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Gewinnen um jeden Preis — Ist das der olympische Geist?Erwachet! 1989 | 8. Mai
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Der Dopingtest auf Anabolika war bei Johnson positiv ausgefallen, worauf ihm die Goldmedaille aberkannt wurde, für die er so hart gearbeitet und trainiert hatte.
Der schnellste Mann über 100 Meter war der Versuchung des Dopings erlegen. Es „war ein Schlag gegen die Olympischen Spiele und gegen die olympische Idee“, so der Präsident des IOK (Internationales Olympisches Komitee). Für die Athleten, denen Doping nachgewiesen wurde, führten die Bemühungen, um jeden Preis zu gewinnen, zum Verlust der Medaillen. Insgesamt überschatteten zehn Dopingfälle die Spiele von 1988.
Aber „nur die Dummen werden erwischt“, meinte gemäß einem Bericht der Zeitschrift Newsweek der amerikanische Kugelstoßer Augie Wolf. In der gleichen Zeitschrift wurde ein sowjetischer Trainer mit den Worten zitiert: „Ben Johnson tut mir leid, doch vielleicht 90 Prozent ... nehmen Mittel. Johnsons Fehler war, daß er sich erwischen ließ.“ Der amerikanische Hürdenläufer Edwin Moses weiß, wovon er spricht, wenn er vermutet, daß „mindestens 50 Prozent der Hochleistungssportler“ disqualifiziert worden wären, wenn sie nicht die Dopingkontrollen überlistet hätten. Wieso verbietet man überhaupt Doping, wenn so viele Sportler glauben, daß es ihnen hilft?
Zum einen möchte man bei den Olympischen Spielen den Geist der Fairneß wahren. Außerdem geht es um den Schutz der Athleten. Seit bei den Spielen in Rom 1960 ein dänischer Radrennfahrer zufolge Medikamentenmißbrauchs starb, macht man sich über Medikamente im Sport ernsthaft Sorgen. Erst kürzlich (1987) starb die bundesdeutsche Siebenkämpferin Birgit Dressel, die in ihrem Ringen um eine Goldmedaille etwa hundert verschiedene Mittel genommen hatte. Anabolika, die „Wundermittel“, lassen nicht nur die Muskeln wachsen, sondern können auch zu organischen Störungen führen: Leberkrebs, Unfruchtbarkeit, Nierenschäden und Herzkrankheiten, um nur einige zu nennen.
Warum greifen dann Sportler zu solchen Mitteln? „Doping ist wegen des übersteigerten Verlangens nach Medaillen zu einem Problem geworden“, erklärte Lord Killanin, ehemaliger Präsident des IOK. Ja, es ist das „Gewinnen um jeden Preis“, das die Aktiven zu den Mitteln greifen läßt. Und hinter allem steht das Geld.
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Gewinnen um jeden Preis — Ist das der olympische Geist?Erwachet! 1989 | 8. Mai
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[Bild auf Seite 17]
Die Olympischen Spiele wurden durch den Anabolikagebrauch einiger Athleten überschattet
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