-
Die Kollegianten — Anders auf Grund des BibelstudiumsDer Wachtturm 1999 | 15. April
-
-
Wöchentliche Zusammenkünfte
Die Kollegianten waren zwar nicht alle in Übereinstimmung, was ihre Glaubensansichten anbetraf, aber das Wirken ihrer Kollegien in den verschiedenen Städten war recht ähnlich. Laut dem Historiker van Slee gab es in den Anfangstagen der Kollegiantenbewegung kaum irgendwelche Vorbereitung auf Zusammenkünfte. Gestützt auf die Worte des Apostels Paulus über die Notwendigkeit zu „prophezeien“, glaubten die Kollegianten, daß sich alle männlichen Mitglieder frei vor dem Kollegium äußern könnten (1. Korinther 14:1, 3, 26). Daher dauerten die Zusammenkünfte häufig bis weit in die Nacht hinein, und einige Anwesende fielen „in tiefen Schlaf“.
Später wurden die Zusammenkünfte besser organisiert. Die Kollegianten trafen sich nicht nur sonntags, sondern auch an Abenden in der Woche. Damit sich die Redner und die Gemeinde im voraus auf alle Zusammenkünfte des Jahres vorbereiten konnten, wurden in einem gedruckten Programm sowohl die Bibelverse angegeben, die betrachtet werden sollten, als auch die Initialen der Redner. Nachdem die Zusammenkunft mit Lied und Gebet eröffnet worden war, erklärte ein Redner die Bibelverse. Am Ende bat er die Männer, sich zu dem gerade Besprochenen zu äußern. Dann zeigte ein zweiter Redner die Anwendung der Verse. Gebet und Lied beendeten die Zusammenkunft.
Kollegianten in der Stadt Harlingen (Provinz Friesland) führten eine Neuerung ein, damit ihre Zusammenkünfte planmäßig durchgeführt wurden. Ein Redner, der länger sprach als vorgesehen, mußte ein kleines Bußgeld entrichten.
-
-
Die Kollegianten — Anders auf Grund des BibelstudiumsDer Wachtturm 1999 | 15. April
-
-
Nationale Zusammenkünfte
Die Kollegianten spürten auch das Bedürfnis nach größeren Zusammenkünften. Deshalb reisten ab 1640 Kollegianten aus dem ganzen Land zweimal im Jahr (im Frühling und im Sommer) nach Rijnsburg. Diese Zusammenkünfte gestatteten ihnen, „sich mit den Vorstellungen, Eindrücken, Glaubensansichten und Tätigkeiten ihrer Brüder aus nah und fern vertraut zu machen“, so der Historiker Fix.
Einige der angereisten Kollegianten mieteten Zimmer von den Dorfbewohnern, während andere im Groote Huis (Großes Haus) unterkamen, einem Herrenhaus mit 30 Räumen, das den Kollegianten gehörte. Gemeinsame Mahlzeiten für 60 bis 70 Personen wurden dort serviert. Nach dem Mahl konnten Besucher durch den weitläufigen Garten des Herrenhauses schlendern und sich an Gottes Werken erfreuen, eine ruhige Unterhaltung führen oder einen Augenblick des Nachsinnens genießen.
Obwohl nicht alle Kollegianten die Taufe für erforderlich hielten, entschlossen sich doch viele zu diesem Schritt. Folglich war die Taufe ein wichtiger Bestandteil der großen Zusammenkünfte. Wie der Historiker van Slee sagte, fand die Zeremonie üblicherweise am Samstagvormittag statt. Auf Lied und Gebet folgte eine Ansprache über die Notwendigkeit des Untertauchens. Dann forderte der Redner die Erwachsenen, die sich taufen lassen wollten, auf, ein Glaubensbekenntnis abzulegen, wie zum Beispiel: „Ich glaube, daß Jesus Christus der Sohn des lebendigen Gottes ist.“ Nachdem die Ansprache mit Gebet beendet worden war, gingen alle Anwesenden zu einem Taufbecken und wurden Zeuge, wie Männer und Frauen darin niederknieten, so daß ihnen das Wasser bis an die Schultern reichte. Der Täufer drückte dann den Kopf des neuen Gläubigen langsam nach vorn unter das Wasser. Im Anschluß an die Zeremonie kehrten alle auf ihre Plätze zurück und lauschten einer weiteren Rede.
Am Samstagnachmittag um 17 Uhr begann die eigentliche Zusammenkunft mit einer kurzen Bibellesung, gefolgt von Lied und Gebet. Um zu gewährleisten, daß es immer einen Redner gab, stellten die Kollegien in Rotterdam, Leiden, Amsterdam und Nordholland abwechselnd die Redner für die Zusammenkünfte. Der Sonntagvormittag war für die Feier des Abendmahls des Herrn reserviert. Im Anschluß an eine Ansprache sowie ein Gebet und ein Lied nahmen zunächst die Männer und dann die Frauen von Brot und Wein. Weitere Vorträge folgten am Sonntagabend, und am Montagvormittag kamen alle zur Schlußansprache zusammen. Wie van Slee feststellte, waren die meisten Vorträge, die während dieser Zusammenkünfte gehalten wurden, praktischer Natur, sie betonten mehr die Anwendung als die Erklärung.
Das Dorf Rijnsburg war gern Gastgeber dieser Zusammenkünfte. Ein Beobachter schrieb im 18. Jahrhundert, daß der Zustrom von Fremden, die ziemlich viel benötigten, dem Dorf ein gutes Einkommen sicherte. Außerdem spendeten die Kollegianten nach jedem Kongreß etwas für die Armen in Rijnsburg. Das Dorf spürte zweifellos den Verlust, als die Zusammenkünfte im Jahr 1787 aufhörten. In der Folge löste sich die Kollegiantenbewegung auf. Warum?
-