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  • Aus der Finsternis berufen
    Der Wachtturm (Studienausgabe) 2016 | November
    • Während in einer frühen Christenversammlung aus den Schriften vorgelesen wird, spotten zwei Männer

      Aus der Finsternis berufen

      „[Jehova hat] euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen“ (1. PET. 2:9)

      LIEDER: 116, 102

      WIE WÜRDEST DU ANTWORTEN?

      • Warum kann man sagen, dass Gottes Diener vom 2. Jahrhundert an in babylonische Gefangenschaft kamen?

      • Durch welche Faktoren löste sich Mitte des 15. Jahrhunderts langsam der Griff der falschen Religion?

      • Welche Anstrengungen unternahmen Gesalbte im späten 19. Jahrhundert, um Gottes Wort richtig zu verstehen?

      1. Beschreibe die Zerstörung Jerusalems.

      IM Jahr 607 v. u. Z. fällt das gewaltige babylonische Heer unter Befehl von König Nebukadnezar II. in Jerusalem ein. Die Bibel beschreibt das dann folgende Blutbad mit den Worten: „[Nebukadnezar] ging daran, ihre jungen Männer mit dem Schwert im Haus ihres Heiligtums zu töten, auch hatte er kein Mitleid mit dem jungen Mann oder der Jungfrau, dem Alten oder Altersschwachen. . . . Und er ging daran, das Haus des wahren Gottes zu verbrennen und die Mauer Jerusalems niederzureißen; und all dessen Wohntürme verbrannte man mit Feuer und auch all dessen begehrenswerte Gegenstände, um Verderben zu verursachen“ (2. Chr. 36:17, 19).

      2. Wovor ließ Jehova die Juden warnen?

      2 Die Zerstörung Jerusalems hätte die Einwohner nicht überraschen dürfen. Gottes Propheten hatten die Juden jahrelang gewarnt, sie würden in die Hände der Babylonier fallen, wenn sie Gottes Gesetz weiterhin missachteten. Viele Juden würden durch das Schwert umkommen, und wer dem Tod entrinnen würde, müsste den Rest seines Lebens in Babylonischer Gefangenschaft verbringen (Jer. 15:2). Wie sah das Leben im Exil aus? Findet die Babylonische Gefangenschaft eine Parallele in christlicher Zeit? Wenn ja, wann?

      DAS LEBEN IM EXIL

      3. Wie unterschied sich das Babylonische Exil von der Sklaverei der Israeliten in Ägypten?

      3 Was die Propheten angekündigt hatten, traf ein. Jehova wies die zukünftigen Exilanten durch Jeremia an, sich mit ihrer neuen Situation abzufinden und das Beste daraus zu machen. Er sagte: „Baut Häuser [in Babylon], und bewohnt sie, und pflanzt Gärten, und esst ihren Fruchtertrag. Auch sucht den Frieden der Stadt, in die ich euch ins Exil habe gehen lassen, und betet für sie zu Jehova, denn in ihrem Frieden wird sich selbst für euch Frieden finden“ (Jer. 29:5, 7). Wer auf Gott hörte, konnte in Babylon ein relativ normales Leben führen. Den Exilanten wurde gestattet, sich bis zu einem gewissen Grad selbst zu verwalten. Sie konnten sich im Land sogar frei bewegen. Babylon war damals ein Wirtschafts- und Handelszentrum. Man hat Dokumente ausgegraben, die darauf hinweisen, dass viele Juden erfolgreiche Kaufleute oder geschickte Handwerker wurden. Einige brachten es sogar zu Wohlstand. Das Exil in Babylon war in keiner Weise mit der Sklaverei der Israeliten in Ägypten zu vergleichen, die Jahrhunderte zurücklag. (Lies 2. Mose 2:23-25.)

      4. Wer war außer den ungehorsamen Israeliten von der Babylonischen Gefangenschaft betroffen, und wie wurde ihre Religionsausübung behindert?

