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In genauer Erkenntnis der Wahrheit wachsenJehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes
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Die Bibelforscher waren sich nicht ganz sicher, was geschehen würde. Sie waren davon überzeugt, daß die Erde nicht verbrannt und nicht alles menschliche Leben ausgelöscht würde. Sie wußten, daß es vielmehr ein bedeutsamer Zeitpunkt in Verbindung mit der göttlichen Herrschaft war. Zuerst glaubten sie, das Königreich Gottes hätte bis dahin die volle, universelle Herrschaft erlangt. Als das nicht eintrat, ließ ihr Vertrauen in die biblischen Prophezeiungen, die auf dieses Jahr hinwiesen, trotzdem nicht nach. Statt dessen folgerten sie, daß dieses Jahr nur den Beginn der Königreichsherrschaft kennzeichnete.
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In genauer Erkenntnis der Wahrheit wachsenJehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes
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Ging der „Wecker“ zu früh los?
Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach — der viele Jahre lang einfach der Große Krieg genannt wurde —, geriet die Welt zweifellos in großen Aufruhr, doch er führte nicht sofort zum Umsturz aller menschlichen Regierungen. Die Bibelforscher meinten, in den Entwicklungen nach 1914 in Verbindung mit Palästina Anzeichen bedeutender Veränderungen für Israel zu erkennen. Doch Monate und Jahre verstrichen, ohne daß die Bibelforscher ihren erwarteten himmlischen Lohn erhielten. Wie nahmen sie das auf?
Im Wacht-Turm vom Mai 1916 wurde speziell auf den 1. Oktober 1914 eingegangen und gesagt: „Dies war der letzte Zeitpunkt, den uns die Zeitrechnung der Bibel hinsichtlich der Erfahrungen der Kirche andeutete. Hat uns der Herr gesagt, daß wir da [in den Himmel] hinweggenommen werden würden? Nein! Was hat er uns gesagt? Sein Wort und die Erfüllung der Weissagung scheinen unfehlbar anzuzeigen, daß dieses Datum das Ende der Zeiten der Nationen bezeichnete. Wir folgerten hieraus, daß die ‚Verwandlung‘ der Herauswahl an oder vor jenem Datum stattfinden würde. Doch Gott sagte uns nicht, daß es so geschehen würde. Er ließ es zu, daß wir jene Schlußfolgerung zogen; und wir glauben, daß sich dies überall als eine notwendige Prüfung für die geliebten Heiligen Gottes erwiesen hat.“ Bedeuteten diese Entwicklungen indessen, daß ihre herrliche Hoffnung vergeblich gewesen war? Nein. Es zeigte sich nur, daß nicht alles so schnell eintraf, wie sie es erwartet hatten.
Einige Jahre vor 1914 schrieb Russell: „Mit der Chronologie (Zeitprophezeiungen im allgemeinen) wurde offensichtlich nicht bezweckt, dem Volk Gottes durch die Jahrhunderte hindurch genaue chronologische Angaben zu vermitteln. Anscheinend ist sie eher als ein Wecker gedacht, der das Volk des Herrn zur richtigen Zeit wecken und anspornen soll. ... Nehmen wir aber einmal an, der Oktober 1914 geht vorüber, ohne daß ein bedeutender Sturz der Heidenmacht eintritt. Was würde das beweisen oder widerlegen? Es würde keine Facette des göttlichen Plans der Zeitalter widerlegen. Der auf Golgotha bezahlte Loskaufspreis würde immer noch als Gewähr für die endgültige Erfüllung des großartigen göttlichen Programms zur Wiederherstellung der Menschheit bestehenbleiben. Die ‚himmlische Berufung‘ der Kirche, mit dem Erlöser zu leiden und mit ihm als seine Leibesglieder oder als seine Braut verherrlicht zu werden, wäre unverändert. ... Die Chronologie würde einzig und allein den Zeitpunkt der Erfüllung dieser herrlichen Hoffnungen für die Kirche und die Welt berühren. ... Und wenn dieser Zeitpunkt einfach so vorüberginge, würde das lediglich besagen, daß unser ‚Wecker‘, unsere Zeitrechnung, ein wenig zu voreilig war. Wäre es für uns so schrecklich, wenn uns unser Wecker an einem herrlichen Tag, der voller Freude und Wonne zu sein verspricht, morgens ein paar Augenblicke früher weckte? Sicherlich nicht!“
Der „Wecker“ war jedoch nicht zu früh losgegangen. Nur, was sie erlebten, als er sie weckte, entsprach nicht genau ihren Erwartungen.
