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Die Fakten prüfenErwachet! 2020 | Nr. 3
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Die Fakten prüfen
Das Problem
Vorurteile beruhen oft auf Fehlinformationen oder Unkenntnis. Dazu einige Beispiele:
Manche Arbeitgeber glauben fälschlicherweise, Frauen seien für wissenschaftliche oder technische Berufe nicht geeignet
Im mittelalterlichen Europa unterstellte man den Juden, sie würden Brunnen vergiften und Krankheiten verbreiten. Unter dem NS-Regime wurden sie erneut verleumdet. Diesmal warf man ihnen vor, die deutsche Wirtschaft zugrunde zu richten. Beides führte dazu, dass die Juden Opfer heftiger Vorurteile wurden, die bis heute nachhallen.
Viele ziehen den falschen Schluss, Menschen mit einer Behinderung seien grundsätzlich deprimiert oder verbittert
Oft werden solche Vorurteile mit irgendwelchen Beispielen oder angeblichen Beweisen begründet. Und wer sich dieser Meinung nicht anschließt, wird als ignorant hingestellt.
Grundsatz aus der Bibel
„Es ist nicht gut, wenn ein Mensch keine Erkenntnis hat“ (SPRÜCHE 19:2)
Was bedeutet das? Mangelnde Faktenkenntnis trübt das Urteilsvermögen. Wenn man sich auf Behauptungen stützt statt auf Tatsachen, schätzt man andere falsch ein.
Warum Faktenkenntnis hilft
Verschaffen wir uns selbst ein klares Bild von Menschen, dann werden wir gängigen Vorurteilen nicht so schnell Glauben schenken. Und wenn wir merken, dass uns ein falsches Bild von einer bestimmten Gruppe vermittelt wurde, werden wir auch eigene vorgefasste Meinungen eher hinterfragen.
Was man tun kann
Sich bewusst machen, dass verallgemeinernde Aussagen über eine Gruppe längst nicht auf jeden Einzelnen zutreffen
Sich eingestehen, dass man nicht alle Hintergründe und Fakten kennt
Sich Informationen aus einer zuverlässigen Quelle holen
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Sich in andere hineinversetzenErwachet! 2020 | Nr. 3
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Sich in andere hineinversetzen
Das Problem
Wenn wir uns darauf konzentrieren, was einen anderen von uns unterscheidet, können uns solche Unterschiede schnell wie Schwächen oder Fehler vorkommen, und derjenige erscheint uns unterlegen. Hat man erst einmal ein negatives Bild entwickelt, fällt es schwer, sich in den anderen hineinzufühlen. Mangelnde Empathie und Vorurteile sind also eng miteinander verknüpft.
Grundsatz aus der Bibel
„Freut euch mit denen, die sich freuen. Weint mit denen, die weinen“ (RÖMER 12:15)
Was bedeutet das? Dieser Grundsatz lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Empathie. Empathie ist die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und zu fühlen, was sie fühlen.
Wie Empathie hilft
Wenn wir uns in jemanden hineindenken, wird uns bewusst, wie viel uns mit demjenigen verbindet. Wir merken vielleicht, dass er ähnlich reagiert und fühlt wie wir selbst. Empathie hilft uns zu erkennen, dass wir alle – egal woher wir kommen – Teil einer großen Familie sind. Je mehr wir uns auf Gemeinsamkeiten konzentrieren, umso weniger neigen wir dazu, über andere negativ zu urteilen.
Empathie fördert auch die Achtung vor anderen. Anne-Marie aus dem Senegal blickte früher auf Menschen aus sogenannt niedrigeren Kasten herab. Sie berichtet, wie Empathie ihr geholfen hat: „Als ich gesehen habe, wie schwer es Menschen aus niedrigen Kasten haben, habe ich mich gefragt, wie ich mich an ihrer Stelle fühlen würde. Das hat mich dazu gebracht, meinen scheinbar höheren Status zu hinterfragen, den ich mir ja weder ausgesucht noch verdient hatte.“ Wenn wir uns die schwierige Lage anderer bewusst machen, hilft uns das, mitzufühlen, statt zu kritisieren.
Was man tun kann
Versuchen Sie, Unterschiede auszublenden und Gemeinsamkeiten zu entdecken. Stellen Sie sich vor, wie sich der andere fühlt, wenn er ...
Empathie hilft, jeden Menschen als Teil einer großen Familie zu sehen
gemeinsam mit seiner Familie isst
einen Arbeitstag hinter sich gebracht hat
Zeit mit Freunden verbringt
seine Lieblingsmusik hört
Versetzen Sie sich dann in die Lage des anderen. Fragen Sie sich:
Wie würde ich reagieren, wenn andere mir das Gefühl geben würden, ich wäre wertlos?
Wie würde ich mich fühlen, wenn andere mich in eine Schublade stecken würden, ohne mich überhaupt zu kennen?
Wie würde ich an seiner Stelle gern von anderen behandelt werden?
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Die Stärken anderer erkennenErwachet! 2020 | Nr. 3
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Die Stärken anderer erkennen
Das Problem
Vorurteile können das Ergebnis übertriebener Selbstliebe sein. Ein egozentrischer Mensch hat ein übersteigertes Selbstwertgefühl. Er fühlt sich Menschen, die anders sind, überlegen und stuft sie herab. In diese Falle kann jeder tappen. In der Encyclopædia Britannica heißt es über die verschiedenen Kulturen: „Die meisten Gruppen haben das mehr oder weniger starke Empfinden, ihre Lebensweise, ihre Küche, ihr Kleidungsstil, ihre Umgangsformen, ihre Überzeugungen, ihre Werte und dergleichen seien denen anderer Gruppen überlegen.“ Wie kann man gegen diese Denkweise ankämpfen?
