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    Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1996
    • Verhaftung befohlen

      Da die Vorbereitungen für den Tag der Unabhängigkeit, den 25. Juni 1975, Formen anzunehmen begannen, trat die neutrale Haltung der Zeugen Jehovas deutlicher denn je zutage. Verantwortliche Brüder bemühten sich um ein Gespräch mit der neuen Regierung, jedoch ohne Erfolg. Was der kurz zuvor ins Amt eingesetzte Präsident während einer Radioansprache ausrief, glich praktisch einem Befehl: „Wir werden diesen Zeugen Jehovas endgültig ein Ende bereiten ... Wir denken, daß ihre Agententätigkeit noch vom portugiesischen Kolonialismus herrührt; sie sind ehemalige Angehörige der PIDE ... Daher verfügen wir, daß man sie unverzüglich verhafte!“

      Der Sturm war losgebrochen. Im ganzen Land wurden sogenannte Agitatorengruppen mobilisiert, die alle ein gemeinsames Ziel verfolgten, nämlich sämtliche Zeugen Jehovas zu verhaften, sei es am Arbeitsplatz, zu Hause oder auf den Straßen, und das zu jeder Tages- und Nachtzeit. Ein jeder hatte bei Nachbarschaftsversammlungen zu erscheinen, die am Arbeitsplatz und auf öffentlichen Plätzen abgehalten wurden; und jeder, der nicht mit der Menge „Viva Frelimo“ schrie, galt als Feind. Das ist die Geisteshaltung, die vorherrscht, wenn sich starke nationalistische Gefühle bis zur fieberhaften Erregung steigern.

      Obwohl Jehovas Zeugen sich in politischen Angelegenheiten neutral verhalten, wahren sie Ruhe und Ordnung; sie behandeln Beamte respektvoll, sind ehrlich und zahlen gewissenhaft Steuern, was nur allzugut bekannt ist. Im Laufe der Jahre sollte auch die mosambikanische Regierung diese Tatsache noch anerkennen. Bis dahin jedoch glich die Lage der Zeugen Jehovas in Mosambik der Situation der frühen Christen, die in den römischen Arenen zu Tode gebracht wurden, weil sie sich weigerten, dem Kaiser Weihrauch zu verbrennen, sowie der Lage ihrer Brüder in Deutschland, die in Konzentrationslager gesteckt wurden, weil sie nicht „Heil Hitler!“ riefen. In der ganzen Welt ist bekannt, daß Jehovas Zeugen sich weigern, Abstriche zu machen, was ihren Gehorsam gegenüber Jehova und Jesus Christus betrifft. Jesus sagte von seinen Nachfolgern: „Sie sind kein Teil der Welt, so wie ich kein Teil der Welt bin“ (Joh. 17:16).

      Massendeportation — Wohin?

      Die Gefängnisse in Mosambik waren bald durch die Tausende von Zeugen Jehovas überfüllt. Viele Familienangehörige wurden voneinander getrennt. Zufolge der intensiven Propaganda war man den Zeugen gegenüber derart feindlich eingestellt, daß sich viele Brüder lieber selbst anzeigten, da sie sich bei ihren Brüdern und Verwandten, die bereits im Gefängnis waren, sicherer fühlten als draußen, wenngleich die Ältesten niemand dazu ermunterten.

      Vom Oktober 1975 an gingen in den Zweigbüros in Simbabwe (damals Rhodesien) und in Südafrika eine ganze Flut von Berichten von Kreisaufsehern, mehreren verantwortlichen Komitees und einzelnen Brüdern ein, die ein trostloses Bild von den Verhältnissen vermittelten. Man leitete diese Berichte an die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas weiter. Sobald die weltweite Bruderschaft über die entsetzliche Lage der Brüder in Mosambik unterrichtet worden war, stiegen in allen Teilen der Erde unaufhörlich Gebete für die verfolgten Brüder zum Himmel empor, was dem Rat aus Hebräer 13:3 entsprach. Nur Jehova konnte sie bewahren, und das tat er auch auf seine Weise.

      Höchstwahrscheinlich beabsichtigte man in höheren Regierungskreisen nicht, Jehovas Zeugen derart brutal zu behandeln, wie diese es dann erleben mußten. Doch weniger ranghohe Regierungsbeamte, die entschlossen waren, tiefverankerte Gewissensüberzeugungen zu ändern, versuchten durch Gewaltanwendung, ein „Viva“ herauszupressen. Julião Cossa aus Vilanculos ist einer von vielen Betroffenen; man schlug ihn drei Stunden lang, um ihn dazu zu bewegen, seinen Glauben aufzugeben, doch ohne Erfolg. Wenn die Folterer gelegentlich ein von jemandem erzwungenes „Viva“ für sich verbuchen konnten, waren sie damit noch längst nicht zufrieden. Sie befahlen dem Zeugen dann jeweils, auch „Nieder mit Jehova!“ und „Nieder mit Jesus Christus!“ zu rufen. Die Greueltaten, die unseren Brüdern angetan wurden, sind zu zahlreich und zu schrecklich, um sie zu beschreiben. (Siehe Erwachet! vom 8. Januar 1976, Seite 16—26.) Doch die Brüder wußten, daß — wie es der Apostel Paulus im ersten Jahrhundert den Christen in Philippi geschrieben hatte — ihr mutiges Auftreten unter Drangsal und Verfolgung ein Beweis der Tiefe ihrer Liebe zu Gott war und daß ihnen die Belohnung von Gott, die Rettung, dadurch gewiß war (Phil. 1:15-29).

      Die beklemmenden Zustände, die auf Grund der Überfüllung in den Gefängnissen herrschten, wurden durch den Schmutz und den Mangel an Nahrungsmitteln noch verschlimmert und führten in den Gefängnissen von Maputo (ehemals Lourenço Marques) dazu, daß innerhalb von vier Monaten 60 Kinder starben. Die Brüder, die noch frei waren, taten ihr Bestes und versuchten, ihre Brüder im Gefängnis zu versorgen. Während der letzten Monate des Jahres 1975 verkauften Zeugen ihre Habe, um ihre eingesperrten Brüder weiterhin mit Nahrung versorgen zu können. Dadurch, daß sie sich mit den Gefängnisinsassen solidarisch erklärten, gefährdeten sie allerdings ihre eigene Freiheit, und viele von ihnen wurden verhaftet, als sie sich der Bedürfnisse ihrer Brüder annahmen. Jesus hatte von seinen wahren Nachfolgern gesagt, daß sie genau diese Art Liebe zueinander haben würden (Joh. 13:34, 35; 15:12, 13).

      Paradoxerweise wurden zur gleichen Zeit einige Zeugen in der Provinz Sofala ganz anders behandelt. Sie wurden verhaftet und dann in das luxuriöse Grandhotel in Beira gebracht; dort versorgte man sie mit Essen, während sie darauf warteten, an ihren endgültigen Bestimmungsort geschickt zu werden.

      Wo lag dieser? Das blieb geheim und war selbst den Bus- und Lkw-Fahrern unbekannt, die sie dorthin transportieren sollten.

      Der Zielort: Carico im Bezirk Milange

      Von September 1975 bis Februar 1976 wurden alle inhaftierten Zeugen Jehovas, ob sie in Gefängnissen oder auf dem freien Feld untergebracht waren, an andere Orte verlegt. Dadurch, daß man ihnen nicht sagte, wohin sie verlegt würden, hatten die Polizei und die örtlichen Behörden bei ihren Einschüchterungsversuchen eine weitere Waffe gegen die Brüder in der Hand. „Wilde Tiere werden euch auffressen“, so sagte man zu ihnen, und: „Es ist ein unbekannter Ort im Norden, von dem ihr niemals wieder zurückkommen werdet.“ Ungläubige Familienangehörige stimmten ein Klagegeschrei an und bestanden darauf, daß die Gläubigen aufgaben. Doch nur ganz wenige gaben auf. Selbst Neuinteressierte taten sich mutig mit Jehovas Zeugen zusammen. So war es auch bei Eugênio Macitela, einem eifrigen Verfechter politischer Ideale. Sein Interesse wurde geweckt, als er davon hörte, daß die Gefängnisse voll von Zeugen Jehovas waren. Er wollte herausfinden, wer sie waren, und bat um ein Bibelstudium, woraufhin er verhaftet und eine Woche später deportiert wurde. Er war unter den ersten, die in den Konzentrationslagern getauft wurden, und dient heute als Kreisaufseher.

      Die Zeugen ließen keine Furcht oder Besorgnis erkennen, als man sie aus den Gefängnissen holte und in Busse, Lkws und sogar in Flugzeuge verlud. Eine der beeindruckendsten Karawanen verließ am 13. November 1975 Maputo, eine Karawane von 14 Bussen oder machibombos, wie man sie hier nennt. Die anscheinend unerklärliche Freude der Brüder veranlaßte die verantwortlichen Soldaten zu fragen: „Wie könnt ihr bloß so glücklich sein, wo ihr doch noch nicht einmal wißt, wohin ihr kommt? Dort, wohin man euch bringt, erwartet euch nichts Gutes.“ Doch die Freude der Brüder wurde dadurch nicht getrübt. Während die ungläubigen Verwandten weinten, weil sie sich um die Zukunft ihrer geliebten Angehörigen sorgten, sangen die Zeugen Königreichslieder, wie zum Beispiel das Lied „Mutig voran!“

      Die Fahrer riefen von jeder Stadt, durch die sie kamen, ihre Vorgesetzten an, um den Zielort zu erfahren, aber ihnen wurde immer nur gesagt, wo die nächste Haltestelle sei, die sie anfahren sollten. Einige verfuhren sich auch. Schließlich erreichten sie aber doch Milange, die Bezirksstadt in der Provinz Zambézia, 1 800 Kilometer von Maputo entfernt. Dort hielt der Verwaltungsbeamte für sie eine „Begrüßungsrede“ voller gehässiger Drohungen.

