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Ein inspiriertes Muster für den christlichen MissionardienstDer Wachtturm 1992 | 1. September
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Ein inspiriertes Muster für den christlichen Missionardienst
„Werdet meine Nachahmer, so wie ich Christi Nachahmer bin“ (1. KORINTHER 11:1).
1. Welches hervorragende Beispiel gab Jesus, das seine Nachfolger nachahmen sollen? (Philipper 2:5-9).
WELCH ein hervorragendes Beispiel Jesus für seine Jünger doch war! Gern gab er seine himmlische Herrlichkeit auf, um auf die Erde zu kommen und unter sündigen Menschen zu leben. Er war bereit, für die Rettung der Menschheit und — was noch viel wichtiger war — für die Heiligung des Namens seines himmlischen Vaters sehr zu leiden (Johannes 3:16; 17:4). Vor Gericht, als es für Jesus um Leben und Tod ging, erklärte er mutig: „Dazu bin ich geboren worden und dazu bin ich in die Welt gekommen, damit ich für die Wahrheit Zeugnis ablege“ (Johannes 18:37).
2. Warum konnte der auferweckte Jesus seine Jünger beauftragen, das von ihm begonnene Werk fortzusetzen?
2 Jesus vermittelte seinen Jüngern vor seinem Tod eine ausgezeichnete Schulung, so daß es ihnen möglich war, das Werk fortzusetzen, für die Königreichswahrheit Zeugnis abzulegen (Matthäus 10:5-23; Lukas 10:1-16). Nach seiner Auferstehung konnte Jesus ihnen daher den Auftrag geben: „Geht ... hin, und macht Jünger aus Menschen aller Nationen, tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe“ (Matthäus 28:19, 20).
3. Wie dehnte sich das Werk des Jüngermachens aus, doch auf welches Gebiet konzentrierte es sich hauptsächlich?
3 In den nächsten dreieinhalb Jahren kamen Jesu Jünger diesem Auftrag nach; sie beschränkten das Jüngermachen allerdings auf Juden, jüdische Proselyten und beschnittene Samariter. Im Jahre 36 u. Z. gab Gott dann die Anweisung, die gute Botschaft einem unbeschnittenen Mann namens Kornelius sowie seiner Hausgemeinschaft zu predigen. Während des folgenden Jahrzehnts schlossen sich weitere Nichtjuden der Versammlung an. Das Werk scheint damals allerdings größtenteils auf den östlichen Mittelmeerraum beschränkt gewesen zu sein (Apostelgeschichte 10:24, 44-48; 11:19-21).
4. Welche bedeutsame Entwicklung trat um das Jahr 47/48 u. Z. ein?
4 Die Christen benötigten etwas, was sie veranlaßte oder befähigte, aus Juden und Nichtjuden in weiter entfernten Gebieten Jünger zu machen. Daher erhielten um das Jahr 47/48 u. Z. die Ältesten der Versammlung im syrischen Antiochia folgende göttliche Botschaft: „Sondert mir von allen Personen Barnabas und Saulus für das Werk aus, zu dem ich sie berufen habe“ (Apostelgeschichte 13:2). Beachten wir, daß Paulus damals unter seinem ursprünglichen Namen, Saulus, bekannt war. Und beachten wir außerdem, daß Gott Barnabas vor Paulus erwähnte, vielleicht weil Barnabas damals als der Dienstältere der beiden betrachtet wurde.
5. Warum ist der Bericht über die Missionsreise von Paulus und Barnabas für heutige Christen von großem Wert?
5 Der ausführliche Bericht über die Missionsreise von Paulus und Barnabas ist für Zeugen Jehovas eine große Ermunterung, besonders für Missionare und Pioniere, die ihren Heimatort verlassen haben, um Gott in einem fremden Gebiet zu dienen. Eine Betrachtung von Apostelgeschichte, Kapitel 13 und 14 wird bestimmt auch weitere Zeugen dazu anregen, Paulus und Barnabas nachzuahmen und ihren Anteil an dem äußerst wichtigen Werk des Jüngermachens zu vergrößern.
Die Insel Zypern
6. Welches Beispiel gaben die Missionare auf Zypern?
6 Unverzüglich fuhren die Missionare vom syrischen Hafen Seleukia hinüber zur Insel Zypern. Nach ihrer Ankunft in Salamis ließen sie sich nicht ablenken, sondern „begannen ... das Wort Gottes in den Synagogen der Juden zu verkündigen“. Dem Vorbild Christi entsprechend gaben sie sich nicht damit zufrieden, sich in der Stadt niederzulassen und darauf zu warten, daß die Inselbewohner zu ihnen kamen. Statt dessen machten sie sich auf den Weg und bearbeiteten „die ganze Insel“. Dafür mußten sie zweifellos weite Strecken zu Fuß zurücklegen und häufig die Unterkunft wechseln, denn Zypern ist recht groß, und ihre Reise führte sie quer durch den größten Teil der Insel (Apostelgeschichte 13:5, 6).
7. (a) Was geschah in Paphos Außergewöhnliches? (b) Zu welcher Einstellung ermuntert uns dieser Bericht?
7 Gegen Ende ihres Aufenthalts wurden die beiden Männer in der Stadt Paphos mit einer wunderbaren Erfahrung belohnt. Sergius Paulus, der Herrscher der Insel, hörte auf die Botschaft und ‘wurde gläubig’ (Apostelgeschichte 13:7, 12). Paulus schrieb später: „Ihr seht eure Berufung, Brüder, daß nicht viele, die dem Fleische nach Weise sind, berufen wurden, nicht viele Mächtige, nicht viele von vornehmer Geburt“ (1. Korinther 1:26). Doch zu den Mächtigen, die günstig reagierten, gehörte Sergius Paulus. Diese Erfahrung sollte alle — besonders Missionare — ermuntern, zum Zeugnisgeben gegenüber Regierungsvertretern positiv eingestellt zu sein, wozu wir auch in 1. Timotheus 2:1-4 ermuntert werden. Einflußreiche Personen haben Gottes Dienern manchmal schon sehr geholfen (Nehemia 2:4-8).