Mehrere Jahre danach, als das Licht heller geworden war, räumten sie ein: „Viele der teuren Heiligen dachten, daß das ganze Werk getan sei. ... Sie frohlockten wegen des klaren Beweises, daß die Welt geendet hatte, daß das Königreich des Himmels nahe gekommen war und daß der Tag ihrer Errettung sich näherte. Sie hatten aber etwas übersehen, das getan werden mußte. Die frohe Kunde, welche sie empfangen hatten, mußte anderen gesagt werden, weil Jesus geboten hatte: ‚Dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen zu einem Zeugnis, und dann wird das Ende kommen‘ (Matthäus 24:14)“ (Der Wacht-Turm, 1. Juni 1925).
Als die Bibelforscher die Ereignisse nach 1914 mit den Vorhersagen des Herrn verglichen, begriffen sie allmählich, daß sie in den letzten Tagen des alten Systems lebten — und zwar schon seit 1914. Außerdem verstanden sie mit der Zeit, daß im Jahre 1914 die unsichtbare Gegenwart Christi begonnen hatte, und zwar nicht, indem er persönlich in den Bereich der Erde zurückgekehrt wäre (auch nicht unsichtbar), sondern indem er als regierender König seine Aufmerksamkeit der Erde zuwandte. Sie erkannten ihre große Verantwortung, in dieser kritischen Zeit der Menschheitsgeschichte „diese gute Botschaft vom Königreich“ zu einem Zeugnis für alle Nationen zu verkündigen, und waren bereit, dieser Verantwortung nachzukommen (Mat. 24:3-14).
Was genau war die Botschaft vom Königreich, die sie predigen sollten? Unterschied sie sich irgendwie von der Botschaft der ersten Christen?
Gottes Königreich, die einzige Hoffnung der Menschheit
Durch ihr sorgfältiges Studium des Wortes Gottes verstanden die Bibelforscher, die mit Bruder Russell verbunden waren, daß Gottes Königreich die Regierung ist, die Jehova durch seinen Sohn zum Segen der gesamten Menschheit aufzurichten verheißen hatte. Im Himmel würde sich Jesus Christus eine „kleine Herde“ Mitherrscher anschließen, die Gott aus der Menschheit erwählen würde. Sie verstanden, daß diese Regierung durch treue Männer aus alter Zeit vertreten würde, die als Fürsten auf der ganzen Erde dienen würden. Man nannte sie die „alttestamentlichen Überwinder“ (Luk. 12:32; Dan. 7:27; Offb. 20:6; Ps. 45:16).
Die Christenheit hatte lange das „Gottesgnadentum“ vertreten, um die Menschen in Untertänigkeit zu halten. Doch die Bibelforscher erkannten aus der Heiligen Schrift, daß die menschlichen Regierungen keinerlei göttliche Garantie für eine sichere Zukunft erhalten hatten. Damit in Übereinstimmung hieß es im Wacht-Turm vom Dezember 1881 (engl.): „Die Aufrichtung dieses Königreiches wird natürlich den Sturz aller Königreiche der Erde bedeuten, da sie alle — auch die besten — ungerecht und parteilich sind und da sie die Mehrheit bedrücken und einige wenige begünstigen, denn wir lesen: ‚Es wird alle jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber ewiglich bestehen‘ “ (Dan. 2:44).
Über die Art und Weise, wie die bedrückenden Königreiche zermalmt würden, hatten die Bibelforscher noch viel zu lernen. Sie verstanden noch nicht völlig, wie sich die Segnungen des Königreiches Gottes auf die ganze Menschheit erstrecken würden. Aber sie verwechselten das Königreich Gottes nicht mit einem unbestimmten Empfinden, das jemand im Herzen hat, oder mit der Herrschaft einer religiösen Hierarchie, die den Staat als Werkzeug benutzt.
