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  • „Siehe! Jehovas Sklavin!“
    Ahmt ihren Glauben nach
    • Maria blickt verwundert

      KAPITEL SIEBZEHN

      „Siehe! Jehovas Sklavin!“

      1, 2. (a) Wie wurde Maria von einem Fremden gegrüßt? (b) Wieso bahnte sich für sie ein Wendepunkt an?

      MARIA blickte verwundert auf, als der Besucher das Haus betrat. Er fragte nicht nach ihrem Vater oder ihrer Mutter. Zu ihr wollte er! Aus Nazareth war er nicht. In ihrem kleinen Ort fielen Fremde sofort auf. Dieser Mann würde allerdings überall auffallen. Und wie merkwürdig er sie ansprach: „Guten Tag, du Hochbegünstigte, Jehova ist mit dir.“ (Lies Lukas 1:26-28.)

      2 Der Bibelbericht macht uns mit Maria bekannt, als sich in ihrem Leben ein großer Wendepunkt anbahnte. Sie war die Tochter des Heli aus Nazareth in Galiläa und ihr Verlobter war der Zimmermann Joseph — kein reicher Mann, aber ein Mensch mit tiefem Glauben. Die Weichen für ihre Zukunft schienen gestellt zu sein: ein einfaches, arbeitsreiches Leben an Josephs Seite. Sie würde ihn treu unterstützen und gemeinsam mit ihm Kinder großziehen. Doch nun stand plötzlich dieser Besucher vor ihr. Von Gott gesandt, übertrug er ihr eine verantwortungsvolle Aufgabe, die ihr ganzes Leben verändern würde.

      3, 4. Was müssen wir ignorieren, wenn wir uns ein genaues Bild von Maria machen möchten, und worauf müssen wir uns konzentrieren?

      3 Viele sind überrascht, wie wenig die Bibel über Maria sagt: kaum etwas über ihre Herkunft, noch weniger über ihre Persönlichkeit und gar nichts über ihr Aussehen. Doch das wenige, was wir erfahren, ist sehr aufschlussreich.

      4 Wenn wir uns ein genaues Bild von Maria machen möchten, müssen wir die vielen vorgefassten Meinungen hinter uns lassen, die in den verschiedenen Religionen über sie vertreten werden. Ignorieren wir also die zahllosen auf Leinwand, in Marmor oder Gips verewigten Darstellungen von ihr. Ignorieren wir auch die komplizierten Auffassungen und Dogmen, von denen erhabene Titel wie „Mutter Gottes“ und „Himmelskönigin“ herrühren. Konzentrieren wir uns stattdessen auf das, was die Bibel tatsächlich über diese demütige Frau sagt. So lernen wir sie als überaus wertvolles Glaubensvorbild kennen.

      Besuch von einem Engel

      5. (a) Was lässt Marias Reaktion auf Gabriels Gruß erkennen? (b) Welche wichtige Wahrheit hatte Maria verstanden?

      5 Marias Besucher war nicht irgendein Mensch, sondern der Engel Gabriel. Als er sie „Hochbegünstigte“ nannte, wunderte sie sich über diese ungewöhnliche Anrede und war „tief beunruhigt“ (Luk. 1:29). Hochbegünstigt von wem? Von Menschen erwartete sie keine besondere Gunst. Der Engel sprach allerdings von der Gunst Jehovas, und die war ihr sehr wichtig. Doch Maria war nicht so stolz, einfach davon auszugehen, dass Gott Gefallen an ihr fand. Wenn wir uns um Gottes Gunst bemühen und uns nicht anmaßen, sie ohnehin schon zu besitzen, wird uns eine bedeutende Wahrheit klar, die Maria bereits verstanden hatte: Gott widersteht den Hochmütigen, aber er liebt und unterstützt die Demütigen (Jak. 4:6).

      Maria war nicht so stolz, einfach davon auszugehen, dass Gott Gefallen an ihr fand

      6. Was für ein Vorrecht wartete auf Maria?

      6 Demut würde Maria brauchen, denn nach den Worten des Engels wartete auf sie ein unvergleichliches Vorrecht. Sie sollte ein Kind zur Welt bringen, das der bedeutendste Mensch aller Zeiten werden würde. Gabriel sagte: „Jehova Gott wird ihm den Thron Davids, seines Vaters, geben, und er wird für immer als König über das Haus Jakob regieren, und sein Königreich wird kein Ende haben“ (Luk. 1:32, 33). Maria kannte sicher die Verheißung, die David mehr als tausend Jahre zuvor erhalten hatte, nämlich dass einer seiner Nachkommen für immer herrschen sollte (2. Sam. 7:12, 13). Ihr Sohn würde also der Messias sein, auf den Gottes Volk seit Jahrhunderten wartete!

