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  • Die Zahl der Alleinerziehenden wächst
    Erwachet! 2002 | 8. Oktober
    • Die Zahl der Alleinerziehenden wächst

      „Nächtelang habe ich unter Tränen zu Gott gebetet und zu ihm gesagt: ‚Wie soll das alles bloß weitergehen?‘ “ (GLORIA, ALLEIN ERZIEHENDE MUTTER VON DREI KINDERN).

      EINELTERNFAMILIEN sind heute in vielen Kulturkreisen zu einem festen und nicht zu übersehenden Bestandteil geworden.a Die traditionelle Familienstruktur, bestehend aus Mann, Frau und Kindern, macht neuen Formen des Familienlebens Platz. Demographen und Soziologen in vielen Teilen der Welt suchen nach Erklärungen dafür.

      Nach Ansicht der Soziologen Professor Simon Duncan und Professor Rosalind Edwards „verändern sich die Familienformen und die Beziehung zwischen den Geschlechtern nachhaltig“. Aus welchem Grund? Wie Beobachter meinen, ist dies darauf zurückzuführen, dass man sich heute in einem Kontext wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Wandels für ganz bestimmte Lebensformen entscheidet.

      Betrachten wir doch etwas genauer, was sich gewandelt hat und für welche Lebensformen man sich entscheidet. Die Menschen stehen heute sehr stark unter dem Druck des Alltags und werden von ihrer Außenwelt rund um die Uhr in Anspruch genommen. In Zeiten, die früher der Familie gewidmet waren, surft man jetzt im Internet, sitzt vor dem Fernseher oder im Auto, telefoniert oder eilt von einem Termin zum nächsten.

      Wirtschaftliche Zwänge fordern ebenfalls ihren Tribut. Da Komfort heute seinen Preis hat, sind immer mehr Eltern berufstätig. Als Glieder einer mobilen Gesellschaft müssen Familienangehörige oft weit entfernt ohne den Rückhalt der Großfamilie und in manchen Fällen auch weitab vom Ehepartner leben und arbeiten. Die populäre Unterhaltung in vielen Ländern ist auch nicht gerade hilfreich, zielt sie doch nicht selten darauf ab, stabilisierende Institutionen wie Ehe und Familie zugrunde zu richten.b

      Die allein erziehende Mutter von heute

      Die allein erziehende Mutter von heute passt nicht zwangsläufig in das alte Klischee des unverheirateten Teenagers, der vom Sozialstaat lebt. Mutterschaft ohne Trauschein wird heutzutage längst nicht mehr so stark stigmatisiert, sondern hat durch das Vorbild gewisser Berühmtheiten sogar an Reiz gewonnen. Außerdem haben viele Frauen eine bessere Schulbildung und sind eher in der Lage, für ihren Lebensunterhalt selbst aufzukommen; finanziell gesehen, ist eine Heirat also keine Voraussetzung mehr, um Kinder zu haben.

      Manche allein erziehende Mütter, besonders solche, die aus geschiedenen Ehen stammen, wollen dem eigenen Nachwuchs die schmerzliche Erfahrung ersparen, den Vater aus dem Haus gehen zu sehen; deshalb bleiben sie ledig. Andere stehen ganz unfreiwillig mit ihren Kindern allein da, weil sie im Stich gelassen wurden. Die Joseph-Rowntree-Stiftung in Großbritannien schreibt: „Kinder allein zu erziehen ist normalerweise keine selbstsüchtige oder bewusste Entscheidung, und die Kinder Alleinerziehender werden weder vernachlässigt noch sind sie undiszipliniert.“

      Trotz alledem ist die große Zahl der Einelternfamilien ein Anlass zur Besorgnis, denn es kann durchaus sein, dass Alleinerziehende und ihre Kinder unter emotionalen Belastungen, wirtschaftlicher Not und gesellschaftlicher Benachteiligung leiden. Der eine oder andere fragt sich vielleicht, ob ein Elternteil allein die Kinder überhaupt gut erziehen kann. Welchen besonderen Herausforderungen müssen sich Einelternfamilien stellen? Wie können Christen die schwierige Aufgabe meistern, ihre Kinder mit Erfolg allein großzuziehen?

