Hochzeiten, die Jehova ehren
Der folgende Artikel über christliche Hochzeiten wurde ursprünglich in Äthiopien verfaßt, um vielen im Land, die in jüngerer Zeit Zeugen Jehovas geworden sind, auf amharisch hilfreiche Anleitung zu geben. Die darin behandelten Bräuche unterscheiden sich vielleicht von denen, die dort üblich sind, wo wir leben. Es kann recht interessant sein, diese Unterschiede zu betrachten. Gleichzeitig wird in dem Artikel ausgewogener biblischer Rat dargelegt, der unabhängig von den ortsüblichen Hochzeitsbräuchen anwendbar ist.
„CHRISTLICHE Hochzeiten, die Freude bereiten“ — so lautete der Titel eines ausgezeichneten Studienartikels im Wachtturm vom 15. Juli 1984. Der darauffolgende Artikel in dieser Ausgabe stand unter dem Thema „Hochzeitsfeiern in einem freudigen, doch würdigen Rahmen“. (Wer sich mit Heiratsabsichten trägt, findet darüber hinaus guten Rat in den Büchern Das Familienleben glücklich gestalten, Kapitel 2, und Mache deine Jugend zu einem Erfolg, Kapitel 19 und 20.)a Viele sind Zeugen Jehovas geworden, nachdem diese Artikel veröffentlicht wurden, weshalb wir einigen Aufschluß daraus, der für unsere Gegend besonders treffend ist, betrachten möchten sowie zusätzliche passende Punkte, die uns helfen werden, Hochzeiten so zu gestalten, daß bei diesem Anlaß Jehova, der Stifter der Ehe, geehrt wird.
Zunächst wäre die Frage zu behandeln, auf welchen Zeitpunkt eine Hochzeit gelegt wird. Sollte man sich bei der Wahl des Datums nach der ortsüblichen traditionellen Hochzeitssaison richten? Jede Ehe, die zu einer anderen Jahreszeit geschlossen werde, so der Volksglaube, könne keinen Erfolg haben. Dieser Aberglaube entbehrt jeglicher Grundlage, denn viele, die Jehova gemeinsam als glückliches Ehepaar dienen, haben nicht in der traditionellen Saison geheiratet. Wir glauben nicht an glück- oder unheilbringende Vorzeichen (Jesaja 65:11; Kolosser 2:8). Auch würden wir ungläubigen Verwandten nicht helfen, den Unterschied zwischen der Wahrheit und der Lüge zu erkennen, wenn wir uns beim Festlegen eines Heiratsdatums nach ihrem Aberglauben richteten. Tatsache ist, daß Christen in jedem Monat heiraten können.
Ist nach der erforderlichen standesamtlichen Trauung eine Hochzeitsansprache geplant, wäre es klug, zwischen beiden Ereignissen keinen längeren Zeitabschnitt von etlichen Tagen verstreichen zu lassen. Möchte das Paar, daß die Hochzeitsansprache im Königreichssaal gehalten wird, sollte es lange genug im voraus die Versammlungsältesten darum bitten, den Saal benutzen zu dürfen. Die Ältesten der Ortsversammlung werden sich vergewissern, daß sie dem, was in Verbindung mit der Trauung geplant ist, guten Gewissens zustimmen können. Der Zeitpunkt sollte so gewählt werden, daß dadurch die Versammlungstätigkeit nicht beeinträchtigt wird. Der Bruder, der die Hochzeitsansprache halten soll, wird sich mit Braut und Bräutigam im voraus zusammensetzen, um hilfreiche Ratschläge zu erteilen und sich zu vergewissern, daß der Eheschließung keine sittlichen oder rechtlichen Hindernisse im Weg stehen und er sein Einverständnis zu dem geben kann, was für ein etwaiges geselliges Beisammensein im Anschluß an die Ansprache geplant ist. Die Hochzeitsansprache sollte ungefähr eine halbe Stunde dauern, dargeboten auf würdige Weise, die den geistigen Aspekt betont. Die Hochzeitsansprache ist entschieden wichtiger als jede anschließende Feier.
Eine christliche Hochzeit bietet gute Gelegenheit zu zeigen, daß wir „kein Teil der Welt“ sind (Johannes 17:14; Jakobus 1:27). Unsere Ordentlichkeit sollte deutlich erkennbar sein. Das würde bedeuten, daß wir pünktlich erscheinen, statt die Leute warten zu lassen und womöglich Versammlungsaktivitäten zu stören. Besonders die Braut sollte hierauf achten, denn weltliche Verwandte drängen sie womöglich dazu, extra spät zu kommen, weil dadurch ihre Bedeutung unterstrichen werde. Eine reife Christin kann durch Pünktlichkeit unter Beweis stellen, daß ihr geistige Eigenschaften wie Demut und Rücksichtnahme wichtig sind. Ordentlichkeit ist auch dann wichtig, wenn ein Fotograf beauftragt wird, das Ereignis im Bild festzuhalten. Wir tun gut daran, darauf zu bestehen, daß der Fotograf mit Jackett, ordentlicher Hose und Krawatte erscheint und die Ansprache nicht stört, wenn er Aufnahmen macht. Während des Gebets sollten keine Aufnahmen gemacht werden. Durch unsere Ordentlichkeit ehren wir Jehova und geben ein gutes Zeugnis. Wir brauchen uns keinen gesellschaftlichen Zwängen unterzuordnen, durch die von der eigentlichen Bedeutung des Ereignisses abgelenkt würde.