      Der Engel Gabriel spricht mit Maria

      Nach den Worten des Engels Gabriel wartete auf Maria ein unvergleichliches Vorrecht

      7. (a) Welche Schlussfolgerung kann man aus Marias Frage ziehen? (b) Wie können sich Jugendliche Maria zum Vorbild nehmen?

      7 Das war aber nicht alles. Ihr Sohn würde zudem „Sohn des Höchsten genannt werden“. Wie konnte eine Frau aus Fleisch und Blut den Sohn Gottes gebären? Wie sollte Maria überhaupt einen Sohn bekommen? Sie war zwar mit Joseph verlobt, aber noch nicht verheiratet. Maria sprach diese Frage ganz offen an: „Wie soll dies sein, da ich keinen ehelichen Verkehr mit einem Mann habe?“ (Luk. 1:34). Beachtenswert ist, dass sie ohne jede Scham über ihre Jungfräulichkeit sprach. Sie war sogar stolz darauf. Heute können es viele Jugendliche kaum erwarten, ihre Jungfräulichkeit zu verlieren, und spotten gern über jeden, der anders denkt. Die Welt hat sich ganz offensichtlich geändert, Jehova dagegen nicht (Mal. 3:6). Wie in den Tagen Marias schätzt er jeden, der sich an seine Moralgesetze hält. (Lies Hebräer 13:4.)

      8. Wie konnte Maria trotz ihrer Unvollkommenheit ein vollkommenes Kind gebären?

      8 Maria war eine treue Dienerin Gottes, aber trotzdem unvollkommen. Wie konnte sie da ein vollkommenes Kind gebären, den Sohn Gottes? Gabriel erklärte: „Heiliger Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Darum wird auch das Geborene heilig, Gottes Sohn, genannt werden“ (Luk. 1:35). Heilig bedeutet „rein“. Die Menschen befinden sich in einem Zustand der Unreinheit und Sünde, den sie an ihre Nachkommen weitergeben, doch in diesem Fall sollte Jehova ein einzigartiges Wunder wirken. Er würde das Leben seines Sohnes aus dem Himmel in den Mutterleib Marias übertragen. Seine wirksame Kraft, der heilige Geist, würde Maria „überschatten“ und so das Kind gegen jede Spur der Sünde abschirmen. Glaubte Maria, was der Engel ihr versprach? Was antwortete sie?

      Was Maria Gabriel antwortete

      9. (a) Welche Tatsache entgeht Skeptikern, die den Bericht über Maria anzweifeln? (b) Wie stärkte Gabriel Marias Glauben?

      9 Skeptiker, darunter auch christliche Theologen, tun sich schwer, an eine Jungfrauengeburt zu glauben. Trotz ihrer Bildung entgeht ihnen eine einfache Tatsache, die Gabriel äußerte: „Bei Gott wird keine Erklärung etwas Unmögliches sein“ (Luk. 1:37). Maria zweifelte nicht daran, denn sie hatte einen starken Glauben. Sie war jedoch nicht leichtgläubig, sondern brauchte wie jeder vernünftig denkende Mensch Beweise als Fundament für ihren Glauben. Und Gabriel war darauf vorbereitet, dieses Fundament zu stärken. Er erzählte ihr von ihrer nicht mehr jungen Verwandten Elisabeth, die schon lange als unfruchtbar galt. Sie war durch ein Wunder schwanger geworden.

      10. Warum hatte Maria bestimmt mit Ängsten und Schwierigkeiten zu kämpfen?

      10 Maria wusste nun, welche Aufgabe auf sie zukam, und hatte guten Grund, zu glauben, dass Gott alles tun würde, was Gabriel gesagt hatte. Dennoch hatte sie bestimmt mit Ängsten und Schwierigkeiten zu kämpfen. Da war einmal ihre Verlobung. Würde Joseph sie überhaupt noch heiraten wollen, wenn er von ihrer Schwangerschaft erfuhr? Außerdem konnte die Aufgabe an sich schon Ängste auslösen: Maria sollte das Leben von Gottes kostbarstem Geschöpf in sich tragen — seinen eigenen geliebten Sohn! Sie müsste für ihn sorgen, solange er klein und hilflos war, und ihn in einer bösen Welt beschützen. Wahrhaftig keine leichte Aufgabe!

      11, 12. (a) Wie haben sogar gestandene Glaubensmänner reagiert, wenn Gott ihnen schwierige Aufgaben übertrug? (b) Was ließ Marias Antwort erkennen?

