-
Beispiele der Langmut betrachtenDer Wachtturm 1991 | 15. Mai
-
-
Beispiele der Langmut betrachten
„Gott ... [duldete] die Gefäße des Zorns, die zur Vernichtung passend gemacht sind, mit viel Langmut“ (RÖMER 9:22).
1. (a) Von welchem Nutzen ist Gottes inspiriertes Wort für uns? (b) Warum wird hier die Eigenschaft der Langmut betrachtet?
JEHOVA Gott, unser Schöpfer, hat uns sein inspiriertes Wort, die Bibel, gegeben. Sie soll ‘eine Leuchte für unseren Fuß und ein Licht für unseren Pfad’ sein (Psalm 119:105). Gottes Wort hilft uns auch, „vollständig ausgerüstet für jedes gute Werk“ zu sein (2. Timotheus 3:16, 17). Unter anderem rüstet uns die Bibel dadurch aus, daß sie uns vorzügliche Beispiele der Langmut vor Augen führt. Diese Eigenschaft gehört zu den Früchten des Geistes Gottes und ist unerläßlich, wenn wir sein Wohlgefallen erlangen und mit unseren Mitmenschen gut auskommen möchten (Galater 5:22, 23).
2. Was bedeutet das mit „Langmut“ wiedergegebene griechische Wort, und wer steht im Bekunden dieser Eigenschaft an erster Stelle?
2 Das mit „Langmut“ übersetzte griechische Wort bedeutet wörtlich „Länge des Geistes“. Langmut ist definiert worden als „die Eigenschaft der Selbstbeherrschung, die angesichts von Provokation nicht übereilt vergilt oder unverzüglich straft“ (W. E. Vine, Vine’s Expository Dictionary of Old and New Testament Words, Band 3, Seite 12). Langmütig zu sein heißt, Selbstbeherrschung zu üben und langsam zum Zorn zu sein. Und wer steht unter denen, die langsam zum Zorn oder langmütig sind, an erster Stelle? Niemand anders als Jehova Gott. Deshalb wird von ihm in 2. Mose 34:6 gesagt, er sei „ein Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und überströmend an liebender Güte und Wahrheit“. Ja, acht weitere Male heißt es in der Heiligen Schrift von Jehova, er sei „langsam zum Zorn“ (4. Mose 14:18; Nehemia 9:17; Psalm 86:15; 103:8; 145:8; Joel 2:13; Jona 4:2; Nahum 1:3).
3. Welchen Eigenschaften Jehovas ist es zuzuschreiben, daß er langmütig ist?
3 Von Jehova Gott erwarten wir geradezu, langmütig oder langsam zum Zorn zu sein, da er unendliche Macht und Weisheit besitzt, vollkommene Gerechtigkeit walten läßt und die Verkörperung der Liebe ist (5. Mose 32:4; Hiob 12:13; Jesaja 40:26; 1. Johannes 4:8). Er hat seine Eigenschaften unter Kontrolle und bekundet sie stets auf vollkommen ausgewogene Weise. Warum und wie hat er gemäß seinem Wort unvollkommenen Menschen gegenüber Langmut bekundet?
Langmut um seines Namens willen
4. Aus welchen guten Gründen hat Gott gegenüber Sündern Langmut bekundet?
4 Warum ist Jehova langmütig? Warum straft er Sünder nicht sogleich? Nicht aus Gleichgültigkeit oder aus mangelndem Eifer für Gerechtigkeit. Nein, Jehova hat vielmehr gute Gründe, langsam zum Zorn zu sein und Menschen nicht sofort zu strafen. Ein Grund ist, daß sein Name bekannt gemacht werden soll. Ein anderer Grund besteht darin, daß Zeit erforderlich war für die Klärung der durch die Rebellion in Eden aufgeworfenen Streitfragen bezüglich der Souveränität Gottes und der Lauterkeit der Menschen. Ein weiterer Grund für die Langmut Gottes ist, daß Sündern so die Gelegenheit eingeräumt wird, ihre Handlungsweise zu ändern.
5, 6. Warum bekundete Jehova Langmut in Verbindung mit der Rebellion des Menschen?
5 Jehova war im Umgang mit den ersten beiden Menschen im Garten Eden langmütig. Als sie sein Gebot, nicht von der Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen, übertreten hatten, hätte er sie und den gefallenen Engel, der Eva betrogen hatte, sogleich hinrichten können. Es bestand kein Zweifel, daß die drei Rebellen Jehovas Sinn für Recht und Gerechtigkeit verletzt hatten und daß er auf sie zornig war. Er wäre völlig im Recht gewesen, wenn er sie sofort hingerichtet hätte. Adam, dem ersten Menschen, hatte er warnend gesagt: „Was ... den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse betrifft, davon sollst du nicht essen, denn an dem Tag, an dem du davon ißt, wirst du ganz bestimmt sterben“ (1. Mose 2:17). Noch an demselben Tag, an dem Adam gesündigt hatte, zog Gott die Übertreter zur Rechenschaft und sprach das Todesurteil über sie aus. Rechtlich gesehen, starben Adam und Eva an jenem Tag. Doch unser langmütiger Schöpfer ließ Adam 930 Jahre lang leben (1. Mose 5:5).