      4 Materiell fehlte es den Juden im Exil an nichts. Wie sah es aber mit ihrer geistigen Versorgung aus? Jehovas Tempel war mitsamt dem Altar zerstört und es gab keine organisierte Priesterschaft mehr. Zu den Exilanten gehörten treue Anbeter Jehovas, die nichts getan hatten, wofür sie eine Bestrafung verdient hätten. Auch sie mussten mit dem Rest der Nation leiden. Trotz widriger Umstände versuchten sie, Gottes Geboten so gut wie möglich zu entsprechen. In Babylon weigerten sich beispielsweise Daniel und drei seiner Gefährten — Schadrach, Meschach und Abednego —, etwas zu essen, was Juden nicht erlaubt war. Und von Daniel wissen wir, dass er regelmäßig zu Gott betete (Dan. 1:8; 6:10). Für einen gottesfürchtigen Juden war es unter heidnischer Herrschaft allerdings unmöglich, allen Anforderungen des Gesetzes gerecht zu werden.

      5. Welche Hoffnung gab Jehova seinem Volk, und wieso war das bemerkenswert?

      5 Würden die Israeliten Gott jemals wieder in jeder Hinsicht so anbeten können, wie er es von ihnen erwartete? Das schien damals höchst unwahrscheinlich. Babylon ließ Gefangene niemals frei. Doch diesmal war Jehova Gott mit im Spiel! Er hatte seinem Volk versprochen, befreit zu werden — und so geschah es. Seine Voraussagen bleiben nie unerfüllt (Jes. 55:11).

      GIBT ES EINE NEUZEITLICHE PARALLELE?

      6, 7. Warum war es passend, das Verständnis von der neuzeitlichen babylonischen Gefangenschaft zu korrigieren?

      6 Haben Christen je etwas erlebt, was mit der Babylonischen Gefangenschaft vergleichbar ist? Viele Jahre erklärte diese Zeitschrift, dass Gottes neuzeitliche Diener 1918 in babylonische Gefangenschaft kamen und 1919 daraus befreit wurden. Doch angesichts der Gründe, auf die der vorliegende und der folgende Artikel eingehen, war es nötig, diese Thematik erneut zu untersuchen.

      7 Überlegen wir einmal: Groß-Babylon ist das Weltimperium der falschen Religion. Würden wir annehmen, Gottes Volk wäre 1918 in babylonischer Gefangenschaft gewesen, hätte es davor irgendwie von der falschen Religion versklavt werden müssen. Die Tatsachen zeigen allerdings, dass Gottes gesalbte Diener in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg in Wirklichkeit dabei waren, sich aus den Zwängen Groß-Babylons zu befreien, statt versklavt zu werden. Die Gesalbten wurden zwar während des Ersten Weltkriegs verfolgt, doch das hauptsächlich von staatlicher Seite und nicht von Babylon der Großen. Offensichtlich kam Jehovas Volk 1918 also nicht in babylonische Gefangenschaft.

      BABYLONISCHE GEFANGENSCHAFT — WANN?

      8. Wie kam es zum allmählichen Verfall des wahren Christentums? (Siehe Anfangsbild.)

      8 Pfingsten 33 u. Z. wurden Tausende Juden und Proselyten mit heiligem Geist gesalbt. Diese neuen Christen wurden „ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, ein Volk zum besonderen Besitz“. (Lies 1. Petrus 2:9, 10.) Solange die Apostel lebten, wachten sie aufmerksam über die Versammlungen. Nach ihrem Tod standen jedoch Männer auf, die „verdrehte Dinge redeten, um die Jünger hinter sich her wegzuziehen“ (Apg. 20:30; 2. Thes. 2:6-8). Viele dieser Männer hatten verantwortliche Stellungen in den Versammlungen inne und dienten als Aufseher und später als „Bischöfe“. Obwohl Jesus seinen Nachfolgern gesagt hatte: „Ihr alle [seid] Brüder“, bildete sich eine Geistlichkeit heraus (Mat. 23:8). Einflussreiche Männer, die von Aristoteles’ und Platons Philosophien angetan waren, führten religiöse Irrlehren ein und ersetzten so allmählich die reine Lehre des Wortes Gottes.