      [Fußnoten]

      a Soziologen weisen darauf hin, dass die Zahl der allein erziehenden Mütter weit höher liegt als die der allein erziehenden Väter. Deswegen befassen sich die vorliegenden Artikel in erster Linie mit allein erziehenden Müttern, wobei die angeführten Grundsätze auch auf allein erziehende Väter zutreffen.

      b Allgemeine Probleme von Müttern werden ausführlich in der Artikelserie „Mütter — Müssen sie Superfrauen sein?“ in der Erwachet!-Ausgabe vom 8. April 2002 behandelt.

      [Kasten auf Seite 4]

      Begriffserklärungen

      Die Bezeichnungen für Mütter, die ihre Kinder allein erziehen, sind international verschieden. In manchen Ländern spricht man von einer „ledigen Mutter“, wenn die Mutter nie verheiratet war. In anderen Ländern steht der Ausdruck „allein erziehende Mutter“ für Mütter, die ihre Kinder aus vielen verschiedenen Gründen ohne einen männlichen Partner erziehen. Diese Mütter mögen geschieden oder verwitwet sein, getrennt leben oder überhaupt nie geheiratet haben.

      In unserer Artikelserie sind mit „Alleinerziehende“ oder „allein erziehende Mütter“ Personen gemeint, die ihre Kinder ohne Ehepartner großziehen.

      [Kasten/Karte auf Seite 4, 5]

      ALLEIN ERZIEHEN — EIN TREND IN VIELEN LÄNDERN

      Vereinigte Staaten: „Die Zahl der allein erziehenden Mütter stieg in der Zeit von 1970 bis 2000 von 3 auf 10 Millionen; in demselben Zeitraum wuchs auch die Zahl der allein erziehenden Väter, und zwar von 393 000 auf 2 Millionen“ (amerikanische Zensus-Behörde).

      Mexiko: Wie die Zeitung La Jornada schreibt, sind in Mexiko etwa 27 Prozent aller schwangeren Mütter im Teenageralter.

      Irland: Die Rate der Haushalte mit nur einem erziehenden Elternteil stieg von 5,7 Prozent im Jahr 1981 auf 7,9 Prozent im Jahr 1991. „Zerrüttete Ehen sind immer noch einer der Hauptgründe, weshalb Mütter ihre Kinder allein erziehen“ (Single Mothers in an International Context, 1997).

      Großbritannien: „Der Anteil der Familien, denen nur ein Elternteil vorsteht, hat erstmals die 25-Prozent-Marke überschritten, was zeigt, dass in den vergangenen 30 Jahren erheblich mehr Mütter unverheiratet geblieben sind und die Scheidungsrate deutlich gestiegen ist“ (The Times, London, 2. März 2000).

      Frankreich: „Seit Ende der 1970er Jahre ist der Anteil der Einelternfamilien um mehr als 50 Prozent gestiegen“ (Single Mothers in an International Context, 1997).

      Deutschland: „Die Zahl der allein erziehenden Eltern hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten verdoppelt. In fast allen Einelternfamilien ... hat die Mutter die Leitung“ (Single Mothers in an International Context, 1997).

      Japan: Die Zahl der allein erziehenden Mütter ist seit den 1970er Jahren im Steigen. 1997 hatten in 17 Prozent aller Haushalte allein erziehende Mütter die Leitung (Single Mothers in an International Context, 1997; The World’s Women 2000: Trends and Statistics).

      Griechenland: „Seit 1980 hat die Zahl der unverheirateten Mütter in ... [Griechenland] um 29,8 Prozent zugenommen. Im Jahr 1997 wurden nach Angaben der Europäischen Union 3,3 Prozent der Kinder außerehelich geboren, 1980 dagegen nur 1,1 Prozent“ (Ta Nea, Tageszeitung, Athen, 4. September 1998).

      Australien: Fast jedes vierte Kind lebt bei nur einem leiblichen Elternteil, was gewöhnlich auf das Auseinanderbrechen der Ehe beziehungsweise der Partnerschaft der Eltern zurückzuführen ist. Die Zunahme der Einelternfamilien wird in einem Zeitraum von 25 Jahren schätzungsweise bei 30 bis 66 Prozent liegen (australisches Amt für Statistik).

