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  • „Nur Mut!“
    Legt gründlich Zeugnis ab für Gottes Königreich
    • „Ich will gern etwas zu meiner Verteidigung sagen“ (Apg. 23:35–24:21)

      10. Welche schweren Beschuldigungen wurden gegen Paulus erhoben?

      10 Bis seine Ankläger aus Jerusalem eintrafen, wurde Paulus „im Palast von Herodes unter Bewachung“ gehalten (Apg. 23:35). Nach fünf Tagen kamen sie dann: der Hohe Priester Ananias, ein Anwalt namens Tertullus und einige Älteste. Tertullus rühmte Felix erst einmal wegen seiner „Großtaten“ für die Juden, um sich bei ihm anzubiedern.b Dann kam er zur Sache und beschuldigte Paulus: „Wir haben … festgestellt, dass dieser Mann eine Plage ist, denn seinetwegen kommt es unter allen Juden auf der ganzen bewohnten Erde zu Aufständen, und er ist ein Anführer der Sekte der Nazarener. Auch hat er versucht, den Tempel zu entweihen, weshalb wir ihn festgenommen haben. Darauf beteiligten sich auch die [anderen] Juden an dem Angriff und behaupteten, es würde alles der Wahrheit entsprechen“ (Apg. 24:5, 6, 9). Aufrührer! Anführer einer gefährlichen Sekte! Tempelschänder! Das waren massive Beschuldigungen, die Paulus Kopf und Kragen kosten konnten.

      11, 12. Was hielt Paulus seinen Anklägern entgegen?

      11 Danach hatte Paulus das Wort. Er sagte: „Ich [will] gern etwas zu meiner Verteidigung sagen.“ Er wies die Beschuldigungen deutlich zurück: Weder habe er den Tempel entweiht noch zum Aufruhr angestachelt. Überdies sei er „nach einer Reihe von Jahren“ gerade erst nach Jerusalem zurückgekommen und habe Spenden für die wohl durch Hungersnot und Verfolgung verarmten Christen mitgebracht. Außerdem habe er sich vor Betreten des Tempels „rituell gereinigt“ und sich alle Mühe gegeben, „vor Gott und den Menschen ein reines Gewissen zu haben“ (Apg. 24:10-13, 16-18).

      12 Allerdings bestritt er nicht, dass er den Gott seiner Vorväter „gemäß der Glaubensrichtung, die sie als Sekte bezeichnen“, anbetete. Dabei unterstrich er jedoch, dass er alles glaube, „was im Gesetz dargelegt ist und in den Schriften der Propheten steht“. Und wie seine Ankläger sei er von einer „Auferstehung der Gerechten und der Ungerechten“ überzeugt. Schließlich forderte er: „Lass die Männer hier selbst sagen, welches Unrecht sie mir nachweisen konnten, als ich vor dem Sanhedrin stand. Da war nur diese eine Sache, nämlich dass ich in ihrer Mitte gerufen habe: ‚Wegen der Auferstehung der Toten stehe ich heute hier vor Gericht!‘“ (Apg. 24:14, 15, 20, 21).

      13-15. Wieso ist Paulus ein gutes Beispiel dafür, wie man vor Amtspersonen mutig für seinen Glauben einsteht?

      13 Falls auch wir uns einmal vor Amtspersonen für unseren Glauben verantworten müssen und als Aufwiegler, Umstürzler oder Mitglieder einer gefährlichen Sekte bezeichnet werden, ist Paulus für uns ein gutes Beispiel. Er redete dem Statthalter nicht nach dem Mund und versuchte nicht, sich wie Tertullus einzuschmeicheln. Ruhig und höflich schilderte er klar den wahren Sachverhalt. Zudem merkte er an, dass die „Juden aus der Provinz Asien“, die ihm Tempelschändung vorwarfen, eigentlich hier mit auf der Anklägerseite stehen müssten und es doch sein Recht war, die Anschuldigungen direkt aus ihrem Mund zu hören (Apg. 24:18, 19).

      14 Am meisten fällt auf, dass Paulus so offen zu seinem Glauben stand. Mutig bekannte er sich erneut zur Auferstehung – genau das Thema, das im Hohen Rat einen solchen Aufruhr ausgelöst hatte (Apg. 23:6-10). Warum rückte er dieses Thema bei seiner Verteidigung in den Mittelpunkt, wo es doch für seine Gegner so ein rotes Tuch war? Weil ihm daran lag, die Wahrheit über Jesus und dessen Auferstehung zu bezeugen (Apg. 26:6-8, 22, 23). Genau daran hatte sich die ganze Kontroverse ja überhaupt erst entzündet: am Glauben an die Auferstehung oder genauer gesagt am Glauben an Jesus und dessen Auferstehung.