      9. Beschreibe, wie die abtrünnige Christenheit vom römischen Staat unterstützt wurde und wozu das führte.

      9 Im Jahr 313 u. Z. wurde diese abtrünnige Form des Christentums von dem heidnischen römischen Kaiser Konstantin offiziell anerkannt. Von nun an arbeitete die Kirche mit dem Staat Hand in Hand. Nach dem Konzil von Nizäa beispielsweise schickte Konstantin, der bei dem Konzil anwesend war, den anders denkenden Geistlichen Arius in die Verbannung, weil dieser die Wesensgleichheit von Vater und Sohn ablehnte. Später wurde die verunreinigte Form des Christentums, mittlerweile als katholische Kirche bekannt, unter Kaiser Theodosius I. (379—395 u. Z.) zur Staatsreligion des Römischen Reiches. Historiker sagen, das heidnische Rom sei im 4. Jahrhundert „christianisiert“ worden. In Wirklichkeit kam damals eine abtrünnige Form des Christentums zu den heidnischen Religionsorganisationen des Römischen Reiches hinzu und wurde ebenfalls Teil Groß-Babylons. Eine kleine Anzahl weizenähnlicher gesalbter Christen gab in der Anbetung Gottes zwar ihr Bestes, aber ihre Stimmen wurden übertönt. (Lies Matthäus 13:24, 25, 37-39.) Sie waren wirklich in babylonischer Gefangenschaft!

      10. Warum war es aufrichtigen Menschen in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung möglich, Kirchenlehren zu hinterfragen?

      10 In den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung konnten viele die Bibel noch in Griechisch oder Latein lesen. Das ermöglichte es ihnen, biblische Lehren mit kirchlichen Dogmen zu vergleichen. Als Folge davon lehnten einige die unbiblischen Glaubensbekenntnisse der Kirche ab, auch wenn es gefährlich, ja sogar lebensgefährlich war, solche Meinungen offen zu äußern.

      11. Wie versperrte die Geistlichkeit anderen den Zugang zur Bibel?

      11 Die Kirche wehrte sich gegen die Bemühungen, das Wort Gottes in die Sprachen des Volkes zu übersetzen, obwohl mittlerweile ein Großteil der Menschen die Sprachen der Bibel nicht mehr verstand. Die Folge war, dass nur die Geistlichkeit und andere gebildete Leute in der Bibel lesen konnten, wobei nicht einmal jeder Geistliche das Lesen und Schreiben völlig beherrschte. Wer der Kirchenlehre widersprach, wurde schwer bestraft. Treue gesalbte Diener Gottes mussten sich unauffällig in kleinen Gruppen treffen, sofern das überhaupt möglich war. Wie schon im Babylonischen Exil in alter Zeit, so gab es auch jetzt keine gesalbte „königliche Priesterschaft“, die organisiert ihren Dienst tat. Babylon die Große hielt die Menschen im Würgegriff.

      ERSTE LICHTSTRAHLEN

      12, 13. Welche zwei Faktoren trugen dazu bei, dass sich der feste Griff von Babylon der Großen lockerte? Erkläre es.

      12 Würden wahre Christen Gott jemals wieder in Freiheit anbeten können, so wie er es von ihnen erwartete? Ja! Zwei wichtige Faktoren führten dazu, dass erste Strahlen geistigen Lichts die Dunkelheit durchbrachen. Ein Faktor war die Erfindung der Druckpresse mit beweglichen Lettern Mitte des 15. Jahrhunderts. Bevor die Drucktechnik die westliche Welt erreichte, wurde die Bibel mühsam von Hand abgeschrieben. Von diesen Abschriften gab es nur wenige und sie waren teuer. Ein erfahrener Abschreiber soll für ein einziges handgeschriebenes Exemplar zehn Monate gebraucht haben! Außerdem waren Materialien, auf die geschrieben wurde (Velin oder Pergament), sehr teuer. Im Gegensatz dazu stellten eine Druckpresse und Papier eine praktische Alternative dar. Damit konnte ein geübter Drucker 1 300 Seiten am Tag anfertigen.

