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Ein neuer Weg zu einer besseren Gesundheit?Erwachet! 2000 | 22. Oktober
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Ein neuer Weg zu einer besseren Gesundheit?
Nur weniges ist den Menschen wichtiger als ihre Gesundheit. Manchmal scheint es genauso viele Meinungen zu geben wie Experten. Mit dieser Artikelserie möchte Erwachet!, ohne für eine Seite Partei zu ergreifen, über den zunehmenden Einsatz von Behandlungsmethoden berichten, die allgemein als alternative Heilverfahren bezeichnet werden. Wir empfehlen weder die nachstehend behandelten Therapien noch irgendwelche anderen. Selbstverständlich können viele Heilverfahren — sowohl recht populäre als auch umstrittene — nicht erwähnt werden. Wir halten Aufklärung über Gesundheitsfragen allgemein für vorteilhaft; Entscheidungen in Gesundheitsfragen sind allerdings eine rein persönliche Angelegenheit.
JEDER möchte gesund sein. Eine gute Gesundheit zu erlangen kann jedoch schwierig sein, wie die Zahl derjenigen deutlich macht, die Beschwerden haben. Manche haben den Eindruck, daß heute mehr Menschen krank sind als je zuvor.
Im Kampf gegen Krankheiten verordnen viele Ärzte nur Medikamente, die von Pharmaunternehmen entwickelt worden sind und für die wirkungsvoll geworben wird. Bedeutsamerweise ist der weltweite Umsatz solcher Medikamente in den letzten Jahrzehnten regelrecht explodiert, von wenigen Milliarden Dollar auf Hunderte von Milliarden Dollar im Jahr. Was war eine Folge davon?
Ärztlich verordnete Medikamente haben vielen geholfen. Doch der Gesundheitszustand mancher, die Medikamente einnehmen, ist entweder unverändert geblieben oder hat sich sogar verschlechtert. Daher haben sich viele in letzter Zeit anderen Behandlungsmethoden zugewandt.
Wohin sich viele wenden
Dort, wo die moderne Medizin oder Schulmedizin den Standard der Gesundheitsfürsorge darstellt, wendet man sich jetzt häufig den sogenannten alternativen oder komplementären Heilverfahren zu. „Die Berliner Mauer zwischen den alternativen Therapien und der gängigen Medizin scheint nach langer Zeit zu fallen“, hieß es in der Maiausgabe 2000 der Zeitschrift Consumer Reports.
Im Journal of the American Medical Association (JAMA) vom 11. November 1998 wurde berichtet: „Alternative medizinische Therapien, die als Maßnahmen definiert werden, die weder an den meisten medizinischen Fakultäten gelehrt werden noch allgemein in amerikanischen Krankenhäusern verfügbar sind, stoßen bei den Medien, der Ärzteschaft, bei den Behörden und in der Öffentlichkeit landesweit zunehmend auf Interesse.“
Mit Bezug auf neuere Tendenzen erklärte das Journal of Managed Care Pharmacy 1997: „In der Vergangenheit waren die Ärzte alter Schule alternativen Behandlungsmethoden gegenüber skeptisch, aber derzeit bieten 27 [nach einem neueren Bericht 75] medizinische Fakultäten US-amerikanischer Universitäten wie Harvard, Stanford, Yale und die Universität von Arizona wahlfreie Kurse in alternativer Medizin an.“
Über die Versuche etlicher Patienten, ihre Gesundheit zu verbessern, schrieb JAMA: „1990 hat schätzungsweise jeder fünfte (19,9 %), der wegen eines ernsten Leidens den Arzt aufsuchte, ebenfalls eine alternative Behandlung angewandt. Bis 1997 war dieser Anteil auf fast jeden dritten (31,8 %) angestiegen.“ Weiter hieß es in dem Artikel: „Untersuchungen in Ländern außerhalb der Vereinigten Staaten zeigen, daß die alternative Medizin in der gesamten industrialisierten Welt beliebt zu sein scheint.“