      Dann wurden sie 30 Kilometer ostwärts an einen Ort am Ufer des Munduzi gebracht; die Gegend ist unter dem Namen Carico bekannt und gehört noch zum Verwaltungsbezirk Milange. Tausende von Zeugen Jehovas aus Malawi, die wegen einer Welle der Verfolgung in ihrem eigenen Land geflohen waren, lebten dort seit 1972 als Flüchtlinge. Die unerwartete Ankunft der mosambikanischen Brüder war für die Malawier eine Überraschung. Und die Mosambikaner hat es überrascht, von Brüdern mit Worten einer ihnen fremden Sprache empfangen zu werden. Diese Überraschung war aber äußerst angenehm, und die malawischen Brüder nahmen die mosambikanischen Zeugen mit solch einer Herzlichkeit und Gastfreundschaft auf, daß die Fahrer beeindruckt waren. (Vergleiche Hebräer 13:1, 2.)

      Der dortige Bezirksverwalter war der Mann, der Jahre zuvor mit den Brüdern im Gefängnis von Machava gewesen war. Bei jeder Gruppe, die er in Empfang nahm, fragte er: „Wo sind Chilaule und Zunguza? Ich weiß, daß sie kommen werden.“ Als Bruder Chilaule schließlich ankam, sagte der Verwalter zu ihm: „Chilaule, ich weiß wirklich nicht, wie ich dich empfangen soll. Jetzt sind wir in zwei verschiedenen Lagern.“ Er blieb seinen Ideologien treu und erleichterte seinen früheren Zellengenossen das Leben keineswegs. Er war, wie er selbst sagte, „ein Ziegenbock, der Schafe regiert“.

      Liebevoller Beistand von der internationalen Bruderschaft

      Die internationale Bruderschaft der Zeugen Jehovas war liebevoll um die Brüder in Mosambik besorgt. Die Postämter des Landes wurden mit den Appellen der Brüder an die Regierung Mosambiks regelrecht überschwemmt. Bruder Augusto Novelas Kollegen in einer Telekommunikationsfirma hatten ihn immer verspottet und gesagt, Jehovas Zeugen seien nur eine lokale Sekte. Als aber die Telegrafenapparate Fernschreiben aus aller Welt übermittelten, wurden sie zum Schweigen gebracht. Der überwältigende Widerhall auf die Verfolgung bewies deutlich, daß Jehovas Volk in der Tat durch Liebe geeint ist.

      Nach ungefähr zehn Monaten räumte ein Regierungsminister während einer Lagerinspektion ein, die Brüder seien auf Grund von Falschanklagen eingesperrt worden. Doch konnte noch lange nicht mit einer Freilassung gerechnet werden.

      Vor den Herausforderungen eines neuen Lebens

      In der Geschichte des Volkes Jehovas in Mosambik begann nun ein neuer Abschnitt. Die malawischen Brüder in diesem Gebiet hatten für sich acht Dörfer errichtet. Sie hatten mittlerweile viel Erfahrung darin, sich dem neuen Leben im Busch anzupassen, und hatten die Fertigkeiten erworben, Häuser, Königreichssäle und sogar Kongreßsäle zu bauen. Wer sich zuvor nicht mit landwirtschaftlichen Arbeiten ausgekannt hatte, der lernte nun viel über diese Arbeit. Für nicht wenige Mosambikaner, die ihr Lebtag noch kein machamba (ein kultiviertes Feld) angelegt hatten, war es allerdings das erste Mal, daß sie schwere Feldarbeit verrichteten. In den ersten Monaten kam den Neuankömmlingen die liebevolle Gastfreundschaft ihrer malawischen Brüder zugute, die sie in ihre Häuser aufnahmen und ihr Essen mit ihnen teilten. Dann war es jedoch an der Zeit, daß sich die mosambikanischen Brüder ihre eigenen Dörfer bauten.

      Das war keine leichte Aufgabe. Die Regenzeit hatte begonnen, und die Gegend wurde mit so viel Wasser gesegnet wie nie zuvor. Als der Munduzi, der durch die Mitte des Lagers floß, in einem Gebiet über die Ufer trat, in dem normalerweise Dürre herrschte, betrachteten die Brüder es jedoch als ein Symbol dafür, daß Jehova für sie sorgen würde. In den darauffolgenden 12 Jahren trocknete der Fluß tatsächlich kein einziges Mal aus, wie es zuvor schon der Fall gewesen war. Andererseits „stellte der schlammige, glitschige Boden, den das regnerische Wetter nun einmal mit sich brachte, für ehemalige Stadtmenschen ein zusätzliches Problem dar“, erinnert sich Bruder Muthemba noch gut. Für die Frauen war es auch nicht gerade einfach, den Fluß zu überqueren, da sie auf provisorischen Brücken, die nichts anderes als Baumstämme waren, die Balance halten mußten. „Wir Büromenschen standen vor der Herausforderung, in den dichten Wald zu gehen und Bäume zu fällen, damit wir uns Häuser bauen konnten“, erinnert sich Xavier Dengo. Diese Umstände erwiesen sich als eine Prüfung, auf die einige nicht vorbereitet waren.

      Man denke daran, daß in den Tagen Mose zuerst „die gemischte Volksmenge“, die die Israeliten bei ihrem Auszug aus Ägypten in die Wildnis begleitete, zu murren begann und daß die Israeliten sich dann davon anstecken ließen (4. Mo. 11:4). In ähnlicher Weise bildete sich von Anfang an unter den ungetauften Zeugen eine Gruppe von Murrenden, und einige getaufte Zeugen schlossen sich ihnen an. Sie wandten sich an den Verwalter und ließen ihn wissen, daß sie gewillt waren, jeden Preis zu zahlen, wenn man sie nur so schnell wie möglich nach Hause schicken würde. Das führte aber nicht zu der prompten Heimreise, die sie sich erhofft hatten. Man behielt sie in Milange, und viele von ihnen waren für die Treuen ein Störfaktor, wie ein Stein in einem Schuh. Sie wurden als „die Rebellen“ bekannt. Sie lebten zwar mit den treuen Brüdern zusammen, waren aber jederzeit bereit, sie zu verraten. Ihre Liebe zu Gott hatte der Prüfung nicht standgehalten.

      Warum die Säle zusammenfielen

      Die malawischen Brüder hatten im Lager beachtliche Anbetungsfreiheit genossen. Als die mosambikanischen Brüder eintrafen, kam das zunächst auch ihnen zugute. Sie versammelten sich Tag für Tag in einem der großen Kongreßsäle, um den Tagestext zu betrachten. Oftmals hatte ein malawischer Kreisaufseher den Vorsitz. „Es war so stärkend“, erinnert sich Filipe Matola, „nach monatelangem Gefängnisaufenthalt und der Umherfahrerei ermahnende Worte aus der Bibel in der Gemeinschaft so vieler Brüder zu hören.“ Doch diese relative Freiheit währte nicht lange.

      Am 28. Januar 1976 fuhren Regierungsvertreter, die von Soldaten begleitet wurden, durch die Dörfer und verkündeten: „Es ist euch untersagt, in diesen Sälen oder sonstwo in den Dörfern eure Religion auszuüben oder zu beten. Die Säle werden verstaatlicht, und was aus ihnen wird, liegt im Ermessen der Regierung.“ Sie befahlen den Brüdern, alle Bücher herauszubringen, und beschlagnahmten diese dann. Natürlich versteckten die Brüder, was sie nur konnten. Danach wurden vor jedem Saal die Fahnen gehißt, und Soldaten sollten als Wachen für das Einhalten der Verfügung sorgen.

      Zwar waren die Säle aus Pfählen gebaut und sahen recht schlicht aus, doch sie waren ziemlich stabil. Allerdings begannen sie nach verhältnismäßig kurzer Zeit zusammenzufallen. Xavier Dengo denkt an eine Begebenheit zurück, als er und der Verwalter gerade in einem der Dörfer angekommen waren und ein Saal regelrecht einstürzte, obwohl es weder regnete noch stürmte. Der Verwalter wetterte: „Was ist hier los? Ihr seid schlimm! Jetzt, wo wir die Säle verstaatlicht haben, fallen sie zusammen!“ Bei einer späteren Gelegenheit sagte der Verwalter zu einem der Ältesten: „Ihr müßt darum gebetet haben, daß die Säle einstürzen ..., und euer Gott hat sie einstürzen lassen.“

      Wie das Leben in den Dörfern organisiert war

      Neun mosambikanische Dörfer schossen förmlich empor — parallel zu den bereits vorhandenen acht malawischen Dörfern. Diese zwei Gruppen von Brüdern sollten, durch die „reine Sprache“ geeint, die nächsten 12 Jahre zusammen leben (Zeph. 3:9). Das Gebiet, das zu einem Dorf gehörte, wurde in Quadrate unterteilt, die von gut instand gehaltenen Straßen begrenzt wurden; zu einem Häuserblock gehörten jeweils 8 Parzellen, die etwa 25 Meter mal 35 Meter groß waren. Die Versammlungen setzten sich nach Häuserblöcken zusammen. Nachdem das Verbot im Lager verkündet worden war, konnten sie keine auffälligen Königreichssäle errichten. Also bauten sie besondere Häuser in L-Form, die demselben Zweck dienten. Um diese Häuser als Wohnhäuser zu tarnen, wurden sie von einer Witwe oder einer anderen alleinstehenden Person bezogen. Wenn die Zusammenkünfte stattfanden, stand der Redner immer im rechten Winkel des „L“ und konnte dadurch zur Zuhörerschaft auf beiden Seiten sprechen.

