-
Braucht die Menschheit wirklich einen Messias?Der Wachtturm 1992 | 1. Oktober
-
-
Braucht die Menschheit wirklich einen Messias?
„HOCHGESTELLTE PERSÖNLICHKEIT SAGT, DIE WELT BRAUCHE EINEN MESSIAS“
Diese Schlagzeile war 1980 in der in Toronto erscheinenden Zeitung The Financial Post zu lesen. Bei der zitierten hochgestellten Persönlichkeit handelte es sich um Aurelio Peccei, Präsident und Gründer einer bekannten Denkervereinigung, des Club of Rome. Wie die Zeitung berichtete, glaubte Peccei, „daß ein charismatischer Führer — in wissenschaftlicher, politischer oder religiöser Hinsicht — für die Welt die einzige Rettung von sozialen und wirtschaftlichen Umwälzungen sei, die die Zivilisation bedrohten“. Wie denkst du darüber? Ist die Welt wirklich in einer solchen Notlage, daß die Menschheit einen Messias braucht? Betrachten wir nur eines der vielen Probleme, denen die Welt sich gegenübersieht — den Hunger.
ZWEI große braune Augen starren uns von einem Bild in einer Zeitung oder Illustrierten an. Die Augen gehören einem Kind, einem kleinen Mädchen, das noch nicht einmal fünf Jahre alt ist. Aber diese Augen bringen uns nicht zum Lächeln. In ihnen schimmert kein kindliches Leuchten, kein fröhliches Staunen, kein argloses Vertrauen. Statt dessen sind sie voll Bestürzung und Weh, voll dumpfem Schmerz, voll verzweifeltem Hunger. Das Kind ist am Verhungern. Nie hat es etwas anderes kennengelernt als Schmerz und Hunger.
Wie vielen anderen auch sind uns solche Bilder vielleicht unangenehm, und so blättern wir schnell weiter. Natürlich ist es uns nicht gleichgültig, aber wir sind deprimiert, weil wir das Gefühl haben, daß für dieses Kind jede Hilfe zu spät kommt. An den ausgemergelten Gliedern und dem aufgedunsenen Leib kann man leicht erkennen, daß der Körper des Mädchens schon damit begonnen hat, sich selbst zu verzehren. Zu dem Zeitpunkt, da wir ihr Bild zu Gesicht bekommen, ist sie wahrscheinlich schon längst tot. Was noch schlimmer ist — wir wissen, daß ihr Fall alles andere als eine Ausnahme war.
Wie weitreichend ist das Problem denn eigentlich? Nun, können wir uns 14 Millionen Kinder vorstellen? Die meisten von uns können das nicht; die Zahl ist einfach zu hoch, als daß man sich einen Begriff davon machen könnte. Stellen wir uns daher einmal ein Stadion mit 40 000 Sitzplätzen vor. Nehmen wir an, es ist bis auf den letzten Platz mit Kindern gefüllt — Reihe für Reihe, Rang für Rang, ein Meer von Gesichtern. Selbst das kann man sich nur schwer vorstellen. Doch brauchte man 350 solche Stadien voller Kinder, um auf die Zahl von 14 Millionen zu kommen. Laut Angaben der UNICEF (Weltkinderhilfswerk der Vereinten Nationen) sterben in Entwicklungsländern jedes Jahr genau so viele Kinder unter fünf Jahren an Unterernährung und leicht vermeidbaren Krankheiten. Das ist fast jeden Tag ein Stadion voll sterbender Kinder! Wenn man dazu noch die Zahl der hungernden Erwachsenen zählt, kommt man weltweit auf etwa eine Milliarde chronisch unterernährter Menschen.
Warum so viel Hunger?
Auf unserem Planeten wird gegenwärtig mehr Nahrung erzeugt, als die jetzt lebenden Menschen verbrauchen, und es könnte noch mehr Nahrung erzeugt werden. Trotzdem sterben jede Minute 26 Kinder an Unterernährung und an Krankheiten. Während derselben Minute gibt die Welt etwa 2 000 000 US-Dollar für Kriegsvorbereitungen aus. Können wir uns ausmalen, was man mit all dem Geld — oder auch nur mit einem winzigen Bruchteil davon — für die betreffenden 26 Kinder tun könnte?
Der Hunger in der Welt kann offensichtlich nicht einfach auf einen Mangel an Nahrungs- oder Finanzmitteln zurückgeführt werden. Das Problem reicht viel tiefer. Treffend sagte der argentinische Professor Jorge E. Hardoy: „Die Welt als Ganzes leidet unter einer chronischen Unfähigkeit, den Komfort, die Energie, die Zeit, die Ressourcen und das Wissen mit denen zu teilen, die dies dringender benötigen.“ In der Tat sind nicht fehlende Mittel die Wurzel des Problems, sondern der Mensch selbst. Treibende Kräfte innerhalb der menschlichen Gesellschaft sind offenbar Habgier und Selbstsucht. Das wohlhabendste Fünftel der Erdbevölkerung leistet sich sechzigmal mehr Güter und Dienstleistungen als das ärmste Fünftel.
Zugegeben, manche bemühen sich aufrichtig, die Hungernden mit Nahrung zu versorgen, aber meist scheitern ihre Bemühungen an Faktoren, auf die sie keinen Einfluß haben. Von Hungersnot sind oft die Länder heimgesucht, in denen Bürgerkriege oder Aufstände toben, und nicht selten sind es die gegnerischen Parteien, die verhindern, daß die Hilfsgüter die Bedürftigen erreichen. Beide Seiten befürchten, daß sie ihre Feinde ernähren, wenn sie Nahrung zur hungernden Zivilbevölkerung im feindlichen Gebiet gelangen lassen. Selbst Regierungen scheuen sich mitunter nicht, den Hunger als politische Waffe einzusetzen.
Keine Lösung in Sicht?
Leider ist das Problem Millionen Hungernder bei weitem nicht die einzige Krise, die der Menschheit heutzutage zu schaffen macht. Die ungezügelte Zerstörung und Vergiftung der Umwelt, die anhaltende Plage des Krieges, die Millionen Menschenleben verschlingt, die Epidemie an Verbrechen und Gewalttat, die überall Furcht und Mißtrauen erzeugt, sowie das ständig weiter sinkende sittliche Niveau, das offenbar die Wurzel vieler dieser Übel ist — all diese weltweiten kritischen Zustände bestätigen sozusagen mit vereinter Stimme die gleiche, unumstößliche Tatsache: Der Mensch kann sich nicht erfolgreich selbst regieren.
Viele haben fraglos aus diesem Grund die Hoffnung aufgegeben, die Probleme der Welt könnten gelöst werden. Andere empfinden wie Aurelio Peccei, der anfangs erwähnte Italiener. Wenn es denn eine Lösung geben sollte, so ihre Überlegung, dann müßte sie aus einer außergewöhnlichen — vielleicht sogar übermenschlichen — Quelle kommen. Darum findet die Vorstellung von einem Messias großen Anklang. Ist es aber realistisch, auf einen Messias zu hoffen? Oder handelt es sich dabei um bloßes Wunschdenken?
[Bildnachweis auf Seite 2]
Titelbild: (oben) U.S Naval Observatory; (unten) NASA photo
[Bildnachweis auf Seite 3]
WHO-Foto von P. Almasy
[Bildnachweis auf Seite 4]
WHO-Foto von P. Almasy
U.S. Navy-Foto
-
-
Der Messias — Eine echte Hoffnung?Der Wachtturm 1992 | 1. Oktober
-
-
Der Messias — Eine echte Hoffnung?
Er nannte sich Moses. Wie er wirklich hieß, ging im Dunkel der Geschichte verloren. Im fünften Jahrhundert u. Z. bereiste er die Insel Kreta und überzeugte die dort lebenden Juden davon, daß er der von ihnen erwartete Messias sei. Er erzählte ihnen, bald seien ihre Unterdrückung, ihr Exil und ihre Gefangenschaft vorüber. Sie glaubten ihm. Als der Tag ihrer Befreiung gekommen war, folgten die Juden „Moses“ auf einen Felsen, der ins Mittelmeer hinausragte. Er sagte ihnen, sie müßten sich nur ins Meer werfen, dann werde es sich vor ihnen teilen. Viele gehorchten und warfen sich in das Meer, das aber keinerlei Anstalten machte, sich zu teilen. Etliche ertranken, andere wurden von Seeleuten und Fischern gerettet. Von Moses indes fehlte jede Spur. Jener Messias war verschwunden.