  • Ein Elternteil, viele Herausforderungen
    Erwachet! 2002 | 8. Oktober
    • Ein Elternteil, viele Herausforderungen

      „Gefühlsmäßig geht es in mir oft drunter und drüber. Ich sitze nächtelang im Bad und heule. Es ist schon irgendwie hart“ (JANET, ALLEIN ERZIEHENDE MUTTER VON DREI KINDERN).

      ES GIBT viele Gründe, weshalb ein Elternteil plötzlich mit den Kindern allein dasteht. Eine Familie kann durch eine Naturkatastrophe, durch Krieg oder Krankheit den Vater beziehungsweise die Mutter verlieren.

      In anderen Fällen haben Paare Kinder miteinander, heiraten aber nicht. So wird beispielsweise in Schweden fast die Hälfte aller Kinder außerehelich geboren. Des Weiteren sind Scheidungen dafür verantwortlich, dass Kinder ohne den Vater oder die Mutter aufwachsen. Wie Forschungsergebnisse zeigen, wird über die Hälfte der amerikanischen Kinder zumindest einen Teil ihrer Kindheit mit nur einem Elternteil verbringen.

      Die Probleme verstehen

      Eine ganz besondere Last liegt auf Müttern, die erst kurz verwitwet sind. Obwohl sie noch um ihren Mann trauern, müssen sie sich um den gesamten Haushalt kümmern. Bis sie mit dieser Situation zurechtkommen, können Monate, ja sogar Jahre vergehen, in denen sie zudem mit finanziellen Herausforderungen zu kämpfen haben und die Kinder trösten müssen. Da kann es einer verwitweten Mutter schon außerordentlich schwer fallen, allen Verpflichtungen nachzukommen. Und den Kindern fehlt die nötige elterliche Fürsorge womöglich gerade dann, wenn sie Zuwendung und Zuspruch besonders dringend brauchen.

      Allein erziehende Mütter, die den Vater ihres Kindes nicht geheiratet haben, sind oft sehr jung und unerfahren. Vielleicht konnten sie nicht einmal einen Schulabschluss machen. Ohne ausreichende berufliche Qualifikation sind sie wahrscheinlich weniger bemittelt und bekommen nur schlecht bezahlte Arbeitsplätze. Wenn Eltern oder andere Verwandte nicht einspringen, müssen sich diese Mütter auch noch darum kümmern, dass ihr Kind tagsüber entsprechend versorgt und beaufsichtigt wird. Ferner steht eine unverheiratete Mutter vielleicht emotional unter Druck, etwa weil sie sich schämt oder einsam ist. Einige fürchten, mit Kind keinen passenden Ehepartner mehr zu finden. Kindern, die in solchen Verhältnissen aufwachsen, machen womöglich ungeklärte Fragen über ihre Vergangenheit zu schaffen oder das Bedürfnis, von dem anderen Elternteil akzeptiert zu werden.

      In ähnlicher Weise stellen Scheidungen für Eltern eine enorme Belastung dar. Nach der Scheidung sind die Eltern vielleicht sehr aufgebracht. Auch kann es sein, dass sie sich minderwertig oder ganz und gar verstoßen vorkommen, weshalb sie außerstande sind, auf die Gefühle der Kinder einzugehen. Mütter, die zum ersten Mal eine Arbeitsstelle annehmen müssen, haben oft Mühe, daneben auch noch den Haushalt zu schaffen. Da kann schon das Gefühl aufkommen, weder genug Zeit noch genug Kraft für die besonderen Bedürfnisse der Kinder zu haben, die nach der Scheidung der Eltern ja selbst erst mit den gewaltigen Veränderungen fertig werden müssen.

      Besondere Herausforderungen geschiedener Eltern

      Allein erziehende Eltern wissen, dass jedes Kind seine ganz persönlichen Bedürfnisse hat und sich diese ständig verändern. Alleinerziehende, die geschieden sind, haben es unter Umständen extrem schwer, angemessene Gelegenheiten zu schaffen, ihre Kinder im Glauben anzuleiten.

      Manchen geschiedenen Zeugen Jehovas wurde zum Beispiel das alleinige Sorgerecht für ihre Kinder nicht zugesprochen. Doch sie haben sich bemüht, ihre Umgangszeiten so zu legen, dass sie mit den Kindern auch eine christliche Zusammenkunft besuchen können. Durch so vereinbarte Besuchszeiten könnten die Kinder regelmäßig mit der Christenversammlung Kontakt haben, was Scheidungskindern sehr zugute kommt.

