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Die Anziehungskraft des OkkultenErwachet! 1986 | 22. August
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Die Anziehungskraft des Okkulten
UNHEIMLICH, geheimnisvoll, gespenstisch — so wird das Okkulte gewöhnlich geschildert. Das Wort okkult bedeutet buchstäblich „verborgen“, „verdeckt“, „geheim“. Im Herkunftswörterbuch, Duden wird Okkultismus als „die Geheimwissenschaft von den übersinnlichen Kräften und Dingen“ erklärt.
Der Okkultismus umfaßt Erfahrungen und Geschehnisse, die nicht auf natürliche Weise erklärt werden können. Wenn über Okkultismus gesprochen wird, fällt nicht selten das Wort paranormal, das mit „jenseits des Bereichs der wissenschaftlich bekannten oder faßbaren Phänomene“ definiert wird.
Anfang der 30er Jahre leistete Dr. Joseph Banks Rhine Pionierarbeit in der Untersuchung der Geheimnisse des Okkultismus; dadurch wurde der Begriff „außersinnliche Wahrnehmung“ (ASW) international bekannt. Er sagte voraus, daß der Okkultismus verschwinden werde, „wenn die dunklen Ecken, in denen die Geheimnisse noch verborgen sind, durch das zunehmende Wissen in der wissenschaftlichen Forschung erhellt werden“. „Ebenso, wie die okkulten Praktiken der Astrologie von der Astronomie verdrängt wurden, wie sich die okkulte Alchimie in Chemie gewandelt hat und Zauberheilmittel von sinnvollen Medikamenten abgelöst wurden“, so sagte er, „werden die restlichen okkulten Systeme mit der Zeit durch eine zuverlässigere Grundlage verdrängt werden.“
Doch selbst nach einer eingehenden Untersuchung des Okkultismus bleiben Geheimnisse ungelüftet. Und die Anziehungskraft des Okkulten wird statt schwächer immer stärker.
Warum das Okkulte so anziehend ist
Nehmen wir den Fall von Frau Rosemary Brown. Als Kind hatte sie nur eine geringfügige Ausbildung in Musik genossen. Sie hatte sich auch nicht besonders für Musik interessiert. Trotzdem schrieb sie als Erwachsene Partituren, von denen sie behauptete, sie seien ihr von Beethoven, Brahms und Schubert diktiert worden. In der New Encyclopædia Britannica, 1977, Macropædia wird über die Untersuchung ihres Falles folgendes berichtet:
„Als man diese [Partituren] Musikexperten vorlegte, stimmten sie darin überein, daß man die Partituren, wäre man in einer verlassenen Dachkammer darauf gestoßen, als echt angesehen hätte. Jede einzelne war weit mehr als ein annehmbares Pasticcio, denn in allen Partituren kam genau das zum Ausdruck, was über das Gefühlsleben und die Persönlichkeit des Komponisten bekannt ist. Selbst den geschultesten Musikern wäre es nicht leichtgefallen (wenn überhaupt möglich gewesen), ein Werk dieses Formats hervorzubringen. Wie eine einfache Frau mit ihren äußerst geringen Musikkenntnissen so etwas vollbringen konnte, ist höchst verblüffend, zumal sie das Komponieren nie gelernt hatte.“
Viele Menschen sind von solchen Vorkommnissen überaus fasziniert. Sie fragen sich, wie so etwas möglich ist. In der New Encyclopædia Britannica wird folgendes anerkannt: „Die Vorstellung, daß die Geister dieser deutschen Musiker Schlange gestanden haben, um der Frau ihre neuesten Kompositionen in englischer Sprache zu diktieren, sagt einem nicht gerade zu.“ Doch in der Enzyklopädie heißt es weiter: „Die Fakten sind unbestritten. Eine einleuchtende Erklärung ist nicht zu erwarten. Die Geschichte steht für viele andere.“
Man beachte auch den Bericht aus Flixborough, South Humberside (England). Am 1. Juni 1974 ereignete sich um 16.53 Uhr in einem Chemiewerk eine schwere Explosion. Fast fünf Stunden zuvor hatte eine junge Frau, die 40 Kilometer vom Unglücksort entfernt wohnte, davon gesprochen, das Fernsehen habe von einer Explosion in diesem Werk berichtet, bei der Arbeiter verletzt und getötet worden seien. An dem betreffenden Tag sprach sie vor 14 Uhr mit zwei Personen darüber, die bei ihr zu Besuch waren. Am Abend wurde dann in den Nachrichten über das Ereignis berichtet. Als Zeitpunkt wurde der späte Nachmittag angegeben. Alle Fernsehsender im Umkreis dementierten die Behauptung, die Meldung schon früher ausgestrahlt zu haben.