WAS ist ein Messias? Da kommen einem Ausdrücke wie „Retter“, „Erlöser“ und „Führer“ in den Sinn. Viele meinen, ein Messias sei eine wichtige Persönlichkeit, die ihren Nachfolgern Hoffnung einflößen, sie zur Ergebenheit inspirieren und ihnen versprechen würde, sie aus der Unterdrückung in die Freiheit zu führen. Die Geschichte der Menschheit ist größtenteils eine Geschichte der Unterdrückung, weshalb es nicht überrascht, daß im Lauf der Jahrhunderte eine ganze Reihe derartiger Messiasse aufgestanden sind. (Vergleiche Prediger 8:9.) Doch gleich Moses von Kreta, einem Messias von eigenen Gnaden, haben diese Messiasse ihre Nachfolger weitaus häufiger enttäuscht und ins Unheil gestürzt als in die Befreiung geführt.
„Das ist der messianische König!“ So wurde 132 u. Z. Simeon Bar Kochba von dem hochgeachteten Rabbi Akiba ben Josef begrüßt. Bar Kochba war ein mächtiger Mann, der ein gewaltiges Heer befehligte. Hier stand endlich der Mann auf, so dachten viele Juden, der der langen Unterdrückung durch die römische Weltmacht ein Ende setzen konnte. Bar Kochba scheiterte jedoch, was Hunderttausende seiner Landsleute das Leben kostete.
Im 12. Jahrhundert erhob sich ein weiterer jüdischer Messias, diesmal im Jemen. Als der Kalif, das heißt der Herrscher, ihn aufforderte, zu beweisen, daß er der Messias sei, schlug er vor, der Kalif solle ihn enthaupten lassen, und seine umgehende Auferstehung werde als Zeichen dienen. Der Kalif stimmte dem Plan zu — und das war das Ende des jemenitischen Messias. Im gleichen Jahrhundert sagte ein Mann namens David Alroy den Juden im Nahen Osten, sie sollten sich darauf vorbereiten, ihm auf Engelsflügeln in das Heilige Land zu folgen. Viele glaubten, er sei der Messias. Die Juden Bagdads warteten geduldig auf ihren Hausdächern in seliger Unwissenheit der Tatsache, daß derweil Diebe ihre ganze Habe plünderten.
In Smyrna stand im 17. Jahrhundert Sabbatai Zwi auf. Er verkündete den Juden in ganz Europa, er sei der Messias. Sogar Christen hörten auf ihn. Zwi bot seinen Anhängern Befreiung an — offenbar, indem er sie hemmungslos sündigen ließ. Seine engsten Nachfolger veranstalteten Orgien, praktizierten Nudismus, Hurerei und Inzest und bestraften sich dann selbst, indem sie sich auspeitschten, sich nackt im Schnee wälzten oder sich bis zum Hals in die kalte Erde eingraben ließen. Als Zwi in die Türkei reiste, nahm man ihn gefangen und stellte ihn vor die Wahl, entweder zum Islam überzutreten oder hingerichtet zu werden. Er konvertierte zum Islam. Viele seiner glühenden Verehrer waren erschüttert. Dennoch hielt man Zwi während der nächsten zwei Jahrhunderte in manchen Gegenden immer noch für den Messias.
Auch die Christenheit hat eine Reihe eigener Messiasse hervorgebracht. Im 12. Jahrhundert scharte ein Mann namens Tanchelm ein Heer von Anhängern um sich und beherrschte die Stadt Antwerpen. Jener Messias bezeichnete sich selbst als Gott, ja er verkaufte seinen Nachfolgern sogar sein Badewasser als Sakrament zum Trinken! Thomas Müntzer, der im 16. Jahrhundert in Deutschland lebte, war ein weiterer „christlicher“ Messias. Er führte einen Aufstand gegen die Grundherren an und erklärte seinen Anhängern, dies sei die Schlacht von Harmagedon. Er versprach, alle Kugeln, die von den Feinden abgeschossen würden, in seinen Ärmeln aufzufangen. Statt dessen wurde seine Schar niedergemetzelt und Müntzer selbst enthauptet. Im Lauf der Jahrhunderte standen in der Christenheit noch etliche solcher Messiasse auf.
Auch in anderen Religionen gibt es messianische Gestalten. Der Islam deutet auf den Mahdi hin, den gerecht Geleiteten, der ein Zeitalter der Gerechtigkeit herbeiführen werde. Im Hinduismus haben einige behauptet, Avataras oder Inkarnationen verschiedener Gottheiten zu sein. Und wie die New Encyclopædia Britannica bemerkt, hat „selbst eine so nichtmessianische Religion wie der Buddhismus unter den Anhängern der Mahayanarichtung den Glauben hervorgebracht, ein zukünftiger Buddha Maitreya werde von seiner himmlischen Wohnstätte herabsteigen und die Treuen ins Paradies geleiten“.
Messiasse des zwanzigsten Jahrhunderts
Dringender als je zuvor ist in unserem Jahrhundert das Bedürfnis nach einem echten Messias geworden, weshalb es nicht überrascht, daß viele den Titel für sich in Anspruch genommen haben. In den zwanziger, dreißiger und vierziger Jahren jubelte man im Kongo Simon Kimbangu und seinem Nachfolger Andre „Jesus“ Matswa als Messiassen zu. Obwohl sie starben, erwarten ihre Nachfolger immer noch, daß sie wiederkehren und ein afrikanisches Millennium herbeiführen.
In unser Jahrhundert fällt auch das Aufkommen von sogenannten Cargo-Kulten in Neuguinea und in Melanesien. Ihre Anhänger erwarten die Ankunft eines Schiffs oder Flugzeugs, besetzt mit messiasähnlichen Weißen, die ihnen zu Reichtum verhelfen und ein Zeitalter des Glücks herbeiführen werden, in dem sogar die Toten auferstehen.
Auch in den Industrienationen hat es Messiasse gegeben. Unter ihnen sind religiöse Führer wie San Myung Mun, ein selbsternannter Amtsnachfolger Jesu Christi, der das Ziel verfolgt, die Welt durch die vereinte Familie seiner Verehrer zu läutern. Selbst politische Führer haben versucht, sich einen messianischen Rang anzueignen. Adolf Hitler ist mit seinem großspurigen Gerede von einem tausendjährigen Reich das entsetzlichste Beispiel dafür in unserem Jahrhundert.
Desgleichen haben politische Philosophien und Organisationen einen messianischen Rang erreicht. So bemerkt etwa die Encyclopedia Americana, daß in der marxistisch-leninistischen Ideologie messianische Implikationen enthalten sind. Und anscheinend ist die weit und breit als einzige Hoffnung auf Weltfrieden bejubelte Organisation der Vereinten Nationen in den Augen vieler zu einer Art Ersatzmessias geworden.
Eine echte Hoffnung?
Dieser kurze Überblick macht nur allzu deutlich, daß die Geschichte messianischer Bewegungen überwiegend eine Geschichte von Täuschung, zerstörten Hoffnungen und unerfüllten Träumen ist. Wen wundert es da, daß viele Menschen heute der Hoffnung auf einen Messias eher zynisch gegenüberstehen!
Bevor man allerdings diese Hoffnung völlig aufgibt, sollte man zunächst ihren Ursprung ergründen. Eigentlich entstammt das Wort „Messias“ der Bibel. Das entsprechende hebräische Wort lautet maschíach, was „Gesalbter“ bedeutet. In biblischer Zeit setzte man Könige und Priester zuweilen mit einer Salbungszeremonie in ihr Amt ein, wobei man wohlriechendes Öl auf ihr Haupt goß. Daher wurde die Bezeichnung maschíach zu Recht auf sie angewandt. Auch gab es Männer, die gesalbt, das heißt in ein besonderes Amt eingesetzt wurden, ohne daß irgendeine Salbungszeremonie stattfand. Moses wird in Hebräer 11:24-26 als „Christus“ oder „Gesalbter“ bezeichnet, weil Gott ihn als Propheten und Vertreter auserwählte.
Diese Definition eines Messias als „Gesalbter“ zeichnet die biblischen Messiasse gegenüber den oben erwähnten Pseudomessiassen aus. Die in der Bibel genannten Messiasse waren weder Messiasse von eigenen Gnaden, noch waren sie von einer Menge Verehrer erwählt worden. Vielmehr stammte ihre Ernennung von oben, von Jehova Gott selbst.
Zwar erwähnt die Bibel viele Messiasse, doch einer wird deutlich über alle anderen erhoben (Psalm 45:7). Jener Messias ist die zentrale Gestalt in der biblischen Prophetie, ja er spielt die Schlüsselrolle bei der Erfüllung der begeisterndsten biblischen Verheißungen. Auch setzt sich dieser Messias wirklich mit den Problemen auseinander, denen wir heute gegenüberstehen.
