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Der Wachtturm verkündigt Jehovas Königreich 1988
w88 1. 10. S. 20-25

Unser lohnendes Leben als Missionare in Afrika

Von John Miles erzählt

DIE Szene spielt sich in einem Wildpark im Nordwesten von Simbabwe ab. Meine Frau Val und ich fahren in Richtung der berühmten Victoriafälle. Nein, wir sind keine Touristen. Wir sind Missionare und sind hierhergeschickt worden, um unter den einheimischen Afrikanern tätig zu sein. Als wir um eine Kurve fahren, steht am Straßenrand plötzlich ein riesiger Elefant. Ich mache den Motor aus und lehne mich aus dem Fenster, um ein Bild zu schießen. Gerade will ich noch eines machen, als Val schreit:

„Er kommt auf uns zu!“

Schnell versuche ich, den Motor zu starten, aber vergeblich. Welch eine gefährliche Situation! Der Elefant stürmt auf uns zu, bremst und hebt die Vorderbeine, um uns zu zertrampeln. Gerade noch rechtzeitig springt der Motor an, und wir weichen ins Dickicht aus. Glücklicherweise wird unsere Flucht nicht durch Steine oder Bäume behindert. Wir beschließen, Herrn Jumbo den Vortritt zu lassen, und fahren auf einer anderen Strecke weiter.

Eine andere Szene. Diesmal befinden wir uns in dem bergigen Königreich Lesotho im südlichen Afrika. Es ist Sonntagnachmittag in der Hauptstadt Maseru. Nach einer christlichen Zusammenkunft mit Glaubensbrüdern am Ort gehen wir nach Hause. Plötzlich greifen uns zwei junge Banditen an. Der eine versetzt mir einen Schlag, und der andere springt auf meinen Rücken. Ich schüttle ihn ab, worauf er versucht, Val die Tasche aus der Hand zu reißen. Val ruft laut: „Jehova! Jehova! Jehova!“ Augenblicklich läßt der Mann ihre Tasche los und taumelt wie betäubt rückwärts. Auch der, der mich geschlagen hat, läßt von mir ab — seine Fäuste treffen nur die Luft. Wir laufen davon und sind sehr erleichtert, als wir an der Bushaltestelle Glaubensbrüder treffen (Sprüche 18:10).

Jede dieser Begebenheiten dauerte nur ein paar Sekunden, dennoch gehören sie zu den unvergeßlichen Erinnerungen unserer rund 35 Jahre als Missionare in Afrika. Wie sind wir hierhergekommen? Warum sind wir Missionare geworden? Ist es ein lohnendes Leben gewesen?

Ein amerikanischer Landarbeiter lernt die Wahrheit kennen

Es begann im Jahre 1939, als ich Val Jensen in Yakima (Washington, USA) kennenlernte. Damals arbeitete ich auf einer Farm, und Val war als Haushälterin angestellt. Oft sprach sie mit mir über die Bibel. Ihre Erklärung, daß die Hölle kein heißer Ort ist, beeindruckte mich besonders (Prediger 9:5, 10; Apostelgeschichte 2:31; Offenbarung 20:13, 14). Ich ging zwar nicht zur Kirche, aber ich wußte, daß die Geistlichkeit lehrte, es gebe eine Hölle, und was Val mir aus der Bibel zeigte, klang vernünftiger.

Vals Vater und Mutter waren 1932 Zeugen Jehovas geworden. Val hatte ebenfalls angefangen, die Bibel zu studieren, und im September 1935 ließ sie sich taufen. Sobald wir uns näher kannten, lud mich Val ein, die Zusammenkünfte im Königreichssaal zu besuchen. Ich nahm die Einladung an und freute mich, mit den Personen, die ich dort traf, zusammenzusein, das heißt, wenn mir die Landwirtschaft die Zeit dazu ließ. Sie nahm in meinem Leben immer noch den ersten Platz ein. Allmählich erkannte ich jedoch die Wichtigkeit der Zusammenkünfte, und die Zeugen am Ort luden mich ein, mich am Predigen von Haus zu Haus zu beteiligen. Der Predigtdienst in meiner Heimatstadt kam mir wie eine entscheidende Prüfung vor. Aber ich bestand sie.

