Wichtiger als Besitz
AM 28. Dezember vergangenen Jahres heirateten Jess und Linda Shull in Petaluma (Kalifornien) und machten kurz darauf ihre Hochzeitsreise nach Nevada. Sie hatten vor, nach ihrer Rückkehr in ein zweigeschossiges neues Haus zu ziehen.
„Ich habe es ganz allein gebaut“, erklärte Jess. „Ich wußte, daß wir bald heiraten würden, und so strengte ich mich an, das Haus so zu bauen, wie es unseren Vorstellungen entsprach.“ Kurz bevor sie auf Hochzeitsreise gingen, brachten sie einen Großteil von Lindas Sachen in ihr neues Zuhause in Lost Wells Butte, einer ländlichen Gegend nordwestlich von Riverton (Wyoming).
Am Freitag, den 3. Januar, während sie in Nevada waren, fing ihr neues Haus Feuer. „Niemand konnte uns erreichen“, sagte Linda. „Aber darüber bin ich auch ganz froh. Unsere Flitterwochen wären sonst verdorben gewesen.“
Ein starker Wind in der Gegend trug anscheinend dazu bei, daß der Brand ausbrach. An dem Haus, an dem Jess über drei Jahre gebaut hatte, war großer Schaden entstanden. Und was am schlimmsten war: Es war nicht gegen Feuer versichert.
Die Zeitung The Riverton Ranger vom 14. Januar berichtete auf der Titelseite, was geschah, als die freiwillige Feuerwehr wieder weg war. „Eine andere Gruppe, etwa so viele Leute wie von der Feuerwehr, kam nach Lost Wells Butte. ... Das Haus war in einem schlimmen Zustand. Ein halber Meter Schlamm und Asche hatte sich im Wohnzimmer abgesetzt. Das Schlafzimmer war weg — ausgebrannt. Man wußte nicht, wo man anfangen sollte.
Aber sie fingen an, und innerhalb weniger Stunden hatten sie den Schmutz zum großen Teil entfernt.
Jess und Linda sollten in einigen Tagen zurückkehren. Sie wußten immer noch nicht, was mit ihrem neuen Haus geschehen war. ...
Am Dienstag, den 7. Januar, nur vier Tage nachdem das Haus für abbruchreif erklärt worden war, hatten die 50 Zeugen Jehovas das Ganze wieder überdacht. Stunden zuvor war an dieser Stelle nur ein stinkendes schwarzes Loch gewesen. ...
Die Freunde der Shulls hatten das Dach gedeckt sowie neue Rohre und Stromkabel gelegt. Sie isolierten die Wände, brachten Gipsplatten an und spritzten den Putz an. ...
Sie arbeiteten viele Stunden ..., und das im Januar in Wyoming. Die Temperatur in Lost Wells Butte kletterte kaum über −10 °C. ...
Die Zeugen Jehovas, die dafür sorgten, daß zwei junge Leute bei ihrer Rückkehr von der Hochzeitsreise ihr Haus nicht in Schutt und Asche vorfanden, sind nun größtenteils wieder verschwunden. Sie bleiben anonym. Sie gehören zu der Art von Menschen, die einem Freund um des Helfens willen beistehen, nicht um in die Zeitung zu kommen.
Aber Jess und Linda Shull möchten, daß andere wissen, was für Freunde sie haben. ‚Wenn man zurückkehrt und einem gesagt wird, daß alles weg ist‘, sagte Linda und hielt kurz inne, ‚dann ist man so dankbar, all das zu sehen, was man hat.‘
Die Shulls haben viel verloren. Fast hätten sie ihr Haus verloren, und viele ihrer Sachen sind in Rauch aufgegangen. Aber sie wissen nun, daß es Dinge gibt, die viel wertvoller sind als ein Billardtisch oder eine Dunkelkammer — Dinge, die man mit Geld nicht kaufen kann.
Dinge, die nicht einmal ein loderndes Feuer verbrennen kann.“
[Bildnachweis auf Seite 23]
Foto: Feuerwehr Riverton, Wyoming (USA)