      Ein Bibelübersetzer und eine der ersten Druckpressen

      Fortschritte in der Drucktechnik und mutige Bibelübersetzer halfen, den festen Griff Babylons zu lösen (Siehe Absatz 12, 13)

      13 Ein weiterer Faktor war der Entschluss einiger mutiger Männer Anfang des 16. Jahrhunderts, die Bibel in die Sprachen des Volkes zu übersetzen. Sie riskierten dabei oft ihr Leben. Die Kirche war schockiert! Kirchenführer befürchteten, eine Bibel in den Händen von gottesfürchtigen Menschen könnte eine gefährliche Waffe darstellen. Als die Bibel dann zugänglich wurde, lasen die Leute darin. Dabei entstanden Fragen wie: Wo spricht die Bibel von einem Fegefeuer? Wo ist von Totenmessen gegen ein Entgelt die Rede? Wo erwähnt sie Päpste und Kardinäle? Aus Sicht der Kirche war das ein Skandal. Wie konnte es das gemeine Volk wagen, die Kirchenführer infrage zu stellen! Die Kirche schlug zurück. Männer und Frauen wurden der Ketzerei bezichtigt, weil sie Kirchenlehren ablehnten, die sich zum Teil auf heidnische Philosophien von Aristoteles und Platon stützten — Männer, die noch vor Jesu Geburt lebten. Die Kirche verhängte das Todesurteil; der Staat vollstreckte es. Man wollte, dass Menschen nicht mehr in der Bibel lasen und aufhörten, die Kirche anzuzweifeln. Der Plan ging auf, zumindest größtenteils. Doch einige mutige Verfechter ließen sich von Babylon der Großen nicht einschüchtern. Sie hatten an Gottes Wort Geschmack gefunden und wollten mehr erfahren! Die Weichen für eine Befreiung aus der falschen Religion waren gestellt.

      14. (a) Welche Umstände begünstigten im späten 19. Jahrhundert ein besseres Verständnis der Bibel? (b) Beschreibe Bruder Russells Suche nach der Wahrheit.

      14 Viele, die nach der biblischen Wahrheit dürsteten, flohen in Länder, in denen der Einfluss der Kirche nicht so ausgeprägt war. Sie wollten in der Bibel lesen, sie studieren und sich darüber unterhalten, ohne vorgeschrieben zu bekommen, was sie denken sollten. In einem dieser Länder, den Vereinigten Staaten, begannen Charles Taze Russell und einige Gefährten Ende des 19. Jahrhunderts systematisch die Bibel zu studieren. Ursprünglich wollte Bruder Russell herausfinden, welche der bestehenden Religionen die Wahrheit lehrte. Er verglich die Lehren vieler Religionen, auch nichtchristlicher, mit dem, was die Bibel lehrt. Wie er aber feststellen musste, deckte sich keine einzige davon eins zu eins mit Gottes Wort. Einmal traf sich Russell mit einer Anzahl Geistlicher aus der Gegend. Er hoffte, sie würden die biblischen Wahrheiten, die er zusammen mit seinen Gefährten in der Bibel entdeckt hatte, annehmen und sie in ihren Gemeinden lehren. Die Geistlichen waren jedoch nicht interessiert. Die Bibelforscher mussten den Tatsachen ins Auge sehen: Eine Zusammenarbeit mit Personen, die entschlossen waren, an der falschen Religion festzuhalten, wäre nicht möglich. (Lies 2. Korinther 6:14.)

      15. (a) Wann kamen Christen in die Gefangenschaft Babylons der Großen? (b) Welche Fragen beantwortet der nächste Artikel?