Üben solche Ereignisse auch auf dich einen starken Reiz aus?
Es gibt überdies ein gewisses „Spiel“, das viele für einen harmlosen Zeitvertreib halten. Man benötigt dazu eine sogenannte Alphabettafel. Die Ausführungen sind verschieden, aber meist ist sie ca. 60 × 45 Zentimeter groß und etwa einen halben Zentimeter dick. Auf der Tafel befinden sich die Buchstaben des Alphabets, eine Ziffernreihe von 1 bis 9 und 0 sowie die Wörter „Ja“ und „Nein“. Das Kernstück ist der herzförmige Zeiger, der jeweils einen Buchstaben anzeigt, um eine Botschaft zu buchstabieren.
Die Spieler nehmen die Tafel gewöhnlich auf den Schoß und legen behutsam ihre Finger auf den herzförmigen Zeiger. Dann stellen sie eine Frage und warten die Antwort ab. Funktioniert das wirklich? Eine große Zahl von Spielern bejaht diese Frage. „Manchmal sind die Antworten verblüffend genau“, schrieb der Kolumnist George R. Plagenz. „Es ist sogar bekannt, daß die Alphabettafel Ereignisse vorhergesagt hat, die dann eingetreten sind.“
Das Spiel hat Millionen in seinen Bann gezogen. Vor einigen Jahren war es immerhin das „beliebteste Spiel in den Vereinigten Staaten — beliebter als Monopoly“.
Die Popularität nimmt zu
„Das Okkulte, das Übernatürliche und das Paranormale sind das große Geschäft“, so die Zeitschrift U.S. News & World Report, „denn Menschen aller Schichten sind bereit, den Handlesern, Hellsehern und anderen selbsternannten Sehern Spitzenhonorare zu zahlen.“
In den Vereinigten Staaten gibt es unter den etwa 600 000 Betreibern okkulter Praktiken Astrologen, Parapsychologen und Spiritisten, die bis zu 300 Dollar für einen Rat verlangen. Millionenbeträge werden auch für Zeitschriften, Bücher, Kassetten und Filme ausgegeben, die sich mit Okkultismus beschäftigen.
In Großbritannien ist die Situation nicht viel anders. Der Versandhandel mit Büchern und Gegenständen, die für okkulte Praktiken benötigt werden, blüht. Ein führender Lieferant in Großbritannien erhält „wöchentlich Hunderte von Bestellungen und hat in seiner Kartei rund 20 000 Stammkunden“.
„Vor fünf Jahren wurde die Zahl der Hexen in Großbritannien auf etwa 60 000 geschätzt“, berichtete der Londoner Guardian am 6. März 1985. „Heute ist nach Angaben einiger Hexen die Zahl auf 80 000 gestiegen.“
Die westliche Welt erfährt gemäß dem Werk World Book Encyclopedia „eine umfassende Wiederbelebung des Okkultismus“.
Viele sind vom Okkulten fasziniert. Was zeigt aber eine genaue Untersuchung? Lauern Gefahren dahinter? Und wenn ja, welche?
[Bild auf Seite 4]
Der Handel mit okkulten Gegenständen ist eine Wachstumsbranche
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Das Geheimnis hinter dem OkkultenErwachet! 1986 | 22. August
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Das Geheimnis hinter dem Okkulten
VOR 500 Jahren wurden Personen, die der Hexerei bezichtigt wurden, durch die Inquisition verfolgt. Eine päpstliche Proklamation aus dem Jahre 1484 gab den Inquisitoren auf ihrer Hexenjagd offiziell Rückendeckung. Das führte zur Herausgabe des Buches, betitelt Malleus Maleficarium (Der Hexenhammer), in dem Hexerei noch schärfer verurteilt wurde als Ketzerei. Als Folge wurden Tausende von Menschen zu Tode gebracht.
