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NicaraguaJahrbuch der Zeugen Jehovas 2003
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Missionare — vorbildlich in Liebe und Einheit
Seit der Zeit, als die Brüder Wallace im Jahr 1945 nach Nicaragua kamen, sind die Missionare für die Einheimischen ein Vorbild im Glauben, in der Liebe und im Ausharren gewesen. Durch diese bewundernswerten Eigenschaften kamen sich die Missionare nicht nur gegenseitig näher, sondern auch ihren einheimischen Glaubensbrüdern. Kenneth Brian erzählt: „Nach dem Erdbeben halfen wir im Zweigbüro aus; dann waren wir den Brüdern behilflich, aus ihren beschädigten Häusern auszuziehen und ihre verstorbenen Verwandten zu beerdigen. Unter solchen Umständen miteinander zu arbeiten, schweißt Menschen zusammen.“ Über ihre Missionargefährten bemerkt Marguerite Moore (früher Foster) Folgendes: „Obwohl wir aus verschiedenen Ländern kamen, unterschiedlicher Herkunft waren und jeder seine eigene Persönlichkeit hatte, half uns der familiäre Zusammenhalt trotz unserer Unzulänglichkeiten, in unserer Zuteilung glücklich zu sein.“
Kenneth und Sharan Brian sind sehr froh darüber, dass ihnen das Beispiel erfahrener Missionare wie Francis und Angeline Wallace, Sydney und Phyllis Porter und Emily Hardin zugute gekommen war. „Alle waren sehr fleißig“, erinnert sich Sharan, „und es war klar zu erkennen, dass sie in ihrer Arbeit aufgingen.“
Im Laufe der Jahre wurden viele Missionarehepaare im Reisedienst eingesetzt. So gab es in den ersten drei Jahrzehnten in Nicaragua ein ausgezeichnetes geistiges Wachstum, weil die eifrigen Missionare ein solides Fundament gelegt hatten.
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NicaraguaJahrbuch der Zeugen Jehovas 2003
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Ruby Block, eine Missionarin, die 15 Jahre in Nicaragua verbrachte, sagt über die damalige Zeit: „Die jahrelange intensive politische Propaganda ging allen auf die Nerven. Zwischen den Militärs und den Sandinisten kam es häufig zu gewaltsamen Zusammenstößen. Um unseren Dienst durchführen zu können, mussten wir völlig auf Jehova vertrauen.“
Trotz ihrer christlichen Neutralität in politischen Angelegenheiten wurden Jehovas Zeugen oft von Anhängern der Sandinisten beschuldigt, entweder Agenten des Somoza-Regimes oder des CIA (amerikanischer Geheimdienst) zu sein. Auch gegen Ausländer schürte man Feindseligkeit. Als die Missionarin Elfriede Urban beispielsweise einmal im Predigtdienst unterwegs war, beschuldigte ein Mann sie der Spionage. „Wie soll das denn gehen?“, entgegnete sie. „Ich habe weder eine Kamera noch ein Tonbandgerät bei mir. Und außerdem, wen oder was sollte ich denn hier in der Nachbarschaft wohl ausspionieren?“
Er erwiderte: „Sie sind so gut geschult, dass Ihre Augen Ihre Kamera sind und Ihre Ohren und Ihr Gehirn wie ein Tonbandgerät funktionieren.“
In den Straßen Managuas erschallte in jenen Tagen immer wieder der beliebte Slogan: „Zwischen den Christen und der Revolution gibt es keine Opposition!“ Dieses Denken wurde in den 1970er Jahren in Lateinamerika populär und spiegelte die Ansicht der Befreiungstheologie wider, die von einer marxistischen Bewegung innerhalb der katholischen Kirche gestützt wurde. Gemäß der Encyclopædia Britannica verfolgte die Befreiungstheologie das Ziel, „den Armen und Unterdrückten durch das Eingreifen [der Religion] in politische und bürgerliche Belange zu helfen“.
Ruby Block erinnert sich: „Eine Frage, die die Menschen damals immer wieder stellten, lautete: ‚Was halten Sie von der Revolution?‘ Wir erklärten, die einzige Lösung für die Probleme der Menschen sei Gottes Königreich.“ Angesichts dieser brisanten politischen Lage war es wirklich eine Herausforderung, an der Loyalität gegenüber Jehova festzuhalten. Ruby fügt hinzu: „Ich bat Jehova ständig um Kraft, neutral bleiben zu können — nicht nur in dem, was ich sagte, sondern auch in meinem Herzen und in meinem Sinn.“
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