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Als ergrauter Geistesmensch gedeihenDer Wachtturm 2007 | 1. Juni
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Als ergrauter Geistesmensch gedeihen
„Die im Haus Jehovas gepflanzt sind, . . . werden noch fortfahren zu gedeihen, während sie ergraut sind“ (PSALM 92:13, 14).
1, 2. (a) Wie wird das Alter oft beschrieben? (b) Was wird in der Bibel im Hinblick auf die Auswirkungen der Sünde Adams verheißen?
HOHES Alter — woran denkt man dabei? An runzlige Haut? An Schwerhörigkeit? An Gehbeschwerden? Oder an ein anderes Symptom der „unglücklichen Tage“, die in Prediger 12:1-7 ausführlich und anschaulich geschildert werden? Wenn wir uns das Alter so vorstellen, dann gilt es zu berücksichtigen, dass das Älterwerden in Prediger, Kapitel 12 nicht so beschrieben wird, wie es der Schöpfer, Jehova Gott, ursprünglich vorgesehen hatte. Dort geht es darum, wie sich die Sünde Adams auf den Körper des Menschen auswirkt (Römer 5:12).
2 An Jahren älter zu werden ist an sich nicht schlimm, denn bei einer fortdauernden Existenz vergeht zwangsläufig Zeit. Wachstum und Reife sind für alle Lebewesen eher wünschenswert. Was sechstausend Jahre Sünde und Unvollkommenheit alles angerichtet haben, wird bald nicht mehr zu sehen sein, und alle gehorsamen Menschen führen dann ein Leben, wie Gott es ursprünglich gewollt hatte — ohne Altersbeschwerden und Tod (1. Mose 1:28; Offenbarung 21:4, 5). In dieser Zeit wird kein Bewohner sagen: „Ich bin krank“ (Jesaja 33:24). Gealterte Menschen werden zu den Tagen ihrer „Jugendkraft“ zurückkehren und ihr Aussehen ist dann „frischer als in der Jugend“ (Hiob 33:25). Noch muss sich allerdings jeder mit der Erblast Adams abmühen. Dennoch geht es Dienern Jehovas in einer bestimmten Hinsicht gut, obwohl sie an Jahren älter werden.
3. Auf welche Weise können Diener Jehovas „noch fortfahren zu gedeihen, während sie ergraut sind“?
3 In Gottes Wort wird uns versichert, dass die, „die im Haus Jehovas gepflanzt sind, . . . noch fortfahren zu gedeihen, während sie ergraut sind“ (Psalm 92:13, 14). Der Psalmist äußert hier bildlich gesprochen die Grundwahrheit, dass treue Diener Gottes trotz zunehmender Altersbeschwerden in geistiger Hinsicht weiterhin wachsen und gedeihen und somit Fortschritte machen können. Dafür gibt es viele Beispiele aus biblischer Zeit und aus der Gegenwart.
‘Sie fehlte niemals’
4. Worin zeigte sich die Gottergebenheit der Prophetin Anna, und wie wurde sie belohnt?
4 Nehmen wir die Prophetin Anna. Im Alter von 84 Jahren ‘fehlte sie niemals im Tempel und brachte Nacht und Tag mit Fasten und Flehen heiligen Dienst dar’. Als Tochter eines Nichtleviten aus dem „Stamm Ascher“ konnte Anna nicht direkt beim Tempel gewohnt haben. Es muss für sie recht anstrengend gewesen sein, sich von morgens bis abends im Tempel aufzuhalten. Anna wurde für ihre Ergebenheit jedoch sehr belohnt. Sie durfte dabei sein, als Joseph und Maria, wie es das Gesetz verlangte, Jesus zum Tempel brachten, um ihn Jehova darzustellen. Als Anna das Baby sah, begann sie „Gott Dank zu zollen und zu allen, die auf die Befreiung Jerusalems warteten, von dem Kind zu reden“ (Lukas 2:22-24, 36-38; 4. Mose 18:6, 7).
5, 6. Woran ist bei vielen Betagten heute zu erkennen, dass sie wie einst Anna eingestellt sind?
5 In unseren Reihen gibt es viele, die wie Anna sind. Trotz fortgeschrittenen Alters besuchen sie regelmäßig die Zusammenkünfte, beten für die Förderung der wahren Anbetung und haben den innigen Wunsch, die gute Botschaft zu verkündigen. Ein über achtzigjähriger Bruder, der mit seiner Frau so gut wie nie fehlt, sagte: „In die Zusammenkünfte zu gehen ist uns in Fleisch und Blut übergegangen. Wir möchten nirgendwo anders sein. Wir gehören dahin, wo Gottes Diener sind. Dort fühlen wir uns wohl.“ Wie sehr uns dies doch alle ermuntert! (Hebräer 10:24, 25).
