Wachtturm ONLINE-BIBLIOTHEK
Wachtturm
ONLINE-BIBLIOTHEK
Deutsch
  • BIBEL
  • PUBLIKATIONEN
  • ZUSAMMENKÜNFTE
  • Ehemänner und Ehefrauen — überwindet Konflikte durch Kommunikation
    Erwachet! 1986 | 8. Januar
    • Ein Herzensbedürfnis

      Gemäß den Beratern Marcia Lasswell und Norman Lobsenz ist es ein „fundamentaler Vorgang in der Ehe“, „[emotionellen] Beistand ... zu leisten und zu erhalten“. Beistand von Personen zu erhalten, die man liebt, ist angesichts der Angriffe von außen äußerst wichtig. Wenn es daran fehlt, entstehen tiefe seelische Wunden, denn „durch den Schmerz des Herzens gibt es einen niedergeschlagenen Geist“ (Sprüche 15:13). Jemand kann in seinem Selbstvertrauen und seinem ganzen Gefühlsleben tief erschüttert werden.

      Fühlt sich ein Ehepartner durch die Gefühllosigkeit des anderen in seinem Innern verletzt, kommt es nicht selten zu Zornausbrüchen. „Wenn er nur dasitzt und mir vorwirft, ich sei zu sentimental, geraten meine Gefühle in Wallung“, klagte Joan. „Ich steigere mich in einen Weinkrampf hinein und empfinde alles als unerträglich.“ Und wie empfand Paul? „Unter anderem fiel mir auf, daß Joan kaum für etwas zu begeistern war, wenn wir beide allein waren, aber sobald jemand anrief oder zu Besuch kam, unterhielt sie sich mit dem Betreffenden so angeregt, daß sie mich darüber völlig vergaß. Ich war niedergeschmettert und zugleich wütend, weil ich mich ausgenutzt fühlte. Ich sorgte gut für sie, und dennoch benahm sie sich so, als wäre sie lieber mit anderen zusammen als mit mir.“

      Manche Ehepaare gehen dazu über, alles schweigend zu ertragen, machen sich dadurch aber in Wirklichkeit zu „Scheinheiligen“, die vorgeben, in ihrer Ehe sei alles in Ordnung. Was der Sinn verdrängt, bekommt der Körper jedoch schließlich zu spüren. Chronische Leiden, Kopfschmerzen, Magenkrämpfe, Depressionen, Frigidität und Impotenz sind Beschwerden, über die Personen mit ungelösten Ehekonflikten bei ihrem Arzt klagen. Oft steigern sich die Feindseligkeiten so sehr, daß man sich trennt. Man schätzt, daß die Hälfte aller Erstehen, die gegenwärtig in den USA geschlossen werden, wieder geschieden werden.

      Was kann aber getan werden, um Konflikte zu überwinden und ein vertrautes Verhältnis aufzubauen? Das Geheimnis lautet: Wende biblische Grundsätze an! Gott, der Herz und Sinn erschaffen hat, kennt unsere emotionellen Bedürfnisse. Die beste Anleitung ist daher die Bibel, denn sie enthält seinen Rat. Es reicht für ein Ehepaar nicht aus, den inspirierten Rat zu kennen, beide müssen vielmehr aufrichtig versuchen, ihn zu befolgen. Erst dann ist die Bibel Ehepartnern eine angemessene Hilfe, ihre emotionellen Bedürfnisse gegenseitig zu befriedigen (Epheser 5:22-33).

      „Ich weiß nicht, was sie will“

      Es ist nicht leicht, die emotionellen Bedürfnisse des Ehepartners zu erkennen. Ein Partner mag sie dem anderen aus Angst vor Abweisung, weiterem Schmerz oder Enttäuschung nur zögernd offenbaren, oder er mag gar nicht wissen, was ihm fehlt. „Ich weiß nicht, was sie will“, gab ein Ehemann zu. „Sie sagt dauernd, wir müßten miteinander reden; und wenn wir das tun, ist alles, was ich sage, verkehrt. ... Schließlich werde ich es leid und sage kein Wort mehr.“

      Die Bibel zeigt, daß es besser ist, mit Unterscheidungsvermögen vorzugehen, als sich wie dieser Ehemann in sein Schneckenhaus zurückzuziehen. „Durch Weisheit wird eine Hausgemeinschaft aufgebaut, und durch Unterscheidungsvermögen wird sie sich als fest gegründet erweisen“, heißt es in Sprüche 24:3. Versuche deshalb, die eigentliche Ursache für die Handlungen oder Bemerkungen deines Ehepartners herauszufinden. Frage dich: Warum sagt sie oder er das zu mir? Was will oder benötigt sie oder er wirklich?

