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Gibt es ein Leben nach dem Tod?Was geschieht mit uns, wenn wir sterben?
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Gibt es ein Leben nach dem Tod?
„Es gibt Hoffnung selbst für einen Baum. Wenn er umgehauen wird, wird er nämlich wieder sprossen ... Wenn ein kräftiger Mann stirbt, kann er wieder leben?“ (AUFGEZEICHNET VON MOSES, EINEM PROPHETEN AUS ALTER ZEIT).
1—3. Womit versuchen sich viele zu trösten, wenn sie einen geliebten Menschen durch den Tod verloren haben?
IN EINER Leichenhalle in New York gehen Freunde und Angehörige leise an dem offenen Sarg vorbei. Ihr starrer Blick fällt auf den Leichnam des 17jährigen Jungen. Seine Schulfreunde erkennen ihn kaum wieder. Durch die Chemotherapie ist sein Haar schütter geworden, und der Krebs hat ihn abmagern lassen. Das soll ihr Freund sein? Erst einige Wochen ist es her, da sprühte er noch vor Ideen, vor Fragen, vor Energie — vor Leben! Die gebrochene Mutter des Jungen versucht in der Vorstellung, daß ihr Sohn in irgendeiner Form weiterlebt, Hoffnung und Trost zu finden. Mit tränenerstickter Stimme sagt sie immer wieder vor sich hin: „Tommy ist jetzt glücklicher. Gott wollte Tommy bei sich im Himmel haben.“
2 In Jamnagar (Indien), etwa 11 000 Kilometer von New York entfernt, helfen die drei Söhne eines 58jährigen Geschäftsmannes mit, den Leichnam ihres Vaters auf einen Scheiterhaufen zu legen. In der hellen Vormittagssonne beginnt der älteste Sohn mit der Verbrennungszeremonie, indem er mit einer Fackel die Holzscheite in Brand setzt und eine Mischung aus duftenden Gewürzen und Räucherwerk über den leblosen Körper seines Vaters streut. Ein Brahmane übertönt das prasselnde Feuer immer wieder mit seinen in Sanskrit vorgetragenen Mantras: „Möge die Seele, die unsterblich ist, in ihren Bemühungen fortfahren, mit dem Allgeist eins zu werden.“
3 Während die drei Brüder der Verbrennung zusehen, fragen sie sich: „Glaube ich an ein Leben nach dem Tod?“ Da sie ihre Ausbildung in unterschiedlichen Teilen der Welt absolviert haben, sind ihre Antworten sehr verschieden. Der jüngste Bruder ist überzeugt, daß sein geliebter Vater wiedergeboren werden wird, und zwar zu einem Leben auf einer höheren Stufe. Der zweitälteste glaubt, daß die Toten gewissermaßen schlafen, sich nicht des geringsten bewußt sind. Der älteste versucht, die Realität des Todes einfach hinzunehmen, denn seiner Ansicht nach kann niemand genau wissen, was mit uns beim Tod geschieht.
Eine Frage — viele Antworten
4. Welche Frage beunruhigt Menschen seit Jahrtausenden?
4 Gibt es ein Leben nach dem Tod? Das ist eine Frage, die Menschen seit Jahrtausenden Kopfzerbrechen bereitet. „So direkt [danach] gefragt, geraten selbst Theologen manchmal in Verlegenheit“, erklärte Hans Küng, ein katholischer Gelehrter. Diese Frage hat Menschen sämtlicher Kulturkreise zu allen Zeiten beschäftigt, und groß ist die Zahl der Antworten, die man darauf zu geben versucht hat.
5—8. Was lehren verschiedene Religionen in bezug auf ein Leben nach dem Tod?
5 Viele nominelle Christen glauben an Himmel und Hölle. Die Hindus sind dagegen von einer Wiedergeburt überzeugt. Über die Auffassung der Muslime sagte Amir Muawiyah, ein Mitarbeiter eines islamischen Religionszentrums: „Wir glauben, daß es nach dem Tod einen Gerichtstag geben wird, an dem man vor Gott, Allah, kommt, ganz ähnlich, als würde man vor Gericht stehen.“ Gemäß islamischer Glaubenslehre wird Allah dann das Leben eines jeden bewerten und den Betreffenden entweder für das Paradies oder für die Feuerhölle bestimmen.
6 In Sri Lanka lassen sowohl Buddhisten als auch Katholiken Türen und Fenster weit offen, wenn es in der Familie zu einem Todesfall gekommen ist. Eine Öllampe wird angezündet, und der Sarg wird so aufgestellt, daß die Füße des Verstorbenen in Richtung der Haustür zeigen. Man glaubt, dadurch würde es dem Geist oder der Seele des Verstorbenen erleichtert, das Haus zu verlassen.
7 Wie Ronald M. Berndt von der University of Western Australia berichtete, ist nach Ansicht der australischen Ureinwohner „das Geistige des Menschen unzerstörbar“. Bestimmte afrikanische Stämme glauben, daß die Menschen im allgemeinen nach dem Tod zu gewöhnlichen Geistern werden, prominente Personen dagegen zu Ahnengeistern, die man als die unsichtbaren Führer des Familienverbandes oder Stammes ehren soll und an die man Bitten richten darf.
8 In manchen Ländern ist der Glaube an die vermeintliche Seele der Toten eine Mischung aus einheimischem Brauchtum und nominellem Christentum. Unter vielen westafrikanischen Katholiken und Protestanten ist es beispielsweise üblich, bei einem Todesfall die Spiegel zu verhängen, damit niemand darin den Geist des Toten erblickt. Vierzig Tage nach dem Tod einer Person veranstalten Angehörige und Freunde ein Fest, um die Himmelfahrt der Seele zu feiern.
Ein allgemeines Thema
9, 10. In welcher grundlegenden Vorstellung stimmen die meisten Religionen überein?
9 Die Antworten auf die Frage, was mit uns geschieht, wenn wir sterben, sind so unterschiedlich wie die Bräuche und Glaubensansichten der Menschen, die diese Antworten geben. Doch in e i n e r grundlegenden Vorstellung stimmen die meisten Religionen überein: Etwas einer Person Innewohnendes — eine Seele oder ein Geist — ist unsterblich und lebt nach dem Tod weiter.
10 Der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele ist in den Tausenden von Kirchen und Religionsgemeinschaften der Christenheit fast durchweg anzutreffen. Auch im Judentum wird er offiziell gelehrt. Im Hinduismus ist dieser Glaube die Grundlage für die Reinkarnationslehre. Nach muslimischer Auffassung kommt die Seele mit dem Körper ins Dasein, lebt aber weiter, wenn der Körper tot ist. Andere Glaubensrichtungen wie der afrikanische Animismus, der Schintoismus und in gewisser Weise auch der Buddhismus lehren solche Vorstellungen in abgewandelter Form.
11. Wie betrachteten einige Gelehrte die Vorstellung, die Seele sei unsterblich?
11 Es gibt allerdings auch einige, die die gegenteilige Ansicht vertreten, nämlich daß das bewußte Leben beim Tod endet. Für sie entbehrt die Vorstellung jeder Grundlage, daß psychisches und intellektuelles Leben in einer unpersönlichen, schattenhaften, vom Körper getrennten Seele fortdauern soll. Miguel de Unamuno, ein spanischer Schriftsteller und Gelehrter des 20. Jahrhunderts, schrieb, „daß der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele ein Wollen ist, aber ein so starkes, daß es die Vernunft umstoßend über sie hinwegeilt“. Zu denjenigen, die sich weigerten, an eine persönliche Unsterblichkeit zu glauben, gehörten im Altertum die bekannten Philosophen Aristoteles und Epikur, der Arzt Hippokrates, der schottische Philosoph David Hume, der arabische Gelehrte Averroes und Jawaharlal Nehru, Indiens erster Ministerpräsident nach Erlangung der Unabhängigkeit.