Gemäß dieser Ausgabe von JAMA betrug der Anteil der Bevölkerung, der innerhalb eines nicht weit zurückliegenden Zeitabschnitts von 12 Monaten alternative Behandlungsmethoden angewandt hat, in Kanada 15 Prozent, in Finnland 33 Prozent und in Australien 49 Prozent. „Die Nachfrage nach alternativen Heilverfahren ist bemerkenswert groß“, wurde in JAMA eingeräumt. Dies ist insofern bemerkenswert, als die Kosten für alternative Behandlungen selten von den Krankenversicherungen getragen werden. Folglich hieß es in dem Artikel: „Die gegenwärtige Inanspruchnahme dürfte nicht der Situation entsprechen, die entsteht, wenn die Kosten für alternative Heilmethoden in Zukunft zunehmend von den Versicherungen getragen werden.“
Die Integration alternativer Heilmethoden in konventionelle Behandlungen ist in vielen Ländern schon seit langem üblich. Die hauptsächlichen Formen der Komplementärmedizin sind bereits „vielerorts praktisch Schulmedizin geworden“, sagte Dr. Peter Fisher vom Royal London Homeopathic Hospital. „Es gibt nicht länger zwei Kategorien der Behandlung, orthodox und komplementär“, stellte er klar. „Es gibt nur gute und schlechte Medizin.“
Dementsprechend anerkennen heutzutage viele Mediziner, daß sowohl die konventionellen als auch die alternativen Behandlungsmethoden von Wert sind. Sie bestehen nicht darauf, daß der Patient entweder der einen oder der anderen Behandlung zustimmt, sondern empfehlen ihm, aus all den verschiedenen Arten der Heilbehandlung das zu nutzen, was ihm hilft.
Welches sind einige Behandlungsmethoden der sogenannten Alternativ- oder Komplementärmedizin? Wann und wo sind sie entstanden? Und warum machen so viele davon Gebrauch?
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Alternative Therapien — Warum viele sie anwendenErwachet! 2000 | 22. Oktober
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Alternative Therapien — Warum viele sie anwenden
DIE alternative oder komplementäre Medizin umfaßt ein weites Feld von Heil- und Behandlungsmethoden. Viele fallen unter den allgemeinen Begriff der Naturheilkunde, einer Heilmethodik, bei welcher der Körper vorzugsweise mit natürlichen Wirkstoffen oder physikalischen Methoden gestärkt und dessen Selbstheilung gefördert werden soll. Etliche dieser jahrhundertelang allgemein gebräuchlichen Heilverfahren hat die heutige Medizin lange Zeit verworfen oder unbeachtet gelassen.
Zum Beispiel schrieb das Journal of the American Medical Association vom 27. August 1960, daß die Anwendung von Kälte bei Verbrennungen „den Alten geläufig war, aber anscheinend von Ärzten und Laien gleichermaßen ignoriert wurde. Obwohl vereinzelte Hinweise in der Fachliteratur diese Behandlungsmethode einstimmig loben, wird sie heute nicht allgemein angewandt. Tatsächlich sagen viele Ärzte, daß ‚keiner es macht‘, obwohl niemand so recht weiß, warum.“
Allerdings empfahl die Schulmedizin in den letzten Jahrzehnten wieder, bei Verbrennungen kaltes Wasser oder kalte Kompressen zu verwenden. Das Journal of Trauma berichtete im September 1963: „Seit der Berichterstattung von Ofeigsson und Schulman in den Jahren 1959 und 1960 steigt das Interesse an der Verwendung von kaltem Wasser bei der Frühbehandlung von Verbrennungen. Wir wenden diese Methode bei unseren Patienten seit einem Jahr an; die klinischen Ergebnisse sind ermutigend.“
Die Kaltwasserbehandlung ist relativ unbedenklich und verschafft auf jeden Fall wohltuende Linderung. Die Hydrotherapie, bei der auf verschiedene Weise Wasser zur Behandlung von Gebrechen verwendet wird, wird in der Alternativmedizin genutzt, und verschiedene dieser Verfahren werden jetzt auch von der heutigen Medizin anerkannt.a
Ähnliches gilt für die alternative Behandlung von Krankheiten mit Pflanzen. In einigen Gebieten wird das schon seit Hunderten, sogar seit Tausenden von Jahren praktiziert. In Indien etwa war die Verwendung von Pflanzen lange ein Grundpfeiler der Medizin. Heutzutage wird die Heilkraft bestimmter Pflanzen praktisch überall von vielen Medizinern anerkannt.