Im Jahre 1914 waren die treuen vorchristlichen Diener Gottes noch nicht als Fürsten und Vertreter des messianischen Königs auf der Erde auferstanden, wie man erwartet hatte, noch hatten sich in jenem Jahr die Übriggebliebenen der „kleinen Herde“ Christus im himmlischen Königreich angeschlossen. Trotzdem wurde im Wacht-Turm vom 15. Februar 1915 (engl.) zuversichtlich erklärt, daß 1914 der Zeitpunkt war, zu dem „unser Herr seine große Macht und Herrschaft an sich nahm“, wodurch er der jahrtausendelangen ununterbrochenen Herrschaft der Nationen ein Ende setzte. In der Ausgabe vom September 1920 bekräftigte Der Wacht-Turm diesen Standpunkt und verknüpfte ihn mit der guten Botschaft, die nach der Vorhersage Jesu vor dem Ende auf der ganzen Erde verkündigt würde (Mat. 24:14). Auf dem Kongreß der Bibelforscher, der 1922 in Cedar Point (Ohio) stattfand, wurde dieses Verständnis in einer allgemeinen Resolution neu formuliert, und Bruder Rutherford forderte die Kongreßbesucher auf: „Verkündet, verkündet, verkündet den König und sein Königreich.“
Damals meinten die Bibelforscher allerdings, daß das Königreich im Himmel erst dann richtig aufgerichtet würde, wenn die letzten Glieder der Braut Christi verherrlicht wären. Es war daher ein echter Meilenstein, als 1925 im Wacht-Turm vom 15. April der Artikel „Die Geburt der Nation“ erschien. Er enthielt eine überraschende Erklärung über Offenbarung, Kapitel 12. In dem Artikel wurden Beweise angeführt, daß das messianische Königreich 1914 geboren, das heißt aufgerichtet worden war, daß Christus in jenem Jahr seinen himmlischen Thron bestiegen hatte und daß Satan danach aus dem Himmel in die Umgebung der Erde geschleudert worden war. Das war die gute Botschaft, die verkündigt werden sollte, die Botschaft, daß Gottes Königreich bereits in Tätigkeit war. Wie dieses klare Verständnis die Königreichsverkündiger doch anspornte, auf der ganzen Erde zu predigen!
Durch jedes geeignete Mittel machte Jehovas Volk bekannt, daß allein Gottes Königreich die tiefgreifenden Probleme der Menschheit lösen und endgültige Befreiung bringen kann. Diese Botschaft wurde 1931 in einer Rundfunksendung von J. F. Rutherford vermittelt, die über das bis dahin größte internationale Sendernetz ausgestrahlt wurde. Der Text der Sendung wurde außerdem in der Broschüre Das Königreich — die Hoffnung der Welt in vielen Sprachen abgedruckt; in nur wenigen Monaten wurden Millionen von Exemplaren verbreitet. Abgesehen von der weiten Verbreitung in der Öffentlichkeit, bemühte man sich besonders, Politikern, führenden Geschäftsleuten und Geistlichen Exemplare zukommen zu lassen.
In der Broschüre hieß es unter anderem: „Die gegenwärtigen ungerechten Regierungen der Welt können dem Volke keinerlei Hoffnung bieten. Gottes Urteil über sie erklärt, daß sie untergehen müssen. Somit ist die einzige Hoffnung der Welt das gerechte Königreich oder die Regierung Gottes mit Christus Jesus als ihrem unsichtbaren Herrscher.“ Man erkannte, daß dieses Königreich der Menschheit wahren Frieden und echte Sicherheit bringen wird. Unter seiner Herrschaft wird die Erde ein richtiges Paradies werden, und Krankheit und Tod wird es nicht mehr geben (Offb. 21:4, 5).
Die gute Botschaft von Gottes Königreich bildet auch weiterhin den Kern der Glaubensansichten der Zeugen Jehovas. Seit der Ausgabe vom 1. März 1939 (engl.) trägt ihre wichtigste Zeitschrift, die heute in über 110 Sprachen erscheint, den Titel Der Wachtturm verkündigt Jehovas Königreich.
Doch bevor die Erde durch die Königreichsherrschaft in ein Paradies umgewandelt werden kann, muß das gegenwärtige böse System beseitigt werden. Wie wird sich das abspielen?
Der Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen
Der Weltkrieg, der 1914 begann, erschütterte das bestehende System der Dinge bis in seine Grundfesten. Eine Weile entwickelte sich scheinbar alles so, wie die Bibelforscher es erwartet hatten.
