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Lärm — Eine Plage der heutigen ZeitErwachet! 1997 | 8. November
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Lärm — Eine Plage der heutigen Zeit
VON UNSEREM KORRESPONDENTEN IN GROSSBRITANNIEN
„Einer der größten Streßverursacher“ (Makis Tsapogas, Berater der Weltgesundheitsorganisation).
„Amerikas weitverbreitetster Störfaktor“ (The Boston Sunday Globe, USA).
„Die schlimmste Form der Umweltbelastung in unserer Zeit“ (Londoner Daily Express).
MAN kann ihn weder sehen noch riechen, noch schmecken, noch fühlen. LÄRM — der Fluch des modernen Stadtlebens sucht nun auch ländliche Gegenden heim.
Ein amerikanischer Naturforscher, der etwa 16 Jahre lang in der Natur vorkommende Geräusche aufzeichnete, stellte fest, daß seine Aufgabe zunehmend schwieriger wurde. 1984 führte er seine Untersuchungen an 21 Plätzen im Staat Washington (USA) durch, wo mindestens 15 Minuten absolute Stille herrschte. Fünf Jahre später war das nur noch an 3 dieser Plätze der Fall.
Viele hätten Schwierigkeiten, 3 lärmfreie Plätze zu finden. Ein für das Jahr 1991 in Japan zusammengestellter Bericht zeigte, daß in diesem Land keine andere Form der Belästigung zu so vielen Beschwerden Anlaß gab wie Lärmbelästigung. Die Londoner Times hat recht, wenn sie Lärm als „die schlimmste Geißel unserer Zeit“ bezeichnet. Sei es das anhaltende Gekläffe eines Hundes, das einem auf die Nerven geht, das Gedröhne der Stereoanlage vom Nachbarn, das laute Tuten einer Autoalarmanlage oder das Geplärre eines Autoradios — Lärm ist allgegenwärtig. Und dennoch ist Lärmbelästigung nichts Neues. Sie hat eine lange Geschichte.
Ein altes Problem
Um im Zentrum von Rom „Verkehrsstauungen“ zu vermeiden, verbot Julius Cäsar, daß dort am Tag Fahrzeuge fuhren. Dieser Erlaß hatte für ihn und andere Römer unangenehme Folgen: Nachts mußten sie starken Lärm in Kauf nehmen, „den die hölzernen oder mit Eisen beschlagenen Räder auf den Pflastersteinen verursachten“ (Lewis Mumford, Die Stadt. Geschichte und Ausblick). Über ein Jahrhundert später beklagte sich der Dichter Juvenal darüber, daß der Lärm die Römer zu chronischer Schlaflosigkeit verdammen würde.
Bis zum 16. Jahrhundert hatte sich Englands Hauptstadt, London, zu einer belebten Stadt entwickelt. „Das erste, was einem Besucher aufgefallen sein muß“, schreibt Alison Plowden in ihrem Buch Elizabethan England, „war der Krach: das Klappern und Hämmern, das aus den zahllosen Werkstätten drang, das Rumpeln und Quietschen von Wagenrädern, das Brüllen von Vieh, das zum Markt getrieben wurde, die heiseren Rufe der Straßenverkäufer, die ihre Waren anpriesen.“
Im 18. Jahrhundert hielt die industrielle Revolution Einzug. Als sich bei Fabrikarbeitern Gehörschädigungen einstellten, wurden die Auswirkungen von Maschinenlärm offenkundig. Doch selbst Städter, die nicht in der Nähe von Fabriken lebten, klagten über zunehmende Ruhestörungen. Um das Krähen der Hähne, das Klavierspiel der Nachbarn und den Straßenverkehrslärm nicht hören zu müssen, suchte der Historiker Thomas Carlyle Zuflucht „in einem von der Straße abgewandten Zimmer“ auf dem Dach seines Londoner Hauses. Die Times schrieb: „Es nützte nichts.“ Wieso? „Jetzt machte ihn eine Reihe neuer lauter Geräusche rasend, unter anderem die Schiffssirenen und das Pfeifen der Lokomotiven.“
Eine weitverbreitete moderne Form der Belästigung
Diejenigen, die sich heute in der Lärmbekämpfung engagieren, konzentrieren ihr Augenmerk vor allem auf Flughäfen, weil sich Luftfahrtgesellschaften Bemühungen zur Reduzierung von Fluglärmbelästigung energisch widersetzen. Zum Beispiel bestimmte der Flughafen in Manchester (England), daß für jeden Start einer Concorde, eines Überschallflugzeuges, eine Geldstrafe zu zahlen sei. Hat das etwas genützt? Nein. Wie ein Flugkapitän der Concorde einräumte, sei das Flugzeug zwar laut, aber habe es beim Start zur Lärmminderung weniger Treibstoff an Bord, würde es den Nonstopflug nach Toronto oder New York nicht schaffen.
