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  • Chemische Pflanzenschutzmittel machen nicht nur Ungeziefer den Garaus
    Erwachet! 1999 | 22. Februar
    • „SO MUSS es sein“, sagt der Landwirt Domingos dos Santos, als er auf seinem Land in Südbrasilien über sein Maniokfeld schaut. Er hat Grund, zufrieden zu sein. Die Blätter der Pflanzen sehen so aus, als hätte kein schädliches Insekt jemals einen Fuß darauf gesetzt. Ist das wieder einmal das Verdienst chemischer Insektenbekämpfungsmittel? Nein. „Letztes Jahr und dieses Jahr“, sagt Domingos, „mußte ich keinen einzigen Tropfen Insektenvertilgungsmittel kaufen.“

      Domingos gehört zu einer immer größer werdenden Gruppe von Landwirten, die zum Schutz ihrer Felder vor Schädlingen nur ungern chemische Pestizide einsetzen.a Statt dessen verwenden sie Methoden, die den Gebrauch von Chemikalien unnötig machen oder zumindest senken. „Was für Methoden sind das?“ frage ich Sandro Müller, einen Agronomen, der auf einer Zitrusplantage in der Nähe von São Paulo einige Experimente durchführt. „Wieso halten es Landwirte überhaupt für sinnvoll, weniger Sprühmittel gegen Insekten einzusetzen?“

  • Chemische Pflanzenschutzmittel machen nicht nur Ungeziefer den Garaus
    Erwachet! 1999 | 22. Februar
    • IPM — eine Alternative

      „Was ist IPM?“ frage ich Professor Evôneo Berti Filho, den Leiter der Abteilung für Entomologie an der Universität São Paulo in Piracicaba, einen führenden Forscher auf dem Gebiet der natürlichen Schädlingsbekämpfung. Professor Berti erklärt, das Ziel der IPM sei, die Anwendung von Insektenbekämpfungsmitteln auf ein absolutes Minimum zu beschränken und nur Insektizide zu verwenden, die bestimmte schädliche Insektenarten abtöten. Eine begrenzte Anwendung von Sprühmitteln werde dann durch natürliche Formen der Schädlingsbekämpfung ergänzt.

      Eine dieser Formen der Schädlingsbekämpfung ist der Fruchtwechsel. Beispielsweise kann ein Landwirt jedes Jahr zwischen dem Anbau von Mais und Bohnen abwechseln. Insekten, die Mais lieben, sich aber aus Bohnen nichts machen, verhungern entweder oder ziehen von dannen und suchen sich ein neues Maisfeld. Wird das nächste Mal wieder Mais angepflanzt, sind die meisten der Insekten wahrscheinlich verschwunden — zumindest eine Zeitlang. Bis die Maisfreunde erneut in Scharen zurückkehren, werden sie durch den Anbau anderer Pflanzen wahrscheinlich dazu gezwungen, gleich wieder „auszuwandern“.

      Ein weiterer Aspekt der IPM ist die biologische Schädlingsbekämpfung. Hierbei macht sich der Landwirt Insekten, Bakterien, Viren, Pilze und andere natürliche Feinde der Schädlinge zu Verbündeten. Brasilianische Forscher haben beispielsweise beobachtet, daß in freier Natur viele Raupen starben, nachdem sie sich das sogenannte Baculovirus zugezogen hatten. Da das Virus für den Menschen unschädlich ist, überlegten sich die Forscher, daß sie die Felder mit einer Flüssigkeit, die dieses Virus enthält, behandeln könnten; die Flüssigkeit würde dann wie ein biologisches Insektenbekämpfungsmittel auf die sich an den Sojabohnen und Maniokpflanzen gütlich tuenden Raupen wirken. Es klappte. Die Raupen starben, ein paar Tage nachdem sie die behandelten Pflanzen angeknabbert hatten. Obendrein lieferten die Raupen den Landwirten eine kostenlose Waffe im Fall künftiger Schädlingsinvasionen. Wieso?