8. (a) Wie änderte sich zu jener Zeit offenbar das Verhältnis von Barnabas zu Paulus? (b) In welcher Hinsicht gab Barnabas ein hervorragendes Beispiel?
8 Unter dem Einfluß des Geistes Jehovas spielte Paulus bei der Bekehrung des Sergius Paulus die größere Rolle (Apostelgeschichte 13:8-12). Zu jener Zeit scheint Paulus auch die Führung übernommen zu haben. (Vergleiche Apostelgeschichte 13:7 mit Apostelgeschichte 13:15, 16, 43.) Das geschah in Übereinstimmung mit dem göttlichen Auftrag, den Paulus bei seiner Bekehrung erhalten hatte (Apostelgeschichte 9:15). Durch diese Entwicklung mag die Demut des Barnabas auf die Probe gestellt worden sein. Aber statt die Veränderung als persönlichen Angriff zu betrachten, wurde Barnabas wahrscheinlich der Bedeutung seines Namens, „Sohn des Trostes“, gerecht, und er unterstützte Paulus auf der gesamten Missionsreise wie auch danach, als einige Judenchristen den Dienst der beiden unter den unbeschnittenen Nichtjuden kritisierten (Apostelgeschichte 15:1, 2). Welch ein vortreffliches Beispiel er doch für uns alle ist, die Bewohner von Missionar- und Bethelheimen eingeschlossen! Wir sollten stets bereit sein, theokratische Änderungen zu akzeptieren, und diejenigen rückhaltlos unterstützen, die ernannt wurden, unter uns die Führung zu übernehmen (Hebräer 13:17).
Das Hochland von Kleinasien
9. Was lernen wir aus der Bereitschaft von Paulus und Barnabas, nach Antiochia in Pisidien zu reisen?
9 Von Zypern aus reisten Paulus und Barnabas nordwärts, auf den asiatischen Kontinent. Aus ungenannten Gründen blieben die Missionare nicht in der Küstenregion, sondern unternahmen eine lange, gefährliche Reise nach dem etwa 180 Kilometer entfernten Antiochia in Pisidien, das im zentralen Hochland von Kleinasien lag. Unterwegs mußten sie einen Paß überwinden, um auf die ungefähr 1 100 Meter über dem Meeresspiegel gelegene Hochebene zu gelangen. Der Bibelgelehrte J. S. Howson sagt: „Die Bewohner dieser Berge, die das Hochland ... von den Ebenen an der Südküste trennen, waren zu allen Zeiten der Geschichte des Altertums für ihre Gesetzlosigkeit und ihre Plündereien berüchtigt.“ Zusätzlich sahen sich die Missionare den Gefahren durch die Naturkräfte ausgesetzt. „Kein Gebiet in Kleinasien“, fährt Howson fort, „wird in so einmaliger Weise durch seine ‚Wasserfluten‘ charakterisiert wie die Berggegend von Pisidien, wo Flüsse am Fuß riesiger Felsen hervorbrechen oder wild schäumend durch enge Schluchten stürzen.“ Diese Einzelheiten vermitteln uns eine Vorstellung davon, was für Reisen die Missionare bereitwillig unternahmen, um die gute Botschaft zu verbreiten (2. Korinther 11:26). In ähnlicher Weise bieten heute viele Diener Jehovas allen Arten von Hindernissen die Stirn, um Menschen zu erreichen und ihnen die gute Botschaft zu übermitteln.
10, 11. (a) Wie bemühte sich Paulus, eine gemeinsame Grundlage mit seinen Zuhörern beizubehalten? (b) Warum waren wahrscheinlich viele Juden erstaunt, vom Leiden des Messias zu hören? (c) Welche Rettung stellte Paulus seinen Zuhörern in Aussicht?
10 Da es im pisidischen Antiochia eine jüdische Synagoge gab, gingen die Missionare zuerst dorthin, um den Menschen, die mit Gottes Wort am besten vertraut waren, Gelegenheit zu geben, die gute Botschaft anzunehmen. Als Paulus eingeladen wurde, sich zu äußern, stand er auf und hielt einen meisterhaften öffentlichen Vortrag. Während der ganzen Ansprache vor der aus Juden und Proselyten bestehenden Zuhörerschaft bemühte er sich, eine gemeinsame Grundlage beizubehalten (Apostelgeschichte 13:13-16, 26). Paulus behandelte im Anschluß an seine Einleitung die glanzvolle Geschichte der Juden, wobei er die Zuhörer daran erinnerte, daß Jehova ihre Vorväter erwählt und dann aus Ägypten befreit hatte, sowie daran, daß er ihnen geholfen hatte, die Einwohner des Landes der Verheißung zu besiegen. Dann ging Paulus darauf ein, wie Jehova mit David gehandelt hatte. Solche Gedanken waren für die Juden des ersten Jahrhunderts von Interesse, weil sie erwarteten, daß Gott einen Nachkommen Davids als Retter und ewigen Herrscher erwecken würde. Diesbezüglich verkündete Paulus mutig: „Aus der Nachkommenschaft dieses Mannes [David] hat Gott seiner Verheißung gemäß für Israel einen Retter, Jesus, gebracht“ (Apostelgeschichte 13:17-23).
11 Viele Juden erwarteten allerdings einen Kriegshelden als Retter, der sie von der römischen Herrschaft befreien und die jüdische Nation über alle anderen erhöhen würde. Daher waren sie zweifellos erstaunt, von Paulus zu hören, daß der Messias von ihren eigenen geistlichen Führern zur Hinrichtung ausgeliefert worden war. „Gott aber auferweckte ihn von den Toten“, erklärte Paulus kühn. Gegen Ende seiner Ansprache zeigte er seinen Zuhörern, daß sie eine wunderbare Rettung erlangen könnten. „Darum sei euch kund“, sagte er, „daß euch durch diesen Vergebung der Sünden verkündigt wird und daß von allen Dingen, von denen ihr durch das Gesetz Mose nicht schuldlos gesprochen werden konntet, jeder, der glaubt, durch diesen schuldlos gesprochen wird.“ Paulus schloß seine Ansprache mit der Aufforderung an seine Zuhörer ab, nicht zu den vielen zu gehören, die gemäß Gottes Voraussage diese wunderbare Rettungsvorkehrung verachten würden (Apostelgeschichte 13:30-41).