      11 Wie die Bibel zeigt, zögerten sogar gestandene Glaubensmänner, schwierige Aufgaben anzunehmen, die Gott ihnen übertrug. Moses wandte ein, er könne nicht gut genug reden, um Gottes Sprecher zu sein (2. Mo. 4:10). Jeremia meinte, er sei doch „nur ein Knabe“, viel zu jung für seinen Auftrag (Jer. 1:6). Jona lief davon (Jona 1:3). Und Maria?

      12 Ihre schlichten, einfachen Worte, die von Demut und Gehorsam zeugen, berühren jeden tiefgläubigen Menschen. „Siehe! Jehovas Sklavin!“, sagte sie zu Gabriel. „Mir geschehe nach deiner Erklärung“ (Luk. 1:38). Eine Sklavin war die niedrigste Dienerin. Sie war ganz und gar auf ihren Herrn angewiesen. Genauso empfand Maria gegenüber ihrem Herrn, Jehova. Sie wusste, dass er für sie sorgte, dass er mit Loyalgesinnten loyal handelte und dass er sie segnen würde, wenn sie bei dieser schwierigen Aufgabe ihr Bestes gab (Ps. 18:25).

      Maria wusste, dass ihr loyaler Gott Jehova für sie sorgte

      13. Wie können wir uns Maria zum Vorbild nehmen, wenn Gott etwas von uns erwartet, was uns schwierig oder gar unmöglich erscheint?

      13 Auch von uns erwartet Gott manchmal etwas, was uns schwierig oder gar unmöglich erscheint. Doch die Bibel liefert uns ausreichend Gründe, auf ihn zu vertrauen und uns wie Maria ganz in seine Hand zu geben (Spr. 3:5, 6). Sind wir dazu bereit? Wenn ja, werden wir mit Erfahrungen belohnt, die unseren Glauben noch weiter vertiefen.

      Zu Besuch bei Elisabeth

      14, 15. (a) Was tat Jehova für Maria, als sie Elisabeth und Sacharja besuchte? (b) Was verraten Marias Worte aus Lukas 1:46-55 über sie?

      14 Was Gabriel von Elisabeth berichtete, bedeutete Maria viel. Wer könnte ihre Situation besser verstehen als sie? Unverzüglich brach Maria in die Berggegend von Juda auf. Nach drei bis vier Tagen erreichte sie das Haus von Elisabeth und ihrem Mann, dem Priester Sacharja. Als sie eintrat, erhielt sie von Jehova einen weiteren deutlichen Beweis, der ihr Vertrauen stärkte. Sobald Elisabeth Marias Gruß hörte, spürte sie, wie das Kind in ihrem Leib vor Freude hüpfte. Sie wurde mit heiligem Geist erfüllt und bezeichnete Maria als „die Mutter meines Herrn“. Gott hatte ihr geoffenbart, dass Marias Sohn ihr Herr werden würde, der Messias. Unter dem Einfluss des heiligen Geistes lobte sie Maria außerdem für ihre Ergebenheit: „Glücklich ist auch die, die geglaubt hat“ (Luk. 1:39-45). Alles, was Jehova Maria verheißen hatte, würde sich bewahrheiten!

      Maria besucht Elisabeth

      Maria und Elisabeth fühlten sich durch ihre Freundschaft sehr gesegnet

      15 Was Maria darauf erwiderte, wurde in Gottes Wort sorgfältig festgehalten. (Lies Lukas 1:46-55.) Es ist die mit Abstand längste Äußerung Marias in der Bibel und verrät uns viel über sie. Voller Dankbarkeit und Wertschätzung preist sie Jehova dafür, dass er sie zur Mutter des Messias erwählt hat. Und voller Glauben erklärt sie, dass Jehova Hochmütige und Mächtige erniedrigt, aber Niedrigen und Armen, die ihm dienen möchten, zur Seite steht. Wir sehen auch, wie gut sie Gottes Wort kannte. Nach einer Schätzung bezog sie sich über 20 Mal auf die Hebräischen Schriften.a

      16, 17. (a) Welche Einstellung Marias und ihres Sohnes sollten wir uns zum Vorbild nehmen? (b) Was führt uns Marias Besuch bei Elisabeth vor Augen?

      16 Maria war mit Gottes Wort offensichtlich gut vertraut. Dennoch blieb sie demütig und ließ lieber die heiligen Schriften sprechen, als eigene Gedanken zu äußern. Der Sohn, der in ihrem Mutterleib heranwuchs, würde genauso eingestellt sein. Er sagte später: „Was ich lehre, ist nicht mein, sondern gehört dem, der mich gesandt hat“ (Joh. 7:16). Fragen wir uns doch einmal: Habe ich genauso viel Achtung und Ehrfurcht vor Gottes Wort? Oder sind mir meine eigenen Vorstellungen und Auslegungen wichtiger? Maria hat es richtig gemacht.

