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Als wäre man ein NiemandErwachet! 2009 | August
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Als wäre man ein Niemand
„In meinem ersten Jahr in Spanien haben sich die anderen in der Grundschule über mich lustig gemacht, weil ich viel kleiner war als sie. Ich habe fast jeden Tag auf dem Nachhauseweg geweint“ (Jennifer, Tochter philippinischer Einwanderer).
„In meiner neuen Schule wurde ich von den weißen Schülern ständig provoziert. Doch irgendwie habe ich es geschafft, ruhig zu bleiben. Tief im Inneren haben mir ihre Bemerkungen aber wehgetan. Ich fühlte mich als Außenseiter“ (Timothy, ein Afroamerikaner).
„Als ich sieben war, sind die Ibo und die Haussa bei uns in Nigeria aneinandergeraten. Ich ließ mich von dem Hass anstecken und verspottete einen Jungen in meiner Klasse, der ein Haussa war, obwohl er eigentlich mein Freund war“ (John, Angehöriger der Ibo).
„Als meine Missionarpartnerin und ich einmal mit den Leuten über die Bibel sprachen, warfen Kinder mit Steinen nach uns. Sie waren von Geistlichen dazu angestachelt worden, die uns aus der Stadt vertreiben wollten“ (Olga).
DISKRIMINIERT zu werden ist eine demütigende Erfahrung. Oft sind Vorurteile daran schuld. Menschen werden wegen ihrer Hautfarbe, ihrer religiösen Überzeugung, ihrer finanziellen Situation, wegen ihres Geschlechts oder auch nur wegen ihres Alters unfair behandelt. Viele Opfer von Vorurteilen leben in ständiger Angst. Wenn sie auf eine Gruppe Menschen treffen, einkaufen gehen, in eine neue Schule kommen oder zu einer Feier eingeladen sind, bekommen sie ein beklemmendes Gefühl.
Manche Opfer von Vorurteilen und Diskriminierung erhalten eine schlechtere medizinische Versorgung, haben geringere Bildungschancen und weniger Rechte. Sie finden nicht so leicht Arbeit und werden ausgegrenzt. Eine von der Regierung unterstützte Diskriminierung kann sogar zu schlimmen Verbrechen wie Vertreibung und Völkermord führen. Das Bibelbuch Esther berichtet über den Versuch, ein ganzes Volk auszurotten. Dabei spielten Hass und Vorurteile eine große Rolle (Esther 3:5, 6).
Gesetze gegen Diskriminierung können Borniertheit und Intoleranz nicht aus der Welt schaffen. Eine ehemalige Hochkommissarin für Menschenrechte bei den Vereinten Nationen sagte: „Sechzig Jahre nach der Annahme der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte . . . werden die Prinzipien der Gleichberechtigung und Nichtdiskriminierung bei Weitem nicht überall umgesetzt.“ In einer Zeit, in der die Zusammensetzung der Bevölkerung in vielen Ländern durch Einwanderer und Flüchtlinge entscheidend verändert wird, ist das sehr besorgniserregend.
Ist eine gerechte Gesellschaft nur ein Traum? Oder lässt sich gegen Vorurteile und Diskriminierung etwas tun?
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Vorurteile und Diskriminierung: Den Ursachen auf den Grund gehenErwachet! 2009 | August
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Vorurteile und Diskriminierung: Den Ursachen auf den Grund gehen
„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen“ (Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 1).
TROTZ dieser edlen Absichten sind Vorurteile und Diskriminierung nach wie vor eine traurige Realität. Sie sind nicht nur ein Spiegelbild unserer Zeit, sondern auch unserer Unvollkommenheit (Psalm 51:5). Doch die Lage ist nicht aussichtslos. Zwar kann man gegen die Diskriminierung, die man beobachtet, meistens nicht viel ausrichten, aber immerhin kann man Vorurteile, die sich in einem selbst festgesetzt haben, abbauen.