In der Neuzeit hat sich die Einstellung zu wissenschaftlich nicht erklärbaren Vorkommnissen drastisch gewandelt. Dieser Gesinnungswandel läßt sich bis in das Jahr 1848 zurückverfolgen. In jenem Jahr hörten zwei Mädchen — Margaret und Kate Fox aus dem Staat New York — in ihrem kleinen Haus ein mysteriöses Klopfen. Da sie glaubten, Wesen aus der Geisterwelt versuchten, Kontakt zu ihnen aufzunehmen, erkundigten sie sich nach einer Geheimformel, die eine Verständigung mit ihnen gestattete. Die Kommunikation kam zustande, und Botschaften folgten.
Die Nachricht wurde weit und breit bekannt, und das Interesse an paranormalen Dingen lebte erneut auf. Als eine der Folgen nahm der Spiritismus die Form einer Religion an, von der viele Menschen angelockt wurden, weil sie sich nach Kontakt mit verstorbenen Angehörigen sehnten.
Wissenschaftliche Untersuchung des Paranormalen
Paranormale Ereignisse wie die zuvor genannten zogen auch die Gründung von Gesellschaften nach sich, die sie wissenschaftlich erforschen sollten. Die Erforschung des Paranormalen ist als Parapsychologie oder als Para-Forschung bekannt.
Lange Zeit lehnte die etablierte Wissenschaft diese Art der Forschung ab. Im Jahre 1882 wurde dann aber in London die Gesellschaft für Para-Forschung gegründet. Ihr erklärtes Ziel war, „ohne Voreingenommenheit oder Vorurteile menschliche Fähigkeiten — ob Tatsache oder Verdacht —, die durch keine allgemein anerkannte Hypothese erklärt werden können, wissenschaftlich zu untersuchen“.
Die Para-Forschung hat in jüngster Vergangenheit an Ansehen gewonnen, zumal sich Wissenschaftler mit Rang und Namen der Erforschung des Paranormalen widmen. Beachtenswert ist, daß die Universität Edinburgh am 18. Mai 1985 die Berufung des amerikanischen Psychologen Dr. Robert Morris zum Professor für Parapsychologie bekanntgab. Die Zeitung Sunday Telegraph bezeichnete ihn als „Professor für Unbekanntes“. Gegen eine derartige Aufwertung der Parapsychologie wurde zwar Kritik laut, aber in der Zeitschrift New Scientist stellte man fest:
„Die Parapsychologie ist an den britischen Universitäten keineswegs etwas Neues. Die Gesellschaft für Para-Forschung — in Großbritannien auf diesem Gebiet führend — hat vor einigen Jahren ihr hundertjähriges Bestehen gefeiert und ist seit jeher fest mit den Universitäten verbunden. Ihr erster Präsident war Henry Sidgwick, Professor für Moralphilosophie an der Universität Cambridge. Unter den nachfolgenden rund 50 Präsidenten dieser Gesellschaft waren 28 Universitätsprofessoren, davon zwei Nobelpreisträger. An 8 der 44 Universitäten Großbritanniens wird gegenwärtig auf dem Gebiet der Parapsychologie geforscht.“
Es versteht sich, daß die Parapsychologie von den namhaften wissenschaftlichen Institutionen immer noch nicht mit den Naturwissenschaften auf eine Stufe gestellt wird. Nicht selten wird sogar behauptet, daß es so etwas wie paranormale Ereignisse gar nicht gebe.
Ist alles nur Täuschung?
Es trifft zu, daß einige Vorkommnisse, die auf okkulte Kräfte zurückgeführt werden, nichts anderes als Täuschung sind. In einen Fall waren die vier jungen Töchter eines Geistlichen und dessen Kindermädchen verwickelt. Eines der Mädchen wurde jeweils aus dem Zimmer hinausgeschickt. Die übrigen blieben bei den Vorführern. Man wählte einen Gegenstand aus, zum Beispiel eine Spielkarte. Danach wurde das Mädchen hereingerufen, das dann durch Gedankenübertragung den ausgewählten Gegenstand identifizieren sollte. In der Regel waren die Angaben korrekt. Als die Mädchen aber einige Jahre später von Vertretern der Gesellschaft für Para-Forschung getestet wurden, gaben zwei von ihnen zu, mittels optischer und akustischer Zeichen Betrug begangen zu haben.