12, 13. Welche wichtigen Fragen entstehen in Verbindung mit der Lehre von der Unsterblichkeit der Seele?
12 Die Frage lautet daher: Haben wir wirklich eine unsterbliche Seele? Sollte die Seele allerdings nicht unsterblich sein, wie konnte dann solch eine falsche Lehre zu einem festen Bestandteil der meisten heutigen Religionen werden? Wo nahm die Vorstellung ihren Anfang? Welche Hoffnung gibt es überhaupt für die Toten, wenn die Seele beim Tod tatsächlich zu bestehen aufhört?
13 Können wir vertrauenswürdige und befriedigende Antworten auf diese Fragen finden? Gewiß! Diese und weitere Fragen werden auf den folgenden Seiten beantwortet. Befassen wir uns zunächst damit, wie die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele ins Dasein gekommen ist.
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Unsterblichkeit der Seele — Der Ursprung der LehreWas geschieht mit uns, wenn wir sterben?
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Unsterblichkeit der Seele — Der Ursprung der Lehre
„Kein Thema, das sich auf den Gemütszustand des Menschen auswirkt, hat seine Gedanken so sehr beschäftigt wie sein Zustand nach dem Tod“ („ENCYCLOPÆDIA OF RELIGION AND ETHICS“).
1—3. Wie förderten Sokrates und Platon die Vorstellung, die Seele sei unsterblich?
EIN 70jähriger Gelehrter und Lehrer ist der Gottlosigkeit angeklagt und wird zudem beschuldigt, den Sinn junger Menschen durch seine Lehre zu verderben. Obwohl er in seinem Prozeß eine brillante Verteidigung vorbringt, wird er von befangenen Geschworenen schuldig gesprochen und zum Tod verurteilt. Wenige Stunden vor seiner Hinrichtung legt der betagte Lehrer den Schülern, die sich um ihn versammelt haben, eine ganze Reihe von Argumenten vor, um zu bekräftigen, daß die Seele unsterblich sei und man den Tod nicht fürchten müsse.
2 Der Verurteilte ist niemand anders als Sokrates, der berühmte griechische Philosoph des 5. Jahrhunderts v. u. Z.a Sein Schüler Platon berichtet über diese Ereignisse in seinen Abhandlungen Apologie und Phaidon. Sokrates und Platon sollen zu den ersten Förderern der Vorstellung von einer unsterblichen Seele gehört haben. Sie waren allerdings nicht die Urheber dieser Lehre.
3 Wie wir sehen werden, reichen die Ursprünge der Vorstellung von menschlicher Unsterblichkeit noch viel weiter zurück. Sokrates und Platon gaben der Auffassung allerdings einen gewissen Schliff und machten daraus eine philosophische Lehre, wodurch sie für die gebildeten Schichten sowohl ihrer Tage als auch späterer Zeiten größere Anziehungskraft erhielt.
Von Pythagoras zu den Pyramiden
4. Welche Vorstellungen vom Jenseits hatten die Griechen vor Sokrates?
4 Bereits vor Sokrates und Platon glaubten die Griechen, die Seele überlebe beim Tod. Pythagoras, der berühmte griechische Mathematiker des 6. Jahrhunderts v. u. Z., war der Ansicht, die Seele sei unsterblich und der Seelenwanderung unterworfen. Vor ihm hatte bereits Thales von Milet, der als frühester bekannter griechischer Philosoph gilt, die Meinung vertreten, nicht nur Menschen, Tiere und Pflanzen hätten eine unsterbliche Seele, sondern auch Gegenstände wie Magnete, da sie ja Eisen bewegen können. Die alten Griechen behaupteten, die Seelen der Toten würden nach der Fahrt über den Fluß Styx in einen weitläufigen Bereich unter der Erde gelangen, der als Unterwelt bezeichnet wurde. Dort würden Richter das Urteil über die Seelen fällen, ob sie in einem von hohen Mauern umgebenen Gefängnis gequält werden oder in die Seligkeit des Elysiums eingehen sollten.
5, 6. Wie betrachteten die Perser die Seele?
5 Im 7. Jahrhundert v. u. Z. trat weiter östlich, im Iran (oder Persien), ein Prophet namens Zoroaster auf. Er führte eine Anbetungsform ein, die als Zoroastrismus bekannt wurde. Es war die Religion des persischen Großreiches, das die Szene der Welt beherrschte, bevor Griechenland Großmachtstellung erlangte. Die zoroastrischen Schriften enthalten folgende Aussage: „In Unsterblichkeit soll die Seele des Gerechten ewig in Freude sein, aber in Qual soll die Seele des Lügners gewiß sein. Und diese Gesetze hat Ahura Masda [Bedeutung: „der weise Herr“] bestimmt durch seine souveräne Autorität.“
6 Die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele war bereits ein Bestandteil der präzoroastrischen iranischen Religion gewesen. Die altiranischen Stämme sorgten zum Beispiel für die Seelen der Verstorbenen, indem sie diesen Nahrung und Kleidung opferten, die ihnen in der Unterwelt von Nutzen sein sollten.
7, 8. Welche Ansichten vertraten die alten Ägypter in bezug auf eine Seele, die den Tod des Körpers überlebe?
7 Der Glaube an ein Leben nach dem Tod stand im Mittelpunkt der ägyptischen Religion. Nach Ansicht der Ägypter wurde die Seele des Toten von Osiris, dem Hauptgott der Unterwelt, beurteilt. In einem Papyrusdokument, das aus dem 14. Jahrhundert v. u. Z. stammen soll, wird gezeigt, wie Anubis, der Totengott, die Seele des Schreibers Hunefer vor Osiris führt. Auf einer Waage wird das Herz des Schreibers, das sein Gewissen darstellt, gegen die Feder aufgewogen, die die Göttin der Wahrheit und Gerechtigkeit auf ihrem Kopf trägt. Thot, ein anderer Gott, hält die Ergebnisse fest. Weil Hunefers Herz nicht mit schwerer Schuld beladen ist, wiegt es weniger als die Feder, und Hunefer wird der Eintritt in das Reich des Osiris gewährt, wo er Unsterblichkeit erlangt. In dem Papyrus wird auch ein weibliches Ungeheuer dargestellt, das neben der Waage steht, bereit, den Verstorbenen zu verschlingen, falls sein Herz die Prüfung nicht besteht. Da die Ägypter glaubten, das Überleben der Seele sei von der Bewahrung des Körpers abhängig, mumifizierten sie ihre Toten auch und bewahrten die Körper der Pharaonen in eindrucksvollen Pyramiden auf.
8 Verschiedene Zivilisationen der alten Zeit hatten somit e i n e Lehre gemeinsam: die Unsterblichkeit der Seele. Stammte diese Lehre jeweils aus derselben Quelle?
Der Ursprung
9. Welche Religion beeinflußte im Altertum Ägypten, Persien und Griechenland?
9 In dem Buch The Religion of Babylonia and Assyria heißt es: „Im Altertum ... verspürten Ägypten, Persien und Griechenland den Einfluß der babylonischen Religion.“ Weiter wird in dem Buch gesagt: „Angesichts der frühen Kontakte zwischen Ägypten und Babylonien, wie sie durch die El-Amarna-Tafeln offenbart werden, gab es gewiß vielfältige Gelegenheiten für das Eindringen babylonischer Ansichten und Bräuche in die ägyptischen Kulte. Der persische Mithrakult weist eindeutig babylonische Vorstellungen auf ... Daß sowohl die frühe griechische Mythologie als auch griechische Kulte stark mit semitischen Elementen durchsetzt waren, wird heute von den Gelehrten allgemein zugegeben, so daß es keines weiteren Kommentars bedarf. Diese semitischen Elemente sind großenteils eigentlich mehr babylonisch.“b
10, 11. Welche Ansicht hatten die Babylonier über ein Leben nach dem Tod?