      Haben geschiedene Elternteile wenig Gelegenheit, ihre Kinder regelmäßig zu sehen, dann müssen sie Wege finden, um ihnen zu zeigen, dass sie sie von Herzen lieben. Eine gute Erziehung verlangt ein Gespür für die wechselnden emotionalen Bedürfnisse des Kindes. Das ist besonders nötig, wenn das Kind im Jugendalter ist und sein Interesse an Geselligkeiten und Freunden wächst.

      Gute Eltern kennen auch die Fähigkeiten, die Persönlichkeit und die Denkweise ihres Kindes (1. Mose 33:13). Wenn sie mit ihm zusammen sind und sich unterhalten, herrscht ein enges, vertrautes Verhältnis und jeder ist offen für den anderen. Das Kind nimmt am Leben des Erwachsenen Anteil und umgekehrt.

      Vernünftig sein

      Nach einer Scheidung ist es gut, wenn Kinder mit beiden Eltern regelmäßigen Kontakt pflegen. Angenommen, die Eltern haben nicht denselben Glauben; ein Elternteil ist Zeuge Jehovas, der andere nicht. Hier hilft regelmäßige, offene Kommunikation unnötige Konflikte zu vermeiden. „Steht in dem Ruf, vernünftig zu sein“, schrieb der Apostel Paulus (Philipper 4:5, Phillips). Kinder sollten respektieren lernen, dass beide Eltern das Recht haben, ihren Glauben auszuüben.

      Der Elternteil, der kein Zeuge Jehovas ist, besteht vielleicht darauf, dass das Kind die Gottesdienste in seiner Kirche besucht. Was kann der andere, der ein Zeuge Jehova ist, dann tun? Auch er kann mit dem Kind über seine religiöse Überzeugung sprechen. Mit der Zeit kann das Kind dann selbst über seinen Glauben entscheiden wie der junge Timotheus, der wahrscheinlich von seiner Mutter und seiner Großmutter über biblische Grundsätze belehrt wurde (2. Timotheus 3:14, 15). Wenn es dem Kind unangenehm ist, die Gottesdienste einer anderen Glaubensgemeinschaft zu besuchen, könnte es sich mit dem biblischen Bericht über Naaman befassen. Nachdem dieser Mann die wahre Anbetung aufgenommen hatte, erfüllte er weiterhin seine Pflichten, indem er den König begleitete, der im Haus Rimmons anbetete. Dieser Bericht wird dem Kind wahrscheinlich die Gewissheit geben, dass Jehova es liebt und versteht, obwohl es bei religiösen Zeremonien anwesend ist, die ihm ungewohnt sind (2. Könige 5:17-19).

      Gute Eltern sind auch in der Lage, das kindliche Denken zu formen und die Gefühle der Kinder zu verstehen (5. Mose 6:7). Es kann durchaus sein, dass Alleinerziehenden, die nie geheiratet haben, ihre frühere Lebensweise heute peinlich ist. Allerdings sollten sie immer daran denken, dass jedes Kind zwei leibliche Eltern hat. Kinder wollen etwas über beide Eltern wissen und müssen das Gefühl haben, geliebt zu werden anstatt nur ein peinlicher Ausrutscher zu sein. Der allein erziehende Elternteil kann dem Kind Liebe und Geborgenheit geben, indem er von dem anderen respektvoll spricht und die Fragen des Kindes dem Alter entsprechend und mit der nötigen Ausführlichkeit beantwortet.

      Eltern sollten bedenken, dass die ersten Eindrücke, die ein Kind von Liebe, Autorität und Macht gewinnt, im Eltern-Kind-Verhältnis entstehen. Üben christliche Eltern ihre Autorität und Macht auf liebevolle Weise aus, können sie viel dazu beitragen, dass ihr Kind später ein liebevolles Verhältnis zu Jehova hat und die Vorkehrungen in der Versammlung respektiert (1. Mose 18:19).