Die Verhütung von Straßenverkehrslärm ist ein ähnlich großes Problem. In Deutschland beispielsweise haben Untersuchungen ergeben, daß 64 Prozent der Bevölkerung durch Straßenlärm gestört werden. Und das Ausmaß des Problems nimmt zu; seit der Motorisierung der Gesellschaft soll sich die Lärmbelästigung vertausendfacht haben. In einem Bericht aus Griechenland heißt es, daß „Athen eine der lautesten Städte Europas ist, und der Krach ist so ohrenbetäubend, daß die Gesundheit der Athener darunter leidet“. Wie das Umweltamt in Japan verlauten ließ, nehme der Verkehrslärm auch dort stetig zu, und dies sei auf die steigende Zahl der Autobesitzer zurückzuführen. Im unteren Geschwindigkeitsbereich sind die Motorengeräusche die hauptsächliche Lärmquelle, bei Geschwindigkeiten von über 60 Kilometern in der Stunde dagegen sind es die Rollgeräusche der Reifen.
Die häufigste Ursache von Lärmbeschwerden in Großbritannien ist Wohnlärm. 1996 verzeichnete das konzessionierte Institut für Umweltgesundheit in Großbritannien bei den Beschwerden über laute Nachbarn eine Zunahme von 10 Prozent. Eine Sprecherin des Instituts kommentierte: „Eine Erklärung dafür zu finden ist schwierig. Vielleicht liegt es unter anderem daran, daß der Druck in der Arbeitswelt das Bedürfnis nach häuslicher Ruhe verstärkt hat.“ Zwei Drittel der 1994 in Großbritannien eingereichten Beschwerden drehten sich um Musik, die spätabends gespielt wurde, um laute Motorengeräusche, Autohupen und -alarmanlagen. Aber was ist mit den schätzungsweise 70 Prozent der Lärmbelästigten, die sich aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen nicht beschweren? Das Problem der Lärmbelästigung ist wirklich allgegenwärtig.
Angesichts der weitverbreiteten Lärmbelästigung fordern Umweltschutzorganisationen Gesetze zur Lärmminderung. In den Vereinigten Staaten zum Beispiel haben sich einige Gemeinden auf Vorschriften geeinigt, die den Einsatz von motorgetriebenen Gartengeräten einschränken. In Großbritannien bietet ein neues Gesetz zur Lärmbekämpfung eine Handhabe gegen laute Nachbarn und ermöglicht die sofortige Verhängung von Geldstrafen im Falle von Ruhestörungen zwischen 23 Uhr und 7 Uhr. Die Behörden dürfen sogar Stereoanlagen beschlagnahmen. Und dennoch hört der Lärm nicht auf.
Da Lärmbelästigung wirklich ständig zunimmt, fragt sich ein Lärmbelästigter womöglich, was er dagegen tun kann. Doch stellt sich auch die Frage, wie man selbst Lärm vermeiden kann. Wird jemals dauerhaft Ruhe und Frieden herrschen? Die Antworten darauf geben die nächsten beiden Artikel.