      15 Auch wir können uns so mutig für unsere Überzeugung hinstellen und aus dem Kraft ziehen, was Jesus zu seinen Jüngern sagte: „Alle Menschen werden euch wegen meines Namens hassen, aber wer bis zum Ende ausgeharrt hat, der wird gerettet werden.“ Müssen wir uns Sorgen machen, was wir dann sagen sollen? Nein, denn Jesus gab uns die Zusage: „Wenn man euch abführt, um euch auszuliefern, dann macht euch nicht im Voraus Sorgen über das, was ihr reden sollt, sondern sagt das, was euch in dem Moment eingegeben wird, denn nicht ihr redet, sondern der heilige Geist“ (Mar. 13:9-13).

      „Felix bekam Angst“ (Apg. 24:22-27)

      16, 17. (a) Wie ging Felix mit Paulus’ Fall um? (b) Weshalb bekam es Felix wohl mit der Angst zu tun, aber warum suchte er trotzdem weiter das Gespräch mit Paulus?

      16 Der Statthalter hörte bei dieser Gelegenheit nicht zum ersten Mal vom Christentum. Lukas schreibt: „Felix, der über diesen Weg ziemlich genau Bescheid wusste, vertagte den Fall jedoch mit den Worten: ‚Sobald der Militär­befehlshaber Lysias herunterkommt, werde ich in eurer Sache entscheiden.‘ Und er befahl dem Offizier, den Mann in Haft zu behalten. Man solle ihm jedoch eine gewisse Freiheit einräumen und seinen Leuten erlauben, sich um seine Bedürfnisse zu kümmern“ (Apg. 24:22, 23).

      17 Einige Tage später ließen Felix und seine jüdische Frau Drusilla Paulus holen, um etwas „über den Glauben an Christus Jesus“ zu hören (Apg. 24:24). Als Paulus dann aber „über Gerechtigkeit, Selbst­beherrschung und das kommende Gericht sprach, bekam Felix Angst“ – möglicherweise weil ihm wegen seiner Vergangenheit das Gewissen schlug. Darum schickte er Paulus erst einmal weg: „Geh jetzt. Ich werde dich zu gegebener Zeit wieder holen lassen.“ Danach suchte er tatsächlich noch öfter das Gespräch mit Paulus, aber nicht weil er an der Wahrheit interessiert war, sondern weil er auf Bestechungsgelder spekulierte (Apg. 24:25, 26).

      18. Warum schnitt Paulus bei Felix und seiner Frau das Thema „Gerechtigkeit, Selbst­beherrschung und das kommende Gericht“ an?

      18 Wieso schnitt Paulus bei den beiden das Thema „Gerechtigkeit, Selbst­beherrschung und das kommende Gericht“ an? Sie wollten ja wissen, was „Glauben an Christus Jesus“ alles einschließt. Paulus kannte ihren Hintergrund – ihre Unmoral, ihre Grausamkeit und Willkür – und erklärte, was zur Nachfolge Christi dazugehört. Damit zeigte er deutlich, dass zwischen Gottes Maßstab für Richtig und Falsch und ihrer Lebensführung Welten lagen. Den beiden hätte klar werden müssen, dass sich jeder für das, was er denkt, sagt und tut, vor Gott verantworten muss. Und auch dass es nicht so wichtig war, was für ein Urteil Felix nun über Paulus sprechen, sondern welches Urteil Gott eines Tages über sie fällen würde. Kein Wunder, dass Felix Angst bekam!

      19, 20. (a) Wie gehen wir damit um, wenn jemand Interesse signalisiert, aber sich letztlich nicht ändern möchte? (b) Woher wissen wir, dass Felix nichts an Paulus lag?

      19 Vielleicht treffen wir im Dienst manchmal solche „Felixe“ an, die anfangs Interesse signalisieren, doch letztendlich so leben wollen, wie sie es selbst für richtig halten. Davon lassen wir uns nicht täuschen. So wie Paulus können wir ihnen jedoch taktvoll erklären, wie ein Leben aussieht, über das Gott sich freuen kann. Vielleicht wird die Wahrheit etwas in ihrem Herzen bewegen. Falls sich jemand aber ganz offensichtlich nicht ändern möchte, machen wir uns lieber auf die Suche nach Menschen, die sich ehrlich für die Wahrheit interessieren.

