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  • Wir erlebten Gottes unverdiente Güte auf unterschiedlichste Weise
    Der Wachtturm (Studienausgabe) 2017 | Februar
    • Während ich weg war, predigte Mary in einem Viertel, wo es viele portugiesische Geschäftsleute gab, bei denen sich alles nur ums Geldverdienen drehte. Sie konnte kein einziges biblisches Gespräch führen. Das erzählte sie einigen im Bethel und sagte: „Portugal wäre wirklich der letzte Ort auf der Erde, wo ich leben möchte.“ Kurz darauf die Überraschung! Wir erhielten die Einladung, nach Portugal zu gehen, wo unser Predigtwerk verboten war. Trotz Marys anfänglichem Schock nahmen wir die Zuteilung an.

      UNSERE ZUTEILUNG IN PORTUGAL

      Wir kamen im August 1964 in Lissabon an. Da die portugiesische Geheimpolizei PIDE unsere Brüder heftig verfolgte, war es das Beste, weder willkommen geheißen zu werden noch Kontakt zu den Zeugen vor Ort zu haben. Wir wohnten in einer Pension, bis wir unsere Aufenthaltsgenehmigung bekamen. Nachdem wir unsere Visa erhalten hatten, mieteten wir eine Wohnung. Im Januar 1965 konnten wir dann endlich Kontakt zum Zweigbüro aufnehmen. Wir waren sehr froh, nach fünf Monaten unsere erste Zusammenkunft besuchen zu können.

      Wir erfuhren von täglichen Razzien der Polizei in den Wohnungen der Brüder. Man schloss Königreichssäle, und Zusammenkünfte konnten nur noch in Privatwohnungen abgehalten werden. Hunderte Zeugen wurden von der Polizei aufgegriffen. Auf der Wache mussten sie sich ausweisen und wurden verhört. Besonders Brüder wurden misshandelt, damit sie die Namen derer verrieten, die die Zusammenkünfte abhielten. Die Brüder gewöhnten sich deswegen an, nur noch Vornamen zu verwenden, wie José oder Paolo. Also taten wir das auch.

      Douglas Guest in Portugal 1964, bei Gericht 1966, bei einer Zusammenkunft 1974 und mit seiner Frau Mary Guest

      Unsere Brüder mit geistiger Speise zu versorgen war das Wichtigste. Marys Aufgabe war es, Wachtturm-Artikel und andere Literatur zur Vervielfältigung auf Matrizen zu übertragen.

      VERTEIDIGUNG DER GUTEN BOTSCHAFT

      Im Juni 1966 wurde ein besonderer Fall in Lissabon verhandelt. Die 49 Mitglieder der Versammlung Feijó waren angeklagt, eine illegale Zusammenkunft in einer Wohnung besucht zu haben. Ich bereitete sie auf den Prozess und das Kreuzverhör vor und spielte dabei den Staatsanwalt. Wir wussten, wir würden verlieren, aber es würde auch ein großes Zeugnis gegeben werden. Unser Anwalt schloss die Verteidigung mutig mit einem Zitat von Gamaliel aus dem 1. Jahrhundert ab (Apg. 5:33-39). Der Prozess machte Schlagzeilen. Die 49 Brüder und Schwestern wurden zu Gefängnisstrafen zwischen 45 Tagen und fünfeinhalb Monaten verurteilt. Unser Anwalt begann die Bibel zu studieren und besuchte bis zu seinem Tod die Zusammenkünfte.

      Ich wurde im Dezember 1966 zum Zweigaufseher ernannt und beschäftigte mich viel mit rechtlichen Angelegenheiten. Unser Recht auf freie Religionsausübung wurde immer mehr gefestigt (Phil. 1:7). Am 18. Dezember 1974 wurden wir endlich rechtlich anerkannt. Die Brüder Nathan Knorr und Frederick Franz von der Weltzentrale besuchten Portugal, um bei einer historischen Zusammenkunft in Porto und Lissabon mit 46 870 Anwesenden unsere Freude zu teilen.

      Jehova hatte das Werk auf portugiesischsprachigen Inseln wachsen lassen, unter anderem auf den Azoren, Kap Verde, Madeira sowie São Tomé und Príncipe. Deswegen wurde 1988 unser Zweigbüro erweitert. Am 23. April desselben Jahres waren 45 522 begeisterte Brüder bei der Bestimmungsübergabe anwesend. Bruder Milton Henschel hatte den Vorsitz. Es war bewegend, dass bei dieser Zusammenkunft 20 Brüder und Schwestern zugegen waren, die als Missionare in Portugal gedient hatten.

      WAS WIR VON TREUEN VORBILDERN LERNTEN

      Im Lauf der Jahre wurde unser Leben durch den Umgang mit treuen Brüdern sehr bereichert. Als ich Bruder Theodore Jaracz bei einem Zonenbesuch begleitete, lernte ich von ihm etwas Wichtiges. Das Zweigbüro, das wir besuchten, befand sich in einer schwierigen Lage, und die Mitglieder des Zweigkomitees hatten schon alles ihnen Mögliche getan. Bruder Jaracz beruhigte sie und sagte: „Jetzt ist es an der Zeit, die Sache dem heiligen Geist zu überlassen.“ Als wir vor vielen Jahren einmal Brooklyn besuchten, verbrachten meine Frau Mary und ich einen Abend mit Bruder Franz und anderen Brüdern. Als Abschluss des Abends sollte Bruder Franz etwas über seine vielen Jahre im Dienst für Jehova erzählen. Darauf erwiderte er: „Ich empfehle euch: Geht mit der Organisation Jehovas durch dick und dünn. Nur sie folgt Jesu Gebot an seine Jünger, die gute Botschaft von Gottes Königreich zu verkünden!“

      Genau das haben meine Frau und ich immer sehr gern getan. Wir schätzen die Erinnerungen an Zonenbesuche in Zweigbüros. Diese Besuche gaben uns die Möglichkeit, Jung und Alt unsere Wertschätzung für ihren treuen Dienst zu zeigen und sie zu ermuntern, immer daran festzuhalten.

      So zogen die Jahre vorbei, und wir sind jetzt beide in den Achtzigern. Mary hat mit vielen gesundheitlichen Beschwerden zu kämpfen (2. Kor. 12:9). Durch Schwierigkeiten wurde unser Glaube stärker, und wir sind entschlossener denn je, Jehova immer treu zu bleiben. Wenn wir auf unser Leben zurückblicken, können wir wirklich sagen, dass wir Gottes unverdiente Güte in den unterschiedlichsten Situationen erlebt haben.a

      a Douglas Guest verstarb am 25. Oktober 2015 als treuer Diener Jehovas, als der Artikel vorbereitet wurde.

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