Für eine erfolgreiche Hochzeit ist eine Feier nicht unerläßlich, doch gibt es nach der Bibel auch nichts gegen eine solch fröhliche Veranstaltung einzuwenden. Allerdings sollte sich ein derartiges Beisammensein echter Christen abheben von weltlichen Hochzeitsfeiern, die geprägt sind von Extravaganz, unmäßigem Essen und Trinken, wilder Musik, aufreizendem Tanzen und sogar Schlägereien. Die Bibel zählt „Schwelgereien“ zu den Werken des Fleisches (Galater 5:21). Eine Feier richtig zu beaufsichtigen fällt leichter, wenn nicht zu viele anwesend sind. Es ist nicht nötig, ein Festzelt aufzustellen, nur weil das allgemein gern gesehen wird. Beschließt jemand, aus Platzgründen oder wegen des Wetters ein Festzelt zu verwenden, ist das seine Sache.
Die Erfahrung hat gezeigt, daß sich die Zahl der Gäste am besten begrenzen läßt, wenn man schriftliche persönliche Einladungen verwendet. Es ist besser, die Gäste einzeln einzuladen statt pauschal ganze Versammlungen, und als ordentliche Christen sollten wir solche Eingrenzungen auch respektieren. Durch schriftliche Einladungen läßt sich auch die peinliche Situation vermeiden, daß ein Ausgeschlossener bei der Feier auftaucht, denn dann könnten viele Brüder und Schwestern beschließen zu gehen (1. Korinther 5:9-11). Lädt ein Paar ungläubige Verwandte oder Bekannte ein, wird es deren Zahl zweifellos beschränken und sich hauptsächlich auf die konzentrieren, „die uns im Glauben verwandt sind“ (Galater 6:10). Manche haben weltliche Bekannte oder ungläubige Verwandte eher zur Hochzeitsansprache als zur Feier eingeladen. Warum? Es ist schon vorgekommen, daß weltliche Verwandte bei einer Hochzeitsfeier eine derart peinliche Situation verursacht haben, daß viele Brüder und Schwestern beschlossen zu gehen. Manche Paare haben auch einfach nur ein Essen mit ihren engsten Familienangehörigen und christlichen Freunden arrangiert.
Im Einklang mit Johannes 2:8, 9 ist es praktisch, einen „Festleiter“ zu bestimmen. Der Bräutigam wird einen vertrauenswürdigen Christen auswählen, der darauf achtet, daß die Ordnung eingehalten wird und man sich an hohe Maßstäbe hält. Bringen Freunde Geschenke, sollte dies ohne „auffällige Zurschaustellung“ geschehen (1. Johannes 2:16). Musik kann Freude bereiten, ohne durch fragwürdige Texte, eine übertriebene Lautstärke oder einen wilden Rhythmus negativ aufzufallen. Viele haben gute Erfahrungen damit gemacht, daß sich ein Ältester die Musik, die gespielt werden sollte, im voraus anhörte. Mit dem Tanzen können Fallgruben verbunden sein, da viele traditionelle Tänze von Fruchtbarkeitstänzen herstammen und unangebrachte Sinnlichkeit betonen. Der Moment, in dem die Hochzeitstorte angeschnitten und zusammen mit dem Sekt serviert wird, war manchmal für weltliche Gäste das Signal, auf den Putz zu hauen. Viele christliche Paare haben sogar entschieden, auf ihrer Hochzeitsfeier keinen Alkohol auszuschenken, um Problemen aus dem Weg zu gehen.