Ein bemerkenswertes Erlebnis
Vor etwa hundert Jahren hatte Richard Willstätter, der später die Biochemie der Pflanzen studierte, ein beeindruckendes Erlebnis in Verbindung mit einem guten Jugendfreund, dem zehnjährigen Sepp Schwab. Sepp hatte eine schwere Infektion am Bein, und der Arzt sagte, das Bein müsse amputiert werden, um sein Leben zu retten. Die Eltern verschoben die Operation jedoch bis zum nächsten Morgen. Zwischenzeitlich suchten sie Hilfe bei einem Schäfer, der dafür bekannt war, pflanzliche Heilmittel zu verwenden. Der Schäfer sammelte verschiedene Pflanzen, zerhackte sie zu einer feinen Masse, die wie gekochter Spinat aussah, und trug sie auf die Wunde auf.
Bis zum Morgen hatte sich der Zustand der Wunde gebessert, und die Operation wurde nochmals verschoben. Die Behandlung wurde fortgesetzt, und mit der Zeit heilte die Wunde völlig. Später studierte Willstätter an der Universität München Chemie, und schließlich erhielt er den Nobelpreis für seine Entdeckungen bei der Erforschung von Pflanzenpigmenten, besonders von Chlorophyll. Bedeutsamerweise werden ungefähr 25 Prozent der heute verwendeten Arzneimittel entweder teilweise oder ganz aus natürlichen, in Pflanzen vorkommenden Stoffen gewonnen.
Ausgeglichenheit ist angebracht
Dennoch sollte man sich im Zusammenhang mit medizinischen Verfahren darüber im klaren sein, daß manches, was bei einer Person regelrecht Wunder wirkt, bei anderen vielleicht nur wenig ausrichtet. Die Wirksamkeit jedes Heilverfahrens hängt von mehreren Faktoren ab, unter anderem von der Art und der Schwere der Erkrankung sowie dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten. Sogar der Zeitpunkt der Behandlung kann eine Rolle spielen.
Alternative Heilverfahren wirken normalerweise langsamer als herkömmliche Methoden. Daher mag eine Krankheit, die man vielleicht hätte abwehren können, wäre sie eher erkannt und behandelt worden, bis zu einem Stadium fortschreiten, in dem starke Medikamente oder sogar eine Operation nötig werden, um das Leben zu retten. Deshalb wäre es sicherlich unklug, sich an irgendeine Heilmethode als die vermeintlich einzige Lösung eines Gesundheitsproblems zu klammern.
Die Alternativmedizin unterscheidet sich von der konventionellen Medizin durch die Art und Weise, wie sie Gesundheitsfragen angeht. Normalerweise haben alternative Verfahren eher vorbeugenden Charakter und konzentrieren sich darauf, wie sich die Lebensweise und die Umgebung einer Person auf deren Gesundheit auswirkt. Mit anderen Worten: Alternativmediziner befassen sich im allgemeinen nicht lediglich mit organischen Beschwerden oder Krankheitszuständen, sondern mit dem ganzen Menschen.
Die alternative Medizin übt zweifellos deshalb eine so starke Anziehungskraft aus, weil man die Verwendung von Naturprodukten für sanfter und die Behandlungsmethoden für gefahrloser hält als die Verfahren der konventionellen Medizin. Weil also ein zunehmendes Interesse daran besteht, herauszufinden, welche Behandlungen unbedenklich und wirksam sind, werden im folgenden Artikel einige Beispiele alternativer Heilverfahren vorgestellt.
[Fußnote]
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Alternative Heilverfahren — kurz vorgestelltErwachet! 2000 | 22. Oktober
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Alternative Heilverfahren — kurz vorgestellt
„Um den Patienten, die alternative Therapien wählen, eine bessere medizinische Versorgung zu ermöglichen, ist es entscheidend, den professionellen Dialog zwischen Ärzten und Alternativmedizinern zu beginnen.“
DIESE Feststellung stand im Journal of the American Medical Association (JAMA) vom 11. November 1998. In dem betreffenden Artikel hieß es weiter: „Es ist zu erwarten, daß die Notwendigkeit [des Dialogs] mit der Inanspruchnahme alternativer Therapien zunimmt, besonders wenn diese Therapien in das Leistungsangebot der Krankenversicherungen aufgenommen werden.“
Mehr und mehr Patienten greifen neben eher konventionellen Behandlungsmethoden zu alternativen Heilverfahren. Manche halten jedoch ihren behandelnden Arzt darüber nicht auf dem laufenden. Deshalb wurde in der Aprilausgabe des Tufts University Health & Nutrition Letter dringend geraten: „Sie sollten im eigenen Interesse die Sache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin angehen statt privat.“ Weiter hieß es: „Unabhängig davon, was er oder sie von Ihrer Methode hält, können Sie nur davon profitieren, wenn Sie die Information weitergeben.“
Dazu wurde geraten, weil Gesundheitsrisiken entstehen könnten, wenn bestimmte pflanzliche Mittel neben konventionellen Behandlungen angewandt werden. Da bekannt ist, daß manche Patienten sich für alternative Therapien entscheiden, sind viele Ärzte bemüht, trotz anderer persönlicher Auffassung über die Behandlung von Krankheiten im Interesse des Patienten mit Alternativmedizinern zusammenzuarbeiten.