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Lärm — Wie man damit umgehen kannErwachet! 1997 | 8. November
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Lärm — Wie man damit umgehen kann
AM Ende eines anstrengenden Tages fallen wir in einen tiefen Schlaf. Plötzlich dringt das Gebell der Hunde aus der Nachbarschaft an unser Ohr. Wir drehen uns auf die andere Seite und hoffen, daß das lästige Gekläffe bald aufhört. Doch von wegen! Immer wieder fangen die Hunde zu bellen an. Jetzt sind wir hellwach, ärgerlich und frustriert, weil wir nicht schlafen können, und wir fragen uns, wie die Nachbarn diesen Radau bloß aushalten.
Die subjektive Lärmempfindung variiert stark. Flughafenangestellte, die in der Nähe einer Rollbahn wohnen, fühlen sich durch den Fluglärm weniger belästigt als Personen, deren Arbeit nichts mit Flugzeugen zu tun hat. Die Hausfrau, die eine elektrische Küchenmaschine benutzt, erträgt den daraus resultierenden Lärm wesentlich besser als die Person im Nebenzimmer, die ein Buch lesen oder fernsehen möchte.
Was ist Lärmbelästigung?
Die Definition von Lärmbelästigung unterscheidet sich von Land zu Land. In Mexiko versteht man unter Lärm „jedes unerwünschte Geräusch, das stört oder sich auf Personen schädlich auswirkt“. In Neuseeland gilt Lärm dann als übermäßig, wenn er „für die Ruhe und das Wohlbefinden irgendeiner Person einen unzumutbaren Störfaktor darstellt“.
Zwei berühmte Wissenschaftler, Alexander Graham Bell, der Erfinder des Telefons, und der deutsche Physiker Heinrich Hertz, stehen in engem Zusammenhang mit der Messung von Geräuschen. Ein Hertz ist die Maßeinheit der Frequenz eines Geräusches, wogegen Bel oder die in der Praxis eher gebräuchlichen Dezibel (1 Dezibel = 0,1 Bel) zur Ermittlung der relativen Lautstärke dienen. Bei Lautstärkemessungen wird der Schallpegel im allgemeinen in Dezibel angegeben.a
Doch wer entscheidet, wie lästig ein bestimmtes Geräusch ist? Der Hörer selbst. „Nach wie vor kann das menschliche Ohr den Grad der Lärmbelästigung am besten bewerten“, schrieb die in London erscheinende Zeitung The Independent.
Lärmwirkungen
Da das Ohr Lärm „am besten bewerten“ kann, ist es offensichtlich auch das Organ, das am ehesten Schädigungen davonträgt. Eine Schädigung der empfindlichen Nervenzellen des Innenohrs kann zu einem irreparablen Hörverlust führen. Natürlich reagiert jeder anders auf laute Geräusche. Doch auf wen wiederholt ein Schallpegel zwischen 80 und 90 Dezibel einwirkt, der kann sein Gehör allmählich verlieren. Je höher der Geräuschpegel ist, desto weniger Zeit darf man sich ihm täglich aussetzen, soll das Gehör keinen Schaden nehmen.
Wie die Zeitschrift New Scientist berichtete, erreichen viele der transportablen Minikassettenrecorder und Mini-CD-Player, die in Frankreich verkauft werden, einen maximalen Lautstärkepegel von 113 Dezibel. Die Zeitung führte eine Studie an, die ergeben hatte, daß „Rockmusik, die bei voller Lautstärke eine Stunde lang über transportable Mini-CD-Player gespielt wurde, die meiste Zeit einen Lautstärkepegel von über 100 Dezibel hatte und Spitzenpegel von etwa 127 Dezibel erreichte“. Noch schlimmer sind die Lärmwirkungen bei Live-Konzerten. Auf einem Konzert erlebte ein Forscher, wie Konzertbesucher sich um die Lautsprechersäulen drängten und völlig weggetreten waren. „Vor meinen Augen verschwamm alles, der dröhnende Baß ließ meinen Körper erbeben, und meine Ohren schmerzten wegen der Lautstärke“, erzählte er.