      15 Bis hierhin haben wir gesehen, wie wahre Christen schon bald nach dem Tod des letzten Apostels in babylonische Gefangenschaft kamen. Es bleiben aber einige Fragen offen: Was weist noch darauf hin, dass die Gesalbten in den Jahrzehnten vor 1914 dabei waren, sich aus der Sklaverei Babylons der Großen zu befreien? Ist es richtig zu sagen, Gottes Diener hätten während des Ersten Weltkriegs im Predigtwerk nachgelassen und Jehova wäre deshalb mit ihnen unzufrieden gewesen? Machten einige unserer Brüder während jener Zeit Zugeständnisse in Bezug auf ihre christliche Neutralität und zogen sich so Gottes Missfallen zu? Und schließlich: Wann wurden Christen, von denen wir sagen, sie seien vom 2. Jahrhundert u. Z. an in die Gefangenschaft der falschen Religion gekommen, daraus befreit? Diese interessanten Fragen beantwortet der nächste Artikel.

  • Sie befreiten sich von der falschen Religion
    Der Wachtturm (Studienausgabe) 2016 | November
    • Eine Bibelforscherin liest beim Gottesdienst ihre Erklärung zum Kirchenaustritt vor

      Sie befreiten sich von der falschen Religion

      „Geht aus ihr hinaus, mein Volk“ (OFFB. 18:4)

      LIEDER: 101, 93

      WIE WÜRDEST DU ANTWORTEN?

      • Wie waren die frühen Bibelforscher gegenüber Babylon der Großen eingestellt?

      • Warum waren bei Jehovas Dienern während des Ersten Weltkriegs Änderungen nötig, doch was bedeutet das nicht?

      • Wann wurden die Gesalbten aus der babylonischen Gefangenschaft befreit?

      1. Warum konnte das Volk Gottes darauf hoffen, aus Groß-Babylon befreit zu werden, und mit welchen Fragen werden wir uns beschäftigen?

      IM VORIGEN Artikel haben wir erfahren, wie Christen in die Gefangenschaft Groß-Babylons kamen. Erfreulicherweise würde dieser Zustand ein Ende haben. Gottes Gebot „Geht aus ihr hinaus, mein Volk“ wäre sinnlos, wenn es unmöglich wäre, sich vom Einfluss des Weltimperiums der falschen Religion zu befreien. (Lies Offenbarung 18:4.) Aber wann wurde Gottes Volk vollständig aus den Fängen Babylons befreit? Bevor wir darauf eingehen, müssen wir folgende Fragen klären: Wie standen die Bibelforscher vor 1914 zu Babylon der Großen? Wie aktiv waren unsere Brüder während des Ersten Weltkriegs im Predigtwerk? Hat die babylonische Gefangenschaft etwas mit den nötigen Korrekturen und der Zurechtweisung des Volkes Gottes während dieser Zeit zu tun?

      „DER FALL BABYLONS“

      2. Welchen Standpunkt nahmen die frühen Bibelforscher gegenüber der falschen Religion ein?

      2 In den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg erkannten Charles Taze Russell und seine Gefährten, dass die Organisationen der Christenheit nicht die biblische Wahrheit lehrten. Daraufhin entschlossen sie sich, mit allem zu brechen, was gemäß ihrem Verständnis mit der falschen Religion in Verbindung stand. Schon im November 1879 legten sie in Zion’s Watch Tower ihre biblisch begründete Position offen dar: „Jede Kirche, die behauptet, eine dem Christus versprochene keusche Jungfrau zu sein, aber in Wirklichkeit mit der Welt (dem wilden Tier) vereint ist und von ihr unterstützt wird, müssen wir in der Sprache der Bibel als Hurenkirche verurteilen“, was eine Bezugnahme auf Babylon die Große war. (Lies Offenbarung 17:1, 2.)

      3. Welche entschiedenen Schritte der Bibelforscher zeigen, dass sie erkannten, wie wichtig eine Trennung von der falschen Religion ist? (Siehe Anfangsbild.)