      17 Sie blieb ungefähr drei Monate bei Elisabeth, und die beiden Frauen machten sich in dieser Zeit bestimmt gegenseitig viel Mut (Luk. 1:56). Der bewegende Bericht über diesen Besuch führt uns vor Augen, wie wichtig Freundschaften sind. Wenn wir uns Freunde suchen, die Jehova wirklich lieben, werden wir im Glauben wachsen und ihm immer näher kommen (Spr. 13:20). Schließlich musste Maria nach Hause zurückkehren. Wie würde Joseph wohl auf ihre Schwangerschaft reagieren?

      Maria und Joseph

      18. Wie weihte Maria Joseph ein, und wie nahm er es auf?

      18 Maria wartete sicherlich nicht, bis ihre Schwangerschaft offensichtlich wurde. Sie musste Joseph möglichst bald einweihen. Doch vorher hat sie sich bestimmt gefragt, wie dieser gottesfürchtige, anständige Mann das wohl aufnehmen würde. Auf jeden Fall ging sie zu ihm und berichtete ihm alles, was sie erlebt hatte. Joseph war bestimmt tief besorgt. Er wollte ihr gern glauben, aber es sah einfach so aus, als wäre sie ihm nicht treu geblieben. Die Bibel sagt nicht, was ihm durch den Kopf ging und welche Schlussfolgerungen er zog. Nur so viel, dass er sich scheiden lassen wollte. Verlobte galten damals nämlich als so gut wie verheiratet. Er wollte sie allerdings nicht der öffentlichen Schande aussetzen oder einen Skandal verursachen und entschied daher, sich heimlich scheiden zu lassen (Mat. 1:18, 19). Es muss Maria geschmerzt haben, wie ihr lieber Joseph unter dieser höchst ungewöhnlichen Situation litt. Doch sie ließ sich nicht verbittern.

      19. Wie half Jehova Joseph, das Richtige zu tun?

      19 Jehova half Joseph liebevoll, das Richtige zu tun. Gottes Engel versicherte ihm in einem Traum, dass Maria tatsächlich durch ein Wunder schwanger geworden war. Wie ihn das erleichtert haben muss! Joseph tat nun das, was Maria von Anfang an getan hatte — er folgte der Anleitung Jehovas. Er heiratete Maria und stellte sich auf die einzigartige Verantwortung ein, für den Sohn Jehovas zu sorgen (Mat. 1:20-24).

      20, 21. Was können Verheiratete und alle, die gern heiraten möchten, von Maria und Joseph lernen?

      20 Verheiratete — und alle, die gern heiraten möchten — können von diesem jungen Paar, das vor 2 000 Jahren lebte, viel lernen. Als Joseph sah, wie fürsorglich und gewissenhaft sich seine Frau um das Kind kümmerte, war er mit Sicherheit froh, auf Jehovas Engel gehört zu haben. Joseph muss klar geworden sein, wie wertvoll es ist, sich bei wichtigen Entscheidungen auf Jehova zu stützen (Ps. 37:5; Spr. 18:13). Als Ehemann und Vater blieb er in seinen Entscheidungen zweifellos stets umsichtig und rücksichtsvoll.

      21 Was können wir davon ableiten, dass Maria an ihrem Entschluss festhielt, Joseph zu heiraten? Obwohl ihre Geschichte ihm zunächst offenbar rätselhaft erschien, wartete sie ab, wie er weiter entscheiden würde, denn er war ja das künftige Familienoberhaupt. Sie lernte dadurch etwas Wertvolles und gab Christinnen von heute ein gutes Beispiel. Und bestimmt haben beide, Joseph und Maria, durch dieses Geschehen viel über den Wert ehrlicher, offener Kommunikation erfahren. (Lies Sprüche 15:22.)

      22. Auf was für ein Fundament stellten Joseph und Maria ihre Ehe, und was stand ihnen bevor?

      22 Das junge Paar stellte seine Ehe auf das bestmögliche Fundament: Beide liebten Jehova über alles und wollten ihm als verantwortungsbewusste, fürsorgliche Eltern ihr Bestes geben. Es warteten zwar noch erhebliche Probleme auf sie, aber auch große Segnungen: Sie durften Jesus großziehen — den größten Menschen, der je lebte.

      a Offensichtlich zitierte Maria auch Worte der treuen Hanna, die ebenfalls von Jehova mit einem Kind gesegnet worden war. (Siehe den Kasten „Zwei außergewöhnliche Gebete“ in Kapitel 6.)

  • „Sie zog Folgerungen in ihrem Herzen“
    Ahmt ihren Glauben nach
    • Maria

      KAPITEL ACHTZEHN

      „Sie zog Folgerungen in ihrem Herzen“

      1, 2. Beschreibe Marias Reise und warum sie mühsam war.

