ihr nicht versteht, dass ich nicht von Broten zu euch gesprochen habe? Nehmt euch aber vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer in Acht.‘ Da begriffen sie, dass er gesagt hatte, sie sollten sich ... vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer [in Acht nehmen].“ Lukas berichtet, dass Jesus auch bei einer anderen Gelegenheit ausdrücklich sagte: „Nehmt euch vor dem Sauerteig der Pharisäer in Acht, der Heuchelei ist“ (Luk 12:1).
Eine ähnliche Bedeutung schrieb der Apostel Paulus dem Sauerteig in Verbindung mit dem Fest der ungesäuerten Brote zu, um Christen darauf hinzuweisen, wie sie handeln sollten. In 1. Korinther 5:6-8 gibt er seinen christlichen Brüdern folgenden Rat: „Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig die ganze Masse durchsäuert? Fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr eine neue Masse seid, wie ihr ja ungesäuert seid. Denn Christus, unser Passah, ist tatsächlich geopfert worden. Darum lasst uns das Fest nicht mit altem Sauerteig, auch nicht mit Sauerteig der Schlechtigkeit und Bosheit begehen, sondern mit ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit.“
Am 16. Nisan, dem zweiten Tag des Festes der ungesäuerten Brote, brachte der Hohe Priester die Erstlingsfrucht der Gerstenernte, der ersten Ernte des Jahres, – d. h. die ersten der Erstlingsfrüchte des Landes – als Webeopfer dar (3Mo 23:10, 11). Es ist bezeichnend, dass Jesus Christus gerade an diesem Tag, am 16. Nisan des Jahres 33 u. Z., auferweckt wurde. Der Apostel Paulus vergleicht Christus mit anderen, die auferweckt werden, und sagt: „Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden, der Erstling derer, die im Tod entschlafen sind. ... Jeder aber in seinem eigenen Rang: Christus, der Erstling, danach die, die dem Christus angehören während seiner Gegenwart.“ Christus wird auch „der Erstgeborene unter vielen Brüdern“ genannt (1Ko 15:20-23; Rö 8:29).
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