Zwei denkwürdige Ereignisse kennzeichneten das Jahr 1941. Im März ließ ich mich als Gott hingegebener Zeuge Jehovas taufen, und danach heirateten Val und ich. Im Oktober 1942 nahmen wir dann den Vollzeitpredigtdienst als Pioniere im Südosten von Norddakota auf.

Was sich im darauffolgenden Jahr zutrug, wird uns unvergeßlich bleiben. Es war ein Meilenstein in der Geschichte der Zeugen Jehovas. Am 1. Februar 1943 begann die Missionarschulung der ersten Klasse des damals so genannten „Watchtower Bible College of Gilead“. Zwei Monate später besuchten wir den Kongreß „Aufruf zur Tat“ in Aberdeen (Süddakota). Die Segnungen des Missionardienstes in fremden Ländern wurden beschrieben, und in unserem Herzen wurde der Wunsch geweckt, die Gileadschule zu besuchen und Missionare zu werden.

Auf das Ziel — den Missionardienst — hinarbeiten

Neun Jahre sollten vergehen, bis wir unser Ziel erreichten. Während dieser Zeit hatten wir andere schöne Dienstvorrechte, erlebten aber auch manche Rückschläge. Nach eineinhalb Jahren Pionierdienst in Norddakota bewarben wir uns um ein Pioniergebiet in Missouri. Nachdem die Bewerbung angenommen worden war, ließen wir uns in der Stadt Rolla nieder. Unser Gebiet umfaßte den ganzen Bezirk Phelps, wo es nur einen einzigen tätigen Zeugen gab. Wir verbrachten dort drei glückliche Jahre und halfen mit, eine Versammlung zu gründen.

Dann sahen wir uns einem Problem gegenüber, das unsere Hoffnung, Missionare zu werden, schwinden ließ. Unsere Geldmittel waren erschöpft. Schlechte Haushaltung und ein Mangel an Glauben, daß Jehova für uns sorgen würde, veranlaßten uns, den Pionierdienst aufzugeben. Wir hatten uns vorgenommen, nur für ein paar Monate auszusetzen, aber eineinhalb Jahre verstrichen, bis wir den Pionierdienst wiederaufnahmen. Diesmal waren wir entschlossen, unsere früheren Fehler nicht zu wiederholen. Unsere neue Zuteilung war eine Versammlung in der Stadt Reardan im Osten des Staates Washington. Teilzeitarbeit war schwer zu finden, weshalb wir uns sehr darauf verlassen mußten, daß Jehova für unsere täglichen Bedürfnisse sorgte (Matthäus 6:11, 33).

Zu unserem Gebiet gehörten mehrere kleine Ortschaften in der Umgebung. Einmal mußten wir hin und zurück nahezu 130 km fahren, um Menschen mit der Königreichsbotschaft zu erreichen. Wir hatten nicht genug Benzin, ließen uns jedoch dadurch nicht abhalten. Als wir aus der Stadt hinausfuhren, hielten wir am Postamt an. Und was fanden wir dort vor? Einen Brief von meinem Cousin, der unlängst begonnen hatte, mit den Zeugen die Bibel zu studieren. Der Brief enthielt einen Scheck, der mehr als ausreichend war, um unseren Tank zu füllen. „Wir wollten diese Spende gerade an die Boys Town schicken“, schrieb er, „aber wir haben gedacht, daß Ihr sie besser gebrauchen könnt als Pater Flanagan.“ Wie recht er doch hatte!

Erfahrungen wie diese prägten uns die Wahrhaftigkeit der Verheißung Jesu ein: „Sucht ... beständig ... [Gottes] Königreich, und diese [materiellen] Dinge werden euch hinzugefügt werden“ (Lukas 12:31). Diese wertvolle Schulung half uns, trotz anderer Probleme weiterzumachen.

