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  • Polen
    Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1994
    • Polen

      ES IST ein Land mit saftgrünen Ebenen und mit schnell wachsenden Städten. Im Osten grenzt es an die Gemeinschaft unabhängiger Staaten, im Süden an die Slowakei und an die Tschechische Republik, im Westen an Deutschland und im Nordwesten an die Ostsee. Es ist die Heimat von über 38 Millionen Menschen. Die Rede ist von Polen.

      Wer jedoch Musik liebt, der denkt bei dem Namen Polen wahrscheinlich an etwas anderes — an den Komponisten Frédéric Chopin zum Beispiel oder an die beiden Pianisten Ignacy Jan Paderewski und Arthur Rubinstein. Wissenschaftlern kommt in den Sinn, daß Polen das Geburtsland von Nikolaus Kopernikus ist, der die Theorie aufstellte, daß die Erde um die Sonne kreist und sich gleichzeitig täglich um die eigene Achse dreht. Auch Marie (Marya) Curie (geb. Skłodowska), die an der Entdeckung des Radiums beteiligt war, wurde in Polen, und zwar in Warschau, geboren.

      Andererseits ist die Geschichte Polens zeitweise von großem Leid geprägt. Obwohl es einst ein Reich war, das sich von der Ostsee bis hinunter zum Schwarzen Meer erstreckte, verschwand es für ein Jahrhundert regelrecht von der Landkarte. Nach dem Ersten Weltkrieg existierte Polen für kurze Zeit in Form einer Republik, wurde dann aber wieder aufgeteilt und kam im Zweiten Weltkrieg unter Fremdherrschaft. Das polnische Volk war gerade dabei, die Trümmer jenes Krieges zu beseitigen, als Polen wie auch andere mittel- und osteuropäische Länder durch den Eisernen Vorhang vom Rest der Welt abgeschnitten wurden. Im Laufe der letzten Jahre ist diese Mauer jedoch zerbröckelt.

  • Polen
    Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1994
    • Wie die Bibel nach Polen gelangte

      Seit 966 u. Z., als Herzog Mieszko I. nach dem Ritus der katholischen Kirche getauft wurde, gilt Polen als „christliches Land“. Es fanden auch Massentaufen seiner Untertanen statt, was natürlich nicht bedeutete, daß sie mit einem Mal gute Christen waren. In Wirklichkeit pflegte man noch jahrhundertelang das heidnische slawische Brauchtum mit seinem Aberglauben. Einige tun das heute noch.

      Noch Jahrhunderte, nachdem das Land katholisch geworden war, stand der polnischen Bevölkerung keine Bibel zur Verfügung, ja nicht einmal den Geistlichen. Der Psałterz floriański (Psalter von St. Florian) aus dem 14. Jahrhundert und die Biblia królowej Zofii (Sophienbibel) aus dem späten 15. Jahrhundert sind die ältesten polnischen Übersetzungen, die erhalten geblieben sind. Von diesen Bibeln gab es allerdings jeweils nur ein Exemplar, und nur wenigen Auserwählten waren sie zugänglich. Im 16. Jahrhundert änderten sich in vielen europäischen Ländern, Polen eingeschlossen, religiöse Anschauungen drastisch. Die katholische Glaubenslehre wurde angegriffen. Zunehmend galt die Heilige Schrift als alleinige Richtschnur. Aus diesem Grund sorgten Übersetzer dafür, daß Bibeln in immer mehr Landessprachen zur Verfügung standen, so daß die Allgemeinheit Gottes Wort lesen konnte.

      In einer polnischen Übersetzung des „Neuen Testaments“, die 1574 erschien, wurde an mehreren Stellen der Name des Schöpfers, Jehowa (Jehova), gebraucht. Sie wurde von Szymon Budny herausgegeben, der einem kleinen Kreis von Personen angehörte, die darauf bedacht waren, an Gottes Wort festzuhalten, und die sich ganz einfach Christen oder Brüder nannten. Später nannten sie sich Polnische Brüder. Das Gelernte bewog sie, die Dreieinigkeitslehre zu verwerfen.

      Im Jahre 1658 verfügte der Sejm, die polnische Volksvertretung, unter Androhung der Todesstrafe, daß die Polnischen Brüder innerhalb von drei Jahren — später verkürzte man die Zeit auf zwei Jahre — sich entweder zum Katholizismus bekennen oder das Land verlassen mußten. Wie konnte es dazu kommen?

      In Polen war eine deutliche Veränderung vor sich gegangen. Jahrelang war das Land für seine religiöse Toleranz bekannt gewesen. Menschen, die in anderen Ländern wegen ihrer Religion verfolgt wurden, hatten in Polen Zuflucht gesucht. Der Eid, der polnischen Königen von 1573 an abgenommen wurde, enthielt folgende Zusicherung: „Ich ... verspreche und schwöre feierlich bei dem allmächtigen Gott, daß ... ich den Frieden und die Ruhe unter den Anhängern verschiedener Religionen schützen und bewahren werde und ... nicht zulassen werde, daß jemand wegen seiner Religion beeinflußt oder unterdrückt wird.“ Auch Johann II. Kasimir Wasa, unter dessen Herrschaft die Polnischen Brüder vertrieben wurden, hatte diesen Eid geleistet. Doch zweifellos hatte seine Ausbildung zum Jesuitenpriester, die seiner Thronbesteigung vorausging, seine Einstellung zur Religionsfreiheit beeinflußt.

      Die Jesuiten wurden 1564 in Polen aktiv, etwa 84 Jahre bevor Johann Kasimir König wurde. Schlau wie sie waren, versuchten sie, Einfluß auf den Königshof zu nehmen. Gleichzeitig bemühten sie sich, die Schulen unter ihre Kontrolle zu bringen, um so das Denken des Volkes zu formen. Die zugesicherte Religionsfreiheit wurde nach und nach unterminiert. Wer die von Jesuiten geleiteten Schulen besuchte, war mit dem Geist religiöser Intoleranz erfüllt, was durch brutale Überfälle auf Andersgläubige sowie auf deren Häuser und Anbetungsstätten zum Ausdruck kam. Die Bibel galt mit der Zeit als verbotenes Buch. In jener Zeit verlor Polen einen Großteil seines Gebiets. Die angrenzenden Länder nahmen Polen einen Landstrich nach dem anderen ab, so daß es 1795 schließlich als unabhängiges Land von der Landkarte Europas verschwand.

      Doch die Religionsfreiheit ist in Polen wieder gesetzlich garantiert. Heute ist Katholiken vom Gesetz her nicht mehr verboten, ihre Religion zu wechseln, wie das unter der polnischen Verfassung von 1791 der Fall war. Was das Jahr 1993 anbetrifft, heißt es in der Verfassung: „Die Republik Polen garantiert ihren Bürgern Glaubens- und Gewissensfreiheit.“ Immer mehr Polen nutzen diese Glaubensfreiheit und suchen in der Bibel Anleitung für ihr Leben. Die katholische Kirche sah sich gezwungen, ihre Taktik aufzugeben und die Menschen nicht mehr von Gottes geschriebenem Wort fernzuhalten. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden mehrere gute polnische Bibelübersetzungen herausgegeben, von denen Jehovas Zeugen reichlich Gebrauch machen. Wenn die Zeugen mit anderen über die gute Botschaft von Gottes Königreich sprechen, möchten viele unbedingt prüfen, ‘ob sich diese Dinge so verhalten’, genau wie die edel gesinnten Menschen, von denen in Apostelgeschichte 17:11 die Rede ist.

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