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  • „Wie kann ich mit meiner Trauer leben?“
    Erwachet! 1987 | 8. August
    • [Kasten auf Seite 10]

      Wie können andere helfen?

      Unsere Korrespondenten führten in verschiedenen Ländern viele Interviews mit Trauernden. Es ergaben sich unter anderem folgende Anregungen, die trauernden Familien helfen sollen. Natürlich muß man flexibel sein, je nachdem wie die Trauernden empfinden.

      1. Besuche die Familie vom ersten Tag an, und lade sie auch zu dir ein. Bereite Mahlzeiten für sie zu. Behalte dies so lange wie nötig bei, nicht nur die ersten Wochen.

      2. Laß die Eltern entscheiden, ob sie Kleidung und andere Dinge, die sie an das verstorbene Kind erinnern, bei sich oder woanders aufbewahren möchten.

      3. Nenne das verstorbene Kind, wenn du von ihm sprichst, mit Namen, falls der Trauernde andeutet, daß er dies wünscht. Erinnere an die humorvollen Seiten seiner Persönlichkeit und an die glücklichen Augenblicke seines Lebens. Schweige nicht — die Eltern möchten vielleicht über ihr Kind reden.

      4. Schreibe ermunternde und tröstende Briefe, falls du zu weit weg wohnst, um persönlich zu helfen. Vermeide nicht die Erwähnung des Kindes.

      5. Ermuntere die Eltern — wenn es angebracht ist —, sich beschäftigt zu halten und ihren gewohnten Tagesablauf beizubehalten. Bringe sie dazu, aus dem Haus zu gehen und etwas für andere zu tun.

  • Äußerungen, die nicht unbedingt Trost spenden
    Erwachet! 1987 | 8. August
    • Ursula Mommsen-Henneberger schreibt in den Kieler Nachrichten: „Wenn Außenstehende die Eltern auf die anderen Kinder verweisen, trifft sie das tief. Die Geschwister können das tote Kind nicht ersetzen.“

      Kathleen Capitulo, Beraterin für Trauernde, sagte gegenüber Erwachet!: „Eine andere Bemerkung, die man vermeiden sollte, ist: ‚Ich weiß, wie du fühlst.‘ Tatsache ist, daß niemand wirklich weiß, was ein anderer durchmacht. Doch man kann dem Trauernden zeigen, daß seine Gefühle begründet sind. Man kann ihm versichern, daß sie ganz natürlich sind.“

      In dem Buch Recovering From the Loss of a Child (Den Tod eines Kindes verwinden) heißt es von Abe Malawski, er sei „überzeugt, daß nur jemand, der ein Kind verloren hat, weiß, was das bedeutet“. Er sagt: „Auch wenn man fünfzehn Kinder hat, ist das Leid unermeßlich. Ein Kind ist nicht zu ersetzen.“

      Im Fall einer Fehlgeburt oder einer Totgeburt sind folgende Äußerungen, wenn auch aufrichtig, nicht erbauend: „Bald wirst du wieder schwanger sein und das alles vergessen.“ „Es ist besser so. Das Kind wäre ja mißgebildet gewesen.“ Oder: „Im nachhinein ist es ein Segen.“ Im grausamen Moment des Verlustes können solche Klischees, obwohl gut gemeint, die Qual nicht erleichtern.

      Religiöse Phrasen, wie man sie zuweilen von Geistlichen hört, verbittern den Trauernden ebenfalls. Die Worte „Gott wollte ein Engelchen im Himmel haben“ stellen Gott als grausam und selbstsüchtig hin und laufen auf Gotteslästerung hinaus. Außerdem läßt sich dies weder logisch noch mit der Bibel begründen.

      Sollte ein Christ trauern?

      Wie steht es mit Christen, die ein Kind durch den Tod verlieren? Manchmal werden die Worte des Paulus an die Thessalonicher zitiert: „Ihr sollt nicht trauern wie die andern, die keine Hoffnung haben“ (1. Thessalonicher 4:13, Rösch). Verbot Paulus das Trauern? Nein, er sagte lediglich, daß Christen, die eine Hoffnung haben, nicht in derselben Art und Weise trauern wie diejenigen, die keine Hoffnung haben (Johannes 5:28, 29).

      Wie reagierte Jesus beispielsweise, als Maria ihm sagte, daß Lazarus gestorben war? In dem Bericht heißt es: „Als Jesus daher sah, wie sie [Maria] weinte und wie die Juden, die mit ihr kamen, weinten, seufzte er im Geist und wurde beunruhigt.“ Dann brachte man ihn dorthin, wo der Tote lag. Es heißt: „Jesus brach in Tränen aus.“ Ist es also verkehrt zu trauern? Zeugt es von mangelndem Glauben an Gottes Verheißung einer Auferstehung? Nein, vielmehr ist es ein Zeichen tiefer Liebe zu dem Verstorbenen (Johannes 11:30-35; vergleiche Johannes 20:11-18).