      Jedes Dorf war von seinen machambas umgeben. Jede Versammlung versorgte zudem ein „Versammlungs-machamba“, und alle halfen mit, es zu bestellen, wodurch jeder seinen Beitrag zur Befriedigung der Bedürfnisse der Versammlung leistete.

      Die Dörfer waren unterschiedlich groß, je nach Zahl der Bewohner. Gemäß einer 1979 durchgeführten Zählung war das mosambikanische Dorf 7 mit nur 122 Verkündigern und 2 Versammlungen das kleinste der Dörfer, wohingegen zu dem Dorf 9, dem größten und am weitesten abgelegenen, 1 228 Verkündiger und 34 Versammlungen gehörten. Das gesamte Lager bestand aus 11 Kreisen. Dieses Lager, das aus malawischen und mosambikanischen Dörfern und den dazugehörigen Gebieten bestand, wurde unter den Brüdern als der Kreis von Carico bekannt. Die letzte von uns erfaßte Zählung fand 1981 statt, als sich die Bevölkerungszahl des gesamten Kreises von Carico auf 22 529 Personen belief, von denen 9 000 Verkündiger waren. Später stellte sich weitere Mehrung ein. (Der damalige Präsident Samora Machel gab die Bevölkerungszahl mit 40 000 an, so nachzulesen in der Broschüre Consolidemos Aquilo Que nos Une [Das festigen, was uns vereint] auf Seite 38 und 39.)

      „Chingos Zeit“ — eine schwere Zeit

      Natürlich wurden Zeugen Jehovas nicht nach Milange geschickt, um dort eine landwirtschaftliche Siedlung zu bilden. Nicht ohne Grund nannte die Regierung das Lager „das Umerziehungszentrum von Carico“, was an dem Verwaltungszentrum mitten im malawischen Dorf 4 unschwer zu erkennen war; es bestand aus Büros und Wohngebäuden, in denen Staatsangestellte wohnten und arbeiteten. Es gab auch einen Lagerkommandanten mit seinen Soldaten und ein Gefängnis, in dem viele unserer Brüder je nach Entscheid des Kommandanten unterschiedlich lang eingekerkert waren.

      Der berüchtigtste aller Kommandanten war Chingo. Seine zweijährige Zeit als Kommandant wurde als „Chingos Zeit“ bekannt. Er war entschlossen, die Kompromißlosigkeit der Zeugen Jehovas zu brechen und sie „umzuerziehen“; und er wandte jede ihm bekannte psychologische Taktik sowie Gewalt an, um sein Ziel zu erreichen. Zwar hatte er so gut wie keine Bildung, war aber ein gewandter und überzeugender Redner, der eine Vorliebe für Veranschaulichungen hatte. Diese Gabe setzte er ein, um zu versuchen, die Brüder mit seiner Philosophie politisch zu indoktrinieren und ihre Liebe zu Gott zu schwächen. Eines seiner Projekte war das „fünftägige Seminar“.

      Das „fünftägige Seminar“

      Der Kommandant gab bekannt, daß ein „fünftägiges Seminar“ anberaumt worden sei; die Zeugen sollten dafür die fähigsten Männer in den Dörfern aussuchen, und zwar Männer, die Informationen von Interesse an andere weitergeben könnten. Sie würden auf ein Seminar geschickt, das an einem entfernt liegenden Ort durchgeführt würde. Die Brüder lehnten dies ab, da sie seinen Absichten mißtrauten. Aber die ebenfalls anwesenden „Rebellen“ deuteten auf die Brüder, die Verantwortung trugen, wie zum Beispiel die Kreisaufseher. Zu ihnen gehörten Francisco Zunguza, Xavier Dengo und Luis Bila. Auf einem Lastwagen wurden 21 Männer und 5 Frauen weggebracht. Es ging Hunderte von Kilometern in den Norden, in eine Gegend nördlich von Lichinga in der Provinz Niassa. Die Männer steckte man in ein „Umerziehungslager“ mit Kriminellen, und die Frauen brachte man in ein Lager für Prostituierte.

      Dort unterwarf man sie schwerster Folter, unter anderem dem „Christusstil“, wie die Folterer das nannten. Die Arme der Opfer wurden zur Seite gestreckt, wie bei einer Kreuzigung; dann wurde ein Pfahl parallel zu den Armen gehalten, und man wickelte Nylonseile ganz fest um die Arme und den Pfahl, und zwar über die gesamte Länge der Arme — von den Fingerspitzen der einen Hand bis zu den Fingerspitzen der anderen Hand. In dieser Haltung, in der die Hände, Arme und Schultern überhaupt nicht mehr durchblutet wurden, ließ man das Opfer eine beträchtliche Zeit verharren in dem vergeblichen Bemühen, ein „Viva Frelimo“ aus ihm herauszupressen. Bei dieser unmenschlichen, grausamen Behandlung erlitt Luis Bila, ein treuer Ältester, einen Herzanfall, dem er erlag.

      Die Schwestern wurden einem „Training“ unterzogen, bei dem sie entweder fast ununterbrochen laufen mußten, mitunter ins Wasser hinein und wieder heraus, oder sie mußten ohne Unterlaß bergauf und bergab Purzelbäume schlagen und weitere zahllose Erniedrigungen über sich ergehen lassen. Was für ein Seminar! Welch eine „Umerziehung“!

      Trotz dieser brutalen Behandlung bewahrten die meisten der Brüder die Lauterkeit, nur zwei gaben auf. Es gelang einem Bruder, einen Brief an den Innenminister in Maputo zu senden, in dem er diese Art der Behandlung schilderte. Das verfehlte nicht seine Wirkung. Der Gouverneur von Niassa kam persönlich mit dem Hubschrauber angereist. Er nahm dem Kommandanten und seinen Helfern sämtliche Befugnisse und erklärte: „Diese Leute können sich als unter Arrest stehend betrachten, da sie Taten ausgeführt haben, die die Frelimo niemals im Sinn hatte.“ Als die anderen Häftlinge, die unter einer ähnlichen Behandlung zu leiden gehabt hatten, das hörten, riefen sie freudig aus: „Euch haben wir es zu verdanken, daß wir erlöst worden sind!“ Die Brüder erwiderten: „Dankt Jehova dafür.“

      Nach einiger Zeit wurden sie in andere Lager verlegt, wo sie nur Zwangsarbeit verrichten mußten. Insgesamt vergingen fast zwei Jahre, bevor man sie wieder nach Carico brachte — dort wurden sie schon von Chingo erwartet. Er setzte seine erfolglosen Versuche fort, sie in ihrer Loyalität gegenüber Jehova zu schwächen, indem er ähnliche „Seminare“ abhielt. Als es für ihn an der Zeit war, Carico zu verlassen, hielt er noch einmal in der für ihn so typischen bilderreichen Sprache eine Rede. Er gab seine Niederlage zu und sagte: „Ein Mann versetzt einem Baum viele Hiebe, und wenn dann nicht mehr viel fehlt, bis der Baum umfällt, wird der Mann durch einen anderen ersetzt, der die Arbeit mit nur einem einzigen Hieb vollendet. Ich habe viele Hiebe versetzt, konnte mein Vorhaben aber nicht zu Ende führen. Andere werden nach mir kommen. Sie werden andere Methoden anwenden. Gebt nicht nach. ... Bleibt bei eurer Haltung. ... Wenn nicht, wird ja ihnen die ganze Ehre zuteil werden.“ Dadurch, daß die Brüder eine tiefe Liebe zu Jehova bewahrten, sorgten sie jedoch dafür, daß nur Jehova Ehre zuteil wurde (Offb. 4:11).

      Diejenigen, die in den Städten zurückblieben

      Waren zu diesem Zeitpunkt alle mosambikanischen Zeugen im Gefängnis oder in den Straflagern? Obwohl ihre Feinde die Arbeitsstätten der Brüder und so gut wie jedes Viertel gründlichst nach ihnen durchkämmten, konnten einige doch entkommen. Nicht jeder wollte, daß sie ins Gefängnis kamen oder sonstwie bestraft wurden. Aber die Zeugen liefen ständig Gefahr, festgenommen zu werden. Tägliche Verrichtungen wie der Kauf von Nahrungsmitteln oder das Wasserholen von der öffentlichen Wasserversorgungsstelle waren mit einem Risiko verbunden.

      Lisete Maienda, die in Beira zurückgeblieben war, erinnert sich: „Weil ich nicht zu den vorgeschriebenen politischen Versammlungen ging, wurde mir der Ausweis nicht ausgehändigt, den ich für den Kauf von Nahrungsmitteln benötigte. Ein freundlicher Geschäftsinhaber verkaufte mir glücklicherweise immer privat ein paar Kilo Mehl.“ (Vergleiche Offenbarung 13:16, 17.) Bruder Maienda verlor seine Arbeit im Hafen von Beira sechsmal, aber jedesmal kam sein Arbeitgeber wieder und suchte nach ihm, weil seine berufliche Qualifikation für die Firma sehr wertvoll war.

      Obwohl es äußerst riskant war, Zeugnis zu geben und sich zu versammeln, erlosch das Licht der Wahrheit in keiner der größeren Städte des Landes. In Beira schloß sich der Familie Maienda eine Gruppe mutiger Jugendlicher an, die aus der Umgebung von Esturro kam und nach der Wahrheit dürstete. Gemeinsam ließen sie das Licht in der Hauptstadt der Provinz Sofala leuchten. Der Eifer der Gruppe in Beira war so groß, daß sie jeweils über die Grenze nach Rhodesien (heute Simbabwe) gingen, um geistige Speise zu holen, obwohl das sehr gefährlich war.

