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Die Bibel — Von Gott inspiriert?Wird es je eine Welt ohne Krieg geben?
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Im Laufe der Zeit trat im Denken der Nation Israel jedoch ein grundlegender Wechsel ein. Die Pharisäer, die im ersten Jahrhundert u. Z. im Judentum zu hohem Ansehen gelangten, traten für die Lehre der „mündlichen Thora“ ein, die sie bereits zweihundert Jahre früher entwickelt hatten. Sie lehrten, Gott habe der Nation Israel am Berg Sinai außer einem schriftlichen Gesetz gleichzeitig auch ein mündliches Gesetz gegeben. Gemäß dieser Ansicht erklärt und deutet dieses inspirierte mündliche Gesetz Einzelheiten des schriftlichen Gesetzes, Einzelheiten, die Moses — wie Gott ihm ausdrücklich gesagt habe — nicht aufzeichnen sollte. Das mündliche Gesetz durfte nicht schriftlich niedergelegt, sondern sollte von Mund zu Mund, vom Lehrer zum Schüler, von Generation zu Generation weitergegeben werden. Das verlieh den Pharisäern, die sich als Hüter dieser mündlichen Überlieferung betrachteten, besondere Befugnisse.g
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Die Bibel — Von Gott inspiriert?Wird es je eine Welt ohne Krieg geben?
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g Diese von den Pharisäern aufgebrachte Lehre wurde von vielen ihrer jüdischen Zeitgenossen abgelehnt. Die Sadduzäer, von denen viele Priester waren, und die Essener aus dem ersten Jahrhundert verwarfen diese pharisäische Anschauung. Heute betrachten sowohl die Karäer (seit dem achten Jahrhundert u. Z.) als auch die Reformjuden und die konservativen Juden solch ein mündliches Gesetz nicht als von Gott inspiriert. Die orthodoxen Juden dagegen halten diese Überlieferungen für inspiriert und für verbindlich.
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