Wachtturm ONLINE-BIBLIOTHEK
Wachtturm
ONLINE-BIBLIOTHEK
Deutsch
  • BIBEL
  • PUBLIKATIONEN
  • ZUSAMMENKÜNFTE
  • Die verschiedenen Gesichter des Vorurteils
    Erwachet! 2004 | 8. September
    • Die verschiedenen Gesichter des Vorurteils

      „Wenn man das Vorurteil zur Tür hinausjagt, so kommt es zum Fenster wieder herein“ (Friedrich der Große, König von Preußen).

      RAJESH lebt in dem indischen Ort Paliyad. Er und die anderen Unberührbaren müssen eine Viertelstunde zu Fuß gehen, um Wasser für ihre Familie zu holen. „Die Wasserhähne im Dorf dürfen wir nicht benutzen“, erklärt er, „die sind nur für die höheren Kasten.“ Als Rajesh und seine Freunde zur Schule gingen, durften sie den Fußball, mit dem die anderen Kinder spielten, nicht einmal berühren. „Wir spielten dafür mit Steinen“, erinnert er sich.

      „Ich spüre, dass man mich hasst, aber ich weiß nicht, warum“, sagt Christina, eine Jugendliche aus Asien, die in Europa lebt. „Das ist ziemlich frustrierend“, fügt sie hinzu. „Ich reagiere normalerweise mit Rückzug, aber das macht die Sache auch nicht besser.“

      Stanley aus Westafrika erzählt: „Ich war 16, als ich erfuhr, was Vorurteile sind.“ Weiter berichtet er: „Wildfremde Leute sagten, dass ich aus der Stadt verschwinden soll. Einigen aus meinem Stamm wurden die Häuser angezündet. Das Konto meines Vaters wurde gesperrt. Deshalb fing ich an, den Stamm, der uns diskriminierte, zu hassen.“

      Rajesh, Christina und Stanley wurden Opfer von Vorurteilen, und sie sind nicht die Einzigen. „Hunderte Millionen Menschen leiden auch heute noch unter Rassismus, Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und sozialer Ausgrenzung“, erklärte UNESCO-Generaldirektor Koichiro Matsuura. „Solche entmenschlichenden Praktiken, die durch Unwissenheit und Vorurteile genährt werden, haben in vielen Ländern interne Streitigkeiten ausgelöst und schwerstes Leid verursacht.“

      Wer selbst noch nie Opfer von Vorurteilen war, kann sich wahrscheinlich kaum vorstellen, wie traumatisch das ist. In einem Buch heißt es: „Manche nehmen Vorurteile stillschweigend hin. Andere zahlen mit gleicher Münze zurück“ (Face to Face Against Prejudice). Wie können Vorurteile Menschen zusetzen?

      Wer einer Minderheit angehört, wird oft ausgegrenzt, muss feindselige Blicke ertragen oder sich abfällige Bemerkungen über seine Kultur anhören. Vielleicht hat er beruflich kaum Chancen und kann nur Arbeiten verrichten, für die sich andere zu fein sind. Womöglich hat er auch Schwierigkeiten, eine passende Wohnung zu finden, oder seine Kinder fühlen sich in der Schule isoliert und unerwünscht.

      Was noch schlimmer ist: Vorurteile können zu Gewalt oder sogar zu Mord führen. Die Geschichtsbücher sind ja voll von Berichten, die zeigen, welch entsetzliche Folgen Vorurteile haben können: Massaker, Völkermorde, „ethnische Säuberungen“ und andere Gewalttaten.