10 Weicht die babylonische Ansicht über das, was nach dem Tod geschieht, aber nicht beträchtlich von den Vorstellungen der Ägypter, Perser und Griechen ab? Nehmen wir als Beispiel einmal das babylonische Gilgamesch-Epos. Der alternde Held Gilgamesch, der von der Realität des Todes verfolgt wird, begibt sich auf die Suche nach Unsterblichkeit, aber es gelingt ihm nicht, diese zu erlangen. Eine Wirtin, die er auf seiner Reise trifft, ermuntert ihn sogar, aus seinem jetzigen Leben das Beste zu machen, da er das endlose Leben, das er sucht, nicht finden wird. Die Botschaft des gesamten Epos lautet: Der Tod ist unvermeidlich und die Hoffnung auf Unsterblichkeit eine Illusion. Läßt das nicht darauf schließen, daß die Babylonier nicht an ein Jenseits glaubten?
11 Professor Morris Jastrow jr. von der University of Pennsylvania (USA) schrieb: „Weder das Volk noch die führenden religiösen Denker [in Babylon] hielten je die Auslöschung aller ins Dasein gekommenen Dinge für möglich. Der Tod [war für sie] das Tor zu einem anderen Leben, und die Überzeugung, daß es für den Menschen keine Unsterblichkeit gab, betonte lediglich die Unmöglichkeit, dem Wechsel im Dasein, den der Tod herbeiführt, zu entgehen.“ Ja, auch die Babylonier glaubten, das Leben werde nach dem Tod in irgendeiner Form fortdauern. Sie zeigten das dadurch, daß sie den Toten Gegenstände ins Grab legten, die ihnen im Jenseits zum Gebrauch dienen sollten.
12—14. (a) Wo nahm nach der Flut die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele ihren Anfang? (b) Wie hat sich die Lehre über die ganze Erde ausgebreitet?
12 Die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele geht eindeutig auf das alte Babylon zurück. Gemäß der Bibel, einem Buch, das sich durch geschichtliche Genauigkeit auszeichnet, wurde die Stadt Babel oder Babylon von Nimrod, einem Urenkel Noahs, gegründet.c Nach der globalen Flut der Tage Noahs gab es nur eine Sprache und nur eine Religion. Durch die Gründung der Stadt und die Errichtung eines Turms darin brachte Nimrod eine andere Religion ins Dasein. Der Bibelbericht zeigt, daß sich nach der Sprachverwirrung in Babel die erfolglosen Turmbauer zerstreuten und anderswo einen neuen Anfang machten, wobei sie ihre Religion mitnahmen (1. Mose 10:6-10; 11:4-9). Auf diese Weise breiteten sich die babylonischen Glaubenslehren über die ganze Erde aus.
13 Gemäß der Überlieferung starb Nimrod eines gewaltsamen Todes. Nach seinem Tod waren die Babylonier natürlicherweise geneigt, ihn als Gründer, Erbauer und ersten König ihrer Stadt zu ehren. Angesichts dessen, daß auch der Gott Marduk (Merodach) als Gründer Babylons galt, halten es manche Gelehrte für möglich, daß Marduk den vergötterten Nimrod darstellt. In diesem Fall müßte die Vorstellung, ein Mensch besitze eine Seele, die beim Tod überlebe, spätestens zu der Zeit, als Nimrod starb, allgemein bekannt gewesen sein. Auf jeden Fall offenbaren die Annalen der Geschichte, daß Babel oder Babylon nach der Flut der Geburtsort der Lehre von der Unsterblichkeit der Seele war.
14 Doch wie kam es, daß diese Lehre zu einer Kernaussage der meisten Religionen unserer Zeit wurde? Der nächste Abschnitt wird untersuchen, wie sie Eingang in die Religionen des Ostens fand.
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Die Vorstellung dringt in die Religionen des Ostens einWas geschieht mit uns, wenn wir sterben?
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Die Vorstellung dringt in die Religionen des Ostens ein
„Ich glaubte stets, die Unsterblichkeit der Seele sei eine allgemeine Wahrheit, die jeder anerkennt. Deshalb war ich tatsächlich überrascht zu erfahren, daß einige große Denker des Ostens und des Westens leidenschaftlich gegen diese Anschauung argumentiert haben. Jetzt frage ich mich, wie die Vorstellung von der Unsterblichkeit in das hinduistische Gedankengut Eingang fand“ (EIN STUDENT, DER ALS HINDU AUFGEWACHSEN IST).
1. Warum ist das Wissen um die Entwicklung und die Ausbreitung der Lehre von der menschlichen Unsterblichkeit in verschiedenen Religionen für uns von Interesse?
WIE drang die Vorstellung, der Mensch habe eine Seele, die zudem unsterblich sei, in den Hinduismus und in andere Religionen des Ostens ein? Die Frage ist auch für Menschen in westlichen Ländern von Interesse, die mit diesen Religionen nicht vertraut sein mögen, denn die Anschauung betrifft die Zukunftserwartungen jedes Menschen. Angesichts dessen, daß die Lehre von der menschlichen Unsterblichkeit der gemeinsame Nenner der meisten heutigen Religionen ist, kann das Wissen darum, wie sich die Auffassung entwickelt hat, tatsächlich ein besseres Verständnis und einen besseren Meinungsaustausch begünstigen.
2. Warum ging von Indien ein bemerkenswerter religiöser Einfluß auf andere Teile Asiens aus?
2 Ninian Smart, Professor für Religion an der Universität Lancaster (Großbritannien), stellt fest: „Asiens bedeutendstes religiöses Einflußzentrum war Indien. Dies nicht nur, weil Indien selbst verschiedene Religionen hervorbrachte — Hinduismus, Buddhismus, Dschainismus, Sikhismus usw. —, sondern weil deren eine, der Buddhismus, die Kultur eigentlich ganz Ostasiens tief beeinflussen sollte.“ Viele Kulturen, auf die in dieser Weise eingewirkt wurde, betrachten „Indien heute noch als ihre geistige Heimat“, erklärt Nikhilananda, ein hinduistischer Gelehrter. Wie gelangte die Lehre von der Unsterblichkeit also nach Indien und in andere Teile Asiens?
Die hinduistische Lehre von der Reinkarnation
3. Wer hat möglicherweise die Vorstellung von der Seelenwanderung nach Indien gebracht, wie ein Historiker meint?
3 Im 6. Jahrhundert v. u. Z., während Pythagoras und seine Anhänger in Griechenland für die Lehre von der Seelenwanderung eintraten, entwickelten hinduistische Weise, die in Indien an den Ufern des Indus und des Ganges lebten, dieselbe Auffassung. Das gleichzeitige Erscheinen dieser Lehre „in Indien und der griechischen Welt ... [kann] kaum Zufall gewesen sein“, sagt der Historiker Arnold Toynbee. „Eine mögliche gemeinsame Quelle [der Beeinflussung] sind“, wie Toynbee meint, „die eurasischen Nomadenstämme, die im 8. und 7. Jahrhundert vor Christus nach Indien, Südwestasien, zur Nordküste des Schwarzen Meeres, auf den Balkan und nach Vorderasien ... vordrangen.“ Die wandernden eurasischen Stämme brachten allem Anschein nach die Vorstellung von der Seelenwanderung nach Indien.
4. Warum gefiel hinduistischen Weisen wohl die Auffassung von der Seelenwanderung?
4 Der Hinduismus hatte in Indien bereits viel früher seinen Anfang genommen, und zwar mit dem Erscheinen der Arier um 1500 v. u. Z. Von frühester Zeit an wurde im Hinduismus gelehrt, die Seele sei vom Körper verschieden und überlebe beim Tod. Die Hindus praktizierten daher die Ahnenverehrung und legten Nahrungsmittel aus, die den Seelen ihrer Toten zum Verzehr dienen sollten. Jahrhunderte später, als die Vorstellung von der Seelenwanderung Indien erreichte, muß diese den hinduistischen Philosophen gefallen haben, die sich den Kopf zerbrachen über die globalen Probleme des Bösen und des menschlichen Leids. Dadurch, daß die hinduistischen Weisen diese Vorstellung mit dem sogenannten Gesetz des Karmas, dem Gesetz von Ursache und Wirkung, verbanden, entwickelten sie die Reinkarnationslehre, gemäß der Verdienste oder Verfehlungen in einem Leben im nächsten Leben belohnt beziehungsweise bestraft werden.