6 Gott hatte in diesem Fall gute Gründe, langmütig oder langsam zum Zorn zu sein. Jene Rebellen sogleich hinzurichten wäre keine Antwort auf die höhnende Andeutung des Teufels gewesen, Jehova Gott verdiene es nicht, angebetet zu werden, und könne keine menschlichen Diener haben, die ungeachtet der Umstände die Lauterkeit ihm gegenüber bewahren würden. Außerdem wären zum Beispiel folgende Fragen unbeantwortet geblieben: Wessen Fehler war es, daß Adam und Eva sündigten? Erschuf Jehova sie mit einer sittlichen Schwäche, so daß sie einer Versuchung gar nicht widerstehen konnten, und bestrafte er sie dann dafür, daß sie versagt hatten? Die Antwort geht aus dem Bericht hervor, den wir im Bibelbuch Hiob, Kapitel 1 und 2 finden. Dadurch, daß Jehova den Menschen gestattete, sich zu vermehren, gab er ihnen Gelegenheit, Satans Behauptungen zu widerlegen.
7. Warum vernichtete Jehova Pharao nicht sofort?
7 Auch als Jehova daranging, sein Volk, die Israeliten, aus der ägyptischen Knechtschaft zu befreien, bewies er seine Langmut. Er hätte Pharao und seine Streitkräfte sofort vernichten können. Statt dessen duldete er sie eine Zeitlang. Aus welchem guten Grund? Nun, im Laufe der Zeit weigerte sich Pharao immer hartnäckiger, die Israeliten als Jehovas freies Volk aus Ägypten ziehen zu lassen. So zeigte er, daß er ‘ein Gefäß des Zorns’ war — daß er es verdiente, vernichtet zu werden, weil er Jehova trotzte (Römer 9:14-24). Es gab jedoch einen noch gewichtigeren Grund, weshalb Gott in diesem Fall langmütig war. Durch Moses ließ er Pharao sagen: „Schon jetzt hätte ich meine Hand ausstrecken können, um dich und dein Volk mit Pest zu schlagen, so daß du von der Erde ausgetilgt worden wärst. Aber, in der Tat, deswegen habe ich dich bestehen lassen, um dir meine Macht zu zeigen und damit man meinen Namen verkündet auf der ganzen Erde“ (2. Mose 9:15, 16).
8. Aus welchem Grund vernichtete Gott die rebellischen Israeliten in der Wildnis nicht?
8 Während des Aufenthalts der Israeliten in der Wildnis bekundete Jehova ebenfalls aus guten Gründen Langmut. Wie sie doch Gottes Geduld durch die Verehrung des Goldenen Kalbes und durch ihren Unglauben auf die Probe stellten, als zehn Kundschafter mit einem schlechten Bericht zurückkehrten! Gott rottete sie als sein Volk nicht aus, denn sein Name und sein Ruf standen auf dem Spiel. Ja, Jehova offenbarte Langmut um seines Namens willen (2. Mose 32:10-14; 4. Mose 14:11-20).
Langmut um der Menschen willen
9. Warum bekundete Jehova in den Tagen Noahs Langmut?
9 Seit Adam allen seinen voraussichtlichen Nachkommen Schaden zufügte, indem er ihnen durch seine Sünde großes Unrecht antat, ist Jehova um der Menschen willen langmütig gewesen. Seine Langmut ermöglicht es, dieses Unrecht zu berichtigen, und zwar insofern, als er Zeit dafür eingeräumt hat, daß reumütige Menschen mit ihm versöhnt werden können (Römer 5:8-10). Auch in den Tagen Noahs zeigte Jehova Langmut gegenüber den Menschen. Damals „sah Jehova, daß die Schlechtigkeit des Menschen ausnehmend groß war auf der Erde und daß jede Neigung der Gedanken seines Herzens allezeit nur schlecht war“ (1. Mose 6:5). Gott hätte zwar das Menschengeschlecht sogleich ausrotten können, als er die Verhältnisse sah, doch erklärte er, daß er diesen 120 Jahre später ein Ende machen werde (1. Mose 6:3). Aufgrund seiner Langmut verblieb noch Zeit, daß Noah drei Söhne geboren werden konnten, daß sie aufwachsen und heiraten konnten und daß diese Familie die Arche bauen konnte — zu ihrer eigenen Rettung und zur Bewahrung der Tiere. So blieb die Möglichkeit offen, Gottes ursprünglichen Vorsatz bezüglich der Erde zu verwirklichen.
10, 11. Warum war Jehova mit der Nation Israel so langmütig?
10 Eine andere Definition von Langmut gilt insbesondere für Gottes Handlungsweise mit seinem Volk, nämlich „das verkehrte Handeln oder die Provokationen eines anderen geduldig zu ertragen und die Hoffnung nicht aufzugeben, daß sich das gestörte Verhältnis bessern wird“ (Hilfe zum Verständnis der Bibel, Seite 940, herausgegeben von der Wachtturm-Gesellschaft). Hier haben wir einen Hinweis auf einen zusätzlichen Grund, weshalb Gott den Israeliten gegenüber langmütig war. Wiederholt kehrten sie Jehova den Rücken und gerieten in die Knechtschaft anderer Nationen. Er bekundete jedoch Langmut, indem er sie befreite und ihnen die Gelegenheit zu bereuen einräumte (Richter 2:16-20).