      3 Gottesfürchtige Männer und Frauen wussten, was zu tun ist. Sie konnten nicht auf Gottes Segen hoffen, wenn sie weiter Organisationen der falschen Religion unterstützten. Viele Bibelforscher erklärten deshalb schriftlich ihren Kirchenaustritt. Teilweise lasen sie diese Schreiben beim Gottesdienst vor. Wo das verboten war, ließen einige jedem Gemeindemitglied eine Ausfertigung ihrer Austrittserklärung zukommen. Sie wollten alle Verbindungen zur falschen Religion abbrechen! So ein mutiges Vorgehen wäre ihnen zu anderen Zeiten teuer zu stehen gekommen. Doch ab dem späten 19. Jahrhundert verlor die Kirche in vielen Ländern mehr und mehr den staatlichen Rückhalt. Ohne Angst vor Repressalien fühlten sich Bürger in diesen Ländern frei, religiöse Themen anzusprechen und offen zu sagen, dass sie mit den etablierten Kirchen nicht einiggingen.

      4. Wie stand Gottes Volk während des Ersten Weltkriegs zu Babylon der Großen?

      4 Die Bibelforscher verstanden, dass es nicht genügte, lediglich Verwandten, engen Freunden und Kirchenmitgliedern ihren Standpunkt zur falschen Religion mitzuteilen. Die ganze Welt sollte erkennen, was Babylon die Große wirklich ist: eine religiöse Hure! Daraufhin verbreiteten die wenigen Tausend Bibelforscher eifrig 10 Millionen Traktate mit dem Titel „Der Fall Babylons“ — eine schonungslose Anklage gegen die Christenheit. Man kann sich gut vorstellen, wie die Geistlichkeit vor Wut kochte. Doch die Bibelforscher setzten ihr wichtiges Werk unbeirrt fort. Sie waren entschlossen, „Gott, dem Herrscher, mehr zu gehorchen“ (Apg. 5:29). Statt also während des Krieges von Babylon der Großen versklavt zu werden, befreiten sich diese christlichen Männer und Frauen immer mehr von ihrem Einfluss und halfen auch anderen dabei.

      EIFRIGE PREDIGER WÄHREND DES ERSTEN WELTKRIEGS

      5. Woher wissen wir, dass die Brüder während des Ersten Weltkriegs sehr eifrig waren?

      5 In den vergangenen Jahren dachten wir, Jehova sei mit seinem Volk unzufrieden gewesen, weil es sich während des Ersten Weltkriegs nicht eifrig am Predigtwerk beteiligt habe. Daher schlussfolgerten wir, Jehova habe Babylon der Großen gestattet, sein Volk für eine kurze Zeit gefangen zu nehmen. Wie treue Diener Gottes, die die Zeit zwischen 1914 und 1918 miterlebt hatten, später jedoch klarstellten, hatte das Volk des Herrn als Ganzes alles ihm Mögliche getan, das Predigtwerk in Gang zu halten. Für diese Berichte gibt es gut belegte Hinweise. Ein genaueres Bild unserer theokratischen Geschichte hat zu einem klareren Verständnis bestimmter Bibelpassagen geführt.

      6, 7. (a) Welchen Schwierigkeiten mussten sich die Bibelforscher während des Ersten Weltkriegs stellen? (b) Führe Beispiele für den Eifer der Bibelforscher an.

      6 In Wirklichkeit legten die Bibelforscher, die während des Ersten Weltkriegs (1914—1918) predigen konnten, ein gewaltiges Zeugnis ab. Aus verschiedenen Gründen war das nicht leicht für sie. Hier nur zwei davon. Zum einen verbreitete man in jenen Tagen vor allem biblische Veröffentlichungen. Als man das Buch Das vollendete Geheimnis Anfang 1918 von staatlicher Seite verbot, wurde das Predigen für viele Brüder schwieriger. Sie hatten noch nicht gelernt, nur mit der Bibel zu predigen, sondern sich darauf verlassen, dass das Buch Das vollendete Geheimnis „das Reden“ für sie übernahm. Zum anderen brach 1918 die verheerende Spanische Grippe aus. Die Ausbreitung dieser entsetzlichen Seuche erschwerte es den Verkündigern, sich frei zu bewegen. Trotz dieser und anderer Schwierigkeiten gaben die Bibelforscher als Ganzes jedoch ihr Bestes, das Werk am Laufen zu halten.

