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Alternative Heilverfahren — kurz vorgestelltErwachet! 2000 | 22. Oktober
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Pflanzliche Heilmittel
Bei diesen Heilmitteln handelt es sich vielleicht um die häufigste Form alternativer Medizin. Pflanzen werden zwar schon seit Jahrhunderten medizinisch verwendet, aber nur relativ wenige Pflanzenarten sind von Wissenschaftlern sorgfältig erforscht worden. Die Zahl der Pflanzen und Extrakte, die so gründlich erforscht worden sind, daß über ihre Unbedenklichkeit und Wirksamkeit genaue Kenntnisse vorliegen, ist sogar noch niedriger. Das Wissen über Heilkräuter beruht größtenteils auf historischen Erfahrungen in ihrer Anwendung.
In den letzten Jahren sind jedoch einige wissenschaftliche Studien durchgeführt worden, aus denen hervorgeht, daß sich bestimmte Pflanzen zum Beispiel zur Behandlung von leichten Depressionen, altersbedingtem Gedächtnisschwund und Beschwerden zufolge gutartiger Prostatavergrößerung eignen. Eine der Pflanzen, die untersucht wurden, ist die Silberkerze. Die gekochte Wurzel wurde von Indianern bei Menstruationsbeschwerden und bei der Geburt eines Kindes verwendet. Gemäß Harvard Women’s Health Watch vom April 2000 lassen aktuelle Studien darauf schließen, daß ein standardisierter, käuflicher Silberkerzenextrakt aus Deutschland „Erleichterung bei Wechseljahrsbeschwerden“ bewirken kann.
Die Nachfrage nach solchen natürlichen Mitteln scheint größtenteils auf der Vorstellung zu beruhen, sie seien unbedenklicher als synthetisch hergestellte Arzneimittel. Das mag zwar oft zutreffen, aber manchen pflanzlichen Mitteln — besonders in Kombination mit anderen Medikamenten — werden Nebenwirkungen zugeschrieben. Beispielsweise kann ein beliebtes pflanzliches Präparat, das als natürliches Erkältungs- und Schlankheitsmittel angepriesen wird, den Blutdruck erhöhen und den Puls beschleunigen.
Außerdem gibt es pflanzliche Mittel, die bei einem Patienten zu stärkeren Blutungen führen. Wenn solche pflanzlichen Mittel zusammen mit Medikamenten zur Blutverdünnung verwendet werden, können ernste Komplikationen auftreten. Wer an einer chronischen Erkrankung leidet wie beispielsweise Diabetes oder Bluthochdruck oder wer bereits andere Medikamente nimmt, sollte im Umgang mit pflanzlichen Mitteln vorsichtig sein. (Siehe auch den untenstehenden Kasten.)
Eine andere Sorge im Zusammenhang mit pflanzlichen Mitteln ist die unzureichende Qualitätssicherung bei der Herstellung. In den letzten Jahren gab es Berichte über Produkte, die mit Schwermetallen oder anderen Stoffen verunreinigt waren. Des weiteren hat sich herausgestellt, daß manche pflanzlichen Mittel wenig oder gar nichts von den angegebenen Inhaltsstoffen enthielten. Diese Beispiele unterstreichen die Notwendigkeit, pflanzliche Mittel genau wie andere Arzneimittel von seriösen und zuverlässigen Lieferanten zu beziehen.
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Alternative Heilverfahren — kurz vorgestelltErwachet! 2000 | 22. Oktober
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[Kasten/Bild auf Seite 8]
Die Kombination von Heilkräutern mit Medikamenten — WO LIEGEN DIE RISIKEN?
Es wurde schon häufig davor gewarnt, bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente zusammen einzunehmen oder mit alkoholischen Getränken. Ist die Verwendung bestimmter Heilkräuter neben verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ebenfalls gefährlich? Wie verbreitet ist dieses Verhalten?
In einem Artikel des Journal of the American Medical Association ging es um „die gleichzeitige Verwendung von verschreibungspflichtigen Medikamenten und Heilkräutern“. Dort hieß es: „Von den 44 % aller Erwachsenen, die angaben, regelmäßig verschreibungspflichtige Medikamente zu nehmen, berichtete beinahe jeder fünfte (18,4 %), gleichzeitig mindestens ein pflanzliches Mittel, ein hochdosiertes Vitamin oder beides zu nehmen.“ Es ist wichtig, über die möglichen Gefahren solchen Verhaltens informiert zu sein.
Wer bestimmte pflanzliche Mittel nimmt, sollte sich auch Gedanken machen, falls er bei einer ärztlichen Behandlung eine Narkose benötigt. Dr. John Neeld, Präsident der American Society of Anesthesiologists, erklärte: „Vereinzelte Berichte zeigen, daß manche beliebten Heilpflanzen, einschließlich Ginseng und Johanniskraut, erhebliche Blutdruckschwankungen verursachen können. Während einer Anästhesie kann das sehr gefährlich werden.“
Dieser Arzt fügte noch hinzu: „Andere wie Ginkgo biloba, Ingwer und Mutterkraut können die Blutgerinnung beeinträchtigen, was besonders bei Epiduralanästhesie eine Gefahr darstellt — Blutungen in der Nähe des Rückenmarks können zu Lähmungen führen. Johanniskraut kann auch die Wirkung von Betäubungsmitteln verstärken.“
Offensichtlich ist es äußerst wichtig, die möglichen Gefahren einer kombinierten Einnahme von bestimmten Heilkräutern und Medikamenten zu kennen. Vor allem Schwangere und stillende Frauen sollten sich über den möglichen Schaden für ihr Kind im klaren sein, wenn sie manche Heilkräuter und Medikamente zusammen einnehmen. Patienten tun daher gut daran, ihrem Arzt zu sagen, welche Medikamente sie nehmen — auch alternative Mittel.
[Bilder auf Seite 7]
Bestimmte Heilkräuter sind bei der Behandlung von Krankheiten nützlich
Silberkerze
Johanniskraut
[Bildnachweis]
© Bill Johnson/Visuals Unlimited
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