11 Die meisten Könige Israels verleiteten ihre Untertanen zur falschen Anbetung. Verwarf Gott die Nation sogleich? Nein, er gab die Hoffnung, daß sich das gestörte Verhältnis bessern würde, nicht schnell auf, sondern war langsam zum Zorn. Gott gab ihnen in seiner Langmut immer wieder Gelegenheit zu bereuen. In 2. Chronika 36:15, 16 heißt es: „Jehova, der Gott ihrer Vorväter, sandte durch seine Boten fortgesetzt Warnungen an sie, immer und immer wieder hinsendend, denn er hatte Mitleid mit seinem Volk und mit seiner Wohnung. Aber sie trieben unablässig Mutwillen mit den Boten des wahren Gottes und verachteten seine Worte und verspotteten seine Propheten, bis der Grimm Jehovas gegen sein Volk stieg, bis es keine Heilung gab.“
12. Was wird in den Christlichen Griechischen Schriften darüber gesagt, warum Jehova langmütig ist?
12 Aus den Christlichen Griechischen Schriften geht ebenfalls hervor, daß Jehova Langmut offenbart, um seinem Volk zu helfen, wenn es abirrt. Der Apostel Paulus zum Beispiel fragt Christen, die sich eines Vergehens schuldig gemacht haben: „Verachtest du den Reichtum seiner Güte und Nachsicht und Langmut, indem du nicht erkennst, daß Gottes gütige Wesensart dich zur Reue zu führen sucht?“ (Römer 2:4). Auf dasselbe laufen die Worte des Petrus hinaus: „Jehova ist hinsichtlich seiner Verheißung nicht langsam, wie es einige für Langsamkeit halten, sondern er ist geduldig mit euch, weil er nicht will, daß irgend jemand vernichtet werde, sondern will, daß alle zur Reue gelangen“ (2. Petrus 3:9). Passenderweise werden wir aufgefordert: „Betrachtet ... die Geduld unseres Herrn als Rettung“ (2. Petrus 3:15). Somit sehen wir, daß Jehova nicht aus Sentimentalität oder aus Laxheit langmütig ist, sondern weil sein Name und seine Vorsätze auf dem Spiel stehen und weil er barmherzig und liebevoll ist.
Jesu Beispiel der Langmut
13. Welche biblischen Beweise gibt es dafür, daß Jesus Christus langmütig war?
13 Gleich an zweiter Stelle nach dem Beispiel der Langmut Gottes steht dasjenige seines Sohnes, Jesu Christi, des Messias. Er ist ein ausgezeichnetes Beispiel, denn er beherrschte sich und übte keine Vergeltung, auch wenn er provoziert wurde.a Daß der Messias langmütig wäre, wurde von dem Propheten Jesaja mit folgenden Worten vorausgesagt: „Er wurde hart bedrängt, und er ließ sich niederdrücken; doch pflegte er seinen Mund nicht aufzutun. Er wurde so wie ein Schaf zur Schlachtung geführt; und wie ein Mutterschaf, das vor seinen Scherern verstummt, pflegte auch er seinen Mund nicht aufzutun“ (Jesaja 53:7). Das wird durch die Aussage des Petrus bestätigt: „Als er beschimpft wurde, gab er nicht schimpfend zurück. Als er litt, begann er nicht zu drohen, sondern übergab sich weiterhin dem, der gerecht richtet“ (1. Petrus 2:23). Wie Jesus von seinen Jüngern doch dadurch auf die Probe gestellt worden sein muß, daß sie sich wiederholt stritten, wer der Größte unter ihnen sei! Aber wie langmütig und geduldig er mit ihnen verfuhr! (Markus 9:34; Lukas 9:46; 22:24).
14. Wozu sollte uns Jesu Beispiel der Langmut bewegen?
14 Wir sollten Jesu Beispiel der Langmut nachahmen. Paulus schreibt: „Laßt uns in dem vor uns liegenden Wettlauf mit Ausharren laufen, während wir unseren Blick auf den Hauptvermittler und Vervollkommner unseres Glaubens, Jesus, gerichtet halten. Für die vor ihm liegende Freude erduldete er einen Marterpfahl, der Schande nicht achtend, und hat sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt. Ja, betrachtet genau den, der von Sündern gegen ihre eigenen Interessen einen solchen Widerspruch erduldete, damit ihr nicht müde werdet und in euren Seelen ermattet“ (Hebräer 12:1-3).
15. Wieso wissen wir, daß Jesus langmütig war und bereitwillig Prüfungen erduldete?
15 Daß Jesus langmütig war und bereitwillig Prüfungen erduldete, ist an der Haltung zu erkennen, die er zur Zeit seiner Festnahme bekundete. Nachdem er Petrus gerügt hatte, weil dieser zum Schwert gegriffen hatte, um seinen Herrn zu schützen, sagte er: „Denkst du, ich könne nicht meinen Vater anrufen, daß er mir in diesem Augenblick mehr als zwölf Legionen Engel sende? Wie aber würden in diesem Fall die Schriften erfüllt werden, daß es so geschehen muß?“ (Matthäus 26:51-54; Johannes 18:10, 11).