6 „Wenn es irgendetwas für Jehova zu tun gibt und ich mitmachen darf, dann bin ich dabei.“ Das ist die Devise von Jean, einer über achtzigjährigen Witwe. „Natürlich gibt es auch trübe Stunden“, merkt sie an, „aber warum sollten alle anderen um mich herum wie ich betrübt sein?“ Strahlend berichtete sie über ihre Freude, zu besonderen Anlässen ins Ausland gereist zu sein. Zu Mitreisenden hatte sie kürzlich gesagt: „Ich bin die Schlösser und Burgen leid, ich möchte in den Predigtdienst gehen!“ Jean hatte die Landessprache zwar nicht verstanden, aber es war ihr gelungen, die Menschen für die Botschaft der Bibel zu interessieren. Außerdem war sie einige Jahre in einer Versammlung tätig, die Unterstützung brauchte, und das obwohl sie deswegen eine neue Sprache lernen und eine Stunde Fahrzeit zu den Zusammenkünften in Kauf nehmen musste.
Geistig rege bleiben
7. Wie drückte Moses in hohem Alter seinen Wunsch aus, sein Verhältnis zu Jehova zu vertiefen?
7 Lebenserfahrung kommt mit der Zeit automatisch (Hiob 12:12). Fortschritte als Geistesmensch stellen sich dagegen nicht ohne Weiteres nur mit dem Alter ein. Loyale Diener Gottes verlassen sich nicht auf früher angelegte Erkenntnisreserven, sondern sie möchten im Laufe der Jahre „an Gelehrsamkeit zunehmen“ (Sprüche 9:9). Moses war 80 Jahre alt, als Jehova ihn aussandte (2. Mose 7:7). Ein solches Alter galt damals als ungewöhnlich, denn Moses schrieb: „Die Tage unserer Jahre an sich sind siebzig Jahre; . . . zufolge besonderer Kraft achtzig Jahre“ (Psalm 90:10). Dennoch hielt sich Moses nie für zu alt zum Lernen. Trotz Jahrzehnten im Dienst für Jehova Gott mit vielen Vorrechten und schwerer Verantwortung flehte er zu Jehova: „Lass mich bitte deine Wege wissen, dass ich dich erkenne“ (2. Mose 33:13). Moses wollte stets sein Verhältnis zu Jehova vertiefen.
8. Wie hielt sich Daniel bis in die Neunziger geistig rege, und welche Ergebnisse hatte dies?
8 Der Prophet Daniel hatte wahrscheinlich die 90 schon überschritten, als er sich wie gewöhnlich mit den heiligen Schriften befasste. Was er durch das Studium der „Bücher“ erkannte — möglicherweise auch 3. Mose, Jesaja, Jeremia, Hosea und Amos —, veranlasste ihn, sich durch ein inniges Gebet an Jehova zu wenden (Daniel 9:1, 2). Daraufhin erhielt er inspirierte Informationen über das Kommen des Messias und über die künftige reine Anbetung (Daniel 9:20-27).
9, 10. Wie sind manche geistig rege geblieben?
9 Wie Moses und Daniel können wir uns, so es uns noch möglich ist, eingehend mit der biblischen Wahrheit befassen und dadurch geistig rege bleiben. Genau das tun viele. Worth, ein Ältester, bemüht sich, mit der geistigen Speise „des treuen und verständigen Sklaven“ auf dem Laufenden zu bleiben, obwohl er schon über 80 Jahre alt ist (Matthäus 24:45). Er sagt: „Ich liebe die Wahrheit über alles und es begeistert mich, wie das Licht immer heller wird“ (Sprüche 4:18). Fred findet es nach über 60 Jahren Vollzeitdienst immer noch anregend, mit Brüdern und Schwestern über biblische Themen zu reden. „Ich muss die Bibel in mir lebendig erhalten“, sagt er. „Wenn man die Bibel lebendig werden lässt — ihr Bedeutung verleiht — und wenn man das, was man hinzulernt, in ,das Muster gesunder Worte‘ einfügt, dann hat man nicht nur Teilwissen. Man kann dann jedes Teilstück an seinem Platz funkeln sehen“ (2. Timotheus 1:13).