Dazu muss man sich zuerst einmal eingestehen, dass niemand darüber erhaben ist, Vorurteile zu entwickeln. In dem Buch Understanding Prejudice and Discrimination heißt es: „Die wahrscheinlich wichtigsten Forschungsergebnisse zum Thema Vorurteile sind: 1. Niemand, der über Intelligenz und Sprache verfügt, ist dagegen immun, Vorurteile zu hegen. 2. Vorurteile abzubauen erfordert in der Regel, dass man sich des Problems bewusst ist und entschieden dagegen angeht. 3. Mit der richtigen Motivation kann man es schaffen.“
Aufklärung wurde einmal als „wirksamstes Mittel“ im Kampf gegen Vorurteile bezeichnet, weil sie den Ursachen auf den Grund geht. Man kann dann seine eigene Einstellung objektiver unter die Lupe nehmen. Und als Betroffener erkennt man Möglichkeiten, mit Diskriminierung besser umzugehen.
Den Ursachen auf den Grund gehen
Vorurteile führen dazu, dass man Tatsachen verdreht, falsch auslegt oder einfach vom Tisch wischt, wenn sie der eigenen vorgefassten Meinung widersprechen. Oft beginnt das schon in der Familie mit scheinbar harmlosen, aber falschen Wertvorstellungen. Vorurteile können auch ganz bewusst durch rassistische oder fremdenfeindliche Ansichten geschürt werden. Nationalismus und falsche religiöse Vorstellungen sind ebenfalls ein idealer Nährboden. Genauso übertriebener Stolz. Diese Punkte werden nun im Einzelnen erläutert und biblischen Prinzipien gegenübergestellt. Beim Lesen kann man sich einmal über die eigenen Anschauungen Gedanken machen und überlegen, wo man eventuell bei sich selbst ansetzen müsste.
Umfeld. Der Mensch ist von Natur aus gesellig, und das ist gut so. Schon in der Bibel steht, dass jemand, der sich absondert, „seinem eigenen selbstsüchtigen Verlangen“ nachgeht und sich gegen jede bessere Einsicht wehrt (Sprüche 18:1). Allerdings muss man sich seine Freunde gut aussuchen, weil sie einen starken Einfluss ausüben. Eltern sollten sich auch dafür interessieren, mit wem ihre Kinder befreundet sind. Man hat festgestellt, dass schon Dreijährige durch Ansichten, Äußerungen und Gesten, die sie aufschnappen, rassistische Vorstellungen entwickeln können. Ganz entscheidend ist natürlich, dass die Eltern selbst ein gutes Vorbild sind, denn ihre Wertvorstellungen prägen die Kinder im Normalfall am meisten.
◼ Was sagt die Bibel? „Erziehe dein Kind in rechter Weise für seinen Lebensweg, dann wird es von ihm nicht lassen, wenn es alt wird“ (Sprüche 22:6, Bruns). „Wer mit Weisen wandelt, wird weise werden, wer sich aber mit den Unvernünftigen einlässt, dem wird es schlecht ergehen“ (Sprüche 13:20). Zur Selbstreflexion: Führe ich meine Kinder auf einen Weg, der Gott gefällt? Habe ich Freunde, die mich positiv beeinflussen? Übe ich selbst einen guten Einfluss aus? (Sprüche 2:1-9).
