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  • Eine Ölpest? Hier? Nie!
    Erwachet! 1989 | 22. September
    • Eine Ölpest? Hier? Nie!

      „EINE Ölpest im Prince-William-Sund? Nie! Das wird nie geschehen. Die Fahrrinne ist sehr breit und tief. Es gibt keine Navigationsschwierigkeiten.“

      So hatte man die Öffentlichkeit glauben gemacht. Unglücklicherweise war am Freitag, dem 24. März, vier Minuten nach Mitternacht die Exxon Valdez, ein Supertanker, der 200 Millionen Liter Rohöl geladen hatte, zwei Kilometer vom Kurs abgewichen, auf die zerklüfteten Felsen des Bligh-Riffs aufgelaufen und hatte sich klaffende Löcher in den Rumpf gerissen. Über 40 Millionen Liter Rohöl ergossen sich gerade unterhalb von Valdez (Alaska) in die unverdorbenen Wasser des malerischen Prince-William-Sunds.

      Zur Zeit der Katastrophe hatte ein Dritter Offizier ohne behördliche Berechtigung das Kommando, und die Küstenwacht, die den Kurs der Exxon Valdez auf dem Radar hätte verfolgen sollen, war dazu nicht in der Lage. Als es zur Havarie kam, konnte weder Exxon noch die Alyeska Pipeline Service Company ihre Katastrophenpläne in die Tat umsetzen.

      Man beorderte Tiefseetaucher, die den Schaden an der havarierten Exxon Valdez untersuchen sollten. Einer von ihnen berichtete:

      „Auf der Fahrt zum Tanker war schon eine mehrere Zentimeter dicke Ölschicht auf dem Meer zu sehen. Noch nicht einmal im Kielwasser unseres Bootes konnte man Wasser erkennen. Auf dem Supertanker angekommen, galt unsere erste Sorge der Sicherheit. War er in einer stabilen Lage, oder würde er über uns rollen? Er saß auf dem Bligh-Riff in der Nähe einer Kante, an der es Hunderte von Metern hinunterging. Hätte er sich bei Flut bewegt, wäre er bis auf den Grund gesunken, wobei er hätte aufbrechen können, so daß die restlichen 160 Millionen Liter Öl ausgetreten wären.

      Wir inspizierten fast jede Handbreit des Schiffs: die Außenhaut, das Innere der Tanks und das Rahmenwerk. Die ganze Zeit floß Öl aus. Es verband sich nicht mit dem Wasser, sondern strömte sehr schnell zur Oberfläche. In den Tanks wirbelten unsere Luftblasen Ölreste auf, die dann vor unseren Tauchmasken schwammen. Wir waren nicht gekommen, um zu reparieren, sondern nur, um den Schaden festzustellen.“

      Alyeska hatte versichert, innerhalb von fünf Stunden mit Ölsperren und Ölabscheidern am Unglücksort zu sein. Doch in den ersten zehn Stunden tat sich nichts und in den nächsten drei Tagen nur sehr wenig. Vorbei waren die drei ruhigen Tage, an denen Ölwehren und Abscheider den Schaden hätten begrenzen können. Am Montag fegten Winde mit über 100 Stundenkilometern über den Prince-William-Sund und schlugen Öl und Wasser zu einem schaumigen Gemisch, Mousse genannt.

      Jeder schob die Schuld einem anderen in die Schuhe. Die Behörden, die Einwohner von Valdez und die Küstenwacht beschuldigten Alyeska und Exxon, die ersten drei Tage, an denen gutes Wetter herrschte, vertrödelt zu haben. Einige warfen der Küstenwacht vor, sie hätte aus Kostengründen „ihren Radar in Valdez gegen einen schwächeren ausgetauscht, mit dem man nicht in der Lage war, den Unglückstanker davor zu warnen, daß er auf ein Riff zusteuerte“. Exxon hielt dem Staat und der Küstenwacht vor, man habe keine Erlaubnis zum Einsatz von Dispergatoren gegeben, die den Ölschlick hätten zerstäuben können.

      In zwei Monaten legte der Ölschlick 800 Kilometer zurück, wurde an etwa 1 500 Kilometer Küstenlinie gespült und bedeckte ungefähr 3 000 Quadratkilometer des wunderschönen Prince-William-Sunds. Er kam erst zum Halt, nachdem er Kenai Fjords National Park passiert, die Spitze der Halbinsel Kenai umrundet hatte und in den Cook Inlet eingedrungen war. Er drang auch weiter südlich vor und verschmutzte den Katmai National Park und die Insel Kodiak.