10 Fortgeschrittenen Alters zu sein schließt nicht von vornherein aus, sich in eine neue, schwierige Materie hineindenken zu können. Manche haben erst Lesen und Schreiben oder eine Fremdsprache gelernt, als sie schon älter als 60, 70 oder gar 80 Jahre waren. Einige Zeugen Jehovas haben sich mit einer anderen Sprache befasst, damit sie Menschen verschiedener Nationalität die gute Botschaft verkündigen können (Markus 13:10). Harry und seine Frau gingen schon auf die 70 zu, als sie beschlossen, im portugiesischen Gebiet mitzuhelfen. „Wir wollen uns nichts vormachen“, sagt Harry, „wenn man älter wird, wird alles schwieriger.“ Dennoch war es ihnen mit Fleiß und Ausdauer möglich, mit anderen in Portugiesisch die Bibel zu studieren. Seit Jahren hält Harry auch Vorträge auf Bezirkskongressen in der neuen Sprache.
11. Warum sollten wir uns mit dem befassen, was treuen Dienern Gottes im Alter noch möglich ist?
11 Natürlich gestatten die Gesundheit und die Umstände es nicht jedem, solche Aufgaben anzugehen. Warum sollten wir uns dennoch mit dem befassen, was manchen trotz hohen Alters möglich war? Es geht keinesfalls darum, dass jeder das Gleiche anstreben sollte. Es geht um den Geist dessen, was der Apostel Paulus an die hebräischen Christen über treue Versammlungsälteste schrieb: „Während ihr den Ausgang ihres Wandels genau betrachtet, ahmt ihren Glauben nach“ (Hebräer 13:7). Beispiele von eifrigen Älteren zu betrachten kann uns ermuntern, den starken Glauben nachzuahmen, der bei ihnen im Dienst für Gott zu beobachten ist. Harry ist jetzt 87. Er erklärt, was ihn motiviert: „Ich möchte die mir verbleibenden Jahre gut gebrauchen und im Dienst für Jehova so nützlich wie möglich sein.“ Fred, von dem zuvor die Rede war, findet große Befriedigung darin, seiner Aufgabe im Bethel nachzukommen. Er bemerkt: „Man muss herausfinden, wie man Jehova am besten dienen kann, und muss dann dabei bleiben.“
Trotz veränderter Umstände Gott treu ergeben
12, 13. Wie blieb Barsillai trotz veränderter Lebensumstände Gott treu ergeben?
12 Mit nachlassender Gesundheit umzugehen kann recht schwierig sein. Trotzdem ist es möglich, Gott treu ergeben zu bleiben. Der Gileaditer Barsillai ist in dieser Hinsicht ein gutes Beispiel. Noch mit 80 Jahren erwies er David und seinem Heer außergewöhnlich große Gastfreundschaft und versorgte sie während der Rebellion Absaloms mit Obdach und Nahrung. Als David nach Jerusalem zurückkehrte, begleitete Barsillai das Gefolge zum Jordan. David bot ihm an, ihn an seinen Hof zu holen. Wie reagierte Barsillai darauf? „Ich bin heute achtzig Jahre alt. . . . könnte dein Knecht schmecken, was ich essen und was ich trinken würde, oder könnte ich noch auf die Stimme von Sängern und Sängerinnen hören? . . . da ist dein Knecht Kimham. Lass ihn mit meinem Herrn und König hinüberziehen; und du, tu ihm, was gut ist in deinen Augen“ (2. Samuel 17:27-29; 19:31-40).
13 Trotz veränderter Lebensumstände unterstützte Barsillai den von Jehova eingesetzten König so gut wie möglich. Er war nicht verbittert, weil er nicht mehr so gut hören konnte wie früher und ihm das Essen auch nicht mehr so schmeckte. Barsillai ließ erkennen, was für ein Mensch er innerlich war, als er selbstlos anregte, dass Kimham das zugutekommen sollte, was man ihm angeboten hatte. So wie Barsillai zeichnen sich viele Betagte auch heute durch Selbstlosigkeit und Großzügigkeit aus. Sie unterstützen die wahre Anbetung so gut wie möglich, denn „solche Schlachtopfer sind Gott wohlgefällig“, und das wissen sie. Welch ein Segen es doch ist, loyale Unterstützer unter uns zu haben! (Hebräer 13:16).