Andere Beispiele der Langmut
16. Inwiefern geht aus der Heiligen Schrift hervor, daß Joseph, der Sohn Jakobs, langmütig war?
16 Selbst unvollkommene, sündige Menschen können Langmut bekunden. In den Hebräischen Schriften wird von unvollkommenen Menschen berichtet, die geduldig Unrecht ertrugen. Da ist beispielsweise Joseph, der Sohn des hebräischen Patriarchen Jakob. Wie geduldig er die Ungerechtigkeiten ertrug, die durch seine Halbbrüder und durch Potiphars Frau über ihn kamen! (1. Mose 37:18-28; 39:1-20). Joseph ließ sich durch diese Prüfungen nicht verbittern. Das zeigte sich, als er zu seinen Brüdern sagte: „Grämt euch nicht, und seid nicht zornig auf euch, weil ihr mich hierher verkauft habt; denn zur Lebenserhaltung hat Gott mich vor euch hergesandt“ (1. Mose 45:4, 5). Welch ein vorzügliches Beispiel der Langmut Joseph gab!
17, 18. Welche Anzeichen von Langmut haben wir im Falle Davids?
17 David ist ein anderer beispielhafter treuer Diener Jehovas, der geduldig Unrecht ertrug und langmütig war. Er, der von dem eifersüchtigen König Saul wie ein Hund gejagt wurde, hätte zweimal Gelegenheit gehabt, Saul zu vergelten und ihn zu töten (1. Samuel 24:1-22; 26:1-25). Doch David wartete auf Gott, wie aus seinen Worten an Abischai hervorgeht: „Jehova selbst wird ihn [Saul] schlagen; oder sein Tag wird kommen, und er wird sterben müssen, oder er wird in die Schlacht hinabziehen, und er wird gewiß weggerafft werden. Es ist im Hinblick auf Jehovas Standpunkt für mich undenkbar, meine Hand gegen den Gesalbten Jehovas auszustrecken!“ (1. Samuel 26:10, 11). Ja, es stand in Davids Macht, dem Zustand, von Saul gejagt zu werden, ein Ende zu bereiten. Aber David entschied sich dafür, langmütig zu sein.
18 Beachten wir auch, was geschah, als König David vor seinem verräterischen Sohn Absalom floh. Schimei, ein Benjaminiter vom Hause Sauls, warf mit Steinen nach David und rief Übles auf ihn herab, indem er sagte: „Geh weg, geh weg, du mit Blutschuld beladener Mann und du nichtsnutziger Mann!“ Abischai wollte Schimei töten, David war jedoch gegen eine Vergeltung und offenbarte statt dessen wiederum Langmut (2. Samuel 16:5-13).
Das Beispiel des Paulus betrachten
19, 20. Wie zeigte der Apostel Paulus, daß er langmütig war?
19 In den Christlichen Griechischen Schriften finden wir ein weiteres Beispiel eines unvollkommenen Menschen, der langmütig war: der Apostel Paulus. Geduldig bekundete er Ausharren und Langmut sowohl in Verbindung mit seinen religiösen Feinden als auch in bezug auf Personen, die sich zum Christentum bekannten. Ja, Paulus offenbarte Langmut, obwohl einige in der Versammlung in Korinth sagten: „Seine Briefe sind gewichtig und kraftvoll, aber seine persönliche Gegenwart ist schwach und seine Rede verächtlich“ (2. Korinther 10:10; 11:5, 6, 22-33).
20 Mit gutem Grund schrieb Paulus somit an die Korinther: „In jeder Weise empfehlen wir uns als Gottes Diener: durch das Ausharren in vielem, in Drangsalen, in Notlagen, in Schwierigkeiten, bei Schlägen, in Gefängnissen, bei Unruhen, bei mühevollen Arbeiten, in schlaflosen Nächten, bei Mangel an Nahrung, durch sittliche Reinheit, durch Erkenntnis, durch Langmut, durch Güte, durch heiligen Geist, durch ungeheuchelte Liebe“ (2. Korinther 6:4-6). Ähnlich konnte der Apostel an seinen Mitarbeiter Timotheus schreiben: „Du ... bist meiner Lehre genau gefolgt, meinem Lebenswandel, meinem Vorsatz, meinem Glauben, meiner Langmut, meiner Liebe, meinem Ausharren, meinen Verfolgungen, meinen Leiden, ... der Herr [hat mich] aus ihnen allen befreit“ (2. Timotheus 3:10, 11). Welch vorzügliches Beispiel der Apostel Paulus uns gibt, wenn es darum geht, langmütig zu sein!