5. Was ist gemäß dem Hinduismus das höchste Ziel für die Seele?
5 Es gab allerdings noch eine weitere Auffassung, die die hinduistische Lehre von der Seele beeinflußte. „Es scheint zuzutreffen, daß zur selben Zeit, als die Lehre von der Seelenwanderung und vom Karma geformt wurde, oder vielleicht sogar noch früher“, heißt es in der Encyclopædia of Religion and Ethics, „eine andere Auffassung ... in einem kleinen intellektuellen Zirkel in N-Indien allmählich Gestalt annahm — die philosophische Auffassung vom Brahman-Atman [dem höchsten und ewigen Brahman, dem Allgeist].“ Diese Vorstellung wurde mit der Reinkarnationslehre verbunden, um das höchste Ziel der Hindus zu definieren: die Befreiung vom Kreislauf der Seelenwanderung, um mit dem Allgeist eins zu werden. Das erreicht man nach dem Glauben der Hindus durch das Streben nach gesellschaftlich akzeptiertem Verhalten und nach besonderem hinduistischen Wissen.
6, 7. Welche Lehre in bezug auf das Jenseits wird im heutigen Hinduismus vertreten?
6 Hinduistische Weise gaben der Reinkarnationslehre Gestalt, indem sie die Vorstellung von der Seelenwanderung mit dem Gesetz des Karmas und dem Prinzip des Brahmans verbanden. Octavio Paz, Nobelpreisträger und Dichter, der früher mexikanischer Gesandter in Indien war, schreibt: „Als sich der Hinduismus ausbreitete, wurde damit auch eine bestimmte Vorstellung weitergetragen, ... die der Dreh- und Angelpunkt des Brahmanismus, des Buddhismus und anderer asiatischer Religionen ist: die Metempsychose, die Wanderung der Seelen durch aufeinanderfolgende Daseinsformen.“
7 Die Reinkarnationslehre ist die Hauptstütze des heutigen Hinduismus. Der hinduistische Philosoph Nikhilananda sagt: „Es ist die Überzeugung eines jeden guten Hindu, daß die Erlangung der Unsterblichkeit nicht das Vorrecht weniger Auserwählter, sondern das Geburtsrecht aller ist.“
Der Kreislauf der Wiedergeburt im Buddhismus
8—10. (a) Wie wird im Buddhismus das Dasein definiert? (b) Wie erklärt ein buddhistischer Gelehrter die Wiedergeburt?
8 Der Buddhismus entstand um 500 v. u. Z. in Indien. Gemäß der buddhistischen Überlieferung soll ein indischer Fürst namens Siddhartha Gautama, der nach seiner Erleuchtung als Buddha bekannt wurde, den Buddhismus begründet haben. Da dieser aus dem Hinduismus hervorging, sind seine Lehren in vieler Hinsicht diesem ähnlich. Gemäß dem Buddhismus ist das Dasein ein ununterbrochener Kreislauf von Wiedergeburt und Tod, und wie im Hinduismus wird die Stellung, die jeder einzelne in seinem jetzigen Leben einnimmt, durch die Taten in seinem vorherigen Leben bestimmt.
9 Allerdings erklärt der Buddhismus das Dasein nicht mit dem Vorhandensein einer persönlichen Seele, die beim Tod überlebt. „[Buddha] sah in der menschlichen Psyche allein ein fließendes Diskontinuum psychischer Zustände, die nur von Leidenschaften zusammengehalten werden“, stellt Arnold Toynbee fest. Doch auch Buddha glaubte, daß etwas — ein Zustand oder eine Kraft — von dem einen Leben auf das nächste weitergegeben wird. Dr. Walpola Rahula, ein buddhistischer Gelehrter, erklärt:
10 „Ein Wesen ist nichts als eine Verbindung von physischen und geistigen Kräften. Was als Tod bezeichnet wird, ist das völlige Aufhören der Funktionen des physischen Leibes. Sind aber mit dem Aufhören der Funktionen des Leibes auch alle anderen Kräfte lahmgelegt? Der Buddhismus antwortet: ‚Nein.‘ Der Wille, die Entschlossenheit, das Begehren und der Durst, zu existieren, das Leben zu erhalten und sich zu vermehren, ist eine gewaltige Kraft, eine Kraft, die alle Lebewesen, alles, was existiert, ja die ganze Welt antreibt. Es ist die größte Kraft in der Welt. Gemäß dem Buddhismus verliert diese Kraft mit dem Aufhören der Funktionen des Leibes — beim Tod — nicht ihre Wirkung, sondern kommt immer wieder in einer anderen Form zum Ausdruck, wodurch eine neue Existenz entsteht, was Wiedergeburt genannt wird.“
11. Welche Auffassung vertreten Buddhisten in bezug auf das Jenseits?
11 Die buddhistische Auffassung über das Jenseits läßt sich wie folgt definieren: Das Dasein ist ewig, bis der einzelne das endgültige Ziel des Nirwana erreicht, die Befreiung vom Kreislauf der Wiedergeburten. Das Nirwana ist weder ein Zustand ewiger Seligkeit, noch wird man eins mit dem Allgeist. Es ist einfach ein Zustand der Nichtexistenz — des „Erloschenseins“ — jenseits der individuellen Existenz. In dem Werk Das Fischer Lexikon — Geschichte der Religionen wird „Nirwana“ als „die Überwindung aller Faktoren, die die Last des Daseins bedingen, das Verlöschen der Lebensgier“ definiert. Buddhisten wollen keine Unsterblichkeit erlangen, sondern werden statt dessen dazu aufgefordert, diese durch das Erreichen des Nirwana zu überwinden.
12—14. Inwiefern vermitteln verschiedene Richtungen des Buddhismus die Vorstellung von der Unsterblichkeit?
12 Als sich der Buddhismus auf verschiedene Gebiete Asiens ausbreitete, wurden seine Lehren abgeändert, um regionalen Glaubensansichten gerecht zu werden. So vertritt zum Beispiel der Mahajana-Buddhismus, die Form, die in China und Japan vorherrscht, den Glauben an himmlische Bodhisattwas oder zukünftige Buddhas. Bodhisattwas verschieben ihren Eingang in das Nirwana um zahllose Leben, damit sie anderen dienen und ihnen helfen können, es zu erreichen. Folglich kann es sich jemand erwählen, den Kreislauf der Wiedergeburt fortzusetzen, selbst nachdem er das Nirwana erreicht hat.
13 Eine weitere Veränderung, die sich vor allem auf China und Japan auswirkte, ist die Lehre vom reinen Land des Westens, die von Buddha Amitabha (oder Amida) eingeführt wurde. Wer den Namen Buddhas im Glauben anruft, wird in dem reinen Land oder dem Paradies wiedergeboren, wo die Voraussetzungen günstiger sind, um die endgültige Erleuchtung zu erlangen. Wozu hat diese Lehre geführt? Professor Smart, der bereits zitiert wurde, erklärt: „Nicht von ungefähr sollte der Glanz des Paradieses, das lebhaft in einigen der Mahayanaschriften ausgemalt ist, das Nirwana in der volkstümlichen Vorstellung als höchstes Ziel verdrängen.“
14 Der tibetanische Buddhismus nahm andere lokale Elemente auf. Zum Beispiel wird im tibetanischen Totenbuch das Schicksal des einzelnen im Zwischenzustand vor seiner Wiedergeburt beschrieben. Die Toten werden angeblich dem strahlenden Licht des Allgeistes ausgesetzt, und wer das Licht nicht ertragen kann, erlangt keine Befreiung, sondern wird wiedergeboren. Der Buddhismus in seinen verschiedenen Formen vermittelt eindeutig die Vorstellung der Unsterblichkeit.
