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RuandaJahrbuch der Zeugen Jehovas 2012
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GERETTET — WEIL EIN KLEINES MÄDCHEN BETETE
Einen Tag nach dem Flugzeugabsturz, bei dem die beiden Präsidenten umkamen, tauchten sechs Regierungssoldaten bei Bruder Gaspard Rwakabubu zu Hause auf. Ihre Augen waren blutunterlaufen, sie hatten eine starke Alkoholfahne und an ihrem ganzen Verhalten war zu sehen, dass sie unter Drogen standen. Sie wollten Waffen. Bruder Rwakabubu erklärte ihnen, dass er und seine Familie Zeugen Jehovas seien und deshalb keine Waffen hätten.
Zeugen Jehovas? Soweit die Soldaten wussten, waren das die Leute, die die Regierung nicht unterstützten und nichts für die Armee spendeten, weil sie neutral bleiben wollten. Das brachte sie erst richtig in Rage. Gaspard und seine Frau Melanie waren zwar keine Tutsi, aber die Hutu-Miliz „Interahamwe“ tötete nicht nur Tutsi, sondern auch gemäßigte Hutu, vor allem wenn es so aussah, als ob sie mit den Tutsi oder der Invasionsarmee sympathisierten.
Die Soldaten schlugen auf die beiden mit Stöcken ein und drängten sie dann mitsamt ihren fünf Kindern ins Schlafzimmer. Bettlaken wurden heruntergerissen und die Männer fingen an, sie um sie zu wickeln. Ein paar von ihnen hielten Granaten in der Hand. Es war klar, was sie vorhatten. Gaspard fragte, ob sie noch ein Gebet sprechen dürften.
Einer der Soldaten schnaubte verächtlich und fuhr ihm über den Mund. Es kam zu einem kurzen Wortwechsel zwischen den Soldaten und nach etwas Hin und Her erlaubten sie der Familie widerstrebend dann doch, zu beten: „In Ordnung, zwei Minuten.“
Alle beteten still zu Jehova, nur Deborah, ihr sechsjähriges Töchterchen, betete laut: „Jehova, sie wollen uns jetzt umbringen, aber wie sollen wir denn dann die Leute wieder besuchen, denen Papa und ich gepredigt haben und bei denen ich fünf Zeitschriften abgegeben habe? Sie warten doch auf uns und müssen unbedingt noch mehr über die Wahrheit wissen. Ich verspreche dir, wenn uns nichts passiert, werde ich Verkündigerin, lasse mich taufen und gehe in den Pionierdienst! Jehova, bitte! Rette uns!“
Die Soldaten sahen sie groß an und verwunderten sich nur. Schließlich meinte einer von ihnen: „Okay, wegen der Kleinen hier und ihrem Gebet lassen wir euch am Leben. Falls noch andere von uns herkommen, sagt ihnen, dass wir schon da waren.“b
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RuandaJahrbuch der Zeugen Jehovas 2012
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b Deborah hat ihr Versprechen gehalten: Sie wurde Verkündigerin, ließ sich mit 10 taufen und ist heute mit ihrer Mutter zusammen allgemeiner Pionier.
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