      Fehl am Platz ist es außerdem, wenn jemand dem Trauernden mit gönnerhafter Miene versichert: „Die Zeit heilt alle Wunden.“ Man sollte auch nicht fragen: „Bist du schon darüber hinweg?“ Eine Mutter aus Großbritannien sagte: „Wer fragt, ob man schon darüber hinweg sei, hat keine Ahnung, was es heißt, einen Menschen zu verlieren, der einem so nahesteht wie ein Kind. Wir werden erst darüber hinwegkommen, wenn unser Sohn durch die Auferstehung wiederkommt.“ Vielleicht ist Shakespeares Ausspruch passend: „Jeder kann den Schmerz bemeistern, nur der nicht, der ihn fühlt.“

      Manchmal muß der Vater unter der Gedankenlosigkeit anderer leiden. Ein trauernder Vater ärgerte sich, wenn die Leute fragten: „Wie geht es deiner Frau?“ Er sagte: „Sie würden nie nach dem Ehemann fragen. ... Das ist völlig falsch und so ungerecht. Der Mann empfindet genauso stark wie die Frau. Er trauert auch.“

      Haltung bewahren?

      In vielen Kulturen wird die Auffassung vertreten, besonders Männer sollten ihre Gefühle und ihre Trauer nicht zeigen, sondern „Haltung bewahren“ oder „die Zähne zusammenbeißen“. Oliver Goldsmith, ein englischer Schriftsteller des 18. Jahrhunderts, sprach von der „stillen Männlichkeit der Trauer“. Aber ist diese „stille Männlichkeit“ unbedingt die beste Möglichkeit, die Trauer zu verarbeiten?

      In ihrem Buch Verwaiste Eltern schildert Harriet Sarnoff Schiff, wie es sich im Fall ihres Mannes verhielt. „Hier war ein Mann, ein Vater, der zusehen mußte, wie sein Kind zu Grabe getragen wurde, und von dem aufgrund gesellschaftlicher Konvention erwartet wurde, daß er ‚Haltung bewahrte‘“, schreibt sie. „Er mußte für sein ‚Haltung-Bewahren‘ teuer zahlen. Die Zeit verging, und er kam nicht etwa langsam aus der Trauer heraus, sondern versank immer tiefer darin.“

      Einige werden sich in die Lage dieses Ehemannes hineinversetzen können, der seine Empfindungen selbst wie folgt beschreibt: „Ich komme mir vor, als ob ich über arktische Schneefelder gehe ... Ich bin sehr müde. Ich weiß, wenn ich mich hinlege, schlafe ich ein. Ich weiß, wenn ich einschlafe, erfriere ich. Es ist mir egal. Ich kann nicht mehr.“

      Was rät Harriett Sarnoff Schiff daher? „Für einen leidtragenden Vater ist es ungeheuer wichtig, daß er alle konventionelle männliche Ethik beiseite schiebt und weint. Laß die Tränen kommen. Laß ihnen freien Lauf. Sie waschen den Kummer mit ab.“ Die Autorinnen des Buches Surviving Pregnancy Loss geben folgenden Hinweis, der sowohl für Männer als auch für Frauen gilt: „Einige bewundern zwar den Stoizismus sehr, doch nur wenn man sich mit der Trauer auseinandersetzt, kann man schließlich davon befreit werden“ (Kursivschrift von uns). Andernfalls besteht die Gefahr, „unvollständig“ zu trauern, was verheerende Folgen für die kommenden Jahre haben kann.

      Unvollständige Trauer heißt, daß der Betreffende die Trauer eindämmt, statt sie durchzumachen und die Trennung letztlich hinzunehmen. Diese Trauer kann sich zumindest in dreierlei Hinsicht offenbaren — als unterdrückte, als verspätete oder als chronische Trauer. Wie ist zu helfen?

      Möglicherweise muß ein Experte zu Rate gezogen werden. Ein hilfsbereiter Hausarzt oder ein religiöser Ratgeber kann Erleichterung bringen. Auch feinfühlige Angehörige können helfen. Der Betreffende braucht Hilfe, um die Trauer zu durchleben.

      Jess Romero gibt zu, daß er hemmungslos weinte, als seine Tochter und seine Frau bei dem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen waren. Er sagte gegenüber Erwachet!: „Nach einigen Wochen brachten mich meine Schwestern von der Klinik nach Hause, und als ich zur Tür hineinging, sah ich das Bild meiner Tochter an der Wand. Mein Schwager merkte, wie tief es mich berührte, und sagte: ‚Weine ruhig.‘ Das tat ich auch. So konnte ich einen Teil meines angestauten Kummers loswerden.“

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