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  • Die Suche nach Sicherheit im Zeitalter der Bombe
    Erwachet! 1986 | 22. Mai
    • Die Suche nach Sicherheit im Zeitalter der Bombe

      IM Juli 1943 fielen auf Hamburg in einer Nacht Tausende von Brandbomben. Die Folge war etwas völlig Neues in der Kriegsgeschichte: ein alles verschlingendes Inferno, ein Feuersturm. Durch senkrecht aufsteigende Luftmassen kam es zu orkanartigen Wirbelwinden, die das Feuer von allen Seiten anfachten und die Menschen in die Flammen hineinrissen. Es herrschte eine glühende Hitze. Luftschutzbunker verwandelten sich in Öfen, in denen die vielen Schutzsuchenden förmlich gebacken wurden und verkohlten. Andere blieben im flüssigen Asphalt stecken. Über 40 000 Menschen kamen ums Leben, über zwanzigmal mehr als bei einem gewöhnlichen Luftangriff.

      Zwei Jahre später zerstörte auf der anderen Seite des Erdballs ein Feuersturm die Stadt Hiroschima. Dieser Riesenbrand war durch ein einziges Flugzeug ausgelöst worden, das nur eine Bombe abwarf.

      Die Bombe, eine Atombombe, trug den Namen „Little Boy“ (kleiner Junge). Ihre Wirkung war jedoch alles andere als klein, sie war grauenvoll. Ihr greller Explosionsblitz machte blind. Sie tötete und verstümmelte durch die Druckwelle, durch Feuer und Hitze. Sie verseuchte die Umgebung durch tödliche Strahlung.

      Drei Tage später machte eine zweite Bombe, „Fat Man“ genannt, halb Nagasaki dem Erdboden gleich. Eine Hügelkette, die mitten durch die Stadt verläuft, schirmte die andere Hälfte ab.

      Das heutige Kernwaffenarsenal

      Heute verfügt man über ungefähr 50 000 dieser Massenvernichtungswaffen. Dabei ist folgendes beachtenswert:

      ◻ Würden die beiden Supermächte nur 5 Prozent ihrer strategischen Kernwaffen gegen Städte einsetzen, kämen innerhalb von Minuten 200 Millionen Menschen ums Leben — viermal soviel wie im Zweiten Weltkrieg. Den zahlreichen Verletzten könnte in den überlasteten Krankenhäusern kaum oder gar keine Hilfe geleistet werden.

      ◻ Ein einziges US-Trident-Unterseeboot ist mit so viel Atomraketen bestückt, daß es 192 verschiedene Ziele bombardieren kann. Jede Explosion wäre achtmal stärker als die der Hiroschima-Bombe.a

      ◻ Die Explosivkraft aller in der Welt gelagerten nuklearen Waffen ist 2 600mal größer als die der gesamten Munition, die im Zweiten Weltkrieg verschossen wurde.

      Statistische Angaben wie diese sind unvorstellbar, und sie unterstreichen die Größenordnung des Problems.

      Ein westafrikanisches Sprichwort lautet: „Wenn Elefanten kämpfen, leidet auch das Gras.“ Desgleichen würden sich die Folgen eines nuklearen Krieges nicht nur auf die gegnerischen Parteien auswirken. Der Wissenschaftler Carl Sagan schrieb kürzlich in der Zeitschrift Foreign Affairs, daß ein Nuklearkrieg „jeden Überlebenden auf dem Planeten bedrohen würde. Es besteht allen Ernstes die Gefahr der Ausrottung der gesamten Menschheit.“

      [Fußnote]

      a Zur Zeit der Abfassung des Artikels hatte die US-Flotte 36 mit strategischen Flugkörpern bestückte U-Boote, die insgesamt 616 Raketen mit mindestens 4 928 Gefechtsköpfen an Bord hatten. Die Sowjetunion verfügt über eine vergleichbare Flotte.

      [Diagramm auf Seite 3]

      (Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)

      Die Explosivkraft aller in der Welt gelagerten nuklearen Waffen ist 2 600mal größer als die der gesamten Munition, die im Zweiten Weltkrieg verschossen wurde

      14 500 Millionen Tonnen

      5,5 Millionen Tonnen

  • Die letzte Waffe und die Jagd nach Sicherheit
    Erwachet! 1986 | 22. Mai
    • Die letzte Waffe und die Jagd nach Sicherheit

      „EINE Waffe von beispielloser Zerstörungskraft wird derzeit geschaffen, eine Waffe, die künftige Bedingungen der Kriegführung völlig verändern wird ... Wenn es nicht rechtzeitig zu einer Vereinbarung in bezug auf die Kontrolle der Verwendung des neuen aktiven Materials kommt, wird jeder zeitweilige Vorteil, wie groß er auch immer sein mag, durch die anhaltende Bedrohung der menschlichen Gesellschaft in den Schatten gestellt werden“ (Niels Bohr, dänischer Physiker, geschrieben 1944).

      In einer Studie der Vereinten Nationen heißt es: „Es gibt ... kein Ziel, das einen Kernwaffenangriff überstehen könnte, keine wirkungsvolle Verteidigung gegen einen zielstrebigen Angriff ... In diesem Sinn wird die Menschheit mit der absoluten Waffe konfrontiert.“

      Der Mensch begriff sehr bald, daß er nicht nur in Sekundenschnelle ganze Städte auslöschen könnte, sondern auch, daß das relativ einfach wäre — es wäre nicht nötig, erst eine Armee zu besiegen. Mit Kernwaffen könnte ohne ein einziges Gefecht an einem Tag die gesamte Bevölkerung eines Landes und auch dessen Wirtschaft völlig vernichtet werden.