      MARIA balancierte mühsam ihr Körpergewicht auf dem Rücken des Esels. Der Ritt dauerte nun schon Stunden. Mit stetem Schritt ging Joseph auf dem langen Weg nach Bethlehem voran. Und schon wieder spürte Maria, wie sich das Kind bewegte.

      2 Nicht mehr lange, und es würde zur Welt kommen. Wie die Bibel sagt, war Maria zu der Zeit nämlich „hochschwanger“ (Luk. 2:5). Als das Paar an den Feldern entlangzog, schauten wahrscheinlich einige Bauern, die dort pflügten oder säten, auf und fragten sich, warum eine Frau in diesem Zustand eine solche Reise auf sich nahm. Was hatte Maria hierhergeführt — so weit weg von ihrem Zuhause in Nazareth?

      3. Welche Aufgabe hatte Maria erhalten, und was werden wir über sie erfahren?

      3 Monate zuvor hatte diese junge Jüdin eine Aufgabe erhalten, die in der Menschheitsgeschichte einmalig war: Sie sollte den künftigen Messias zur Welt bringen, den Sohn Gottes (Luk. 1:35). Als die Zeit der Geburt schon ziemlich nahe war, mussten Joseph und sie sich plötzlich auf die Reise machen. Dabei wurde Marias Glaube mehr als einmal auf die Probe gestellt. Was half ihr stark zu bleiben?

      Die Reise nach Bethlehem

      4, 5. (a) Warum waren Joseph und Maria nach Bethlehem unterwegs? (b) Welche Prophezeiung erfüllte sich durch den Erlass Cäsars?

      4 Joseph und Maria waren nicht die Einzigen, die unterwegs waren. Cäsar Augustus hatte eine Einschreibung in Judäa angeordnet und deshalb mussten die Leute an ihren Geburtsort reisen. Lukas berichtet, wie Joseph auf diesen Erlass reagierte: „Natürlich ging auch Joseph von Galiläa aus der Stadt Nazareth nach Judäa zur Stadt Davids hinauf, die Bethlehem genannt wird, weil er aus dem Hause und der Familie Davids stammte“ (Luk. 2:1-4).

      5 Es war kein Zufall, dass der Erlass zu dieser Zeit herausgegeben wurde. In einer Prophezeiung, die rund 700 Jahre vorher aufgeschrieben worden war, hieß es, der Messias würde in Bethlehem geboren werden. Nur 11 Kilometer von Nazareth entfernt gab es zwar eine Stadt mit Namen Bethlehem. In der Prophezeiung wurde aber ausdrücklich gesagt, der Messias würde aus „Bethlehem-Ephratha“ kommen. (Lies Micha 5:2.) Von Nazareth bis zu diesem kleinen Dorf ging es via Samaria ungefähr 130 Kilometer über Berg und Tal. In diesem Bethlehem musste sich Joseph melden, denn es war die Heimat der Familie König Davids, aus der sowohl Joseph als auch Maria stammten.

      6, 7. (a) Warum könnte es Maria schwergefallen sein, nach Bethlehem zu reisen? (b) Wie wirkte es sich auf Marias Entscheidungen aus, dass sie mit Joseph verheiratet war? (Dazu auch die Fußnote.)

      6 Würde Maria die Entscheidung Josephs unterstützen? Immerhin wäre die Reise für sie beschwerlich. Da es wahrscheinlich Frühherbst war und die Trockenzeit dem Ende entgegenging, konnte es zu leichten Regenfällen kommen. Die Bibel sagt auch ganz präzise, dass sie von Galiläa aus gesehen „hinaufgingen“, denn mit etwa 800 Metern lag Bethlehem verhältnismäßig hoch. Die mehrtägige Reise würde gegen Ende noch einmal sehr anstrengend werden. Vermutlich würden sie auch länger unterwegs sein als üblich, denn Maria musste sich in ihrem Zustand bestimmt öfter ausruhen. So kurz vor der Geburt wäre sie sicher gern bei ihrer Familie und ihren Freunden gewesen, damit ihr beim Einsetzen der Wehen sofort jemand zu Hilfe kommen könnte. Die Reise erforderte zweifellos Mut.

      Maria und Joseph reisen nach Bethlehem

      Die Reise nach Bethlehem war beschwerlich

      7 Von Lukas erfahren wir, dass Joseph nach Judäa ging, „um sich mit Maria einschreiben zu lassen“. Außerdem erwähnt er, dass sie Joseph, „wie versprochen, zur Ehe gegeben“ worden war (Luk. 2:4, 5). Als seine Frau entschied Maria jetzt ganz anders als früher. Sie betrachtete ihren Mann als Haupt und erfüllte die ihr von Gott übertragene Rolle als Gehilfin, indem sie seine Entscheidungen mittrug.a In dieser Situation, die ihren Glauben auf die Probe gestellt haben konnte, hörte sie einfach auf ihren Mann.

