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Den Kindern helfen, am Leben zu bleibenErwachet! 1988 | 22. September
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„Fehlernährung fordert zehnmal so viele Todesopfer wie eigentlicher Hunger“, sagt der Forscher William Chandler. „Zusammen mit diarrhöischer Dehydratation ist Fehlernährung weltweit die führende Todesursache.“ Oft beginnt die falsche Ernährung im Babyalter.
Muttermilch ist die ideale Nahrung für die meisten Säuglinge, weil sie alle notwendigen Nährstoffe enthält. Sie ist leicht verdaulich, stets frisch und hat immer die richtige Temperatur. Sie enthält Antikörper, die das Baby schützen und ihm helfen, Abwehrkräfte gegen Infektionen zu bilden. Durch das Stillen erhält das Baby auch die liebevolle Zuwendung, die für seine emotionelle Entwicklung entscheidend ist.
Da immer mehr Frauen berufstätig sind, nimmt das Stillen in vielen Entwicklungsländern jedoch ab. Afrikanische Babys werden oft mit Trockenmilchpräparaten gefüttert. Solche Präparate sind nahrhaft, wenn sie unter hygienischen Bedingungen richtig zubereitet werden. „In den armen Gegenden der Welt“, berichtete das Magazin Time, „ist dies aber manchmal unmöglich. Mütter rühren vielleicht unwissentlich Trockenmilch mit verunreinigtem Wasser an oder verdünnen sie zu sehr, um Geld zu sparen.“ Die Folgen können tödlich sein.
Queen aus Nigeria, eine Mutter von sieben Kindern, erzählt, daß ihre Kinder von den Krankenschwestern gleich an Flaschennahrung gewöhnt wurden. Sie fuhr zu Hause mit der Flaschennahrung fort. Doch sechs ihrer Kinder litten wiederholt schlimm an Durchfall, und eines wäre fast gestorben. Ihr Mann sagt: „Wir merkten, daß sich unser sechstes Kind durch das Füttern mit der Flasche eine Infektion zugezogen hatte. So hörten wir damit auf, und es erholte sich. Nun stillt Queen unser siebtes Kind in den ersten Monaten.“
Was lernen Mütter daraus? Sie sollten ihr Baby von Anfang an stillen und selbst auf eine ausgewogene Ernährung achten, damit sich gesunde Milch bildet. Ein zusätzlicher Vorteil des Stillens besteht darin, daß sich dadurch nach der Geburt das Einsetzen der Menstruation verzögert. Stillen wird daher als Empfängnisverhütung der Natur bezeichnet.
Richtig ernähren
Mitunter stillen afrikanische Frauen ihre Kinder allerdings bis zum 18. Lebensmonat, ohne etwas zuzufüttern. „Wenn die Kinder entwöhnt werden“, führt William Chandler aus, „erhalten sie oft Erwachsenennahrung, die sie nicht kauen oder verdauen können oder die nicht genügend Nährwert hat.“
Das UNICEF-Büro in der Côte-d’Ivoire (Elfenbeinküste) hat ein Poster herausgegeben, das Frauen auffordert: „Nach fünf Monaten mehr als die Brust“. Die Muttermilch sollte durch Obst, Getreideprodukte und Gemüse ergänzt werden — Nahrungsmittel, die gekocht und zerdrückt werden und somit weich genug sind, um von einem Kind gekaut und hinuntergeschluckt werden zu können. Ijeoma, eine nigerianische Mutter, gab ihren vier Kindern während der ersten vier Monate ausschließlich die Brust. Sie fuhr mit dem Stillen bis zum 12. Monat fort, ging dabei aber nach und nach zu Flaschennahrung über, zu Brei und Obstsäften. Bei der Zubereitung der Mahlzeiten achtete sie streng auf Hygiene. Die Folge? Ihre Kinder sind gesund aufgewachsen und hatten kaum Infektionen.
Während des Wachstums wird dem Kind eine ausgewogene Ernährung helfen, gesund zu bleiben. Nahrungsmittel, die nur aus Kohlehydraten bestehen, wie zum Beispiel Jamswurzel, Maniok oder polierter Reis, enthalten nicht genügend Nährstoffe. Der Körper braucht auch Proteine, Vitamine und Mineralien, die in Fleisch, Eiern, Milch, Bohnen, Getreide und verschiedenen Gemüsen und Früchten vorkommen.
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Den Kindern helfen, am Leben zu bleibenErwachet! 1988 | 22. September
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[Kasten auf Seite 5]
Symptome für Fehlernährung
◼ Mangel an Energie — Kind will nicht herumtoben
◼ Appetitlosigkeit — Kind verweigert Nahrungsaufnahme, ißt kaum
◼ Wachstumsverzögerung — Kind ist zu klein für sein Alter
◼ Abwehrschwäche — häufige Erkrankungen zufolge von unbedeutenden Infektionen
Ursachen für Fehlernährung
◼ Mangel an Lebensmitteln
◼ Genügend Lebensmittel, aber nicht die richtigen
◼ Zu stark verdünnte oder unhygienisch zubereitete Flaschennahrung
◼ Infektionen
◼ Darmparasiten, die Durchfall oder Erbrechen verursachen
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