      Tausende wurden angestellt, die Strände zu reinigen. Einer von ihnen beschrieb bei einem Interview die Methoden und die Ergebnisse:

      „Die Leute fingen um 4.30 Uhr morgens an und arbeiteten bis 10 Uhr abends. Sie benutzten Hochdruckpumpen, die teilweise mit kaltem Meerwasser und teilweise mit einem Gemisch aus Meerwasser und heißem Dampf betrieben wurden. Der starke Strahl wurde auf den Kiesstrand gerichtet, so daß das Öl aus einem halben bis einem Meter Tiefe an die Oberfläche kam, von wo aus der Strahl es ins Meer beförderte. Dort wurde es von Ölsperren festgehalten, bis Ölabscheider kamen und es wegsaugten. Von einem 200 Meter breiten Strandabschnitt erhielt man am Tag zwischen 30 000 und 60 000 Liter.

      Zwei Wochen lang wurde das immer und immer wieder gemacht, jedesmal mit dem gleichen Ergebnis. Dann setzte man auch Leute ein, die am Strand saßen und mit saugendem Material jeden Stein einzeln abwischten. Der Strand sah sauber aus, doch wenn man mit der Hand zwischen den Steinen zehn Zentimeter in den Sand fuhr, war sie mit diesem schwarzen Zeug beschmiert. Und das nach zwei Wochen Reinigen! Kam man nach drei Tagen zurück, war schon wieder ein bis zwei Handbreit Öl hochgekommen. Die nächste Flut spülte es ins Meer zurück.“

      Eine unnütze Arbeit? Vielleicht, aber sie wurde gut bezahlt. Ein Arbeiter verdiente 250 Dollar am Tag. Er sagte: „Ich glaube, ich kann damit leicht 10 000 Dollar machen.“ Ein anderer verdiente bei 12 Stunden täglich in einer 7-Tage-Woche fast 2 000 Dollar. „Wir haben heute zwei Strände saubergemacht“, berichtete er, „doch morgen, wenn die Flut da war, werden sie garantiert wieder genauso aussehen.“ Einige Strände im Prince-William-Sund sind unter einem Meter Ölschlamm begraben.

      Womit hätte denn die Katastrophe abgewendet werden können, nachdem die Exxon Valdez sich den Rumpf aufgeschlitzt hatte und über 40 Millionen Liter Öl in den Sund geflossen waren? Ein sofortiger Einsatz von Ölsperren und Abscheidern in den ersten drei Tagen, an denen die See noch ruhig war, hätte das Öl vielleicht genügend zusammenhalten können, so daß es im Sund geblieben und nicht in den Golf von Alaska gelangt wäre.

      Hätten Dispergatoren geholfen? Anscheinend nicht. Dispergatoren sind in ruhigem Wasser wirkungslos; die See muß bewegt sein, damit sich die Chemikalien verteilen und vermischen können, um so ihre Arbeit zu tun. An den ersten drei Tagen, die verhältnismäßig ruhig waren, hätten sie nichts bewirkt, und als sie am vierten Tag bei sturmgepeitschter See hätten eingesetzt werden können, zwangen die tosenden Winde die Sprühflugzeuge, am Boden zu bleiben. Außerdem sind diese Mittel sowieso umstritten. In einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (5. 4. 89) hieß es:

      „Heftige Vorbehalte gibt es auch gegen die chemische Bekämpfung mit sogenannten Dispergatoren. Diese Substanzen, die aus Detergentien und organischen Lösungsmitteln bestehen, sollen das Öl im Wasser fein verteilen, um die Voraussetzungen für den biologischen Abbau zu verbessern. Dadurch gerät das Öl aber auch in tiefere Wasserschichten — und kann überall seine toxische Wirkung entfalten.“ Obendrein arbeiten diese Mittel in kaltem Wasser schlecht. Sie könnten, wie einige meinen, „kaum etwas gegen das Rohöl der Prudhoe-Bucht ausrichten“ und wären „fast wirkungslos, wenn sie nicht noch am gleichen Tag nach dem Austreten des Öls“ eingesetzt würden.

