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Konzipiert, um ewig zu lebenErwachet! 1995 | 22. Oktober
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Konzipiert, um sich zu regenerieren
Der Biologe Austad beschrieb in der Zeitschrift Natural History eine landläufige Meinung. Er erklärte: „Wir neigen dazu, uns selbst sowie Tiere mit Maschinen zu vergleichen: Verschleiß ist einfach unvermeidlich.“ Das stimmt aber nicht. „Biologische Organismen unterscheiden sich grundlegend von Maschinen“, schrieb Austad. „Sie reparieren sich selbst: Wunden verheilen, Knochen wachsen zusammen, Krankheiten gehen vorüber.“
Deshalb erhebt sich die interessante Frage: Warum altern wir dann? Austad stellte die Frage: „Warum sollten ... [biologische Organismen] dem gleichen Verschleiß unterliegen müssen wie Maschinen?“ Könnte sich Körpergewebe nicht immer und immer wieder erneuern?
In der Zeitschrift Discover besprach der evolutionistisch orientierte Biologe Jared Diamond die großartige Erneuerungsfähigkeit physischer Organismen. Er schrieb: „Das offenkundigste Beispiel der Schadensbekämpfung in unserem Körper ist das Heilen von Wunden, wobei an der Haut entstandene Schädigungen behoben werden. Bei vielen Tieren kommt es zu wesentlich sensationelleren Ergebnissen als beim Menschen: Der Schwanz der Eidechsen regeneriert, bei Seesternen und Krabben wachsen Gliedmaßen nach, und bei Seewalzen regeneriert der Darm.“
Über den Ersatz von Zähnen sagte Diamond: „Den Menschen wachsen zwei Gebisse, bei Elefanten findet sechsmal ein Zahnwechsel statt, und Haien wachsen im Laufe ihres Lebens eine unbestimmte Anzahl Zähne.“ Dann erklärte er: „Die reguläre Regeneration findet ebenfalls auf mikroskopischer Ebene statt. Die Zellen der Darmschleimhaut erneuern sich alle paar Tage, die der Schleimhaut der Harnblase alle zwei Monate und die roten Blutkörperchen alle vier Monate.
Auf molekularer Ebene sind die Proteinmoleküle einem ständigen Kommen und Gehen unterworfen, und das mit einer auf jedes einzelne Protein zugeschnittenen Geschwindigkeit; dadurch werden Anhäufungen beschädigter Moleküle vermieden. Wenn wir also das momentane Erscheinungsbild eines Freundes mit seinem Aussehen vor einem Monat vergleichen, werden wir wahrscheinlich keinen Unterschied feststellen, aber dennoch handelt es sich bei einer ganzen Reihe einzelner Moleküle, die jenen Freund ausmachen, um andere Moleküle.“
Die meisten Körperzellen werden regelmäßig durch neugebildete ersetzt. Einige Zellen aber, zum Beispiel die Neuronen im Gehirn, werden möglicherweise nie ersetzt. Hayflick erklärte aber: „Wenn jeder Zellbestandteil ersetzt wird, handelt es sich nicht mehr um dieselbe Zelle. Die Neuronen, die bei der Geburt vorhanden waren, mögen heute die gleichen Zellen zu sein scheinen, aber in Wirklichkeit sind viele der Moleküle, aus denen sie sich bei der Geburt zusammensetzten, ... vielleicht durch neue Moleküle ersetzt worden. Nichtteilbare Zellen sind daher doch nicht unbedingt die gleichen Zellen, die sie bei der Geburt waren.“ Dem ist so, weil die Bestandteile der Zelle ersetzt werden. Würde daher der Stoff, aus dem unser Körper besteht, ständig erneuert, könnten wir theoretisch ewig leben.
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Konzipiert, um ewig zu lebenErwachet! 1995 | 22. Oktober
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„Da wir so häufig mit dem Altwerden konfrontiert werden, wundert es mich, daß nicht mehr Menschen es als zentrales biologisches Geheimnis empfinden“, schrieb der Biologe Steven Austad von der Harvarduniversität. Die Tatsache, daß jeder Mensch altert, „läßt es [das Altern] weniger rätselhaft erscheinen“, bemerkte Austad. Machen Alter und Tod aber Sinn, wenn man einmal richtig darüber nachdenkt?
Dr. Leonard Hayflick bestätigt in seinem Buch How and Why We Age, das letztes Jahr erschien, was für ein Wunder das menschliche Leben und Wachstum ist. Er schreibt: „Nachdem die Natur die Wunder vollbrachte, die von der Empfängnis über die Geburt und Geschlechtsreife bis hin zum Erwachsenen führen, ersann sie keine Möglichkeit, dieses Wunderwerk einfach für immer instand zu halten, was doch wohl ein wesentlich einfacherer Mechanismus wäre. Diese Tatsache stellt Biogerontologen [Forscher, die sich mit den biologischen Aspekten des Alterns befassen] seit Jahrzehnten vor ein Rätsel.“
Stellen uns Alter und Tod ebenfalls vor ein Rätsel? Welchem Zweck dienen diese Phänomene? Hayflick meint: „Praktisch alle biologischen Vorgänge, angefangen von der Empfängnis bis zur Geschlechtsreife, dienen offenbar einem Zweck, das Altern dagegen nicht. Es ist nicht ersichtlich, warum das Altern einsetzt. Obschon wir eine Menge über die Alterungsprozesse gelernt haben, ... sehen wir uns nach wie vor den unausweichlichen Auswirkungen des sinnlosen Alterns gegenüber, dem der Tod folgt.“
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