Nationalismus. Definiert wird Nationalismus als „ein übersteigertes Bewusstsein vom Wert und der Bedeutung der eigenen Nation. Nationalismus glorifiziert die eigene Nation und setzt andere herab.“ Ivo Duchacek, Professor für Politikwissenschaft, schrieb: „Der Nationalismus teilt die Menschen in intolerante Gruppen ein. Demzufolge denken die Menschen in erster Linie amerikanisch, russisch, chinesisch, ägyptisch oder peruanisch und erst in zweiter Linie — wenn sie das überhaupt tun — menschlich“ (Conflict and Cooperation Among Nations). Ein ehemaliger UN-Generalsekretär erklärte: „Viele Probleme, denen wir heute gegenüberstehen, beruhen auf falschen Ansichten, von denen man einige fast unbewusst übernommen hat, zum Beispiel den engstirnigen Nationalismus mit der Einstellung: ,Recht oder Unrecht — mein Vaterland!‘ “
◼ Was sagt die Bibel? „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einziggezeugten Sohn gab, damit jeder, der Glauben an ihn ausübt, nicht vernichtet werde, sondern ewiges Leben habe“ (Johannes 3:16). „Bestimmt merke ich, dass Gott nicht parteiisch ist, sondern dass für ihn in jeder Nation der Mensch, der ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, annehmbar ist“ (Apostelgeschichte 10:34, 35). Zur Selbstreflexion: Wenn Gott unparteiisch ist und Menschen jeder Nation liebt — also auch mich —, sollte ich mich als gläubiger Mensch dann nicht an seinem Beispiel orientieren?
Rassismus. Rassismus ist die „Theorie, nach der Menschen bzw. Bevölkerungsgruppen mit bestimmten biologischen Merkmalen hinsichtlich ihrer kulturellen Leistungsfähigkeit anderen von Natur aus über- bzw. unterlegen sein sollen“. Wie die World Book Encyclopedia schreibt, „gibt es für ein solches Überlegenheitsgefühl keine wissenschaftliche Grundlage“. Die himmelschreienden Ungerechtigkeiten, die der Rassismus hervorgerufen hat — zum Beispiel die systematische Beschneidung von Rechten —, sind ein trauriger Beweis dafür, dass er sich auf Irrtümer gründet.
◼ Was sagt die Bibel? „Die Wahrheit wird euch frei machen“ (Johannes 8:32). Gott „hat aus e i n e m Menschen jede Nation der Menschen gemacht“ (Apostelgeschichte 17:26). „Nicht wie der Mensch sieht, sieht Gott, denn der Mensch sieht das, was vor den Augen erscheint; Jehova aber, er sieht, wie das Herz ist“ (1. Samuel 16:7). Zur Selbstreflexion: Versuche ich, andere so zu sehen, wie Gott sie sieht? Bemühe ich mich, Menschen mit anderer Hautfarbe oder aus einer anderen Kultur kennenzulernen? Näheres Kennenlernen hilft, Klischeevorstellungen zu durchbrechen.
Religion. In dem Buch Die Natur des Vorurteils wird gesagt: „Wenn Menschen ihre Religion zur Erreichung von Macht, Ansehen, Wohlstand und ethnischen Eigeninteressen benutzen, so entsteht unvermeidlich Abscheuliches. Hier verschmelzen Religion und Vorurteil.“ Besonders überraschend sei dabei, mit welcher Leichtigkeit fromme Menschen „von Religiosität zu Vorurteil übergehen“. Rassentrennung in Kirchen, religiös motivierte Feindseligkeiten und Terroranschläge im Namen Gottes bestätigen das.
◼ Was sagt die Bibel? „Die Weisheit von oben aber ist . . . friedsam, vernünftig, . . . nicht parteiische Unterschiede machend“ (Jakobus 3:17). „Die wahren Anbeter [werden] den Vater mit Geist und Wahrheit anbeten“ (Johannes 4:23). „Fahrt fort, eure Feinde zu lieben und für die zu beten, die euch verfolgen“ (Matthäus 5:44). Zur Selbstreflexion: Ermutigt mich meine Religion dazu, jeden zu lieben, selbst Menschen, die mir vielleicht Schaden zufügen? Ist in meiner Kirche jeder willkommen, egal welche Nationalität, welche Hautfarbe oder welches Geschlecht er hat, wie hoch sein Einkommen ist oder wie viel Ansehen er genießt?