      Darüber hinaus sind die Dispergatoren selbst sehr giftig. Man sagt, diejenigen, die 1967 bei der Tankerkatastrophe der Torrey Canyon an der französischen Küste eingesetzt worden seien, hätten mehr Vergiftungen verursacht als das Öl. „Das pflanzliche und tierische Leben wurde ausgelöscht.“

      Pete Wuerpel, in Alaska verantwortlich für die Kommunikationsverbindungen bei Notfällen, bestätigt die Aussage des zuvor erwähnten Strandarbeiters: „Das Öl wird nicht stillstehen. Es wird nicht verschwinden. Selbst das Öl an den Stränden wird durch Wellen und Gezeiten wieder woandershin gespült. Es ist eine Langzeitkatastrophe. Die Küste zu reinigen ist ein schwindelerregendes Unterfangen, wenn man bedenkt, wie tief das Öl eingedrungen ist. Man reinigt vielleicht die Oberfläche, doch Wellen und Gezeiten bringen das darunter befindliche Öl wieder hoch. An welchem Punkt gesteht man sich die Unwirksamkeit menschlicher Anstrengungen ein?“

      Wuerpel kommt zu dem Schluß, daß die Technik des Menschen einer großen Ölkatastrophe nicht gewachsen ist. Er sagt, an diesem Punkt müsse man die Arbeit der Natur überlassen. Andere stimmen dem zu. Die Meeresbiologin Karen Coburn erklärt: „Tatsache ist, daß wir bei einer großen Ölkatastrophe selbst unter den besten Bedingungen nicht mehr als 10 Prozent des Öls wieder aufnehmen könnten.“ In einem Bericht heißt es, gestützt auf die Aussage von Experten für Ölunfälle: „Die Natur könnte ein Jahrzehnt und länger brauchen, um die letzten Spuren des größten Öldesasters Nordamerikas aus den Wassern des urzeitlichen Prince-William-Sunds zu beseitigen.“

      Zwei Wochen nach dem Unfall brachte die Anchorage Daily News die Schlagzeile: „Reinigungsaktion ist eine verlorene Schlacht. Kleine Siege für die Mannschaften, doch Experten sagen, eine echte Wiederherstellung bleibe der Natur überlassen.“ Darunter hieß es: „Die Leute von der Luft- und Meeresbehörde haben schon die ganze Zeit gesagt, der Kampf sei nicht zu gewinnen.“ Sie haben jeden größeren Ölunfall in den letzten Jahren beobachtet, einschließlich der 250-Millionen-Liter-Katastrophe des Supertankers Amoco Cadiz an der französischen Küste 1978. Ihr Urteil: „In keinem Fall konnten die Menschen auch nur annähernd das Öl wieder entfernen.“

      [Kasten auf Seite 6, 7]

      Supertanker — Superverschmutzer

      Stell dir ein Schiff vor, das so lang ist wie ein 100stöckiges Gebäude hoch. Ein Schiff, dessen Bug sich vielleicht 400 Meter vor dem Steuermann seinen Weg durch die Wellen bahnt. Ein Fahrzeug, so riesig, daß man sich schon gefragt hat, ob es durch die Erdrotation beeinflußt wird. Das ist der Supertanker, ein gigantischer Rohöltransporter. Und es ist keine Einbildung. Solche und ähnlich riesige Fahrzeuge verkehren in großer Zahl auf den Weltmeeren. Warum? Nun, wir leben in einer ölhungrigen Welt. Tanker haben sich aufgrund ihrer Größe als ökonomische und gewinnbringende Transportmittel für dieses Öl erwiesen.

      Doch wie die jüngsten Ereignisse schmerzlich verdeutlichten, haben riesige Tanker auch Nachteile. Ihre große Stärke ist gleichzeitig ihre Schwäche. Die beeindruckende Größe und Masse kann gegen sie arbeiten, da es bekanntlich sehr schwierig ist, sie zu manövrieren. Will der Steuermann das Schiff stoppen oder ein schnelles Ausweichmanöver fahren, bekommt er das Trägheitsgesetz voll zu spüren.

