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MalawiJahrbuch der Zeugen Jehovas 1999
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Eine einzigartige Versammlung
Der Kleinlastwagen, den die Gesellschaft gebrauchte, war 1990 leider in einen Unfall mit einem Polizeifahrzeug verwickelt. Als die Polizei entdeckte, was sich im Lastwagen befand, wurden die beiden Brüder unverzüglich verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. Einer von ihnen war Lemon Kabwazi.
Gleich nach der Ankunft im Gefängnis von Chichiri bemerkte Bruder Kabwazi, daß sich die 10 Brüder, die hier schon länger festgehalten wurden, in einem bemitleidenswerten Zustand befanden. Langjährige Häftlinge stahlen alle Decken und gestatteten den Brüdern nicht, Zusammenkünfte abzuhalten. Bruder Kabwazi war sich bewußt, daß gehandelt werden mußte. Als seine Frau Chrissie ihn besuchte, bat er sie, einige von seinen Kleidungsstücken ins Gefängnis mitzubringen. Diese verteilte er unter die Brüder, damit sie sich ordentlich kleiden konnten. Die anderen Häftlinge waren beeindruckt. Bruder Kabwazi versuchte dann, sich mit den langjährigen Häftlingen anzufreunden, die sämtliche Decken unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Wie ging er vor? „Ich bat einen Bruder, mir 10 Kilogramm Zucker zu besorgen“, sagte Bruder Kabwazi. „Für ein Kilogramm Zucker konnte man eine Decke kaufen.“ Auf diese Weise „erkaufte“ er sich auch die Freundschaft der langjährigen Häftlinge, die dann nichts mehr dagegen hatten, daß Zusammenkünfte abgehalten wurden.
Jetzt wurden im Gefängnishof regelmäßig Zusammenkünfte durchgeführt, und bald konnte eine Versammlung gegründet werden. Wie lautete ihr Name? Versammlung Ecke — weil die Zusammenkünfte in einer Ecke des Gefängnishofs stattfanden. Nach einiger Zeit wurde die Versammlung Ecke regelmäßig von über 60 Personen besucht. Die 3 Ältesten und der eine Dienstamtgehilfe konnten gut für diese neue Versammlung Sorge tragen. Ihr Gebiet war auch sehr fruchtbar. Es war immer jemand „zu Hause“, mit dem man sprechen konnte. Von den 5 Personen, mit denen Bruder Kabwazi dort Bibelstudien durchführte, haben sich seitdem 2 taufen lassen.
„Gesunde“ Speise
Die Versammlung Ecke hatte allerdings ein Problem, nämlich die Veröffentlichungen, die in den Zusammenkünften verwendet wurden, in das Gefängnis hineinzubekommen. Bruder Kabwazi hatte auch dafür einen Plan. Er bat einen Bruder, der frisch aus dem Gefängnis entlassen worden war, mit einem Nahrungsmittelpaket zurückzukehren. Als die Gefängniswärter das Paket kontrollierten, sahen sie nichts außer Maniokwurzeln, ein beliebtes Grundnahrungsmittel in Malawi. Aber sie ahnten ja nicht, wie „nahrhaft“ und „gesund“ dieser Maniok war! Das Innere jeder Maniokwurzel war ausgehöhlt worden. In die Wurzeln waren zusammengerollte Miniaturzeitschriften sowie kleine Teile des Unterredungs-Buches und der Tagestextbroschüre gesteckt worden. Nach zwei Lieferungen dieser „gesunden“ Speise hatten die Brüder alles, was sie für den Gebrauch in ihren Zusammenkünften und bei Bibelstudien benötigten. Bruder Kabwazi erinnert sich, daß sie so viele Ausgaben der Miniaturzeitschriften hatten, daß sie in den 8 Monaten, die er im Gefängnis verbrachte, im Wachtturm-Studium keinen einzigen Artikel wiederholen mußten.
Erfreulicherweise existiert die Versammlung Ecke heute nicht mehr. Das Volk Jehovas in Malawi muß keine Zusammenkünfte hinter Gittern mehr abhalten.
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MalawiJahrbuch der Zeugen Jehovas 1999
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Ein anderer treuer Bruder, Samuel Dzaononga, ertrug wegen seiner neutralen Haltung 4 Gefängnisaufenthalte in Dzaleka. 1989 wurde er dann, nachdem er es wieder rundweg abgelehnt hatte, einen Parteiausweis zu kaufen, ein fünftes Mal verhaftet. Mitglieder des Jugendbundes brachten ihn auf die Polizeiwache in Salima. Wie überrascht sie waren, als der verantwortliche Beamte zu ihnen sagte: „Wenn ihr wollt, daß dieser Mann erneut ins Gefängnis kommt, solltet ihr euch darauf gefaßt machen, mit ihm zu gehen. Es wäre gut, wenn ihr wüßtet, was der Mann durchgemacht hat, ohne jemals einen Kompromiß hinsichtlich seines Glaubens einzugehen. Wollt ihr das?“ „Nein“, antworteten sie. Der Beamte fügte dann noch an: „In diesem Fall solltet ihr den Mann besser in sein Dorf zurückbringen und aufhören, ihn zu belästigen. Er wird niemals einen Kompromiß schließen, wenn es um seinen Glauben geht.“ So fuhr man Bruder Dzaononga zurück in sein Dorf.
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