In einem neueren Fall wandte der Illusionist James Randi eine List an, um zu beweisen, daß sogar erfahrene Ermittler hinters Licht geführt werden können. Er sorgte dafür, daß zwei junge Illusionisten eine Anstellung bei Dr. Peter Phillips, Leiter des Fachbereichs Physik an der Staatsuniversität von Washington, erhielten, der Experimente auf dem Gebiet der Parapsychologie durchführte. „Ich bin nach wie vor der Überzeugung, daß Mike Edwards [einer der jungen Illusionisten] einen Schlüssel, den ich in der Hand hielt, verbogen hat, ohne ihn zu berühren“, schrieb Dr. Phillips. Wie er später zugab, war er aber offensichtlich auf einen Trick hereingefallen. Die Illusionisten gaben an, ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten seien ausnahmslos auf ihre Fingerfertigkeit zurückzuführen, nicht auf paranormale Kräfte.
Es hat also ohne Zweifel Betrugsfälle gegeben. Ungeachtet dessen bestand Arthur J. Ellison in seiner Eigenschaft als Präsident der Gesellschaft für Para-Forschung im Jahre 1982 in einer Ansprache vor Mitarbeitern auf der Existenz „ausgezeichneter Beweise für Ereignisse, die nicht in das wissenschaftliche Modell für normale Ereignisse innerhalb unseres Universums passen“. Welches Geheimnis verbirgt sich dahinter?
Sind es Geisteskräfte?
Es gibt Personen, die glauben, dem menschlichen Geist würden geheime Kräfte innewohnen, die dazu herangezogen werden könnten, außergewöhnliche Taten zu vollbringen. Verfügt aber der Geist über geheime Kräfte, durch die Tische in Bewegung geraten, der Zeiger einer Alphabettafel bewegt wird oder Metallgegenstände verbogen werden? Oder gehen von ihm Kräfte aus, die ähnliche Erscheinungen hervorrufen?
In einem Artikel mit der Überschrift „Das Geheimnis hinter der Aura der Alphabettafel“ schrieb der Illusionist Henry Gordon: „Eine unsichtbare Kraft ist zwar am Werk, aber nichts daran ist paranormal.“
„In der Psychologie kennt man dafür den Begriff Automatismus“, erklärte H. Gordon. „Unter Automatismus versteht man ein Handeln oder eine Muskelbewegung zufolge eines unbewußten Gedankens ... Dieser psychologische Prozeß liegt vielen anderen sogenannten parapsychologischen Phänomenen zugrunde.“
Das ist die Erklärung, die man allgemein findet. Es gibt zum Beispiel Meister asiatischer Kampfsportarten, die sich der, wie sie sagen, Ki-Kraft bedienen können. „Lerne es, deinen ‚Ki‘ oder Geist in Fluß zu bringen, indem du dich auf den einen Punkt [Unterleib] konzentrierst und deinen Arm ausstreckst“, lautet die Anweisung in Black Belt, einer Fachzeitschrift für asiatische Kampfsportarten. „Stell dir vor, das Wasser oder die Kraft fließe von dem einen Punkt durch deinen Arm und deine Finger aus.“
„Die Schüler [werden] ihren Lehrer nie übertreffen“, heißt es in Black Belt, „solange dieser seinen ‚Ki‘ weiter schult. Der Begründer des Aikido [asiatische Kampfsportart], Meister Morihei Uyeshiba, ist über 80 Jahre alt, aber er ist immer noch unbesiegbar: Er vermag 20 starke Männer gleichzeitig zu überwältigen. Mit dem Alter wird er immer noch stärker. ... Man muß den ‚Ki‘ als einen Zusatz zu den fünf Sinnen anerkennen.“
Gehen solch außergewöhnliche Kräfte wirklich vom menschlichen Geist aus? Kann der Mensch durch sie Leistungen vollbringen, die sich einer wissenschaftlichen Erklärung entziehen?