Der Retter der Menschheit
Der biblische Messias packt die Probleme der Menschheit an der Wurzel. Als sich unsere Ureltern Adam und Eva auf Anstiften Satans, eines rebellischen Geistgeschöpfs, hin gegen den Schöpfer auflehnten, maßten sie sich in Wirklichkeit an, die höchste Regierungsgewalt für sich selbst in Anspruch zu nehmen. Die Entscheidung darüber, was richtig und was falsch ist, wollten sie selbst treffen. Damit kehrten sie der liebevollen, ihnen zum Schutz dienenden Regierungsweise Jehovas den Rücken und stürzten die Menschheitsfamilie in das Chaos und das Elend von Selbstherrschaft, Unvollkommenheit und Tod (Römer 5:12).
Angesichts dessen war es sehr liebevoll von Jehova Gott, daß er diesen düsteren Moment in der Geschichte wählte, um der ganzen Menschheit einen Hoffnungsschimmer zu geben. In seinem Urteilsspruch gegen die menschlichen Rebellen verhieß Gott, daß aus ihrer Nachkommenschaft ein Retter hervorgehen werde. Jener als „Same“ bezeichnete Retter würde kommen, um den durch Satans schreckliche Tat in Eden angerichteten Schaden wiedergutzumachen, ja der Same würde dieser „Schlange“, Satan, den Kopf zertreten und sie so aus dem Dasein auslöschen (1. Mose 3:14, 15).
Seit jeher betrachteten die Juden dies als messianische Prophezeiung. Mehrere Targume — jüdische Paraphrasen der Heiligen Schrift, die im ersten Jahrhundert gebräuchlich waren — erklärten, daß sich diese Prophezeiung „in den Tagen des messianischen Königs“ erfüllen werde.
So überrascht es nicht, daß von Anfang an Glaubensmänner von dieser Verheißung über einen künftigen Samen oder Retter begeistert waren. Man stelle sich nur einmal vor, was Abraham empfunden haben muß, als Jehova ihm sagte, der Same werde aus seiner Familie hervorkommen und „alle Nationen der Erde“ — nicht nur seine eigenen Nachkommen — würden ‘sich durch diesen Samen segnen’ (1. Mose 22:17, 18).
Messias und Regierung
Spätere Prophezeiungen verknüpften jene Hoffnung mit der Aussicht auf eine gute Regierung. Gemäß 1. Mose 49:10 wurde zu Juda, dem Urenkel Abrahams, gesagt: „Das Zepter wird nicht von Juda weichen noch der Befehlshaberstab zwischen seinen Füßen hinweg, bis Schilo kommt; und ihm wird der Gehorsam der Völker gehören.“ Offensichtlich sollte dieser „Schilo“ regieren — und zwar nicht nur über die Juden, sondern über „Völker“. (Vergleiche Daniel 7:13, 14.) Die Juden im Altertum setzten Schilo mit dem Messias gleich, ja einige jüdische Targume ersetzten das Wort „Schilo“ einfach durch „der Messias“ oder „der messianische König“.
Je heller das Licht der inspirierten Prophezeiungen leuchtete, desto mehr wurde über die Herrschaft jenes Messias offenbart (Sprüche 4:18). Gemäß 2. Samuel 7:12-16 erhielt König David, ein Nachkomme Judas, die Zusicherung, der Same werde aus seiner Familie kommen. Überdies sollte der Same ein ungewöhnlicher König werden. Sein Thron, das heißt seine Herrschaft, sollte ewig währen! Jesaja 9:6, 7 bestätigt das: „Denn ein Kind ist uns geboren worden, ein Sohn ist uns gegeben worden; und die fürstliche Herrschaft [„Regierung“, King James Version] wird auf seiner Schulter sein. ... Für die Fülle der fürstlichen Herrschaft und den Frieden wird es kein Ende geben auf dem Thron Davids und über seinem Königreich, um es fest aufzurichten und es zu stützen durch Recht und durch Gerechtigkeit von nun an und bis auf unabsehbare Zeit. Ja der Eifer Jehovas der Heerscharen wird dieses tun.“
Kannst du dir eine derartige Regierung vorstellen? Ein gerechter Herrscher, der Frieden schafft und für immer regiert — welch ein krasser Gegensatz zu dem jämmerlichen Aufmarsch falscher Messiasse in der Geschichte! Der Messias der Bibel ist mitnichten ein irregeleiteter Führer von eigenen Gnaden, nein, er ist ein Weltherrscher, der uneingeschränkt über die nötige Macht und Autorität verfügt, um die Weltverhältnisse zu ändern.
Wie bedeutungsvoll ist doch diese Aussicht in unserer von Problemen geschüttelten Zeit! Nie zuvor war die Menschheit so dringend auf eine derartige Hoffnung angewiesen. In Anbetracht der Tatsache, daß man seine Hoffnungen nur allzuleicht auf den Falschen setzt, ist es jedoch für jeden von uns unerläßlich, sorgfältig die Frage zu prüfen: War Jesus von Nazareth der vorhergesagte Messias, wie so viele glauben? Diese Frage wird im folgenden Artikel behandelt.
[Kasten auf Seite 6]
Ein Messias in Brooklyn?
Poster, Plakatwände und Leuchtreklamen forderten in jüngster Zeit in Israel dazu auf: „Bereiten Sie sich auf das Kommen des Messias vor“. Organisiert wurde diese 400 000 US-Dollar teure Werbekampagne von den Lubavitchers, einer ultraorthodoxen Sekte chassidischer Juden. Unter ihren 250 000 Mitgliedern ist der Glaube weit verbreitet, ihr Oberrabbiner Menachem Mendel Schneerson aus Brooklyn (New York) sei der Messias. Aus welchem Grund? Schneerson lehrt, daß der Messias noch in unserer Generation kommen werde. Gemäß dem Nachrichtenmagazin Newsweek behaupten ranghohe Lubavitchers beharrlich, der 90 Jahre alte Rabbi werde nicht sterben, bevor der Messias komme. Seit Jahrhunderten lehrt die Sekte, jede Generation bringe wenigstens einen Mann hervor, der sich als Messias eigne. Schneerson ist in den Augen seiner Anhänger solch ein Mann, und er hat keinen Nachfolger bestimmt. Trotzdem, so Newsweek, erkennen die meisten Juden ihn nicht als Messias an. Wie die Tageszeitung Newsday berichtete, nannte ihn der 96jährige Gegenrabbi Eliezer Schach einen „falschen Messias“.
[Bild auf Seite 7]
Der Glaube, Moses von Kreta sei der Messias, kostete viele Menschen das Leben
-
-
„Wir haben den Messias gefunden“Der Wachtturm 1992 | 1. Oktober
-
-
„Wir haben den Messias gefunden“
„[Andreas] fand zuerst seinen eigenen Bruder, Simon, und sagte zu ihm: ‚Wir haben den Messias gefunden‘ (was übersetzt Christus bedeutet)“ (JOHANNES 1:41).
1. Was sagte Johannes der Täufer über Jesus von Nazareth, und zu welchem Schluß kam Andreas ihn betreffend?
ANDREAS musterte den Juden namens Jesus von Nazareth lange und genau. Er sah nicht unbedingt aus wie ein König, ein Weiser oder ein Rabbi. Er besaß keine königliche Eleganz und hatte weder graue Haare noch weiche Hände oder helle Haut. Jesus war jung — etwa 30 Jahre —, und seine gebräunte Haut und seine schwieligen Hände waren die eines Handwerkers. Für Andreas wird es daher keine Überraschung gewesen sein, zu erfahren, daß der Betreffende Zimmermann war. Ungeachtet dessen sagte Johannes der Täufer über diesen Mann: „Siehe, das Lamm Gottes!“ Tags zuvor hatte Johannes etwas noch Erstaunlicheres geäußert: „Dieser [ist] der Sohn Gottes.“ Konnte das stimmen? Andreas hörte Jesus an jenem Tag einige Zeit zu. Wir wissen nicht, was Jesus sagte; wir wissen aber, daß seine Worte das Leben des Andreas veränderten. Er beeilte sich, seinen Bruder Simon zu treffen, dem er zurief: „Wir haben den Messias gefunden“ (Johannes 1:34-41).
2. Warum ist es wichtig, die Beweise dafür zu betrachten, daß Jesus der verheißene Messias war?
2 Andreas und Simon (den Jesus in Petrus umbenannte) wurden später Apostel Jesu. Petrus sagte zu Jesus, als er schon mehr als zwei Jahre sein Jünger war: „Du bist der Christus [Messias], der Sohn des lebendigen Gottes“ (Matthäus 16:16). Die treuen Apostel und Jünger bewiesen später, daß sie bereit waren, ihr Leben für diesen Glauben zu opfern. Heute bekunden Millionen aufrichtiger Menschen dieselbe Ergebenheit. Doch auf welche Beweise stützen sie sich? Beweise sind schließlich für den Unterschied zwischen Glauben und reiner Leichtgläubigkeit ausschlaggebend. (Siehe Hebräer 11:1.) Wir wollen einmal drei allgemeine Beweisführungen betrachten, die zeigen, daß Jesus tatsächlich der Messias war.
