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Sollte man immer ehrlich sein?Der Wachtturm 2010 | 1. März
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Rechtfertigt Armut Diebstahl?
Ein römischer Staatsmann sagte einmal: „Armut ist die Mutter der Verbrechen.“ Arme Menschen fühlen sich in ihrer Lage vielleicht zum Stehlen berechtigt. Und andere, die es mitbekommen, sind womöglich derselben Meinung. Wie war Jesus eingestellt? Er ging mit Menschen, die Not litten, sehr mitfühlend um. Wie die Bibel sagt, „empfand er Mitleid mit ihnen“ (Matthäus 9:36). Dennoch hat er Diebstahl zu keiner Zeit und unter keinen Umständen gebilligt. Was sollte jemand, der arm ist, dann tun?
Gott hat Mitgefühl mit allen, die sich ehrlich bemühen, ihm gehorsam zu sein; er wird sie segnen und ihnen helfen, das zum Leben Notwendige zu bekommen (Psalm 37:25). Die Bibel verspricht: „Jehova wird die Seele des Gerechten nicht hungern lassen, aber die Gier der Bösen wird er wegstoßen“ (Sprüche 10:3). Können sich arme Menschen darauf verlassen? Victorine ist davon überzeugt.
Als Witwe mit fünf schulpflichtigen Kindern hat sie es nicht leicht. Sie lebt in einem Entwicklungsland, wo staatliche Hilfen nur spärlich gesät sind. Das Leben spielt sich hier im Großen und Ganzen außer Haus ab und so bieten sich jede Menge Gelegenheiten zum Stehlen. Victorine lässt sich dadurch aber nicht in Versuchung bringen. Sie schaut, dass sie als Straßenverkäuferin über die Runden kommt, und bleibt dabei immer ehrlich. Warum ist ihr das so wichtig?
„Erstens denke ich, dass Gott ehrlich ist, und wenn ich mich an sein Beispiel halte, wird er es auch mir gegenüber sein. Zweitens können meine Kinder Ehrlichkeit nur lernen, wenn sie sie an mir beobachten.“
Wie kam Victorine mit dieser Einstellung bis jetzt zurecht? „Wir haben Essen, Kleidung und ein Dach über dem Kopf. Es gab zwar Zeiten, da mussten wir Freunde um finanzielle Hilfe bitten, weil zum Beispiel plötzlich jemand krank wurde. Aber ich habe immer bekommen, was ich brauchte. Meine Freunde wissen nämlich, dass ich meine Lage nie dramatisiere, um Vorteile für mich herauszuschlagen.
Meine Kinder gehen denselben Weg. Unlängst sah eine Nachbarin bei uns auf dem Tisch ein paar Geldstücke liegen. Sie fragte, ob ich nicht Angst hätte, dass die Kinder sie wegnehmen. Als ich ihr sagte, sie würden das nie tun, konnte sie es nicht glauben. Sie wollte das testen und legte ohne mein Wissen zwei 100-Franc-Münzen [um die 30 Cent] an eine Stelle, wo die Kinder sie bemerken mussten. Als sie am nächsten Tag wiederkam, staunte sie nicht schlecht: Die Münzen lagen immer noch da. Ich muss wirklich sagen, ehrliche Kinder zu haben ist mehr wert, als viel zu besitzen.“
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Sollte man immer ehrlich sein?Der Wachtturm 2010 | 1. März
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[Kasten auf Seite 14]
Lässt sich durch Sprüche 6:30 Diebstahl rechtfertigen?
In Sprüche 6:30 ist zu lesen: „Man verachtet einen Dieb nicht, bloß weil er Diebstahl begeht, um seine Seele zu füllen, wenn er hungrig ist.“ Lässt sich dadurch Diebstahl rechtfertigen? Keineswegs. Aus dem Zusammenhang geht hervor, dass Gott trotzdem der Ansicht ist, dass der Dieb für sein Vergehen zur Verantwortung gezogen werden muss. Einen Vers weiter heißt es nämlich: „Wenn aber ertappt, wird er es siebenfach ersetzen; alle wertvollen Dinge seines Hauses wird er geben“ (Sprüche 6:31). Stiehlt jemand, weil er Hunger hat, wird das vielleicht nicht so verurteilt, wie wenn jemand aus Habgier stiehlt oder weil er seinem Opfer schaden will. Dennoch muss er es „ersetzen“. Wer also möchte, dass sich Gott über ihn freut, darf sich unter keinen Umständen zum Diebstahl hinreißen lassen.
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