14. Inwiefern verleiht die Bezugnahme Davids darauf, dass er alt geworden war, seinen Worten in Psalm 37:23-25 mehr Gewicht?
14 Davids Lebensumstände änderten sich oft im Laufe der Jahre. Trotzdem blieb er davon überzeugt, dass sich an Jehovas Fürsorge für seine Diener nie etwas ändert. Gegen Ende seines Lebens schrieb David das Lied, das heute als Psalm 37 bekannt ist. Stellen wir uns vor, wie David in Gedanken versunken auf der Harfe spielte und sang: „Von Jehova sind selbst die Schritte eines kräftigen Mannes bereitet worden, und an seinem Weg hat ER Gefallen. Wenn er auch fallen mag, so wird er nicht hingeschleudert, denn Jehova stützt seine Hand. Ein junger Mann bin ich gewesen, ich bin auch alt geworden, und doch habe ich keinen Gerechten gänzlich verlassen gesehen noch seine Nachkommen nach Brot suchen“ (Psalm 37:23-25). Jehova hielt es für angebracht, dass David in dem inspirierten Psalm auf seinen letzten Lebensabschnitt Bezug nahm. Wie viel mehr Gefühl dies doch seinen von Herzen kommenden Worten verleiht!
15. Wodurch gab der Apostel Johannes trotz veränderter Umstände und hohen Alters ein gutes Beispiel der Treue?
15 Der Apostel Johannes ist ein weiteres gutes Beispiel der Treue trotz veränderter Lebensumstände und hohen Alters. Nach fast 70-jährigem Dienst für Gott wurde Johannes auf die Insel Patmos verbannt, weil er „über Gott gesprochen und von Jesus Zeugnis abgelegt hatte“ (Offenbarung 1:9). Aber seine Tätigkeit war noch nicht abgeschlossen. Alle von ihm stammenden Bibelteile schrieb Johannes bezeichnenderweise in seinen letzten Lebensjahren. Auf Patmos erhielt er die Ehrfurcht einflößende Vision der Offenbarung, die er mit Sorgfalt niederschrieb (Offenbarung 1:1, 2). Allgemein wird angenommen, dass er unter dem römischen Kaiser Nerva freigelassen wurde. Anschließend schrieb Johannes um 98 u. Z. im Alter von 90 oder 100 Jahren sein Evangelium und die drei Briefe, die nach ihm benannt sind.
Ein unvergänglicher Ruf
16. Wie kann sich jemand, der sich anderen nicht mehr gut mitteilen kann, als Jehova ergeben erweisen?
16 Einschränkungen können viele Formen und Schweregrade annehmen. Manche Ältere können sich beispielsweise nur noch mühsam anderen mitteilen. Dennoch erinnern sie sich gern an Gottes Liebe und unverdiente Güte. Auch wenn ihnen nicht mehr viel über die Lippen kommt, sagen sie in ihrem Herzen zu Jehova: „Wie liebe ich doch dein Gesetz! Den ganzen Tag befasse ich mich damit“ (Psalm 119:97). Jehova seinerseits kennt diejenigen, „die an seinen Namen denken“, und er weiß es zu würdigen, wie sehr sie sich von dem Gros der Menschheit unterscheiden, das seine Wege nicht beachtet (Maleachi 3:16; Psalm 10:4). Wie gut es doch tut, dass Jehova das ‘Sinnen unseres Herzens’ gefällt! (1. Chronika 28:9; Psalm 19:14).
17. Was haben langjährige Diener Jehovas erworben, das ohnegleichen ist?
17 Eines darf nicht übersehen werden: Wer Jehova jahrzehntelang treu gedient hat, hat etwas erworben, was ohnegleichen und was anders nicht zu haben ist — der unvergängliche Ruf, ausgeharrt zu haben. Jesus sagte: „Durch euer Ausharren werdet ihr eure Seele erwerben“ (Lukas 21:19). Ewiges Leben setzt Ausharren voraus. Wer von uns ‘den Willen Gottes getan hat’ und seine Loyalität im Leben bewiesen hat, kann sich auf „die Erfüllung der Verheißung“ freuen (Hebräer 10:36).
18. (a) Was sieht Jehova bei Älteren mit großer Freude? (b) Was wird im nächsten Artikel betrachtet werden?