      Manchmal stellt eine Frau ihren Mann durch ihre Gefühlsschwankungen vor ein Rätsel. Doch „ein Mann von Unterscheidungsvermögen ist kühlen Geistes“ und wird das eigentliche Problem „herausschöpfen“ wollen (Sprüche 17:27; 20:5). Hat sie an einer psychischen Belastung zu tragen? (Vergleiche Prediger 7:7.) Ist ihr Ärger darüber, wann du von der Arbeit nach Hause kommst, in Wirklichkeit ein Zeichen der Entrüstung über deine Gleichgültigkeit und deinen Mangel an Zuneigung? Oder hast du deine Frau durch irgendeine Gedankenlosigkeit verletzt? Können die Unstimmigkeiten durch zusätzliche Bemühungen — die Zeit erfordern — geglättet werden? Das eigentliche Bedürfnis herauszufinden ist jedoch nur der erste Schritt (Sprüche 12:18; 18:19).

      Ein inniges Verhältnis aufbauen

      Gemäß der Bibel sagte Hiob, er sei willens gewesen, andere mit den Worten seines Mundes zu stärken (Hiob 16:5). Das läßt sich auch auf die Ehe anwenden. Aufrichtige Worte, die das Selbstwertgefühl des Ehepartners steigern, sind sehr erbauend. „Ihr Ehemänner“, gebietet die Bibel, „wohnt gleicherweise weiterhin bei ihnen [euren Ehefrauen] gemäß Erkenntnis, indem ihr ihnen als einem schwächeren Gefäß, dem weiblichen, Ehre zuerkennt [sie als kostbar, besonders teuer betrachtet]“ (1. Petrus 3:7). Wenn du deine Frau fühlen läßt, daß sie für dich kostbar ist, löst sich ihre feindselige Haltung oft in nichts auf.

      Natürlich sind die emotionellen Bindungen zwischen Ehepartnern in manchen Ländern enger als in anderen. Doch ungeachtet der örtlichen Traditionen werden Ehemänner, die den Rat der Bibel in ihrer Ehe befolgen, feststellen, wie wertvoll es ist, die emotionellen Bindungen zu ihrer Frau enger zu knüpfen. Eine Ehefrau, die weiß, daß ihr Mann sie schätzt, ist eher bereit, ihm ihr Herz zu öffnen, und beide sind dann glücklicher.

      „Ein guter Zuhörer“, heißt es in dem Buch The Individual, Marriage, and the Family (Der einzelne, die Ehe und die Familie), „besitzt die Fähigkeit, dem anderen das Gefühl zu geben, daß er besonders geschätzt wird und daß das, was er sagt, beachtenswert und von Bedeutung ist.“ Ehepaare, die ein inniges Verhältnis entwickeln möchten, müssen daher achtgeben, wie sie zuhören. Wer interessiert zuhört, schenkt seinem Ehepartner volle Aufmerksamkeit und versucht zu verstehen, was dieser sagt, ohne ihn dabei zu unterbrechen, Gegenargumente vorzubringen oder das Thema zu wechseln. Ein inniges Verhältnis zu deinem Mann oder deiner Frau wird gedeihen, wenn du ein mitfühlender Zuhörer wirst und selbstloses, persönliches Interesse an den Belangen des anderen entwickelst (Philipper 2:3, 4).

