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    Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1994
    • Im westlichen Teil verhaftete die Gestapo jeden, von dem man wußte, daß er ein Zeuge Jehovas war. Das totalitäre nationalsozialistische System verfuhr grausam mit allen, die sich ihm nicht völlig unterwarfen. Die Zeugen wurden als Feinde betrachtet, da sie für Gottes Königreich eintraten. Wenn man bei jemandem eine einzige Ausgabe des Wachtturms fand oder ihn mit einem Zeugen zusammen auf einem Foto entdeckte, galt das als Beweis dafür, daß er ein Verbrecher war. Mit brutalen Mitteln wollte man Zeugen Jehovas zwingen, die Namen und Adressen ihrer Glaubensbrüder und -schwestern preiszugeben. Wer sich weigerte, seine Glaubensbrüder zu verraten oder eine Erklärung zu unterschreiben, mit der er seinem Glauben abschwor, kam ins Konzentrationslager. Nur sehr wenige schlossen Kompromisse. Sogar die Verfolger staunten über die Loyalität dieser Diener Jehovas.

      In Lodz nahm die Gestapo Bruder Scheider und viele andere fest und steckte sie in Lager. 69 Brüder und Schwestern aus Posen kamen in deutsche Lager; 22 wurden getötet. Trotzdem lernten in Posen während des Krieges so viele die Wahrheit kennen, daß nachher eine starke Versammlung in Erscheinung trat. Ihr Eifer sprang auf benachbarte Gebiete über und trug dazu bei, die Organisation in Westpolen wiederaufzubauen.

      Natürlich mußten auch die Brüder in vielen anderen Städten und kleineren Orten Schlimmes durchmachen. Zum Beispiel wurden von Wisła, einem Erholungsort in den Bergen mit damals 6 000 Einwohnern, 51 Brüder und Schwestern in Konzentrationslager eingeliefert. Nur 13 kehrten zurück.

      Jehova ließ sein Volk nicht im Stich

      Daß der Schöpfer sein Volk während dieser Zeit schwerer Verfolgung beschützte, liegt auf der Hand. Der Sieg hing für sie nicht vom Überleben ab, sondern von ihrer Treue — wenn nötig bis in den Tod (Offb. 2:10). Ein Bruder erzählt, daß er viele Stunden lang unbarmherzig geschlagen wurde, hauptsächlich erhielt er Schläge auf den Rücken und in die Nierengegend. Doch er hielt stand und ließ sich nicht zwingen, andere Brüder oder organisatorische Angelegenheiten zu verraten. Die Mißhandlungen wurden am nächsten Tag fortgesetzt, nur waren sie diesmal noch viel schlimmer. Am dritten Tag reagierte sein geschwollener, zerschundener Körper mit unerträglichen Schmerzen auf die Schläge. Der Bruder betete zu Jehova um Hilfe, ja er bat sogar um den Tod. Plötzlich fing der Gestapobeamte, der ihn auspeitschte, fürchterlich an zu fluchen, ließ die Peitsche fallen und ging weg. Was war passiert?

      Ein paar Tage später sah der Bruder diesen Mann mit einer bandagierten Hand auf dem Flur. Mitgefangene erzählten dem Bruder, daß sich der Beamte den Zeigefinger gebrochen hatte — offensichtlich beim Auspeitschen.

      Die Zeugen, die der Verhaftung entgehen konnten, ließen sich nicht entzweien. Sie kamen in kleinen Gruppen zusammen, um die Bibel und den Wachtturm zu studieren. Die Zeitschriften erhielten sie meistens von Brüdern in Deutschland und vervielfältigten sie dann oder schrieben sie mit der Hand ab. Fritz Otto hatte während dieser Zeit der Besatzung einen regen Anteil an der Untergrundtätigkeit in Lodz und erhielt den Kontakt mit den Brüdern in Posen, Bydgoszcz (Bromberg) und Danzig aufrecht. Durch die Gegner wurde die Kommunikation zwar hin und wieder unterbrochen, aber das war nie für lange Zeit der Fall.

      Im Generalgouvernement

      Die Lage in den mittleren und südlichen Regionen Polens sah anders aus. Dort verfolgten die Beamten Jehovas Zeugen nicht so grausam, und die Brüder waren unermüdlich tätig, wenn sie auch immer Vorsichtsmaßnahmen trafen. Sie bereiteten in Warschau Matrizen für den Wachtturm vor; dann besorgten die Verantwortlichen in jeder Zone das Vervielfältigen, wobei sie die zur Verfügung stehenden primitiven Vervielfältigungsgeräte benutzten. Man gebrauchte verschiedene Methoden, um Originalausgaben der Literatur zu schmuggeln. Manchmal dienten sogar deutsche Soldaten, deren Angehörige in der Wahrheit waren, unbewußt als Kuriere, wenn sie nach ihrem Urlaub an die Ostfront zurückkehrten.