Man betrachte die poltergeistartigen Vorgänge im englischen Enfield (London), denen man im Auftrag der Gesellschaft für Para-Forschung auf die Spur kommen wollte. Im Hinblick auf derartige Vorgänge erklärte Brian Inglis, Autor einiger Bücher über das Paranormale, folgendes: „Das geheimnisvolle Klopfen, das Bewegen von Möbeln und das Zerbrechen von Gegenständen hält oft wochenlang an. Das gestattet es den Forschern, die Räumlichkeiten gewissermaßen in ein Labor zu verwandeln und eine Vielzahl verschiedener empfindlicher Aufzeichnungsgeräte zu verwenden.“
Im Enfield-Fall ließ sich die betreffende Person bereitwillig untersuchen. Wie die beiden Forscher sagten, war das Scheinwesen indes zu keiner Zusammenarbeit bereit. „Es machte ihm wahrscheinlich Freude, die Anstrengungen der Beobachter zu vereiteln“, schrieb B. Inglis. „Bandaufzeichnungsgeräte wurden zum Beispiel bei der Aufnahme gestört, oder es traten Defekte auf, die für die Hersteller völlig neu waren.“
Solche Vorkommnisse lassen deutlich erkennen, daß Kräfte jenseits des menschlichen Geistes im Spiel sind. Warum vereitelten die Kräfte, wenn sie vom menschlichen Geist ausgingen, die Ermittlungen der Beobachter und setzten die Aufzeichnungsgeräte außer Betrieb, da sich die betreffende Person doch bereitwillig untersuchen ließ?
Man muß anerkennen, daß der menschliche Geist ein Wunder der Schöpfung ist, über das noch sehr viel zu lernen ist. Doch der Geist des Menschen kann weder Gegenstände schlagen, anheben oder bewegen, noch kann er Kenntnisse auf anderem Weg als über die normale Sinneswahrnehmung erlangen.
Nach den Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung zu urteilen, gibt es das Phänomen der außersinnlichen Wahrnehmung in den verschiedenen Formen tatsächlich, wenn auch über seinen Ursprung Unklarheit herrscht. Für Wissenschaftler bleibt das Geheimnis ungelüftet.
Kann man dennoch hinter das Geheimnis kommen?
[Bild auf Seite 6]
Gehen vom menschlichen Geist Kräfte aus, die den Zeiger einer Alphabettafel bewegen?
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Das Geheimnis lüftenErwachet! 1986 | 22. August
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Das Geheimnis lüften
ÜBERNATÜRLICHE Kräfte haben — und das ist gut belegt — Menschen zu außergewöhnlichen Leistungen befähigt. Brian Inglis bemerkte: „Paranormale Phänomene sind heute der formellen Anerkennung näher als im Mittelalter, wo man sie für ebenso natürlich hielt wie die Naturkräfte, wenn auch für weniger vorhersagbar.“
Woher kommen diese außergewöhnlichen Kräfte? Seit Jahrtausenden glaubt der überwiegende Teil der Menschheit, daß die Seelen Verstorbener in einer Geisterwelt weiterleben. Und allgemein meint man, daß diese Geister der Toten für paranormale Phänomene verantwortlich seien. Sind sie es aber wirklich?
Sind die Toten die Verursacher?
Wenn die Toten ohne Bewußtsein sind — wirklich tot —, dann können die mysteriösen Kräfte hinter dem Okkulten unmöglich von ihnen stammen. In welchem Zustand befinden sich denn die Toten?
Die Erschaffung des Menschen wird in der Bibel wie folgt beschrieben: „So wurde der Mensch eine lebende Seele“ (1. Mose 2:7, Elberfelder Bibel). Beachtenswert ist, daß in diesem Text der geringste Anhaltspunkt dafür fehlt, daß dem Menschen eine Seele als Teil seines Wesens gegeben wurde. Die Seele ist dagegen eindeutig der Mensch an sich. Was geschieht somit, wenn der Mensch stirbt?