      Eheberater empfehlen zur Verbesserung des Verhältnisses zueinander folgendes: 1. Lernt es, dem Partner mehr zu vertrauen als irgend jemand anders. 2. Räumt jeden Tag oder zumindest jede Woche etwas Zeit dafür ein, ungestört Gefühle und Gedanken auszutauschen. 3. Erzählt euch auch die kleinen Dinge, die ihr tagsüber erlebt habt. 4. Zeigt eure Zuneigung wiederholt durch kleine Aufmerksamkeiten — ein kleines, aber unerwartetes Geschenk, das Verrichten einer Hausarbeit, die dem anderen nicht so liegt (ohne darum gebeten zu werden), ein lieber Gruß auf einem Zettel im Butterbrotpaket oder eine unerwartete Berührung oder Umarmung.

      Allerdings kommt es bei den besten Ehepaaren hin und wieder zu Unstimmigkeiten. Die Vorschläge in dem Kasten sind eine Hilfe, zu verhindern, daß sich Auseinandersetzungen so ausweiten, daß eine Ehe auseinanderbricht.

      Gib die Hoffnung in bezug auf deine Ehe nicht auf, selbst wenn die Unstimmigkeiten ernste Formen annehmen. Ein Ehepaar, dessen Schwierigkeiten zu einer Trennung geführt hatten, versöhnte sich wieder, nachdem beide den biblischen Rat aus Kolosser 3:18, 19 gelesen und den festen Entschluß gefaßt hatten, ihn zu befolgen. Als sie ohne Umschweife über die Gefühle gesprochen hatten, die ihre Verstimmung hervorriefen, fragte einer den anderen: „Warum hast du mir nicht schon früher gesagt, wie du darüber denkst?“ Statt beweisen zu wollen, daß der andere im Unrecht ist, hörten sie einander zu und versuchten, sich in die Lage des anderen zu versetzen. Nun sind sie fast 10 Jahre wieder zusammen. Der Ehemann erkennt jetzt folgendes an: „Gebessert hat sich alles nur dank des einzigartigen Rates aus Gottes Wort. Unser jetziges Glück ist all die Anstrengungen wert.“

  • Teenager — Wie könnt ihr den Frieden in der Familie fördern?
    Erwachet! 1986 | 8. Januar
    • Teenager — Wie könnt ihr den Frieden in der Familie fördern?

      „ICH möchte um einen Rat bitten“, hieß es einleitend in dem Brief eines Mädchens. „Ich habe den Eindruck, daß ich mich mit meinen Eltern nur streite. Ich fühle mich einsam und bin oft deprimiert. Wenn nicht bald etwas geschieht, werde ich meinem Leben ein Ende setzen. ... PS: Schlagen Sie mir nicht vor, mit meinen Eltern darüber zu reden. Mir hört sowieso niemand zu.“

      Du bist vielleicht nicht so verzweifelt wie dieses Mädchen, aber viele Teenager machen zu Hause ähnliches durch. Täglich anfallende Arbeiten im Haushalt, Ausgehverbote, die Kleidung und das Frisieren, die Leistungen in der Schule, das Ausgehen mit Personen vom anderen Geschlecht und die Einstellung gegenüber anderen in der Familie — all das führt immer wieder zu kleinlichem Gezänk.

      Viele Jugendliche haben trotz alledem festgestellt, daß es den Frieden fördert, den Rat der Bibel zu befolgen. Und offensichtlich ist es wirklich von Vorteil, zu seinen Eltern ein friedliches Verhältnis zu haben. (Siehe Kasten auf Seite 7.) Welcher biblische Rat kann dir denn in dieser Hinsicht eine Hilfe sein?

      Die Eltern ehren und ihnen gehorchen

      „Gehorcht euren Eltern ... Ehre deinen Vater und deine Mutter ... ‚Damit es dir gutgeht und du lange Zeit auf der Erde bleibst‘“, lautet das biblische Gebot gemäß Epheser 6:1-3. Ist es denn nicht richtig, deine Eltern zu ehren, die dir das Leben geschenkt und dich als hilflosen Säugling gut genährt haben, die Opfer gebracht haben, um für Wohnung, Kleidung, Nahrung und für deine Gesundheit zu sorgen? Unter Gehorsam ist zu verstehen, das zu tun, was dir deine gottesfürchtigen Eltern sagen — selbst dann, wenn es schwierig ist. Das ist leichter gesagt als getan! Aber auf den Rat deiner Eltern zu hören, die dir an Lebenserfahrung weit überlegen sind, kann dich weiser machen und dir viele schmerzliche Erfahrungen ersparen.