12. Was bewirkte die Ansprache des Paulus, und wozu sollte uns das ermuntern?
12 Welch eine gut vorgetragene biblische Ansprache! Wie reagierten die Zuhörer darauf? „Viele von den Juden und von den Proselyten, die Gott anbeteten, [folgten] Paulus und Barnabas“ (Apostelgeschichte 13:43). Wie ermunternd für uns heute! Wir wollen ebenso unser Bestes geben, die Wahrheit wirkungsvoll darzubieten, sei es in unserem Predigtdienst oder in Kommentaren und Ansprachen in den Zusammenkünften unserer Versammlung (1. Timotheus 4:13-16).
13. Warum mußten die Missionare Antiochia in Pisidien verlassen, und welche Fragen in bezug auf die neuen Jünger entstanden?
13 Die neuinteressierten Personen im pisidischen Antiochia konnten die gute Botschaft nicht für sich behalten. Aufgrund dessen geschah folgendes: „Am nächsten Sabbat versammelte sich nahezu die ganze Stadt, um das Wort Jehovas zu hören.“ Und bald verbreitete sich die Botschaft über die Grenzen der Stadt hinaus. „Das Wort Jehovas [wurde] weiterhin durch das ganze Land getragen“ (Apostelgeschichte 13:44, 49). Doch statt dies zu begrüßen, setzten eifersüchtige Juden alles daran, daß die Missionare aus der Stadt vertrieben wurden (Apostelgeschichte 13:45, 50). Wie wirkte sich das auf die neuen Jünger aus? Verloren sie den Mut und gaben auf?
14. Warum gelang es den Widersachern nicht, das Werk, das die Missionare begonnen hatten, zunichte zu machen, und was lernen wir daraus?
14 Nein, denn es war Gottes Werk. Außerdem hatten die Missionare eine solide Grundlage für den Glauben an den auferweckten Herrn Jesus Christus gelegt. Offensichtlich betrachteten die neuen Jünger nicht die Missionare, sondern Christus als ihren Führer. Wir lesen daher, daß sie „fortgesetzt mit Freude und heiligem Geist erfüllt“ wurden (Apostelgeschichte 13:52). Wie ermunternd ist das doch für Missionare und andere Verkündiger, die heute Jünger machen! Wenn wir demütig und eifrig unseren Teil tun, werden Jehova Gott und Jesus Christus unseren Predigtdienst segnen (1. Korinther 3:9).
Ikonion, Lystra und Derbe
15. Wie gingen die Missionare in Ikonion vor, und welche Ergebnisse erzielten sie?
15 Paulus und Barnabas reisten nun etwa 140 Kilometer nach Südosten in die nächste Stadt, Ikonion. Sie ließen sich nicht aus Angst vor Verfolgung daran hindern, genauso vorzugehen wie in Antiochia. Daraufhin geschah gemäß der Bibel folgendes: „Eine große Menge Juden und auch Griechen [wurden] gläubig“ (Apostelgeschichte 14:1). Aber auch hier schürten Juden, die die gute Botschaft nicht angenommen hatten, den Widerstand. Doch die Missionare harrten aus und brachten längere Zeit in Ikonion zu, um den neuen Jüngern zu helfen. Als Paulus und Barnabas schließlich erfuhren, daß ihre jüdischen Widersacher sie steinigen wollten, flohen sie klugerweise in das nächstgelegene Gebiet, und zwar nach „Lystra und Derbe ... und die Umgegend“ (Apostelgeschichte 14:2-6).
16, 17. (a) Was geschah mit Paulus in Lystra? (b) Wie wirkte sich Gottes Handlungsweise mit Paulus auf einen jungen Mann aus Lystra aus?
16 Mutig „verkündigten sie weiter die gute Botschaft“ in diesem neuen, jungfräulichen Gebiet (Apostelgeschichte 14:7). Juden im pisidischen Antiochia und in Ikonion hörten jedoch davon und machten sich auf den langen Weg nach Lystra, wo sie die Volksmengen überredeten, Paulus zu steinigen. Paulus konnte nicht mehr entkommen, und man bewarf ihn mit Steinen, so daß seine Widersacher der Meinung waren, er sei tot. Sie schleppten ihn zur Stadt hinaus (Apostelgeschichte 14:19).
17 Kann man sich vorstellen, welch eine Prüfung das für die neuen Jünger war? Doch dann geschah etwas Erstaunliches: Als sie Paulus umringten, stand er auf! Die Bibel sagt nicht, ob zu diesen neuen Jüngern ein junger Mann namens Timotheus gehörte. Gewiß erfuhr Timotheus irgendwann davon, wie Gott mit Paulus gehandelt hatte, und es muß in seinem jungen Sinn einen tiefen Eindruck hinterlassen haben. Paulus schrieb in seinem zweiten Brief an Timotheus: „Du aber bist meiner Lehre genau gefolgt, meinem Lebenswandel, ... der Art der Dinge, die mir in Antiochia, in Ikonion, in Lystra widerfuhren, der Art der Verfolgungen, die ich ertragen habe; und doch hat mich der Herr aus ihnen allen befreit“ (2. Timotheus 3:10, 11). Ein oder zwei Jahre nach seiner Steinigung kehrte Paulus nach Lystra zurück und stellte fest, daß der junge Timotheus ein vorbildlicher Christ war, der „bei den Brüdern in Lystra und Ikonion in gutem Ruf [stand]“ (Apostelgeschichte 16:1, 2). Daher wählte sich Paulus ihn zum Reisegefährten. Das half Timotheus, an geistiger Reife zuzunehmen, und im Laufe der Zeit eignete er sich dazu, von Paulus in verschiedene Versammlungen gesandt zu werden (Philipper 2:19, 20; 1. Timotheus 1:3). Auch heute üben eifrige Diener Gottes einen segensreichen Einfluß auf junge Leute aus, von denen viele wie Timotheus zu wertvollen Dienern Gottes heranwachsen.