Jesu Abstammung
3. Was geht im einzelnen aus dem Matthäus- und dem Lukasevangelium über die Abstammung Jesu hervor?
3 Jesu Abstammung wird in den Christlichen Griechischen Schriften als erster Beweis dafür angeführt, daß er der Messias war. In der Bibel war vorausgesagt worden, daß der Messias aus der Familie König Davids stammen werde (Psalm 132:11, 12; Jesaja 11:1, 10). Das Matthäusevangelium beginnt wie folgt: „Das Buch der Geschichte Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.“ Matthäus untermauert seine kühne Behauptung, indem er Jesu Abstammung durch die Linie seines Adoptivvaters Joseph anführt (Matthäus 1:1-16). Im Lukasevangelium wird Jesu Abstammung durch die Linie Marias, seiner menschlichen Mutter, über David und Abraham bis Adam zurückverfolgt (Lukas 3:23-38).a Somit dokumentierten die Evangelienschreiber sorgfältig ihre Behauptung, daß Jesus sowohl im rechtlichen als auch im natürlichen Sinn ein Erbe Davids war.
4, 5. (a) Bestritten Jesu Zeitgenossen seine Abstammung von David, und warum ist das bedeutsam? (b) Wie wird Jesu Abstammung von nichtbiblischen Quellen gestützt?
4 Selbst die skeptischsten Gegner der Messianität Jesu konnten die Behauptung Jesu, ein Sohn Davids zu sein, nicht bestreiten. Warum nicht? Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens: Diese Behauptung wurde in Jerusalem jahrzehntelang bis zur Zerstörung der Stadt im Jahre 70 u. Z. immer wieder vorgebracht. (Vergleiche Matthäus 21:9; Apostelgeschichte 4:27; 5:27, 28.) Wäre sie unrechtmäßig gewesen, hätten die Gegner Jesu — und er hatte viele Gegner — ihn leicht als einen Schwindler entlarven können, wenn sie seine Abstammung anhand der Geschlechtsregister in den öffentlichen Archiven überprüft hätten.b Doch es gibt keinerlei Aufzeichnungen darüber, daß irgend jemand Jesu Abstammung von König David bestritt. Die Behauptung war offensichtlich unwiderlegbar. Matthäus und Lukas schrieben die herausragenden Namen in ihren Berichten zweifellos direkt von den öffentlichen Aufzeichnungen ab.
5 Zweitens: Nichtbiblische Quellen bestätigen, daß die Abstammung Jesu allgemein anerkannt wurde. So wird im Talmud beispielsweise von einem Rabbi aus dem 4. Jahrhundert berichtet, der über Maria die freche Behauptung aufstellte, sie habe „bei Zimmerleuten die Hure gespielt“; dieselbe Passage räumt allerdings ein, daß „sie Nachkomme von Fürsten und Herrschern war“. In dem Geschichtsschreiber Hegesippus, der im 2. Jahrhundert lebte, haben wir ein noch früheres Beispiel. Er erwähnte, daß der römische Kaiser Domitian alle Nachkommen Davids ausrotten wollte, woraufhin gewisse Feinde der ersten Christen die Enkel des Judas, der ein Halbbruder Jesu war, „als Nachkommen Davids“ denunzierten. Wenn Judas ein Nachkomme Davids war, traf das dann nicht auch auf Jesus zu? Zweifellos! (Galater 1:19; Judas 1).
Messianische Prophezeiungen
6. Was ist über die Zahl der in den Hebräischen Schriften enthaltenen messianischen Prophezeiungen zu sagen?
6 Weitere Beweise, daß Jesus der Messias war, liefern erfüllte Prophezeiungen. Die Hebräischen Schriften enthalten viele Prophezeiungen, die auf den Messias Anwendung finden. Alfred Edersheim führt in einem seiner Werke (The Life and Times of Jesus the Messiah) 456 Passagen aus den Hebräischen Schriften an, die von den Rabbinern des Altertums als messianisch betrachtet wurden. Die Rabbiner hatten indes viele falsche Vorstellungen von dem Messias; zahlreiche der von ihnen angeführten Passagen sind keineswegs messianisch. Doch es gibt eine große Zahl von Prophezeiungen, die Jesus als Messias ausweisen. (Vergleiche Offenbarung 19:10.)
7. Welche Prophezeiungen erfüllten sich an Jesus unter anderem im Verlauf seines Lebens auf der Erde?
7 Dazu gehören: sein Geburtsort (Micha 5:2; Lukas 2:4-11), ein furchtbarer Massenmord an Kindern kurz nach seiner Geburt (Jeremia 31:15; Matthäus 2:16-18), daß er aus Ägypten gerufen werden sollte (Hosea 11:1; Matthäus 2:15), daß sich die Herrscher der Nationen vereinigen würden, um ihn zu töten (Psalm 2:1, 2; Apostelgeschichte 4:25-28), daß er für 30 Silberstücke verraten werden sollte (Sacharja 11:12; Matthäus 26:15) und sogar die Art seines Todes (Psalm 22:16, NW, Stud., Fußnote; Johannes 19:18, 23; 20:25, 27).c
Sein Kommen vorausgesagt
8. (a) Welche Prophezeiung wies darauf hin, wann der Messias erscheinen würde? (b) Welche zwei Angaben müssen bekannt sein, damit man diese Prophezeiung verstehen kann?
8 Konzentrieren wir uns einmal auf nur eine Prophezeiung. Aus Daniel 9:25 konnten die Juden erfahren, wann der Messias kommen sollte. Dort heißt es: „Du solltest wissen und die Einsicht haben, daß es vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wiederherzustellen und wieder zu bauen, bis zu dem Messias, dem Führer, sieben Wochen, ferner zweiundsechzig Wochen sein werden.“ Auf den ersten Blick mag uns diese Prophezeiung rätselhaft erscheinen. Doch eigentlich stellt sie uns nur die Aufgabe, uns über zwei Dinge zu informieren: den Anfangspunkt und das Zeitmaß. Als Veranschaulichung diene folgendes: Wenn wir eine Karte haben, auf der es heißt, daß „50 Ruten östlich des Brunnens im Stadtpark“ ein Schatz vergraben liegt, mögen uns die Angaben rätselhaft erscheinen — vor allem wenn wir nicht wissen, wo sich dieser Brunnen befindet oder wie lang eine „Rute“ ist. Würden wir aber nicht versuchen, beides zu erfahren, um den Schatz zu finden? Nun, ähnlich verhält es sich mit der Prophezeiung Daniels: Wir müssen nur den Zeitpunkt des Beginns feststellen und wie lange die darauf folgende Zeit in Wirklichkeit dauert.
9, 10. (a) Von welchem Zeitpunkt an zählen die 69 Wochen? (b) Wie lang waren die 69 Wochen, und woher wissen wir das?
9 Zunächst benötigen wir unseren Anfangspunkt, das Datum, an dem ‘das Wort, Jerusalem wiederherzustellen und wieder zu bauen, ausging’. Dann müssen wir wissen, wie lang die Zeitspanne von diesem Zeitpunkt an war, also wie lange die 69 (7 plus 62) Wochen tatsächlich dauerten. Diese Informationen sind unschwer zu erhalten. Nehemia berichtet unmißverständlich, daß „im zwanzigsten Jahr des Königs Artaxerxes“ das Wort ausging, die Mauer rings um Jerusalem wieder aufzubauen, um die Stadt endlich wiederherzustellen (Nehemia 2:1, 5, 7, 8). Unser Ausgangspunkt ist somit das Jahr 455 v. u. Z.d
10 Könnte es sich bei den 69 Wochen um buchstäbliche Wochen von sieben Tagen gehandelt haben? Nein, denn etwas über ein Jahr nach 455 v. u. Z. erschien der Messias nicht. Daher stimmen die meisten Bibelgelehrten und viele Übersetzungen (einschließlich der jüdischen Bibelübersetzung von Martin Buber, Ausgabe 1980) darin überein, daß es sich hier um Wochen „von Jahren“ handelt. Die Vorstellung von „Jahrwochen“ oder von einem siebenjährigen Zyklus war den Juden des Altertums vertraut. So, wie jeder siebte Tag für sie ein Sabbattag war, beobachteten sie auch jedes siebte Jahr als ein Sabbatjahr (2. Mose 20:8-11; 23:10, 11). 69 Jahrwochen würden somit 69 mal 7 Jahre oder 483 Jahre dauern. Jetzt müssen wir nur noch rechnen. Zählen wir zu 455 v. u. Z. 483 Jahre dazu, kommen wir in das Jahr 29 u. Z. — das Jahr, in dem Jesus getauft und damit der maschíach oder Messias wurde. (Siehe „Siebzig Wochen“, Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, Seite 919, 920.)