Ahnenverehrung in Japans Schintoismus
15—17. (a) Wie entwickelte sich der Ahnenkult im Schintoismus? (b) Inwiefern ist der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele für den Schintoismus grundlegend?
15 In Japan gab es bereits eine Religion, bevor der Buddhismus im 6. Jahrhundert u. Z. dorthin gelangte. Es war eine namenlose Religion; sie setzte sich aus Glaubensansichten zusammen, die mit den Sitten und Bräuchen des Volkes verbunden waren. Mit der Einführung des Buddhismus wurde es jedoch notwendig, die japanische Religion von der fremden zu unterscheiden. Und so kam die Bezeichnung „Schintoismus“ auf, was „Weg der Götter“ bedeutet.
16 Was lehrte der ursprüngliche Schintoismus über das Jenseits? Sein Ursprung fällt mit dem Aufkommen des Naßreisbaus zusammen. „Der Naßreisbau erforderte gut organisierte und stabile Gemeinden“, heißt es in der Kodansha Encyclopedia of Japan, „und es entstand ein bäuerliches Brauchtum, das später im Schintoismus eine überaus wichtige Rolle spielte.“ Die Furcht vor den abgeschiedenen Seelen veranlaßte die alten Völker dazu, Riten zu ersinnen, durch die die Seelen beschwichtigt werden sollten. Daraus entwickelte sich später der Ahnenkult.
17 Die Schintoisten glauben, daß eine „abgeschiedene“ Seele immer noch ihre Individualität besitzt, aber durch den Tod verunreinigt wird. Wenn die Hinterbliebenen Gedächtnisriten durchführen, wird die Seele von jeder Bosheit gereinigt und nimmt einen friedlichen und wohlwollenden Charakter an. Im Laufe der Zeit steigt die Ahnenseele in den Rang einer Ahnengottheit oder eines Beschützers auf. Da Buddhismus und Schintoismus nebeneinander bestanden, nahm dieser bestimmte buddhistische Lehren an, einschließlich der Lehre vom Paradies. Folglich kann man feststellen, daß der Glaube an die Unsterblichkeit auch für den Schintoismus grundlegend ist.
Unsterblichkeit im Taoismus, Ahnenverehrung im Konfuzianismus
18. Welche Auffassung vertreten Taoisten in bezug auf die Unsterblichkeit?
18 Der Taoismus wurde von Laotse gegründet, der im 6. Jahrhundert v. u. Z. in China gelebt haben soll. Der Sinn des Lebens besteht gemäß dem Taoismus darin, das menschliche Tun mit dem Tao — dem Weg der Natur — in Einklang zu bringen. Das taoistische Denken in bezug auf die Unsterblichkeit kann man wie folgt zusammenfassen: Tao ist das beherrschende Prinzip des Universums. Tao hat keinen Anfang und kein Ende. Wer in Übereinstimmung mit dem Tao lebt, hat an ihm teil und ist ewig.
19—21. Zu welchen Bemühungen gaben taoistische Spekulationen Anlaß?
19 In dem Versuch, mit der Natur eins zu sein, wurden die Taoisten von der Zeitlosigkeit und der Widerstandskraft der Natur völlig beherrscht. Sie spekulierten, daß man vielleicht durch ein Leben im Einklang mit dem Tao oder dem Weg der Natur irgendwie in die Geheimnisse der Natur eindringen und gegen physischen Schaden, gegen Krankheiten, ja sogar gegen den Tod immun werden könne.
20 Taoisten begannen mit Meditation, mit Atemübungen und der Ernährung zu experimentieren, durch die der körperliche Verfall und der Tod angeblich hinausgeschoben werden konnten. Bald kamen Legenden auf über Unsterbliche, die auf Wolken fliegen und beliebig erscheinen und verschwinden konnten, die unzählige Jahre auf heiligen Bergen oder fernen Inseln wohnten und vom Tau oder von Zauberfrüchten lebten. Die chinesische Geschichte berichtet, daß Shih Huang Ti, Kaiser der Ch’indynastie, im Jahr 219 v. u. Z. eine Flotte mit 3 000 Jungen und Mädchen aussandte, die die legendäre Insel P’eng-lai, den Aufenthaltsort der Seligen, entdecken sollten, um von dort das Unsterblichkeitselixier mitzubringen. Es erübrigt sich eigentlich zu sagen, daß sie ohne das Elixier zurückkehrten.
21 Das Trachten nach Unsterblichkeit veranlaßte die Taoisten, sich mittels der Alchimie mit der Erfindung von „Unsterblichkeitspillen“ zu beschäftigen. Nach taoistischer Ansicht entsteht Leben durch die Verbindung der gegensätzlichen Kräfte Yin und Yang (weiblich und männlich). Durch die Verschmelzung von Blei (dunkel oder Yin) und Quecksilber (hell oder Yang) ahmten die Alchimisten das Geschehen in der Natur nach und glaubten, sie könnten auf diese Weise eine Unsterblichkeitspille herstellen.
22. Wozu führte der buddhistische Einfluß, der auf das religiöse Leben Chinas ausgeübt wurde?
22 Im 7. Jahrhundert u. Z. drang der Buddhismus in das religiöse Leben Chinas ein. Das Ergebnis war eine Mischung aus buddhistischen Elementen, Spiritismus und Ahnenverehrung. „Sowohl Taoismus als auch Buddhismus gaben dem Glauben an ein Leben nach dem Tod Form und Gehalt, der in der alten chinesischen Ahnenverehrung ... recht unausgeprägt war“, sagt Professor Smart.
23. Wie betrachtete Konfuzius die Ahnenverehrung?
23 Konfuzius, der zweite prominente chinesische Weise des 6. Jahrhunderts v. u. Z., dessen Lehre schließlich die Grundlage für den Konfuzianismus bildete, äußerte sich nicht ausführlich über das Jenseits. Er betonte vielmehr die Wichtigkeit moralischer Unbescholtenheit und gesellschaftlich annehmbaren Verhaltens. Er befürwortete allerdings die Ahnenverehrung und legte großen Wert auf die Einhaltung der Riten und Zeremonien in Verbindung mit den Geistern der verstorbenen Ahnen.
Andere östliche Religionen
24. Was lehrt der Dschainismus in bezug auf die Seele?
24 Der Dschainismus wurde im 6. Jahrhundert v. u. Z. in Indien von Mahavira gegründet. Nach seiner Lehre hat alles Belebte eine ewige Seele, und die Erlösung der Seele von der Knechtschaft des Karmas ist nur durch extreme Selbstverleugnung und Selbstdisziplin sowie eine strenge Anwendung der Gewaltlosigkeit gegenüber allen Geschöpfen erreichbar. Diese Glaubensansichten werden von den Dschainas bis auf den heutigen Tag vertreten.
25, 26. Welche hinduistischen Glaubensansichten sind auch im Sikhismus zu finden?
25 Indien ist auch der Geburtsort des Sikhismus, einer Religion, die von 19 Millionen Menschen praktiziert wird. Diese Religion ist im 16. Jahrhundert entstanden, als Guru Nanak das Beste von Hinduismus und Islam zu einer Religion verschmelzen wollte. Der Sikhismus übernahm die hinduistischen Lehren von einer unsterblichen Seele, der Reinkarnation und vom Karma.
26 Der Glaube, daß das Leben nach dem Tod des Körpers fortdauert, ist eindeutig ein fester Bestandteil der meisten Religionen des Ostens. Wie verhält es sich aber mit der Christenheit, dem Judentum und dem Islam?
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Die Vorstellung dringt in das Judentum, die Christenheit und den Islam einWas geschieht mit uns, wenn wir sterben?