18. (a) Wie erging es den Missionaren in Derbe? (b) Welche Gelegenheit hätten sie jetzt gehabt, doch was taten sie?
18 Nachdem Paulus in Lystra dem Tod entronnen war, machte er sich am nächsten Morgen mit Barnabas auf den Weg nach Derbe. Diesmal folgten ihnen keine Widersacher, und wie es in der Bibel heißt, ‘machten sie ziemlich viele zu Jüngern’ (Apostelgeschichte 14:20, 21). Paulus und Barnabas gründeten in Derbe eine Versammlung und mußten dann eine Entscheidung treffen. Eine belebte römische Straße führte von Derbe weiter nach Tarsus. Von dort war es nicht mehr weit nach Antiochia in Syrien. Möglicherweise wäre das der bequemste Rückweg gewesen, und den Missionaren hätte der Gedanke kommen können, jetzt etwas Ruhe zu verdienen. Doch als Nachahmer ihres Herrn spürten Paulus und Barnabas, daß es etwas Wichtigeres zu tun gab (Markus 6:31-34).
Gottes Werk völlig durchführen
19, 20. (a) Wie segnete Jehova die Missionare dafür, daß sie nach Lystra, Ikonion und Antiochia zurückkehrten? (b) Was lernt Jehovas Volk von heute daraus?
19 Statt den kurzen Weg nach Hause einzuschlagen, machten die Missionare kehrt und gingen in jene Städte zurück, in denen sie in Lebensgefahr geschwebt hatten. Segnete Jehova sie für ihre selbstlose Sorge um die neuen Schafe? Ganz gewiß, denn in dem Bericht heißt es, daß sie „die Seelen der Jünger [stärkten], indem sie sie ermunterten, im Glauben zu bleiben“. Passenderweise sagten sie zu den neuen Jüngern: „Wir müssen durch viele Drangsale in das Königreich Gottes eingehen“ (Apostelgeschichte 14:21, 22). Paulus und Barnabas erinnerten sie auch an ihre Berufung als Miterben im kommenden Königreich Gottes. Heute sollten wir neue Jünger in ähnlicher Weise ermuntern. Wir können sie darin bestärken, in Prüfungen auszuharren, indem wir ihnen die Aussicht auf ewiges irdisches Leben vor Augen führen — unter der Herrschaft desselben Königreiches Gottes, das Paulus und Barnabas verkündigten.
20 Bevor Paulus und Barnabas eine Stadt wieder verließen, halfen sie der Ortsversammlung dadurch, daß sie in organisatorischer Hinsicht Verbesserungen vornahmen. Offenbar schulten sie geeignete Männer und beauftragten sie, in der Versammlung die Führung zu übernehmen (Apostelgeschichte 14:23). Das trug zweifellos zu weiterer Ausdehnung bei. So ziehen auch heute Missionare und andere Verkündiger, wenn sie Personen mit wenig Erfahrung geholfen haben, so weit Fortschritte zu machen, daß sie Verantwortung tragen können, manchmal weg und setzen ihre gute Arbeit an Orten fort, wo sie noch dringender erforderlich ist.
21, 22. (a) Was geschah, nachdem Paulus und Barnabas ihre Missionsreise beendet hatten? (b) Welche Fragen erheben sich?
21 Als die beiden Missionare schließlich nach Antiochia in Syrien zurückkehrten, konnten sie eine tiefe Befriedigung verspüren. Ja wie es im Bibelbericht heißt, hatten sie das Werk, das ihnen von Gott anvertraut worden war, „völlig durchgeführt“ (Apostelgeschichte 14:26). Verständlicherweise bereiteten sie „allen Brüdern große Freude“, als sie über ihre Erfahrungen berichteten (Apostelgeschichte 15:3). Doch wie sollte es weitergehen? Würden sie die Hände in den Schoß legen und sich, wie man so sagt, auf ihren Lorbeeren ausruhen? Auf gar keinen Fall. Nachdem sie wegen der Entscheidung in der Frage der Beschneidung die leitende Körperschaft in Jerusalem aufgesucht hatten, begaben sie sich auf weitere Missionsreisen. Diesmal schlugen sie verschiedene Richtungen ein. Barnabas ging mit Johannes Markus nach Zypern, während Paulus in Silas einen neuen Partner fand, mit dem er durch Syrien und Zilizien reiste (Apostelgeschichte 15:39-41). Auf dieser Reise wählte er sich auch den jungen Timotheus als Begleiter aus.
22 Die Bibel sagt nichts über die Ergebnisse der zweiten Reise des Barnabas. Paulus setzte seinen Dienst in neuen Gebieten in Europa fort und gründete in mindestens fünf Städten Versammlungen — in Philippi, Beröa, Thessalonich, Korinth und Ephesus. Was war der Schlüssel für den großen Erfolg des Paulus? Sind dieselben Grundsätze für Christen, die heute Jünger machen, anwendbar?
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Alle wahren Christen müssen Evangeliumsverkündiger seinDer Wachtturm 1992 | 1. September
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Alle wahren Christen müssen Evangeliumsverkündiger sein
„Verrichte das Werk eines Evangeliumsverkündigers [„eines Missionars“, NW, Stud., Fußnote]“ (2. TIMOTHEUS 4:5).
1. Welche gute Botschaft wurde von den Evangeliumsverkündigern des ersten Jahrhunderts gepredigt?
WAS bedeutet es heute, ein Evangeliumsverkündiger zu sein? Bist du ein solcher? Das Wort „Evangeliumsverkündiger“ kommt von dem griechischen Wort euaggelistḗs, das „ein Prediger der guten Botschaft“ bedeutet. Seit der Gründung der Christenversammlung im Jahre 33 u. Z. wurde durch die christliche gute Botschaft Gottes Mittel zur Rettung hervorgehoben und verkündet, daß Jesus Christus in späterer Zeit zurückkehren würde, um seine Königreichsherrschaft über die Menschheit anzutreten (Matthäus 25:31, 32; 2. Timotheus 4:1; Hebräer 10:12, 13).
2. (a) Inwiefern hat die gute Botschaft in unseren Tagen mehr Inhalt bekommen? (b) Welche Verpflichtung haben heute alle wahren Christen?