Um unseren Lesern eine Vorstellung von alternativen Heilverfahren zu vermitteln, für die sich heute immer mehr Menschen in vielen Ländern entscheiden, möchten wir einige kurz beschreiben. Wir weisen jedoch darauf hin, daß Erwachet! weder diese Heilverfahren noch andere medizinische Behandlungsmethoden empfiehlt.
Pflanzliche Heilmittel
Bei diesen Heilmitteln handelt es sich vielleicht um die häufigste Form alternativer Medizin. Pflanzen werden zwar schon seit Jahrhunderten medizinisch verwendet, aber nur relativ wenige Pflanzenarten sind von Wissenschaftlern sorgfältig erforscht worden. Die Zahl der Pflanzen und Extrakte, die so gründlich erforscht worden sind, daß über ihre Unbedenklichkeit und Wirksamkeit genaue Kenntnisse vorliegen, ist sogar noch niedriger. Das Wissen über Heilkräuter beruht größtenteils auf historischen Erfahrungen in ihrer Anwendung.
In den letzten Jahren sind jedoch einige wissenschaftliche Studien durchgeführt worden, aus denen hervorgeht, daß sich bestimmte Pflanzen zum Beispiel zur Behandlung von leichten Depressionen, altersbedingtem Gedächtnisschwund und Beschwerden zufolge gutartiger Prostatavergrößerung eignen. Eine der Pflanzen, die untersucht wurden, ist die Silberkerze. Die gekochte Wurzel wurde von Indianern bei Menstruationsbeschwerden und bei der Geburt eines Kindes verwendet. Gemäß Harvard Women’s Health Watch vom April 2000 lassen aktuelle Studien darauf schließen, daß ein standardisierter, käuflicher Silberkerzenextrakt aus Deutschland „Erleichterung bei Wechseljahrsbeschwerden“ bewirken kann.
Die Nachfrage nach solchen natürlichen Mitteln scheint größtenteils auf der Vorstellung zu beruhen, sie seien unbedenklicher als synthetisch hergestellte Arzneimittel. Das mag zwar oft zutreffen, aber manchen pflanzlichen Mitteln — besonders in Kombination mit anderen Medikamenten — werden Nebenwirkungen zugeschrieben. Beispielsweise kann ein beliebtes pflanzliches Präparat, das als natürliches Erkältungs- und Schlankheitsmittel angepriesen wird, den Blutdruck erhöhen und den Puls beschleunigen.
Außerdem gibt es pflanzliche Mittel, die bei einem Patienten zu stärkeren Blutungen führen. Wenn solche pflanzlichen Mittel zusammen mit Medikamenten zur Blutverdünnung verwendet werden, können ernste Komplikationen auftreten. Wer an einer chronischen Erkrankung leidet wie beispielsweise Diabetes oder Bluthochdruck oder wer bereits andere Medikamente nimmt, sollte im Umgang mit pflanzlichen Mitteln vorsichtig sein. (Siehe auch den untenstehenden Kasten.)
Eine andere Sorge im Zusammenhang mit pflanzlichen Mitteln ist die unzureichende Qualitätssicherung bei der Herstellung. In den letzten Jahren gab es Berichte über Produkte, die mit Schwermetallen oder anderen Stoffen verunreinigt waren. Des weiteren hat sich herausgestellt, daß manche pflanzlichen Mittel wenig oder gar nichts von den angegebenen Inhaltsstoffen enthielten. Diese Beispiele unterstreichen die Notwendigkeit, pflanzliche Mittel genau wie andere Arzneimittel von seriösen und zuverlässigen Lieferanten zu beziehen.