      20 Was die wahren Absichten von Felix waren, verraten uns die nächsten Verse: „Als aber zwei Jahre vergangen waren, wurde Porcius Festus der Nachfolger von Felix, und weil Felix die Gunst der Juden gewinnen wollte, ließ er Paulus in Haft zurück“ (Apg. 24:27). Felix lag in Wirklichkeit nichts an Paulus. Er wusste, dass die Leute, die zum „Weg“ gehörten, weder Aufwiegler noch Umstürzler waren (Apg. 19:23). Und er wusste auch, dass Paulus gegen kein römisches Gesetz verstoßen hatte. Dennoch behielt er ihn in Haft, weil er „die Gunst der Juden gewinnen wollte“.

      21. (a) Was passierte mit Paulus, als Porcius Festus Statthalter wurde? (b) Was gab Paulus die Kraft, weiter nach vorn zu schauen?

      21 Wie der letzte Vers von Apostel­geschichte 24 zeigt, war Paulus immer noch in Haft, als Porcius Festus den Posten von Felix übernahm. Sein Fall wurde nun wieder aufgerollt und Paulus wurde von einem zum anderen weitergereicht. Dieser mutige Apostel wurde wirklich „vor Könige und Statthalter“ geschleppt (Luk. 21:12). Wie wir noch sehen werden, würde er die Wahrheit sogar bald vor dem mächtigsten Mann seiner Tage bezeugen. In der ganzen Zeit geriet sein Glaube allerdings nie ins Wanken. Was ihn dabei bestimmt immer wieder stärkte, waren Jesu Worte „Nur Mut!“

      FELIX: PROKURATOR VON JUDÄA

      Um das Jahr 52 ernannte der römische Kaiser Claudius seinen Günstling Antonius Felix zum Prokurator oder Statthalter von Judäa. Wie sein Bruder Pallas war Felix ein freigelassener Sklave vom Hof des Kaisers. Einen Freigelassenen im Amt eines Prokurators mit militärischer Befehlsgewalt hatte es bis dahin noch nie gegeben.

      Felix

      Da sein Bruder das besondere Vertrauen des Kaisers genoss, glaubte Felix, „sich in seiner hohen Stellung jede Schändlichkeit erlauben zu dürfen“, so der römische Historiker Tacitus. Weiter berichtet er, dass Felix als Prokurator „in jeglicher Form von Grausamkeit und Willkür das Recht eines Königs in dem Geiste eines Sklaven ausübte“. Während seiner Amtszeit heiratete Felix Drusilla, die Tochter von Herodes Agrippa I., nachdem er sie überredet hatte, sich von ihrem Mann zu trennen. Den Apostel Paulus behandelte er ungesetzlich, und, korrupt wie er war, erhoffte er sich von ihm Bestechungsgeld.

      Die Herrschaft von Felix war so korrupt und despotisch, dass Kaiser Nero ihn im Jahr 58 abberief. Eine jüdische Abordnung folgte ihm nach Rom, um ihn dort wegen seiner miserablen Amtsführung anzuklagen. Durch die Intervention von Pallas soll er jedoch einer Bestrafung entgangen sein.

      a Dazu auch „Felix: Prokurator von Judäa“.

      b Tertullus rühmte Felix für den „großen Frieden“, den ihm die jüdische Nation verdankte. Dabei herrschte in Judäa während seiner Amtszeit bis zum Aufstand gegen Rom weniger Frieden als je zuvor. Völlig aus der Luft gegriffen war auch, dass die Juden wegen Felix’ Reformen ein Gefühl „größter Dankbarkeit“ verspürten. In Wirklichkeit wurde er von den meisten Juden verachtet, weil er ihnen die Lebens­bedingungen erschwerte und Aufstände brutalst niederschlug (Apg. 24:2, 3).

  • „Ich lege bei Cäsar Berufung ein!“
    Legt gründlich Zeugnis ab für Gottes Königreich
    • KAPITEL 25

      „Ich lege bei Cäsar Berufung ein!“

      Paulus verteidigt die gute Botschaft und ist damit ein Vorbild für uns

      Nach Apostel­geschichte 25:1–26:32

      1, 2. (a) In welcher Situation ist Paulus? (b) Welche Fragen stellen sich?