21. Inwiefern kann uns der folgende Artikel eine Hilfe sein?
21 Tatsächlich sind in der Heiligen Schrift viele vorzügliche Beispiele der Langmut zu finden. Jehova und sein geliebter Sohn sind die herausragendsten. Aber wie ermunternd, daß auch unvollkommene Menschen wie Joseph, David und der Apostel Paulus diese Eigenschaft bekundeten! Der folgende Artikel soll uns helfen, solche Beispiele nachzuahmen.
[Fußnote]
a Langmut, d. h. die durch ruhiges, beherrschtes, nachsichtiges Ertragen oder Abwarten von etwas gekennzeichnete Verhaltensweise, schließt aus, daß man enttäuscht oder verbittert ist, weil man anderen etwas nicht vergelten kann.
-
-
Langmütig gegen alle seinDer Wachtturm 1991 | 15. Mai
-
-
Langmütig gegen alle sein
„Wir [ermahnen] euch, Brüder: Weist die Unordentlichen zurecht, redet bekümmerten Seelen tröstend zu, steht den Schwachen bei, seid langmütig gegen alle“ (1. THESSALONICHER 5:14).
1. Wo und unter welchen Umständen haben Zeugen Jehovas Langmut bekundet?
WELCH beispielhafte Langmut doch Jehovas neuzeitliche Zeugen bekundet haben! In früher nationalsozialistischen und faschistischen Ländern erduldeten sie große Härten und heftige Verfolgung, und in Ländern wie Malawi ist das heute noch der Fall. Aber auch Zeugen, die in einem in religiöser Hinsicht geteilten Haus leben, zeichnen sich durch Langmut aus.
2. Auf welche zwei Faktoren ist das geistige Paradies des Volkes Jehovas zurückzuführen?
2 Trotz Verfolgung und mancher Härten erfreuen sich Jehovas Diener jedoch der Segnungen eines geistigen Paradieses. Gesalbte Christen genießen diese Segnungen seit 1919, wie die Tatsachen zeigen. Worauf ist das geistige Paradies zurückzuführen? Die paradiesischen Zustände herrschen vor allem deshalb unter Jehovas Volk, weil er seine gesalbten Diener in ihr „Land“ zurückgeführt hat, d. h. in den Zustand, in dem sie die reine Anbetung pflegen (Jesaja 66:7, 8). Das geistige Paradies gedeiht auch deshalb, weil jeder Bewohner die Früchte des Geistes Gottes hervorbringt. Eine davon ist die Langmut (Galater 5:22, 23). Wie wichtig diese Eigenschaft in Verbindung mit unserem geistigen Paradies ist, zeigen die folgenden Worte des Gelehrten William Barclay: „Ohne makrothymia [Langmut] ist keine christliche Gemeinschaft möglich. ... Warum ist das so? Weil makrothymia eine Eigenschaft Gottes ist (Röm. 2:4; 9:22)“ (Aus dem Wortschatz des Neuen Testamentes, Seite 94). Ja, von so großer Bedeutung ist Langmut.
Mit unseren Brüdern langmütig sein
3. Welche Lehre erteilte Jesus dem Apostel Petrus in bezug auf Langmut?
3 Offensichtlich fiel es dem Apostel Petrus mitunter schwer, langmütig zu sein, denn einmal fragte er Jesus: „Herr, wievielmal mag mein Bruder gegen mich sündigen und soll ich ihm vergeben? Bis zu siebenmal?“ Jesus erwiderte: „Ich sage dir: Nicht bis zu siebenmal, sondern: Bis zu siebenundsiebzigmal“ (Matthäus 18:21, 22). Mit anderen Worten: Es gibt keine Grenze, wie oft wir einander etwas nachsehen oder jemandem vergeben sollten, der gegen uns gesündigt hat. Schließlich können wir uns nicht vorstellen, daß jemand bis zu 77 Male zählt — als würde er darüber genau Buch führen. Doch so bereitwillig zu vergeben erfordert sicherlich Langmut.
4. Warum ist es besonders für Älteste erforderlich, langmütig zu sein?
4 Für Versammlungsälteste ist es zweifellos erforderlich, beispielhaft zu sein, wenn es darum geht, gegenüber Glaubensbrüdern Langmut zu bekunden. Ihre Geduld könnte durch die Sorglosigkeit oder Gleichgültigkeit mancher Glaubensbrüder auf die Probe gestellt werden. Einige nehmen vielleicht die Notwendigkeit, schlechte Gewohnheiten abzulegen, auf die leichte Schulter. Älteste müssen sich davor hüten, wegen der Schwächen ihrer christlichen Brüder und Schwestern schnell verärgert oder beleidigt zu sein. Diese geistigen Hirten sollten vielmehr den Rat im Sinn behalten: „Wir aber, die Starken, sind verpflichtet, die Schwachheiten derer zu tragen, die nicht stark sind, und nicht uns selbst zu gefallen“ (Römer 15:1).