18 Jehova schätzt unseren Dienst, solange er von Herzen kommt, unabhängig davon, wie viel oder wie wenig wir tun können. Ungeachtet dessen, was ‘dem Menschen, der wir äußerlich sind’, widerfährt, kann „der Mensch, der wir innerlich sind“, von Tag zu Tag erneuert werden (2. Korinther 4:16). Ganz sicher würdigt Jehova das, was wir bisher getan haben, doch ebenso sicher erkennt er heute das dankbar an, was wir noch für seinen Namen tun (Hebräer 6:10). Der nächste Artikel befasst sich mit den weitreichenden Auswirkungen solcher Treue.
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Ältere — ein Segen für JüngereDer Wachtturm 2007 | 1. Juni
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Ältere — ein Segen für Jüngere
„Selbst bis ins Alter und bis zum Ergrauen, o Gott, verlass mich nicht, bis ich von deinem Arm der Generation berichte, all denen, die kommen sollen, von deiner Macht“ (PSALM 71:18).
1, 2. Was sollten ältere Diener Gottes erkennen, und was werden wir jetzt betrachten?
IN Westafrika besuchte ein Ältester einen betagten gesalbten Bruder und fragte ihn: „Wie geht es dir?“ Der Bruder erwiderte: „Ich kann noch laufen, ich kann noch springen und ich kann noch hüpfen“, und bewegte sich dabei entsprechend. „Nur das Fliegen geht nicht“, sagte er dann. Was er sagen wollte, war klar: „Ich freue mich über das, was ich noch tun kann, aber was nicht geht, geht eben nicht.“ Der Älteste, der ihn besucht hatte, ist heute schon über 80 und erinnert sich gern an diesen humorvollen treuen Bruder.
2 Die gottgefälligen Eigenschaften von Älteren können bei anderen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Natürlich wird niemand mit dem Alter automatisch weiser oder erwirbt deswegen Eigenschaften, wie Christus sie hatte (Prediger 4:13). In der Bibel heißt es: „Eine Krone der Schönheit ist graues Haar, wenn sie auf dem Weg der Gerechtigkeit gefunden wird“ (Sprüche 16:31). Bist du dir als älterer Mensch bewusst, wie sehr das, was du sagst und tust, andere zum Guten beeinflussen kann? Betrachten wir einige Beispiele, die zeigen, dass Ältere für Jüngere ein wahrer Segen gewesen sind.
Ein Glaube mit weitreichender Wirkung
3. Wie hat sich die Treue Noahs auf alle heute Lebenden ausgewirkt?
3 Noahs Glaube und seine Standhaftigkeit wirkten sich so gut aus, dass der Nutzen bis heute zu verspüren ist. Als er die Arche baute, die Tiere einsammelte und den Menschen predigte, ging er auf ein Alter von 600 Jahren zu (1. Mose 7:6; 2. Petrus 2:5). Wegen seiner Gottesfurcht überlebte Noah mit seiner Familie die Sintflut und wurde der Vorfahr aller Menschen, die heute auf der Erde leben. Zur Zeit Noahs wurde man im Allgemeinen zwar viel älter als heute, aber Noah blieb selbst in dem für ihn hohen Alter treu, und das führte zu bedeutsamen Segnungen. Auf welche Weise?
4. Inwiefern ist Noahs Standhaftigkeit Dienern Gottes bis heute von Nutzen?
4 Noah war fast 800 Jahre alt, als Nimrod den Turmbau zu Babel anging und sich damit darüber hinwegsetzte, dass Jehova geboten hatte: „Füllt die Erde“ (1. Mose 9:1; 11:1-9). Mit der Rebellion Nimrods hatte Noah nichts zu tun. Er war wahrscheinlich nicht wie die Rebellen von der Sprachverwirrung betroffen. Noahs Glaube und seine Standhaftigkeit, die nicht nur im Alter, sondern sein ganzes Leben lang zu beobachten waren, sind für Gottes Diener aller Zeiten wirklich nachahmenswert (Hebräer 11:7).
Einfluss in der Familie
5, 6. (a) Womit beauftragte Jehova Abraham, als er 75 Jahre alt war? (b) Wie reagierte Abraham auf das Gebot Gottes?
5 Wie sehr Ältere den Glauben der anderen in der Familie beeinflussen können, ist aus dem Leben der Patriarchen zu ersehen, die nach Noah lebten. Abraham war fast 75 Jahre alt, als Gott zu ihm sagte: „Zieh hinweg aus deinem Land und von deinen Verwandten und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde; und ich werde aus dir eine große Nation machen, und ich werde dich segnen“ (1. Mose 12:1, 2).