      Wenn beispielsweise bei einem vollbeladenen 250 bis 300 Meter langen Tanker, der mit normaler Geschwindigkeit fährt (die etwa 300 Meter lange Exxon Valdez mit 200 Millionen Liter Öl an Bord fährt normalerweise mit 19 Kilometern in der Stunde), die Maschinen gestoppt werden, kommt er nicht gleich zum Stillstand, sondern erst nach ca. acht Kilometern. Läßt man die Maschinen rückwärts laufen, sind es immer noch drei Kilometer. Auch Anker würden nichts helfen. Sie würden sich am Meeresgrund festhaken und dann einfach durch den Schwung des Tankers vom Deck abgerissen werden. Einen Tanker zu dirigieren ist ebenfalls eine beängstigende Herausforderung. Das Ruderblatt benötigt vielleicht eine halbe Minute, um dem Steuerrad zu folgen. Und dann dauert es noch drei quälende Minuten, bis der Tanker das Manöver schwerfällig ausgeführt hat.

      Bei Tankern, auf denen sich das Steuerrad möglicherweise 300 Meter hinter dem Bug, 45 Meter von der entfernteren Bordseite und 30 Meter über dem Wasser befindet, verwundert es nicht, daß es zu Unfällen kommt. Und nach einem Unfall, ob nun durch Auflaufen oder durch Zusammenstoß, kann sich ein Ölteppich ausbreiten. Traurigerweise sind die einst unverdorbenen Küsten Afrikas, Asiens, Europas sowie Nord- und Südamerikas wie auch die der Polargebiete verdorben worden.

      Doch die Tanker verschmutzen die Ozeane nicht nur bei katastrophalen Unfällen. Jährlich werden von den Tankern etwa zwei Millionen Tonnen Öl ins Meer abgelassen. Wie frühere Studien ergeben haben, geht das meiste Öl bei Routinearbeiten über Bord, z. B. wenn Ölrückstände aus leeren Tanks auf hoher See bedenkenlos ins Meer gespült werden. Noël Mostert schreibt in seinem Buch Supertanker: „Selbst wenn die Schiffsführung keine Sorgfalt vermissen läßt, gerät aus jedem Tanker eine gewisse Menge Öl auf die eine oder andere Weise ins Meer; schlecht geführte Schiffe verschmutzen die See pausenlos, und ihre Bahn läßt sich häufig wie der Kriechpfad einer Gartenschnecke an der schillernden Ölspur verfolgen.“

      Der Meeresforscher Jacques Cousteau kommentierte einmal drastisch die Anschläge, die der Mensch auf die Umwelt unternimmt: „Wir sind die Vandalen der Erde. Wir zerstören alles, was wir ererbt haben.“

      [Bild auf Seite 7]

      Strände, die an einem Tag gereinigt wurden, waren am nächsten Tag wieder mit Öl bedeckt

      [Bildnachweis auf Seite 2]

      Mike Mathers/Fairbanks Daily News-miner

      [Bildnachweis auf Seite 5]

      Foto Titelseite: The Picture Group, Inc./Al Grillo

  • Die Ölpest und die Tierwelt
    Erwachet! 1989 | 22. September
    • Die Ölpest und die Tierwelt

      DIE Ölpest forderte in den ersten Monaten einen hohen Tribut unter der Tierwelt. In der New York Times war in einem Korrespondentenbericht aus Alaska zu lesen: „Die Schäden sind offensichtlich — von den Inseln in der Nähe von Valdez, wo Tausende von Robben auf verseuchten Stränden ihre Jungen gebären, bis zu dem entfernten Katmai National Park auf der Alaska-Halbinsel, 500 Kilometer südwestlich von hier, in dem Weißkopf-Seeadler, Braunbären und Seelöwen mit einer vergifteten Umgebung kämpfen. Der ökologische Tribut, den der Unfall fordert, schließt bis jetzt mehr als 20 000 Vögel 30 verschiedener Arten ein, 700 Seeotter und 20 Weißkopf-Seeadler.“ Gemäß den mit der Zählung beschäftigten Biologen mögen die wirklichen Zahlen fünfmal so hoch sein. Die meisten Opfer werden nie gefunden.

      Der Katmai National Park beherbergt die größte Braunbärpopulation der Welt. Die Behörden sorgen sich um die riesigen Tiere, von denen einige drei Meter groß sind und 540 Kilo wiegen. Sie streifen an den Stränden umher und fressen ölverschmutzte Fische und Vögel. „Was passiert mit den Tieren, wenn das Öl in ihre Nahrungskette gelangt?“ fragt man sich. Adler, die die toten Fische und Vögel fressen, sterben. Man rechnet damit, daß die Bären zugrunde gehen, „wenn sich das giftige Öl in ihrem Körper angereichert hat“.