      Vorurteile im Lauf der Jahrhunderte

      Es gab eine Zeit, in der sich Vorurteile hauptsächlich gegen Christen richteten. Kurz nach Jesu Tod zum Beispiel brach eine Welle grausamer Verfolgung über die Christen herein (Apostelgeschichte 8:3; 9:1, 2; 26:10, 11). Zwei Jahrhunderte später wurden Menschen, die sich zum Christentum bekannten, grausam misshandelt. Tertullian, ein Schriftsteller des 2. und 3. Jahrhunderts, schrieb: „Wenn eine Seuche wütet, gleich schreit man: ‚Die Christen vor den Löwen!‘ “

      Beginnend mit den Kreuzzügen im 11. Jahrhundert waren dann die Juden die unbeliebte Minderheit in Europa. Als die Beulenpest über den Kontinent fegte und in wenigen Jahren rund ein Viertel der Bevölkerung wegraffte, sah man in den ohnehin schon überall verhassten Juden willkommene Sündenböcke. „Die Pest rechtfertigte diesen Hass, und der Hass lenkte die Angst vor der Pest auf ein konkretes Ziel“, schreibt Jeanette Farrell in dem Buch Invisible Enemies (Unsichtbare Feinde).

      Ein Jude aus Südfrankreich legte schließlich unter Folter das „Geständnis“ ab, die Juden hätten Brunnen vergiftet und dadurch die Seuche verursacht. Diese Aussage entsprach natürlich nicht der Wahrheit, doch sie wurde überall als solche verkündet. Es währte nicht lange, bis in Spanien, Frankreich und Deutschland ganze jüdische Gemeinden niedergemetzelt wurden. Für die wahren Schuldigen — die Ratten — schien sich niemand zu interessieren. Überdies nahm kaum jemand bewusst wahr, dass sowohl Juden als auch Nichtjuden an der Pest starben.

      Ist das Feuer des Vorurteils einmal entfacht, kann es nach Jahrhunderten immer noch schwelen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts brachte Hitler den Antisemitismus erneut zum Auflodern, als er die Niederlage der Deutschen im Ersten Weltkrieg den Juden zur Last legte. Rudolf Höß, Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz, sagte nach dem Zweiten Weltkrieg: „Sogar in unserer militärischen und ideologischen Ausbildung galt als sicher, dass wir Deutschland vor den Juden beschützen müssten“. Um Deutschland zu „beschützen“, überwachte Höß die Ermordung von rund zwei Millionen Menschen, meist Juden.

      In den folgenden Jahrzehnten wurden leider weitere Grausamkeiten verübt. Im Jahr 1994 beispielsweise flammte zwischen den ostafrikanischen Stämmen der Hutu und Tutsi ein Hass auf, der mindestens einer halben Million Menschen das Leben kostete. „Man war nirgendwo sicher“, berichtete die Zeitschrift Time. „In den Kirchen, wo viele Zuflucht gesucht hatten, floss das Blut durch die Gänge . . . Es war ein Kampf von Mann zu Mann, so nah, so entsetzlich und voller Blutrünstigkeit, dass diejenigen, die fliehen konnten, nur stumm und mit leerem Blick dastanden.“ Nicht einmal Kinder blieben von Gräueltaten verschont. „Ruanda ist ein so kleiner Fleck“, sagte ein Bürger, „aber hier ballt sich der Hass der ganzen Welt.“

      In den Konflikten beim Zerfall des ehemaligen Jugoslawiens gab es 200 000 Todesopfer. Menschen, die jahrelang in friedlicher Nachbarschaft zusammengelebt hatten, mordeten einander hin. Tausende von Frauen wurden vergewaltigt, und im Rahmen grausamer „ethnischer Säuberungen“ wurden Millionen Menschen von ihrem Zuhause fortgejagt.

      Zwar führen Vorurteile in den meisten Fällen nicht zu Mord, aber sie wirken stets trennend und schüren Groll. Trotz aller Globalisierung scheinen Rassismus und Rassendiskriminierung laut einem aktuellen Bericht der UNESCO „in den meisten Teilen der Welt an Boden zu gewinnen“.

      Nun stellt sich die Frage: Können Vorurteile irgendwie ausgemerzt werden? Dazu müssen wir erst einmal klären, wie sie sich im Sinn und im Herzen eines Menschen einwurzeln.

      [Kasten auf Seite 5]

      Wie sich Vorurteile zeigen

      In dem Buch Die Natur des Vorurteils zählt Gordon W. Allport fünf Stufen feindseliger Handlungen auf, denen Vorurteile zugrunde liegen. Bei einem voreingenommenen Menschen ist gewöhnlich mindestens eine davon zu beobachten.