5. Was werden wir ertragen können, wenn wir langmütig sind?
5 Wegen menschlicher Schwächen und Fehler mögen auch Persönlichkeitskonflikte entstehen. Aufgrund gewisser Unzulänglichkeiten oder Eigenarten gehen wir unseren Brüdern auf die Nerven und sie uns. Wie passend ist deshalb die Aufforderung: „Fahrt fort, einander zu ertragen und einander bereitwillig zu vergeben, wenn jemand Ursache zu einer Klage gegen einen anderen hat. So, wie Jehova euch bereitwillig vergeben hat, so tut auch ihr“ (Kolosser 3:13). „Einander zu ertragen“ heißt, langmütig zu sein, obwohl wir möglicherweise stichhaltige Gründe zu einer Klage gegen unseren Bruder haben. Wir dürfen ihm nicht vergelten oder ihn strafen, ja nicht einmal Seufzer gegen ihn ausstoßen (Jakobus 5:9).
6. Warum ist langmütig zu sein der Weg der Weisheit?
6 Auf das gleiche läuft der Rat aus Römer 12:19 hinaus: „Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt dem Zorn Raum; denn es steht geschrieben: ‚Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht Jehova.‘“ ‘Dem Zorn Raum zu geben’ bedeutet, langsam zum Zorn oder langmütig zu sein. Sich so zu verhalten ist der Weg der Weisheit, denn es ist uns und anderen von Nutzen. Ist zum Beispiel ein Problem entstanden, so haben wir ein besseres Gefühl, wenn wir langmütig sind und so die Sache nicht verschlimmern. Und auch demjenigen, dem wir mit Langmut begegnen, ist wohler zumute, weil wir ihn weder bestrafen noch ihm sonstwie vergelten. Kein Wunder, daß Paulus an Mitchristen schrieb: „Redet bekümmerten Seelen tröstend zu, steht den Schwachen bei, seid langmütig gegen alle“ (1. Thessalonicher 5:14).
Im Familienkreis
7. Warum müssen Verheiratete langmütig sein?
7 Treffend heißt es: Eine glückliche Ehe ist die Vereinigung zweier Menschen, die gern vergeben. Was bedeutet das? Daß glückliche Eheleute im Umgang miteinander langmütig sind. Oftmals fühlen sich Menschen wegen ihres unterschiedlichen Temperaments zueinander hingezogen. Solche Unterschiede mögen zwar faszinierend sein, doch können sie auch zu Reibereien führen, durch die die Belastungen und Sorgen, aufgrund deren verheiratete Christen bereits „Drangsal im Fleisch“ haben, noch zunehmen (1. Korinther 7:28). Angenommen, ein Mann nimmt es mit kleinen Dingen nicht so genau oder neigt dazu, etwas sorglos oder nachlässig zu sein. Das kann für seine Frau eine ziemliche Prüfung sein. Wenn aber freundliche Anregungen nutzlos sind, bleibt ihr wahrscheinlich nichts anderes übrig, als seine Schwächen langmütig zu ertragen.
8. Warum ist es für Ehemänner wichtig, langmütig zu sein?
8 Andererseits könnte es sein, daß sich die Frau über Kleinigkeiten aufregt und dazu neigt, an ihrem Mann herumzunörgeln. Man könnte dabei an den Schrifttext denken: „Ein ruhiger Winkel unterm Dach ist besser als ein ganzes Haus zusammen mit einer ständig nörgelnden Frau“ (Sprüche 25:24, Die Bibel in heutigem Deutsch). In einem solchen Fall benötigt ein Mann Langmut, damit er der Aufforderung des Paulus nachkommen kann: „Ihr Männer, liebt eure Frauen weiterhin, und laßt euch nicht gegen sie erbittern“ (Kolosser 3:19). Langmütig müssen Männer auch sein, wenn sie den Rat des Petrus befolgen wollen: „Ihr Ehemänner, wohnt gleicherweise weiterhin bei ihnen [euren Frauen] gemäß Erkenntnis, indem ihr ihnen als einem schwächeren Gefäß, dem weiblichen, Ehre zuteil werden laßt, da auch ihr mit ihnen Erben der unverdienten Gunst des Lebens seid, damit eure Gebete nicht behindert werden“ (1. Petrus 3:7). Die Schwächen seiner Frau können für einen Mann mitunter eine Prüfung sein, doch Langmut wird ihm helfen, sie zu ertragen.
9. Warum benötigen Eltern Langmut?
9 Eltern müssen langmütig sein, wenn sie Erfolg in der Kindererziehung haben möchten. Die Kinder machen womöglich immer und immer wieder dieselben Fehler. Vielleicht scheinen sie halsstarrig oder schwer von Begriff zu sein, und sie mögen die Langmut ihrer Eltern fortgesetzt auf eine harte Probe stellen. In einer solchen Situation sollten christliche Eltern langsam zum Zorn sein. Sie dürfen nicht die Fassung verlieren, sondern sollten die Ruhe bewahren, während sie standhaft für gerechte Grundsätze eintreten. Väter dürfen nicht vergessen, daß auch sie einmal jung waren und Fehler gemacht haben. Sie sollten den Rat des Paulus befolgen: „Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht, damit sie nicht mutlos werden“ (Kolosser 3:21).