      Im Zweigbüro in Salisbury (heute Harare) arbeitete man unerschrocken und unablässig, um für all die Brüder zu sorgen, die in der nördlichen Gegend zerstreut waren. Als das Zweigbüro daher davon unterrichtet wurde, daß in Tete noch immer eine Gruppe zusammenkam, entsandte man zwei Brüder, die sich der Bedürfnisse dieser Gruppe annehmen sollten und die sich wie Epaphroditus, ein Mitarbeiter des Apostels Paulus, danach sehnten, ihre Brüder zu sehen (Phil. 2:25-30). Einer dieser Brüder war der von allen geliebte Redson Zulu, der im ganzen Norden für seine mitreißenden Vorträge in der Sprache Tschewa bekannt war. Er und sein Begleiter gingen das Risiko ein, mit dem Rad durch den Busch zu fahren, um ihren isoliert lebenden mosambikanischen Brüdern zu dienen.

      In ähnlicher Weise brannte auch das Licht der Wahrheit weiterhin in der Provinz Nampula. Eine Gruppe Ungetaufter war dort zurückgeblieben und führte auf ihre Art Zusammenkünfte durch. Zuerst waren 8 Personen anwesend, doch schon bald war die Zahl auf 50 angestiegen. Als ein Bruder aus Carico nach Nampula in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, lernte er einen aus der Gruppe dieser Ungetauften kennen, der in dem Krankenhaus arbeitete. Der Bruder benachrichtigte die Gesellschaft, und das Zweigbüro wies ihn an, mit der Gruppe zu studieren und diejenigen auf die Taufe vorzubereiten, die dafür in Frage kamen. Fünf Personen ließen sich taufen. Weitere Hilfe erhielten sie, als ein Zeuge aus den Niederlanden, der wegen seiner weltlichen Arbeit in Nampula war, sein Heim für die Zusammenkünfte zur Verfügung stellte. Mit der Zeit eigneten sich einige aus der Gruppe als Älteste und konnten Verantwortung übernehmen.

      Abhilfe im Zentralgefängnis

      Im Jahr 1975 wurde eine Gruppe nach der anderen aus den Gefängnissen von Maputo in den Norden geschickt, während andere Brüder in diese Gefängnisse kamen und ihren Platz einnahmen. Ungefähr Ende Februar 1976 entschloß sich die Regierung dann, die ständigen Gefangenentransporte von Zeugen Jehovas einzustellen.

      Einige Monate später stattete Präsident Samora Machel dem Zentralgefängnis von Maputo einen Besuch ab. Schwester Celeste Muthemba nutzte die Gelegenheit und gab dem Präsidenten Zeugnis. Er hörte freundlich zu; aber als er gegangen war, wurde die Schwester von den Gefängnisbeamten streng gerügt. Eine Woche später jedoch kam ein Befehl, sie freizulassen, zusammen mit einem Schreiben, in dem ihr zugesichert wurde, daß sie vor jeder weiteren Schikanierung wegen politischer Gründe geschützt sei und daß sie berechtigt sei, zu ihrem früheren Arbeitsplatz im Zentralkrankenhaus zurückzukehren. Überdies wurde die Freilassung aller Zeugen Jehovas aus dem Gefängnis angeordnet.

      In Maputo gründete man Versammlungen. Schon bald bildeten die 24 Versammlungen einen Kreis, der sich von Maputo in nordöstlicher Richtung bis nach Inhambane erstreckte. Fidelino Dengo erhielt den Auftrag, diese Versammlungen zu besuchen. Außerdem setzte das südafrikanische Zweigbüro ein Komitee von Ältesten ein, das sich um die geistigen Bedürfnisse dieser Gruppen kümmern sollte. Sie entwickelten Methoden, sehr vorsichtig informell zu predigen. Auch leiteten sie alles in die Wege, damit die Brüder Kongresse im benachbarten Swasiland besuchen konnten. Und in Mosambik selbst fanden Kongresse statt, getarnt als „Begrüßungsparties“ für diejenigen, die aus Carico heimkehrten.

      Und wie sah es in Carico aus? Welche Vorkehrungen hatte man dort getroffen, um die christliche Tätigkeit durchzuführen?

      Lager unter der Aufsicht des „ON“-Komitees

      Die malawischen Brüder hatten unter der Aufsicht des Zweigbüros in Simbabwe ein spezielles Komitee gegründet, das sich der geistigen Bedürfnisse der Brüder im Lager annahm. Als die Brüder aus dem Süden Mosambiks nach Carico gebracht wurden, kamen auch ihnen die dort bereits bestehenden Vorkehrungen zugute. Zwei der Brüder aus dem Süden, Fernando Muthemba und Filipe Matola, wurden in das Komitee mit aufgenommen.

      Das ON-Komitee (Ofisi ya Ntchito [Dienstbüro in Chichewa]) korrespondierte mit der Gesellschaft und organisierte Bezirks- und Kreiskongresse. Man stellte die Berichte von allen im Lager zusammen und traf sich in gewissen Abständen mit den Ältesten in den Dörfern. Das Komitee übernahm auch die Führung in Verbindung mit der Arbeit in den 11 Kreisen. Es trug eine schwere Verantwortung, insbesondere wegen der prekären Situation der Brüder, was ihr Verhältnis zur weltlichen Obrigkeit betraf.

      Predigen und Jüngermachen in den Lagern

      Im November 1976 ließ sich eine beträchtliche Anzahl der Interessierten taufen, mit denen die Bibel studiert wurde und die die Brüder 1975 nach Milange begleitet hatten.

      Viele allgemeine Pioniere setzten ihren Dienst während ihres Aufenthalts im Gefängnis und im Lager fort. Aber wem predigten sie? Anfangs studierten sie mit denen, die noch nicht getauft waren, unter anderem auch mit den Kindern von Brüdern. Eine Familie mit vielen Kindern wurde als ein „gutes Gebiet“ angesehen. Die Eltern studierten mit einigen der Kinder selbst, und die anderen Kinder wurden auf die alleinstehenden Verkündiger aufgeteilt. Auf diese Weise blieben viele in dem Werk des Jüngermachens beschäftigt.

      Für diejenigen, die wirklich den Geist des Evangelisierens hatten, war das allerdings nicht genug. Ein eifriger Pionier fing an, das Gebiet außerhalb des Lagers auszukundschaften. Das barg natürlich Gefahren in sich, da die Lagerverwaltung den Brüdern Einschränkungen auferlegt hatte. Ihm war klar, daß er irgendeinen Vorwand finden müßte, weshalb er das Lager verlassen wollte. Unter welchem Vorwand könnte das geschehen? Nachdem er um Jehovas Leitung gebetet hatte, entschloß er sich, den Leuten außerhalb des Lagers Salz und andere Eßwaren zu verkaufen. Er verlangte überhöhte Preise für seine Waren, womit er vermeiden wollte, daß er wirklich etwas verkaufte, schuf damit aber gleichzeitig eine gute Ausgangsbasis für das Zeugnisgeben. Diese Methode machte Schule. Mit der Zeit konnte man viele dieser „Verkäufer“ sehen, die ihre Produkte außerhalb des Lagers anboten. Um das verstreut liegende Gebiet zu bearbeiten, mußten große Entfernungen zurückgelegt werden, was bedeutete, im Morgengrauen das Lager zu verlassen und erst nachts wiederzukommen. Es war eine spärliche „Vegetation“ für so viele „Heuschrecken“. Aber viele Menschen, die in dieser Gegend lebten, lernten dadurch die Wahrheit kennen.

      „Produktionszentrum von Zambézia“

      Die landwirtschaftliche Produktion florierte, weil die geschäftigen „Umerziehungsschüler“ fleißig arbeiteten und weil die Gegend durch den reichlichen Regen bewässert wurde. Die Zeugen im Lager konnten nach und nach reiche Ernten an Getreide, Reis, Maniok, Hirse, Bataten, Zuckerrohr, Bohnen und einheimischen Früchten wie die Mafurra einbringen. Die Getreidespeicher des Kreises von Carico waren überreichlich gefüllt. Die Aufzucht von Geflügel und Kleinvieh wie Hühnern, Enten, Tauben, Kaninchen und Schweinen bereicherte ihre Nahrung mit Proteinen. Der Hunger, den sie anfänglich litten, gehörte bald der Vergangenheit an. Im Gegensatz dazu erlebte das übrige Land die größte Lebensmittelknappheit seiner Geschichte. (Vergleiche Amos 4:7.)

      In Anerkennung der Erfolgsbilanz auf landwirtschaftlichem Gebiet erhielten das Lager und seine Umgebung von der Regierung den Namen „Produktionszentrum von Zambézia“. Jetzt, wo die Brüder durch den Verkauf der Überschußprodukte ein kleines Einkommen hatten, konnten sie sich Kleidung und sogar einige Radios und Fahrräder kaufen. Zwar waren sie Gefangene, aber sie waren gut versorgt, weil sie so fleißig waren. Sie hielten sich äußerst gewissenhaft an die gesetzliche Steuerpflicht, ja sie gehörten sogar zu den maßgeblichen Steuerzahlern dieser Region. Eines der Erfordernisse für jeden, den man für Vorrechte in der Versammlung in Betracht zog, war, daß er auch unter den bestehenden Gegebenheiten gewissenhaft seine Steuern zahlte, was den biblischen Maßstäben entsprach (Röm. 13:7; 1. Tim. 3:1, 8, 9).

      Kultureller Austausch

      In kultureller Hinsicht und was Fachkenntnisse anging, fand in Carico ein reger Austausch statt. Viele eigneten sich neue Fertigkeiten an wie das Mauern, das Tischlern und das Holzschnitzen. Gemeinsam lernten die Brüder, wie man Werkzeuge herstellt, mit Gußeisen arbeitet, Qualitätsmöbel anfertigt und vieles mehr. Außer daß sie selbst von ihrem neu erworbenen oder aufgefrischten Können profitierten, ergab sich durch diese Tätigkeiten auch eine weitere Einnahmequelle.