Welche Auswirkungen kann Lärm auf den einzelnen haben? Ein Experte erklärte: „Dauerlärm mit einem mittleren bis hohen Lautstärkepegel macht müde und gereizt und streßt.“ „Die Lärmpeitsche zerstört nicht nur die Lebensfreude, sie kann eine Person auch seelisch und körperlich zermürben“, schreibt Professor Gerald Fleischer von der Universität Gießen. Lärm könne bei jemand, der ohnehin unter Streß steht, sowohl Depressionen hervorrufen als auch organische Krankheiten, erklärte Professor Makis Tsapogas.
Dauerlärm wirkt sich mitunter auch auf die Persönlichkeit aus. Als staatliche Forscher in Großbritannien Lärmbelästigte fragten, wie sie über die Lärmverursacher dachten, sprachen sie von Haß- und Rachegefühlen und sogar von Mordgedanken. Die Lärmverursacher ihrerseits reagieren häufig aggressiv, wenn sich wiederholte Male über sie beschwert wird. „Lärm macht aggressiv und feindselig und verringert das Interesse am Wohl anderer“, meint ein Lärmbekämpfer.
Die meisten Lärmbelästigten stellen fest, daß sie mit der Zeit immer weniger Widerstandskraft aufbringen. Ihnen ergeht es wie der Frau, deren Nachbarn ständig laute Musik spielten. Sie sagt: „Es macht einen völlig fertig, wenn man gezwungen ist, sich etwas gegen seinen Willen anzuhören. ... Selbst dann, wenn der Krach aufhörte, wußten wir genau, daß er gleich wieder anfangen würde.“
Gibt es demnach keine Möglichkeit, Lärmbelästigung abzustellen?
Wie man damit umgehen kann
Da Lärm allgegenwärtig ist, merken viele es einfach nicht, wenn sie andere durch Lärm stören. Wären sie sich dessen bewußt, würden so manche zweifelsohne unverzüglich damit aufhören. Daher kann es etwas bewirken, einen lauten Nachbarn freundlich anzusprechen. Jemand ärgerte sich einmal darüber, daß seine Nachbarn eine offizielle Lärmbeschwerde eingereicht hatten. Der Lärmverursacher sagte: „Ich war davon ausgegangen, daß sie mich persönlich ansprechen würden, wenn sie der Lärm stört.“ Eine Mutter, die ein Kinderfest gab, war völlig perplex, als ein Beamter vor der Tür stand und einer Lärmbeschwerde nachgehen wollte. „Ich wünschte, diejenigen, die sich beschwert haben, hätten bei mir geklopft und mir gesagt, daß sie sich gestört fühlten“, erklärte sie. Kein Wunder, daß ein britischer Beamter für Umweltgesundheit mit Erstaunen feststellte, daß 80 Prozent derer, die eine Wohnlärmbeschwerde eingereicht hatten, ihre Nachbarn noch nie um Ruhe gebeten hatten!
Die Tatsache, daß man sich zurückhält, laute Nachbarn anzusprechen, deutet auf einen Mangel an gegenseitigem Respekt hin. „Wenn ich Musik hören will, dann kann ich das auch. Es ist mein gutes Recht!“ so lautet die Antwort, die Lärmbelästigte erwarten und oftmals auch tatsächlich zu hören bekommen. Sie befürchten, daß die freundliche Bitte, die Lautstärke zu reduzieren, zu einer Konfrontation führen könnte, nämlich dann, wenn der Nachbar die Beschwerde für unverschämt hält. Welch ein trauriges Spiegelbild der heutigen Gesellschaft! Es entspricht voll und ganz der biblischen Aussage, daß die Menschen in den heutigen ‘schweren Zeiten’ im allgemeinen ‘selbstsüchtig, überheblich, rücksichtslos und verwegen’ sein würden (2. Timotheus 3:1-4, Neue Jerusalemer Bibel).