Bezug nehmend auf Jesus Christus, sagt eine Prophezeiung der Bibel, „daß er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod“ (Jesaja 53:12, EB). Und hinsichtlich der Menschheit im allgemeinen versichert die Heilige Schrift: „Die Seele, welche sündigt, die soll sterben“ (Hesekiel 18:4, 20, Allioli-Bibel). Alle Menschenseelen sterben, da alle die Sünde von Adam, dem ersten Menschen, ererbt haben, der durch seinen Ungehorsam gegenüber Gott ein Sünder wurde. Ferner heißt es in der Bibel: „Denn der Sold der Sünde ist der Tod“ (Römer 5:12; 6:23, Al). Beim Tod stirbt somit die Seele, der mit einem Verstand ausgestattete Mensch.a
Ist es demgemäß Toten möglich, mit Lebenden in Verbindung zu treten? Die Bibel sagt: „Entflieht sein Odem, kehrt er zur Erde zurück, so sind zur selben Zeit seine Pläne dahin.“ An anderer Stelle heißt es: „Nicht die Toten loben den Herrn, keiner von allen, die zum Ort des Schweigens hinabgestiegen“ (Psalm 146:4; 115:17, Pattloch-Bibel).
Da ein Toter Gott nicht loben kann, weil „seine Pläne dahin“ sind, kann er gewiß nicht mit Lebenden in Verbindung treten noch irgendwelche paranormalen Phänomene verursachen. Wer verursacht sie dann?
Das Geheimnis gelüftet
Menschliche Wesen sind nicht die höchste Lebensform. Aus der Bibel geht hervor, daß Gott lange vor der Erschaffung des ersten Mannes und der ersten Frau eine Vielzahl von Geistsöhnen, unsichtbaren Engeln, erschuf (Hiob 38:4, 7). Einer dieser Engel widersetzte sich später Gott und verleumdete ihn sogar. Dadurch machte er sich zum Satan (Widersacher) und zum Teufel (Verleumder). Mit der Zeit schlossen sich weitere Geistgeschöpfe der Rebellion an, wodurch eine Organisation rebellischer Engel oder Dämonen entstand. Sind diese Dämonen für die paranormalen Phänomene des Okkultismus verantwortlich?
So ist es! In den Tagen vor der Sintflut konnten sich diese „Söhne des wahren Gottes“ materialisieren, das heißt Fleischesleiber annehmen und auf der Erde leben (1. Mose 6:1, 2; Judas 6). Als sie aber in den geistigen Bereich zurückkehrten, war ihr Kontakt mit den Menschen auf paranormale Phänomene beschränkt. Und diese hat es auch zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte zur Genüge gegeben.
Dämonen treten vor allem mit Hinterbliebenen in Verbindung, um sie glauben zu machen, ihre verstorbenen Angehörigen oder Freunde lebten irgendwo in der Geisterwelt weiter. Jemanden nachzuahmen ist für die Dämonen kein Problem, da sie in der Lage sind, ihn zu seinen Lebzeiten gut zu beobachten. Demzufolge können charakteristische Merkmale einer Person wie der Klang der Stimme und die Ausdrucksweise exakt imitiert werden.
Wie steht es aber mit den loyalen Engeln? Treten diese heute mit den Menschen in Verbindung? Es stimmt, daß Gott früher Engel beauftragte, mit Menschen zu sprechen. Heute steht uns dagegen die vollständige Bibel als direkte und hinreichende Mitteilung Gottes zur Verfügung (2. Timotheus 3:16, 17). In der Bibel verbietet Gott ausdrücklich, mit Geistern Verbindung aufzunehmen.
Durch den Propheten Jesaja teilt uns Gott folgendes mit: „Die Leute werden euch auffordern: ‚Befragt doch die Geister der Verstorbenen, die Wahrsagegeister, die euch flüsternd und murmelnd Auskunft geben! Ein Volk kann sich doch Rat holen bei seinen Ahnengeistern, die Lebenden können sich doch von den Toten helfen lassen!‘ Haltet euch an die Weisungen des Herrn und an meine Warnungen! Das ist die einzig gültige Antwort. Gegen Gottes Ankündigungen richten Beschwörungen nichts aus!“ (Jesaja 8:19, 20, Die Bibel in heutigem Deutsch).
Das erklärt, warum Gott das Volk Israel ausführlich anwies, sich von okkulten Praktiken fernzuhalten. Bevor die Israeliten das Verheißene Land betraten, warnte er sie davor, sich in die „abscheulichen Bräuche“ der Kanaaniter verstricken zu lassen (3. Mose 18:3, 30). Näheres über diese Bräuche wird in 5. Mose 18:10, 11 aufgeführt. Dazu zählt, sich mit Wahrsagerei zu beschäftigen, Magie zu treiben, nach Omen Ausschau zu halten, Zauberei auszuüben, andere mit einem Bannspruch zu binden oder Geistermedien, berufsmäßige Vorhersager von Ereignissen oder die Toten zu befragen.