      Zugegeben, das kann bedeuten, daß man es lernen muß, etwas Unangenehmes zu tun oder zu akzeptieren. Diese Schulung ist aber unerläßlich, um die Belastungen zu bewältigen, denen man als Erwachsener ausgesetzt ist. Wie der Kinderpsychiater Dr. Paul Gabriel feststellte, zeichnen sich „lebenstüchtige Kinder“ unter anderem dadurch aus, daß sie „Frustrationen ertragen können“. Sie lernen es, mit Enttäuschungen fertig zu werden, ohne am Boden zerstört zu sein, und sich mit dem Unabänderlichen abzufinden. Die Bibel läßt auch erkennen, daß der Kampf gegen Widerwärtigkeiten die Persönlichkeit formt. In Klagelieder 3:27 ist zu lesen: „Gut ist es für einen kräftigen Mann, daß er das Joch in seiner Jugend trage.“

      Was solltest du aber tun, wenn du meinst, deine Eltern würden deinen Standpunkt nicht berücksichtigen? Die Bibel rät folgendes: 1. Sprich ruhig, führe keine Wortgefechte (Sprüche 29:11). 2. Gebrauche „liebliche“ Worte. Sei nicht fordernd, wenn du möchtest, daß man dir Beachtung schenkt und dir hilft, sondern bitte darum (Sprüche 16:21, Lutherbibel). 3. Sei vernünftig. Begründe deinen Standpunkt nicht damit, daß du zum Beispiel sagst: „Das macht doch jeder“, sondern führe gute Gründe an. (Siehe Philipper 4:5.)

      Sage, was du auf dem Herzen hast

      Als Teenager hatte Gregory den Eindruck, von seiner Mutter kaum emotionellen Beistand zu erhalten. Ihre Einschränkungen schienen unvernünftig zu sein. Ohne Grund beschuldigte sie ihn, dieses oder jenes falsch gemacht zu haben. Gregorys Verbitterung führte täglich zu Schwierigkeiten. Als er sich im Königreichssaal der Zeugen Jehovas an einen reifen Christen wandte, veranlaßte ihn dieser dazu, seiner Mutter zu sagen, was er auf dem Herzen hatte (Hiob 33:3).

      „Ich setzte alles daran, ihr zu erklären, was ich wirklich empfand. Ich wollte, daß sie mich verstand und mich unterstützte“, sagte Gregory. „Ich half ihr, zu erkennen, daß ich nichts verkehrt gemacht hatte, und erklärte ihr, wie weh es mir tat, daß sie kein Vertrauen in mich setzte. Mit der Zeit begann sie meine Empfindungen zu verstehen, und unser Verhältnis besserte sich. Ich gehorchte ihr und achtete darauf, ihr keinen Grund zu geben, mir zu mißtrauen.“ Bleiben die emotionellen Bedürfnisse der Kinder unbefriedigt, ziehen sie sich oft zurück. Aber durch ein von Herzen kommendes Gespräch mit den Eltern kann sich die häusliche Atmosphäre verbessern.

      Wie sehr sich die Situation bei Gregory zu Hause zum Guten geändert hatte, kann besser bewertet werden, wenn man in Betracht zieht, daß seine Familie eine Familie ist, die mit besonderen Problemen zu kämpfen hat, nämlich die Einelternfamilie, deren Zahl rapide zunimmt.

      Die Einelternfamilie

      Heute hat in den USA eines von fünf Kindern entweder nur einen Vater oder nur eine Mutter, und in anderen Ländern sieht es ähnlich aus. Eine alleinerziehende Mutter in Peru berichtete, welch großer Belastung sie durch die lange Arbeitszeit und die zusätzliche Arbeit im Haushalt ausgesetzt war. Doch sie sagte: „Was das Leben noch beschwerlicher machte, war, daß die Kinder nicht auf das hörten, was ich ihnen sagte.“