      PAULUS ist immer noch in Gewahrsam in Cäsarea. Als er vor zwei Jahren nach Judäa kam, wollten ihn die Juden innerhalb von ein paar Tagen mindestens drei Mal töten (Apg. 21:27-36; 23:10, 12-15, 27). Bisher haben sie es nicht geschafft, aber sie denken nicht daran aufzugeben. Als Paulus merkt, dass er ihnen ausgeliefert werden könnte, sagt er zum Statthalter Festus: „Ich lege bei Cäsar Berufung ein!“ (Apg. 25:11).

      2 War es im Sinn Jehovas, dass sich Paulus auf den Kaiser von Rom berief? Die Antwort auf diese Frage ist für alle wichtig, die heute, in der Endzeit, Gottes Königreich in aller Welt bezeugen möchten. Sollten wir Paulus nachahmen, wenn es um die „Verteidigung und gesetzliche Befestigung der guten Botschaft“ geht? (Phil. 1:7).

      „Vor dem Richterstuhl“ (Apg. 25:1-12)

      3, 4. (a) Was steckte hinter der Bitte der Juden, Paulus nach Jerusalem bringen zu lassen? Wie entkam er ihnen? (b) Wie stand Jehova Paulus zur Seite, und wie tut er das bei uns heute?

      3 Drei Tage nach seinem Amtsantritt ging Festus, der neue Statthalter von Judäa, nach Jerusalem.a Dort hörte er sich an, was die Oberpriester und die führenden Männer der Juden Paulus zur Last legten. Die Ankläger wussten, dass von Festus erwartet wurde, mit ihnen und den anderen Juden Frieden zu halten. Deshalb baten sie ihn, Paulus nach Jerusalem verlegen und dort vor Gericht stellen zu lassen. Dahinter steckte jedoch ein finsterer Plan: Sie wollten Paulus unterwegs umbringen. Festus ging nicht auf ihre Bitte ein, sondern sagte: „Wenn der Mann wirklich etwas Unrechtes getan hat, sollen die Verantwortlichen unter euch mit mir [nach Cäsarea] hinunterkommen und ihn anklagen“ (Apg. 25:5). Paulus entkam also noch einmal dem sicheren Tod.

      4 Während all dieser Verhöre stand Jehova Paulus durch den Herrn Jesus zur Seite. Jesus hatte ja in einer Vision zu Paulus gesagt: „Nur Mut!“ (Apg. 23:11). Auch heute haben Jehovas Diener oft einen schweren Stand. Jehova schirmt uns nicht gegen alle Schwierigkeiten ab, aber er gibt uns Kraft und zeigt uns, wie wir sie am besten durchstehen können. Wir können jederzeit auf die Kraft zählen, die uns Gott in seiner Liebe gibt und „die über das Normale hinausgeht“ (2. Kor. 4:7).

      5. Wie verfuhr Festus mit Paulus?

      5 Einige Tage später war Festus zurück in Cäsarea und „setzte … sich auf den Richterstuhl“.b Vor ihm standen Paulus und dessen Ankläger. Als die Juden wieder ihre haltlosen Beschuldigungen vorbrachten, konterte Paulus: „Ich habe mich weder am Gesetz der Juden noch am Tempel noch an Cäsar irgendwie versündigt.“ Der Apostel war unschuldig und hätte eigentlich freigelassen werden müssen. Wie würde Festus entscheiden? Da er sich mit den Juden gut stellen wollte, fragte er Paulus: „Möchtest du nach Jerusalem hinaufgehen, damit dein Fall dort vor mir verhandelt wird?“ (Apg. 25:6-9). Was für eine absurde Idee! Hätte er Paulus nach Jerusalem zurückgeschickt, wären seine Ankläger seine Richter geworden und das wäre sein sicherer Tod gewesen. Aus politischem Kalkül entschied sich Festus nicht für Recht und Gerechtigkeit – genau wie einer seiner Vorgänger, Pontius Pilatus, der über einen noch bedeutenderen Gefangenen zu urteilen hatte (Joh. 19:12-16). Auch heute geben Richter manchmal politischem Druck nach. Deshalb braucht es uns nicht zu wundern, wenn trotz klarer Beweislage gegen uns entschieden wird.

      6, 7. Warum berief sich Paulus auf Cäsar? Welches Beispiel hat er damit für uns hinterlassen?

