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Die Farbe Purpur — Ein KurzporträtErwachet! 2005 | 8. Dezember
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Die Geschichte des Purpurs in Mexiko
Als spanische Eroberer vor Jahrhunderten in Südamerika erstmals purpurfarbene Stoffe zu sehen bekamen, waren sie von ihrer Farbechtheit sehr angetan. Ihnen fiel auf, dass die Farbe nach dem Waschen noch intensiver zu sein schien. Archäologische Funde lassen erkennen, dass die Ureinwohner verschiedene Purpurgewänder trugen.
Die Indianervölker Mexikos, insbesondere die Mixteken, färbten ihre Gewänder mit dem Sekret der Purpura patula pansa — einer Purpurschneckenart, die mit der Schnecke, die die Tyrier kannten, verwandt ist. Beide Schneckenarten scheiden eine Substanz aus, die zunächst farblos erscheint, sich dann aber unter Einwirkung von Licht und Luft purpurn färbt. Mit diesem Farbstoff können Textilien ohne Zuhilfenahme von Beiz- oder Fixiermitteln eingefärbt werden. Damit ist der Farbstoff unter den Färbemitteln einzigartig.
Die Mixteken holten ihre Purpurschnecken aus dem Pazifischen Ozean. Während die Tyrier und die Römer die Meeresschnecken töteten (tatsächlich existieren noch heute meterhohe Berge aus leeren Gehäusen oder Schalen), wurden sie von den Mixteken lediglich „gemolken“, indem sie auf die Tiere bliesen. Dadurch gaben die Schnecken ihre kostbare Flüssigkeit frei, die dann direkt auf die Fasern geträufelt wurde; danach wurden die Tiere wieder ins Meer gesetzt. Zudem wurden sie nicht während der Fortpflanzungszeit „gemolken“. Dadurch ist die Schneckenpopulation bis heute erhalten geblieben.
Bis Anfang der 1980er Jahre fuhren mixtekische Färber 200 Kilometer weit zu den Buchten Huatulcos, um dort von Oktober bis März Purpur zu gewinnen. Durch ihre unaggressiven Methoden blieb das Gleichgewicht erhalten. Nach Aussage der Nationalen Kommission zur Erforschung und Nutzung der Biodiversität wurde das Gleichgewicht zwischen 1981 und 1985 allerdings empfindlich gestört, als eine ausländische Firma die Schnecken auszubeuten suchte. Der Purpurschneckenbestand ging daraufhin zurück. Infolgedessen kam es zu einem offiziellen Abkommen, nach dem das Töten dieser Schnecken verboten und deren Nutzung auf traditionelle Weise den indianischen Gemeinden vorbehalten ist.
Trotz alledem ist die Purpurschnecke in den Buchten, in denen sie lebt, bedroht, und zwar durch die wachsende Tourismusindustrie. Viele hoffen jedoch, dass dieses erstaunliche Geschöpf erhalten bleibt und auch in Zukunft seine wundervolle Farbe liefert.
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Die Farbe Purpur — Ein KurzporträtErwachet! 2005 | 8. Dezember
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[Bild auf Seite 16]
Purpurschnecke
[Bild auf Seite 16]
Die Schnecke wird „gemolken“ und dann wieder ins Meer gesetzt
[Bildnachweis]
© FULVIO ECCARDI
[Bild auf Seite 16, 17]
Purpurfarbenes Webgarn
[Bilder auf Seite 17]
Beim Weben eines „posahuanco“ (Rock)
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