Nahrungsergänzung
Nahrungsergänzungen wie Vitamine und Mineralstoffe sollen sich bei der Vorbeugung und der Behandlung einer Anzahl von Krankheiten, unter anderem von Anämie und Osteoporose, und sogar zur Verhütung mancher Geburtsfehler als hilfreich erwiesen haben. Die von amtlicher Seite empfohlenen Tagesdosen an Vitaminen und Mineralstoffen gelten als relativ unbedenklich und wirksam.
Extrem hohe Dosen, die zur Behandlung mancher Krankheiten angepriesen werden, können gesundheitsschädlich sein. Sie beeinträchtigen möglicherweise die Aufnahme oder die Wirkung anderer Nährstoffe und können ebenfalls ernste Nebenwirkungen hervorrufen. Diese Möglichkeit sollte neben dem Mangel an einigermaßen sicheren Beweisen für den Nutzen hochdosierter Vitamine nicht übersehen werden.
Homöopathie
Die Homöopathie wurde im 18. Jahrhundert als eine im Vergleich zu den damals üblichen Heilmethoden sanfte Art der Behandlung entwickelt. Homöopathie beruht auf dem Grundsatz, daß „Gleiches mit Gleichem zu heilen“ sei, und auf der Theorie der minimalen Dosierung. Homöopathische Mittel werden durch wiederholte Verdünnung eines medizinischen Wirkstoffes hergestellt — gelegentlich wird so stark verdünnt, daß kein einziges Molekül des Ausgangsstoffes erhalten bleibt.
Nichtsdestoweniger haben sich homöopathische Mittel im Vergleich mit Placebos als wirksam erwiesen, um Krankheiten wie Asthma, Allergien und Durchfall bei Kindern zu heilen. Homöopathische Mittel werden für ziemlich unbedenklich gehalten, weil sie so stark verdünnt sind. In einem Artikel der JAMA-Ausgabe vom 4. März 1998 hieß es: „Für viele Patienten mit chronischen Beschwerden, deren Ursache nicht genau festzustellen ist, kann Homöopathie eine wichtige und wirksame Behandlungsmöglichkeit sein. Im Rahmen ihrer Grenzen angewandt, könnte die Homöopathie die moderne Medizin als ein ‚weiteres nützliches Werkzeug‘ ergänzen.“ In potentiell lebensgefährlichen Notfällen mögen jedoch konventionelle medizinische Verfahren ratsamer sein.
Chiropraktik
Eine ganze Anzahl alternativer Heilmethoden nutzt manuelle Verfahren. Besonders in den Vereinigten Staaten zählt die Chiropraktik zu den meistverwendeten alternativen Heilverfahren. Sie beruht auf dem Gedanken, daß die Korrektur einer Wirbelsäulenfehlstellung Heilungsprozesse günstig beeinflußt. Aus diesem Grund spezialisieren Chiropraktiker sich darauf, Wirbel durch Manipulation der Wirbelsäule einzurichten.
Die konventionelle Medizin ist nicht immer in der Lage, bei Beschwerden im unteren Rückenbereich Erleichterung zu schaffen. Außerdem äußern sich einige Patienten, die in chiropraktischer Behandlung sind, sehr zufrieden. Bei anderen Beschwerden als Schmerzen gibt es jedoch nur wenige Hinweise zugunsten der Chiropraktik.
Es ist beachtenswert, daß bei der Behandlung durch einen erfahrenen Chiropraktiker nur selten Nebenwirkungen auftreten. Aber man sollte sich dennoch dessen bewußt sein, daß Manipulationen im Bereich der Halswirbelsäule das Risiko ernster Komplikationen wie Schlaganfall und Lähmungen beinhalten. Um das Komplikationsrisiko zu senken, empfehlen manche Experten eine gründliche Voruntersuchung, bei der ermittelt wird, welche spezielle Manipulationstechnik im Einzelfall unbedenklich ist.