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Die Vorstellung dringt in das Judentum, die Christenheit und den Islam ein
„Religion ist unter anderem auch der Versuch, Gläubige damit auszusöhnen, daß sie sterben müssen. Das kann dadurch geschehen, daß ihnen ein besseres Dasein jenseits des Grabes versprochen wird oder eine Wiedergeburt oder beides“ (GERHARD HERM, DEUTSCHER AUTOR).
1. Auf welchen grundlegenden Glauben stützen die meisten Religionen ihr Versprechen auf ein Leben nach dem Tod?
PRAKTISCH alle Religionen versprechen ein Leben nach dem Tod, was auf dem Glauben beruht, der Mensch habe eine unsterbliche Seele, die nach dem Tod in einen anderen Bereich gelangen oder in ein anderes Geschöpf übergehen soll. Wie im vorigen Abschnitt gezeigt wurde, war der Glaube an die menschliche Unsterblichkeit von Anfang an ein fester Bestandteil der Religionen des Ostens. Doch wie verhielt es sich mit dem Judentum, der Christenheit und dem Islam? Wie kam es, daß die Lehre auch in diesen Religionen zu einer Kernaussage wurde?
Das Judentum übernimmt griechisches Gedankengut
2, 3. Was sagt die Encyclopaedia Judaica darüber, ob in den heiligen Hebräischen Schriften die Unsterblichkeit der Seele gelehrt wird?
2 Die Ursprünge des Judentums gehen etwa 4 000 Jahre zurück bis auf Abraham. Mit der Aufzeichnung der heiligen Hebräischen Schriften wurde im 16. Jahrhundert v. u. Z. begonnen, und sie waren um die Zeit vollendet, als Sokrates und Platon der Lehre von der Unsterblichkeit der Seele Form gaben. Wurde in den Schriften der Juden die Unsterblichkeit der Seele gelehrt?
3 Folgende Antwort wird in der Encyclopaedia Judaica gegeben: „Erst in nachbiblischer Zeit wurde die Grundlage für den eindeutigen und festen Glauben an die Unsterblichkeit der Seele gelegt ..., und er wurde erst dann einer der Eckpfeiler der jüdischen und der christlichen Religion.“ Weiter wird in dem Werk erklärt: „In biblischer Zeit wurde die Person als ein Ganzes betrachtet. Folglich wurde die Seele nicht scharf vom Körper unterschieden.“ In alter Zeit glaubten die Juden an die Auferstehung der Toten, und das „muß von dem Glauben an ... die Unsterblichkeit der Seele unterschieden werden“, wird in der Enzyklopädie ausgeführt.
4—6. Wie kam es, daß die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele zu „einem Eckpfeiler“ des Judentums wurde?
4 Wie kam es dann, daß die Lehre zu „einem Eckpfeiler“ des Judentums wurde? Die Antwort liefert uns die Geschichte. Im Jahr 332 v. u. Z. nahm Alexander der Große weite Teile des Nahen Ostens in einem Blitzfeldzug ein. Bei seiner Ankunft in Jerusalem empfingen ihn die Juden mit offenen Armen. Gemäß Flavius Josephus, einem jüdischen Historiker des 1. Jahrhunderts, zeigten sie ihm sogar die Prophezeiung aus dem Buch Daniel, die über 200 Jahre zuvor aufgezeichnet worden war, in der die Eroberungen Alexanders in der Rolle des „Königs von Griechenland“ deutlich beschrieben wurden (Daniel 8:5-8, 21). Alexanders Nachfolger setzten sein Vorhaben der Hellenisierung fort, so daß alle Teile des Reiches von der griechischen Sprache, Kultur und Philosophie durchdrungen wurden. Eine Vermischung der beiden Kulturen — der griechischen und der jüdischen — war unvermeidlich.
5 Zu Beginn des 3. Jahrhunderts v. u. Z. wurde mit der als Septuaginta bezeichneten ersten Übersetzung der Hebräischen Schriften ins Griechische begonnen. Sie trug dazu bei, daß nach und nach zahlreiche Nichtjuden Achtung vor der jüdischen Religion entwickelten, sich mit ihr vertraut machten und manche sich sogar dazu bekehrten. Den Juden wurde im Gegenzug griechisches Gedankengut vermittelt, und es gab erstmals sogar einige jüdische Philosophen. Philon von Alexandria, der im 1. Jahrhundert u. Z. lebte, war ein solcher.
6 Philon, ein Verehrer Platons, bemühte sich, den Judaismus in Begriffen der griechischen Philosophie zu erklären. „Durch seine einzigartige Zusammenschau von platonischer Philosophie und biblischer Überlieferung bahnte er den Weg für spätere christliche [und auch jüdische] Denker“, heißt es in dem Buch Der Himmel — Eine Kulturgeschichte des ewigen Lebens. Was glaubte Philon in bezug auf die Seele? Das Buch sagt weiter: „Nach Philo [Philon] kehrt die Seele nach dem Tod in ihren ursprünglichen, vorgeburtlichen Zustand zurück. Da sie zur Welt des Geistes gehört, ist das Leben im Leib nur ein kurzes und oftmals unglückliches Zwischenspiel.“ Andere jüdische Denker, die an die Unsterblichkeit der Seele glaubten, waren zum Beispiel Isaac Israeli, der bekannte jüdische Arzt des 10. Jahrhunderts, und Moses Mendelssohn, ein deutsch-jüdischer Philosoph des 18. Jahrhunderts.
7, 8. (a) Was wird im Talmud über die Seele gesagt? (b) Was lehrten spätere jüdische Geheimschriften in bezug auf die Seele?
7 Ein Werk, das das jüdische Denken und Handeln ebenfalls stark geprägt hat, ist der Talmud — die schriftliche Zusammenfassung des sogenannten mündlichen Gesetzes mit späteren Kommentaren und Erklärungen zu diesem Gesetz, zusammengestellt von Rabbinern zwischen dem 2. Jahrhundert u. Z. und dem Mittelalter. „Die Rabbiner des Talmuds“, sagt die Encyclopaedia Judaica, „glaubten an die Weiterexistenz der Seele nach dem Tod.“ Im Talmud ist sogar die Rede davon, daß die Toten Kontakt mit den Lebenden aufnehmen. „Vermutlich auf Grund des Einflusses des Platonismus glaubten [die Rabbiner] an die Präexistenz der Seelen“, erklärt die Encyclopædia of Religion and Ethics.
8 In späteren jüdischen Geheimschriften, der Kabbala, ging man sogar so weit, die Reinkarnation zu lehren. Mit Bezug auf diese Lehre heißt es in der New Standard Jewish Encyclopedia: „Der Begriff scheint in Indien aufgekommen zu sein. ... In der Kabbala taucht er zum erstenmal im Buch Bahir auf, und vom Sohar an wurde er von Mystikern allgemein übernommen; im Glauben und in der Literatur der Chassidim spielt er eine wichtige Rolle.“ Im heutigen Israel wird die Reinkarnation weitgehend als jüdische Lehre anerkannt.
9. Welchen Standpunkt nehmen die meisten Richtungen des heutigen Judentums zur Unsterblichkeit der Seele ein?
9 Die Vorstellung von der Unsterblichkeit der Seele gelangte somit durch den Einfluß der griechischen Philosophie in das Judentum, und die Auffassung wird heute von den meisten Richtungen akzeptiert. Was kann darüber gesagt werden, wie die Lehre in die Christenheit Eingang fand?
Die Christenheit übernimmt platonisches Gedankengut
10. Zu welchem Schluß kam ein prominenter spanischer Gelehrter in bezug darauf, ob Jesus an die Unsterblichkeit der Seele glaubte?