Hüte dich vor dem Okkulten!
Auf den ersten Blick könnte jemand diese „abscheulichen Bräuche“ für harmlos halten. Aber es lauert Gefahr! Inwiefern? Insofern, als diese Praktiken dazu führen können, daß jemand unter den Einfluß der Dämonen gerät. Davon zeugte die Entartung der Kanaaniter und ihre Besessenheit auf Sex und Gewalt.
Heute ist ebenso ein Interesse am Paranormalen zu erkennen. Es könnte der geeignete Köder sein, mit dem dämonische Mächte jemand einfangen. Nach Berichten über Sex und Gewalt, die mit okkulten Praktiken einhergehen, braucht man derzeit nicht lange zu suchen. Es ist daher im eigenen Interesse, diese Warnung zu beachten.
Das Gebot, das Gott dem Volk Israel gab, unterstreicht einen noch wichtigeren Grund, weshalb man sich von Okkultem fernhalten sollte. „Denn jeder, der diese Dinge tut, ist für Jehova etwas Verabscheuungswürdiges“ (5. Mose 18:12). Die inspirierten christlichen Bibelschreiber stimmen mit dieser grundlegenden Wahrheit überein. Der Apostel Paulus führt zum Beispiel „Ausübung von Spiritismus“ als eines der „Werke des [der Sünde unterworfenen] Fleisches“ an (Galater 5:19, 20). Und gemäß dem, was der Apostel Johannes als Warnung Gottes niederschrieb, wird der Teil derer, „die Spiritismus ausüben, ... in dem See sein, der mit Feuer und Schwefel brennt. Das bedeutet den zweiten Tod“ (Offenbarung 21:8).
Manch einer denkt vielleicht, es habe keine Folgen, mit so etwas Harmlosem wie einer Alphabettafel zu spielen. Mehrere englische Busfahrer, die in ihren Pausen mit einer solchen Tafel spielten, stellten fest, daß sich ihre Einstellung änderte. Einige wurden ungewöhnlich aggressiv. Ihre Aggressivität übertrug sich sogar auf ihr Fahrverhalten. Sie berichteten, einen starken Drang zu verspüren, ihr Fahrzeug ohne ersichtlichen Grund in den Gegenverkehr zu steuern.
Ein anderer Fall handelt von einer jungen Frau, die eine Alphabettafel ausprobierte und daraufhin vergangenheitsbesessen wurde. Sie glaubte, in einen Mann verliebt zu sein, der vor 300 Jahren gelebt hatte. Unaufhörlich versuchte sie, Kontakt zu ihm aufzunehmen. Ihre Wahnvorstellung trieb sie schließlich zum Selbstmord. Sie warf sich vor einen Zug. Bei der polizeilichen Untersuchung des Falls wurden in ihren Tagebüchern Aufzeichnungen gefunden, die darauf schließen ließen, daß sie sterben wollte, um ihrem Geliebten im Tod nahe zu sein.
Selbst wer von sich denkt, das Okkulte übe auf ihn keinen übermäßigen Reiz aus, muß auf der Hut sein und den biblischen Rat beachten: „Bleibt besonnen, seid wachsam.“ Nicht übersehen werden darf, wer hinter dem Okkulten steht. „Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht jemand zu verschlingen“ (1. Petrus 5:8). Laß nicht zu, daß du selbst dieser „Jemand“ bist!
Daß der Teufel und seine Dämonen wirklich existieren und allen Ernstes jemandes Leben beeinflussen können, wird in dem folgenden Artikel geschildert.
[Fußnote]
a Das Thema wird in dem Buch Ist mit dem jetzigen Leben alles vorbei?, das auf Seite 31 dieser Zeitschrift angeboten wird, eingehend behandelt.
[Herausgestellter Text auf Seite 10]
Sie glaubte, in einen Mann verliebt zu sein, der vor 300 Jahren gelebt hatte
[Bild auf Seite 9]
Nehmen sie mit Toten Verbindung auf?
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