Da wir Jehova ehren möchten, wollen wir eine auffällige Zurschaustellung, durch die ungebührlich viel Aufmerksamkeit auf uns gelenkt würde, vermeiden. Selbst in weltlichen Veröffentlichungen hat man sich gegen den allgemein vorherrschenden Trend zur Extravaganz ausgesprochen. Wie töricht wäre es doch, wenn sich ein Paar in Schulden stürzen würde, um eine ausgefallene Hochzeit zu feiern, und dann jahrelang unter Entbehrungen leiden müßte, um die Ausgaben für einen einzigen Tag abzubezahlen! Die Kleidung, die bei einer solchen Gelegenheit getragen wird, sollte selbstverständlich ‘bescheiden und wohlgeordnet sein, wie es sich für eine Person ziemt, die Gott zu verehren bekennt’ (1. Timotheus 2:9, 10). Der Artikel „Christen sollten in vernünftigem Rahmen Hochzeit halten“ (Wachtturm vom 15. April 1969) enthielt folgende interessante Bemerkungen zur Hochzeitskleidung:
„Die Hochzeit ist ein besonderer Anlaß, und man möchte deshalb gewöhnlich festlich und nett aussehen. Das heißt aber nicht, daß man eine bestimmte Art Kleidung tragen müßte. Das beste ist, man richtet sich nach der einheimischen Mode, nach den Kosten und dem persönlichen Geschmack. ... Wäre es aber vernünftig, ein teures Brautkleid zu kaufen, wenn man dadurch sich oder anderen eine finanzielle Last aufbürden würde?“ Weiter hieß es in dem Artikel, daß manche sich das Hochzeitskleid „von einer lieben Freundin oder Verwandten leihen. Wieder anderen bereitet es große Freude, ihr Brautkleid selbst anzufertigen, wenn möglich so, daß sie es später bei anderen Gelegenheiten wieder tragen können. Es ist auch vollkommen in Ordnung, wenn ein Brautpaar am Hochzeitstag in seinen besten üblichen Kleidern erscheint ... Andere, die sich vielleicht eine kostspielige Hochzeit leisten könnten, mögen wegen der kritischen Zeiten ... eine schlichte Hochzeit vorziehen.“
Auch das Gefolge des Brautpaares (die Freunde des Bräutigams und die Gefährtinnen der Braut) muß nicht groß sein. Die Beteiligten sollten durch ihre Kleidung und ihr Verhalten ebenfalls keine ungebührliche Aufmerksamkeit auf sich lenken. Einem Ausgeschlossenen kann zwar gestattet werden, bei der Ansprache im Königreichssaal anwesend zu sein, doch hieß es im Wachtturm vom 15. Juli 1984: „Es wäre unpassend, wenn sich im Gefolge des Brautpaares Personen befänden, denen die Gemeinschaft entzogen wurde oder die einen anstößigen Lebenswandel führen, der biblischen Grundsätzen eindeutig widerspricht.“
Jesus besuchte eine Hochzeitsfeier, aber wir können uns nicht vorstellen, daß er den heute üblichen Brauch gebilligt hätte, in einem lärmenden Autokorso durch die Stadt zu fahren; manche Autofahrer haben sogar von der Polizei ein Strafmandat bekommen, weil sie hupend einem Hochzeitsauto folgten. (Vergleiche Matthäus 22:21.) Statt die auffällige Zurschaustellung oder die typische Handlungsweise von Weltmenschen nachzuahmen, sollten Christen bei alldem die Weisheit bekunden, die bei den Bescheidenen ist (Sprüche 11:2).
Wie steht es indes mit dem Besuch einer Hochzeitsfeier von Nachbarn, weltlichen Arbeitskollegen oder entfernten Verwandten und Bekannten? Das muß jeder Christ persönlich entscheiden. Wir tun gut daran, im Sinn zu behalten, daß unsere Zeit kostbar ist, denn wir benötigen Zeit für unseren Dienst, das persönliche Studium und andere Aufgaben in der Familie und der Versammlung (Epheser 5:15, 16). An Wochenenden gehen wir in den Predigtdienst und haben Zusammenkünfte, die wir nicht versäumen möchten (Hebräer 10:24, 25). Viele Hochzeiten finden an Daten statt, an denen ein Kongreß geplant ist oder in Verbindung mit dem Abendmahl des Herrn besondere Anstrengungen im Dienst vorgesehen sind. Wir sollten uns nicht davon abhalten lassen, die gleichen besonderen Anstrengungen zu unternehmen wie unsere Brüder in der ganzen Welt, um beim Abendmahl des Herrn anwesend zu sein. Bevor wir die Wahrheit kennenlernten, haben wir viel Zeit mit Weltmenschen verbracht, womöglich unter gottentehrenden Umständen (1. Petrus 4:3, 4). Jetzt sind uns andere Dinge wichtiger. Man kann einem weltlichen Hochzeitspaar ohne weiteres Glück wünschen, indem man eine Glückwunschkarte schickt oder an einem anderen Tag einen kurzen Besuch abstattet. Solche Gelegenheiten haben manche dazu genutzt, Zeugnis zu geben, indem sie einige Bibelstellen besprachen, die für Jungverheiratete passend sind.
Eine Hochzeit, die von geistigen Gesichtspunkten geprägt ist statt von weltlichen Verhaltensweisen, gereicht Jehova wirklich zur Ehre. Christen werden das Ereignis genießen können, wenn sie darauf achten, sich von der Welt mit ihrem Aberglauben und ihren Ausschweifungen getrennt zu halten, wenn sie nicht zulassen, daß theokratische Aktivitäten dadurch beeinträchtigt werden, und wenn sie Bescheidenheit beweisen statt eine auffällige Zurschaustellung. Außerdem werden sie mit einem guten Gewissen und schönen Erinnerungen auf das Ereignis zurückblicken können. Es ist zu wünschen, daß all unsere christlichen Hochzeiten durch das Bekunden von Weisheit und Vernünftigkeit aufrichtigen Beobachtern zu einem Zeugnis ausschlagen.
[Fußnote]
a Herausgegeben von der Wachtturm-Gesellschaft.
[Bild auf Seite 24, 25]
Christen fühlen sich nicht verpflichtet, jeden ortsüblichen Hochzeitsbrauch nachzuahmen