In einem Winter hatten wir nur einen kleinen Kohlenvorrat. Würden wir zulassen, daß dies unseren Entschluß, im Pionierdienst zu bleiben, änderte? Wir trugen Jehova die Sache im Gebet vor und gingen zu Bett. Um sechs Uhr am nächsten Morgen klopfte es an unserer Tür. Es waren ein Bruder und seine Frau, die von einem Verwandtenbesuch zurückkamen und uns kurz besuchen wollten. Wir machten Feuer, legten das letzte Stück Kohle hinein und kochten eine Kanne Kaffee. Wir saßen gemütlich zusammen, als der Bruder unvermittelt fragte: „Habt ihr noch genug Kohlen?“ Val und ich blickten uns an und fingen an zu lachen. Kohlen waren genau das, was wir dringend brauchten. Sie gaben uns zehn Dollar, für die man damals mindestens eine halbe Tonne Kohlen bekam.

Bei einer anderen Gelegenheit stand ein Kreiskongreß bevor, und wir hatten nur fünf Dollar Bargeld. Außerdem wurde gleich nach dem Kongreß die Autosteuer fällig. Wir beschlossen, dem Wichtigeren den ersten Platz einzuräumen, und besuchten den Kongreß. Dank der Großzügigkeit der Brüder kehrten wir mit 15 Dollar in unsere Zuteilung zurück. Die Steuer kostete 14.50 Dollar.

Der Pionierdienst im Osten von Washington machte uns Freude, und eine Reihe von Familien, mit denen wir die Bibel studierten, wurden schließlich loyale Zeugen für Jehova. Nach zwei Jahren in dieser Zuteilung erhielten wir einen Brief von der Watch Tower Society, in dem stand, man habe mich als reisenden Diener empfohlen; das ist jemand, der Versammlungen der Zeugen Jehovas in einem Kreis besucht und ermuntert. „Nimmst Du diese Zuteilung an, wenn Du ernannt wirst?“ fragte die Gesellschaft und fügte hinzu: „Bitte teile es uns umgehend mit.“ Natürlich lautete meine Antwort „Ja“. Ab Januar 1951 verbrachten wir eineinhalb Jahre in dem riesigen Kreis, der die westliche Hälfte von Norddakota und die östliche Hälfte von Montana einschloß.

Während dieser Zeit erlebten wir eine weitere Überraschung: Wir erhielten eine Einladung zum Besuch der 19. Klasse der Gileadschule! Erfüllte sich unser Wunsch doch noch? Gleich im nächsten Brief hieß es allerdings, die Klasse sei bereits mit Brüdern aus anderen Ländern gefüllt. Das war eine Enttäuschung, aber man vergaß uns nicht. Ein paar Monate später erhielten wir eine Einladung zur 20. Klasse, für die wir im September 1952 angenommen wurden.

Von Gilead nach Afrika

Wie sehr wir es doch schätzten, daß Jehova uns in seiner Güte mit mehr als hundert Studenten aus vielen Teilen der Erde — Australien, Neuseeland, Indien, Thailand, Philippinen, Skandinavien, Großbritannien, Ägypten und Zentraleuropa — zusammenbrachte! Dies half uns, zu verstehen, in welchem Ausmaß die Königreichsbotschaft gepredigt werden muß (Matthäus 24:14).

Die Zeit in Gilead verging wie im Flug, und im Februar 1953 fand die Abschlußfeier statt. Zusammen mit vier anderen wurden wir Nordrhodesien (jetzt Sambia) in Afrika zugeteilt. Die Gesellschaft gestattete uns jedoch freundlicherweise, vor unserer Abreise den internationalen Kongreß zu besuchen, der im Juli jenes Jahres im Yankee-Stadion stattfinden sollte. In den Monaten vor dem Kongreß und noch kurz danach diente ich als Kreisaufseher im Osten von Oklahoma.

Im November 1953 gingen Val und ich sowie sechs andere Missionare an Bord eines Frachtschiffes, das nach Afrika fuhr. Wir landeten in Durban (Südafrika) und reisten mit dem Zug Richtung Norden nach Südrhodesien (jetzt Simbabwe). Dort verließen uns zwei, um sich in ihre Zuteilung nach Salisbury (jetzt Harare) zu begeben, wohingegen wir übrigen nach Kitwe (Nordrhodesien) weiterfuhren.