2 Von 1914 an begannen sich die Beweise zu häufen, daß das von Jesus beschriebene Zeichen seiner Rückkehr und seiner unsichtbaren Gegenwart eintraf (Matthäus 24:3-13, 33). Wiederum konnte die gute Botschaft die Aussage einschließen, daß „das Königreich Gottes nahe ist“ (Lukas 21:7, 31; Markus 1:14, 15). Ja, die Zeit war gekommen für eine großartige Erfüllung der in Matthäus 24:14 aufgezeichneten Prophezeiung Jesu: „Diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis; und dann wird das Ende kommen“ (Matthäus 24:14). Das Evangelisieren schließt heute ein, eifrig das aufgerichtete Königreich Gottes und die Segnungen, die es gehorsamen Menschen bald bringen wird, bekanntzumachen. Alle Christen sind beauftragt, dieses Werk zu verrichten und ‘Jünger zu machen’ (Matthäus 28:19, 20; Offenbarung 22:17).
3. Welche zusätzliche Bedeutung hat das Wort „Evangeliumsverkündiger“? (Siehe Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1, Seite 701, Absatz 1.) (b) Welche Fragen erheben sich daher?
3 Die Bibel gebraucht das Wort „Evangeliumsverkündiger“ nicht nur in Verbindung mit dem Predigen der guten Botschaft im allgemeinen, sondern sie wendet es auch speziell auf diejenigen an, die ihr Heimatgebiet verlassen, um die gute Botschaft in unbearbeiteten Gegenden zu predigen. Im ersten Jahrhundert gab es eine ganze Reihe als Missionare tätige Evangeliumsverkündiger wie Philippus, Paulus, Barnabas, Silas und Timotheus (Apostelgeschichte 21:8; Epheser 4:11). Doch was ist über die besondere Zeit zu sagen, in der wir seit 1914 leben? Haben sich Jehovas Diener als Evangeliumsverkündiger zur Verfügung gestellt, sei es im lokalen Bereich oder als Missionare?
Fortschritt seit 1919
4, 5. Wie waren kurz nach 1914 die Aussichten für das Evangelisierungswerk?
4 Als der Erste Weltkrieg 1918 seinem Ende entgegenging, sahen sich Gottes Diener zunehmendem Widerstand von seiten Abtrünniger sowie von seiten der Geistlichkeit der Christenheit und ihrer politischen Verbündeten ausgesetzt. Das wahre christliche Evangelisieren kam im Juni 1918 tatsächlich fast zum Stillstand, als führende Vertreter der Watch Tower Society in den Vereinigten Staaten aufgrund von Falschanklagen zu 20 Jahren Haft verurteilt wurden. War es Gottes Feinden gelungen, dem Predigen der guten Botschaft ein Ende zu bereiten?
5 Im März 1919 wurden die Vertreter der Gesellschaft unerwartet freigelassen und später rehabilitiert, da sie zufolge von Falschanklagen ins Gefängnis gekommen waren. Wieder in Freiheit, wurde den gesalbten Christen bewußt, daß es für sie immer noch viel Arbeit zu tun gab, bevor sie in den Himmel aufgenommen würden, um ihren Lohn als Miterben im Königreich Gottes zu erhalten (Römer 8:17; 2. Timotheus 2:12; 4:18).
6. Welche Fortschritte machte das Evangelisierungswerk zwischen 1919 und 1939?
6 Damals, im Jahre 1919, belief sich die Zahl derer, die über ihre Beteiligung an der Verbreitung der guten Botschaft berichteten, auf weniger als 4 000. In den nächsten beiden Jahrzehnten boten sich verschiedene Männer als Missionarverkündiger an, und einige wurden in Länder Afrikas, Asiens und Europas gesandt. 1939, nach 20 Jahren der Verkündigung des Königreiches, war die Zahl der Zeugen Jehovas auf über 73 000 gestiegen. Diese hervorragende Zunahme, die trotz Verfolgung erreicht wurde, war vergleichbar mit dem, was in den Anfangsjahren der Christenversammlung vor sich gegangen war (Apostelgeschichte 6:7; 8:4, 14-17; 11:19-21).
7. Inwiefern herrschte in den Jahren 47 u. Z. und 1939 eine vergleichbare Situation, was das christliche Evangelisierungswerk betraf?
7 Allerdings war zu jener Zeit die Mehrheit der Zeugen Jehovas in englischsprachigen protestantischen Ländern konzentriert. So lebten tatsächlich 75 Prozent der 73 000 Königreichsverkündiger in Australien, Großbritannien, Kanada, Neuseeland und in den Vereinigten Staaten. Wie um das Jahr 47 u. Z. benötigten die Evangeliumsverkündiger etwas, was sie ermunterte, den weniger bearbeiteten Ländern der Erde mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
8. Was ist durch die Gileadschule bis 1992 erreicht worden?
8 Einschränkungen und Verfolgung während der Kriegszeit konnten Jehovas machtvollen heiligen Geist nicht davon abhalten, seine Diener anzuspornen, sich auf größere Ausdehnung vorzubereiten. 1943, auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkriegs, eröffnete Gottes Organisation die Wachtturm-Bibelschule Gilead in der Absicht, die gute Botschaft in noch größerem Umfang zu verbreiten. Bis März 1992 wurden von dieser Schule 6 517 Missionare in 171 verschiedene Länder ausgesandt. Zusätzlich wurden Männer geschult, Zweigbüros der Watch Tower Society in anderen Ländern zu leiten. Bis 1992 sind 75 der 97 Koordinatoren der Zweigkomitees in Gilead geschult worden.
9. Welche Schulungsprogramme haben zum Fortschritt des Evangelisierungswerks und des Werks des Jüngermachens beigetragen?