      Die größte Schwierigkeit beim kulturellen Austausch war die Sprache. Die Mosambikaner lernten Tschewa, das von den Malawiern gesprochen wurde. Tschewa wurde zur Hauptsprache im Lager, und auch die vorhandene Literatur war meist in Tschewa. Ganz langsam und allmählich lernten die Malawier auch Tsonga und die Dialekte, die man im Süden Mosambiks spricht. Viele lernten auch Englisch und Portugiesisch, was ihnen später bei besonderen Dienstvorrechten zugute kommen sollte. Ein Ältester erinnert sich: „Es konnte passieren, daß man Brüder oder Schwestern traf, die sich fließend mit einem in der eigenen Sprache unterhielten, und man nicht sagen konnte, ob sie Mosambikaner oder Malawier waren.“

      Wie kam die geistige Speise ins Lager?

      Die geistige Speise kam aus Sambia über Malawi. Auf welchem Wege? Ein Kreisaufseher antwortete: „Das weiß nur Jehova!“ Im Lager beauftragte das ON-Komitee jeweils junge malawische Brüder, von denen viele Pioniere waren, mit Fahrrädern die Grenze zu überqueren und sich mit den Brüdern, die mit der Korrespondenz und der Literatur losgeschickt worden waren, an einem vorher vereinbarten Ort zu treffen. Auf diese Weise wurden die Versammlungen mit der neuesten geistigen Speise versorgt.

      Außerdem gingen auch die ON-Komiteemitglieder über die Grenze nach Sambia oder Simbabwe, um aus den jährlichen Besuchen des Zonenaufsehers Nutzen zu ziehen, den die Gesellschaft sandte. Dadurch und auch auf andere Weise blieben die Brüder in Carico in engem Kontakt mit der sichtbaren Organisation Jehovas und konnten so in seiner Anbetung vereint sein.

      Für die Versammlungszusammenkünfte mußten besondere Vorkehrungen getroffen werden. Da die Brüder unter ständiger Überwachung standen, fanden viele der Zusammenkünfte bei Tagesanbruch oder noch früher statt. Die Anwesenden versammelten sich jeweils draußen und taten so, als ob sie im Hof gemeinsam Porridge essen würden, während der Redner im Haus blieb. Man hielt Zusammenkünfte auch in einem Flußbett oder in natürlichen Kratern ab. Die Vorbereitungen für einen Kongreß bedeuteten allerdings noch viel mehr Arbeit.

      Kongresse — wie sie organisiert wurden

      Nachdem das ON-Komitee von der Gesellschaft das gesamte Kongreßprogramm erhalten hatte, zog es sich immer für einige Wochen in das Dorf 9 zurück. An diesem relativ abgeschiedenen Ort arbeiteten die Brüder dann ganze Nächte hindurch im Licht einer Laterne und übersetzten Vortragsdispositionen, nahmen Dramen auf und wählten die Redner aus. Als besonders nützlich erwies sich ein handbetriebener Vervielfältigungsapparat, den sie aus Simbabwe erhalten hatten. Ihre Arbeit war erst dann beendet, wenn das gesamte Programm für sechs Kongresse stand.

      Zusätzlich erhielt ein Team die Aufgabe, einen als Kongreßstätte geeigneten Ort ausfindig zu machen und ihn dafür herzurichten. Das konnte an einem Bergabhang oder im Wald sein, mußte aber mindestens 10 Kilometer vom Lager entfernt liegen. Alles mußte geregelt werden, ohne daß die Behörden oder „die Rebellen“ etwas bemerkten. Man lieh sich kleine, transportable Radios aus und machte daraus eine Lautsprecheranlage für eine Zuhörerschaft von mehr als 3 000. Es war immer ein Fluß in der Nähe, wo man durch den Bau eines Dammes ein Taufbecken anlegen konnte. Für eine Bühne, den Platz für die Zuhörerschaft, die Reinigung und vieles mehr wurde im voraus gesorgt. Schließlich war die Kongreßstätte fertig — jedes Jahr an einem anderen Ort.

      Man machte eine Einteilung, die es allen aus den Dörfern ermöglichte, anwesend zu sein. Das funktionierte nur deshalb so gut, weil die Brüder einen hervorragenden Geist der Zusammenarbeit zeigten. Sie konnten ja nicht alle gleichzeitig den Kongreß besuchen; ein verlassenes Dorf hätte die Aufmerksamkeit der Behörden erregt. Darum wechselten sich Nachbarn ab — eine Hausgemeinschaft kam an einem Tag, die andere am darauffolgenden Tag. Die Familie, die im Dorf blieb, nahm jeweils das Nachbarhaus mit in Beschlag, damit niemand bemerkte, daß diese Familie gar nicht da war. Heißt das, daß einige Brüder Teile des Kongreßprogramms versäumten? Nein, das Programm eines jeden Kongreßtages wurde nämlich zweimal dargeboten. Ein dreitägiger Kongreß dauerte also jeweils sechs Tage und ein zweitägiger Kreiskongreß vier Tage.

      Mehrere wachsame Ordner bildeten eine Kette von Meldegängern. Diese Kette reichte vom Lagerverwaltungszentrum bis zur Kongreßstätte, wobei alle 500 Meter ein Bruder postiert war. Jeder verdächtige Vorgang, der für den Kongreß zu einer Gefahr hätte werden können, setzte dieses Meldesystem in Gang, durch das eine Botschaft in nur 30 Minuten über eine Strecke von 30 bis 40 Kilometern übermittelt wurde. Dadurch blieb den Brüdern der Kongreßorganisation genügend Zeit, diesbezüglich eine Entscheidung zu treffen. Das konnte bedeuten, den Kongreß abzubrechen und sich im Wald zu verstecken.

      José Bana, ein Ältester aus Beira, erinnert sich: „Einmal warnte uns ein Polizist in der Nacht vor dem Kongreß, daß man bereits alles über den Kongreß wußte und ihn auflösen wollte. Man trug die Angelegenheit den verantwortlichen Brüdern vor. Sollten sie den Kongreß absagen? Sie beteten zu Jehova und beschlossen, bis zum nächsten Morgen abzuwarten. Und die Antwort kam — sintflutartige Regenfälle sorgten in der Nacht dafür, daß der Munduzi über die Ufer trat und zu einem See wurde. Da die Polizei sich am anderen Flußufer befand, konnte jedermann den Kongreß besuchen; niemand mußte daheim bleiben, und noch nicht einmal die Kette von Meldegängern wurde benötigt. Wir sangen nach Herzenslust Königreichslieder!“

      Abtrünnigkeit und das Dorf 10

      Eine Bewegung, die für viel Unruhe sorgte, wurde von einer Gruppe Abtrünniger ins Leben gerufen, die sich „die Gesalbten“ nannten. Diese Gruppe, die hauptsächlich aus den malawischen Dörfern stammte, behauptete, daß die „Zeit der Ältesten“ 1975 abgelaufen sei und daß nun ihre Gruppe als „die Gesalbten“ die Führung übernehmen müsse. Der Stoff in dem von der Gesellschaft herausgegebenen Buch Ewiges Leben — in der Freiheit der Söhne Gottes eignete sich hervorragend, um einigen, die Zweifel hatten, verstehen zu helfen, was mit der wahren Salbung alles verbunden war. Doch der Einfluß der Abtrünnigen nahm zu, und viele, die auf sie hörten, wurden irregeleitet. Ihre Lehre besagte unter anderem, es sei nicht notwendig, einen Bericht an die Gesellschaft zu schicken. Sie warfen die Berichte einfach immer in die Luft, nachdem sie ein Gebet gesprochen hatten.

      Schätzungsweise 500 Personen wurden auf Grund des Einflusses der Abtrünnigen ausgeschlossen. Es war ihr freier Entschluß, sich mit der Genehmigung der Behörden ein eigenes Dorf zu bauen. Das wurde dann das Dorf 10. Später umgab sich der Führer dieser Bewegung mit einer Schar junger Frauen, die ihn bedienten. Viele von ihnen gebaren ihm Kinder.

      Das Dorf 10, wo diese Gruppe lebte, blieb während der restlichen Zeit des Lagerlebens bestehen. Man machte den treuen Brüdern viele Schwierigkeiten. Einige, die sich dazu hatten verleiten lassen, sich der Gruppe anzuschließen, bereuten später und kehrten zu Jehovas Organisation zurück. Die abtrünnige Gemeinschaft löste sich letztendlich auf, als das Lagerleben zu Ende ging.

      „Das Lager ist unser Gefängnis, und die Häuser sind unsere Zellen“

      Bis zum Beginn des Jahres 1983 hatte das Leben im Lager einen gewissen Anschein von Normalität. Unsere Brüder vergaßen allerdings nicht, daß sie Gefangene waren. Es stimmt, daß es einigen gelang, auf eigene Faust in ihre Städte zurückzukehren. Andere kamen und gingen nach Belieben. Nichtsdestoweniger blieb die Gemeinschaft als solche bestehen. Es war völlig natürlich, daß sich die Brüder nach der Heimat sehnten. Briefe wurden ausgetauscht, die entweder von der Post befördert wurden oder von Brüdern, die einen Besuch im Lager wagten, um Verwandte und alte Freunde aufzusuchen — allerdings schnappte man einige dieser Brüder und steckte sie ins Gefängnis.

      Xavier Dengo sagte gewöhnlich nachdenklich: „Ihr Malawier seid Flüchtlinge, wir dagegen sind Gefangene. Das Lager ist unser Gefängnis, und die Häuser sind unsere Zellen.“ In Wirklichkeit befanden sich unsere malawischen Brüder jedoch so ziemlich in derselben Lage. Was immer die Dörfer an Normalität zu haben schienen, sollte jedoch ein abruptes Ende finden.