      Bibelforscher, die während des Ersten Weltkriegs mit biblischer Literatur und dem Photo-Drama der Schöpfung Zeugnis geben

      Die Bibelforscher waren wirklich eifrig! (Siehe Absatz 6, 7)

      7 Allein im Jahr 1914 führte diese kleine Gruppe Bibelforscher das „Photo-Drama der Schöpfung“ mehr als 9 Millionen Zuschauern vor. Das Drama, wie es genannt wurde, war eine Kombination aus Filmsequenzen und Lichtbildern, die mit Musik und Ton synchronisiert waren. Es beschrieb die Geschichte der Menschheit von der Schöpfung bis zum Millennium. Für die damalige Zeit war das eine außergewöhnliche Leistung! Stellen wir uns das einmal vor: Die Anzahl der Menschen, die allein 1914 die Vorstellung sahen, war größer als die Gesamtzahl der Verkündiger, die heute weltweit tätig sind! Wie Berichte außerdem erkennen lassen, besuchten 1916 insgesamt 809 393 Personen in den Vereinigten Staaten Zusammenkünfte; diese Zahl stieg 1918 auf 949 444 an. Die Bibelforscher waren wirklich eifrig!

      8. Wie stillte man während des Ersten Weltkriegs die geistigen Bedürfnisse der Brüder?

      8 Während des Ersten Weltkriegs wurden keine Mühen gescheut, die zerstreut lebenden Bibelforscher weiter mit geistiger Speise zu versorgen und zu ermuntern. Das gab den Brüdern die Kraft, weiterzupredigen. Richard H. Barber, der diese Zeit miterlebte, erinnerte sich: „Wir konnten dafür sorgen, dass nach wie vor ein paar Brüder als reisende Aufseher dienten und der Wacht-Turm weiter in Umlauf blieb und auch nach Kanada geschickt wurde, wo er verboten war. Es war mir vergönnt, Exemplare des Buches Das vollendete Geheimnis im Taschenformat an einige Brüder zu schicken, deren Exemplar beschlagnahmt worden war. Bruder Rutherford bat uns, in verschiedenen Städten im Westen der USA Kongresse zu organisieren und Redner dorthin zu schicken, um die Brüder so gut es ging zu ermuntern.“

      LÄUTERUNG WAR NÖTIG

      9. (a) Warum benötigte Gottes Volk zwischen 1914 und 1919 Korrektur und Zurechtweisung? (b) Welche Schlussfolgerung wäre verkehrt?

      9 Nicht alles, was die Bibelforscher zwischen 1914 und 1919 taten, entsprach biblischen Grundsätzen. Obwohl die Brüder aufrichtig waren, verstanden sie nicht immer völlig, was es bedeutet, Regierungen untertan zu sein (Röm. 13:1). Deshalb verhielten sie sich als Gruppe in Bezug auf den Krieg nicht immer neutral. Der Präsident der Vereinigten Staaten rief beispielsweise den 30. Mai 1918 zu einem Tag des gemeinsamen Gebets und Flehens aus, und im Wacht-Turm wurden die Bibelforscher zur Teilnahme aufgefordert. Brüder kauften Kriegsanleihen, um den Krieg finanziell zu unterstützen, und einige wenige gingen sogar mit Gewehren und Bajonetten in die Schützengräben. Obwohl die Bibelforscher Korrektur und Zurechtweisung benötigten, wäre es verkehrt zu schlussfolgern, sie wären aus diesem Grund in die Gefangenschaft von Babylon der Großen gekommen. Vielmehr hatten sie verstanden, dass sie sich von der falschen Religion trennen mussten. Und während des Ersten Weltkriegs gelang ihnen der Bruch mit diesem Weltreich fast vollständig. (Lies Lukas 12:47, 48.)