      Die Vorstellung, daß es keine wirksame Abwehr gegen Atomwaffen gibt, führte zum Konzept der nuklearen Abschreckung. Im November 1945 äußerte sich General Henry H. Arnold, Chef des Stabes der US-Luftwaffe, in einem Bericht gegenüber dem US-Kriegsminister wie folgt: „Künftig wird echte Sicherheit vor Atomwaffen auf unserer Fähigkeit beruhen, blitzschnell mit überwältigender Angriffskraft zuzuschlagen. Einem möglichen Angreifer muß klar sein, daß einem Angriff auf die Vereinigten Staaten blitzschnell ein verheerender atomarer Luftangriff folgen wird.“

      Viele bezweifeln, daß eine derartige Abschreckung echte Sicherheit garantiert. Robert J. Oppenheimer, der brillante Physiker, der die Entwicklung der Atombombe leitete, verglich zwei sich gegenüberstehende Atommächte mit „zwei Skorpionen in einer Flasche, die sich gegenseitig zu töten vermögen, aber nur unter Einbuße des eigenen Lebens“. Neueren Datums ist die Aussage des amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan, wonach die USA und die Sowjetunion zwei Personen gleichen, die sich gegenseitig Pistolen an die Schläfe halten.

      Versuch zur Internationalisierung der Atomenergie

      Im Juni 1946 unterbreiteten die Vereinigten Staaten den neugegründeten Vereinten Nationen einen Plan. Es sollte eine internationale Behörde geschaffen werden, der das gesamte Gebiet der Atomenergieverwendung unterstehen würde. Sobald ein solches Kontrollorgan ins Leben gerufen worden sei, würden die Vereinigten Staaten diesem ihre atomaren Rüstungsgeheimnisse preisgeben, die vorhandenen Atombomben verschrotten und keine neuen mehr herstellen.

      Die Sowjetunion schlug dagegen vor, zuerst die Atomwaffen zu beseitigen. Erst danach sollten die Kontroll- und Überwachungsvereinbarungen ausgearbeitet werden. In den Verhandlungen über diese Frage fuhr man sich fest, und in den folgenden Jahren des kalten Krieges ließ man alle Hoffnungen auf eine Kontrolle der Atomwaffen durch die UN fahren.

      Das Wettrüsten: ein Pingpongspiel

      Im Jahre 1949 zündeten die Sowjets ihre erste Atombombe. Der Argwohn und das Mißtrauen zwischen Ost und West vertieften sich, und ein fieberhaftes Wettrüsten begann. Die Antwort der Amerikaner auf die Bombe der Sowjets war die Entwicklung einer weit stärkeren Waffe: der Wasserstoffbombe. Die erste Bombe dieser Art, die 1952 getestet wurde, erwies sich als 800mal stärker als die ersten Atombomben. Nur neun Monate danach war den Sowjets die Entwicklung einer eigenen Wasserstoffbombe gelungen.

      Danach kamen die ICBM (ballistische Interkontinentalraketen). Die Sowjetunion hatte sie zuerst, und zwar im Jahre 1957. Von da an war ein nuklearer Schlag nicht mehr eine Sache von Stunden, sondern nur noch von Minuten. Die Vereinigten Staaten befleißigten sich, den Vorsprung aufzuholen, und ein Jahr später gehörten die Interkontinentalraketen ebenfalls zu ihrem Waffenarsenal.

      Zwischenzeitlich arbeiteten andere Länder an der Entwicklung eigener Atombomben und unternahmen eigene Atomversuche. Großbritannien, Frankreich und andere schwangen sich zu Atommächten auf.

      Das Pingpongsyndrom blieb auch die 60er Jahre hindurch unverändert. Sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Sowjetunion erprobten Abwehrraketen. Beiden Mächten gelang es schließlich, Raketen von U-Booten aus abzufeuern. Beide arbeiteten an der Entwicklung von Mehrfachgefechtsköpfen.

      In den 70er Jahren ging der Wettlauf mit der bedeutenden Entwicklung der MIRV (individuell steuerbare Mehrfachsprengköpfe) weiter. Eine Rakete konnte nun viele Gefechtsköpfe tragen, und jeder Gefechtskopf konnte auf ein separates Ziel gerichtet werden. Die moderne amerikanische MX- oder Peacekeeper-Rakete ist mit zehn solchen Gefechtsköpfen bestückt, ebenso die sowjetische SS-18. Mit jeder Rakete könnten also zehn Städte zerstört werden.

      Die Raketenflugkörper wurden zudem immer zielsicherer, und das weckte zusammen mit der Entwicklung der MIRV neue Ängste. Statt auf Städte zu zielen, könnten die MIRV wirkungsvoller auf gegnerische Raketenstützpunkte und Militäranlagen gerichtet werden, und sie wurden auch darauf gerichtet. Manche fragten sich nun, ob ein nuklearer Krieg zu gewinnen sei. Ein erfolgreicher Erstschlag könnte die Fähigkeit oder den Willen des Gegners, einen Vergeltungsschlag zu führen, zunichte machen.

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