      „Die Landwirte werfen die infizierten toten Raupen einfach in ein Mahlwerk“, erklärt Professor Berti, „mahlen sie, filtern die gemahlene Masse, sammeln die sich daraus ergebende Flüssigkeit und frieren sie ein.“ Später tauen sie die virusinfizierte Flüssigkeit wieder auf, verdünnen sie mit Wasser und behandeln ihre Felder damit.

      Dieses biologische Insektenbekämpfungsmittel ist vielleicht kein so schnell wirkender Hammer wie sein chemisches Gegenstück, aber es hat nach Angaben einer Forscherin eine Erfolgsrate von mindestens 90 Prozent.

      Insekten bekämpfen — auf natürliche Weise

      Sich bei der Bekämpfung schädlicher Insekten Nützlinge zu Verbündeten zu machen ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der biologischen Schädlingsbekämpfung. Doch trotz Bemühungen, Landwirte von dieser Form der Insektenbekämpfung zu überzeugen, sind viele Farmer in Brasilien und anderswo auf dem Gebiet noch immer zurückhaltend. Warum? Anscheinend ergibt das bewußte Aussetzen von Insekten auf den Feldern für sie genausowenig Sinn, wie es für einen Stadtmenschen Sinn ergeben würde, in Wohnungen Kakerlaken auszusetzen. „Die meisten Landwirte“, erklärt mir Professor Berti, „halten alle Insekten für Pflanzenfresser. Das letzte, was ein Landwirt will, ist, noch mehr von diesen Pflanzenfressern zu haben.“

      Die biologische Schädlingsbekämpfung wird somit nur dann an Beliebtheit zunehmen, wenn die Landwirte begreifen, daß einige Insekten ihre Freunde oder Verbündeten sind. Obstbauern in Kalifornien (USA) haben sich zum Beispiel Ende des letzten Jahrhunderts Marienkäfer zunutze gemacht. Damals hatten schädliche Insekten, die versehentlich aus Australien eingeschleppt worden waren, nahezu alle Zitronen- und Orangenbäume vernichtet. In weniger als zwei Jahren brachten die Marienkäfer die Eindringlinge unter Kontrolle und retteten Kaliforniens Zitrusplantagen.

      Eine Schädlingsbekämpfung, die ganz anders ist

      Heute entdecken etliche Landwirte in Brasilien wieder die Bedeutung der joaninha („kleine Joanna“ — so nennt man hier den Marienkäfer) als zuverlässige „Sicherheitsbeamtin“. „joaninhas bekämpfen die Blattläuse in den Zitruspflanzungen“, erklärt mir Sandro, als wir in der Zitrusplantage, die er verwaltet, an zahllosen Reihen von Orangenbäumen entlanggehen. An einem Orangenbaum hält er an, greift nach einem Zweig mit jungen Blättern und biegt ihn herunter. Blattläuse — schwerfällige, stecknadelkopfgroße Insekten — sitzen regungslos da, ihren Rüssel fest im Blatt verankert, und saugen den Saft aus dem Blatt.

      Diese Läuse dienen den „Sicherheitsbeamten“ allerdings als Nahrung. Bei bestimmten Marienkäferarten kann ein einziger Marienkäfer während seiner Lebensdauer sage und schreibe 800 Läuse verdrücken. Bringt das etwas? „O ja“, meint Sandro, „man muß nur genug Gras und Unkraut zwischen den Zitrusbäumen stehenlassen, damit die vielen Marienkäfer und andere natürliche Feinde eine Heimat haben.“ Früher, als auf dieser Obstplantage noch keine biologische Schädlingsbekämpfung praktiziert wurde, so erzählt Sandro weiter, wurden alle zwei Wochen chemische Insektenvertilgungsmittel ausgebracht. Dank der natürlichen Feinde wie des Marienkäfers und anderer Insekten müssen heute nur noch jeden zweiten bis dritten Monat Insektizide eingesetzt werden.

      Der Marienkäfer ist nur einer von vielen natürlichen Verbündeten, auf die sich Landwirte verlassen können. Bienen, Wespen, Vögel, Spinnen, Frösche, Kröten, um nur einige zu nennen, gehören alle zu der emsigen Schädlingsbekämpfungstruppe, die rund um die Uhr im Einsatz ist. Sogar Fische leisten ihren Beitrag dazu, Sprühmittel einzusparen. Wie?