      Die gleichen Befürchtungen hegt man im Kenai Fjords National Park, wo 90 Prozent der etwa 400 Kilometer langen Ostküste vom Öl heimgesucht wurden. Ein Biologe, der im Auftrag der Regierung dort tätig ist, sagte: „Selbst jetzt noch finde ich tote Seeotter am Strand, und Weißkopf-Seeadler fressen davon. Also finde ich auch Adler. Hier stehe ich als Wissenschaftler mit Doktortitel und fange an zu heulen, wenn ich sehe, wie diese ölverschmierten Vögel versuchen zu starten.“

      Hunderte mögen weinen, und Tausenden ist zum Weinen zumute — Menschen, die Vögel und Otter sorgfältig vom Öl befreit haben, nur um zu sehen, daß viele dann doch sterben. Es ist eine herzzerreißende Arbeit für diejenigen, die sich um den Schutz der wildlebenden Tiere sorgen.

      Die Zahl der Seeotter im Prince-William-Sund hat man auf 10 000 bis 15 000 geschätzt. Ein Biologe befürchtet, daß sie vor der völligen Ausrottung stehen. Ein anderer erklärte, sie würden „vollständig verschwinden“. Diese Schätzungen mögen zu pessimistisch sein, doch andere meinen, ein Verlust von einem Drittel sei schlimm genug. In Gegenden, die nicht von der Ölpest betroffen sind, gibt es eine Menge Otter, aber in den ölverschmutzten Gebieten sieht man kaum welche. In Wirklichkeit weiß niemand, wie viele verendet sind. Wenn Seeotter bei einer Ölpest sterben, sinken sie auf den Grund. Daher kann man sie nicht zählen, sondern nur aus der abnehmenden Zahl der gesichteten Otter Rückschlüsse ziehen.

      Den meisten Menschen geht der Öltod von Tausenden Vögeln und anderen Tieren nahe, aber selten denkt man an die kleinen und kleinsten Opfer, deren Zahl in die Millionen, ja in die Billionen geht. Auch sie sind wichtig und werden von ihrem Schöpfer nicht vergessen. „Wie viele sind deiner Werke, o Jehova! Sie alle hast du in Weisheit gemacht. Die Erde ist voll deiner Erzeugnisse. Was dieses Meer betrifft, so groß und weit, dort gibt es sich Regendes ohne Zahl, lebende Geschöpfe, kleine wie auch große“ (Psalm 104:24, 25).

      Der Ölschlamm, der sich auf dem Wasser ausgebreitet hat, sinkt schließlich auf den Grund. Dort vergiftet er Mikroorganismen — das Zooplankton —, die am Anfang der Nahrungskette einer großen Vielfalt von Tieren stehen. So gelangen die giftigen Chemikalien in der Nahrungskette immer weiter, bis sie letztendlich auch den Menschen erreichen.

      Der Mensch steht nicht über allem. Er ist ein Teil davon, und er hat eine Verantwortung diesbezüglich. Es ist eine Verantwortung, die ihm Gott, sein Schöpfer, übertragen hat. „Ich setze euch über die Fische, die Vögel und alle anderen Tiere und vertraue sie eurer Fürsorge an“, sagte Jehova dem ersten Menschen. Der Mensch war im Bilde Gottes erschaffen worden, mit dessen Eigenschaften Weisheit, Macht, Gerechtigkeit und Liebe. Diese Eigenschaften rüsteten den Menschen aus, liebevoll über die Erde sowie über die Pflanzen und die Tiere zu herrschen. Die Erde und alles, was zu ihr gehört, wurde seiner Fürsorge anvertraut. Er sollte sie schützen und sie pflegen, nicht ausbeuten und ruinieren (1. Mose 1:26-28; 2:15, Die Bibel in heutigem Deutsch). Jehova Gott ist um seine Schöpfung besorgt. Sind wir es auch? Wir sollten es, denn er erklärt, er werde „die ... verderben, die die Erde verderben“ (Offenbarung 11:18).

      [Kasten/Bild auf Seite 10]

      Gott sorgt für die Tiere

      Gott ist um sie besorgt:

      „Kein einziger von ihnen [den Sperlingen] wird ohne eures Vaters Wissen zur Erde fallen“ (Matthäus 10:29).