11. Was können wir denen entgegnen, die dies lediglich für eine neuzeitliche Interpretation der Prophezeiung Daniels halten?
11 Einige könnten nun den Einwand erheben, das Ganze sei doch nur eine neuzeitliche Interpretation der Prophezeiung, damit sie in die Geschichte hineinpasse. Wenn das so wäre, warum erwarteten dann die Menschen in den Tagen Jesu, daß der Messias zu jener Zeit erscheinen werde? Der christliche Geschichtsschreiber Lukas, die römischen Geschichtsschreiber Tacitus und Sueton, der jüdische Geschichtsschreiber Josephus und der jüdische Philosoph Philon lebten alle um diese Zeit und bestätigten, daß man diese Erwartung hegte (Lukas 3:15). Manche Gelehrte behaupten zwar, das römische Joch habe die Juden veranlaßt, sehnsüchtig auf den Messias zu hoffen. Doch warum erwarteten die Juden den Messias ausgerechnet zu jener Zeit und nicht schon während der brutalen Verfolgung durch die Griechen einige Jahrhunderte zuvor? Warum sprach Tacitus von „alten Priesterschriften“, die den Juden Anlaß gaben, mächtige Herrscher aus Judäa zu erwarten, „die sich der Weltherrschaft bemächtigen“ würden? Abba Hillel Silver räumt in einem seiner Werke (A History of Messianic Speculation in Israel) ein, daß „der Messias um das zweite Viertel des ersten Jahrhunderts u. Z. erwartet wurde“, und zwar nicht wegen des römischen Jochs, sondern aufgrund „der populären Chronologie jener Tage“, die sich teilweise aus dem Buch Daniel ableitete.
Vom Himmel her kenntlich gemacht
12. Wie machte Jehova Jesus als Messias kenntlich?
12 Die dritte Kategorie von Beweisen für die Messianität Jesu ist Gottes eigenes Zeugnis. Gemäß Lukas 3:21, 22 wurde Jesus nach seiner Taufe mit der heiligsten und mächtigsten Kraft im Universum gesalbt, mit Jehovas eigenem heiligen Geist. Und zudem bestätigte Jehova mit seiner eigenen Stimme, daß er Jesus als seinen Sohn anerkannte. Bei zwei weiteren Gelegenheiten sprach Jehova vom Himmel direkt zu Jesus, um seine Anerkennung zu zeigen: das eine Mal im Beisein von drei Aposteln Jesu und das andere Mal im Beisein vieler Menschen (Matthäus 17:1-5; Johannes 12:28, 29). Außerdem wurde Jesu Stellung als Christus oder Messias von Engeln bestätigt, die speziell deswegen ausgesandt worden waren (Lukas 2:10, 11).
13, 14. Wodurch zeigte Jehova, daß er Jesus als Messias anerkannte?
13 Jehova zeigte die Anerkennung seines Gesalbten auch dadurch, daß er ihm die Kraft verlieh, große Werke zu vollbringen. Jesus äußerte beispielsweise Prophezeiungen, mit denen er bestimmte Ereignisse voraussagte — Prophezeiungen, die mitunter bis in unsere Zeit hineinreichen.e Er wirkte auch Wunder, indem er zum Beispiel hungrige Volksmengen speiste und Kranke heilte. Er weckte sogar Tote auf. Wurden die Berichte über diese Machttaten vielleicht erst in späterer Zeit von seinen Nachfolgern erfunden? Nun, Jesus vollbrachte viele seiner Wunder vor Augenzeugen, manchmal vor Tausenden von Menschen. Selbst Jesu Feinde konnten nicht leugnen, daß er diese Dinge wirklich getan hatte (Markus 6:2; Johannes 11:47). Und wenn Jesu Nachfolger den Hang gehabt hätten, solche Berichte zu erfinden, warum sprachen sie dann so offen von ihren eigenen Fehlern? Wären sie wirklich bereit gewesen, für einen Glauben zu sterben, der lediglich auf unwahren Geschichten beruhte, die sie sich selbst ausgedacht hatten? Keinesfalls. Jesu Wunder sind historische Tatsachen.
14 Gottes Zeugnis, daß Jesus der Messias war, ging noch weiter. Durch den heiligen Geist sorgte er dafür, daß die Beweise für die Messianität Jesu schriftlich festgehalten wurden und Teil des meistübersetzten und am weitesten verbreiteten Buches der Geschichte wurden.
Warum nahmen die Juden Jesus nicht an?
15. (a) Wie umfangreich sind die Beweise, die Jesus als Messias kennzeichnen? (b) Welche Erwartungen veranlaßten viele Juden, Jesus als Messias zu verwerfen?
15 Diese drei Kategorien von Beweisen liefern zusammen buchstäblich Hunderte von Fakten, die Jesus als den Messias kennzeichnen. Genügt das nicht? Stellen wir uns einmal vor, man würde uns beim Beantragen eines Führerscheins oder einer Kreditkarte sagen, daß drei Identitätsnachweise nicht ausreichten — wir müßten Hunderte beibringen. Wie unvernünftig! Jesus wird somit in der Bibel in ausreichendem Maße kenntlich gemacht. Aber warum stritten viele aus Jesu eigenem Volk sämtliche Beweise dafür ab, daß er der Messias war? Weil Beweise — so wichtig sie auch für echten Glauben sein mögen — keine Garantie für Glauben sind. Leider glauben viele Menschen trotz überwältigender Beweise lieber das, was sie glauben wollen. In bezug auf den Messias hatten die meisten Juden ganz genaue Wunschvorstellungen. Sie wünschten sich einen politischen Messias, einen, der dem römischen Joch ein Ende machen und Israel in materieller Hinsicht zu einer Herrlichkeit wie in den Tagen Salomos verhelfen würde. Wie hätten sie angesichts dessen diesen bescheidenen Sohn eines Zimmermanns annehmen können, diesen Nazarener, der kein Interesse an Politik oder an Reichtum hatte? Und konnte er überhaupt der Messias sein, nachdem er an einem Marterpfahl gelitten hatte und eines schändlichen Todes gestorben war?
16. Warum mußten Jesu Nachfolger ihre eigenen Erwartungen in bezug auf den Messias korrigieren?
16 Jesu eigene Jünger waren über seinen Tod erschüttert. Nach seiner Auferstehung in Herrlichkeit glaubten sie offensichtlich, er werde auf der Stelle ‘für Israel das Königreich wiederherstellen’ (Apostelgeschichte 1:6). Doch sie verwarfen Jesus nicht als Messias, nur weil ihre persönliche Hoffnung nicht in Erfüllung ging. Gestützt auf die ausreichenden Beweise, übten sie Glauben an ihn aus, und ihr Verständnis nahm allmählich zu; Rätselhaftes klärte sich auf. Sie erkannten, daß der Messias während seines kurzen Lebens als Mensch auf der Erde nicht sämtliche ihn betreffende Prophezeiungen erfüllen konnte. So sprach eine Prophezeiung davon, daß er demütig, auf dem Jungen einer Eselin reitend, kommen werde, während in einer anderen Prophezeiung von seinem Kommen in Herrlichkeit mit den Wolken die Rede war. Wie konnte sich beides bewahrheiten? Offensichtlich mußte er ein zweites Mal kommen (Daniel 7:13; Sacharja 9:9).
Warum der Messias sterben mußte
17. Inwiefern ging aus der Prophezeiung Daniels deutlich hervor, daß der Messias sterben mußte, und aus welchem Grund sollte er sterben?
17 Zudem ging aus den messianischen Prophezeiungen hervor, daß der Messias sterben mußte. So wird in der Prophezeiung, die ankündigte, wann der Messias kommen werde, im anschließenden Vers folgendes vorausgesagt: „Nach den zweiundsechzig Wochen [die auf die sieben Wochen folgten] wird der Messias abgeschnitten werden“ (Daniel 9:26). Das hier mit „abgeschnitten“ übersetzte hebräische Wort karáth wurde im mosaischen Gesetz in Verbindung mit der Todesstrafe verwendet. Der Messias mußte zweifellos sterben. Warum? Vers 24 gibt die Antwort: „Um ... der Sünde ein Ende zu bereiten und für Vergehung Sühne zu leisten und Gerechtigkeit herbeizuführen auf unabsehbare Zeiten.“ Die Juden wußten genau, daß nur durch einen Opfertod für Vergehung Sühne geleistet werden konnte (3. Mose 17:11; vergleiche Hebräer 9:22).