      Wenn du als Kind zu einer solchen Familie gehörst, dann sei rücksichtsvoll und bekunde die Eigenschaft, die in der Bibel als „Mitgefühl“ bezeichnet wird (1. Petrus 3:8). Sei gehorsam. Erweise dich als ein echter Sohn oder eine echte Tochter, indem du deiner Mutter oder deinem Vater nicht nur bei den im Haus anfallenden Arbeiten hilfst, sondern ihm oder ihr auch emotionell Beistand leistest. Sei froh, daß du jemanden hast, der für dich sorgt und darauf bedacht ist, dich richtig zu erziehen. Mit den zusätzlichen Anforderungen fertig zu werden, die an eine Einelternfamilie gestellt werden, wird zur Verbesserung deiner Persönlichkeit beitragen.a

      Natürlich ist in keiner Familie alles perfekt. Konzentriere dich ungeachtet dessen auf die positiven Seiten deiner Familie, schätze das Positive, und fördere dann den Frieden.

      [Fußnote]

      a Siehe den Artikel „Nur du und ich, Mutti!“ in der Erwachet!-Ausgabe vom 22. Mai 1981.

  • Frieden in der Zweitfamilie
    Erwachet! 1986 | 8. Januar
    • Frieden in der Zweitfamilie

      • „Stiefvater verliert die Geduld und prügelt Stiefsohn zu Tode.“

      • „Teenager tötet Stiefvater mit Pistolenschüssen.“

      • „Frau erschießt 14jährigen Stiefsohn, weil sie sein Benehmen nicht mehr ertragen konnte.“

      „DAS Leben in einer Stieffamilie kann äußerst belastend sein“, erklärte Dr. John Visher, Mitbegründer der amerikanischen Stepfamily-Stiftung. „Wenn jemand mit unrealistischen Erwartungen eine solche Beziehung eingeht, wird er wahrscheinlich bald darüber klagen, daß er unter beträchtlicher nervlicher Belastung steht.“ Parallel zu den steigenden Scheidungsraten hat sich auch die Zahl der Zweitfamilien drastisch erhöht. Traurigerweise brechen 44 Prozent dieser Familien in den ersten fünf Jahren wieder auseinander. Viele haben aber das besondere Problem überwunden, aus zwei Familien eine zu machen. Dabei war die Beachtung folgender biblischer Grundsätze wichtig.

      „Besser ist das nachherige Ende einer Sache als ihr Anfang. Besser ist einer, der geduldig ist, als einer, der hochmütigen Geistes ist. Sei nicht eilig in deinem Geist, ... [dich] gekränkt zu fühlen“ (Prediger 7:8, 9). Geduld ist in einer solchen Situation entscheidend. Familienbande, die in einer natürlichen Familie eine Selbstverständlichkeit sind, müssen hier erst geknüpft werden. Eine Zweitfamilie ist keine „Instant-Familie“. Fachleute sagen, der Prozeß zur Entwicklung eines „Wir“-Gefühls könne vier bis sieben Jahre dauern. In der Anfangsphase sollten Eltern in Zweitfamilien nicht zu empfindlich sein. Sie sollten versuchen, ruhig zu bleiben, wenn die ersten Bemühungen, sich mit den Kindern des Ehepartners anzufreunden, abgewehrt werden.

      „Durch Vermessenheit verursacht man nur Streit, aber bei denen, die sich miteinander beraten, ist Weisheit“ (Sprüche 13:10). Eine halsstarrige, vermessene Haltung — entweder auf seiten der Kinder oder auf seiten der Eltern — führt zu Unfrieden. Setzt euch als Familie regelmäßig zusammen, um Probleme zu erörtern. Lernt es, eure Gefühle so auszudrücken, daß ihr die anderen dabei nicht verletzt. Je mehr ihr über die „neuen“ Familienmitglieder durch offene Gespräche erfahrt, desto näher werdet ihr euch kommen.

      „Wer in einer Sache Einsicht bekundet, wird Gutes finden, und glücklich ist, wer auf Jehova vertraut“ (Sprüche 16:20). Zur Einsicht gehört es, hinter die augenfälligen und unverkennbaren Gründe für eine gewisse Einstellung und ein bestimmtes Verhalten zu blicken. (Siehe Interview auf der nächsten Seite.) Einsicht kann einem helfen, an anderen das Gute zu sehen.