      Bewaffneter Überfall verursacht Tod, Angst und Schrecken

      Anfang 1983 begannen bewaffnete Anhänger der Widerstandsbewegung in das Gebiet von Carico einzufallen und zwangen den Kommandanten des Verwaltungszentrums zur Flucht in die 30 Kilometer entfernte Bezirksstadt Milange. Für verhältnismäßig kurze Zeit konnten die Brüder anscheinend aufatmen, obwohl sie noch immer unter einer gewissen Überwachung standen.

      Doch am 7. Oktober 1984, als man die Vorbereitungen für den Bezirkskongreß nahezu abgeschlossen hatte, kam es zu einer Tragödie. Eine Gruppe Bewaffneter näherte sich von Osten. Während sie sich ihren Weg durch das Dorf 9 bahnten, hinterließen sie Spuren des Blutvergießens, der Panik und des Todes. Nachdem sie im malawischen Dorf 7 Bruder Mutola getötet hatten, brachten sie im mosambikanischen Dorf 4 Augusto Novela um. Im mosambikanischen Dorf 5 wurde Bruder Muthemba durch den Lärm des Gewehrfeuers alarmiert. Als er den Leichnam eines Bruders auf dem Boden liegen sah, schrie er zu Jehova um Hilfe. Die bewaffneten Männer plünderten Häuser und brannten sie nieder. Männer, Frauen und Kinder rannten fluchtartig in alle Richtungen und suchten verzweifelt Schutz. Dieser Angriff war jedoch erst der Auftakt. Als sie das Lager durchquert hatten, wählten sie ein Gebiet unmittelbar nördlich vom Dorf 1 als ihren Stützpunkt aus.

      In den darauffolgenden Tagen unternahmen sie täglich Einfälle ins Lager. Sie raubten, brannten Häuser nieder und mordeten. Bei einem dieser Überfälle töteten sie sechs malawische Zeugen, zu denen auch die Frau des Kreisaufsehers Fideli Ndalama gehörte.

      Andere wurden als Gefangene zum Stützpunkt der Gruppe mitgenommen. Besonders auf die jungen Männer hatte es diese militante Bewegung abgesehen, um sie zwangsweise zu rekrutieren. Viele junge Männer flohen aus den Dörfern in die machambas (die von ihnen angelegten Felder). Dorthin brachten ihnen ihre Angehörigen Essen. Junge Frauen wurden als Köchinnen rekrutiert, dann aber wollten die Angreifer sie zwingen, ihre „Liebesdienerinnen“ zu werden. Hilda Banze hielt diesem Druck stand, worauf sie derart heftig geschlagen wurde, daß man sie für tot hielt und sie liegenließ. Glücklicherweise erholte sie sich aber wieder.

      Die Gruppe Bewaffneter befahl der Bevölkerung, sie mit Nahrungsmitteln zu versorgen und ihre Gerätschaften zu tragen. Für die Brüder war diese Forderung unvereinbar mit ihrer christlichen Neutralität, weshalb sie sie ablehnten. Ihrer Weigerung begegnete man mit Raserei. Für Neutralität und Menschenrechte war kein Platz in solch einer isolierten Welt, in der einzig und allein das Gesetz der Waffen und der Prügel zählte. Ungefähr 30 Brüder starben in dieser turbulenten Zeit. Einer davon war Alberto Chissano, der jegliche Unterstützung verweigerte und dies mit den Worten zu erklären versuchte: „Ich beteilige mich nicht an Politik, deshalb hat man mich von Maputo hierhergebracht. Ich habe es in der Vergangenheit abgelehnt, und daran ändert sich auch jetzt nichts.“ (Vergleiche Johannes 18:36.) Das war zuviel für die Unterdrücker, die ihn wütend fortschleppten. Bruder Chissano wußte, was nun auf ihn zukommen würde, und sagte den Brüdern Lebewohl; dabei strahlte er eine unerschütterliche glaubensvolle Zuversicht aus. „Bis zur neuen Welt“, das waren seine letzten Worte, bevor man ihn schrecklich schlug und lebensgefährlich verletzte. Die Brüder des Ärzteteams versuchten zwar, sein Leben zu retten, doch es war vergeblich. Nun wird es doch erst in der neuen Welt zu einem Wiedersehen kommen, denn auch im Angesicht des Todes konnte ihn nichts von seinem Glauben abbringen (Apg. 24:15).

      Aus einem Feuerofen befreit

      Es mußte etwas getan werden, um die unerträgliche Spannung abzubauen. Das ON-Komitee kam mit den Ältesten und den Dienstamtgehilfen zusammen, um zu besprechen, wie man mit der Widerstandsbewegung Gespräche aufnehmen könnte. Doch Männer der Widerstandsbewegung hatten bereits an jeden in der Gegend eine Einladung geschickt, zu ihrem Stützpunkt zu kommen. Die Ältesten beschlossen, gemeinsam mit einer beachtlichen Gruppe von Brüdern, die sich angeboten hatten, sie zu begleiten, hinzugehen. Zwei Brüder wurden beauftragt, für alle Dörfer zu sprechen. Isaque Maruli, einer der beauftragten Sprecher, ging nach Hause, um seine junge Frau darüber zu informieren und sich von ihr zu verabschieden. Sie erschrak bei dem Gedanken daran, was passieren könnte, und versuchte, ihn davon abzubringen. Er redete ihr tröstend zu und fragte: „Glaubst du, wir haben bis jetzt überlebt, weil wir besonders clever sind? Und denkst du, wir sind wichtiger als die anderen Brüder?“ Wortlos stimmte sie seinem Vorhaben zu. Sie beteten gemeinsam und verabschiedeten sich dann voneinander.

      Bei dieser Versammlung waren nicht nur Brüder zugegen, sondern auch andere, keine Zeugen, die bereit waren, die Widerstandsbewegung zu unterstützen. Die ungefähr 300 Brüder waren ihnen aber zahlenmäßig überlegen. Es ging sehr hitzig zu; die Leute riefen politische Parolen aus und sangen Soldatenlieder. Eine Bekanntmachung wurde gemacht: „Heute rufen wir so lange ,Viva Renamo‘ [Resistência Nacional de Moçambique (Nationale Widerstandsbewegung Mosambiks), die Bewegung, die gegen die Frelimo-Regierung kämpfte], bis hier die Blätter von den Bäumen fallen!“ Der Kommandant, die Soldaten und die Anwesenden, die keine Zeugen Jehovas waren, wurden langsam ungehalten, weil die Brüder nichts sagten. Ein politischer Kommissar, der der Versammlung vorstand, erläuterte die Ideologie seiner Bewegung. Er sprach davon, daß von höchster Stelle beschlossen worden sei, die Dörfer niederzureißen und alle Bewohner zu zwingen, verstreut in den machambas zu leben. Dann erhielten die Anwesenden die Gelegenheit, sich zu äußern. Unsere Brüder legten unsere neutrale Haltung dar. Sie hofften, daß man die Gründe dafür verstehen würde, warum sie sich nicht daran beteiligen konnten, Nahrungsmittel zu beschaffen, die Gerätschaften zu tragen und dergleichen. Was die Vertreibung aus den Dörfern betraf, so waren sie bereits gezwungen gewesen zu fliehen.

      Dem Kommandanten gefiel die mutige Antwort der Brüder ganz und gar nicht, aber glücklicherweise war der Kommissar verständnisvoller. Er beruhigte den Kommandanten und entließ die Brüder in Frieden. Somit kamen sie lebend aus dem heraus, was sie als „Feuerofen“ bezeichneten. (Vergleiche Daniel 3:26, 27.) Doch das war keine Garantie für Frieden. Der allerschlimmste Vorfall sollte sich ein paar Tage später ereignen.

      Das Massaker im Dorf 7

      Am 14. Oktober 1984, einem Sonntag, schien zwar die Sonne, doch dieser Tag wurde ein finsterer Tag in Carico. Früh am Morgen hatten die Brüder ihre Versammlungszusammenkunft abgehalten; danach waren einige in die Dörfer gegangen, um von dort ihren restlichen Hausrat zu holen und dann schnellstens zu ihren neuen Unterkünften in den Feldern zurückzukehren. Ohne Vorwarnung verließ eine bewaffnete Gruppe ihren Stützpunkt und machte sich in Richtung des mosambikanischen Dorfes 7 auf. Außerhalb des Dorfes 5 nahmen sie einen Bruder gefangen und befahlen ihm: „Zeig uns den Weg zum Dorf 7, und du wirst sehen, was Krieg ist!“ Als sie im Dorf ankamen, trieben sie alle zusammen, die gerade da waren. Alle mußten in der Reihenfolge der Nummern ihrer Dörfer im Kreis sitzen. Dann begann das Verhör.

      „Wer hat unseren mudjiba [ein unbewaffneter Beobachtungsposten oder ein Informant] verprügelt und beraubt?“ wollten sie wissen. Die Brüder, denen gar nicht klar war, was die Männer meinten, antworteten, daß sie es nicht wüßten. „Nun gut, wenn keiner redet, werden wir mal an dem Mann, der hier vorne sitzt, ein Exempel statuieren.“ Und dann schossen sie einem Bruder aus kürzester Entfernung eine Kugel in den Kopf. Entsetzen erfaßte alle. Die Frage wurde immer wieder aufs neue gestellt, und jedesmal hatte ein weiteres Opfer den Kopfschuß zu erwarten. Man zwang Frauen, die ihre Babys an sich drückten, der grausamen Exekution ihres Mannes zuzusehen, wie Schwester Salomina, die zusehen mußte, wie ihr Mann Bernardino starb. Auch Frauen wurden ermordet. Leia Bila, die Frau von Luis Bila, der in dem Lager in der Nähe von Lichinga einem Herzanfall erlegen war, war eine von ihnen; ihre kleinen Kinder wurden somit Waisen. Auch die Jungen blieben von den Hinrichtungen nicht verschont, wie beispielsweise Fernando Timbane, der sogar noch, nachdem man auf ihn geschossen hatte, zu Jehova betete und versuchte, die anderen zu ermutigen.