Val und ich wurden der Bergarbeiterstadt Mufulira zugeteilt, wo es einige interessierte Familien, aber keine Versammlung gab. Jehova segnete unseren Haus-zu-Haus-Dienst. Wir richteten viele Bibelstudien ein, und bald begann eine Anzahl Interessierter, die christlichen Zusammenkünfte zu besuchen. Nach mehreren Monaten rief man uns zur Aushilfe ins Zweigbüro der Watch Tower Society in Luanshya. Später erhielten wir eine andere Missionarzuteilung, und zwar in Lusaka. In dieser Zeit diente ich in den wenigen englischsprachigen Versammlungen hin und wieder als Kreisaufseher.

Ein lohnendes Leben im Busch

Dann, im Jahre 1960, versetzte man uns nach Südrhodesien, wo ich unter den schwarzen Brüdern als Bezirksaufseher dienen sollte. Unter anderem schloß dies ein, die Versammlungen zu besuchen und die Kreis- und Bezirkskongresse zu beaufsichtigen. Die meisten dieser Versammlungen befanden sich in Landgebieten, weshalb wir lernen mußten, wie man im Busch lebt. Wir dachten, wenn unsere Brüder im Busch leben können, können wir das auch.

Das Zweigbüro der Watch Tower Society stattete uns mit einem eineinhalb Tonnen schweren Lieferwagen aus. Der hintere Teil des Fahrzeugs war mit dünnem Blech überdacht und hatte eine Flügeltür zum Laden. Die mit Plastikvorhängen versehenen Fenster zwischen der Fahrerkabine und der Ladefläche waren gerade groß genug, um hindurchzuschlüpfen. Unser Hausrat bestand aus einem Einbaubett mit einer Schaumgummimatratze. Schachteln dienten uns als Küchenschrank, und außerdem hatten wir einen kleinen Paraffinölherd. Zu unserer Ausrüstung gehörten noch ein tragbarer Kleiderschrank und ein Zelt.

Kurz nachdem wir unsere Tätigkeit in unserer neuen Zuteilung im westlichen Landesteil aufgenommen hatten, wurde ich von irgendeinem unbekannten Insekt gebissen. Daraufhin schwoll mein Bein an, und ich bekam hohes Fieber. Obendrein verschlechterte sich das Wetter, und es fing an, heftig zu regnen. Ich schwitzte so stark, daß Val das Bettzeug häufig wechseln mußte. Gegen Mitternacht beschloß sie, mich zu einem Arzt zu bringen. Sie fuhr Richtung Hauptstraße, aber das Fahrzeug blieb im Schlamm stecken. Bei ihren Versuchen, rückwärts oder vorwärts zu fahren, erreichte Val lediglich, daß ich tüchtig durchgeschüttelt wurde. Als sie überzeugt war, daß sie nichts weiter tun konnte, wickelte sie sich in die letzte trockene Decke ein und legte sich neben mich in den hinteren Teil des Wagens, während der Regen herunterprasselte.

Am nächsten Morgen kam Hilfe. Ich fühlte mich besser, der Regen hatte aufgehört, und die Brüder, die ankamen, um für den Kongreß Vorbereitungen zu treffen, zogen unser Fahrzeug aus dem Schlamm. In Bulawayo brachten mich andere hilfsbereite Brüder ins Krankenhaus, und nach der Behandlung war ich in der Lage, zurückzukehren und die Kongreßvorbereitungen fortzusetzen.

Damals im Reisedienst hatten wir die Begegnung mit dem Elefanten. Wir lernten auch viele kleinere Tiere kennen. Zu unseren Zeltbesuchern gehörten außer Fliegen und Moskitos noch Ernteameisen. Im Nu durchlöchern sie Kleidungsstücke oder Stoff, den man auf dem Boden liegenläßt. Die verschiedenen Arten von Eidechsen und Wolfsspinnen, die uns besuchten, waren harmlos, aber die Kobra, die hereinkam, wurde schnell wieder hinausbefördert. Ebenso unwillkommen waren Skorpione. Val beschreibt ihren Stich mit dem Gefühl, das man hat, wenn einem ein glühendheißer Nagel mit einem Schmiedehammer in die Haut getrieben wird. Sie muß es wissen. Sie ist schon viermal gestochen worden.