6 Angenommen, man würde uns auffordern, unseren Wohnort und unsere Freunde zu verlassen sowie die Geborgenheit der Verwandtschaft aufzugeben und dann in ein Land zu ziehen, dessen Namen man erst später erfahren sollte. Genau dazu wurde Abraham aufgefordert. Daher „ging Abram, so wie Jehova zu ihm geredet hatte“, und verbrachte den Rest seines Lebens als Fremdling und Nomade in Zelten im Land Kanaan (1. Mose 12:4; Hebräer 11:8, 9). Jehova hatte zwar Abraham zugesichert, ‘aus ihm eine große Nation zu machen’, aber er starb, lange bevor seine Nachkommen zahlreich wurden. Von Sarah, seiner Frau, hatte er nur einen einzigen Sohn, Isaak, und das erst, nachdem er das Land der Verheißung 25 Jahre lang durchzogen hatte (1. Mose 21:2, 5). Abraham wurde dennoch nicht alles zu viel und er wollte nicht wieder in die Stadt zurück, aus der er gekommen war. Welch ein Beispiel für Glauben und Ausharren!
7. Wie wirkte sich Abrahams Ausharren auf seinen Sohn Isaak aus, und was ergab sich daraus für die Menschheit?
7 Abrahams Ausharren wirkte sich tief greifend auf seinen Sohn Isaak aus, der die 180 Jahre seines Lebens als ansässiger Fremdling im Land Kanaan verbrachte. Isaaks Ausharren beruhte auf dem Glauben an die Verheißung Gottes, einem Glauben, den ihm seine betagten Eltern mit auf den Weg gegeben hatten und der noch stärker wurde, als später Jehovas Wort an ihn erging (1. Mose 26:2-5). Isaaks Standhaftigkeit spielte eine entscheidende Rolle in der Erfüllung der Verheißung Jehovas, dass aus der Familie Abrahams ein „Same“ zum Segen der ganzen Menschheit hervorkommen werde. Hunderte von Jahren später ebnete Jesus Christus als primärer Teil jenes „Samens“ allen, die Glauben an ihn ausübten, den Weg zur Versöhnung mit Gott und zu ewigem Leben (Galater 3:16; Johannes 3:16).
8. Woran war Jakobs starker Glaube zu erkennen, und wie wirkte sich dies aus?
8 Isaak wiederum half seinem Sohn Jakob, sich einen starken Glauben anzueignen, der ihm bis ins hohe Alter eine Stütze war. Jakob war 97, als er eine ganze Nacht mit einem Engel um einen Segen rang (1. Mose 32:24-28). Vor seinem Tod im Alter von 147 Jahren brachte Jakob die Kraft auf, jeden seiner 12 Söhne zu segnen (1. Mose 47:28). Seine prophetischen Worte, die in 1. Mose 49:1-28 geschrieben stehen, erwiesen sich als wahr und sind noch in Erfüllung begriffen.
9. Was ist über den Einfluss zu sagen, den geistig reife ältere Personen auf andere in der Familie haben können?
9 Treue betagte Diener Gottes können eindeutig einen guten Einfluss auf andere in ihrer Familie haben. Biblische Unterweisung aus erfahrenem Munde und vorbildliches Ausharren können den Ausschlag geben, ob ein junger Mensch mit einem festen Glauben aufwächst oder nicht (Sprüche 22:6). Ältere sollten nie unterschätzen, wie sehr sie andere in der Familie zum Guten beeinflussen können.
Einfluss auf Glaubensbrüder
10. Was beinhaltete Josephs „Befehl hinsichtlich seiner Gebeine“, und wie wirkte er sich aus?
10 Wer sich im fortgeschrittenen Alter befindet, kann auch auf andere in der Versammlung einen guten Einfluss ausüben. Jakobs Sohn Joseph hinterließ im hohen Alter durch eine einfache Glaubenstat einen bleibenden Eindruck bei Millionen von wahren Anbetern nach ihm. Er war 110 Jahre alt und „gab Befehl hinsichtlich seiner Gebeine“, wonach die Israeliten seine Gebeine mitnehmen sollten, wenn sie Ägypten schließlich verlassen würden (Hebräer 11:22; 1. Mose 50:25). Dieses Gebot war in den vielen Jahren der beschwerlichen Knechtschaft nach dem Tod Josephs für die Israeliten ein weiterer Schimmer der Hoffnung auf Freiheit.