Grundsatz aus der Bibel
„Achtet andere in Demut höher als euch selbst“ (PHILIPPER 2:3)
Was bedeutet das? Um übertriebenem Stolz entgegenzuwirken, muss man das Gegenteil entwickeln: Demut. Ein demütiger Mensch erkennt, dass andere ihm auf bestimmten Gebieten überlegen sind. Keine Gruppe hat das Monopol auf alle Fähigkeiten und guten Eigenschaften.
Stefan ist in einem kommunistisch geprägten Land aufgewachsen und hatte Vorurteile gegen Menschen aus nicht kommunistischen Ländern. Wie gelang es ihm, seine Vorurteile zu überwinden? Er sagt: „Andere höher zu achten halte ich für ein wichtiges Mittel im Kampf gegen Vorurteile. Ich bin ja schließlich nicht allwissend. Man kann von jedem etwas lernen.“
Was man tun kann
Entwickeln Sie ein realistisches Bild von sich selbst und seien Sie sich auch Ihrer Fehler bewusst. Gestehen Sie sich ein, dass andere da Stärken haben, wo Sie vielleicht Schwächen haben. Gehen Sie nicht davon aus, dass man negative Züge Einzelner auf eine ganze Gruppe übertragen kann.
Anstatt einen Menschen aus einer bestimmten Gruppe abzuurteilen, könnte man sich einmal fragen:
Gestehen Sie sich ein, dass andere da Stärken haben, wo Sie vielleicht Schwächen haben
Ist das, was mich an dem anderen stört, wirklich schlecht oder einfach nur anders?
Was könnte den anderen an mir stören?
Auf welchen Gebieten ist der andere mir überlegen?
Diese Überlegungen helfen nicht nur, Vorurteile abzubauen, sondern bei anderen auch bewundernswerte Dinge zu entdecken.
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Den Freundeskreis erweiternErwachet! 2020 | Nr. 3
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Den Freundeskreis erweitern
Das Problem
Sich von Menschen abzugrenzen, von denen man ein negatives Bild hat, kann Vorurteile noch verstärken. Und wenn wir unsere Freundschaften auf Personen beschränken, die so sind wie wir, dann entwickeln wir vielleicht die Vorstellung, unsere Art zu denken, zu fühlen und zu handeln wäre die einzig richtige.
Grundsatz aus der Bibel
„Öffnet ... euer Herz weit“ (2. KORINTHER 6:13)
Was bedeutet das? Das Herz steht oft für die Gefühle eines Menschen. Lassen wir nur unseresgleichen an uns heran, ist unser Herz sozusagen eng oder wir verschließen es sogar ganz. Damit uns das nicht passiert, müssen wir uns auch für Menschen öffnen, die anders sind als wir.
Warum es hilft, sich für andere zu öffnen
Wenn wir jemanden näher kennenlernen, verstehen wir besser, warum er manches anders macht. Und je enger unsere Freundschaft wird, desto mehr sehen wir ihn als unseresgleichen. Unsere Achtung vor ihm wächst und wir teilen seine Sorgen und seine Freuden.
Das hat auch Nazaré erlebt. Früher hatte sie Vorurteile gegen Immigranten. Was hat sie zum Umdenken gebracht? Sie sagt: „Ich hab mit ihnen zusammengearbeitet und auch sonst öfter Zeit mit ihnen verbracht. Dabei hab ich Menschen kennengelernt, die genau das Gegenteil von dem waren, was über sie erzählt wurde. Wenn man sich mit Menschen aus einem anderen Kulturkreis anfreundet, lernt man gegen dieses Schubladendenken anzugehen. Man gewinnt sie lieb und schätzt sie als Individuen.“
Was man tun kann
Versuchen Sie, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die einen anderen ethnischen Hintergrund haben.
Bitten Sie sie, etwas von sich zu erzählen
Laden Sie sie zum Essen ein
Hören Sie ihnen gut zu, wenn sie von ihrem Leben erzählen, und achten Sie darauf, was ihnen wichtig ist
Wenn man versucht zu verstehen, wie ihre Erlebnisse sie geprägt haben, bekommt man oft ein positiveres Bild.
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Liebe zeigenErwachet! 2020 | Nr. 3
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Liebe zeigen
Das Problem
Vorurteile können sehr hartnäckig sein. Genauso wie es Zeit und Mühe braucht, einen Virus loszuwerden, braucht es auch Zeit und Mühe, Vorurteile loszuwerden. Wie kann man das bei sich selbst schaffen?
Grundsatz aus der Bibel
„Kleidet euch mit Liebe, denn sie ist ein vollkommenes Band der Einheit“ (KOLOSSER 3:14)
Was bedeutet das? Anderen Gutes zu tun verbindet. Je mehr Liebe man zeigt, desto besser kann man Vorurteile bekämpfen. Je mehr man sein Herz mit Liebe füllt, desto weniger Platz bleibt für Hass und Verachtung.
Was man tun kann
Denken Sie darüber nach, was Sie konkret für Menschen aus einer Gruppe tun können, der Sie vielleicht kritisch gegenüberstehen. Liebe zu zeigen muss nicht aufwändig sein. Hier ein paar Ideen:
Mit jeder liebevollen Geste baut man Vorurteile ab
Seien Sie höflich und halten Sie die Tür auf oder bieten Sie Ihren Platz in einem öffentlichen Verkehrsmittel an
Üben Sie sich im Small Talk, auch wenn der andere Ihre Sprache nicht fließend spricht
Seien Sie geduldig, wenn der andere sich auf eine Art und Weise verhält, die Sie befremdet
Hören Sie mitfühlend zu, wenn er über seine Probleme spricht
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