Massage
Der Nutzen der Massage wird schon seit langem in fast allen Kulturen anerkannt. Massagebehandlungen werden sogar in der Bibel erwähnt (Esther 2:12). „In der traditionellen chinesischen und indischen Medizin spielen Massagetechniken eine wichtige Rolle“, stellt das British Medical Journal (BMJ) vom 6. November 1999 fest. „Die europäische Massage wurde im frühen 19. Jahrhundert durch Per Henrik Ling systematisiert, der die Ling-Gymnastik entwickelte.“
Die Massage soll die Muskeln entspannen, die Durchblutung fördern und den Abtransport von Giftstoffen bewirken, die sich im Gewebe angesammelt haben. Heute verschreiben Ärzte Massagen gegen Beschwerden wie Kopf- und Rückenschmerzen sowie bei Verdauungsstörungen. Die meisten Patienten, die Massagen erhalten, sagen, daß sie ihnen guttun. Gemäß Dr. Sandra McLanahan „stehen achtzig Prozent aller Krankheiten mit Streß im Zusammenhang, und Massagen bauen Streß ab“.
„Bei den meisten Massagetechniken ist das Risiko schädlicher Auswirkungen gering“, berichtet BMJ. „Umstände, die eine Massage verbieten, sind meist offensichtlich (beispielsweise Brandwunden oder eine Thrombose der tiefer gelegenen Beinvenen) ... Es gibt keine Beweise, daß Massage bei Krebspatienten die Ausbreitung von Metastasen beschleunigt.“
„Da die Massage immer mehr auf dem Vormarsch ist, machen sich die Verbraucher langsam Gedanken über die Qualifikation eines Masseurs, und das mit Recht“, meint E. Houston LeBrun, ehemaliger Vorsitzender der American Massage Therapy Association. Damit man nicht unprofessionell behandelt wird, riet BMJ den Patienten, „sich zu vergewissern, daß ein Therapeut eine anerkannte amtliche Zulassung hat“. Einem Bericht vom vergangenen Jahr zufolge waren in 28 Staaten der Vereinigten Staaten Therapeuten zugelassen.
Akupunktur
Akupunktur ist ein Heilverfahren, das weltweit recht populär geworden ist. Der Begriff „Akupunktur“ umfaßt zwar mehrere unterschiedliche Techniken, aber im allgemeinen meint man damit Einstiche mit feinen Nadeln in bestimmte Körperstellen, um eine therapeutische Wirkung zu erzielen. Die Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte lassen darauf schließen, daß die Akupunktur in einigen Fällen dadurch wirkt, daß neuroaktive Substanzen freigesetzt werden, wie zum Beispiel Endorphine, die schmerzstillend und entzündungshemmend wirken können.
Einige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, daß Akupunktur durchaus für die wirksame Behandlung etlicher Beschwerden geeignet sein kann und sie eine unbedenkliche Alternative zum Gebrauch von Narkotika darstellt. Die Weltgesundheitsorganisation anerkennt die Verwendung der Akupunktur bei der Behandlung von 104 verschiedenen Krankheiten. Ferner konnte ein von den Nationalen Gesundheitsinstituten der USA eingesetztes Komitee Beweise vorlegen, daß Akupunktur ein akzeptables Heilverfahren bei postoperativen Schmerzen, Muskelschmerzen, Menstruationskrämpfen und bei Übelkeit oder Brechreiz auf Grund von Chemotherapie oder Schwangerschaft ist.
Es kommt bei Akupunkturbehandlungen zwar selten zu ernsten Nebenwirkungen, aber einzelne Patienten verspüren vielleicht ein Gefühl des Wundseins, Taubheit oder ein Kribbeln. Durch sorgfältige Sterilisation der Nadeln oder durch die Verwendung von Einwegnadeln kann das Infektionsrisiko verringert werden. Vielen Akupunkteuren fehlen die erforderlichen medizinischen Fachkenntnisse, um eine angemessene Diagnose zu stellen oder um andere, geeignetere Behandlungen zu empfehlen. Es wäre unklug, diesen Mangel an diagnostischen Fähigkeiten zu übersehen, insbesondere wenn man sich mit Hilfe der Akupunktur Erleichterung bei chronischen Erkrankungen verschaffen möchte.
Die Auswahl ist groß
Wir haben nur einige von zahlreichen Heilverfahren erwähnt, die mancherorts allgemein als Alternativmedizin bezeichnet werden. Zukünftig mögen manche dieser Verfahren wie auch andere, die hier nicht besprochen wurden, ohne weiteres als konventionell eingestuft werden, was in manchen Teilen der Welt ja bereits der Fall ist. Andere mögen einfach in Vergessenheit oder sogar in Verruf geraten.
