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Weihnachtsbräuche — Christliche Bräuche?Der Wachtturm 2000 | 15. Dezember
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Sich die Zeit zu nehmen, einige mexikanische Weihnachtsbräuche näher kennenzulernen, trägt vielleicht dazu bei, daß man sich seine eigene Meinung über diese Feiertage bildet.
Die posadas, die „drei Weisen” und das nacimiento
Die Feierlichkeiten werden am 16. Dezember mit den posadas eingeläutet. In dem Buch Mexico’s Feasts of Life wird bemerkt: „Es ist die Zeit der posadas, der neun zauberhaften Tage, die Heiligabend vorausgehen, im Gedenken an das einsame Umherwandern von Joseph und Maria durch Bethlehem und an den Augenblick, in dem sie letztendlich auf Freundlichkeit stießen und Herberge fanden. Familien und Freunde kommen allabendlich zusammen, um die Tage vor der Geburt Christi nachzuspielen.“
Seit jeher zieht eine Gruppe von Leuten mit Figuren, die Maria und Joseph darstellen, zu einer Wohnung und bittet dort singend um Herberge (posada). Die Gastgeber und die Besucher singen im Wechselgesang, bis den Besuchern schließlich Einlaß gewährt wird. Damit geht das Fest los. Einige versuchen nun abwechselnd — mit verbundenen Augen und mit einem Stock in der Hand —, die piñata zu zerschlagen, ein großes, dekoriertes Tongefäß, das an einer Schnur hängt. Ist das gelungen, wird der Inhalt der piñata (Süßigkeiten, Obst und dergleichen) von den Feiernden zusammengesammelt. Das ist der Auftakt zu Speis und Trank, zu Musik und Tanz. Vom 16. bis zum 23. Dezember werden acht posada-Feste veranstaltet. Am 24. Dezember feiert man die Nochebuena (den Heiligabend), und man bemüht sich, die ganze Familie zu einem besonderen Abendessen zu versammeln.
Und schon steht der Neujahrstag an, der laut gefeiert wird. Am Abend des 5. Januar sollen die Tres Reyes Magos (die drei Weisen) den Kindern Spielsachen bringen. Der Höhepunkt ist dann ein Fest am 6. Januar, an dem ein rosca de Reyes (Kranzkuchen) aufgetischt wird. Einer wird in seinem Stück Kuchen ein Püppchen finden, das das Jesuskind darstellt. Der Finder ist verpflichtet, am 2. Februar eine Abschlußfeier zu organisieren und auszurichten. (An manchen Orten sind es drei Püppchen, die die „drei Weisen“ darstellen.) Wie man sieht, gibt es in Verbindung mit Weihnachten Feiern am laufenden Band.
In dieser Zeit ist das nacimiento (die Weihnachtskrippe) recht beliebt. Was gehört alles dazu? Nun, auf öffentlichen Plätzen sowie in Kirchen und Wohnungen stellt man Krippen mit (großen oder kleinen) Figuren aus Keramik, Holz oder Ton auf. Sie stellen Joseph und Maria dar, die vor einer Krippe knien, in der ein Neugeborenes liegt. Oft gehören auch Hirten und Los Reyes Magos (die Weisen) dazu. Die Kulisse ist ein Stall, und ein paar Tiere runden das Bild ab. Die Hauptfigur ist jedoch das Neugeborene, das in Spanisch el Niño Dios (der Kind-Gott) heißt. Diese Schlüsselfigur wird womöglich Heiligabend in die Krippe hineingelegt.