      Als auf diese Weise zehn Opfer brutal hingerichtet worden waren, kam es unter den Vollstreckern zu Meinungsverschiedenheiten, und dem Alptraum wurde ein Ende gemacht. Bruder Nguenha, der das 11. Opfer gewesen wäre, wurde befohlen, von dem „Todesstuhl“ aufzustehen. Er erzählt: „Ich hatte zu Jehova gebetet, daß er sich um die Überlebenden meiner Familie kümmern möge, jetzt, wo mein Leben sich seinem Ende genähert hatte. Dann stand ich auf, und ein ganz ungewöhnlicher Mut überkam mich. Erst später spürte ich den emotionalen Schock.“

      Man zwang dann die Überlebenden, die restlichen Häuser des Dorfes niederzubrennen. Bevor die Soldaten gingen, drohten sie noch: „Wir hatten Order, 50 von euch zu töten, aber diese hier reichen. Sie dürfen nicht begraben werden. Wir werden aufpassen, und wenn Leichen verschwinden sollten, dann werden für jede, die fehlt, zehn von euch sterben.“ Was für ein seltsamer, abscheulicher Befehl!

      Als die Schüsse durch das ganze Gebiet hallten und als dann diejenigen, die es geschafft hatten zu überleben, alles berichteten, was geschehen war, wurden die Dörfer erneut von einer Welle der Panik erfaßt. In ihrer Verzweiflung flohen die Brüder in die Wälder und in die Berge. Erst später stellte es sich heraus, daß die Anklagen, die das Massaker ausgelöst hatten, von einem Ausgeschlossenen erhoben worden waren, der sich der Widerstandsbewegung anschließen wollte. Er war auch zum Dieb geworden. Er hatte gegen die Brüder in seinem eigenen Dorf falsch ausgesagt, um die Gunst und das Vertrauen der Gruppe zu gewinnen. Als die Gruppe später herausfand, daß man sie hereingelegt hatte, ergriff man denjenigen, der die Lügen erfunden hatte, und brachte ihn auf grausamste Weise zu Tode.

      Die Zerstreuung beginnt

      Im ganzen Kreis Carico war man zutiefst betrübt und verwirrt. Die Ältesten, ebenfalls in Tränen aufgelöst, suchten die Familien zu trösten, die trauerten, weil sie durch das Massaker einen geliebten Angehörigen verloren hatten. Der Gedanke daran, in dieser Gegend zu bleiben, war schier unerträglich. Daher begann eine Zerstreuung. Ganze Versammlungen suchten sich weit entfernte Orte (bis zu 30 Kilometer entfernt), wo sie sich sicherer fühlen konnten. Einige beschlossen, bei den machambas zu bleiben. Somit verdoppelte sich die Arbeit der Ältesten des ON-Komitees. Sie mußten viele Kilometer laufen, um die Einheit und die körperliche und geistige Sicherheit der Herde in den weit verstreuten Versammlungen zu gewährleisten.

      Die traurige Nachricht von dieser Zwangslage erreichte das Zweigbüro in Simbabwe, das daraufhin Vorkehrungen dafür traf, daß Mitarbeiter des Zweigbüros die Brüder besuchten und erbauten. Man beriet sich auch mit der leitenden Körperschaft in Brooklyn über den Bedarf an Nahrung, Kleidung und Medizin in den Lagern von Milange. Die leitende Körperschaft, die sich sehr um das Wohl der Brüder sorgte, gab die Anweisung, zur Verfügung stehende finanzielle Mittel für die Bedürfnisse der Brüder einzusetzen und auch, wenn ratsam, dafür zu sorgen, daß sie das Milangegebiet verlassen und in ihre Heimat zurückkehren konnten. Es schien wirklich ratsam, für diese Möglichkeit zu sorgen.

      Ende 1984 verließen die Mitglieder des ON-Komitees wie in jedem Jahr Milange, um mit dem Zonenaufseher zusammenzukommen, der von der leitenden Körperschaft gesandt worden war. Don Adams aus Brooklyn war gekommen. Während einer Zusammenkunft, bei der auch die Brüder des Zweigkomitees von Sambia und Simbabwe anwesend waren, unterbreitete das ON-Komitee seine Bedenken in Verbindung mit dem Kreis Carico. Man riet ihnen, eingehend zu überdenken, ob es vernünftig sei, in Carico zu bleiben. Man lenkte die Aufmerksamkeit auf einen biblischen Grundsatz, der in Sprüche 22:3 dargelegt wird: „Klug ist der, der das Unglück gesehen hat und sich dann verbirgt.“ Mit diesem Gedanken im Sinn kehrten sie in die Lager zurück.

      Flüchten? Wie? Und wohin?

      Dieser Rat wurde den Versammlungen unverzüglich mitgeteilt. Einige reagierten sofort, wie im Fall von João José, einem ledigen Bruder, der später beim Bau der Zweigbüros in Sambia und in Mosambik mitwirkte. Mit einer Gruppe von Brüdern ging er ohne größere Probleme über die Grenze nach Malawi und dann weiter nach Sambia.

      Für andere war die Lage allerdings nicht so einfach. Viele Familien mußten an ihre kleinen Kinder denken. Die Straßen wurden ständig von Mitgliedern der Widerstandsbewegung beobachtet, und jeder, der sie benutzte, war ihren Angriffen ausgesetzt. Die Grenze nach Malawi war eine weitere Schwierigkeit, und zwar besonders für die malawischen Brüder, da Jehovas Zeugen dort noch immer verachtet waren und gejagt wurden. Die quälenden Fragen waren demnach: Wie sollten sie fortgehen? Wohin sollten sie gehen? Wie würden sie über die Grenze kommen, da sie doch all die Jahre im Busch gelebt hatten und keine Papiere besaßen? „Wir wissen es auch nicht“, lautete die Antwort der Brüder vom ON-Komitee, als man ihnen diese Fragen in einer äußerst angespannten Atmosphäre bei einer Zusammenkunft mit allen Ältesten stellte. „Eines steht fest — wir müssen uns zerstreuen“, so betonten sie. Zum Schluß sagten sie: „Jeder spreche ein Gebet, mache Pläne und handle.“ (Vergleiche 2. Chronika 20:12.)

      In den darauffolgenden Monaten drehte sich in den Zusammenkünften bald alles nur noch um dieses Thema. Die meisten Ältesten waren dafür fortzugehen und ermunterten die Brüder, diesbezügliche Pläne bis zum Ende durchzuführen. Andere beschlossen zu bleiben. Schließlich begannen die einen oder anderen aufzubrechen. Malawische Brüder, die den Versuch unternahmen heimzukehren, durften die Grenze aus den altbekannten Gründen nicht passieren und mußten umkehren. Das dämpfte die Begeisterung derer, die fortgehen wollten, und bestärkte diejenigen, die dafür waren zu bleiben. Eine „Einladung“ zu einer weiteren „wichtigen Versammlung“ auf dem Militärstützpunkt half dann den meisten, sich zu entscheiden.

      Massenauszug

      Am 13. September 1985, nur zwei Tage vor der angekündigten Versammlung, kamen die drei übriggebliebenen Mitglieder des ON-Komitees, Bruder Muthemba, Bruder Matola und Bruder Chicomo, noch einmal zusammen. Was sollten sie den Brüdern in Verbindung mit der „Einladung“ raten? Die Besprechung dauerte die ganze Nacht. Nachdem sie viel gebetet und nachgedacht hatten, beschlossen sie: „Morgen abend müssen wir fliehen!“ Soweit es möglich war, informierten sie die Brüder sofort über die Entscheidung, den Zeitpunkt und den Ort, an dem man sich treffen sollte. Die Versammlungen, die der Flucht zustimmten, trafen dort ein. Es war die letzte Handlung des ON-Komitees in den Lagern.

      Nachdem die Brüder ein Gebet gesprochen hatten, begann um 20.30 Uhr ein zeitlich genau festgelegter Exodus. Der Auszug war ein vor den Soldaten und „den Rebellen“ streng gehütetes Geheimnis. Wäre man dahintergekommen, dann hätte das eine Katastrophe bedeutet. Für den Aufbruch im Schutz der Dunkelheit hatte jede Versammlung 15 Minuten Zeit, wobei jeder Familie zwei Minuten gewährt wurden. Eine lange Menschenschlange bahnte sich im Gänsemarsch lautlos den Weg durch den Busch; niemand wußte, was sie bei Tagesanbruch an der Grenze von Malawi erwarten würde, falls sie es überhaupt bis dahin schaffen würden. Die geistigen Hirten des ON-Komitees waren die letzten, die um 1 Uhr nachts aufbrachen (Apg. 20:28).

      Sie waren ungefähr 40 Kilometer gelaufen, als Filipe Matola von Müdigkeit überwältigt wurde, denn er hatte zwei Tage nicht geschlafen. Er saß am Wegrand und döste, bis die letzten der Älteren an ihm vorbeigegangen waren. Wir können nur ahnen, welche Freude er verspürt haben muß, als sein „Neffe“, Ernesto Muchanga, vom Anfang der Schlange angelaufen kam und ihm die gute Nachricht überbrachte: „,Onkel‘, die Brüder werden in Malawi aufgenommen!“ „Das ist ein Beispiel dafür,“ rief Bruder Matola aus, „wie Jehova einen Weg öffnet, wenn es wie am Roten Meer keinen Ausweg mehr zu geben scheint“ (2. Mo. 14:21, 22; siehe Psalm 31:21-24).