Stolz. Wer hochmütig und von sich selbst eingenommen ist, neigt eher zu Vorurteilen. Es kann sein, dass er sich Menschen, die ungebildet oder arm sind, überlegen fühlt und sie verächtlich behandelt. Oder er hört gern auf Propaganda, die seine Nation oder Volksgruppe über andere stellt. Schlaue Propagandisten wie Adolf Hitler haben den National- und Rassenstolz bewusst gefördert, um die Massen für sich zu gewinnen und andersartige oder unerwünschte Personen in den Schmutz zu ziehen.
◼ Was sagt die Bibel? „Jeder, der stolzen Herzens ist, ist für Jehova etwas Verabscheuungswürdiges“ (Sprüche 16:5). „Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst“ (Philipper 2:3, Lutherbibel). Zur Selbstreflexion: Höre ich insgeheim gern schmeichlerische Bemerkungen über meine eigenen Landsleute und abschätzige Äußerungen über andere Volksgruppen? Werde ich schnell eifersüchtig, wenn jemand mehr Fähigkeiten hat als ich, oder kann ich mich mit ihm freuen?
Mit gutem Grund rät die Bibel: „Mehr als alles sonst, was zu behüten ist, behüte dein Herz, denn aus ihm sind die Quellen des Lebens“ (Sprüche 4:23). Da das Herz von so entscheidender Bedeutung ist, sollte man es durch nichts verderben lassen, sondern mit der Weisheit Gottes anfüllen. Was wird das Ergebnis sein? „Unterscheidungsvermögen wird dich behüten, um dich von dem schlechten Weg zu befreien, von dem Mann, der verkehrte Dinge redet“ (Sprüche 2:10-12).
Was kann man aber tun, wenn man selbst Opfer von Vorurteilen und Diskriminierung ist?
[Herausgestellter Text auf Seite 6]
Näheres Kennenlernen hilft, Klischeevorstellungen zu durchbrechen
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Liebe überwindet VorurteileErwachet! 2009 | August
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Liebe überwindet Vorurteile
„Eine ganz andere Art religiöser Gemeinschaft erschien plötzlich auf der Weltbühne — keine, die einen Vaterlandskult trieb. Die unterschiedlichsten Menschen überwanden von sich aus soziale, ethnische und nationale Schranken. Männer und Frauen beteten einfach gemeinsam ihren Gott an“ (A History of Christianity von Paul Johnson).
ALS sich das Christentum im Römischen Reich immer weiter ausbreitete, konnte man etwas Erstaunliches beobachten: eine internationale Familie von Gläubigen, die es gelernt hatte, in Frieden und Einheit zusammenzuleben. Was war ihr Geheimnis? Echte Liebe, die nicht einfach nur auf Gefühlen beruhte, sondern auf den Prinzipien, die in Gottes Wort stehen.
Niemand hat diese Prinzipien besser ausgelebt als Jesus Christus, der selber ein Opfer von Hass und boshaften Vorurteilen war (1. Petrus 2:21-23). Zum einen wurde er verachtet, weil er aus Galiläa kam. Die religiöse Elite der Juden in Jerusalem blickte auf die Galiläer herab, weil sie zumeist einfache Landwirte oder Fischer waren (Johannes 7:45-52). Zum anderen war Jesus ein hervorragender Lehrer, der beim Volk beliebt und geachtet war. Das machte die religiösen Führer so eifersüchtig, dass sie Lügen über ihn in Umlauf brachten und Pläne schmiedeten, ihn umzubringen (Markus 15:9, 10; Johannes 9:16, 22; 11:45-53).
Doch Jesus hat nicht „Böses mit Bösem“ vergolten (Römer 12:17). Obwohl die religiöse Bewegung der Pharisäer als Gesamtheit Jesus Widerstand leistete, beantwortete er freundlich die Fragen einzelner Pharisäer, wenn sie in aller Aufrichtigkeit zu ihm kamen (Johannes 3:1-21). Er aß sogar mit ihnen. Ein Pharisäer, der ihn zum Essen eingeladen hatte, begegnete ihm allerdings mit Vorurteilen. Er wusch ihm nicht die Füße, was damals eigentlich Brauch war. Fühlte sich Jesus beleidigt? Nein. Er nutzte den Abend sogar noch, um über die Bedeutung von Mitgefühl und Vergebung zu sprechen (Lukas 7:36-50; 11:37).