Leider gehören Schmerzen und Krankheiten zum Alltag des Menschen, was auch die Bibel wie folgt treffend beschreibt: „Wir wissen, daß die gesamte Schöpfung zusammen fortgesetzt seufzt und zusammen in Schmerzen liegt bis jetzt“ (Römer 8:22). Es ist nur natürlich, nach Erleichterung zu suchen. Aber wohin können wir uns wenden? Beachten wir einige Hinweise, die uns bei der Auswahl einer medizinischen Behandlung hilfreich sein können.
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Die Kombination von Heilkräutern mit Medikamenten — WO LIEGEN DIE RISIKEN?
Es wurde schon häufig davor gewarnt, bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente zusammen einzunehmen oder mit alkoholischen Getränken. Ist die Verwendung bestimmter Heilkräuter neben verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ebenfalls gefährlich? Wie verbreitet ist dieses Verhalten?
In einem Artikel des Journal of the American Medical Association ging es um „die gleichzeitige Verwendung von verschreibungspflichtigen Medikamenten und Heilkräutern“. Dort hieß es: „Von den 44 % aller Erwachsenen, die angaben, regelmäßig verschreibungspflichtige Medikamente zu nehmen, berichtete beinahe jeder fünfte (18,4 %), gleichzeitig mindestens ein pflanzliches Mittel, ein hochdosiertes Vitamin oder beides zu nehmen.“ Es ist wichtig, über die möglichen Gefahren solchen Verhaltens informiert zu sein.
Wer bestimmte pflanzliche Mittel nimmt, sollte sich auch Gedanken machen, falls er bei einer ärztlichen Behandlung eine Narkose benötigt. Dr. John Neeld, Präsident der American Society of Anesthesiologists, erklärte: „Vereinzelte Berichte zeigen, daß manche beliebten Heilpflanzen, einschließlich Ginseng und Johanniskraut, erhebliche Blutdruckschwankungen verursachen können. Während einer Anästhesie kann das sehr gefährlich werden.“
Dieser Arzt fügte noch hinzu: „Andere wie Ginkgo biloba, Ingwer und Mutterkraut können die Blutgerinnung beeinträchtigen, was besonders bei Epiduralanästhesie eine Gefahr darstellt — Blutungen in der Nähe des Rückenmarks können zu Lähmungen führen. Johanniskraut kann auch die Wirkung von Betäubungsmitteln verstärken.“
Offensichtlich ist es äußerst wichtig, die möglichen Gefahren einer kombinierten Einnahme von bestimmten Heilkräutern und Medikamenten zu kennen. Vor allem Schwangere und stillende Frauen sollten sich über den möglichen Schaden für ihr Kind im klaren sein, wenn sie manche Heilkräuter und Medikamente zusammen einnehmen. Patienten tun daher gut daran, ihrem Arzt zu sagen, welche Medikamente sie nehmen — auch alternative Mittel.
[Bilder auf Seite 7]
Bestimmte Heilkräuter sind bei der Behandlung von Krankheiten nützlich
Silberkerze
Johanniskraut
[Bildnachweis]
© Bill Johnson/Visuals Unlimited
[Bild auf Seite 7]
Um die besten Ergebnisse zu erzielen, müssen Patient und Arzt zusammenarbeiten
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Die Wahl der BehandlungErwachet! 2000 | 22. Oktober
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Die Wahl der Behandlung
IN SEINEM Buch über Alternativmedizin betonte Dr. Isadore Rosenfeld folgendes: „Jede medizinische Maßnahme und jeder Eingriff kann in bis zur Hälfte der Fälle eine Verbesserung herbeiführen, wenn zufällig ausgewählte Probanden behandelt werden, denen man versichert hat, es werde ‚helfen‘.“
Dies ist der sogenannte Placeboeffekt, worunter zu verstehen ist, daß sogar eine Zuckerpille helfen kann, wenn der Betreffende daran glaubt. Durch den Placeboeffekt können subjektive Beschwerden gelindert werden wie Schmerzen, Übelkeit, Erschöpfung, Schwindelgefühl, Angst und Depression. Was zeigt dieser Sachverhalt?