18. (a) Wie wird in Jesaja, Kapitel 53 gezeigt, daß der Messias leiden und sterben mußte? (b) Welchen scheinbaren Widerspruch enthält diese Prophezeiung?
18 Jesaja, Kapitel 53 spricht vom Messias als einem besonderen Knecht Jehovas, der leiden und sterben müßte, um die Sünden anderer zuzudecken. In Vers 5 heißt es: „Er wurde für unsere Übertretung durchstochen; er wurde für unsere Vergehungen zerschlagen.“ Nachdem in dieser Prophezeiung gesagt wurde, daß der Messias „als ein Schuldopfer“ sterben müsse, ist davon die Rede, daß der Betreffende „seine Tage verlängern [wird], und in seiner Hand wird das gelingen, woran Jehova Gefallen hat“ (Vers 10). Klingt das nicht nach einem Widerspruch? Wie kann der Messias sterben und dann „seine Tage verlängern“? Wie kann ihm, obwohl er als Opfer dargebracht wurde, „das gelingen, woran Jehova Gefallen hat“? Ja, wie könnte der Messias sterben und tot sein, ohne höchst wichtige Prophezeiungen erfüllt zu haben, nämlich daß er für immer als König regieren und der ganzen Welt Frieden und Glück bringen würde? (Jesaja 9:6, 7).
19. Inwiefern werden durch die Auferstehung Jesu die scheinbar widersprüchlichen Prophezeiungen über den Messias miteinander in Einklang gebracht?
19 Dieser scheinbare Widerspruch wurde durch ein einziges, spektakuläres Wunder geklärt. Jesus wurde auferweckt. Hunderte von aufrichtigen Juden waren Augenzeugen dieser wunderbaren Tatsache (1. Korinther 15:6). Der Apostel Paulus schrieb später: „[Jesus Christus] hat für immer ein einziges Schlachtopfer für Sünden dargebracht und sich zur Rechten Gottes gesetzt, fortan wartend, bis seine Feinde als Schemel für seine Füße hingelegt würden“ (Hebräer 10:10, 12, 13). Ja, nach seiner Auferstehung zu himmlischem Leben und nach einer Zeit des ‘Wartens’ sollte Jesus schließlich als König inthronisiert werden und gegen die Feinde Jehovas, seines Vaters, vorgehen. Daß Jesus, der Messias, als himmlischer König herrscht, berührt das Leben jedes heute lebenden Menschen. Inwiefern? Das werden wir im nächsten Artikel behandeln.
[Fußnoten]
a Wenn Joseph in Lukas 3:23 als „Sohn des Heli“ bezeichnet wird, bedeutet „Sohn“ offensichtlich „Schwiegersohn“, da Heli der Vater Marias war (Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 895—899).
b Der jüdische Geschichtsschreiber Josephus zeigt in Verbindung mit der Darlegung seiner eigenen Abstammung, daß solche Aufzeichnungen vor 70 u. Z. zur Verfügung standen. Diese wurden offenbar bei der Zerstörung der Stadt Jerusalem vernichtet, so daß alle späteren Behauptungen der Messianität unbeweisbar sind.
d Es gibt zuverlässige Beweise in alten griechischen, babylonischen und persischen Quellen dafür, daß 474 v. u. Z. das erste Regierungsjahr des Artaxerxes war. Siehe Einsichten über die Heilige Schrift, Band 2, Seite 562—565, 920, 921.
e In einer dieser Prophezeiungen sagte er voraus, daß nach seinen Tagen falsche Messiasse aufstehen würden (Matthäus 24:23-26). Siehe den vorangehenden Artikel.
-
-
Die Gegenwart des Messias und seine HerrschaftDer Wachtturm 1992 | 1. Oktober
-
-
Die Gegenwart des Messias und seine Herrschaft
„Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, in derselben Weise, wie ihr ihn in den Himmel habt gehen sehen“ (APOSTELGESCHICHTE 1:11).
1, 2. (a) Wie trösteten zwei Engel die Apostel Jesu, als dieser in den Himmel auffuhr? (b) Welche Fragen entstehen in Verbindung mit der Aussicht auf Christi Wiederkunft?
ELF Männer standen am Osthang des Ölberges und blickten zum Himmel. Wenige Augenblicke zuvor war Jesus aus ihrer Mitte emporgehoben worden, und seine Gestalt wurde immer kleiner, bis sie hinter einer Wolke verschwand. In den gemeinsam verbrachten Jahren hatte Jesus diesen Männern reichlich Beweise dafür geliefert, daß er der Messias war; ja sie hatten selbst erlebt, wie der Schmerz über seinen Tod der Freude über seine Auferstehung gewichen war. Jetzt war er von ihnen gegangen.
2 Plötzlich erschienen zwei Engel und sprachen die tröstlichen Worte: „Männer von Galiläa, warum steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, in derselben Weise, wie ihr ihn in den Himmel habt gehen sehen“ (Apostelgeschichte 1:11). Wie beruhigend! Jesu Himmelfahrt bedeutete nicht, daß für ihn das Thema Erde und Menschheit abgeschlossen war. Ganz im Gegenteil — Jesus würde wiederkommen. Diese Worte erfüllten die Apostel zweifellos mit Hoffnung. Auch heute messen Millionen von Menschen der verheißenen Rückkehr Christi große Bedeutung bei. Manche sprechen davon als von dem „zweiten Kommen“ oder der „Ankunft“ Christi. Die meisten scheinen jedoch keine klare Vorstellung davon zu haben, was Christi Wiederkunft wirklich bedeutet. Auf welche Weise wird Christus wiederkommen? Wann? Und wie berührt es unser Leben heute?
Die Art und Weise der Wiederkunft Christi
3. Wie denken viele Menschen über die Wiederkunft Christi?
3 Gemäß einem Werk „wird mit dem zweiten Kommen oder der Wiederkunft Christi (parousia) das Königreich Gottes letztendlich, öffentlich und für alle Ewigkeit aufgerichtet“ (An Evangelical Christology). Die Ansicht, Christi Wiederkunft werde sichtbar erfolgen und für jeden auf unserem Planeten buchstäblich zu sehen sein, ist allgemein verbreitet. Zur Unterstützung dieser Auffassung verweisen viele auf Offenbarung 1:7, wo es heißt: „Siehe! Er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die, die ihn durchstochen haben.“ Ist dieser Vers jedoch wörtlich zu verstehen?
4, 5. (a) Wieso wissen wir, daß Offenbarung 1:7 nicht buchstäblich zu verstehen ist? (b) Inwiefern bestätigen Jesu eigene Worte dieses Verständnis?
4 Denken wir daran, daß das Bibelbuch Offenbarung „in Zeichen“ dargelegt wurde (Offenbarung 1:1). Die Passage muß daher symbolische Bedeutung haben. Wie könnten auch sonst diejenigen Christus wiederkommen sehen, „die ihn durchstochen haben“? Die Betreffenden sind seit fast 2 000 Jahren tot! Außerdem sagten die Engel, daß Christus „in derselben Weise“ wiederkommen werde, wie er fortgegangen sei. Wie ist er denn fortgegangen? Geschah es vor den Augen von Millionen? Nein, nur eine Handvoll Treuer beobachtete das Geschehen. Und verfolgten die Apostel buchstäblich den ganzen Weg Jesu bis in den Himmel, während die Engel mit ihnen sprachen? Nein, eine Wolke hatte Jesus ihren Blicken entzogen. Bald darauf muß er als ein für Menschen unsichtbares Geistwesen in den geistigen Himmel eingegangen sein (1. Korinther 15:50). Somit sahen die Apostel höchstens den Beginn der Reise Jesu; ihr Ende, seine Rückkehr in die himmlische Gegenwart Jehovas, seines Vaters, konnten sie nicht mitverfolgen. Das war ihnen nur mit dem Auge des Glaubens möglich (Johannes 20:17).
5 Die Bibel lehrt, daß Jesus auf ganz ähnliche Weise zurückkehrt. Er sagte kurz vor seinem Tod selbst: „Noch eine kleine Weile, und die Welt wird mich nicht mehr sehen“ (Johannes 14:19). Außerdem sagte er: „Das Königreich Gottes kommt nicht in auffallender Weise“ (Lukas 17:20). In welchem Sinne wird dann ‘jedes Auge ihn sehen’? Damit wir diese Frage beantworten können, benötigen wir zunächst ein klares Verständnis des Wortes, das Jesus und seine Nachfolger in Verbindung mit seiner Wiederkunft gebrauchten.
6. (a) Wieso sind Wörter wie „Wiederkunft“, „Ankunft“, „Advent“ oder „Kommen“ keine passenden Übersetzungen des griechischen Wortes parousía? (b) Was zeigt, daß die parousía oder „Gegenwart“ längere Zeit dauert und kein momentanes Ereignis ist?