Viel hängt davon ab, auf welche Weise ein Lärmbetroffener auf den Lärmverursacher zugeht. In der Zeitschrift Woman’s Weekly wurde beschrieben, wie man eine angespannte Situation entschärfen könnte, wenn der Lärmverursacher auf eine aggressive Beschwerde ebenso aggressiv reagiert hat. „Freundlich und ehrlich zu sagen: ‚Sehen Sie, es tut mir leid. Ich bin aus der Haut gefahren, aber ich bin hundemüde, wenn ich meinen Schlaf nicht bekomme‘ wird wahrscheinlich schon ausreichen, um ... [in die Defensive gedrängte Nachbarn] versöhnlich zu stimmen.“ Vielleicht rückt der Nachbar seine Verstärkeranlage bereitwillig von der zur Nachbarwohnung angrenzenden Wand weg und dreht die Lautstärke etwas herunter.
Die Praxis zeigt, daß es sich auszahlt, gute nachbarschaftliche Beziehungen aufrechtzuerhalten. Einige staatliche Stellen bieten einen Schlichtungsdienst an, um verfeindete Nachbarn miteinander zu versöhnen. Angesichts der heftigen Gefühle, die offizielle Beschwerden auslösen, sollte man das Anrufen einer öffentlichen Institution als „absolut letzten Ausweg“ betrachten.
Wer plant umzuziehen, tut gut daran, vor der Vertragsunterzeichnung nach eventuellen Lärmquellen zu suchen. Immobilienhändler empfehlen, das voraussichtliche neue Domizil zu verschiedenen Tageszeiten aufzusuchen, um festzustellen, ob Lärmquellen vorhanden sind. Man könnte auch die Nachbarn nach ihren Beobachtungen fragen. Sollten sich nach dem Umzug Probleme einstellen, wäre es gut, sie auf freundliche Weise zu lösen. Eine Klage vor Gericht provoziert in der Regel Feindseligkeit.
Was aber, wenn man in einer lauten Umgebung wohnt und es sich nicht erlauben kann wegzuziehen? Ist man dem Lärm dann auf ewig hoffnungslos ausgeliefert? Nicht unbedingt.
Lärmschutzmaßnahmen
Man sollte sich überlegen, wie man seine Wohnung vor Außenlärm schützen könnte. Befinden sich im Boden oder in den Wänden irgendwelche Löcher, die man ausfüllen kann? Und wo sind außerdem die Steckdosen angebracht? Sind sie entsprechend isoliert?
Lärm dringt häufig durch Türen und Fenster ein. Durch Doppelfenster läßt er sich mindern. Schon ein dünner Schaumstoffstreifen am Türrahmen sorgt dafür, daß die Tür richtig schließt. Vielleicht lassen sich die Wohnräume durch einen Vorbau mit separater Tür vor lästigem Verkehrslärm abschirmen.
Auch wenn der Verkehrslärm in alarmierendem Ausmaß zunimmt, sind Autohersteller doch ständig dabei, neue Materialien und Verfahren zu entwickeln, um die Fahrgastzelle gegen Lärm zu isolieren. Leiser rollende Reifen sind eine weitere Hilfe. In vielen Ländern werden Versuche mit verschiedenen Arten von Fahrbahndecken durchgeführt, und ein Ergebnis davon ist der „Flüsterasphalt“, bei dem ein Teil des Splitts auf der Deckschicht belassen wird, so daß die Reifenoberfläche möglichst wenig Kontakt mit dem Belag hat. Durch diesen Straßenbelag soll sich bei leichten Fahrzeugen eine Lärmminderung um 2 Dezibel, bei schweren Lastkraftwagen um 1 Dezibel erreichen lassen. Obwohl das keinen großen Unterschied zu machen scheint, käme eine Senkung um durchschnittlich 3 Dezibel bereits einer Reduzierung des Verkehrslärms um die Hälfte gleich.
Straßenbauer planen heute Straßen, die von Schallschutzwänden oder Erdwällen gesäumt werden, was zu einer beträchtlichen Lärmminderung beiträgt. Selbst wo kein Platz für diese Lärmschutzvorrichtungen ist, können speziell konstruierte Zäune die Anwohner einer Straße vor unerwünschtem Lärm schützen, wie im Osten von London, wo ein Zaun aus miteinander verflochtenen Weidenzweigen und immergrünen Pflanzen errichtet wurde.