      Der wichtige Beitrag der Kinder

      Kinder in Einelternfamilien müssen verstehen, dass auch ihre Unterstützung für das Familienglück entscheidend ist (Epheser 6:1-3). Ihr Gehorsam gegenüber der Autorität des allein erziehenden Elternteils zeigt, dass sie ihn lieben und seine zusätzlichen Bemühungen um ein sicheres und glückliches Zuhause anerkennen. Da Kommunikation keine Einbahnstraße ist, sollten Kinder, die von nur einem Elternteil erzogen werden, sein Streben nach guter Kommunikation in der Familie gern unterstützen (Sprüche 1:8; 4:1-4).

      Solche Kinder müssen oft schon eher Verantwortung übernehmen als Kinder, die unter der Obhut beider Eltern aufwachsen. Mit geduldiger und liebevoller Unterweisung lernen Jungen und Mädchen schon in frühen Jahren, was sie für ihr späteres Leben brauchen, und das steigert ihr Selbstbewusstsein und ihr Selbstwertgefühl. Wahrscheinlich werden den Kindern auch Arbeiten im Haushalt übertragen; dadurch können sie zur Ordnung im Haus beitragen.

      Das heißt allerdings nicht, dass allein erziehende Eltern das Ziel haben, aus ihren Kindern kleine, unabhängige Erwachsene zu machen, die keine Anleitung mehr von ihren Eltern brauchen. Auch ist es bestimmt äußerst unvernünftig, ein kleines Kind ganz allein zu lassen oder es unbeaufsichtigt zu lassen.

      Allein erziehende Eltern denken oft irrtümlicherweise, sie müssten die dicken Freunde oder Kumpel ihrer Kinder sein. Ein enges Verhältnis ist schon wichtig, doch sollten Alleinerziehende im Sinn behalten, dass Kinder einen Vater beziehungsweise eine Mutter brauchen und noch nicht die emotionale Reife besitzen, um als Vertrauenspersonen von Erwachsenen herzuhalten oder diesen gleichgestellt zu werden. Für Kinder ist es wichtig, dass sich Eltern auch wie Eltern verhalten.

      Wenn allein erziehende Eltern und ihre Kinder ein liebevolles Verhältnis zueinander haben und zusammenarbeiten, können sie gemeinsam eine glückliche Familie aufbauen. Da immer mehr Kinder mit nur einem Elternteil aufwachsen, sollte jeder wissen, welchen besonderen Herausforderungen allein erziehende Eltern und ihre Kinder gegenüberstehen, und bereitwillig liebevolle Ermunterung und Hilfe anbieten.

      [Kasten/Bild auf Seite 9]

      Auswirkungen auf die Kinder

      Alleinerziehende können sich im Allgemeinen wahrscheinlich weniger mit jedem einzelnen ihrer Kinder beschäftigen, als es bei zwei Elternteilen der Fall ist. Mitunter leben sie mit einem Partner zusammen, mit dem sie nicht verheiratet sind. Ein Zusammenleben ohne Trauschein ist allerdings nicht so stabil wie eine Ehe. Kinder in solchen Familien wachsen häufiger mit wechselnden erwachsenen Bezugspersonen auf.

      Wie Untersuchungen ergaben, „führen Kinder aus Einelternfamilien im Durchschnitt wahrscheinlich eher ein ungesünderes Leben als Kinder aus intakten Familien“. Bei genauerer Betrachtung der Untersuchungen zeigt sich allerdings, dass mangelndes Einkommen der „wichtigste ausschlaggebende Einzelfaktor für die Unterschiede zwischen Kindern aus verschiedenen Familienformen“ sein könnte. Aber deswegen müssen Kinder von Alleinerziehenden nicht zwangsläufig die Verlierer sein. Bei richtiger Anleitung und Schulung können sie mit nachteiligen Einflüssen fertig werden.

  • Allein erziehend und doch nicht allein
    Erwachet! 2002 | 8. Oktober
    • Allein erziehend und doch nicht allein

      „Am schönsten ist es für mich als Mutter, wenn meine Kinder nach Hause kommen, mich umarmen und mir sagen, dass sie mich lieb haben“ (DORIS, ALLEIN ERZIEHENDE MUTTER VON ZWEI KINDERN).