      Er verlangt Rücksichtnahme:

      „Sechs Tage wirst du deine Arbeit tun; aber am siebten Tag wirst du davon ablassen, damit dein Stier und dein Esel ruhen [können]“ (2. Mose 23:12).

      „Du sollst einem Stier, während er drischt, das Maul nicht verbinden“ (5. Mose 25:4).

      „Du sollst nicht mit einem Stier und einem Esel zusammen pflügen“ (5. Mose 22:10).

      „Solltest du den Esel jemandes, der dich haßt, unter seiner Last daliegen sehen, ... sollst [du] ihn unbedingt ... losmachen“ (2. Mose 23:5).

      „Wer von euch, dessen ... Stier in einen Brunnen fällt, wird ihn am Sabbattag nicht sogleich herausziehen?“ (Lukas 14:5).

      Er sorgt für das Überleben der Arten:

      „Falls sich ein Vogelnest vor dir auf dem Weg befinden sollte, ... sollst du nicht die Mutter samt den Jungen nehmen“ (5. Mose 22:6).

      Er sorgt für Nahrung:

      „Der Sabbatertrag des Landes soll euch zur Speise dienen ... und dem wildlebenden Tier, das in deinem Land ist“ (3. Mose 25:6, 7).

      „Du öffnest deine Hand — sie werden mit guten Dingen gesättigt“ (Psalm 104:28).

      ‘Beobachtet aufmerksam die Vögel des Himmels; euer himmlischer Vater ernährt sie’ (Matthäus 6:26).

      Er sorgt für die nötige Weisheit zum Überleben:

      ‘Sie sind instinktiv weise: Im Sommer bereiten sie ihre Nahrung’ (Sprüche 30:24, 25).

      Er verlangt, daß wir angemessenen Respekt zeigen:

      „Du sollst ein Böckchen nicht in der Milch seiner Mutter kochen“ (2. Mose 23:19).

      [Bildnachweis]

      Anchorage Times photo/Al Grillo

      [Bilder auf Seite 8, 9]

      Ganz links: Drei Tage altes Seehundjunges

      Links: Gelbschnabel-Eistaucher

      [Bildnachweis]

      Anchorage Times photo/Al Grillo

      Unten: Seelöwen

      Prince-William-Sund

  • Die Ölpest — Ihre Auswirkung auf die Menschen
    Erwachet! 1989 | 22. September
    • Die Ölpest — Ihre Auswirkung auf die Menschen

      IN Valdez hat es seit der Ölkatastrophe am 24. März 1989 eine Bevölkerungsexplosion gegeben. Die Stadt ist von 2 800 Einwohnern auf über 10 000 angewachsen. Exxon hat Tausende für gutes Geld angeheuert, um die Umweltschäden der Ölpest zu beseitigen. Der gewaltige Zustrom hat soziale und wirtschaftliche Probleme heraufbeschworen, mit denen die ursprünglichen Einwohner dieser ehemals ruhigen Kleinstadt nicht so leicht fertig werden.

      Der bereits erwähnte Experte Pete Wuerpel hob in einem Interview hervor, welche Veränderungen diese erdrückende Flut von Menschen, die nach hochbezahlter Arbeit suchen, mit sich gebracht hat:

      „Die Langzeitwirkung auf Valdez ist vielleicht ernsthafter, als man es jetzt abschätzen kann. Die gewaltige Menschenwoge hat die Einrichtungen der Stadt überfordert. In den sieben Wochen nach dem Unfall hat die Telefongesellschaft die Zahl ihrer Fernleitungen von 60 auf über 170 erhöht. Das Abwassersystem, die elektrischen Anlagen, der Bootshafen, die Müllbeseitigung, das Straßensystem — nichts war für den gegenwärtigen Bedarf ausgelegt. Im April vervielfachte sich die Anzahl der Fahrzeuge von 3 000 auf 9 600. Aus den üblichen 20 Flugbewegungen am Tag wurden an Spitzentagen über 680. An dem gemessen, was die Stadt verkraften kann, sind die Auswirkungen einfach unvorstellbar.