      Es gab natürlich auch viele erschütternde Erlebnisse. Im Dezember 1942 überraschte die deutsche Polizei in Warschau Stefan Milewski und Jan Gontkiewicz beim Vervielfältigen. Sie kamen sofort ins Konzentrationslager Majdanek und später nach Buchenwald. Daraufhin übernahm Ludwik Kinicki, der damals die Tätigkeit der Zeugen Jehovas im gesamten Generalgouvernement leitete, ihre Aufgaben. Zwei Jahre später, 1944, wurde auch er verhaftet, und Ende desselben Jahres verstarb er im Konzentrationslager Gusen in Österreich.

  • Polen
    Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1994
    • Natürlich war Satan bemüht, die Ausdehnung der wahren Anbetung zum Stillstand zu bringen. Dazu bediente er sich zum Beispiel der Widerstandsgruppen. Einige kämpften auf Veranlassung katholischer Geistlicher nicht nur gegen die deutschen Besatzungstruppen, sondern auch gegen die Zeugen, wodurch neue Glaubensprüfungen heraufbeschworen wurden. Die Widerstandskämpfer drangen nachts in die Wohnungen der Brüder ein. Sie schlugen Männer, Frauen und Kinder und befahlen ihnen, sich zu bekreuzigen, das Kreuz zu küssen und Heiligenbilder an die Wand zu hängen. Die Eindringlinge plünderten und zerstörten Eigentum. Einige Familien erlebten solche Angriffe wiederholt. Eine Reihe von Brüdern mußte untertauchen, um am Leben zu bleiben.

      „Neuordnung“ in den sowjetischen Gebieten

      Ein großer Teil Ostpolens wurde im September 1939 von der Sowjetunion annektiert. Das bedeutete, daß etwa die Hälfte der Verkündiger — polnische, ukrainische sowie einige russische und jüdische Zeugen — von der Organisation getrennt waren. Sie waren zwar eifrig, doch ihre geistige Gesinnung war wegen des Mangels an neuer geistiger Speise gefährdet. Sie versuchten über die Slowakei mit der Organisation Kontakt aufzunehmen, was sich aber als äußerst schwierig erwies.

      So kam es, daß sich einige Versammlungen auf eine „Neuordnung“ einließen. Anfangs bestand das Ziel darin, den Brüdern zu helfen, sich der neuen Situation anzupassen. Es wurde die Notwendigkeit betont, sich von der Welt getrennt zu halten und ein Leben in der „Pracht der Heiligkeit“ zu führen (Ps. 110:3). Diese „Neuordnung“ breitete sich von Lemberg über Lublin bis nach Warschau aus. Anstatt einfach sorgfältig den Anweisungen des Wortes Gottes zu folgen, wurden die Brüder nun aufgefordert, sich an Aktivitäten zu beteiligen, die lediglich auf der Idee eines einzelnen beruhten.

      Davon beeinflußt, stürzte sich beispielsweise eine Gruppe irregeleiteter Verkündiger auf das Hauptquartier in dem von Deutschen besetzten Białystok, holte die Hakenkreuzfahne vom Dach und ersetzte sie durch eine weiße Fahne. Sie wurden festgenommen und noch am selben Tag hingerichtet. Solche Vorfälle machten auf tragische Weise deutlich, was passieren kann, wenn einzelne zu hoch von sich denken, über das hinausgehen, was in der Bibel steht, das Beispiel Christi und seiner Apostel unbeachtet lassen und sich nicht nach der Anleitung des „treuen und verständigen Sklaven“ ausrichten (Mat. 24:45).

      Eine Schlußprüfung vor Kriegsende

      Kurz vor Kriegsende sahen sich die Brüder einer neuen Herausforderung gegenüber. Da die Ostfront immer näher kam, wurde den Zivilisten befohlen, Panzergräben auszuheben. Als neutrale Christen konnten es Jehovas Zeugen nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, dabei mitzumachen. Sie weigerten sich, obwohl ihnen mit Erschießung gedroht wurde. Dutzende von ihnen — einige waren neu in der Wahrheit — wurden öffentlich hingerichtet. Selbst das erwies sich als ein Zeugnis, denn anderen wurde klar, daß Jehovas Zeugen einen so starken Glauben haben, daß sie lieber sterben, als sich von ihrem Gott loszusagen.

      Schließlich ging die Besatzungszeit zu Ende. Jehovas Zeugen in Polen hatten schwere Glaubensprüfungen erfolgreich bestanden. Nun wandten sie sich in noch größerer Zahl als vor dem Krieg den vor ihnen liegenden Aufgaben zu.

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