      6 Der Wunsch des Statthalters, den Juden entgegenzukommen, hätte Paulus das Leben kosten können. Deshalb berief er sich auf ein Recht, das ihm als römischem Bürger zustand. Er sagte zu Festus: „Ich stehe vor dem Richterstuhl Cäsars und da muss über mich geurteilt werden. Ich habe den Juden kein Unrecht getan, was auch du sehr wohl merkst. … Ich lege bei Cäsar Berufung ein!“ Einem solchen Gesuch musste normalerweise stattgegeben werden. Das bestätigte Festus dann auch, als er erklärte: „Du legst bei Cäsar Berufung ein, dann sollst du auch zu Cäsar gehen“ (Apg. 25:10-12). Mit seiner Berufung auf eine höhere Instanz hat uns Paulus ein gutes Beispiel hinterlassen. Wenn Gegner „im Namen des Gesetzes Unheil“ schmieden, verteidigen Jehovas Zeugen die gute Botschaft auch über den Rechtsweg (Ps. 94:20).c

      7 Nach zwei Jahren Haft für Verbrechen, die er gar nicht begangen hatte, würde Paulus nun in Rom in eigener Sache sprechen dürfen. Doch vorher wollte ihn noch ein anderer Herrscher hören.

      Unterschiedliche Reaktionen auf ein Gerichtsurteil: Ein Bruder, seine Anwälte und einige Zeugen Jehovas sehen betroffen aus. Die Außenstehenden freuen sich und gratulieren den Anwälten der Gegenpartei.

      Entscheiden Gerichte gegen uns, legen wir Rechtsmittel ein

      „Ich habe mich nicht widersetzt“ (Apg. 25:13–26:23)

      8, 9. Warum kam König Agrippa nach Cäsarea?

      8 Ein paar Tage nachdem sich Paulus auf den Kaiser berufen hatte, statteten König Agrippa und seine Schwester Bernice dem neuen Statthalter einen Höflichkeits­besuch ab.d Das war in römischer Zeit beim Amtsantritt von Statthaltern so üblich. Agrippa gratulierte Festus zu seinem neuen Posten. Damit wollte er wohl persönliche und politische Beziehungen knüpfen, die ihm später einmal nützlich sein könnten (Apg. 25:13).

      VOR GERICHT FÜR DIE GUTE BOTSCHAFT

      Jehovas Zeugen haben sich manchmal an übergeordnete Instanzen gewandt, um die Königreichs­botschaft ungehindert predigen zu können. Hier zwei Beispiele:

      In Griffin (Georgia, USA) wurde eine Gruppe von Zeugen wegen der Verbreitung biblischer Literatur festgenommen und verurteilt. Am 28. März 1938 wurden die Urteile durch den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten aufgehoben und die Zeugen rehabilitiert. Das war das erste in einer ganzen Reihe von Berufungs­verfahren vor diesem Gericht, in denen es um das Recht ging, die gute Botschaft zu predigen.g

      In einem anderen Fall ging es um den griechischen Zeugen Jehovas Minos Kokkinakis. Er wurde in 48 Jahren über 60 Mal wegen „Proselyten­macherei“ verhaftet und musste sich 18 Mal vor Gericht verteidigen. Er brachte Jahre im Gefängnis zu und im Exil auf abgelegenen Inseln der Ägäis. Nach seiner letzten Verurteilung im Jahr 1986 durchlief Bruder Kokkinakis alle höheren Instanzen in Griechenland ohne Erfolg. Schließlich reichte er beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) Beschwerde ein. Dieser urteilte am 25. Mai 1993, Griechenland habe im Fall von Bruder Kokkinakis das Recht auf Religions­freiheit verletzt.

      Jehovas Zeugen haben in vielen Fällen beim EGMR Beschwerde eingereicht und meistens wurde zu ihren Gunsten entschieden. Keine andere religiöse oder sonstige Organisation hat mit so großem Erfolg grundlegende Menschenrechte vor dem EGMR verteidigt.

      Profitieren auch andere von den Erfolgen von Jehovas Zeugen? Dr. Charles C. Haynes schrieb: „Wir alle schulden Jehovas Zeugen Dank. Ganz gleich, wie oft sie beschimpft, aus der Stadt gejagt oder tätlich angegriffen werden, kämpfen sie unbeirrt für ihre (und damit für unsere) Religions­freiheit. Und wenn sie siegen, profitieren wir alle davon.“

      g Im Erwachet! vom 8. Januar 2003, Seite 3–11 wurde über die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten in Sachen Redefreiheit berichtet.