Langmütig gegenüber Außenstehenden
10. Wie sollten wir uns an unserem Arbeitsplatz verhalten, wie das eine Erfahrung zeigt?
10 Aufgrund menschlicher Unvollkommenheit und Selbstsucht mögen am Arbeitsplatz eines Christen unangenehme Situationen entstehen. Es zeugt von Weisheit, wenn man taktvoll ist und das Unrecht um des Friedens willen erträgt. Wie weise das ist, zeigt die Erfahrung eines Christen, gegen den ein neidischer Arbeitskollege einen ständigen Kleinkrieg führte. Da der Bruder keine Streitfrage daraus machte, sondern langmütig war, konnte er schließlich mit diesem Arbeitskollegen, der ihm gegenüber so aufsässig war, ein Bibelstudium beginnen.
11. Wann sollten wir besonders langmütig sein, und warum?
11 Langmut wird von Jehovas Dienern besonders dann gefordert, wenn sie Personen außerhalb der Christenversammlung Zeugnis geben. Immer wieder stoßen Christen auf Ablehnung oder Widerstand. Wäre es angebracht oder weise, sozusagen mit gleicher Münze heimzuzahlen? Nein, denn das ließe keine Langmut erkennen. Der Weg der Weisheit ist, an den folgenden weisen Spruch zu denken und ihn zu befolgen: „Eine Antwort, wenn milde, wendet Grimm ab, aber ein Wort, das Schmerz verursacht, läßt Zorn aufkommen“ (Sprüche 15:1).
Glaube und Hoffnung helfen, langmütig zu sein
12, 13. Welche Eigenschaften werden uns helfen, langmütig zu sein?
12 Was kann uns helfen, langmütig zu sein und beschwerliche Situationen zu ertragen? Eine Hilfe ist der Glaube an Gottes Verheißungen. Wir sollten Gott beim Wort nehmen. In der Bibel heißt es: „Keine Versuchung hat euch ergriffen, ausgenommen eine allgemein menschliche. Gott aber ist treu, und er wird nicht zulassen, daß ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung wird er auch den Ausweg schaffen, damit ihr sie ertragen könnt“ (1. Korinther 10:13). Anders ausgedrückt: Es verhält sich so, wie ein langjähriger Diener Gottes sagte: „Wenn Gott es zuläßt, kann ich es ertragen.“ Ja, wir können es ertragen, indem wir langmütig sind.
13 Eng mit dem Glauben verwandt ist die Hoffnung auf Gottes Königreich. Wenn es die Herrschaft über die Erde innehat, werden all die schlechten Zustände beseitigt werden, die uns so sehr zu schaffen machen. Diesbezüglich sagte der Psalmist David: „Steh ab vom Zorn, und laß den Grimm; erhitze dich nicht, nur um übelzutun. Denn die Übeltäter, sie werden weggetilgt, die aber auf Jehova hoffen, sind es, die die Erde besitzen werden“ (Psalm 37:8, 9). Die feste Hoffnung, daß Gott den prüfungsreichen Verhältnissen bald ein Ende bereiten wird, hilft uns, langmütig zu sein.
14. Welche Erfahrung zeigt, warum wir gegenüber einem ungläubigen Ehepartner langmütig sein sollten?
14 Wie sollten wir reagieren, wenn wir von einem ungläubigen Ehepartner unter Druck gesetzt werden? Wir sollten uns ständig an Gott um Hilfe wenden und die Hoffnung nicht aufgeben, daß unser Ehepartner eines Tages ein Anbeter Jehovas wird. Die Frau eines Christen weigerte sich des öfteren, für ihn zu kochen und seine Wäsche zu waschen. Sie gebrauchte gemeine Ausdrücke, sprach tagelang nicht mit ihm und versuchte sogar, ihn durch Zauberei mit einem Bann belegen zu lassen. Er berichtet: „Jedesmal betete ich zu Jehova; ich vertraute darauf, daß er mir helfen würde, die gute Eigenschaft der Langmut zu entwickeln, damit ich mein christliches Gleichgewicht nicht verlieren würde. Eines Tages, so hoffte ich, würde sich ihre Einstellung ändern.“ Nachdem er 20 Jahre von seiner Frau so behandelt worden war, begann sie sich zu ändern. Er sagt: „Ich bin Jehova sehr dankbar, daß er mir geholfen hat, Langmut, eine der Früchte des Geistes, zu entwickeln, denn heute kann ich das Ergebnis sehen: Meine Frau hat begonnen, den Weg des Lebens zu gehen.“
Gebet, Demut und Liebe werden helfen
15. Warum kann uns das Gebet helfen, langmütig zu sein?
15 Das Gebet ist eine weitere wertvolle Hilfe, langmütig zu sein. Paulus schrieb: „Seid um nichts ängstlich besorgt, sondern laßt in allem durch Gebet und Flehen zusammen mit Danksagung eure Bitten bei Gott bekanntwerden; und der Frieden Gottes, der alles Denken übertrifft, wird euer Herz und eure Denkkraft durch Christus Jesus behüten“ (Philipper 4:6, 7). Und vergessen wir nicht, der Aufforderung nachzukommen: „Wirf deine Bürde auf Jehova, und er selbst wird dich stützen. Niemals wird er zulassen, daß der Gerechte wankt“ (Psalm 55:22).