      ALLEIN erziehende Eltern können aus der Bibel Mut schöpfen, denn dort heißt es: „Siehe, Kinder sind ein Geschenk des HERRN, Kindersegen eine Belohnung von ihm!“ (Psalm 127:3, Bruns). Werden Kinder nur von einem Elternteil großgezogen, sind sie in Gottes Augen nicht weniger wertvoll. Unser Schöpfer möchte solche Familien glücklich sehen. In der Bibel wird über ihn gesagt: „Dem vaterlosen Knaben und der Witwe hilft er auf“ (Psalm 146:9). Allein erziehende Eltern können sicher sein, dass Gott bereit ist, ihnen zu helfen.

      Ein Kind hat ein Anrecht darauf, sicher und geborgen in einer liebevollen Umgebung aufzuwachsen, in der es sich körperlich und emotional entwickeln und im Glauben wachsen kann. Es ist für Eltern eine Pflicht und eine einzigartige Gelegenheit, sich von Gott bei der Kindererziehung gebrauchen zu lassen.

      Viele Alleinerziehende haben festgestellt, dass zum Erfolg häufiges und inniges Beten, konsequentes Anwenden biblischer Grundsätze sowie völliges Vertrauen auf Jehova nötig ist. Das stimmt mit der Aufforderung überein, die in Psalm 55:22 zu finden ist: „Wirf deine Bürde auf Jehova, und er selbst wird dich stützen.“

      Von Zeit zu Zeit können vielleicht die Großeltern, Älteste oder erfahrene Eltern aus der Christenversammlung Alleinerziehenden und ihren Kindern in schwierigen Situationen zur Seite stehen. Verwandte und Mitgläubige können Alleinerziehenden bei ihren Bemühungen gewiss eine gute Stütze sein, doch die eigentliche von Gott verliehene Verantwortung ruht auf den Eltern.a

      Erfreulicherweise haben es viele Alleinerziehende geschafft, in ihrer Lage die besonderen Herausforderungen zu meistern und verantwortungsbewusste, anständige, gottesfürchtige Kinder großzuziehen. Erwachet! sprach mit einigen dieser Eltern. Sie hatten Folgendes gemeinsam:

      • Gute Organisation zu Hause. Erfolgreiche Alleinerziehende bemühen sich, gut zu organisieren, und tun ihr Möglichstes, um Termine abzustimmen. Gute Planung und Einteilung sind nötig. In der Bibel heißt es: „Die Pläne des Fleißigen gereichen sicherlich zum Vorteil“ (Sprüche 21:5).

      • Engagement. Erfolgreiche Alleinerziehende räumen dem Familienleben einen sehr hohen Stellenwert ein. Sie konzentrieren sich darauf, die Bedürfnisse ihrer Kinder über ihre eigenen zu stellen (1. Timotheus 5:8).

      • Ausgeglichenheit. Erfolgreiche Alleinerziehende spielen Probleme weder herunter noch hoch, sondern suchen nach Lösungen. Sie akzeptieren Schwierigkeiten und versuchen, sie ohne Verbitterung und Selbstmitleid zu meistern.

      • Gute Kommunikation. Erfolgreiche Alleinerziehende fördern die Kommunikation. Sie ermutigen jeden, seine Gedanken und Gefühle klar und offen anzusprechen. Ein allein erziehender Vater sagt über seine Kinder: „Ich spreche mit ihnen bei jeder Gelegenheit. Die schönste Zeit haben wir beim Zubereiten des Abendessens. Dann sprechen sie sich wirklich bei mir aus.“

      • An sich selbst denken. Auch wenn sie wenig Zeit haben, erkennen erfolgreiche Alleinerziehende, wie wichtig es ist, etwas für ihren Glauben sowie für ihr emotionales und körperliches Wohl zu tun. Ethel, eine geschiedene Mutter mit zwei Kindern, erklärte: „Ich versuche, etwas Zeit für mich zu reservieren. Zum Beispiel habe ich eine ganze Stunde für mich, wenn ein Freund den Kindern Musikunterricht gibt. Dann setze ich mich gemütlich hin, lasse aber den Fernseher ausgeschaltet.“

      • Positive Einstellung. Erfolgreiche Alleinerziehende betrachten das Leben im Allgemeinen und ihre Aufgabe als Eltern positiv. Sie sehen in anstrengenden Situationen auch das Gute. Eine allein erziehende Mutter sagt: „Inzwischen ist mir klar geworden, dass es nicht nur negative Seiten hat, eine allein erziehende Mutter zu sein.“