Vielleicht lassen diese Dinge das Leben im Busch nicht gerade als lohnend erscheinen, doch wir betrachteten es nicht so. Für uns war es ein ausgefülltes, gesundes Leben an der frischen Luft, und die geistigen Segnungen wogen alle körperlichen Unbequemlichkeiten bei weitem wieder auf.

Es war stets glaubensstärkend, zu beobachten, welche Anstrengungen einheimische Brüder unternahmen, um die Zusammenkünfte zu besuchen. Eine Versammlung bestand aus zwei Gruppen, die über 20 km auseinander wohnten und nur durch einen Pfad verbunden waren. Ihr „Königreichssaal“, der sich auf halbem Weg zwischen den beiden Gruppen befand, war ein großer, schattenspendender Baum, unter dem Steine als Sitzgelegenheiten lagen. Die Brüder aus jeder Gruppe legten auf einem Weg über 10 km zu Fuß zurück, um ihre Zusammenkünfte zu besuchen, die zweimal in der Woche stattfanden. Wir erinnern uns auch an das ältere Ehepaar, das mit seinen Koffern und Decken rund 120 km zu Fuß ging, um den Kreiskongreß zu besuchen. Das sind nur zwei Beispiele dafür, wie afrikanische Brüder den Rat beherzigen, ‘unser Zusammenkommen nicht aufzugeben’ (Hebräer 10:25).

In einigen Gegenden mißtrauten uns die Einheimischen; manche hatten sogar etwas dagegen, daß wir uns in ihrer Nachbarschaft aufhielten. Bei einer Gelegenheit errichtete ich in der Nähe des Kongreßgeländes an einer Stelle, die von hohem Gras umgeben war, unser Zelt. Nachdem das Kongreßprogramm beendet war und wir schon einige Stunden geschlafen hatten, erwachte ich durch ein Geräusch außerhalb des Zeltes. Mit Hilfe meiner Taschenlampe konnte ich die Umrisse einer Person erkennen, die hinter einem kleinen Baum stand.

„Was wollen Sie?“ rief ich. „Warum verstecken Sie sich hinter dem Baum?“

„Pst, Bruder“, kam die Erwiderung, „wir haben einige Leute sagen hören, sie wollten das Gras anzünden. Deshalb haben wir dafür gesorgt, daß ihr nachts bewacht werdet.“

Sie hatten uns von der Gefahr nichts erzählt, damit wir beruhigt schlafen konnten. Doch sie waren bereit, auf ihren Schlaf zu verzichten, um uns zu beschützen! Als der Kongreß am Sonntagnachmittag endete, sorgten sie dafür, daß ein Auto vor uns und eines hinter uns fuhr, bis wir die Gefahrenzone verlassen hatten.

Es war auch lohnend, zu sehen, welchen Wert diese demütigen Menschen der Bibel beimaßen. Eine Versammlung, der wir dienten, lag in einem Gebiet, wo die Dorfbewohner Erdnüsse anbauten. Während der Woche tauschten wir Literatur und Bibeln gegen Schachteln unenthülster Erdnüsse ein. Als unser Besuch endete, luden wir unsere Ausrüstung, die Literatur und die Erdnüsse ein und machten uns auf den Weg zum nächsten Kongreßort. Kurz nach unserer Abreise bat man uns anzuhalten, weil jemand uns einholen wolle. Wir hielten an und warteten. Eine sehr alte Frau mit einer Schachtel Erdnüsse auf dem Kopf erreichte uns. Sie war so erschöpft, daß sie auf den Boden fiel und dort liegenblieb, bis sie wieder richtig Atem holen konnte. Ja, sie wollte eine Bibel haben! Wir mußten praktisch alles ausladen, aber es war eine Freude, ihren Wunsch zu erfüllen. Eine weitere Bibel in den Händen einer dankbaren Person — und eine weitere Schachtel Erdnüsse in unserem Lieferwagen!