      Die Probleme aufgrund der Bevölkerungsexplosion sind in den Hintergrund gedrängt worden durch die Erregung über die Ölpest mit ihren verseuchten Stränden, toten Vögeln und Ottern, bedrohten Brutplätzen und Verlusten an Schalentieren. Die Wirtschaft ist gestört, das Lohnniveau ist aus dem Lot, und die Unternehmen suchen verzweifelt nach zuverlässiger Hilfe. Steigende Preise strapazieren den Geldbeutel derer, die ein festgesetztes Einkommen haben.

      Nichts davon mindert die Schrecken der Ölpest, doch es verdeutlicht das ganze Ausmaß der Tragödie und die Auswirkungen auf die Menschen. Meiner Meinung nach ist die Zerrüttung des Lebens der Einwohner von Valdez wegen des hochstilisierten Todes der Tausende von Vögeln und anderen Tieren in den Hintergrund geraten.“

      Einige der Einwohner von Valdez wurden interviewt. Wie hat sie der Zustrom an Menschen in ihre Stadt berührt?

      Ein Angestellter der Telefongesellschaft äußerte seine Ansicht:

      „Es ist jetzt zwei Monate her seit dem Unfall, und in Valdez herrscht das totale Chaos. Immer noch kommen Tausende, um hier einen gutbezahlten Job zu finden. Alle möglichen Leute. Hinter einigen ist die Polizei her, die sie dann hier aufliest. Prostituierte kommen, um ihrem Gewerbe nachzugehen. Die Stadt gehört nicht mehr den Kindern. Die Eltern wachen streng über sie, und das müssen sie auch. Manche Kinder werden vernachlässigt, da Vater und Mutter den ganzen Tag für Exxon arbeiten. Der Geldrausch hat viele angesteckt.

      Die Preise galoppieren. Über Nacht haben sie sich verdoppelt, und innerhalb einer Woche verdoppeln sie sich wieder. Du hast ein Haus zu vermieten? Das kann dir 500 Dollar die Nacht bringen. Einige Zimmer bringen fast das gleiche. Du kannst sogar den Platz für eine Couch vermieten. Häuser gehen weg für 5 000 oder 6 000 Dollar im Monat — ein Haus wurde für 13 000 angeboten. Autos hat man für 250 Dollar je Tag vermietet.

      Die Löhne bei Exxon sind in die Höhe geschossen. Da können die anderen Unternehmen nicht mithalten. Die Arbeitnehmer laufen ihnen weg und gehen zu Exxon. Neue Arbeiter bleiben nur kurz und wechseln dann auch über. Für die Restaurants ist es hart. Sie haben rund um die Uhr geöffnet, geben Tausende von Mahlzeiten aus, und einige mußten in den letzten zwei Monaten vier- bis fünfmal neue Leute einstellen — die anderen verloren sie an die inflationären Stundenlöhne von Exxon. Im Krankenhaus hat die Hälfte der Angestellten gekündigt.“

      Das Geld lockt — sehr verständlich bei denen, die wenig Geld und viele Schulden haben. Wie leicht kommt man da zu der Überlegung: „Ich kann sonntags für 30 oder 50 Dollar die Stunde 12 Stunden lang arbeiten, die ja an diesem Tag doppelt zählen. Dann kann ich das Auto abbezahlen und alle Rechnungen begleichen.“ Doch dabei vernachlässigt man seine Familie und könnte seine geistigen Werte über Bord werfen. „Aber ich mache das doch nur vorübergehend, um wieder auf die Füße zu kommen“, mag man denken. Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.

      Noch bedrohlicher sind die Emotionen, die durch die Verbitterung freigesetzt werden. Jemand erklärte:

      „Viele konzentrieren ihre Wut auf Exxon, und radikale Verhaltensweisen treten zutage. Wir erleben, wie Wertvorstellungen verzerrt und zerrissen werden. Es gibt Menschen, die aufgrund ihrer Verbitterung und ihrer Wut bereit sind, Dinge zu tun, die ihnen normalerweise zuwider sind. Sie sind wütend über das, was die Ölpest dem wunderschönen Prince-William-Sund und den Tausenden Vögeln, Ottern, Robben und anderen wildlebenden Tieren angetan hat, die ihr ganzer Stolz waren.