Weihnachtstraditionen unter die Lupe genommen
Über das Weihnachtsfest, wie man es heute im allgemeinen überall in der Welt kennt, schreibt die Encyclopedia Americana: „Die meisten der Bräuche, die heute mit Weihnachten verbunden sind, waren ursprünglich keine Weihnachtsbräuche, sondern stammen aus vorchristlicher Zeit und sind nichtchristliche Bräuche, die von der christlichen Kirche übernommen wurden. Die Saturnalien, ein Fest, das die Römer Mitte Dezember feierten, lieferten das Vorbild für viele weihnachtliche Lustbarkeiten. Von dieser Feier stammen zum Beispiel die ausgedehnten Festlichkeiten, das Austeilen von Geschenken und das Abbrennen von Kerzen.“
In Lateinamerika folgt man diesem grundlegenden Brauchtum sowie weiteren Bräuchen. Man fragt sich vielleicht, woher sie stammen. Offen gesagt, erkennen viele, die sich nach der Bibel ausrichten wollen, daß manche dieser Bräuche nichts anderes als aztekische Riten sind. El Universal, eine Zeitung in Mexiko-Stadt, bemerkte dazu: „Mönche verschiedener Orden nutzten es aus, daß die Feste des Ritual-Kalenders der Indianer mit den Daten des katholischen liturgischen Kalenders zeitgleich fielen; das kam ihrem Evangelisations- und Missionswerk zugute. Sie ersetzten die Gedenkfeiern für die vorspanischen Gottheiten durch Feiern für christliche Gottheiten; sie führten europäische Feste mit ihrem Leben und Treiben ein. Dabei bezogen sie auch indianische Feste ein, was zum kulturellen Synkretismus führte, aus dem typisch mexikanische Ausdrucksformen entstanden sind.“
In der Encyclopedia Americana wird erklärt: „Krippenspiele gehörten schon früh zum Weihnachtsfest . . . Den Beginn der Darstellung der Krippenszene in der Kirche schreibt man dem heiligen Franziskus zu.“ Diese Spiele, die sich um die Geburt Christi drehen, hat man zu Beginn der Kolonisierung Mexikos in den Kirchen aufgeführt. Organisiert wurden sie von franziskanischen Mönchen, die die Indianer über die Geburt Christi belehren wollten. Später gewannen dann die posadas an Beliebtheit. Ganz gleich, welche Absicht man ursprünglich mit den posadas verfolgte, spricht doch die Art und Weise, wie sie heute abgehalten werden, für sich. Wer sich während dieser Festzeit in Mexiko aufhält, der sieht und spürt etwas, was ein Schreiber der Zeitung El Universal wie folgt beschreibt: „Die posadas, die uns an die Pilgerreise der Eltern Jesu erinnern sollen, als sie nach einer Herberge suchten, wo der Kind-Gott geboren werden konnte, sind heute nur noch Tage der Trunksucht, des Exzesses, der Völlerei, der Eitelkeiten und zunehmend der Kriminalität.“
Die Idee des nacimiento wurde in der Kolonialzeit geboren und orientierte sich an den Krippenspielen, die in Kirchen aufgeführt wurden. Auch wenn manche das Ganze reizvoll finden, ist doch die Frage berechtigt, ob das, was die Bibel sagt, korrekt wiedergegeben wird. Als die sogenannten drei Weisen — die in Wirklichkeit Astrologen waren — kamen, befanden sich Jesus und seine Angehörigen nicht mehr im Stall. Es war einige Zeit verstrichen, und nun lebte die Familie in einem Haus. Dieses Detail, das im inspirierten Bericht in Matthäus 2:1, 11 aufgezeichnet ist, dürfte von Interesse sein. Dabei stellt man dann auch fest, daß die Bibel nicht sagt, wie viele Astrologen da waren.a
In Lateinamerika treten die „drei Weisen“ an die Stelle des Weihnachtsmanns. Wie allerdings in anderen Ländern auch, sind es meistens die Eltern, die die Spielsachen in der Wohnung verstecken. Am Morgen des 6. Januar suchen die Kinder dann nach den Spielsachen, als ob die „drei Weisen“ sie gebracht hätten. Spielzeugverkäufer machen in dieser Zeit großen Umsatz, und nicht wenige haben ein Vermögen mit etwas verdient, was viele aufrichtige Menschen als reines Phantasiegebilde erkennen. Die Legende von den „drei Weisen“ verliert bei etlichen an Glaubwürdigkeit, selbst bei den Kleinen. Zwar gefällt es einigen nicht, daß immer weniger dieser Legende glauben, aber was kann man von einem Phantasiegebilde, das nur wegen der Tradition und wegen kommerzieller Vorteile aufrechterhalten wird, auch anderes erwarten?
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Weihnachtsbräuche — Christliche Bräuche?Der Wachtturm 2000 | 15. Dezember
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a Ein weiteres Detail darf nicht übersehen werden: Im mexikanischen nacimiento wird der Säugling als „Kind-Gott“ bezeichnet, beruhend auf der Vorstellung, daß Gott selbst als Säugling zur Erde herabkam. Die Bibel stellt Jesus als den Sohn Gottes dar, der auf der Erde geboren wurde; er war weder derselbe wie Jehova, der Allmächtige, noch ihm gleich. Die Wahrheit hierüber kann man nachlesen in Lukas 1:35; Johannes 3:16; 5:37; 14:1, 6, 9, 28; 17:1, 3; 20:17.
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