Unter anderem wird deutlich, daß das Vertrauen in eine beliebige Behandlungsmethode bei der Genesung oft eine wichtige Rolle spielt. Allerdings wäre es sicherlich ratsam, zu prüfen, ob eine Behandlung an der eigentlichen Ursache der Krankheit ansetzt oder ob nur die Symptome bekämpft werden. Dies ist dadurch möglich, daß man die Auswirkungen einer Behandlung durch objektive Methoden wie Laboruntersuchungen und Röntgenaufnahmen nachweist.
Dennoch gibt es bei der Wahl einer Behandlungsmethode noch mehr zu berücksichtigen.
Wichtige Schritte
Vor einer Entscheidung wäre es klug, sich genau zu informieren. Man sollte Fragen stellen. Welche Ergebnisse sind zu erwarten? Worin bestehen die Vor- und Nachteile einer Behandlung? Mit welchen Kosten ist zu rechnen, und wie lange kann die Behandlung dauern? Man kann mit Personen sprechen, die mit der betreffenden Behandlung bereits Erfahrung gemacht haben. Hat sie geholfen? Es gilt jedoch zu bedenken, daß Berichte über erfolgreiche Einzelfälle auch irreführend sein können.
Von einem unkonventionellen Heilverfahren wäre abzuraten, wenn dadurch eine erwiesenermaßen wirksame konventionelle Behandlung aufgeschoben würde, und zwar auch dann, wenn die konventionelle Behandlung nicht immer anschlägt. In einem Bericht des New England Journal of Medicine wurde dargelegt, welcher Schaden entstehen kann. Der Bericht behandelte das Fortschreiten einer Krebserkrankung bei zwei jungen Patienten, die konventionelle Behandlungsmethoden ablehnten, während sie alternative Heilmittel verwendeten. Einer dieser Patienten starb.
Wer an einer chronischen oder lebensbedrohenden Krankheit leidet, sollte sich stets bewußt sein, daß Scharlatane, die betrügerische Heilmethoden anpreisen, es auf ihn abgesehen haben können. Mißtrauen ist bei jedem Mittel angebracht, das eine Vielzahl von Krankheiten heilen soll. In einem aktuellen Fall ging es um ein neues Vitamin, das angeblich „bei allem möglichen geholfen hat, von Atembeschwerden über Schwächezustände bis hin zu lebensbedrohenden Krankheiten“. Bei einer Analyse stellte sich das „Vitamin“ als einfache Salzlösung heraus.
Zweifellos können manche alternativen Heilverfahren die Gesundheit fördern. Dennoch sollte man in seinen Erwartungen realistisch sein. Es ist vernünftig, sich vor allem an eine gesunde Ernährungsweise zu halten, genügend zu schlafen, sich ausreichend Bewegung zu verschaffen und bei der Wahl einer medizinischen Behandlung umsichtig zu sein.
Der Wunsch wird Wirklichkeit
Offensichtlich kann keine Therapie der Welt allen Krankheiten und schließlich dem Tod ein Ende bereiten. Das liegt daran, daß Krankheit und Tod ein Erbe unseres gemeinsamen Vorfahren, des ersten Menschen Adam, sind (Hiob 14:4; Psalm 51:5; Römer 5:12). Viele medizinische Maßnahmen — welche auch immer — erweisen sich vielleicht als hilfreich, aber es sind nur Behelfsmaßnahmen, die das Leben vorübergehend verlängern und angenehmer machen können. Es gibt jedoch ein verbürgtes Mittel gegen Krankheiten, und Millionen haben es bereits gefunden.
Dieses Heilmittel hat unser Schöpfer, Jehova Gott, der große Arzt, bereitgestellt. Wenn wir Glauben an ihn ausüben und uns das Lösegeld, den sündensühnenden Wert des Opfers seines Sohnes, Jesus Christus, zunutze machen, werden wir uns in einer Welt ohne Krankheiten einer vollkommenen Gesundheit und ewigen Lebens erfreuen! (Matthäus 20:28). Die Bibel verheißt für diese neue Welt: „Kein Bewohner wird sagen: ‚Ich bin krank‘ “ (Jesaja 33:24).
[Herausgestellter Text auf Seite 12]
Millionen haben die einzige zuverlässige Hoffnung auf eine vollkommene Gesundheit gefunden
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