11. Welchen Einfluss hatte der betagte Moses wahrscheinlich auf Josua?
11 Unter denen, die von Josephs Glaubensäußerungen zehrten, war auch Moses. Als er 80 Jahre alt war, durfte er Josephs Gebeine aus dem Land Ägypten mitnehmen (2. Mose 13:19). Etwa um jene Zeit lernte Moses den viel jüngeren Josua kennen. In den 40 Jahren danach war Josua der persönliche Diener von Moses (4. Mose 11:28). Er begleitete Moses auf den Berg Sinai und war dabei, als Moses mit den Tafeln des Zeugnisses den Berg hinabstieg (2. Mose 24:12-18; 32:15-17). Bestimmt war der betagte Moses als reifer Mann für Josua ein unerschöpflicher Quell des Rates und der Weisheit!
12. Wodurch übte Josua, solange er lebte, auf die Nation Israel einen guten Einfluss aus?
12 Josua wiederum war sein Leben lang für die Nation Israel ein Quell der Ermunterung. In Richter 2:7 heißt es: „Das Volk diente weiterhin Jehova alle Tage Josuas und alle Tage der älteren Männer, die ihre Tage nach Josua verlängerten und die das ganze große Werk Jehovas gesehen hatten, das er für Israel tat.“ Als Josua und die anderen älteren Männer nicht mehr lebten, begann jedoch eine Periode von 300 Jahren, in der man zwischen der wahren und der falschen Anbetung hin und her schwankte. Diese reichte in die Tage des Propheten Samuel hinein.
Samuel ‘wirkte Gerechtigkeit’
13. Was tat Samuel, um ‘Gerechtigkeit zu wirken’?
13 In der Bibel steht nicht, in welchem Alter Samuel starb, doch die Ereignisse im ersten Buch Samuel erstrecken sich auf etwa 102 Jahre und Samuel erlebte die meisten davon. In Hebräer 11:32, 33 lesen wir, dass rechtschaffene Richter und Propheten „Gerechtigkeit wirkten“. Samuel wirkte auf einige seiner Zeitgenossen ein, kein Unrecht zu begehen oder von Unrecht abzustehen (1. Samuel 7:2-4). Wodurch? Er blieb sein Leben lang Jehova treu (1. Samuel 12:2-5). Er scheute sich nicht, selbst dem König einen Tadel zu erteilen (1. Samuel 15:16-29). Außerdem war Samuel „alt und grau geworden“, blieb aber vorbildlich in seinen Gebeten für andere. Er hielt es für „undenkbar, gegen Jehova zu sündigen“ und nicht mehr für seine Brüder in Israel zu beten (1. Samuel 12:2, 23).
14, 15. Wie könnten sich Ältere heute Samuel in Bezug auf das Gebet zum Vorbild nehmen?
14 All das hebt eine wichtige Möglichkeit hervor, die Betagte nutzen können, um einen guten Einfluss auf andere auszuüben. Trotz gesundheitlicher oder anderer Einschränkungen können Diener Jehovas im fortgeschrittenen Alter für andere beten. Wisst ihr lieben Älteren, wie sehr eure Gebete der Versammlung nützen? Wegen eures Glaubens an das vergossene Blut Christi genießt ihr Jehovas Wohlgefallen und euer langjähriges Ausharren verleiht eurem Glauben „geprüfte Echtheit“ (Jakobus 1:3; 1. Petrus 1:7). Vergesst nie: „Das Flehen eines Gerechten hat, wenn es wirksam ist, viel Kraft“ (Jakobus 5:16).
15 Eure Gebete für Jehovas Königreichswerk sind nötig. Eine Anzahl unserer Brüder sind wegen ihres neutralen Verhaltens im Gefängnis. Andere leiden unter Naturkatastrophen, Kriegen oder Bürgerkrieg. Noch andere — in der eigenen Versammlung — stehen vor Versuchungen oder bekommen Widerstand zu verspüren (Matthäus 10:35, 36). Diejenigen, die im Predigtwerk die Leitung innehaben und Versammlungen beaufsichtigen, brauchen ebenfalls immer wieder unsere Gebete (Epheser 6:18, 19; Kolosser 4:2, 3). Wie gut es ist, Mitbrüder immer wieder im Gebet zu erwähnen, wie Epaphras es einst tat! (Kolosser 4:12).
Die künftige Generation lehren
16, 17. Was wurde in Psalm 71:18 vorausgesagt, und wie hat sich das bewahrheitet?