      9 Festus erzählte dem König von Paulus, worauf dieser neugierig wurde. Tags darauf kamen die beiden mächtigen Männer mit Pomp und Gloria und ließen sich auf dem Richterstuhl nieder. Ein beeindruckendes Schauspiel! Nicht minder beeindruckend würde jedoch gleich das Plädoyer des Gefangenen sein (Apg. 25:22-27).

      10, 11. Wie erwies Paulus Agrippa Respekt? Was erzählte der Apostel aus seiner Vergangenheit?

      10 Paulus bedankte sich erst einmal höflich bei Agrippa, dass er zu seinem Fall Stellung nehmen durfte, zumal der König die Bräuche und Streitfragen der Juden gut kannte. Dann erzählte er seine Geschichte: „Ich [habe] nach der strengsten Richtung unserer Art der Anbetung als Pharisäer gelebt“ (Apg. 26:5). Als solcher hatte er das Kommen des Messias erwartet. Und als Christ verkündete er nun ganz offen diesen lang ersehnten Messias: Jesus Christus. Er stand also genau genommen wegen etwas vor Gericht, was auch seine Ankläger glaubten, nämlich dass Gott das Versprechen an seine Vorväter erfüllen würde. Da wurde Agrippa noch neugieriger.e

      11 Paulus schilderte dann, wie schwer er den Christen zugesetzt hatte: „Ich meinerseits war überzeugt, dass ich mit allen Mitteln gegen den Namen des Nazareners Jesus vorgehen müsste. … Und in meiner großen Wut [gegen die Nachfolger Christi] ging ich sogar so weit, sie in auswärtigen Städten zu verfolgen“ (Apg. 26:9-11). Das war nicht übertrieben. Viele wussten, wie brutal Paulus die Christen verfolgt hatte (Gal. 1:13, 23). Agrippa hat sich vielleicht gefragt: „Wieso hat dieser Mann eine so radikale Kehrtwende gemacht?“

      12, 13. (a) Wie schilderte Paulus seine Bekehrung? (b) Wie hatte Paulus „gegen die Stacheln“ ausgeschlagen?

      12 Er brauchte auf die Antwort nicht zu warten: „Als ich in dieser Absicht mit der Befugnis und im Auftrag der Oberpriester nach Damaskus reiste, sah ich unterwegs zur Mittagszeit ein Licht, o König, das heller als der Glanz der Sonne war und mich und meine Begleiter vom Himmel her umblitzte. Wir fielen alle auf den Boden, und ich hörte eine Stimme auf Hebräisch zu mir sagen: ‚Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich? Ständig gegen die Stacheln auszuschlagen, macht es hart für dich.‘ Ich erwiderte: ‚Wer bist du, Herr?‘, worauf der Herr sagte: ‚Ich bin Jesus, den du verfolgst‘“ (Apg. 26:12-15).f

      13 Vor diesem übernatürlichen Erlebnis hatte Paulus bildlich gesprochen „gegen die Stacheln“ ausgeschlagen. Wie ein Zugtier, das gegen einen Ochsenstachel ausschlägt und sich dabei unnötig verletzt, so schadete er sich nur selbst, als er sich gegen Jehovas Willen aufbäumte. Doch dann erschien ihm Jesus auf der Straße nach Damaskus und das bewog diesen aufrichtigen, aber fehlgeleiteten Mann zu einem Kurswechsel (Joh. 16:1, 2).

      14, 15. Wie beschrieb Paulus die Kehrtwende in seinem Leben?

      14 Danach krempelte Paulus sein Leben völlig um. Er sagte zu Agrippa: „Ich [habe] mich der Vision aus dem Himmel nicht widersetzt, sondern ich habe zuerst denen in Damaskus und dann denen in Jerusalem und im ganzen Land Judäa und auch den anderen Völkern die Botschaft überbracht, dass sie bereuen, sich Gott zuwenden und so handeln sollten, dass es der Reue entspricht“ (Apg. 26:19, 20). Seither war Paulus die ganzen Jahre in der Mission unterwegs gewesen, die ihm Jesus Christus damals in der Vision übertragen hatte. Das Ergebnis? Viele nahmen die gute Botschaft an. Es tat ihnen von Herzen leid, dass sie kein ehrliches und anständiges Leben geführt hatten, und sie wandten sich Gott zu. Sie wurden grundanständige, gesetzestreue Bürger, die ihren Beitrag zu Recht und Ordnung leisteten.