      Sie hatten Erfolg

      Erreicht man mit diesen Grundsätzen etwas? Ja. Zahlreiche Berichte erfolgreicher allein erziehender Eltern sind ein Beweis dafür. Gloria, eine berufstätige Mutter in England, die im ersten Artikel erwähnt wurde, zog nach ihrer Scheidung zwei Söhne und eine Tochter allein groß. Als die Kinder erwachsen waren, nahmen alle drei den christlichen Vollzeitdienst auf und machten die Vermittlung von biblischer Bildung zu ihrer Lebensaufgabe. Auf unsere Frage, wie sie alles geschafft hat, antwortete Gloria: „Die erste Herausforderung bestand darin, stets ein regelmäßiges, interessantes Familienbibelstudium durchzuführen. Ich wollte, dass die Kinder glücklich und zufrieden sind, Herzensfrieden haben und vor Gefahren geschützt sind. Ich habe eine Nachtarbeit gefunden. Mein Ziel war es, so viel wie möglich mit den Kindern zusammen zu sein. Bevor ich zur Arbeit ging, beteten wir gemeinsam und ich brachte sie ins Bett. Meine Tante blieb dann im Haus, während ich arbeitete.“

      Wie half Gloria ihren Kindern, die Prioritäten richtig zu setzen? Sie erzählt: „Den Glauben an die erste Stelle zu setzen war mein wichtigstes Ziel. Wir hatten nicht viel Geld, und das sagte ich den Kindern ganz offen. Was ich von ihnen verlangte, tat ich auch selbst, und sie unterstützten mich alle.“ Gloria erinnert sich, auf welche Weise sie die Familie eng zusammenhielt: „Wir taten viel gemeinsam — das war unser Geheimnis. Keiner verkroch sich in sein Zimmer. Wir kochten gemeinsam, putzten und machten die Wohnung hübsch. Wir waren bei allen Tätigkeiten ausgeglichen. Auch achtete ich immer darauf, dass wir Freizeit hatten.“

      Carolyn, die ihren Sohn Joseph allein erzieht, ist sehr zufrieden mit seiner Entwicklung. Ihr Geheimnis? „Wir lesen vor dem Schlafengehen gemeinsam in der Bibel“, sagt sie, „und dann stelle ich Fragen, um zu sehen, was er gelernt hat. Zusätzlich betrachten wir ausgewählte Passagen aus biblischen Veröffentlichungen und wenden sie persönlich an. Dadurch kommt Joseph besser mit Problemen zurecht, zum Beispiel wenn er in der Schule schikaniert wird.“ Carolyn gibt zu, dass ihr Leben alles andere als einfach ist, doch sie fühlt sich nicht allein. Sie berichtet: „Es ist ein ständiger Kampf, aber ich denke, Jehova hat mir wirklich geholfen. Außerdem ermuntern mich die Brüder und Schwestern in der Versammlung sehr.“

      Der Erfolg von Tausenden allein erziehenden Eltern wie Gloria und Carolyn beweist, dass sich Eltern auf die altbewährten Grundsätze aus der Bibel verlassen können, um Kinder zu vorbildlichen Menschen mit einem starken Glauben zu erziehen (Sprüche 22:6). Man kann es wirklich schaffen! Kinder allein zu erziehen stellt einen vor viele Herausforderungen, die jedoch auch Gelegenheiten sind, selbst zu wachsen und von sich zu geben. Alleinerziehende können mit ihren Belastungen am besten fertig werden, wenn sie sich voll und ganz auf Gott verlassen und davon überzeugt sind, dass er ihnen hilft (Psalm 121:1-3).

      [Fußnote]

      a Weitere Einzelheiten, wie Einelternfamilien Gelingen haben können, sind in dem von Jehovas Zeugen herausgegebenen Buch Das Geheimnis des Familienglücks, Kapitel 9 nachzulesen.

      [Bilder auf Seite 11]

      Das Familienbibelstudium hat dazu beigetragen, dass Glorias drei Kinder christliche Vollzeitevangeliumsverkündiger wurden. Hier betrachten sie gerade einen Brief und ein Foto von Glorias ältestem Sohn, der jetzt Missionar ist.

      [Bilder auf Seite 12]

      Carolyn und ihr Sohn Joseph

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