9 Außer durch die Gileadschule sind Jehovas Diener noch durch weitere Schulungsprogramme ausgerüstet worden, ihr Evangelisierungswerk auszudehnen und zu verbessern. Die Theokratische Predigtdienstschule wird zum Beispiel in den Versammlungen der Zeugen Jehovas auf der ganzen Erde durchgeführt. In dieser Einrichtung sowie in der wöchentlichen Dienstzusammenkunft werden Millionen von Königreichsverkündigern geschult, um im Predigtdienst mit Erfolg tätig sein zu können. Des weiteren gibt es die Königreichsdienstschule, die Ältesten und Dienstamtgehilfen wertvolle Schulung vermittelt, damit sie sich noch besser um die wachsenden Versammlungen kümmern können. Die Pionierdienstschule hat vielen Vollzeitverkündigern des Evangeliums geholfen, im Predigtdienst wirkungsvoller vorzugehen. In jüngster Zeit wird in mehreren Ländern die Schule zur dienstamtlichen Weiterbildung durchgeführt, um ledige Älteste und Dienstamtgehilfen auszurüsten, neuzeitliche Timotheusse zu werden.
10. Was ist durch all die hervorragende Schulung, für die Gottes Organisation gesorgt hat, bewirkt worden? (Siehe auch die Informationen im Kasten.)
10 Was ist durch all die Schulung bewirkt worden? 1991 erreichten Jehovas Zeugen eine Höchstzahl von weit über vier Millionen Königreichsverkündigern in 212 Ländern. Und im Gegensatz zu der Situation im Jahre 1939 leben 70 Prozent von ihnen in katholischen, orthodoxen, nichtchristlichen oder sonstigen Ländern, in denen Englisch nicht die Hauptsprache ist. (Siehe den Kasten „Ausdehnung seit 1939“.)
Warum so erfolgreich?
11. Wem schrieb der Apostel Paulus seinen Erfolg als Prediger zu?
11 Jehovas Zeugen nehmen die Ehre für diese Ausdehnung nicht für sich in Anspruch. Statt dessen betrachten sie ihr Werk genauso wie der Apostel Paulus, der in seinem Brief an die Korinther schrieb: „Was ist denn Apollos? Ja, was ist Paulus? Diener, durch die ihr gläubig geworden seid, so wie der Herr es einem jeden gewährt hat. Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber hat es fortwährend wachsen lassen, so daß weder der Pflanzende etwas ist noch der Begießende, sondern Gott, der es wachsen läßt. Denn wir sind Gottes Mitarbeiter. Ihr seid Gottes Feld zur Bebauung, Gottes Bau“ (1. Korinther 3:5-7, 9).
12. (a) Welche Rolle spielt Gottes Wort beim erfolgreichen christlichen Evangelisieren? (b) Wer wurde als Haupt der Christenversammlung eingesetzt, und wie müssen wir unter anderem zeigen, daß wir uns seiner Leitung als Haupt unterwerfen?
12 Das phänomenale Wachstum der Zeugen Jehovas ist ohne Zweifel auf den Segen Gottes zurückzuführen. Es ist Gottes Werk. In Anerkennung dieser Tatsache studieren die Zeugen weiterhin regelmäßig Gottes Wort. Sie stützen alles, was sie in ihrem Evangelisierungswerk lehren, auf die Bibel (1. Korinther 4:6; 2. Timotheus 3:16). Ein weiterer Schlüssel für ihr erfolgreiches Evangelisieren ist, daß sie den Herrn Jesus Christus, den Gott als Haupt der Versammlung eingesetzt hat, voll und ganz anerkennen (Epheser 5:23). Die Christen des ersten Jahrhunderts zeigten dies durch ihre Zusammenarbeit mit den Männern, die Jesus zu Aposteln ernannt hatte. Die Apostel bildeten gemeinsam mit anderen Ältesten der Versammlung in Jerusalem die leitende Körperschaft der Christen des ersten Jahrhunderts. Vom Himmel aus bediente sich der Herr Jesus Christus dieser Gruppe reifer Christen, um Streitfragen zu klären und Anweisungen für das Evangelisierungswerk zu geben. Daß Paulus diese göttliche Einrichtung voll und ganz unterstützte, trug zur Mehrung in den Versammlungen bei, die er besuchte (Apostelgeschichte 16:4, 5; Galater 2:9). Ebenso werden christliche Evangeliumsverkündiger heute in ihrem Predigtdienst gewiß Erfolg haben, wenn sie sich eng an Gottes Wort halten und die Anweisungen der leitenden Körperschaft rückhaltlos befolgen (Titus 1:9; Hebräer 13:17).
Andere höher achten
13, 14. (a) Welchen Rat gab der Apostel Paulus gemäß Philipper 2:1-4? (b) Warum ist es so wichtig, diesen Rat zu beherzigen, wenn wir uns am Evangelisierungswerk beteiligen?
13 Der Apostel Paulus hatte echte Liebe zu wahrheitssuchenden Menschen, und er fühlte sich anderen weder überlegen, noch bekundete er eine rassistische Einstellung. Daher konnte er Glaubensbrüdern den Rat geben, ‘andere höher zu achten’ (Philipper 2:1-4).
14 Ebenso fühlen sich wahre christliche Evangeliumsverkündiger heute gegenüber Menschen verschiedener Rassen und unterschiedlicher Herkunft, mit denen sie zu tun haben, nicht überlegen. So sagte ein Zeuge Jehovas aus den Vereinigten Staaten, der als Missionar nach Afrika gesandt wurde: „Ich weiß genau, daß wir ihnen [den Einheimischen] nicht überlegen sind. Wir haben vielleicht mehr Geld und eine bessere Allgemeinbildung, aber sie verfügen über Qualitäten, die die unseren in den Schatten stellen.“
15. Wie können diejenigen, die ausgesandt werden, um im Ausland tätig zu sein, gegenüber voraussichtlichen Jüngern echten Respekt bekunden?