      1. Verleumdung. Jemand spricht abschätzig über die Gruppe, die er nicht leiden kann.

      2. Vermeidung. Er vermeidet die Berührung mit Angehörigen der abgelehnten Gruppe.

      3. Diskriminierung. Er möchte alle Mitglieder der verleumdeten Gruppe vom Zugang zu bestimmten Berufen, Wohngegenden oder sozialen Diensten ausschließen.

      4. Körperliche Gewaltanwendung. Er beteiligt sich an Gewaltakten mit dem Ziel, verhasste Personen einzuschüchtern.

      5. Vernichtung. Er wirkt bei Lynchjustiz, Massakern oder Vernichtungsprogrammen mit.

      [Bilder auf Seite 4]

      Flüchtlingslager Benako (Tansania), 11. Mai 1994

      Frau mit Wasserbehältern. Über 300 000 meist ruandische Hutu flohen nach Tansania.

      [Bildnachweis]

      Foto: Paula Bronstein/Liaison

  • Die Wurzeln von Vorurteilen
    Erwachet! 2004 | 8. September
    • Die Wurzeln von Vorurteilen

      VORURTEILE können verschiedene Ursachen haben. Zwei davon sind gut belegt, und zwar 1. die Suche nach einem Sündenbock und 2. Groll als Folge vergangenen Unrechts.

      Wie schon im vorigen Artikel erwähnt, wird bei Katastrophen oft ein Schuldiger gesucht. Wenn Prominente Anschuldigungen gegen eine Minderheit oft genug wiederholen, werden sie Allgemeingut und Vorurteile nisten sich ein. Dazu ein bekanntes Beispiel: In Europa und in Nordamerika werden bei Konjunkturflauten oft ausländische Arbeitnehmer für die hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich gemacht, obwohl Ausländer ja oft ohnehin nur Arbeiten verrichten, die die meisten Einheimischen nicht tun wollen.

      Nicht jedes Vorurteil wurzelt jedoch in der Suche nach einem Sündenbock. Es kann auch geschichtliche Ursachen haben. In einem Bericht der UNESCO heißt es: „Man kann ohne Übertreibung sagen, dass der Sklavenhandel das gedankliche Gerüst für den Rassismus gegenüber Schwarzen und für die Verachtung ihrer Kultur bildete.“ Sklavenhändler suchten ihren entwürdigenden Menschenhandel mit der Begründung zu rechtfertigen, Afrikaner seien minderwertige Menschen. Dieses unbegründete Vorurteil wurde später auf andere kolonisierte Völker übertragen und hat sich bis heute gehalten.

      Ähnliche Berichte über Unterdrückung und Ungerechtigkeit halten überall auf der Welt Vorurteile lebendig. Die Feindseligkeiten zwischen Katholiken und Protestanten in Irland gehen ins 16. Jahrhundert zurück, eine Zeit, in der die englischen Herrscher Katholiken verfolgten und verbannten. Die Gräueltaten so genannter Christen während der Kreuzzüge erhitzen noch heute die Gemüter von Muslimen im Nahen Osten. Die Feindschaft zwischen Serben und Kroaten auf dem Balkan wurde durch Massaker an Zivilisten im Zweiten Weltkrieg angeheizt. Wie diese Beispiele zeigen, kann langjährige Feindschaft zwischen zwei Gruppen Vorurteile verstärken.

      Unkenntnis gefördert

      Wenn Kinder klein sind, kennen sie keine Vorurteile. Im Gegenteil: Wie Forscher sagen, spielen sie oft gern mit Kindern anderer Rassen. Im Alter von 10 oder 11 Jahren lehnen sie dann Menschen anderer Stammeszugehörigkeit, Rasse oder Religion vielleicht ab. In den sie prägenden Jahren nehmen sie Standpunkte ein, die sie womöglich ein Leben lang nicht mehr ablegen.