Jesus liebte die Verachteten
Eines der bekanntesten Gleichnisse Jesu ist das vom barmherzigen Samariter. Dieser sorgte auf eigene Kosten für einen Juden, den man zusammengeschlagen und ausgeraubt hatte (Lukas 10:30-37). Das war außergewöhnlich, denn Juden und Samariter begegneten sich normalerweise mit Verachtung. Die Juden gebrauchten das Wort „Samariter“ sogar als Schimpfwort, das sie auch Jesus an den Kopf warfen (Johannes 8:48). Hätte er da ein besseres Gleichnis über unparteiische Nächstenliebe wählen können?
Jesus lebte das, was er lehrte, auch selbst aus. Einmal heilte er einen Samariter vom Aussatz (Lukas 17:11-19). Außerdem sprach er mit aufgeschlossenen Samaritern über die gute Botschaft. Mit einer samaritischen Frau führte er sogar ein längeres Gespräch. Das war in jener Zeit alles andere als selbstverständlich (Johannes 4:7-30, 39-42). Strenggläubigen Juden wäre es nie in den Sinn gekommen, in der Öffentlichkeit mit einer Frau zu sprechen, nicht einmal mit einer engen Verwandten — und schon gar nicht mit einer Samariterin.
Wie betrachtet Gott denn jemanden, der sich aufrichtig bemüht, tief verwurzelte Vorurteile abzubauen?
Gott ist geduldig mit uns
Die Juden im ersten Jahrhundert hegten hartnäckige Vorurteile gegen Nichtjuden. Ein Jude, der ein Christ wurde, konnte diese Vorurteile natürlich nicht von heute auf morgen ablegen. Vor diesem Hintergrund hätten leicht Spaltungen entstehen können, weil immer mehr Nichtjuden gläubig wurden. Doch Jehova Gott schulte die Christen geduldig (Apostelgeschichte 15:1-5). Seine Geduld zahlte sich aus. Sie „überwanden von sich aus soziale, ethnische und nationale Schranken“, wie zu Beginn des Artikels erwähnt. Das Ergebnis: „Die Versammlungen wurden daher tatsächlich im Glauben weiterhin befestigt und nahmen von Tag zu Tag an Zahl zu“ (Apostelgeschichte 16:5).
Was lernen wir daraus? Gott kann bei uns viel bewirken. Er gibt allen, die „unablässig im Glauben“ bitten, großzügig Weisheit und innere Stärke (Jakobus 1:5, 6). Wie erging es Jennifer, Timothy, John und Olga, von denen zu Beginn die Rede war? Jennifer entwickelte im Laufe der Jahre ein immer besseres Verhältnis zu Gott. Sie lernte es, fremdenfeindliche Bemerkungen und auch Kommentare über ihre Körpergröße zu überhören. Als andere in ihrer Klasse einmal ein Mädchen verspotteten, stand sie zu ihr und machte ihr Mut.
Was half Timothy ruhig zu bleiben, als andere ihm rassistische Schimpfwörter an den Kopf warfen? Er sagt: „Ich habe ständig daran gedacht, dass man sich nicht vom Bösen besiegen lassen darf, sondern das Böse mit dem Guten besiegen sollte. Ich wollte ja nicht, dass über den Namen Jehovas schlecht geredet wird“ (Römer 12:21).