15 Wenn wir gegenüber den Menschen, mit denen wir über die gute Botschaft sprechen, echten Respekt bekunden, erleichtern wir es ihnen, die Botschaft der Bibel anzunehmen. Es ist auch eine Hilfe, wenn ein im Missionardienst stehender Evangeliumsverkündiger zeigt, daß er gern unter den Menschen lebt, denen er helfen möchte. Ein erfolgreicher Missionar, der schon 38 Jahre in Afrika verbracht hat, sagte: „Ich bin in meinem tiefsten Innern davon überzeugt, daß ich hier zu Hause bin und daß die Menschen in der Versammlung, der ich zugeteilt bin, meine Brüder und Schwestern sind. Wenn ich Urlaub in Kanada, meinem Herkunftsland, mache, fühle ich mich nicht wirklich daheim. Spätestens in der letzten Woche in Kanada brenne ich auf die Abreise. So ergeht es mir jedesmal. Ich sage den Personen, mit denen ich die Bibel studiere, sowie den Brüdern und Schwestern, wie glücklich ich bin, wieder zurück zu sein, und sie schätzen es, daß ich bei ihnen sein möchte“ (1. Thessalonicher 2:8).
16, 17. (a) Welche Herausforderung haben viele Missionare und einheimische Evangeliumsverkündiger angenommen, um in ihrem Predigtdienst wirkungsvoller zu sein? (b) Was erlebte eine Missionarin, weil sie sich in der Landessprache unterhielt?
16 Manche, in deren Gebiet viele fremdsprachige Personen leben, bemühen sich, die betreffende Sprache zu erlernen, wodurch sie zeigen, daß sie andere höher achten. „Im südlichen Afrika herrscht“, wie ein Missionar feststellte, „manchmal Mißtrauen zwischen den Menschen afrikanischer Herkunft und denen europäischer Herkunft. Doch dadurch, daß wir die Sprache der Einheimischen sprechen, wird dieses Gefühl schnell zerstreut.“ Die Sprache der Menschen zu sprechen, denen wir die gute Botschaft übermitteln möchten, wird uns sehr helfen, ihr Herz zu erreichen. Das erfordert allerdings große Anstrengungen und demütige Beharrlichkeit. Eine Missionarin, die in einem asiatischen Land dient, berichtet: „Es kann zu einer Prüfung werden, ständig Fehler zu machen und deswegen ausgelacht zu werden. Aufzugeben scheint leichter zu sein.“ Die Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen half dieser Missionarin jedoch auszuharren (Markus 12:30, 31).
17 Verständlicherweise spricht es die Menschen an, wenn sich ein Ausländer bemüht, ihnen die gute Botschaft in ihrer Sprache zu übermitteln. Das führt manchmal zu unerwarteten Segnungen. In dem afrikanischen Land Lesotho unterhielt sich eine Missionarin in einem Geschäft, in dem Wandteppiche verkauft wurden, mit einer Verkäuferin auf Sotho. Ein Minister aus einem anderen afrikanischen Land hielt sich ebenfalls in den Geschäftsräumen auf und hörte das Gespräch. Er ging zu der Missionarin und sprach ihr ein großes Lob aus, woraufhin sie das Gespräch mit dem Minister in seiner Sprache fortsetzte. „Warum kommen Sie nicht in mein Heimatland und arbeiten unter unseren Leuten, wenn Sie schon Suaheli sprechen?“ fragte er. Taktvoll erwiderte die Missionarin: „Das wäre sehr schön. Aber ich bin eine Zeugin Jehovas, und gegenwärtig gilt unser Werk in Ihrem Land als ungesetzlich.“ Er antwortete: „Glauben Sie bitte nicht, daß wir alle gegen Ihr Werk sind. Viele von uns sind Jehovas Zeugen wohlgesinnt. Vielleicht werden Sie eines Tages ungehindert unter unserem Volk lehren können.“ Einige Zeit später freute sich die Missionarin sehr, als sie erfuhr, daß Jehovas Zeugen in dem betreffenden Land gewährt worden war, ihre Religion frei auszuüben.
Bereit, auf Rechte zu verzichten
18, 19. (a) In welcher wichtigen Hinsicht bemühte sich Paulus, seinen Herrn, Jesus Christus, nachzuahmen? (b) Erzähle eine Erfahrung (die aus dem Absatz oder eine eigene), die zeigt, wie wichtig es ist, alles zu vermeiden, woran die Menschen, denen wir die gute Botschaft überbringen, Anstoß nehmen könnten.
18 Als der Apostel Paulus schrieb: „Werdet meine Nachahmer, so wie ich Christi Nachahmer bin“, hatte er zuvor darüber gesprochen, daß wir uns davor hüten müssen, andere zum Straucheln zu bringen. Er sagte: „Ob ihr eßt oder trinkt oder sonst etwas tut, tut alles zur Verherrlichung Gottes. Bewahrt euch beständig davor, Juden wie auch Griechen und der Versammlung Gottes Anlaß zum Straucheln zu geben, so wie auch ich allen Menschen in allen Dingen zu Gefallen bin, indem ich nicht meinen eigenen Vorteil suche, sondern den der vielen, damit sie gerettet werden“ (1. Korinther 10:31-33; 11:1).
19 Evangeliumsverkündiger wie Paulus, die bereit sind, im Interesse derjenigen, denen sie predigen, Opfer zu bringen, werden gesegnet. Ein Beispiel: In einem afrikanischen Land ging ein Missionarehepaar anläßlich seines Hochzeitstages in ein Hotel am Ort essen. Die beiden hatten eigentlich vorgehabt, sich zum Essen Wein zu bestellen, da der mäßige Genuß alkoholischer Getränke in der Bibel nicht verurteilt wird (Psalm 104:15). Doch dann beschloß das Ehepaar, darauf zu verzichten, weil die Einheimischen daran Anstoß nehmen könnten. Der Missionar erzählte: „Einige Zeit danach lernten wir einen Mann kennen, der Chefkoch in dem betreffenden Hotel war, und begannen mit ihm ein Bibelstudium. Später sagte er zu uns: ‚Erinnert ihr euch an euer Essen im Hotel? Wir haben alle hinter der Küchentür gestanden und euch beobachtet. Wie ihr wißt, lehrten uns die Missionare der Kirchen, daß wir nichts Alkoholisches trinken dürfen. Wenn sie jedoch in das Hotel kamen, bestellten sie ungeniert Wein. Hättet ihr alkoholische Getränke bestellt, wären wir übereingekommen, euch nicht zuzuhören, wenn ihr uns hättet predigen wollen.‘“ Heute sind der Chefkoch und andere, die in dem Hotel arbeiteten, getaufte Zeugen.