16. Wieso kann uns Demut helfen, langmütig zu sein?
16 Auch Demut ist eine große Hilfe, die Geistesfrucht Langmut hervorzubringen. Eine stolze Person ist ungeduldig. Sie ist leicht beleidigt und wird schnell zornig. Unfair behandelt zu werden, kann sie nicht verkraften. Sie ist alles andere als langmütig. Ein demütiger Mensch dagegen nimmt sich selbst nicht zu wichtig. Er wartet auf Jehova — wie David, als er von König Saul gejagt und von dem Benjaminiter Schimei beleidigt wurde (1. Samuel 24:4-6; 2. Samuel 16:5-13). Daher sollte es unser Wunsch sein, „mit aller Demut und Milde [zu wandeln], mit Langmut, einander in Liebe ertragend“ (Epheser 4:2). Überdies sollten wir uns ‘in den Augen Jehovas erniedrigen’ (Jakobus 4:10).
17. Warum wird uns Liebe helfen, langmütig zu sein?
17 Besonders selbstlose Liebe ist uns eine Hilfe, langmütig zu sein. Ja, „die Liebe ist langmütig“, denn sie bewirkt, daß uns das Wohl anderer am Herzen liegt (1. Korinther 13:4). Liebe befähigt uns, Mitgefühl zu haben, uns in die Lage anderer zu versetzen. Die Liebe hilft uns außerdem deshalb, langmütig zu sein, weil sie ‘alles erträgt, alles glaubt, alles hofft und alles erduldet. Die Liebe versagt nie’ (1. Korinther 13:7, 8). Im Königreichslied 200 aus dem Buch Singt Jehova Loblieder heißt es:
„Liebe will das Gute sehn,
will loyal zum Bruder stehn.
Gütig hilft sie Schwachen auch,
macht von Einsicht stets Gebrauch.“
Mit Freuden langmütig sein?
18. Wie ist es möglich, mit Freuden langmütig zu sein?
18 Paulus betete darum, daß seine Glaubensbrüder in Kolossä mit der genauen Erkenntnis des Willens Gottes erfüllt würden, damit sie Jehovas würdig wandelten, ihm völlig gefielen und in jedem guten Werk Frucht trugen. So würden sie ‘gestärkt werden mit aller Kraft nach dem Maße seiner herrlichen Macht, um völlig auszuharren und mit Freuden langmütig zu sein’ (Kolosser 1:9-11). Wie kann man aber „mit Freuden langmütig“ sein? Das ist kein Widerspruch, denn wenn in der Bibel von Freude die Rede ist, ist damit nicht einfach Unbeschwertheit oder Fröhlichkeit gemeint. Freude als Frucht des Geistes schließt die tiefe Befriedigung ein, die man empfindet, wenn man in Gottes Augen das Rechte tut. Sie ist auch ein Ausdruck der Hoffnung, als Folge der bekundeten Langmut den verheißenen Lohn zu empfangen. Deshalb sagte Jesus: „Glücklich seid ihr, wenn man euch schmäht und euch verfolgt und lügnerisch allerlei Böses gegen euch redet um meinetwillen. Freut euch, und springt vor Freude, da euer Lohn groß ist in den Himmeln; denn ebenso verfolgte man vor euch die Propheten“ (Matthäus 5:11, 12).
19. Welche Beispiele zeigen, daß es möglich ist, sowohl langmütig als auch freudig zu sein?
19 Jesus verspürte eine solche Freude. Ja, „für die vor ihm liegende Freude erduldete er einen Marterpfahl, der Schande nicht achtend“ (Hebräer 12:2). Diese Freude befähigte Jesus, langmütig zu sein. Beachten wir auch, was geschah, als man die Apostel auspeitschte und ihnen befahl, „nicht mehr aufgrund des Namens Jesu zu reden“. Sie „gingen aus dem Sanhedrin hinweg, voll Freude, weil sie für würdig erachtet worden waren, um seines Namens willen in Unehre zu kommen. Und jeden Tag fuhren sie im Tempel und von Haus zu Haus ununterbrochen fort, zu lehren und die gute Botschaft über den Christus, Jesus, zu verkündigen“ (Apostelgeschichte 5:40-42). Welch ein vorzüglicher Beweis dafür, daß Christi Nachfolger mit Freuden langmütig sein können!
20. Wie kann es sich auf unser Verhältnis zu anderen auswirken, wenn wir Langmut bekunden?
20 Gottes Wort gibt uns mit Sicherheit einen weisen Rat, wenn es uns auffordert, keine Vergeltung zu üben, langsam zum Zorn zu sein und dabei das Beste zu erhoffen — Langmut zu bekunden. Diese Frucht des Geistes Gottes ist außer dem regelmäßigen Gebet unerläßlich, wenn wir mit unseren Brüdern und Schwestern in der Versammlung, mit unseren Familienangehörigen und mit Arbeitskollegen auskommen möchten sowie mit Menschen, die wir im christlichen Predigtdienst antreffen. Und was hilft uns wiederum, langmütig zu sein? Glaube, Hoffnung, Demut, Freude und Liebe. Ja, mit diesen Eigenschaften können wir gegen alle langmütig sein.
-