      8. (a) Was könnte Maria noch bewogen haben, Joseph nach Bethlehem zu begleiten? (b) Wieso ist Maria für uns alle ein leuchtendes Vorbild?

      8 Was hat Maria wohl noch bewogen, auf Joseph zu hören? Kannte sie die Prophezeiung über Bethlehem als Geburtsort des Messias? Die Bibel sagt darüber nichts. Auszuschließen ist es jedoch nicht, denn offensichtlich war diese Prophezeiung den religiösen Führern und auch dem Volk bekannt (Mat. 2:1-7; Joh. 7:40-42). Maria war in den Schriften jedenfalls gut bewandert (Luk. 1:46-55). Ob sich Maria nun für die Reise entschied, weil sie auf ihren Mann hörte, wegen des Erlasses, wegen der Prophezeiung Jehovas oder weil mehrere Faktoren zusammenspielten: Sie gab jedenfalls ein großartiges Beispiel. Jehova schätzt demütige und gehorsame Frauen und Männer sehr. Heute, wo es alles andere als populär ist, sich jemandem unterzuordnen, ist Maria für uns alle ein leuchtendes Vorbild.

      Christi Geburt

      9, 10. (a) Worüber dachten Joseph und Maria vielleicht nach, als sie sich Bethlehem näherten? (b) Wo übernachteten Joseph und Maria, und warum?

      9 Maria muss erleichtert aufgeatmet haben, als sie Bethlehem von Weitem sah. Während die beiden an den Olivenhainen vorbei zum Dorf hinaufzogen — Oliven gehörten zu den letzten Früchten des Erntejahres —, dachten sie wahrscheinlich über die Geschichte der kleinen Ortschaft nach. Wie der Prophet Micha geschrieben hatte, war Bethlehem zu klein, um zu den Städten Judas gezählt werden zu können. Doch es war der Geburtsort von Boas, Noomi und später David, die über tausend Jahre vorher gelebt hatten.

      10 Als Maria und Joseph ankamen, wimmelte das Dorf von Menschen. Andere waren schon vor ihnen zur Einschreibung eingetroffen und in der Herberge war kein Platz mehr für sie.b Sie hatten also keine andere Wahl, als die Nacht in einem Stall zuzubringen. Man kann sich gut vorstellen, wie besorgt Joseph war, als bei seiner Frau ausgerechnet hier die Geburtswehen einsetzten.

      11. (a) Warum können Frauen in aller Welt mit Maria mitfühlen? (b) In welchem Sinne war Jesus ein „Erstgeborener“?

      11 Frauen in aller Welt können mit Maria mitfühlen. Jehova hatte etwa 4 000 Jahre zuvor zu Adams Frau gesagt, sie werde unter Schmerzen Kinder gebären (1. Mo. 3:16). Wegen der Erbsünde trifft dies seither auf Frauen allgemein zu. Nichts deutet darauf hin, dass es Maria anders erging. Mit Rücksicht auf die Privatsphäre Marias schließt Lukas vor der eigentlichen Geburtsszene diskret den Vorhang und sagt einfach: „Sie gebar ihren Sohn, den erstgeborenen“ (Luk. 2:7). Jetzt war ihr Erstgeborener also da — das erste ihrer mindestens sieben Kinder (Mar. 6:3). Er würde sich jedoch von allen anderen unterscheiden. Jesus war nicht nur Marias Erstgeborener, sondern auch „der Erstgeborene aller Schöpfung“, Jehovas einziggezeugter Sohn (Kol. 1:15).

      12. Wohin legte Maria das Baby, und wie unterschied sich die Realität von den bekannten Krippendarstellungen?

      12 An dieser Stelle erscheint in dem Bericht ein allseits bekanntes Detail: Maria „band ihn in Wickelbänder ein und legte ihn in eine Krippe“ (Luk. 2:7). Diese Szene wird in Krippenspielen und auf Gemälden meist romantisiert. Aber wie sah die Wirklichkeit aus? Eine Krippe ist ein Futtertrog für das Vieh. Außerdem sind Ställe nicht gerade für gute Luft und Hygiene bekannt — weder damals noch heute. Welche Eltern würden sich für die Geburt ihres Kindes schon so einen Ort aussuchen? In der Regel wollen Eltern für ihre Kinder das Beste. Wie viel mehr Maria und Joseph, wo es doch um Gottes Sohn ging! Aber sie hatten keine andere Wahl.