      15 Doch das alles zählte für seine Gegner nichts. Paulus sagte: „Deswegen ergriffen mich die Juden im Tempel und versuchten, mich umzubringen. Weil ich aber von Gott Hilfe bekommen habe, trete ich bis auf den heutigen Tag vor Klein und Groß als Zeuge auf“ (Apg. 26:21, 22).

      16. Wie können wir Paulus nachahmen, wenn wir uns vor Autoritätspersonen verantworten müssen?

      16 Ein echter Christ muss immer bereit sein, seinen Glauben „vor jedem zu verteidigen“ (1. Pet. 3:15). Wenn wir uns vor Richtern oder anderen Autoritätspersonen verantworten müssen, können wir uns daran orientieren, wie Paulus bei Festus und Agrippa vorging. Erklären wir ihnen respektvoll, wie die Bibel uns und auch andere zu besseren Menschen gemacht hat. Womöglich können wir dadurch ihr Herz erreichen.

      „Du würdest mich überreden, ein Christ zu werden“ (Apg. 26:24-32)

      17. Wie nahm Festus die Verteidigungsrede von Paulus auf? Welche ähnlichen Reaktionen gibt es heute?

      17 Paulus’ eindrucksvolle Rede blieb nicht ohne Wirkung. Die Reaktion? „Während Paulus das zu seiner Verteidigung sagte, rief Festus aus: ‚Paulus, du hast den Verstand verloren! Deine große Gelehrsamkeit treibt dich in den Wahnsinn!‘“ (Apg. 26:24). So ähnlich denken nicht wenige auch heute. Für sie sind alle, die die Wahrheit aus der Bibel predigen, Fanatiker. Und die biblische Lehre der Auferstehung halten viele für weltfremd.

      18. Was antwortete Paulus auf die Bemerkung von Festus? Was erwiderte ihm Agrippa?

      18 Paulus war nicht um eine Antwort verlegen: „Ich habe den Verstand nicht verloren, Exzellenz Festus, sondern was ich sage, ist wahr und vernünftig. Der König, an den ich mich so offen wende, weiß doch über all das gut Bescheid. … Glaubst du den Propheten, König Agrippa? Ich weiß, dass du glaubst.“ Agrippa erwiderte: „Du würdest mich in kurzer Zeit überreden, ein Christ zu werden“ (Apg. 26:25-28). Ob er das wirklich so meinte oder nicht – die Rede zeigte Wirkung!

      19. Zu welchem Schluss kamen Festus und Agrippa?

      19 Dann standen Agrippa und Festus auf. Damit war die Anhörung zu Ende. „Während sie weggingen, unterhielten sie sich und meinten: ‚Dieser Mensch tut nichts, was Tod oder Fesseln verdient.‘ Darauf sagte Agrippa zu Festus: ‚Dieser Mensch hätte freigelassen werden können, wenn er nicht bei Cäsar Berufung eingelegt hätte‘“ (Apg. 26:31, 32). Ihnen war klar: Dieser Mann war völlig unschuldig. Vielleicht würden sie die Christen in Zukunft positiver sehen.

      20. Was erreichte Paulus durch seine Stellungnahme vor den beiden mächtigen Männern?

      20 Wie es aussieht, nahm keiner dieser beiden mächtigen Herrscher die gute Botschaft von Gottes Königreich an. Hat sich all die Mühe trotzdem gelohnt? Keine Frage! Dadurch, dass Paulus „vor Könige und Statthalter“ in Judäa geschleppt wurde, drang die Botschaft in Etagen der römischen Regierung vor, die sonst wahrscheinlich unerreichbar geblieben wären (Luk. 21:12, 13). Außerdem haben seine Erlebnisse und seine Treue in all den Prüfungen den Brüdern und Schwestern Mut im Glauben gemacht (Phil. 1:12-14).

      21. Was können wir Gutes erreichen, wenn wir treu fürs Königreich einstehen?

      21 Heute ist es nicht anders. Wenn wir trotz allem möglichen Widerstand weiterpredigen, kann sich das sehr positiv auswirken. Möglicherweise können wir mit Leuten über die Bibel reden, an die wir sonst nur schwer herankommen. Und wenn wir treu für Gottes Königreich einstehen, motiviert das unsere Brüder vielleicht, noch mutiger ein gründliches Zeugnis abzulegen.