6 Tatsache ist, daß Christus nicht nur einfach „wiederkommt“. Dieses Wort bezeichnet wie „Kommen“, „Ankunft“ oder „Advent“ ein einmaliges Ereignis von kurzer Dauer. Das griechische Wort parousía, das Jesus und seine Nachfolger verwendeten, hat jedoch eine weit umfassendere Bedeutung. Es bedeutet buchstäblich „Dabeisein“ oder „Gegenwart“. Die meisten Gelehrten sind sich darin einig, daß das Wort nicht nur das Ankommen bezeichnet, sondern auch die darauf folgende Gegenwart — beispielsweise beim Staatsbesuch einer königlichen Hoheit. Diese Gegenwart ist kein momentanes Ereignis; es ist eine besondere Ära, ein gekennzeichneter Zeitabschnitt. Gemäß Matthäus 24:37-39 sagte Jesus, daß „die Gegenwart [parousía] des Menschensohnes“ wie „die Tage Noahs“ sein würde, die in der Sintflut gipfelten. Noah baute jahrzehntelang an der Arche und warnte die Bösen, bevor die Sintflut kam und das verderbte Weltsystem auslöschte. Somit erstreckt sich Christi unsichtbare Gegenwart ebenfalls über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten, bevor sie in einer gewaltigen Zerstörung gipfelt.
7. (a) Was beweist, daß die parousía für Menschenaugen unsichtbar ist? (b) Wie und wann werden sich Bibeltexte erfüllen, in denen es heißt, daß Christi Wiederkunft für „jedes Auge“ sichtbar sein wird?
7 Die parousía ist für Menschenaugen zweifellos nicht buchstäblich sichtbar. Warum sollte Jesus sonst auch so viel Zeit darauf verwendet haben, seine Nachfolger, wie wir noch sehen werden, auf ein Zeichen aufmerksam zu machen, damit sie seine Gegenwart erkennen könnten?a Doch wenn Christus kommt, um Satans Weltsystem zu vernichten, wird die Tatsache seiner Gegenwart für alle überdeutlich zu erkennen sein. Dann wird ‘jedes Auge ihn sehen’. Selbst Jesu Widersacher werden zu ihrem Entsetzen feststellen müssen, daß Christi Herrschaft eine Realität ist. (Siehe Matthäus 24:30; 2. Thessalonicher 2:8; Offenbarung 1:5, 6.)
Wann beginnt sie?
8. Welches Ereignis kennzeichnet den Beginn der Gegenwart Christi, und wo fand es statt?
8 Die Gegenwart des Messias beginnt mit einem Ereignis, durch das sich etwas erfüllt, was viele messianische Prophezeiungen zum Gegenstand haben: seine Krönung zum König im Himmel (2. Samuel 7:12-16; Jesaja 9:6, 7; Hesekiel 21:26, 27). Jesus selbst zeigte, daß seine Gegenwart mit seinem Königtum in Verbindung stehen würde. In mehreren Gleichnissen verglich er sich mit einem Herrn, der seine Hausgemeinschaft und seine Sklaven verläßt und für lange Zeit in ein „fernes Land“ reist, wo er „Königsmacht“ empfängt. Ein solches Gleichnis erzählte er als Teil der Antwort auf die Frage der Apostel, wann seine parousía beginnen würde, und ein ähnliches, weil „sie meinten, das Königreich Gottes werde sich augenblicklich zeigen“ (Lukas 19:11, 12, 15; Matthäus 24:3; 25:14, 19). Zu seinen Lebzeiten als Mensch auf der Erde lag seine Krönung noch in weiter Ferne — sie sollte in einem ‘fernen Land’, das heißt im Himmel, erfolgen. Wann sollte das geschehen?
9, 10. Welchen Beweis gibt es dafür, daß Christus gegenwärtig im Himmel herrscht, und wann trat er seine Herrschaft an?
9 Als Jesus von seinen Jüngern gefragt wurde: „Was wird das Zeichen deiner Gegenwart und des Abschlusses des Systems der Dinge sein?“, lieferte er ihnen als Antwort eine detaillierte Beschreibung dieser in der Zukunft liegenden Zeit (Matthäus, Kapitel 24; Markus, Kapitel 13; Lukas, Kapitel 21; siehe auch 2. Timotheus 3:1-5; Offenbarung, Kapitel 6). Das Zeichen besteht aus einer bis ins einzelne gehenden Schilderung eines Zeitalters voller Probleme. Es ist eine Zeit, die geprägt ist durch internationale Kriege, überhandnehmende Kriminalität, den Zerfall der Familie, Epidemien, Hungersnöte und Erdbeben — alles keine lokalen Probleme, sondern weltumspannende Krisen. Klingt das vertraut? Jeder Tag, der vergeht, bestätigt, daß die Beschreibung Jesu haargenau auf das 20. Jahrhundert zutrifft.
10 Historiker gehen darin einig, daß 1914 ein Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte war, ein entscheidendes Jahr, nach dem viele dieser Probleme außer Kontrolle gerieten oder in globalem Maße eskalierten. Ja, die Weltereignisse, durch die biblische Prophezeiungen in Erfüllung gingen, weisen alle auf 1914 als das Jahr hin, in dem Jesus als König im Himmel zu herrschen begann. Zudem liefert eine Prophezeiung in Daniel, Kapitel 4 den chronologischen Beweis dafür, daß dasselbe Jahr — 1914 — der Zeitpunkt des Beginns der Herrschaft des von Jehova ernannten Königs war.b
Warum eine Zeit der Schwierigkeiten?
11, 12. (a) Warum fällt es einigen schwer, zu glauben, daß Christus heute schon im Himmel regiert? (b) Wie können wir veranschaulichen, was nach Jesu Krönung zum König geschah?
11 Manch einer fragt sich jedoch: „Warum gibt es so viele Schwierigkeiten in der Welt, wenn der Messias im Himmel regiert? Ist seine Herrschaft wirkungslos?“ Eine Veranschaulichung mag uns eine Hilfe sein. In einem Land regiert ein schlechter Präsident. Er hat ein korruptes System geschaffen, das jeden Winkel des Landes kontrolliert. Doch dann finden Wahlen statt, und ein guter Mann gewinnt. Was geschieht jetzt? Wie in manchen demokratischen Ländern üblich, gibt es eine Übergangszeit, bis der neue Präsident in sein Amt eingeführt wird. Was werden die beiden Männer in dieser Zeit tun? Wird der gute Mann sofort gegen alles Böse, das sein Vorgänger im ganzen Land getan hat, angehen und es beseitigen? Wird er sich nicht vielmehr zunächst auf die Hauptstadt konzentrieren, ein neues Kabinett einsetzen und sich von den betrügerischen Kumpanen und Helfershelfern des vormaligen Präsidenten trennen? Auf diese Weise kann er, wenn ihm die volle Macht übertragen wird, von einem sauberen Regierungssitz aus wirkungsvoll handeln. Und wird der korrupte Präsident die ihm verbleibende kurze Zeit nicht dazu nutzen, auf unredliche Weise so viel Gewinn wie möglich aus dem Land herauszuziehen, bevor er seine ganze Macht verliert?
12 Mit Christi parousía verhält es sich ähnlich. Nachdem Christus im Himmel König geworden war, warf er zuerst, wie aus Offenbarung 12:7-12 hervorgeht, Satan und die Dämonen aus dem Himmel und reinigte so den Sitz seiner Regierung. Wie handelt Satan, nachdem er diese lang erwartete Niederlage erlitten hat, während der ‘kurzen Frist’, bis Christus hier auf der Erde die volle Macht ausübt? Wie der korrupte Präsident versucht Satan aus dem gegenwärtigen alten System herauszuholen, was er herausholen kann. Ihm geht es nicht um Geld — ihm geht es um Menschenleben. Er möchte Jehova und seinem regierenden König so viele Menschen wie möglich abspenstig machen.
13. Wie geht aus der Bibel hervor, daß der Beginn der Herrschaft Christi eine unruhige Zeit auf der Erde sein würde?
13 Es ist daher kein Wunder, daß zu Beginn der Herrschaft des Messias „Wehe der Erde“ ausgerufen wird (Offenbarung 12:12). In ähnlicher Weise zeigt Psalm 110:1, 2, 6, daß der Messias seine Herrschaft ‘inmitten seiner Feinde’ antritt. Erst später zerschmettert er die „Nationen“ — zusammen mit allem, was zu Satans verderbtem System gehört — so vollständig, daß sie völlig in Vergessenheit geraten werden.