Im August 1880 hatte Bruder Russell geschrieben: „Wir gehen davon aus, daß die gegenwärtigen Reiche der Welt, die die Menschheit heute einengen und bedrücken, alle vernichtet werden, bevor die Menschheitsfamilie wiederhergestellt oder überhaupt gesegnet wird, daß das Königreich Gottes die Herrschaft an sich nehmen wird und daß durch dieses neue Königreich die Segnungen und die Wiederherstellung herbeigeführt werden.“ Auf welche Weise würden die Königreiche vernichtet werden? Aufgrund der sich damals entwickelnden Weltverhältnisse glaubte Russell, Gott werde während des Krieges von Harmagedon entzweite Parteien der Menschheit gebrauchen, um bestehende Institutionen umzustürzen. Er sagte: „Die Zerstörung der Menschenherrschaft beginnt. Die Macht, die sie umstürzen wird, ist jetzt am Werk. Die Menschen rotten sich bereits im Namen des Kommunismus, des Sozialismus, des Nihilismus usw. zusammen.“
In dem 1897 veröffentlichten Buch Der Tag der Rache (später Der Krieg von Harmagedon) wurde auf das damalige Verständnis der Bibelforscher über dieses Thema noch weiter eingegangen mit den Worten: „Der Herr wird in seiner alles überragenden Vorsehung die Leitung über das große Heer der Unzufriedenen übernehmen — Patrioten, Reformer, Sozialisten, Moralisten, Anarchisten, Ignoranten und Hoffnungslose — und sich entsprechend seiner göttlichen Weisheit ihrer Hoffnungen, Ängste, Torheiten und ihrer Selbstsucht bedienen, um seine eigenen großartigen Vorsätze auszuführen, nämlich die Vernichtung der gegenwärtigen Einrichtungen und die Vorbereitung des Menschen auf das Reich der Gerechtigkeit.“ Sie dachten also, der Krieg von Harmagedon wäre mit radikalen sozialen Umwälzungen verbunden.
Doch sollte Harmagedon lediglich ein Kampf zwischen entzweiten Parteien der Menschheit sein, eine soziale Revolution, deren sich Gott bedient, um die bestehenden Einrichtungen zu vernichten? Nachdem man sich noch eingehender mit Bibeltexten beschäftigt hatte, die dieses Thema berühren, wies Der Wacht-Turm vom 15. August 1925 auf Sacharja 14:1-3 mit den Worten hin: „Hierunter würden wir verstehen, daß alle Nationen der Erde unter der Leitung Satans versammelt würden, um gegen die ‚Jerusalem-Klasse‘ zu kämpfen, nämlich diejenigen, welche ihren Stand auf der Seite des Herrn einnehmen ... Offenbarung 16:14, 16.“
Im darauffolgenden Jahr wurde in dem Buch Befreiung auf den wahren Zweck dieses Krieges aufmerksam gemacht: „Jehova wird jetzt, gemäß seinem Wort, eine so klare und unzweideutige Kundgebung seiner Macht geben, daß die Menschen von der Gottlosigkeit ihres Laufes überzeugt und verstehen werden, daß Jehova Gott ist. Das ist der Grund, weshalb Gott einst die Sintflut brachte, den Turm von Babel niederwarf, die Ägypter im Schilfmeer verschlang und das Heer Sanheribs, des Königs von Assyrien, vernichtete, und aus demselben Grunde beabsichtigt er zur jetzigen Zeit, eine neue große Drangsal über die Welt zu bringen. Die früheren Katastrophen waren nur Schatten dessen, was jetzt bevorsteht. Das Ansammeln geschieht für den großen Tag Gottes, des Allmächtigen. Es ist ‚der Tag Jehovas, der große und furchtbare‘ (Joel 2:31), an welchem sich Gott einen Namen machen wird. In diesem großen und endgültigen Kampf werden die Menschen aller Nationen, Zungen und Geschlechter erfahren, daß Jehova der allmächtige, allweise und gerechte Gott ist.“ Doch die Diener Jehovas auf der Erde wurden ermahnt: „Die Christen werden in dieser großen Schlacht nicht kämpfen. Sie kämpfen nicht, weil Jehova gesagt hat: ‚Denn nicht euer ist der Streit, sondern Gottes.‘ “ Bei dem hier besprochenen Krieg handelte es sich ganz eindeutig nicht um den Krieg, den die Nationen 1914 begannen. Er lag noch in der Zukunft.
Es gab noch weitere Fragen, die anhand der Bibel beantwortet werden mußten. Eine Frage drehte sich darum, was das Jerusalem war, das gemäß Lukas 21:24 bis zum Ende der Zeiten der Nationen zertreten werden sollte; in Verbindung damit war auch herauszufinden, worum es sich bei dem Israel handelte, das in so vielen Wiederherstellungsprophezeiungen erwähnt wurde.
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