Die Verdeckung störender Geräusche durch das sogenannte weiße Rauschen — zum Beispiel durch Zischen von Luft oder durch Störgeräusche wie jene im Radio — kann an manchen Plätzen Abhilfe schaffen, etwa in Büroräumen.b In Japan sind „leise Klaviere“ auf den Markt gekommen. Beim Anschlagen der Tasten werden nicht die Saiten des Klaviers in Schwingung versetzt, sondern die Hämmerchen aktivieren einen Schaltkreis, so daß der jeweilige Ton über den Kopfhörer, den der Klavierspieler aufsetzt, wiedergegeben wird.
Wissenschaftler haben bereits viel Zeit damit verbracht, die Erzeugung von Antischall, wie sie es nennen, zu erforschen. Dabei geht es im eigentlichen darum, eine zweite Schallquelle einzuschalten, deren Vibrationen Lärmwirkungen aufheben. Das erfordert natürlich spezielle Geräte, und es entstehen Kosten; auch wird die Lärmquelle dadurch nicht beseitigt. „Solange Lärm nicht als ‚Geräuschmüll‘ betrachtet wird, ist Antischall vielleicht die einzige Lösung, in den Genuß eines ruhigen Augenblicks zu kommen“, hieß es in der Zeitschrift U.S.News & World Report. Das mag stimmen. Ist Stille jedoch das Gegenmittel gegen Lärmbelästigung?
Können wir wirklich davon ausgehen, daß bei uns zu Hause und in unserer Nachbarschaft einmal Ruhe und Frieden herrschen werden? Der folgende Artikel bietet eine echte Hoffnung.
[Fußnoten]
a Lärmpegel werden in der Regel mit Hilfe eines Dezibelmessers ermittelt. Da das menschliche Ohr einige Frequenzen deutlicher wahrnimmt als andere, sind die Pegelmesser so konstruiert, daß sie die Gehörempfindung des Ohres berücksichtigen.
b Genauso, wie weißes Licht eine Mischung aller Wellenlängen des Spektralbereichs ist, ist weißes Rauschen ein Geräusch, das alle Frequenzen des Hörbereiches umfaßt, und das zu etwa gleich starken Lautstärkepegeln.
[Kasten auf Seite 6]
Was einen leisen Nachbarn auszeichnet
● Er informiert seine Nachbarn, wenn er weiß, daß er Lärm verursachen wird.
● Wird er gebeten, leiser zu sein, ist er kooperativ.
● Er ist sich bewußt, daß sein Vergnügen nicht auf Kosten der Nerven seiner Nachbarn gehen darf.
● Er berücksichtigt, daß Lärm und Vibrationen leicht durch Flure und Böden dringen.
● Er stellt Mobiliar, das Lärm verursacht, auf eine lärmmindernde Unterlage.
● Er sorgt dafür, daß immer jemand zu erreichen ist, falls die Alarmanlage im Haus oder im Auto Fehlalarm auslöst.
● Er verrichtet spätabends keine lauten Arbeiten, noch benutzt er zu dieser Zeit laute Haushaltsgeräte.
● Er hört Musik nicht dermaßen laut, daß sich seine Nachbarn gestört fühlen.
● Er läßt seinen Hund nicht zu lang allein.
● Er achtet darauf, daß Kinder nicht auf dem Fußboden herumspringen, damit die Nachbarn unter ihm nicht gestört werden.
● Er schlägt nachts weder Türen zu, noch betätigt er die Autohupe, noch läßt er den Motor aufheulen.
[Kasten/Bild auf Seite 7]
Lärm und seine Auswirkungen auf den Menschen
„Lärm stellt heute im Industriesektor Großbritanniens die größte Gefahr dar, und eine häufige Lärmwirkung ist Schwerhörigkeit“, berichtete die Zeitung The Times. Einige Studien über Berufskrankheiten lassen erkennen, daß ein Geräuschpegel von über 85 Dezibel einem Fötus schaden kann. Das Gehör des Ungeborenen wird geschädigt, es kann zu Hormonstörungen kommen oder zu Geburtsfehlern.