      Eine Stiefmutter unterbrach zum Beispiel eine hitzige Diskussion, indem sie folgenden Vorschlag machte: „Jeder von uns nennt jetzt einmal eine Eigenschaft, die ihm an den anderen nicht gefällt, und sofort danach eine, die ihm wirklich gut gefällt.“ Später schrieb sie: „Wir waren erstaunt, wie viele gute Eigenschaften wir fanden. Hinterher umarmten wir uns unter Tränen.“ In einer anderen Familie begehrte ein Teenager auf, nachdem seine Mutter sich wiederverheiratet hatte, aber durch Einsicht konnte der Frieden wiederhergestellt werden. „Nach ein paar Monaten sah ich ein“, sagte Jeff, „daß er der Mann ist, der meine Mutter glücklich macht, und das ist wichtig, sonst nichts.“

      Inwieweit man aber diese Grundsätze anwendet oder nicht, hängt von der Einstellung zu Gott ab. „Wer auf Jehova vertraut“, ihm also gefallen möchte, besitzt den Schlüssel zum Frieden in einer Zweitfamilie.

  • Das Leben in der Zweitfamilie
    Erwachet! 1986 | 8. Januar
    • Das Leben in der Zweitfamilie

      Ein Interview mit der Direktorin der Stepfamily-Stiftung

      Jeannette Lofas, Direktorin der Stepfamily-Stiftung und Koautorin des Buches Living in Step (Das Leben in der Zweitfamilie), hat die beispiellosen Anforderungen untersucht, die an eine Zweitfamilie gestellt werden. Folgendes Interview, das sie Erwachet! gab, zeigt, wie man diesen gerecht werden kann.

      Frage: Frau Lofas, was macht das Leben in einer Zweitfamilie so schwer?

      Antwort: Einer Stiefmutter haftet von Anfang an nicht der beste Ruf an, später bringt sie sich aber oft selbst in Mißkredit. Die zweite Mutter oder der zweite Vater hofft meist, die gleiche Anerkennung zu finden wie die leibliche Mutter oder der leibliche Vater. In der Regel gelingt dem Stiefelternteil das nicht. Bewußt oder unbewußt versucht er fast immer, sich zu bewähren. Stiefkinder wehren sich zumeist gegen diese elterliche Fürsorge, um gegenüber dem leiblichen Elternteil, der von ihnen getrennt lebt, nicht illoyal zu sein. Der biologische Elternteil nimmt eine geheiligte Stellung ein. Anfangs wird eine Stiefmutter oder ein Stiefvater gegen eine Wand reden. Es muß also nicht immer so ausgehen: „Wenn du mich liebst, wirst du auch meine Kinder lieben.“

      Frage: Warum sind Stiefkinder oft so feindselig eingestellt?

      Antwort: Ein Kind wird von einer Scheidung wirklich hart betroffen. Es ist deprimiert, weil es entweder von Mutti verlassen worden ist oder weil Vati nicht mehr da ist und ihm nicht mehr genügend Aufmerksamkeit schenkt. Kinder schreiben den Grund für dieses Mißempfinden oft dem neuen Elternteil zu. Man nennt das Verschiebung. Somit laden Kinder den Stiefeltern wie Sündenböcken die Schuld für ihr Mißempfinden auf und sind ihnen gegenüber ganz plötzlich widerspenstig und kratzbürstig.

      Frage: Wie kann man einem Kind helfen, mit diesem „Mißempfinden“ fertig zu werden?

      Antwort: Vor allem müssen sowohl der betroffene Elternteil als auch die Kinder anerkennen, daß derartige Gefühle ein normaler Teil des Verhaltensmusters einer Zweitfamilie sind. Würde man sie auf das Kind oder den Stiefelternteil statt auf das Verhaltensmuster zurückführen, könnte man in große Schwierigkeiten geraten. Das Kind muß verstehen lernen, daß es normal ist, zunächst verwirrt, zornig und frustriert zu sein. Meist ist es für das Kind eine große Hilfe, wenn man ihm erklärt, warum es so empfindet, und Mitgefühl zeigt. Der leibliche Elternteil sollte dem Kind beruhigend versichern, er werde immer eine Sonderstellung einnehmen und das Kind habe daher keinen Grund, den Stiefelternteil als jemand zu fürchten, der widerrechtlich „die Macht ergreift“.