John konnte seine Vorurteile gegen die Haussa überwinden. Er erzählt: „Als Jugendlicher habe ich mich an meiner Schule mit ein paar Haussa angefreundet. Mit einem von ihnen hatte ich einmal zusammen an einem Projekt gearbeitet, und wir kamen gut miteinander aus. Jetzt versuche ich, Menschen als Individuen zu sehen, nicht bloß als Angehörige eines Stammes.“
Olga und ihre Missionarpartnerin ließen sich von den boshaften Attacken gegen sie nicht unterkriegen. Sie machten weiter, weil sie davon überzeugt waren, dass einige auf die Botschaft der Bibel hören würden. Sie hatten sich nicht getäuscht. Olga sagt: „Etwa 50 Jahre später schenkte mir ein Mann einen hübschen Schulranzen. Darin lagen kleine Steine, auf denen christliche Eigenschaften wie Güte, Freundlichkeit, Liebe und Frieden eingeritzt waren. Der Mann erzählte mir, dass er als kleiner Junge Steine nach mir geworfen hatte, heute aber mein Glaubensbruder ist. Außer dem Schulranzen bekam ich von ihm und seiner Frau auch noch zwei Dutzend weiße Rosen.“
Das Ende von Vorurteilen und Diskriminierung
Vorurteile und Diskriminierung wird es schon bald nicht mehr geben. Wieso kann man das sagen? Zum einen wird Jesus Christus in Kürze der einzige Herrscher über die Erde sein. Er hat bewiesen, dass er „nicht nach dem bloßen Augenschein“ richtet (Jesaja 11:1-5). Zum anderen werden dann alle seine Untertanen seine Einstellung vollkommen widerspiegeln, weil sie es von ihm und seinem Vater Jehova so gelernt haben (Jesaja 11:9).
Diese Schulung hat schon heute begonnen. Sie besteht darin, die Bibel systematisch kennenzulernen, und ist eine Vorbereitung auf das Leben unter der Herrschaft Jesu. Jeder kann daran teilnehmen.a Denn Gott hat absolut keine Vorurteile, sondern möchte, dass „alle Arten von Menschen gerettet werden und zu einer genauen Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1. Timotheus 2:3, 4).
[Fußnote]
a Jehovas Zeugen bieten kostenlose Bibelkurse an. Zeit und Ort können Sie selbst wählen. Rufen Sie doch bei den Zeugen Jehovas vor Ort an oder schreiben Sie an eine der Adressen auf Seite 5. Sie können auch über www.watchtower.org Kontakt mit Jehovas Zeugen aufnehmen.
[Herausgestellter Text auf Seite 8]
Bald werden Vorurteile und Diskriminierung der Vergangenheit angehören
[Kasten/Bild auf Seite 8, 9]
PRINZIPIEN AUS GOTTES WORT
◼ „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. . . . Besiege das Böse stets mit dem Guten“ (Römer 12:17-21). Das Schlechte bei anderen kann in uns Gutes hervorbringen. Jesus Christus sagte: „Sie haben mich ohne Ursache gehasst.“ Dennoch zahlte er nicht mit gleicher Münze zurück (Johannes 15:25).
◼ „Lasst uns nicht ichsüchtig werden, indem wir . . . einander beneiden“ (Galater 5:26). Übertriebener Stolz und Neid können unserem Verhältnis zu Gott schaden und zu Hass und Vorurteilen führen (Markus 7:20-23).
◼ „Alles daher, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, sollt auch ihr ihnen ebenso tun“ (Matthäus 7:12). Man kann sich einmal fragen, wie man selbst gern behandelt werden möchte, und dann andere genauso behandeln — egal wie alt sie sind, welche Hautfarbe sie haben, welche Sprache sie sprechen und woher sie kommen.
◼ „So kommt denn einander entgegen, wie auch Christus euch in Liebe entgegengekommen ist“ (Römer 15:7, Thimme). Versuchen wir Menschen aus anderen Ländern besser kennenzulernen, besonders wenn sie unsere Glaubensbrüder sind? (2. Korinther 6:11).
◼ „Falls mein eigener Vater und meine eigene Mutter mich verließen, würde ja Jehova selbst mich aufnehmen“ (Psalm 27:10). Egal wie man von anderen behandelt wird: Wenn man Gott treu bleibt, wird er einen niemals im Stich lassen.
[Bild auf Seite 7]
Der barmherzige Samariter hilft dem ausgeraubten Juden
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