Durch Einwirkung von starkem Lärm verengen sich die Blutgefäße, und die Blutzufuhr zu den Organen wird beeinträchtigt. Der Körper reagiert darauf mit der Produktion von Hormonen, die den Blutdruck ansteigen und das Herz schneller schlagen lassen, was mitunter Herzklopfen oder sogar Angina pectoris verursacht.
Wird der normale Tagesablauf durch Lärm gestört, stellen sich möglicherweise noch andere Probleme ein. Schlafstörungen können die Reaktionsfähigkeit bei Tage beeinträchtigen. Lärm wirkt sich auf das Arbeitstempo im allgemeinen nicht unbedingt negativ aus, doch kann er einen Einfluß darauf haben, wie viele Fehler man macht.
[Kasten/Bild auf Seite 9]
Lärmschutz am Arbeitsplatz
Wer sich am Arbeitsplatz durch Lärm belästigt fühlt, sollte das Tragen von Schallschutzmitteln in Betracht ziehen.c Gehörschutzkapseln werden ähnlich wie Kopfhörer auf den Kopf gesetzt und bieten in der Regel bei hohen Lautstärkepegeln Schutz. Ihr Vorteil besteht in der Durchlässigkeit von Sprache und Warnsignalen von Maschinen, obwohl sie es mitunter erschweren, die Geräuschquelle zu lokalisieren. Ohrenstöpsel sollten die richtige Größe haben; sie eignen sich nicht bei Ohrerkrankungen oder einer Reizung des Gehörgangs.
Durch eine gute Instandhaltung von Maschinen können Vibrationen abgeschwächt werden. Die Lärmbelästigung wird reduziert, wenn Maschinen auf Schwingungsdämpfer gestellt werden oder wenn für eine spezielle Abschirmung gesorgt wird.
[Fußnote]
c In vielen Ländern schreibt der Gesetzgeber vor, daß Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern angemessene Schallschutzmittel zur Verfügung stellen.
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Wird es jemals Ruhe und Frieden geben?Erwachet! 1997 | 8. November
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Wird es jemals Ruhe und Frieden geben?
AUF die Frage, worauf sie sich in ihrem Urlaub im Ausland besonders freuen, antworteten fast zwei Drittel der britischen Touristen: „Auf die friedliche Stille.“ Da Lärmbelästigung jedoch ein weltweites Problem ist, sind viele der Ansicht, daß echte Ruhe nur ein Wunschtraum ist.
Vielleicht fragen wir uns angesichts der angestrengten Bemühungen um Lärmreduzierung, ob es realistisch ist, zu glauben, daß das Lärmproblem jemals vollständig gelöst werden wird. Was ist mit denen, die dieses Problem auf die leichte Schulter nehmen?
Hindernisse, die es zu überwinden gilt
Es ist nicht leicht, mit Personen zu sprechen, die eine feindselige Haltung einnehmen, und noch schwieriger ist es, ihnen den eigenen Standpunkt verständlich zu machen. Als sich vor dem Haus, in dem Ron lebt, immer wieder Gruppen lärmender Jugendlicher trafen, versuchte er, sich mit ihnen anzufreunden. Er lernte ihre Namen. Und er half sogar, das Fahrrad eines Jugendlichen zu reparieren. Seitdem hat er keinen Ärger mehr mit ihnen gehabt.
Marjorie, eine alleinerziehende Mutter, lebt zusammen mit ihrer jugendlichen Tochter in einer Wohnung; über und unter ihnen wohnen laute Nachbarn. In der Wohnung der Mieter über ihnen befindet sich kein Teppich auf dem Fußboden. Infolgedessen ist der Lärm, den die Kinder machen, wenn sie Rollschuh laufen, einen Ball aufspringen lassen oder von den Betten herunterspringen für Marjorie eine Belästigung. Außerdem trägt die Mutter der Kinder zu Hause auch noch hochhackige Schuhe. Marjorie unternahm einen freundlichen Versuch, ihre Nachbarin um mehr Ruhe zu bitten, doch die Sprachbarriere zwischen ihnen machte ihn zunichte. Der Stadtrat hat angeboten, einen Übersetzer zu schicken, und so hofft Marjorie auf eine Verbesserung ihrer Lage.