      Wie geschieht das? Das Kind übernimmt zuerst von den Eltern und später von Freunden oder Lehrern negative Einstellungen, die in deren Worten oder Taten zum Ausdruck kommen. Nachbarn, Presse, Rundfunk und Fernsehen tun dann ihr Übriges. Wenn das Kind erwachsen ist, weiß es zwar vielleicht immer noch nicht viel oder überhaupt nichts über die Personen, die es ablehnt, hält sie aber dennoch für unterlegen und nicht vertrauenswürdig. Möglicherweise hasst es sie sogar.

      In vielen Ländern haben zunehmende Mobilität und reger Handel den Kontakt zwischen verschiedenen Kulturen und ethnischen Gruppen intensiviert. Trotzdem halten Menschen mit tief verwurzelten Vorurteilen im Allgemeinen an ihren vorgefassten Meinungen fest. Sie lassen sich oft nicht davon abbringen, Tausende, ja sogar Millionen Menschen in ein Klischee zu zwängen und allen die gleichen schlechten Eigenschaften zu unterstellen. Negative Erfahrungen jeglicher Art — und seien sie auch nur mit einer Einzelperson gemacht worden — verstärken ihre Vorurteile. Gute Erfahrungen werden dagegen meist als Ausnahme von der Regel abgetan.

      Vorurteile überwinden

      Die meisten Menschen finden Vorurteile prinzipiell nicht gut, doch nur wenige können sich ihrem starken Einfluss entziehen. Ja es gibt sogar viele überaus voreingenommene Leute, die beharrlich behaupten, sie hätten mit Vorurteilen kein Problem. Andere sind der Meinung, es sei egal, ob man Vorurteile habe, solange man sie für sich behalte. Aber es ist nicht egal, denn Vorurteile verursachen Schmerz und wirken trennend. Wenn aus Unwissenheit Vorurteile erwachsen, ist es bis zum Hass oft nicht mehr weit. Der Schriftsteller Charles Caleb Colton (1780 [?] bis 1832) bemerkte: „Wir hassen so manchen, weil wir ihn nicht kennen; und wir lernen ihn nicht kennen, weil wir ihn hassen.“ Wenn man nun Vorurteile erlernen kann, kann man sie auch wieder verlernen. Aber wie?

      [Kasten auf Seite 7]

      Die Religion — Fördert sie Toleranz oder Vorurteile?

      Gordon W. Allport stellt in seinem Buch Die Natur des Vorurteils fest, „dass Personen ohne religiöse Zugehörigkeit im Durchschnitt weniger Vorurteile haben als Kirchenmitglieder“. Diese Schlussfolgerung überrascht nicht, wenn man bedenkt, dass die Religion Vorurteile oft nicht ausgeräumt, sondern eher verursacht hat. Zum Beispiel haben Geistliche jahrhundertelang Antisemitismus geschürt. Gemäß dem Buch A History of Christianity sagte Hitler einmal im Hinblick auf die Juden: „Ich tue nur, was die Kirche seit fünfzehnhundert Jahren tut“.

      Während der Gräueltaten auf dem Balkan waren orthodoxe und katholische Lehren offensichtlich nicht imstande, die Menschen zu Toleranz und Respekt gegenüber Andersgläubigen zu bewegen.

      In Ruanda metzelten Mitglieder ein und derselben Kirche einander hin. Wie es in einem Artikel des National Catholic Reporter hieß, sind die Kämpfe in dem afrikanischen Staat „in einen regelrechten Völkermord ausgeartet, für den leider sogar Katholiken verantwortlich sind“.

      Die katholische Kirche hat offen eingestanden, dass es ihr oft an Toleranz fehlte. Im Rahmen einer öffentlichen Messe in Rom im Jahr 2000 bat Papst Johannes Paul II. um Vergebung für die „Verfehlungen der Vergangenheit“. Während des Gottesdienstes wurden „religiöse Intoleranz und Unrecht gegenüber Juden, Frauen, Eingeborenen, Einwanderern, Armen und ungeborenen Kindern“ ausdrücklich erwähnt.