Wenn der Messias über die Erde herrscht
14. Was wird der Messias tun können, nachdem er Satans böses System der Dinge vernichtet hat?
14 Jesus Christus, der messianische König, wird, nachdem er Satans System und alle, die es unterstützen, vernichtet hat, schließlich jene wunderbaren biblischen Prophezeiungen erfüllen können, die seine Millenniumsherrschaft beschreiben. Jesaja 11:1-10 läßt uns erkennen, was für ein Herrscher der Messias sein wird. Wie wir aus Vers 2 erfahren, wird er den ‘Geist Jehovas, den Geist der Weisheit und des Verständnisses, den Geist des Rates und der Macht’ haben.
15. Welche Bedeutung wird der ‘Geist der Macht’ in Verbindung mit der messianischen Herrschaft haben?
15 Beschäftigen wir uns einmal damit, welche Bedeutung der ‘Geist der Macht’ in Verbindung mit Jesu Herrschaft hat. Auf der Erde verfügte er über ein ihm von Jehova verliehenes Maß an Macht, was ihn befähigte, Wunder zu wirken. Und er offenbarte den von Herzen kommenden Wunsch, Menschen zu helfen, als er sagte: „Ich will es“ (Matthäus 8:3). Doch seine damaligen Wunder waren lediglich ein kleiner Vorgeschmack dessen, was er während seiner Regierung vom Himmel aus tun wird. Jesus wird weltweit Wunder wirken! Kranke wie Blinde, Taube, Krüppel und Lahme werden für immer geheilt werden (Jesaja 35:5, 6). Ein gerecht verteilter Überfluß an Nahrung wird dem Hunger auf ewig ein Ende machen (Psalm 72:16). Was ist mit den ungezählten Millionen von Menschen in den Gräbern, deren sich Gott wohlwollend erinnern wird? Jesu „Macht“ schließt auch die Fähigkeit ein, sie aufzuerwecken und ihnen allen Gelegenheit zu geben, für immer im Paradies zu leben (Johannes 5:28, 29). Doch trotz seiner Machtfülle wird der messianische König jederzeit absolut demütig sein. Er findet „Freude ... an der Furcht Jehovas“ (Jesaja 11:3).
16. Was für ein Richter wird der messianische König sein, und wieso unterscheidet er sich dadurch von menschlichen Richtern?
16 Dieser König wird außerdem ein vollkommener Richter sein. Er „wird nicht nach dem bloßen Augenschein richten noch einfach gemäß dem zurechtweisen, was seine Ohren hören“. Auf welchen menschlichen Richter der Vergangenheit oder der Gegenwart trifft diese Beschreibung zu? Selbst ein wirklich gerechter Mensch kann nur aufgrund dessen richten, was er sieht und hört, und dabei das Unterscheidungsvermögen und die Weisheit gebrauchen, über die er verfügt. Daher können Richter und Geschworene der alten Welt durch clevere Spitzfindigkeiten, Gaukeleien vor Gericht oder widersprüchliche Beweise beeinflußt oder verwirrt werden. Oft können sich nur die Reichen und Mächtigen eine wirkungsvolle Verteidigung leisten und sich so das Recht im Grunde genommen erkaufen. Ganz anders wird es unter dem messianischen Richter sein. Er sieht in das Herz. Nichts entgeht seiner Aufmerksamkeit. Gerechtigkeit, gemildert durch Liebe und Barmherzigkeit, wird nicht käuflich sein. Sie wird immer vorherrschen (Jesaja 11:3-5).
Wie seine Herrschaft uns berührt
17, 18. (a) Welches herrliche Bild von der Zukunft der Menschheit wird in Jesaja 11:6-9 gezeichnet? (b) Auf wen findet diese Prophezeiung in erster Linie Anwendung, und warum? (c) Wie wird sich diese Prophezeiung buchstäblich erfüllen?
17 Verständlicherweise hat die Herrschaft des Messias tiefgreifende Auswirkungen auf die Untertanen. Sie verändert die Menschen. Jesaja 11:6-9 zeigt, wie weitreichend die Veränderungen sein werden. Diese Prophezeiung vermittelt ein ergreifendes Bild: Gefährliche Raubtiere — Bären, Wölfe, Leoparden, Löwen, Kobras — halten sich bei harmlosen Haustieren und sogar bei Kindern auf. Von den Raubtieren geht allerdings keine Gefahr aus. Warum nicht? Vers 9 gibt die Antwort: „Sie werden keinen Schaden stiften noch irgendwie Verderben anrichten auf meinem ganzen heiligen Berg; denn die Erde wird bestimmt erfüllt sein mit der Erkenntnis Jehovas, wie die Wasser das ganze Meer bedecken.“
18 Die „Erkenntnis Jehovas“ hat natürlich keine Auswirkungen auf buchstäbliche Tiere; diese Verse müssen somit in erster Linie auf Menschen Anwendung finden. Unter der Herrschaft des Messias wird ein weltweites Schulungsprogramm durchgeführt; die Menschen werden über Jehova und seine Wege unterwiesen; sie werden gelehrt, ihre Mitmenschen mit Liebe, Respekt und Würde zu behandeln. In dem künftigen Paradies wird der Messias der Menschheit durch Wunder körperliche und sittliche Vollkommenheit verleihen. Die raubtiergleichen, animalischen Charakterzüge, die die unvollkommene menschliche Natur verunstaltet haben, werden verschwunden sein. Und außerdem wird die Menschheit buchstäblich mit den Tieren in Frieden leben — endlich! (Vergleiche 1. Mose 1:28.)
19. Inwiefern berührt die Herrschaft des Messias das Leben von Menschen in den letzten Tagen?
19 Denken wir jedoch daran, daß der Messias heute schon regiert. Bereits jetzt lernen die Untertanen seines Königreiches, friedlich zusammenzuleben, wodurch sich Jesaja 11:6-9 in einer Hinsicht erfüllt. Außerdem erfüllt sich an Jesus seit fast 80 Jahren Jesaja 11:10: „Es soll geschehen an jenem Tag, daß die Wurzel Isais es sein wird, die dastehen wird als ein Signal für die Völker. An ihn werden sich auch die Nationen fragend wenden, und seine Ruhestätte soll herrlich werden.“ Menschen aus jeder Nation wenden sich dem Messias zu. Warum? Weil er seit Beginn seiner Herrschaft „als ein Signal“ dasteht. Er macht seine Gegenwart weltweit bekannt, und zwar durch das eben erwähnte gewaltige Schulungsprogramm. Ja, Jesus kündigte als herausragendes Zeichen seiner Gegenwart ein weltweites Predigtwerk vor dem Ende des alten Systems an (Matthäus 24:14).
20. Vor welcher Einstellung müssen sich alle Untertanen der Herrschaft des Messias hüten, und warum?
20 Christi Gegenwart in königlicher Macht liegt nicht in ferner Zukunft, es ist nichts Theoretisches, nicht bloß ein Thema intellektueller Debatten unter Theologen. Seine Herrschaft berührt und verändert das Leben hier auf der Erde, genau wie von Jesaja vorausgesagt. Jesus hat Millionen von Untertanen seines Königreiches aus dem gegenwärtigen verderbten Weltsystem herausgeführt. Gehörst du zu diesen Untertanen? Dann diene unserem Herrscher mit all der Begeisterung und Freude, die er verdient! Zugegeben, es ist viel leichter, zu ermatten und in den zynischen Ruf der Welt einzustimmen: „Wo ist diese seine verheißene Gegenwart?“ (2. Petrus 3:4). Doch Jesus selbst sagte: „Wer ... bis zum Ende ausgeharrt haben wird, der wird gerettet werden“ (Matthäus 24:13).
21. Wie können wir alle unsere Wertschätzung für die messianische Hoffnung vertiefen?
21 Jeder Tag, der vergeht, bringt uns jenem großen Tag näher, an dem Jehova seinen Sohn anweisen wird, der ganzen Welt seine Gegenwart zu offenbaren. Lassen wir nie zu, daß unsere Hoffnung in bezug auf diesen Tag schwindet. Sinnen wir über Jesu Rolle als Messias und seine Eigenschaften als herrschender König nach. Denken wir auch eingehend über Jehova Gott nach, den Urheber und überragenden Geist hinter der großartigen messianischen Hoffnung, die in der Bibel umrissen wird. Wenn wir das tun, werden wir zweifellos mehr und mehr wie der Apostel Paulus empfinden, der schrieb: „O Tiefe des Reichtums und der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!“ (Römer 11:33).
[Fußnoten]
a Der Theologe R. Govett sagte bereits 1864: „Folgendes scheint mir sehr entscheidend: Daß es für die Gegenwart ein Zeichen gibt, zeigt, daß sie verborgen ist. Wir benötigen kein Signal, das uns von der Gegenwart dessen unterrichtet, was wir sehen.“
b Weitere Einzelheiten enthält das Buch „Dein Königreich komme“, Seite 132—138.
-