      Bevor sie wieder nach Mosambik kamen und in ihre Heimatorte zurückkehrten, erlebten sie in den folgenden Monaten, was es heißt, in Flüchtlingslagern in Malawi und Sambia zu leben. Was geschah aber mit denen, die in der Gegend von Carico geblieben waren?

      Die Zurückgebliebenen

      Die Entscheidung des ON-Komitees wurde nicht jeder der weit verstreuten Versammlungen rechtzeitig bekannt, bevor der Auszug begann. Einzelne, die die Bekanntmachung kannten, beschlossen, zu bleiben und der auf dem Militärstützpunkt anberaumten Versammlung beizuwohnen. Die Versammlung Maxaquene hatte wie auch andere die Bekanntmachung nicht gehört; sie hatte sich aber bereits vorher für die Flucht entschieden. Bevor diese Brüder zu der besagten Versammlung gingen, hatten sie ihre Familien darauf vorbereitet zu fliehen. Etwa 500 Brüder erschienen bei der Versammlung. Man machte es kurz und bündig. Der Kommandant sagte: „Unsere Vorgesetzten haben entschieden, daß alle hier Anwesenden in unser regionales Hauptquartier kommen sollen. Es wird eine lange Reise werden. Dort werdet ihr bis zu drei Monate verbringen.“ Und der Marsch begann auf der Stelle.

      Brüder, die beschlossen hatten zu fliehen, nutzten die mangelnde Wachsamkeit der Soldaten und machten sich heimlich davon. Sie kamen wieder zu ihren Familien und flohen gemeinsam auf irgendeinem Weg, der sich ihnen bot, zur malawischen Grenze. Andere, die entweder den Befehl der Widerstandsbewegung befolgten oder einfach keine Fluchtmöglichkeit hatten, begannen mit dem Marsch in Richtung Südwesten zum Stützpunkt in Morrumbala, wo sie nach einigen Tagen eintrafen. Erst einmal dort angekommen, wurden sie erneut unter Druck gesetzt, die Bewegung zu unterstützen. Ihre Weigerung hatte schwere Folter und unzählige Prügel zur Folge, und mindestens ein Bruder kam dabei ums Leben. Letztendlich erlaubte man ihnen drei Monate später, in ihre Häuser zurückzukehren.

      Viele wohnten weiterhin in der Gegend um Carico, die ganz und gar in der Hand der Widerstandsbewegung war. Während der folgenden sieben Jahre waren sie von Jehovas Organisation völlig abgeschnitten. Es war eine recht große Gruppe, aufgeteilt in ungefähr 40 Versammlungen. Haben sie in geistiger Hinsicht durchgehalten? War ihre Liebe zu Jehova stark genug, so daß sie nicht in völlige Verzweiflung versanken? Wir werden später auf sie zurückkommen.

      Flüchtlingslager in Malawi und Sambia

      Nicht jeder, der aus Carico geflohen war, wurde sofort in Malawi aufgenommen. Die Brüder der Versammlung Maxaquene wurden von der malawischen Polizei entdeckt, als sie sich nach dem Überqueren der Grenze ausruhten, und man forderte sie auf, wieder umzukehren. Die Brüder flehten die Polizisten an und erklärten, daß in der Gegend, in der sie lebten, Krieg herrsche und sie deshalb auf der Flucht seien. Das rührte die Polizisten aber nicht. Da ihnen nun anscheinend keine Wahl blieb und weil sie völlig verzweifelt waren, rief einer: „Brüder, wir weinen jetzt!“ Genau das taten sie, und zwar so laut, daß die Nachbarschaft auf sie aufmerksam wurde. Die Polizei, der das peinlich war, bat sie dringend, damit aufzuhören. Eine Schwester bat inständig: „Laßt uns doch wenigstens für die Kinder etwas zu essen machen.“ Die Polizisten gingen auf ihre Bitte ein und sagten, daß sie später wiederkämen. Erfreulicherweise kehrten sie nicht zurück. Später kam ihnen jemand von der Behörde zu Hilfe, brachte Lebensmittel und zeigte ihnen den Weg zu dem Flüchtlingslager, wo die anderen Brüder untergebracht waren.

      Die Flüchtlingslager in Malawi wurden nun von Zeugen Jehovas aus Mosambik überschwemmt. Von der malawischen Regierung wurden sie als Kriegsflüchtlinge angesehen. Das Internationale Rote Kreuz sorgte für Unterstützung und brachte Hilfsgüter, um die Unannehmlichkeiten und Schwierigkeiten zu mildern, die die Bedingungen des Lebens in einem Lager im Freien mit sich brachten. Einige gingen weiter nach Sambia, wo sie in andere Flüchtlingslager geschickt wurden. Filipe Matola und Fernando Muthemba arbeiteten nun eng mit dem Landeskomitee in Malawi zusammen und suchten in den Lagern nach den mosambikanischen Brüdern, um sie geistig zu stärken und zu trösten und mit den finanziellen Mitteln zu versorgen, die von der leitenden Körperschaft bewilligt worden waren.

      Am 12. Januar 1986 konnte A. D. Schroeder, ein Bruder von der leitenden Körperschaft, diese Brüder geistig stärken und ermuntern und ihnen die herzlichen Grüße der leitenden Körperschaft übermitteln. Zwar war es ihm nicht möglich, die Lager zu betreten, aber er hielt in Sambia einen Vortrag, den man in Tschewa übersetzte, aufnahm und dann in die Lager brachte, in denen die mosambikanischen Brüder untergebracht waren.

      Nach und nach half man diesen Flüchtlingen, ihre nächste Station zu erreichen, und zwar in Mosambik. Für viele war das Moatize in der Provinz Tete. In der Einstellung der mosambikanischen Regierung gegenüber Jehovas Zeugen ging tatsächlich ein Wandel vor sich, wenn das auch noch nicht bei allen Behörden zu erkennen war.

      Wieder in Mosambik

      Die Gemeinden östlich der Stadt Tete wurden langsam von den Gruppen, die nacheinander eintrafen, überschwemmt. Sie wurden in ausrangierten Eisenbahnwaggons untergebracht, die zuvor als öffentliche Toiletten gedient hatten. Viele dieser Waggons dienten, nachdem man sie gereinigt hatte, am 24. März 1986 als Versammlungsstätte für die Feier zum Gedenken an den Tod Christi.

      Brüder aus ganz Mosambik warteten dort monatelang, ohne zu wissen, wie sie an ihren Heimatort zurückgebracht werden würden. Dieses Warten trug noch zu ihrer Trübsal bei. Sie versuchten bei der Suche nach einer Arbeit findig zu sein, um für den Lebensunterhalt sorgen oder für ein Flugticket sparen zu können, doch ohne großen Erfolg. Wegen des Krieges konnte man sich auf den Straßen nicht fortbewegen. Von den Ortsbehörden wurden sie nicht immer freundlich behandelt, sondern man versuchte immer noch, sie zum Ausrufen politischer Parolen zu zwingen. Die Brüder erklärten freimütig: „Wegen dieser Streitfrage hat man uns nach Carico gebracht. Dort haben wir unsere Strafe verbüßt und waren auf Gedeih und Verderb bewaffneten Angreifern ausgeliefert. Irgendwie ist es uns gelungen zu fliehen. Was wollen Sie denn jetzt noch von uns?“ Nach dieser Äußerung ließ man sie in Ruhe. Allerdings versuchte man weiterhin, die jungen Leute zum Dienst in der Regierungsarmee zu bewegen, die den bewaffneten Aufstand in der Region bekämpfte; man schikanierte sie und sperrte sie ein. Viele junge Brüder ließen sich alles mögliche einfallen, um zu entwischen und sich versteckt zu halten.

      Das Komitee in Malawi beschloß, daß Fernando Muthemba sich nach Tete aufmachen sollte, um den Brüdern dort beizustehen. Als Bruder Muthemba in Moatize ankam, wollten die Beamten sein Gepäck durchsuchen. Gerade noch rechtzeitig gelang es den Brüdern, die mitgebrachte Literatur zu verstecken. Und was fanden die Polizisten, als sie seine Taschen durchwühlten? „Nur ein paar Lumpen“, sagt er. Die enttäuschten Polizisten fragten: „Ist das alles?“ Ja, das war alles. Das war das gesamte Gepäck eines Mannes, der in den Lagern so große Verantwortung getragen hatte. Wie jedem anderen, so hatte man auch ihm alles genommen, was er besaß. Die äußere Erscheinung der Brüder war damals alles andere als erfreulich — sie sahen schmutzig, zerlumpt und hungrig aus und waren von Mißhandlungen gezeichnet. Die inspirierte Beschreibung vieler Diener Gottes der alten Zeit traf genau auf sie zu: „Sie gingen in Schaffellen, in Ziegenhäuten umher, während sie Mangel, Drangsal, Mißhandlung erlitten; und die Welt war ihrer nicht würdig. Sie irrten in Wüsten ... und Höhlen und Klüften der Erde umher“ (Heb. 11:37, 38).

  • Mosambik
    Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1996
    • [Bilder auf Seite 140, 141]

      Im Flüchtlingslager Carico haben die Brüder (1) Holz gefällt und (2) Lehm gestampft, um daraus Ziegel zu machen, während die Schwestern (3) Wasser trugen. (4) Sie fanden Mittel und Wege, Kongresse abzuhalten. Als Kreisaufseher sorgten (5) Xavier Dengo, (6) Filipe Matola und (7) Francisco Zunguza für geistige Anleitung. (8) Der hier von malawischen Brüdern gebaute Königreichssaal wird immer noch benutzt.

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