      [Bild auf Seite 6]

      Oben: Flüchtlingslager in Bosnien und Herzegowina, 20. Oktober 1995

      Zwei geflohene bosnische Serben warten auf das Ende des Bürgerkriegs

      [Bildnachweis]

      Foto: Scott Peterson/Liaison

      [Bild auf Seite 7]

      Sie lernen, zu hassen

      Kinder können negative Einstellungen unter anderem von ihren Eltern und aus dem Fernsehen übernehmen

  • Das Ende aller Vorurteile
    Erwachet! 2004 | 8. September
    • Das Ende aller Vorurteile

      STELLEN wir bei uns selbst vielleicht einen Hang zur Voreingenommenheit fest? Ziehen wir zum Beispiel aus der Hautfarbe, der Staatsangehörigkeit, der Volks- oder Stammeszugehörigkeit Rückschlüsse auf jemandes Charakter, obwohl wir ihn gar nicht kennen? Oder gelingt es uns, jeden Menschen wegen seiner individuellen Eigenschaften zu schätzen?

      Als Jesus auf der Erde lebte, verkehrten die Bewohner Judäas und Galiläas im Allgemeinen nicht mit den Samaritern (Johannes 4:9). Im Talmud kommt die Einstellung vieler Juden zum Ausdruck. Sie hätten am liebsten gar keinen Samariter zu Gesicht bekommen.

      Vielleicht hegten ja auch Jesu Apostel gewisse Vorurteile gegen die Samariter. Als sie einmal in ein Dorf der Samariter kamen, wurden sie nicht freundlich aufgenommen. Jakobus und Johannes fragten Jesus, ob sie auf diese unempfänglichen Leute Feuer herabrufen sollten. Jesus tadelte sie, wodurch er ihnen zeigte, dass ihre Einstellung unangebracht war (Lukas 9:52-56).

      Später erzählte Jesus das Gleichnis von einem Mann, der auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho Räubern in die Hände fiel. Zwei fromme Juden, die vorbeikamen, waren nicht bereit, dem Mann zu helfen. Ein Samariter dagegen hielt an und verband den Verwundeten. Zusätzlich sorgte er dafür, dass der Verletzte gesund gepflegt wurde. Dieser Samariter erwies sich wirklich als ein Nächster (Lukas 10:29-37). Durch dieses Gleichnis konnte Jesus seinen Zuhörern wahrscheinlich begreiflich machen, dass ihre Voreingenommenheit sie für die guten Eigenschaften ihrer Mitmenschen blind machte. Einige Jahre später kehrte Johannes nach Samaria zurück und predigte dort in vielen Dörfern — vielleicht auch in dem Dorf, dem er früher die Vernichtung gewünscht hatte (Apostelgeschichte 8:14-17, 25).

      Auch der Apostel Petrus musste unparteiisch handeln, als ihn ein Engel anwies, dem römischen Offizier Kornelius von Jesus zu erzählen. Petrus war es nicht gewohnt, Umgang mit Nichtjuden zu haben; außerdem waren die römischen Soldaten bei den meisten Juden unbeliebt (Apostelgeschichte 10:28). Als Petrus jedoch Gottes Leitung in dieser Angelegenheit erkannte, sagte er: „Bestimmt merke ich, dass Gott nicht parteiisch ist, sondern dass für ihn in jeder Nation der Mensch, der ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, annehmbar ist“ (Apostelgeschichte 10:34, 35).

      Warum Vorurteilen den Kampf ansagen?

      Vorurteile laufen einem wichtigen Grundsatz zuwider, den Jesus mit folgenden Worten lehrte: „Alles daher, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, sollt auch ihr ihnen ebenso tun“ (Matthäus 7:12). Bestimmt möchte niemand nur wegen seines Geburtsorts, seiner Hautfarbe oder seiner Herkunft verachtet werden. Zudem verletzen Vorurteile Gottes Maßstab der Unparteilichkeit. Wie die Bibel lehrt, hat Jehova „aus e i n e m Menschen jede Nation der Menschen gemacht, damit sie auf der ganzen Erdoberfläche wohnen“ (Apostelgeschichte 17:26). Demnach sind alle Menschen Brüder.

