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  • Portugal — 26 Jahre später
  • Erwachet! 1988
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Erwachet! 1988
g88 8. 11. S. 16-17

Portugal — 26 Jahre später

„SIE haben 30 Tage Zeit, das Land zu verlassen.“ Durch dieses Ultimatum wurden meine Frau und ich 1962 gezwungen, Portugal, unser Missionargebiet, zu verlassen.

Zusammen mit vier weiteren Missionaren wurden wir ausgewiesen, weil wir Zeugen Jehovas waren und uns hinsichtlich des Krieges und der Politik neutral verhielten. Der 19jährige João Gonçalves Mateus, mit dem ich die Bibel studiert hatte, war der erste portugiesische Zeuge, der für die Neutralität einstand. Der Chef der Geheimpolizei erwähnte mir gegenüber Joãos Namen und sagte, Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen sei ein Luxus, den Portugal nicht dulden werde. Als wir Portugal verließen, verlor ich die Verbindung zu João.

Damals war Portugal eine katholisch-faschistische Diktatur, die mit Aufruhr in ihren afrikanischen Kolonien zu kämpfen hatte. Die Menschen waren verängstigt und bedrückt. Überall herrschte Mißtrauen, da es ein Netz bezahlter Spitzel gab, die einen bei der berüchtigten Geheimpolizei denunzieren konnten — der PIDE (Polícia Internacional e Defesa do Estado), wie sie auf portugiesisch hieß.

Man wies uns also aus, und das Werk der Zeugen Jehovas wurde verboten — bis 1974 durch einen Militärputsch die faschistische Regierung gestürzt wurde und das Volk eine Demokratie sowie Religionsfreiheit erhielt. Im Dezember jenes Jahres wurden Jehovas Zeugen gesetzlich anerkannt, und bald eröffneten sie ein Zweigbüro in Estoril, wenige Kilometer westlich von Lissabon. Das Werk breitete sich jedoch so rasch aus, daß es bald zu klein wurde. Im Jahre 1983 kaufte man daher Land für ein neues Zweigbüro oder „Bethel“ (hebräisch für „Haus Gottes“). In dem kleinen Ort Alcabideche errichteten die Zeugen ein schönes neues Gebäude.

Da sich das Bethel auf einem Hügel befindet, kann man von dort aus Lissabon sehen und die berühmte Hängebrücke über dem Tajo, die zu der beeindruckenden Statue Cristo Rei (Christus, der König) führt. Von der anderen Seite des Bethels aus blickt man auf Estoril und die Küste.

Zusammen mit vielen anderen früheren Missionaren waren wir eingeladen worden, der Bestimmungsübergabe im April 1988 beizuwohnen. Als meine Frau und ich zur Paßkontrolle des Lissabonner Flughafens kamen, fragte ich mich, ob man uns unbehelligt durchlassen werde. Würde man die alte schwarze Liste überprüfen, die uns 26 Jahre zuvor an der Wiedereinreise gehindert hatte? Nichts dergleichen! Die PIDE war verschwunden, und wir entdeckten ein neues Portugal — die Menschen waren offener, heiterer und mitteilsamer. Und statt der 1 000 Zeugen, die wir 1962 verlassen mußten, gibt es heute über 33 000 oder einen Zeugen auf 297 Einwohner — eines der besten Verhältnisse in Europa!

Wir fuhren zum Fußballstadion Restelo (Lissabon), um dem Vortrag zu lauschen, den Milton Henschel, ein Glied der leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas, am Nachmittag dort hielt. Er wurde von Mario Pinto Oliveira, einem portugiesischen Bruder, übersetzt. Das war eine große Freude für meine Frau, denn sie hatte Mario vor über 26 Jahren Englisch beigebracht. Während wir den Hügel zum Stadion hinaufgingen, bot sich uns ein beeindruckender Anblick — über 46 000 portugiesische Zeugen und Interessierte strömten herbei, um sich das Programm anzuhören.

Nach Programmende fiel mir ein stattlicher etwa 45 Jahre alter portugiesischer Zeuge auf, der mich offensichtlich sprechen wollte. „Irmão Erico [Bruder Eric], kennst du mich nicht?“ fragte er. Ich mußte zugeben, daß ich ihn nicht erkannte. Doch dann sah ich näher hin und rechnete einige Kilo seines Gewichts sowie 26 Lebensjahre ab — es war João Gonçalves Mateus! Welch freudiges Wiedersehen nach so vielen Jahren! Er stellte uns seine liebe Familie vor — seine Frau und drei Töchter, die alle Zeugen Jehovas sind.

Wir verbrachten vier glückliche Tage in Portugal, an denen wir alte Bekanntschaften und Freundschaften erneuern konnten. Es war ermunternd, treue Männer und Frauen zu sehen, die während der Jahre der Verfolgung ausgeharrt hatten. Zu ihnen gehörte José Lança, der in der Zeit der Verfolgung als Reporter tätig war und heute als reisender Aufseher die Versammlungen besucht. Ein anderes Beispiel ist António Cordeiro, der erste Pionier in Portugal. Die strahlenden Gesichter spiegelten Portugals neue geistige Wohlfahrt wider, das Ergebnis von Jahrzehnten, in denen treu die gute Botschaft von Gottes Königreich gepredigt wurde.

Wir suchten Nr. 66 der Calçada de Arroios auf. Dort, in einer Wohnung im 1. Stock, hielten wir damals heimlich unsere Zusammenkünfte ab. Zur Zeit ist es wieder eine Wohnung. Heute gibt es im ganzen Land über 440 Versammlungen der Zeugen Jehovas, die in legalen Königreichssälen zusammenkommen. Wenn man 26 Jahre fort gewesen ist, erscheint einem Portugal verändert — zum Vorteil für Jehovas Zeugen. (Eingesandt.)

[Bild auf Seite 16]

Das Zweigbüro der Watch Tower Society mit Druckerei in Alcabideche

[Bilder auf Seite 17]

Über 46 000 Personen wohnten dem besonderen Programm im Fußballstadion Restelo (Lissabon) bei

Heimliche Zusammenkunft in einem Wald bei Lissabon im Jahre 1961

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