16 Durch die Gemeinschaft mit Treuen von der „kleinen Herde“, die zu Leben im Himmel berufen sind, haben die „anderen Schafe“, denen ewiges Leben auf der Erde in Aussicht steht, eine wichtige Schulung erhalten (Lukas 12:32; Johannes 10:16). Das wurde in Psalm 71:18 vorhergesagt, wo es heißt: „Selbst bis ins Alter und bis zum Ergrauen, o Gott, verlass mich nicht, bis ich von deinem Arm der Generation berichte, all denen, die kommen sollen, von deiner Macht.“ Geistgesalbte sind darauf bedacht, ihre Gefährten von den anderen Schafen für vermehrte Aufgaben zu schulen, bevor sie mit Jesus Christus im Himmel verherrlicht werden.
17 Im Grundsatz könnte das, was in Psalm 71:18 über die Unterweisung von „all denen, die kommen sollen“, gesagt wird, auch für die anderen Schafe gelten, die von Gottes Gesalbten unterwiesen worden sind. Jehova hat Ältere mit dem Vorrecht betraut, denen, die heute die wahre Anbetung annehmen, über ihn Bericht zu erstatten (Joel 1:2, 3). Für die anderen Schafe ist das, was sie von den Gesalbten gelernt haben, ein Segen, und sie fühlen sich gedrängt, ihre biblischen Kenntnisse und ihre Erfahrung an andere weiterzugeben, die Jehova dienen möchten (Offenbarung 7:9, 10).
18, 19. (a) Welche wertvollen Informationen können viele ältere Diener Jehovas an andere weitergeben? (b) Wovon sollten die Älteren unter uns überzeugt sein?
18 Ältere Diener Jehovas, sowohl Gesalbte als auch andere Schafe, sind ein lebendes Bindeglied zu wichtigen historischen Ereignissen. Einige wenige von denen, die bei den ursprünglichen Vorführungen des „Photodramas der Schöpfung“ dabei waren, leben noch. Manche kennen noch persönlich die Brüder, welche die Leitung innehatten und 1918 ins Gefängnis kamen. Andere hatten an Programmen des eigenen Rundfunksenders WBBR teil. Viele können über Zeiten erzählen, als bis in die höchsten Instanzen die Religionsfreiheit von Jehovas Zeugen ausgefochten wurde. Noch andere sind standhaft für die wahre Anbetung eingetreten, als sie unter Diktaturen lebten. Ja, Ältere können erzählen, wie das Verständnis der Wahrheit nach und nach offenbar wurde. Die Bibel ermuntert uns, diese reiche Erfahrung zu nutzen (5. Mose 32:7).
19 Ältere in unseren Reihen sollten sich angespornt fühlen, den Jüngeren ein gutes Vorbild zu sein (Titus 2:2-4). Vielleicht sehen sie jetzt noch nicht, wie sich ihr Ausharren, ihre Gebete und ihre Ratschläge auf andere auswirken. Auch Noah, Abraham, Joseph, Moses und andere wussten wohl kaum, wie nachhaltig sich ihre Treue auf künftige Generationen auswirken würde. Doch ihr Glaube und ihre Lauterkeit waren ein Vermächtnis, das zählte; und das Vermächtnis der Älteren heute zählt nicht weniger.
20. Welche Segnungen stehen denen bevor, die ihre Hoffnung bis zum Ende lebendig erhalten?
20 Welch eine Freude wird das „wirkliche Leben“ sein, ob wir nun die „große Drangsal“ wohlbehütet überstehen oder ob wir durch die Auferstehung wieder zurückkommen! (Matthäus 24:21; 1. Timotheus 6:19). Versetzen wir uns in die Zeit der Tausendjahrherrschaft Christi, wo Jehova die Alterserscheinungen umkehren wird. Unser Körper wird nicht unaufhaltsam verfallen, sondern mit jedem neuen Tag gesünder werden — wir haben mehr Kraft, können immer besser sehen, besser hören und wir sehen besser aus! (Hiob 33:25; Jesaja 35:5, 6). Wer in Gottes neuer Welt leben darf, bleibt immer jung im Vergleich zu der Ewigkeit, die noch vor ihm liegt (Jesaja 65:22). Halten wir daher alle an unserer Hoffnung bis zum Ende fest und dienen wir Jehova weiterhin mit ganzer Seele. Wir können darauf vertrauen, dass alles so kommen wird, wie Jehova es versprochen hat, und dass unsere Erwartungen bei Weitem übertroffen werden (Psalm 37:4; 145:16).
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