      Außerdem beurteilt Gott jeden Menschen individuell. Er verurteilt jemanden nicht wegen der Fehler, die seine Eltern oder Vorfahren gemacht haben (Hesekiel 18:20; Römer 2:6). Auch die Unterdrückung durch eine fremde Nation ist kein triftiger Grund, einzelne Angehörige dieser Nation zu hassen, die wahrscheinlich gar nicht persönlich für das begangene Unrecht verantwortlich sind. Jesus lehrte seine Nachfolger, ‘ihre Feinde zu lieben und für die zu beten, die sie verfolgen’ (Matthäus 5:44, 45).

      Solche Lehren halfen den Christen im ersten Jahrhundert, Vorurteile zu überwinden und eine einzigartige internationale Bruderschaft zu bilden. Obwohl sie aus vielen verschiedenen Kulturen stammten, nannten sie einander Brüder und Schwestern und betrachteten sich auch als solche (Kolosser 3:9-11; Jakobus 2:5; 4:11). Die Grundsätze, durch die Menschen damals so sehr verändert wurden, können heute das Gleiche bewirken.

      Vorurteile heute bekämpfen

      Obwohl praktisch niemand von vorgefassten Meinungen frei ist, müssen diese doch nicht zwangsläufig zu Vorurteilen werden. In dem Buch Die Natur des Vorurteils wird ausgeführt: „Voreingenommenheiten sind nur dann Vorurteile, wenn sie angesichts neuer Informationen nicht geändert werden können.“ Oft können Vorurteile dadurch ausgeräumt werden, dass Menschen einander kennen lernen. In dem zitierten Buch heißt es jedoch: „Einzig jene Art von Kontakt, die Leute dazu bringt, gemeinsam etwas zu tun, scheint eine Chance zur Änderung von Einstellungen zu haben.“

      Auf diese Weise überwand John, der aus Nigeria kommt und dem Volk der Ibo angehört, seine Vorurteile gegenüber der Volksgruppe der Hausa. Er erzählt: „Auf der Universität traf ich Hausa-Studenten und freundete mich mit ihnen an; ich merkte, dass sie hervorragende Grundsätze hatten. Mit einem der Hausa arbeitete ich an einem Gemeinschaftsprojekt und wir kamen prima voran, während der vorherige Studienkollege von den Ibo nicht voll mitgezogen hatte.“

      Ein Werkzeug im Kampf gegen Vorurteile

      In einem Bericht der UNESCO heißt es: „Bildung könnte von ausschlaggebender Bedeutung im Kampf gegen neue Formen des Rassismus, der Diskriminierung und der Ausgrenzung sein.“ Jehovas Zeugen sind überzeugt, dass die biblische Bildung am wirksamsten ist (Jesaja 48:17, 18). Bei Menschen, die biblische Lehren befolgen, macht Argwohn dem Respekt Platz und Liebe lässt das Feuer des Hasses erlöschen.

      Jehovas Zeugen haben festgestellt, dass die Bibel ihnen hilft, ihre Vorurteile zu überwinden. Sie spornt sie dazu an und schafft gleichzeitig Gelegenheiten, bei denen Angehörige verschiedener Kulturen und unterschiedlicher ethnischer Herkunft etwas gemeinsam tun. Christina, die im ersten Artikel dieser Serie zitiert wurde, ist eine Zeugin Jehovas. „Unsere Zusammenkünfte stärken mein Selbstvertrauen“, sagt sie. „Im Königreichssaal fühle ich mich geborgen, weil ich keinerlei Vorurteile spüre.“

      Jasmin, ebenfalls eine Zeugin Jehovas, erinnert sich, dass sie mit neun Jahren zum ersten Mal Opfer von Rassismus wurde. Sie meint: „Der Donnerstag ist für mich schon immer der angenehmste Tag in der Woche gewesen, weil ich da abends in den Königreichssaal gehe. Die Brüder und Schwestern zeigen mir ihre Liebe. Unter ihnen fühle ich mich wertvoll und nicht verachtet.“