      13. (a) Wie machten Maria und Joseph das Beste aus ihrer Lage? (b) Was sollte Eltern am wichtigsten sein, wie es bei Joseph und Maria der Fall war?

      13 Sie ließen sich jedoch nicht durch ihre begrenzten Möglichkeiten verbittern, sondern machten aus ihrer Lage einfach das Beste. So sorgte Maria beispielsweise selbst für das Baby, wickelte es liebevoll in Wickelbänder und legte es vorsichtig zum Schlafen in die Krippe, sodass es sich warm und geborgen fühlte. Sie ließ es nicht so weit kommen, dass die Sorge über ihre momentane Situation sie daran hinderte, so gut wie nur möglich für ihr Kind zu sorgen. Joseph und Maria wussten zudem, dass es am wichtigsten sein würde, seine geistigen Bedürfnisse zu stillen. (Lies 5. Mose 6:6-8.) Das sollte auch für Eltern, die in der geistig verarmten Welt von heute Kinder großziehen, Vorrang haben.

      Ein Besuch, der Mut machte

      14, 15. (a) Warum wollten die Hirten unbedingt das Kind sehen? (b) Wie reagierten die Hirten auf das, was sie in dem Stall gesehen hatten?

      14 Plötzlich wurde die friedliche Atmosphäre unterbrochen. Hirten liefen ganz aufgeregt und freudestrahlend in den Stall, um die Familie und vor allem das Kind zu sehen. Sie waren von den Hügeln herbeigeeilt, wo sie im Freien bei ihren Schafen lebten, und erzählten nun den erstaunten Eltern, was sie gerade Wunderbares erlebt hatten.c Als sie bei ihren Herden Wache hielten, war ihnen auf einmal ein Engel erschienen. Jehovas Herrlichkeit erleuchtete die Nacht, und der Engel sagte ihnen, dass in Bethlehem gerade der Christus, der Messias, geboren worden war. Sie würden das Kind dort in Wickelbändern in einer Krippe finden. Und dann hatten sie etwas noch Aufregenderes gesehen — eine große Schar Engel, die Jehova priesen (Luk. 2:8-14).

      15 Kein Wunder, dass diese demütigen Männer sofort nach Bethlehem eilten! Wie begeistert müssen sie gewesen sein, als sie alles genau so vorfanden, wie der Engel es ihnen beschrieben hatte. Sie behielten diese gute Nachricht nicht für sich, sondern machten „das Wort bekannt . . . Und alle, die es hörten, verwunderten sich über die Dinge, die ihnen von den Hirten erzählt wurden“ (Luk. 2:17, 18). Die religiösen Führer von damals blickten offensichtlich auf Hirten herab, doch für Jehova waren diese einfachen, ihm treu ergebenen Männer wertvoll. Wie berührte ihr Besuch Maria?

      Für Jehova waren die einfachen, ihm treu ergebenen Hirten wertvoll

      16. Woran sieht man, dass Maria tief nachdachte, und was war eine der Grundlagen ihres Glaubens?

      16 Obwohl sie nach der Geburt völlig erschöpft gewesen sein muss, verfolgte sie aufmerksam jedes Wort. Und nicht nur das: „Maria begann alle diese Worte zu bewahren, indem sie Folgerungen zog in ihrem Herzen“ (Luk. 2:19). Maria war eine junge Frau, die wirklich tief nachdachte. Sie wusste, dass die Botschaft des Engels äußerst wichtig war. Ihr Gott Jehova wollte, dass sie verstand, wer ihr Sohn war und welche Bedeutung er haben würde. Sie hörte nicht nur zu, sondern hütete die Worte wie einen Schatz in ihrem Herzen. So könnte sie in den kommenden Monaten und Jahren immer wieder darüber nachdenken. Hier erkennen wir eine der Grundlagen des Glaubens, der Maria ihr Leben lang auszeichnete. (Lies Hebräer 11:1.)

      Maria hält Jesus in den Armen und hört zusammen mit Joseph den Hirten zu, die sie im Stall besuchen

      Maria hörte den Hirten aufmerksam zu und bewahrte deren Worte im Herzen

      17. Wie können wir dem Beispiel Marias folgen, wenn es um biblische Grundsätze geht?

      17 Wie können wir Marias Beispiel folgen? Jehova hat in der Bibel viele lebenswichtige Grundsätze aufschreiben lassen. Sie nützen uns aber nur etwas, wenn wir sie beachten. Dazu müssen wir regelmäßig in der Bibel lesen — doch nicht aus rein literarischem Interesse, sondern weil sie das Wort Gottes ist (2. Tim. 3:16). Auch müssen wir wie Maria die Aussprüche Gottes im Herzen bewahren und Folgerungen ziehen. Wenn wir über das, was wir in der Bibel lesen, tief nachdenken und dabei überlegen, wie wir Jehovas Rat noch besser befolgen können, nähren wir unseren Glauben so, dass er weiter wachsen kann.

