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Das nukleare DilemmaErwachet! 1988 | 22. August
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Der Ruf nach Beseitigung der Waffen
Gemäß einer Studie der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahre 1983 kämen in einem unbegrenzten Atomkrieg eine Milliarde Menschen auf der Stelle um. Eine zweite Milliarde würde zufolge der Explosion, der Brände und der Strahlung später sterben. Neuere Studien klingen noch pessimistischer. Verständlicherweise ist der Ruf nach Beseitigung aller Kernwaffen laut geworden.
Allerdings haben nicht alle Forderungen nach Beseitigung der Kernwaffen humanitäre Gründe. Man führt ins Feld, daß Kernwaffen in einem Krieg wenig oder gar keinen Wert hätten. Angesichts ihrer fürchterlichen Zerstörungskraft könnte nur die extremste Provokation ihren Einsatz rechtfertigen. Deshalb setzten weder die USA in Korea und Vietnam noch die Briten im Falklandkrieg, noch die Sowjets in Afghanistan Atomwaffen ein. Der frühere US-Verteidigungsminister Robert McNamara sagte: „Kernwaffen dienen nicht dem geringsten militärischen Zweck. Sie sind völlig unbrauchbar — außer dazu, die Gegner davon abzuschrecken, sie zu gebrauchen.“
Kernwaffen sind auch als diplomatisches Druckmittel zur Bedrohung oder Beeinflussung anderer Staaten kaum von Wert. Die Supermächte sind sich gegenseitig ausgeliefert. Und die atomfreien Mächte erdreisten sich oft, gegen die Supermächte aufzustehen, ohne einen atomaren Vergeltungsschlag befürchten zu müssen.
Schließlich sind noch die Kosten zu nennen. Gemäß einer Studie, die im Bulletin of the Atomic Scientists veröffentlicht wurde, haben allein die Vereinigten Staaten von 1945 bis 1985 ungefähr 60 000 Atomsprengköpfe hergestellt.a Die Kosten: etwa 82 000 000 000 Dollar — eine Menge Geld für etwas, was man nie zu gebrauchen hofft!
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Das nukleare DilemmaErwachet! 1988 | 22. August
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a Da das Kernwaffenmaterial altert, müssen alte Waffen durch neue ersetzt werden.
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