      Frage: Kann es dem Stiefelternteil wirklich gelingen, Stiefkinder zu erziehen?

      Antwort: Ja, indem von Anfang an „Hausregeln“ aufgestellt werden. Liebe bedeutet, den Kindern Grenzen zu setzen, und nicht, ihnen freien Lauf zu lassen. Zucht und Liebe müssen gegeneinander abgewogen werden — in „normalen“ wie in Zweitfamilien. In Zweitfamilien ist aber die Liebe meist nicht so deutlich zu verspüren. Die biologische Verbundenheit und die gemeinsame Vergangenheit fehlen, was die Ursache dafür sein kann, daß der Stiefelternteil zu heftig reagiert oder das Stiefkind sich gegenüber der Erziehung durch einen „Fremden“ reserviert verhält. Ein Stiefvater sollte seiner Autorität eher durch ein gutes Beispiel als durch das Erteilen von Befehlen Ausdruck verleihen.

      Frage: Was bereitet bei Zuchtmaßnahmen ernste Probleme?

      Antwort: Wenn Vater und Mutter sich in Gegenwart der Kinder uneins sind. Für Kinder ist es das schlimmste, wenn sich die zwei Erwachsenen, die in ihrem Leben eine bedeutende Rolle spielen, uneins sind. Das Kind weiß dann nicht, wohin es sich wenden soll. Für eine Zweitfamilie wäre es der Untergang, keine „Hausordnung“ zu haben. Es ist äußerst wichtig, daß Eltern die Regeln, die in der Familie gelten sollen, unter sich festlegen und sich auch darüber einig sind, wie Mißachtungen zu ahnden sind. Dann müssen sie das dem Kind klarmachen. Ein Stiefvater kleidete es in die Worte: „Es ist eine wunderbare Sache, wenn die Mutter sagt: ‚Das ist mein Mann, dein Stiefvater. Erzogen wirst du von uns beiden.‘“

      Frage: Wie wichtig ist die Beziehung zwischen den Ehepartnern?

      Antwort: Dies ist die vorrangige Beziehung, und sie muß gefestigt sein, da alles andere sonst nicht funktionieren würde. Es ist nötig, etwas aufzubauen, was wir die Stärke des Ehepaares nennen. Das schafft einen festen Familienzusammenhalt. Ohne diese Stärke geraten die Kinder nicht nur in Verwirrung, sondern sie werden auch einen Keil zwischen Mutter und Vater treiben. Eltern sollten vor ihnen als Ehepaar auftreten. Sie tun gut daran, sich gemeinsam der Kinder zu erfreuen und nicht einen Partner die Last tragen zu lassen.

      Frage: Sind religiöse Wertvorstellungen eine Hilfe?

      Antwort: Ja, sogar sehr. Sie versetzen Ehepartner in die Lage, über unbedeutende Fehler erhaben zu sein. Ein Ehemann könnte zum Beispiel bei einer Gelegenheit sein leibliches Kind unrichtigerweise begünstigen. Die Frau könnte darüber erzürnt sein. Wird sie über die Belanglosigkeit dieses Streitpunktes erhaben sein und sich mit dem Vorfall nicht weiter beschäftigen? Richtig, er hat sich verkehrt verhalten. Was nun? Es ist passiert. Wie soll es weitergehen? Ihre religiösen Wertvorstellungen sind ihr eine Hilfe, da sie sich dadurch veranlaßt fühlt zu denken: „Was würde Gott von mir erwarten? Daß wir die Familie funktionstüchtig erhalten. Wie müssen wir also jetzt vorgehen, damit das geschieht? Dadurch, daß wir versuchen, dem Willen Gottes zu entsprechen, können wir das System funktionstüchtig erhalten.“

Deutsche Publikationen (1950-2025)
Abmelden
Anmelden
  • Deutsch
  • Teilen
  • Einstellungen
  • Copyright © 2025 Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania
  • Nutzungsbedingungen
  • Datenschutzerklärung
  • Datenschutzeinstellungen
  • JW.ORG
  • Anmelden
Teilen