      Diese Wut hat einige veranlaßt, Fahrzeuge von Alyeska von der Straße abzubringen. Es gab Bombendrohungen. Der Präsident von Exxon erhielt sogar Morddrohungen. Hunderte von zusätzlichen Sicherheitspolizisten wurden eingestellt.“

      Ein Aushilfslehrer sagte:

      „Viele Kinder machen sich selbst für die Schule fertig. Ich kenne eine 5jährige in der Vorschule, die morgens allein aufsteht, da ihre Mutti und ihr Vati schon Stunden früher zur Arbeit am Ölteppich gehen. Sie frühstückt, geht zur Schule, kommt wieder, ißt Abendbrot und bleibt dann allein, bis ihre Eltern gegen neun oder zehn nach Hause kommen. Was bewirkt das bei ihr, was sagt ihr das? Das Geld hat viele Eltern geblendet, und die Kinder müssen darunter leiden. Schulkinder sind zu gestreßt, um zu lernen. Die Lehrer drängen sie nicht, sondern lesen ihnen Geschichten vor oder lassen sie spielen.“

      Eine Hausfrau hat Grobheit und Wut festgestellt:

      „Überfüllung bringt Streß und Verbitterung, wodurch Zorn und Wutausbrüchen Tür und Tor geöffnet werden. Zufolge der mangelhaften Versorgung wurde einigen Frauen beim Einkaufen schon von anderen Brot oder Milch weggenommen. In Restaurants sind Späterkommende hereingestürmt und haben Tische besetzt, auf die andere bereits eine Stunde gewartet hatten.“

      Seine Sorge um das, was den Leuten widerfährt, brachte dieser Mann zum Ausdruck:

      „Die Bevölkerung hat sich verdreifacht, mit gravierenden Auswirkungen für das Gebiet. Wir sind von einer Stadt mit 2 800 Einwohnern zu einer mit über 9 000 geworden. Es gibt Probleme mit der Versorgung, und allein die Fortbewegung ist schwierig. Immer häufiger kommt es zu Staus, die schon das Fahren in der Stadt zu einer Ursache von Streß und Ärger werden lassen.

      Die Arbeitsmarktlage hat sich drastisch geändert. Angebote von 20 bis 50 Dollar die Stunde machen es schwer, die richtigen Prioritäten zu setzen. Es ist schwierig, nicht zuzulassen, daß die Familienpflichten und die geistigen Werte vom Materialismus überwältigt werden. Meine Frau und ich haben eine Menge Anrufe von Freunden aus so weit entfernten Gebieten der Vereinigten Staaten wie Florida, New York, Texas und Oregon erhalten. Sie fragten nach den Arbeitsmöglichkeiten hier.

      Wir wissen, daß heute nirgends die wirtschaftliche Lage rosig ist, doch wir haben ihnen empfohlen, nicht zu kommen. Sie sind wie wir Zeugen Jehovas, und wir versuchen, geistigen Dingen immer den Vorrang zu geben, die Zusammenkünfte zu besuchen und mit anderen über Gottes Königreich zu sprechen. Wir denken, für unsere Brüder wäre das auch das beste, und unter den gegenwärtigen aufreibenden Umständen in Valdez ist das nicht einfach. Das Geistiggesinntsein wird vom Materialismus erstickt, der hier überall wuchert.

      Wie wahr doch die Worte der Bibel aus 1. Timotheus 6:10 sind: ‚Die Geldliebe ist eine Wurzel von schädlichen Dingen aller Arten, und indem einige dieser Liebe nachstrebten, sind sie vom Glauben abgeirrt und haben sich selbst mit vielen Schmerzen überall durchbohrt.‘“

      Diese Interviews wurden zwei Monate nach der Katastrophe geführt. Man hatte das Ende der Reinigungsarbeiten für die jetzige Zeit angekündigt — der 15. September war das angestrebte Datum. Wenn die Reinigungsarbeiten eingestellt werden, Tausende Arbeitsplätze wegfallen und die Dollar-Flut austrocknet, werden die ursprünglichen Einwohner, die die geistigen Werte durch alles hindurch bewahrt haben, die notwendigen Anpassungen vornehmen.

      Doch es mag Jahre dauern, bis Valdez wieder die kleine, ruhige Stadt wird, die es einmal war.

      [Herausgestellter Text auf Seite 12]

      „In Valdez herrscht das totale Chaos“

      [Herausgestellter Text auf Seite 12]

      Gewaltandrohungen

      [Herausgestellter Text auf Seite 13]

      Geldliebe, die Wurzel allen Übels

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