10 Das wahre Christentum begann mit Christus Jesus. Miguel de Unamuno, ein bekannter spanischer Gelehrter des 20. Jahrhunderts, schrieb über Jesus: „Er glaubte vielleicht wie die Juden an eine Wiederauferstehung des Fleisches und nicht wie [der Grieche] Plato an die Unsterblichkeit der Seele. ... Beweise dafür könnte man in jedem beliebigen exegetischen Werk aufrichtigen und ehrlichen Charakters finden.“ Unamuno kam zu dem Schluß: „Die Unsterblichkeit der Seele ... ist ein Dogma der heidnischen Philosophie.“
11. Ab wann drang griechische Philosophie in das Christentum ein?
11 Wann und wie drang dieses „Dogma der heidnischen Philosophie“ in das Christentum ein? In der New Encyclopædia Britannica wird folgendes ausgeführt: „Von der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. an empfanden Christen, die in griechischer Philosophie etwas bewandert waren, das Bedürfnis, ihrem Glauben in entsprechenden Begriffen Ausdruck zu verleihen, und zwar zur Befriedigung ihres eigenen Intellekts und um gebildete Heiden zu bekehren. Die Philosophie, die ihnen am geeignetsten erschien, war der Platonismus.“
12—14. Welche Rolle spielten Origenes und Augustinus bei der Verschmelzung von platonischer Philosophie mit dem Christentum?
12 Zwei der damaligen Philosophen übten einen großen Einfluß auf die Lehren der Christenheit aus. Der eine war Origenes aus Alexandria (um 185—254 u. Z.) und der andere Augustinus von Hippo (354—430 u. Z.). Mit Bezug auf die beiden heißt es in der New Catholic Encyclopedia: „Erst von Origenes im Osten und dem hl. Augustinus im Westen wurde die Seele als eine geistige Substanz erklärt und aus ihrer Natur eine philosophische Vorstellung gebildet.“ Auf welcher Grundlage entwickelten Origenes und Augustinus ihre Vorstellungen von der Seele?
13 Origenes war ein Schüler von Klemens von Alexandria, dem „ersten der Kirchenväter, die eindeutig Anleihen bei den griechischen Überlieferungen zum Thema Seele machten“, erfahren wir aus der New Catholic Encyclopedia. Platons Vorstellungen von der Seele müssen Origenes stark beeinflußt haben. „[Origenes] baute in die christliche Lehre die gesamte Dramatik von der Seele ein, die er durch Platon kennengelernt hatte“, stellte der Theologe Werner Jaeger in The Harvard Theological Review fest.
14 Augustinus gilt in der Christenheit als einer der größten Denker des Altertums. Bevor sich Augustinus im Alter von 33 Jahren zum „Christentum“ bekehrte, hatte er sich ausgiebig mit Philosophie befaßt und zählte sich zu den Neuplatonikerna. Nach seiner Bekehrung blieb sein Denken neuplatonisch. „In seinem Geist verschmolz die Religion des Neuen Testaments am vollständigsten mit der platonischen Überlieferung der griechischen Philosophie“, heißt es in der New Encyclopædia Britannica. In der New Catholic Encyclopedia wird eingeräumt: „[Augustinus’] Lehre [von der Seele], die Ende des 12. Jahrhunderts im Westen maßgebend wurde, verdankte vieles ... dem Neuplatonismus.“
15, 16. Änderte das Interesse an den Lehren von Aristoteles, das im 13. Jahrhundert aufkam, etwas an der Haltung der Kirche zur Lehre von der Unsterblichkeit der Seele?
15 Im 13. Jahrhundert gewannen die Lehren des Aristoteles in Europa weitgehend deshalb an Popularität, weil die Werke arabischer Gelehrter, die die Schriften von Aristoteles ausgiebig kommentiert hatten, in Latein zur Verfügung standen. Ein katholischer Gelehrter namens Thomas von Aquin wurde von aristotelischem Gedankengut nachhaltig geprägt. Durch die Schriften des Thomas von Aquin übten die Ansichten von Aristoteles einen noch größeren Einfluß auf die Lehre der Kirche aus als die Platons. Die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele blieb von dieser Entwicklung jedoch unbeeinflußt.
16 Aristoteles lehrte, die Seele sei untrennbar mit dem Körper verbunden und bestehe nach dem Tod nicht als individuelle Existenz fort; falls im Menschen etwas von ewigem Bestand sei, dann der abstrakte, unpersönliche Intellekt. Diese Ansicht über die Seele war nicht im Einklang mit der Lehre der Kirche, daß eine persönliche Seele beim Tod überlebt. Thomas von Aquin wich daher von der Ansicht des Aristoteles in bezug auf die Seele ab und behauptete, die Unsterblichkeit der Seele könne durch Schlußfolgerung bewiesen werden. So blieb die Lehre der Kirche von der Unsterblichkeit der Seele unangetastet.
17, 18. (a) Leitete die Reformation des 16. Jahrhunderts eine Reform der Lehre von der Seele ein? (b) Wie sind die meisten Konfessionen der Christenheit zur Unsterblichkeit der Seele eingestellt?
17 Im 14. und 15. Jahrhundert, zu Beginn der Renaissance, lebte das Interesse an Platon wieder auf. Die berühmte italienische Familie der Medici unterstützte in Florenz sogar die Einrichtung einer Akademie, um das Studium der Philosophie Platons zu fördern. Im Verlauf des 16. und 17. Jahrhunderts schwand das Interesse an Aristoteles wieder. Und die Reformation des 16. Jahrhunderts leitete keine Reform ein, die die Lehre von der Seele betraf. Die protestantischen Reformatoren wandten sich zwar gegen die Lehre vom Fegefeuer, übernahmen allerdings die Vorstellung von ewiger Strafe oder ewiger Belohnung.
18 In den meisten Konfessionen der Christenheit gewann die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele somit die Oberhand. Mit Bezug darauf schrieb ein amerikanischer Gelehrter: „Religion bedeutet tatsächlich für die große Mehrheit der Menschen Unsterblichkeit und nichts anderes. Gott verleiht Unsterblichkeit.“
Unsterblichkeit und der Islam
19. Wann wurde der Islam gegründet, und von wem?
19 Der Islam nahm seinen Anfang mit Muhammads Berufung zum Propheten, als dieser zirka 40 Jahre alt war. Die Muslime glauben im allgemeinen, daß er während eines Zeitraums von etwa 20 bis 23 Jahren Offenbarungen erhielt, von ungefähr 610 u. Z. bis zu seinem Tod im Jahr 632 u. Z. Diese Offenbarungen wurden im Koran aufgezeichnet, dem heiligen Buch der Muslime. Als der Islam seinen Anfang nahm, war die platonische Auffassung von der Seele bereits in das Judentum und in die Christenheit eingedrungen.
20, 21. Was glauben Muslime in bezug auf das Jenseits?
20 Nach Überzeugung der Muslime ist ihr Glaube der Höhepunkt der Offenbarungen, die treue Hebräer und treue Christen in alter Zeit erhielten. Der Koran zitiert sowohl aus den Hebräischen als auch aus den Griechischen Schriften. Aber bei der Lehre von der Unsterblichkeit der Seele weicht er von diesen Schriften ab. Der Koran lehrt, daß der Mensch eine Seele hat, die nach dem Tod weiterlebt. Er spricht auch von der Auferstehung der Toten, von einem Gerichtstag und vom endgültigen Schicksal der Seele — entweder Leben in einem himmlischen Paradiesgarten oder Bestrafung in einer Feuerhölle.
21 Die Muslime glauben, daß die Seele eines Toten hinter den barzakh oder die „Schranke“ geht, an den „Ort oder in den Zustand, in dem die Menschen nach dem Tod und vor dem Gericht sein werden“ (Sure 23:99, 100, The Holy Qur-an, Fußnote). Dort ist die Seele bei Bewußtsein, und wenn der Mensch böse gewesen ist, erlebt er, was die „Züchtigung des Grabes“ genannt wird, oder wenn er gläubig gewesen ist, ist er dort glücklich. Die Gläubigen erleiden jedoch auch eine gewisse Qual, weil sie im Leben ein wenig gesündigt haben. Am Gerichtstag wird das ewige Schicksal eines jeden entschieden, womit dieser Zwischenzustand enden wird.
