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NicaraguaJahrbuch der Zeugen Jehovas 2003
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Die ersten Anzeichen von Gegnerschaft traten in Bluefields auf, einer Stadt an der Karibikküste, wo zwei Missionare tätig waren. Die Lage spitzte sich so weit zu, dass den Zeugen Jehovas am 17. Oktober 1952 per Gerichtsbeschluss jegliche Aktivität untersagt wurde. Die Anordnung war zwar von einem Beamten der Einwanderungsbehörde unterschrieben worden, aber Anstifter war die katholische Geistlichkeit.
Die Missionare in Bluefields, León, Jinotepe und Managua wurden von der Anordnung informiert. Bei den zuständigen Behörden und beim damaligen Präsidenten Anastasio Somoza García wurde Einspruch erhoben, leider ohne Erfolg. Die Brüder kamen daher in kleinen Gruppen zusammen. Der Straßendienst wurde eingestellt, und die im Zweigbüro gelagerte Literatur brachte man an sichere Orte. Unsere religiösen Gegner hatten erreicht, dass das Werk untersagt wurde, indem sie erklärten, Jehovas Zeugen seien Kommunisten. Ein Anwalt wurde beauftragt, beim Obersten Gericht gegen die Anordnung Berufung einzulegen.
Einige Brüder ließen sich zwar von Menschenfurcht lähmen, aber die Mehrheit blieb standhaft. Die Missionare, geistig stark und furchtlos, gaben den einheimischen Brüdern festen Rückhalt, die im Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes weiter predigten und sich versammelten (Apg. 1:8; 5:29; Heb. 10:24, 25).
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NicaraguaJahrbuch der Zeugen Jehovas 2003
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Schwierige Zeiten für die ersten Missionare
Den ersten Missionaren machte nicht nur die Geistlichkeit zu schaffen. Nehmen wir zum Beispiel Sydney und Phyllis Porter, Absolventen der 12. Klasse der Wachtturm-Bibelschule Gilead. Als die beiden im Juli 1949 in Nicaragua eintrafen, wurde Sydney zum Kreisaufseher für das ganze Land ernannt. Er beschreibt, wie das Leben im Reisedienst damals aussah: „Als Transportmittel nutzten wir Züge und Busse. Brüder, bei denen wir hätten wohnen können, gab es kaum. Daher reisten wir mit unserem Bettzeug und einem kleinen tragbaren Herd, sodass wir uns Wasser heiß machen und etwas kochen konnten. Oft waren wir zehn Wochen unterwegs, bevor wir wieder ins Zweigbüro zurückkehrten. Das Gebiet war dermaßen fruchtbar, dass es in manchen Gegenden unmöglich war, sich um alle Interessierten zu kümmern. Als wir beispielsweise später in Managua tätig waren, leitete Phyllis 16 Bibelstudien. Wie schaffte sie das zeitlich? Sie opferte unseren freien Tag und setzte auch die Abende ein, an denen keine Zusammenkünfte stattfanden.“ Wie sich die ersten Missionare doch verausgabten!
Doris Niehoff kam 1957 nach Nicaragua. Sie schildert ihre ersten Eindrücke wie folgt: „Es war Ende März, Trockenzeit und die Landschaft sah braun aus. Autos gab es damals kaum. Stattdessen ritt jeder auf einem Pferd und trug ein Gewehr bei sich. Ich kam mir vor wie in einem Western. In jenen Tagen waren die Menschen entweder ganz reich oder ganz arm — die meisten waren jedoch arm. Was alles noch verschlimmerte, war der Umstand, dass Nicaragua wegen eines Gebietsanspruchs mit Honduras Krieg führte. Sechs Monate vor meiner Ankunft war Präsident Somoza García ermordet worden und im Land herrschte Kriegsrecht.
Ich war in die Universitätsstadt León geschickt worden. Da ich kaum Spanisch verstand, hatten die Studenten ihren Spaß daran, mir Streiche zu spielen. Wenn ich zum Beispiel versprach wiederzukommen, um mit einigen über die Bibel zu sprechen, waren sie zwar einverstanden, lachten aber, wenn sie mir ihren Namen nannten. Einer gab den Namen des Präsidentenmörders an, ein anderer den eines bekannten Guerillakämpfers. Es war ein wahres Wunder, dass ich nicht im Gefängnis landete, als ich mich nach den Studenten mit diesen Namen erkundigte.“
Eine Diskussion mit dem Bischof von Matagalpa
Etwa 130 Kilometer nördlich von Managua liegt die Stadt Matagalpa mitten in einem hügeligen Kaffeeanbaugebiet. Ein Missionarehepaar und zwei Missionarinnen wurden 1957 dorthin geschickt. Agustín Sequeira war damals Mathematiklehrer an einer privaten Hochschule, die von Nonnen des Josephine-Ordens geleitet wurde. Er erinnert sich an das religiöse Klima, das damals in Matagalpa herrschte und erzählt: „Die Bevölkerung war überwiegend katholisch und fürchtete die Priester, besonders den Bischof. Er war der Pate eines meiner Kinder.“
Dieses Klima der Furcht erschwerte es dem Zweigbüro, eine Unterkunft für die Missionare zu finden. Als es darum ging, ein Haus zu mieten, unterrichtete das Zweigbüro den Besitzer — einen Anwalt — davon, dass die Missionare dort gern christliche Zusammenkünfte abhalten würden. „Kein Problem“, lautete die Antwort.
Was später geschah, berichtet Doris Niehoff: „An dem Tag, an dem wir mit all unseren Möbeln eintrafen, kam uns der Vermieter mit besorgter Miene entgegen. Er sagte, er habe uns ein Telegramm geschickt und uns gebeten, nicht zu kommen. Weshalb? Der Bischof hatte ihm gedroht, seinen Sohn nicht in die katholische Schule aufzunehmen, falls er das Haus an uns vermieten würde. Glücklicherweise hatten wir das Telegramm nicht erhalten und außerdem schon eine Monatsmiete bezahlt.
Mit Müh und Not gelang es uns dann, im ersten Monat ein anderes Haus zu finden. Als der Bischof versuchte, auch diesen Hauseigentümer, einen mutigen einheimischen Geschäftsmann, unter Druck zu setzen, entgegnete dieser: ‚Schön, wenn Sie mir monatlich die 400 Córdobas zahlen, werde ich die Missionare raussetzen.‘ Natürlich zahlte der Bischof nicht. Unbeirrt ging er jedoch von Laden zu Laden und ließ Poster anbringen, auf denen die Bevölkerung gewarnt wurde, sich mit Jehovas Zeugen auf ein Gespräch einzulassen. Die Ladenbesitzer forderte er auf, uns keine Waren zu verkaufen.“
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