      Nach einem Bericht des Forschers Xiao Fan vom Ministerium für Land- und Forstwirtschaft in Nanking (Provinz Jiangsu) ging der Bedarf an Insektiziden in China zurück, als man damit begann, auf überfluteten Reisfeldern Fische zu züchten. Die Landwirte bewegten die Pflanzen mit Hilfe eines Seils, so daß die Insekten ins Wasser fielen. „Da sich Zikaden totstellen, wenn sie von den Reispflanzen hinunterfallen“, erklärt Xiao Fan, „können sie von den Fischen mühelos verspeist werden.“

      Die sparsamere Verwendung von Pflanzenschutzmitteln ermöglicht Nützlingen das Überleben. Im Verbund mit den insektenfressenden Fischen bekämpfen diese nützlichen Insekten Schädlinge. Dank der biologischen Schädlingsbekämpfung sei die Zeit passé, in der man große Mengen giftiger Insektizide verwendete, sagt Xiao Fan. Die gesundheitlichen und ökologischen Vorteile lägen auf der Hand, meint er weiter.

      Landwirte machen von IPM freilich mehr aus wirtschaftlichen als aus ökologischen Gesichtspunkten Gebrauch. Schließlich spart man durch die verringerte Verwendung teurer Pestizide viel Geld, und das bedeutet größere Profite — etwas, was schon immer und überall gelockt hat. Nichtsdestoweniger: Wenn IPM bewirkt, daß es neben dem größeren wirtschaftlichen Profit auch weniger vergiftete Felder und weniger Umweltschäden gibt, dann kommt IPM nicht nur dem Landwirt und dem Verbraucher, sondern auch dem Ökosystem zugute. Wohl deshalb hat jemand einmal gesagt, mit IPM sei „jeder auf der Gewinnerseite“.

  • Chemische Pflanzenschutzmittel machen nicht nur Ungeziefer den Garaus
    Erwachet! 1999 | 22. Februar
    • Gentechnisch veränderte Pflanzen — Wieso umstritten?

      Biotechnische Verfahren sind eine weitere Waffe im Kampf gegen Schädlinge. Auf Grund wachsender Erkenntnisse über die inneren Mechanismen des DNS-Moleküls sind Forscher in der Lage gewesen, Teile der DNS verschiedener Arten zu kombinieren und Pflanzen zu entwickeln, die mit einem eingebauten Verteidigungsmechanismus gegen Schädlinge ausgestattet sind.

      Ein Beispiel hierfür ist Mais. Gentechniker haben in die DNS von Mais ein fremdes Gen eingebaut. Dieses neue Gen hat seinerseits ein Protein entwickelt, das sich für Schädlinge als tödlich erweist. Das Ergebnis ist eine genetisch manipulierte Maispflanze, die feindlichen Insekten standhält.

      Gentechnisch veränderte Pflanzen sind jedoch umstritten. Gegner sind der Meinung, daß sie bei Menschen Krankheiten hervorrufen könnten oder sich wie Unkraut vermehren könnten. Manche Wissenschaftler warnen davor, daß die Schädlinge wegen der Pflanzen, die mit einem Insekten abtötenden Gen ausgestattet sind, schneller resistent werden könnten. „Wir sollten unsere Begeisterung über die Gentechnologie etwas zügeln“, sagt der Entomologe Berti warnend. „In den 50er Jahren waren die Leute ja auch ganz aus dem Häuschen, als es hieß, Insektizide würden wahre Wunder wirken. Heute wissen wir es besser. Wundermittel gegen Insekten haben Wunderexemplare an Insekten hervorgezaubert. Wer weiß, was für Probleme die heutigen gentechnisch veränderten Wunderpflanzen auslösen werden!“

      Manche Menschen haben zudem moralische Bedenken, wenn sich Wissenschaftler am genetischen Code zu schaffen machen, selbst wenn alle biologischen Fragen gelöst wären. Viele denken, daß die Biotechnologie zwar alte Probleme in Verbindung mit Pestiziden lösen könnte, uns dafür aber vor neue, ethische Probleme stellen würde.

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