22. Welche unterschiedlichen Theorien über das Geschick der Seelen stellten einige arabische Philosophen auf?
22 Die Vorstellung von der Unsterblichkeit der Seele im Judentum und in der Christenheit ist auf platonischen Einfluß zurückzuführen. Im Islam war diese Auffassung dagegen von Anfang an vorhanden. Damit soll nicht gesagt werden, daß arabische Gelehrte nicht versucht hätten, islamische Lehren und griechische Philosophie zu verschmelzen. Tatsächlich wurde die arabische Welt in hohem Maß von dem Werk des Aristoteles beeinflußt. Und bekannte arabische Gelehrte wie Avicenna und Averroes legten aristotelische Gedanken dar, ja bauten darauf auf. Bei ihrem Versuch, griechische Auffassungen mit der muslimischen Lehre von der Seele in Einklang zu bringen, entwickelten sie jedoch unterschiedliche Theorien. Avicenna erklärte beispielsweise, die persönliche Seele sei unsterblich. Averroes argumentierte jedoch gegen diese Auffassung. Ungeachtet dieser abweichenden Standpunkte glauben die Muslime bis auf den heutigen Tag an die Unsterblichkeit der Seele.
23. Welche Haltung nehmen das Judentum, die Christenheit und der Islam in der Frage der Unsterblichkeit der Seele ein?
23 Sowohl das Judentum als auch die Christenheit und der Islam vertreten somit eindeutig die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele.
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Wo wir Antworten finden könnenWas geschieht mit uns, wenn wir sterben?
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Wo wir Antworten finden können
„Die Theorie vom ewigen Leiden ist unvereinbar mit dem Glauben an die Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen. ... An eine ewige Bestrafung der Seele wegen der Verfehlungen weniger Jahre zu glauben, ohne ihr eine Chance zur Besserung zu geben, ist gegen alle Grundsätze der Vernunft“ (NIKHILANANDA, HINDUISTISCHER PHILOSOPH).
1, 2. Welche Fragen entstehen angesichts der Vielzahl von Vorstellungen über das Jenseits?
WIE den hinduistischen Philosophen Nikhilananda befremdet heute viele die Lehre von einer ewigen Qual. Anderen fällt es dagegen schwer, die Vorstellungen zu begreifen, wie man das Nirwana erreichen oder mit dem Tao eins werden soll.
2 Die Auffassung von der unsterblichen Seele hat dazu geführt, daß in den Religionen des Ostens und des Westens eine verwirrende Vielfalt an Glaubensansichten über das Jenseits entwickelt wurde. Ist es möglich, die Wahrheit darüber zu erfahren, was mit uns geschieht, wenn wir sterben? Ist die Seele wirklich unsterblich? Wo können wir Antworten finden?
Wissenschaft und Philosophie
3. Kann die Wissenschaft oder können wissenschaftliche Untersuchungsmethoden Antworten auf Fragen in bezug auf ein Leben nach dem Tod geben?
3 Kann die Wissenschaft oder können wissenschaftliche Untersuchungsmethoden Antworten auf Fragen in bezug auf das Jenseits geben? Gestützt auf Berichte aus jüngerer Zeit von Todesnähe-Erlebnissen oder von Erfahrungen „außerhalb des Körpers“, haben einige Forscher versucht, Aussagen über das Leben nach dem Tod zu machen. Der katholische Theologe Hans Küng, der sich in einer Vorlesung zum Thema „Sterben als Eingang ins Licht?“ mit einigen ihrer Behauptungen auseinandersetzte, kam zu folgendem Schluß: „Solche Sterbeerlebnisse beweisen für ein mögliches Leben nach dem Tod nichts; denn hier geht es um die letzten fünf Minuten vor dem Tod und nicht um ein ewiges Leben nach dem Tod.“ Weiter sagte er: „Die Frage eines möglichen Lebens nach dem Tod ist von immenser Bedeutung für das Leben vor dem Tod. Sie erfordert eine Antwort, die, wenn sie von der Medizin nicht gegeben werden kann, anderswo gesucht werden muß.“
4. Kann uns die Philosophie helfen, unter den vielen Möglichkeiten, die von den verschiedenen Religionen in bezug auf ein Leben nach dem Tod angeboten werden, Antworten zu finden?
4 Was ist mit der Philosophie? Kann sie uns helfen, unter den vielen Möglichkeiten, die von den verschiedenen Religionen in bezug auf ein Leben nach dem Tod angeboten werden, Antworten zu finden? Bei philosophischen Untersuchungen handelt es sich zum Teil um „spekulatives Vorgehen“, wie sich Bertrand Russell, ein britischer Philosoph des 20. Jahrhunderts, ausdrückte. Die Philosophie ist gemäß dem Werk The World Book Encyclopedia „eine Form des Hinterfragens — ein Vorgang der Analyse, der kritischen Beurteilung, der Auslegung und der Spekulation“. Bei dem Thema Leben nach dem Tod reicht das Spektrum der philosophischen Spekulationen von der Betrachtung der Unsterblichkeit als reines Wunschdenken bis hin zur Beschreibung als Geburtsrecht jedes Menschen.
Eine einzigartige Quelle für Antworten
5. Welches ist das älteste Buch, das je geschrieben wurde?
5 Es gibt jedoch ein Buch, das wahrheitsgemäße Antworten auf die wichtigen Fragen über Leben und Tod enthält. Dabei handelt es sich um das älteste Buch, das je geschrieben wurde — Teile davon wurden vor etwa 3 500 Jahren aufgezeichnet. Bereits Jahrhunderte vor den frühsten Hymnen der hinduistischen heiligen Schriften, den Weden, und etwa tausend Jahre bevor Buddha, Mahavira und Konfuzius auf der Erde lebten, war der erste Teil dieses Buches vollendet. Das Gesamtwerk wurde im Jahr 98 u. Z. abgeschlossen, mehr als 500 Jahre bevor Muhammad den Islam gründete. Diese einzigartige Quelle überlegener Weisheit ist die Bibel.a
6. Warum können wir aus der Bibel Aufschluß über die Seele erwarten?
6 Es gibt kein genaueres Geschichtswerk des Altertums als die Bibel. Der Geschichtsbericht der Bibel geht bis auf den Ursprung der Menschheit zurück und gibt Aufschluß über den Beginn des menschlichen Lebens auf der Erde. Wir erhalten sogar Informationen über die Zeit vor der Erschaffung des Menschen. Solch ein Buch kann uns tatsächlich sagen, wie der Mensch erschaffen wurde und was die Seele ist.
7, 8. Warum können wir uns vertrauensvoll an die Bibel wenden, um wahrhaftige und befriedigende Antworten darauf zu erhalten, was geschieht, wenn wir sterben?
7 Außerdem ist die Bibel ein Buch der Prophezeiungen, die sich unfehlbar erfüllt haben. Sie sagte beispielsweise den Aufstieg und Fall des medo-persischen und des griechischen Weltreichs sehr detailliert voraus. Die Darlegungen waren so genau, daß manche Kritiker beweisen wollten, sie seien erst aufgezeichnet worden, nachdem sich die Ereignisse abgespielt hatten, konnten es aber nicht (Daniel 8:1-7, 20-22). Einige der in der Bibel aufgezeichneten Prophezeiungen erfüllen sich in allen Einzelheiten vor unseren Augenb (Matthäus, Kapitel 24; Markus, Kapitel 13; Lukas, Kapitel 21; 2. Timotheus 3:1-5, 13).
8 Kein noch so intelligenter Mensch könnte künftige Ereignisse derart genau vorhersagen. Das ist allein dem allmächtigen und allweisen Schöpfer des Universums möglich (2. Timotheus 3:16, 17; 2. Petrus 1:20, 21). Die Bibel ist tatsächlich ein Buch von Gott. Solch ein Buch kann uns gewiß wahrhaftige und befriedigende Antworten darauf geben, was geschieht, wenn wir sterben. Sehen wir uns zunächst einmal an, was es über die Seele sagt.
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