      Weitere Aussprüche, die sie bewahrte

      18. (a) Wie befolgten Maria und Joseph das Gesetz, als Jesus klein war? (b) Was verriet das Opfer, das Maria und Joseph im Tempel darbrachten, über ihre finanzielle Lage?

      18 Maria und Joseph ließen ihr Kind getreu dem Gesetz Mose am 8. Tag beschneiden und gaben ihm, wie geboten, den Namen Jesus (Luk. 1:31). Am 40. Tag nahmen sie es dann mit zum Tempel ins etwa 10 Kilometer entfernte Jerusalem. Dort brachten sie die Reinigungsopfer dar, die für Ärmere vorgesehen waren: zwei Turteltauben oder zwei junge Tauben. Ob sie sich wohl schämten, dass sie wegen ihrer Armut nicht wie andere Eltern einen Widder und eine Turteltaube opfern konnten? Falls ja, überwanden sie dieses Gefühl. Durch den Besuch im Tempel wurden sie auf jeden Fall sehr gestärkt (Luk. 2:21-24).

      19. (a) Was bewahrte Maria noch in ihrem Herzen? (b) Wie reagierte Anna, als sie Jesus sah?

      19 Dort ging ein betagter Mann namens Simeon auf sie zu. Auch seine Aussprüche bewahrte Maria in ihrem Herzen. Ihm war verheißen worden, er werde noch vor seinem Tod den Messias sehen, und nun erfuhr er durch Jehovas heiligen Geist, dass der kleine Jesus der vorausgesagte Erlöser war. Simeon kündigte Maria auch großen Kummer an. Sie würde sich wie von einem langen Schwert durchbohrt fühlen (Luk. 2:25-35). So bedrohlich das auch klang, gaben ihr diese Worte wahrscheinlich inneren Halt, als es nach drei Jahrzehnten tatsächlich so kam. Nach Simeon sah auch die Prophetin Anna den kleinen Jesus. Sofort erzählte sie jedem, der sehnsüchtig auf die Befreiung Jerusalems wartete, von dem Kind. (Lies Lukas 2:36-38.)

      Anna beobachtet, wie Simeon mit Maria und Joseph im Tempel zusammensteht und den kleinen Jesus im Arm hält

      Maria und Joseph wurden in Jehovas Tempel in Jerusalem sehr gestärkt

      20. Warum war es eine gute Entscheidung, Jesus zum Tempel zu bringen?

      20 Es war eine gute Entscheidung, das Baby zum Tempel Jehovas in Jerusalem zu bringen. Dadurch führten Joseph und Maria ihren Sohn auf einen Lebensweg, zu dem der treue Besuch des Tempels gehörte. Sie opferten Jehova dort alles, was ihnen möglich war, und wurden selbst angeleitet und gestärkt. Maria ging zweifellos mit einem Herzen voller wertvoller Aussprüche Gottes nach Hause, über die sie nachdenken und mit anderen reden konnte.

      21. Wodurch wird wie bei Maria unser Glaube immer stärker?

      21 Wie schön, dass Eltern heute diesem Beispiel folgen und ihre Kinder regelmäßig mit zu den Zusammenkünften nehmen. Solche Eltern haben so manches liebe Wort für ihre Brüder und Schwestern und geben so ihr Bestes. Sie werden auch selbst gestärkt, gehen zufriedener nach Hause und haben viel Gutes zu erzählen. Was für ein wunderbarer gegenseitiger Austausch! Durch diese Gemeinschaft wachsen wir immer weiter im Glauben — wie Maria.

      a Interessant ist, wie sich dieser Bericht von der Beschreibung einer früheren Reise unterscheidet. Damals „machte sich Maria auf“ und besuchte Elisabeth (Luk. 1:39). Maria war zu der Zeit noch nicht verheiratet, sondern erst verlobt. Vielleicht ging sie einfach los, ohne Joseph zu fragen. Bei der gemeinsamen Reise nach ihrer Heirat wird die Initiative jedoch Joseph zugeschrieben, nicht Maria.

      b Damals gab es in den Orten für Reisende und durchziehende Karawanen meist eine gemeinschaftliche Übernachtungsstätte.

      c Dass die Hirten damals mit ihren Herden im Freien lebten, bestätigt, worauf die biblische Chronologie hindeutet. Danach wurde Christus nicht im Dezember geboren — einer Zeit, in der sich die Herden normalerweise näher beim Haus befanden —, sondern irgendwann Anfang Oktober.

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