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Vorsicht — Killerpflanzen!Erwachet! 2004 | 8. Mai
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Gleitfallen
Zu den größten Fleisch fressenden Pflanzen gehören die Kannenpflanzen. Einige von ihnen, etwa die südostasiatischen Arten, ranken sich bis in die Wipfel von Bäumen hinauf. Die Kannen an diesen Ranken können bis zu 2 Liter Flüssigkeit fassen, und die Pflanze kann darin Tiere bis zur Größe eines Frosches fangen. In manchen Kannen soll man sogar Ratten gefunden haben. Wie funktionieren diese Fallen?
Die Blätter der Kannenpflanze sehen aus wie ein Krug oder eine Kanne, die zum Schutz vor dem Regen mit einem Deckel zugedeckt ist. Die lebhafte Farbe und das reiche Nektarangebot der Kanne locken Insekten an. Am Kannenrand befindet sich eine Gleitzone. Wenn nun ein Insekt von dem Nektar naschen will, verliert es den Halt und rutscht in die Flüssigkeit am Grund der Kanne. Nach unten gerichtete Haare machen ein Entrinnen unmöglich. Bei manchen Kannenpflanzen hat der Nektar zusätzlich eine betäubende Wirkung.
Die auffallendste unter den schlauchblättrigen Insektenfressern ist sicher die Kobralilie oder Kobrapflanze, die in den Bergen der nordamerikanischen Bundesstaaten Kalifornien und Oregon wächst. Ihre schlauchförmigen Laubblätter erinnern stark an eine hoch aufgerichtete Kobra. Wenn sich ein Insekt in die Blattöffnung verfliegt, wird es durch Lichtstrahlen getäuscht, die durch kleine Fenster an der Oberseite des Helms zu fallen scheinen. Das Insekt versucht nun verzweifelt, durch diese Fenster ins Freie zu gelangen, doch vergeblich. Erschöpft fällt es in die Flüssigkeit am Grund des Schlauchs und ertrinkt.
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Sarracenien (nordamerikanische Schlauchpflanzengewächse) sind bei Gärtnern immer mehr im Kommen. Ihre schönen Blüten und elegant geformten Blätter können mit anderen Pflanzen gut mithalten und sie sind leicht zu kultivieren. Außerdem sind sie hocheffektive Fliegenfänger. Eine Blattrosette kann in einer Saison Tausende von Fliegen fangen. Da sich Bienen von diesen Pflanzen offensichtlich nicht angezogen fühlen, besteht für sie keine Gefahr. Aber wie werden eigentlich die Blüten bestäubt, ohne dass die bestäubenden Insekten in die Falle gehen? Ganz einfach: Die Pflanze blüht bereits, während die schlauchförmigen Laubblätter noch in der Entwicklung sind. Wenn sie voll ausgebildet sind, ist die Pflanze verblüht und die Bestäuber sind weitergezogen.
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[Bild auf Seite 24]
Blatt einer Kannenpflanze
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[Bild auf Seite 25]
Blüte und sich entwickelndes Schlauchblatt der Kobralilie
[Bildnachweis]
Copyright Chris Heath, Kentish Town City Farm, London
[Bild auf Seite 26]
Sarracenie
Die Blüte hat etwa die Größe einer Orange
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[Bilder auf Seite 26]
Blätter der Sarracenie
Kleines Bild: Eine Fliege nascht vom Nektar und wird betäubt
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[Kasten auf Seite 27]
◼ Insekten schlagen zurück!
Nicht alle Insekten fallen auf die Schliche der Insekten fressenden Pflanzen herein. Die Schmeißfliege zum Beispiel hat an den Füßen Kletterhaken, mit denen sie an den abwärts gerichteten Haaren der Kannenpflanze wie ein Bergsteiger hochklettern kann. Die Maden der Schmeißfliege ernähren sich nach dem Schlüpfen von den verwesenden Insekten. Ist die Zeit zur Verpuppung herbeigekommen, schneiden sie Löcher in die Kanne und machen sich davon. Die Raupen einer kleinen Falterart bedecken die hinderlichen Haare der Kannenpflanze mit einem Netz. Manche Spinnenarten spannen im oberen Teil der Kannen geschickt ihr Spinngewebe aus und schnappen der Pflanze die neugierigen Opfer weg. Mindestens eine dieser Arten kann dank ihrer besonderen Haut bei Gefahr sogar in der Verdauungsflüssigkeit der Pflanze Schutz suchen.
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