In der Wohnung unter ihr wohnt ein Mann, der jeden Morgen zwischen 7 und 8 Uhr laute Musik hört, und dabei hämmern die Bässe nur so. Als Marjorie ihn taktvoll daraufhin ansprach, bekam sie zu hören, er brauche die Musik, um sich in die richtige Stimmung für die Arbeit zu versetzen. Wie wird Marjorie damit fertig?
„Indem ich mich in Geduld und Selbstbeherrschung übe“, sagt sie. „Ich habe meinen Zeitplan geändert, und jetzt setze ich mich trotz des Lärms hin und lese ein Buch. Ich habe festgestellt, daß mich die Lektüre recht schnell fesselt. Dann nehme ich den Lärm nicht mehr ganz so stark wahr.“
Heather wiederum lebt in einer Wohnung mit Blick auf einen Nachtklub, der für laute Nächte sorgt und erst morgens gegen 6 Uhr schließt. Obwohl sie sich schließlich bei der Behörde beschwerte, ist bisher nur wenig gegen die Ruhestörungen unternommen worden.
Ein Ende von Lärmbelästigung in Sicht?
„Viele Leute empfinden absolute Stille als unangenehm und unheimlich“, erklärte Dr. Ross Coles vom Institut für Gehörforschung des britischen Forschungsrats für Medizin. Hübsche Vogellieder, das sanfte Rollen der Wellen an einen Sandstrand oder aufgeregte Kinderstimmen — das sind Klänge, die wir gern hören. Obgleich wir uns derzeit vielleicht nach etwas mehr Ruhe sehnen, sind wir doch gern mit angenehmen Menschen zusammen, mit denen wir uns unterhalten können. Gott hat seinen treuen Dienern Ruhe und Frieden verheißen.
Der Psalmist erklärte: „Die Sanftmütigen aber werden die Erde besitzen, und sie werden wirklich ihre Wonne haben an der Fülle des Friedens“ (Psalm 37:11). Gottes himmlische Königreichsregierung wird bald in die Angelegenheiten hier auf der Erde eingreifen (Daniel 2:44). Dann wird es unter der Herrschaft von Jesus Christus „Fülle von Frieden [geben], bis der Mond nicht mehr ist“ (Psalm 72:7; Jesaja 9:6, 7).
Wir können sicher sein, daß durch Gottes Eingreifen die friedlichen Verhältnisse und die Ruhe herbeigeführt werden, die wir uns alle wünschen. Es wird so sein, wie Gottes Prophet Jesaja voraussagte: „Das Werk der wahren Gerechtigkeit soll Frieden werden und der Dienst der wahren Gerechtigkeit Ruhe und Sicherheit bis auf unabsehbare Zeit. Und mein Volk soll an ... ungestörten Ruheorten [wohnen]“ (Jesaja 32:17, 18).
Eine ruhige und friedliche Atmosphäre kann man schon heute bei den Zusammenkünften von Jehovas Zeugen verspüren. Obwohl auf großen Kongressen, die der Anbetung dienen, mitunter Zehntausende von Menschen anwesend sind — und man kann wirklich sagen, daß es bei diesen Anlässen vor Männern, Frauen und Kindern lärmt —, ist die Geräuschkulisse nicht lästig, sondern angenehm (Micha 2:12). Wir laden jeden ein, sich selbst davon zu überzeugen und Jehovas Zeugen am Ort aufzusuchen oder an die nächstgelegene der auf Seite 5 angegebenen Adressen zu schreiben. Wir wünschen jedem, daß er bei ihnen schon heute und möglichst für immer wirklich Ruhe und Frieden genießen kann.
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