      DER PROKURATOR PORCIUS FESTUS

      Die einzigen zeitgenössischen Quellen über Porcius Festus sind die Apostel­geschichte und die Schriften von Flavius Josephus. Festus folgte Felix um das Jahr 58 als Prokurator von Judäa und starb wenig später, nachdem er offenbar nur zwei oder drei Jahre im Amt war.

      Porcius Festus.

      Festus scheint insgesamt ein umsichtiger und fähiger Herrscher gewesen zu sein, ganz im Gegensatz zu seinem Vorgänger Felix und seinem Nachfolger Albinus. Als er seinen Posten antrat, wurde Judäa von Banditen terrorisiert. Josephus schreibt: „Festus … schritt sogleich nachdrücklich gegen die allgemeine Landplage ein, ließ die meisten Räuber aufgreifen und eine beträchtliche Anzahl hinrichten.“ Während seiner Amtszeit zogen die Juden im Tempelbereich eine Mauer hoch, um König Agrippa die Einsicht zu verwehren. Festus gab zunächst den Befehl, sie abzureißen, ließ aber dann auf Bitten der Juden die Angelegenheit erst einmal vor Kaiser Nero bringen.

      Gegen Verbrecher und Aufständische griff Festus offensichtlich hart durch. Da er sich jedoch mit den Juden gut stellen wollte, nahm er es mit der Gerechtigkeit nicht immer so genau, zumindest nicht beim Apostel Paulus.

      KÖNIG HERODES AGRIPPA II.

      Bei dem in Apostel­geschichte, Kapitel 25 erwähnten Agrippa handelt es sich um König Herodes Agrippa II., Urenkel von Herodes dem Großen und Sohn des Herodes, der 14 Jahre zuvor der Versammlung in Jerusalem so schlimm zugesetzt hatte (Apg. 12:1). Mit ihm endete die Linie der herodianischen Fürsten.

      König Herodes Agrippa II.

      Agrippas Vater starb im Jahr 44, als Agrippa 17 Jahre alt war und am Hof von Kaiser Claudius erzogen wurde. Da man ihn für zu jung hielt, wurde als Nachfolger seines Vaters ein Statthalter eingesetzt. Wie Flavius Josephus berichtet, machte sich Agrippa aber bereits in Rom für die Interessen der Juden stark.

      Um das Jahr 50 ernannte Claudius Agrippa zum König über Chalkis und im Jahr 53 über Ituräa, Trachonitis und Abilene. Agrippa bekam außerdem die Aufsicht über den Tempel in Jerusalem und das Recht, die jüdischen Hohen Priester einzusetzen. Unter Kaiser Nero bekam er dann auch Teile von Galiläa und Peräa dazu. Agrippa traf mit Paulus zusammen, als er mit seiner Schwester Bernice in Cäsarea war; diese hatte sich von ihrem Mann, dem König von Zilizien, getrennt (Apg. 25:13).

      Als seine Versuche, den Aufstand der Juden gegen Rom zu verhindern, im Jahr 66 scheiterten, geriet er selber in die Schusslinie der Rebellen. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als sich auf die Seite der Römer zu schlagen. Nach der Niederschlagung des jüdischen Aufstands wurde er von Kaiser Vespasian mit weiteren Herrschafts­gebieten belohnt.

      a Dazu auch „Der Prokurator Porcius Festus“.

      b Der „Richterstuhl“ war ein erhöhter Sitz, der den Urteilen des Richters zusätzliches Gewicht und Endgültigkeit verlieh. Pilatus saß auf einem Richterstuhl, als er über Jesus zu entscheiden hatte.

      c Dazu auch „Vor Gericht für die gute Botschaft“.

      d Dazu auch „König Herodes Agrippa II.“.

      e Im Gegensatz zu den Juden hatte Paulus Jesus als Messias angenommen. Deshalb war er für sie ein Abtrünniger (Apg. 21:21, 27, 28).

      f Über die Angabe, Paulus sei „zur Mittagszeit“ gereist, heißt es in einem Bibelkommentar: „Wer sich nicht in höchster Eile befand, unterbrach die Reise in der Zeit der größten Mittagshitze, um eine Ruhepause einzulegen. Daraus zeigt sich, wie sehr sich Paulus selbst zur Eile antrieb, um seinen Auftrag, die Christen zu verfolgen, so schnell wie möglich auszuführen.“

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