Immer noch viel zu tun
20. Warum ist es so wichtig, daß wir als eifrige Evangeliumsverkündiger ausharren, und welches freudige Vorrecht nehmen viele wahr?
20 Während das Ende des gegenwärtigen bösen Systems rasch näher rückt, sehnen sich immer noch viele danach, die gute Botschaft zu hören, und es ist für jeden Christen dringender denn je, als ein treuer Evangeliumsverkündiger auszuharren (Matthäus 24:13). Kannst du deinen Anteil an diesem Werk dadurch vergrößern, daß du wie Philippus, Paulus, Barnabas, Silas und Timotheus ein Evangeliumsverkündiger in besonderem Sinne wirst? Viele tun etwas Ähnliches, indem sie sich den Reihen der Pioniere anschließen und bereit sind, dort zu dienen, wo sie dringend benötigt werden.
21. In welcher Hinsicht hat sich für Jehovas Volk „eine große Tür, die zur Tätigkeit führt“, geöffnet?
21 In letzter Zeit haben sich in Ländern Afrikas, Asiens und Osteuropas, wo das Werk der Zeugen Jehovas früher Einschränkungen unterlag, riesige Gebiete für das Evangelisieren aufgetan. Wie im Fall des Apostels Paulus hat sich für Jehovas Volk „eine große Tür, die zur Tätigkeit führt, ... geöffnet“ (1. Korinther 16:9). Evangeliumsverkündiger, die unlängst als Missionare in dem afrikanischen Land Mosambik eintrafen, haben zum Beispiel gar nicht genug Zeit, mit allen Menschen zu studieren, die ein Bibelstudium wünschen. Wie froh können wir doch sein, daß das Werk der Zeugen Jehovas in jenem Land am 11. Februar 1991 gesetzlich anerkannt wurde!
22. Wozu müssen wir alle entschlossen sein, ganz gleich, ob unser Versammlungsgebiet gut durchgearbeitet wird oder nicht?
22 In Ländern, in denen uns stets Religionsfreiheit gewährt wurde, freuen sich die Brüder ebenfalls über stetiges Wachstum. Ja überall, wo wir leben, können wir „reichlich beschäftigt [sein] im Werk des Herrn“ (1. Korinther 15:58). Angesichts dessen wollen wir weiterhin weisen Gebrauch von der verbleibenden Zeit machen, während wir ‘das Werk eines Evangeliumsverkündigers verrichten und unseren Dienst völlig durchführen’ (2. Timotheus 4:5; Epheser 5:15, 16).
Kannst du es erklären?
◻ Was ist ein Evangeliumsverkündiger?
◻ Inwiefern hat die gute Botschaft nach 1914 mehr Inhalt bekommen?
◻ Welche Fortschritte hat das Evangelisierungswerk seit 1919 gemacht?
◻ Welche Faktoren haben hauptsächlich zum Erfolg des Evangelisierungswerks beigetragen?
[Kasten auf Seite 19]
Ausdehnung seit 1939
Betrachten wir Beispiele von drei Kontinenten, wohin in Gilead geschulte Missionare gesandt wurden. 1939 berichteten in Westafrika nur 636 Königreichsverkündiger. Bis 1991 war diese Zahl auf über 200 000 in 12 westafrikanischen Ländern gestiegen. Missionare haben auch zu dem phänomenalen Wachstum in den Ländern Südamerikas beigetragen. Brasilien ist eines dieser Länder; dort stieg die Zahl der Königreichsverkündiger von 114 im Jahre 1939 auf eine Höchstzahl von 335 039 im April 1992. Ähnliches Wachstum gab es nach dem Eintreffen von Missionaren in den Ländern Asiens. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die kleine Schar der Zeugen Jehovas in Japan brutal verfolgt, und ihr Werk kam zum Erliegen. 1949 trafen dann 13 Missionare ein, um bei der Reorganisation des Werks zu helfen. In jenem Dienstjahr berichteten in ganz Japan nicht einmal 10 einheimische Verkündiger über ihren Predigtdienst, im April 1992 dagegen belief sich die Gesamtzahl der Verkündiger auf 167 370.
[Kasten auf Seite 21]
Die Christenheit und das Sprachenproblem
Einige Missionare der Christenheit bemühten sich aufrichtig, eine Fremdsprache zu erlernen, aber viele erwarteten, daß die Einheimischen ihre europäische Sprache beherrschten. So schreibt Geoffrey Moorhouse in seinem Buch The Missionaries:
„Das Problem war, daß das Erlernen einer Eingeborenensprache viel zu oft lediglich als Mittel angesehen wurde, die Bibel zu übersetzen. Vergleichsweise wenig Mühe wurde darauf verwendet — sowohl von Einzelpersonen als auch von den Gesellschaften, für die sie tätig waren —, sich zu vergewissern, daß sich Missionare mit den Eingeborenen in deren eigener Sprache unterhalten konnten, und zwar so fließend, wie es nötig ist, damit sich zwei Menschen genau verstehen können. Jeder Missionar lernte nur ein paar Brocken des einheimischen Vokabulars ... Eine darüber hinausgehende Unterhaltung wurde im allgemeinen in dem entsetzlichen und dümmlichen Tonfall des sogenannten Pidgin-Englisch geführt, was stillschweigend voraussetzte, daß sich der afrikanische Eingeborene den Normen des englischen Gastes unterwarf. Das schlimmste war, daß es sich dabei um einen weiteren Ausdruck der rassistischen Überheblichkeit handelte.“
Die Schule für orientalische und afrikanische Studien in London veröffentlichte 1922 einen Bericht über das Sprachenproblem. „Unserer Ansicht nach“, hieß es in dem Bericht, „ist das durchschnittliche Niveau der Fertigkeit, die sich Missionare in den Volkssprachen angeeignet haben, ... bedauerlich, ja gefährlich niedrig.“
Die Missionare der Watch Tower Society haben das Erlernen der Sprache des Gastlandes stets als ein Muß betrachtet, was unter anderem ihren Erfolg im Missionardienst erklärt.
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