      Auch die Bauprojekte der Zeugen Jehovas vereinigen Freiwillige verschiedener Herkunft. Simon, dessen Eltern aus der Karibik stammen, wurde in Großbritannien geboren. In den Baufirmen, wo er als Maurer beruflich tätig war, bekam er oft Vorurteile zu spüren. In den Jahren, in denen er bei verschiedenen Projekten als Freiwilliger mit seinen Glaubensbrüdern zusammenarbeitete, war das jedoch anders: „Ich habe mit Brüdern aus vielen Ländern zusammengearbeitet, und wir haben gelernt, gut miteinander auszukommen. Einige meiner besten Freunde kamen aus anderen Ländern und anderen Verhältnissen als ich.“

      Natürlich sind auch Zeugen Jehovas nicht vollkommen. Deshalb müssen sie immer wieder Neigungen zu Voreingenommenheit bekämpfen. Gottes Unparteilichkeit spornt sie dabei sehr an (Epheser 5:1, 2).

      Wer gegen Vorurteile ankämpft, wird auf vielerlei Weise belohnt. Der Kontakt mit Menschen fremder Herkunft bereichert unser Leben. Und außerdem wird Gott durch sein Königreich bald eine menschliche Gesellschaft bilden, in der Gerechtigkeit wohnen wird (2. Petrus 3:13). Dann werden Vorurteile für immer überwunden sein.

      [Kasten auf Seite 11]

      Habe ich Vorurteile?

      Stellen wir uns doch folgende Fragen, um zu sehen, ob wir persönlich Vorurteile haben, ohne es zu merken:

      1. Bringe ich Personen einer bestimmten ethnischen Gruppe, einer Region oder Nationalität mit unerwünschten Eigenschaften wie Dummheit, Faulheit oder Geiz in Verbindung? (Solche Vorurteile werden oft durch Witze weitergegeben.)

      2. Neige ich dazu, meine wirtschaftlichen oder sozialen Probleme Einwanderern oder Angehörigen einer fremden ethnischen Gruppe anzulasten?

      3. Stehe ich bestimmten Ausländern feindselig gegenüber, weil zwischen meinem und ihrem Land eine alte Feindschaft besteht?

      4. Gelingt es mir, jeden Menschen als Individuum zu betrachten — ungeachtet seiner Hautfarbe, Kultur oder ethnischen Herkunft?

      5. Freue ich mich über Gelegenheiten, Angehörige anderer Kulturen kennen zu lernen? Bemühe ich mich darum?

      [Bild auf Seite 8]

      Jesu Gleichnis vom barmherzigen Samariter lehrt uns, Vorurteile zu überwinden

      [Bild auf Seite 8]

      Als Petrus im Haus des Kornelius war, sagte er: „Bestimmt merke ich, dass Gott nicht parteiisch ist“

      [Bild auf Seite 9]

      Die biblische Belehrung vereint Menschen verschiedener Herkunft

      [Bild auf Seite 9]

      Jehovas Zeugen setzen Gelerntes in die Tat um

      [Bild auf Seite 10]

      Christina — „Die Zusammenkünfte im Königreichssaal stärken mein Selbstvertrauen“

      [Bild auf Seite 10]

      Jasmin — „Die Brüder und Schwestern zeigen mir ihre Liebe. Unter ihnen fühle ich mich wertvoll und nicht verachtet.“

      [Bilder auf Seite 10]

      Simon, ein freiwilliger Baumitarbeiter — „Wir haben gelernt, gut miteinander auszukommen“

Deutsche Publikationen (1950-2025)
Abmelden
Anmelden
  • Deutsch
  • Teilen
  • Einstellungen
  • Copyright © 2025 Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania
  • Nutzungsbedingungen
  • Datenschutzerklärung
  • Datenschutzeinstellungen
  • JW.ORG
  • Anmelden
Teilen