Es war auch wunderbar, zu beobachten, wie Jehova dafür sorgte, daß es Kreisaufseher gab, die im afrikanischen Busch die vielen Versammlungen besuchten. Damals war es für die Gesellschaft schwierig, befähigte Brüder zu finden, die keine familiären Verpflichtungen hatten. Somit war es nicht ungewöhnlich, daß ein reisender Aufseher entweder mit dem Bus oder mit dem Fahrrad zusammen mit seiner Frau und zwei oder drei Kindern sowie Koffern, Decken und Literatur von Versammlung zu Versammlung reiste. Diese Brüder und ihre Familien arbeiteten wirklich hart, ohne zu klagen, um den Versammlungen zu dienen. Es war ein großes Vorrecht, mit ihnen zusammenzuarbeiten.

In den 70er Jahren begann der Bürgerkrieg den Brüdern Probleme zu bereiten, und viele wurden in der Neutralitätsfrage schwer auf ihre Loyalität geprüft (Johannes 15:19). Die Gesellschaft hielt es für das beste, mir eine andere Zuteilung zu geben, um die Situation für die Brüder nicht unnötig zu verschlimmern. Im Jahre 1972 bat man mich daher, im Zweigbüro in Salisbury mitzuarbeiten. Dabei hatte ich Gelegenheit, beim Bau eines neuen Zweigbüros zu helfen. Einige Zeit später erhielt ich die Zuteilung, den weit verstreut liegenden englischsprachigen Versammlungen als Kreisaufseher zu dienen. Das bedeutete, ganz Simbabwe kreuz und quer zu bereisen. In einigen Gebieten war die Lage so gefährlich, daß wir in Konvois reisen mußten, die die Regierung organisiert hatte und die von Militärflugzeugen und -hubschraubern überwacht wurden.

Unser Umzug zum Dach Afrikas

Dann kam eine weitere einschneidende Zuteilungsänderung. Wir sollten in Maseru, der Hauptstadt von Lesotho, dienen. Lesotho ist ein bergiges Land, manchmal „Dach Afrikas“ genannt, mit vielen malerischen Gegenden.

Wir erfreuen uns zwar an Naturschönheiten, doch das ist nicht der Grund, weshalb wir hierhergekommen sind. Wir sind hier, um mitzuhelfen, die „begehrenswerten Dinge“ zu finden, von denen in Haggai 2:7 die Rede ist. Lesotho ist ein kleines Land mit nur eineinhalb Millionen Einwohnern. Bei unserer Ankunft 1979 beteiligten sich jeden Monat durchschnittlich 571 Zeugen am Predigen der „guten Botschaft vom Königreich“ (Matthäus 24:14). Die Versammlung in Maseru wurde so groß, daß sie geteilt werden mußte. Im April 1988 erreichten wir eine neue Höchstzahl von 1 078 Königreichsverkündigern, was uns überglücklich machte.

In der Zwischenzeit hat auch das Werk in unseren ehemaligen Missionarzuteilungen Sambia und Simbabwe Fortschritte gemacht. Als wir vor rund 35 Jahren nach Afrika kamen, gab es in den beiden Ländern insgesamt 36 836 Königreichsverkündiger. Heute sind es 82 229. Das Vorrecht, einen kleinen Anteil an dieser Mehrung zu haben, ist eine großartige Belohnung für uns gewesen.

„Schmeckt und seht, daß Jehova gut ist“, schrieb der Psalmist David (Psalm 34:8). Wir haben den Missionardienst ‘geschmeckt’, was uns von der Wahrhaftigkeit dieser Worte überzeugt hat. In der Tat, seit dem Jahr 1942, als wir gemeinsam den Vollzeitdienst aufnahmen, ist unser Leben stets mit Segnungen erfüllt gewesen, während wir Jehovas überströmende Güte verspürt haben. Es liegt jedoch noch viel Arbeit vor uns. Wie dankbar können wir Jehova sein, daß wir noch ein Maß an Kraft und Gesundheit haben, das wir in seinem Dienst verbrauchen können!

[Bild auf Seite 24]

John Miles mit seiner Frau Val

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