      10. Welche Haltung hatten die Bibelforscher in Bezug auf die Heiligkeit des Lebens?

      10 Auch wenn die Brüder die christliche Neutralität noch nicht so deutlich verstanden wie heute, war ihnen doch eines klar: Die Bibel verbietet, Menschen das Leben zu nehmen. Selbst die wenigen Brüder, die im Ersten Weltkrieg mit Waffen in die Schützengräben gingen, weigerten sich eisern, jemand zu töten. Einige, die es ablehnten zu töten, wurden an die Front geschickt — in der Hoffnung, sie würden dort sterben.

      11. Wie reagierte der Staat auf den Standpunkt der Bibelforscher zu bewaffneten Konflikten?

      11 Der Teufel war über die Einstellung der Brüder offensichtlich verärgert, auch wenn ihre Haltung noch fehlerhaft war. Durch Gesetz schmiedete er deshalb Unheil (Ps. 94:20). Generalmajor James Franklin Bell von der US-Armee teilte J. F. Rutherford und W. E. Van Amburgh in einem Gespräch mit, das US-Justizministerium hätte versucht, dem Kongress einen Gesetzentwurf vorzulegen. Dadurch sollte es möglich werden, Personen zum Tode zu verurteilen, die sich weigerten, im Krieg zu den Waffen zu greifen. Dabei hatte er vor allem die Bibelforscher im Sinn. Völlig aufgebracht sagte General Bell zu Bruder Rutherford: „Der Gesetzentwurf ist nicht verabschiedet worden, weil [US-Präsident] Wilson es verhindert hat; aber wir wissen, wie wir euch fassen können, und wir werden euch fassen!“

      12, 13. (a) Warum wurden acht verantwortliche Brüder zu langen Haftstrafen verurteilt? (b) Konnte die Haft den festen Willen der Brüder brechen, Jehova zu gehorchen? Erkläre es.

      12 Die Drohung wurde wahr gemacht. Die Brüder Rutherford, Van Amburgh und sechs weitere Vertreter der Watch Tower Society wurden verhaftet. Als das Urteil verkündet wurde, erklärte der zuständige Richter: „Die religiöse Propaganda dieser Männer ist gefährlicher als eine Division deutscher Soldaten . . . Sie haben nicht nur die Tätigkeit des Staatsanwalts und des Geheimdienstes der Armee infrage gestellt, sondern auch die Geistlichkeit aller Konfessionen öffentlich angeprangert. Dafür sollten sie schwer bestraft werden“ (Faith on the March von A. H. Macmillan, S. 99). So kam es auch. Man verurteilte die acht Bibelforscher zu langen Haftstrafen und überführte sie in die Bundesstrafanstalt in Atlanta (Georgia). Nach Kriegsende kamen sie jedoch wieder frei und die Anklagen gegen sie wurden aufgehoben.

      13 Selbst im Gefängnis rückten die acht Männer nicht von ihrer biblischen Überzeugung ab, die sie aufgrund ihres Verständnisses hatten. In einem Gnadengesuch an den Präsidenten der Vereinigten Staaten schrieben sie: „Der Wille des Herrn, wie ihn die Schriften verkünden, ist: ‚Du sollst nicht töten‘, und deshalb würde jedes dem Herrn geweihte Mitglied der [Internationalen Bibelforscher-]Vereinigung, das willentlich sein Weihegelübde brechen würde, Gottes Gnade für sich verwirken, selbst bis hin zur ewigen Vernichtung. Folglich könnten solche Mitglieder es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, dass sie willentlich daran teilnehmen, Menschen das Leben zu nehmen.“ Mutige Worte! Zugeständnisse kamen für unsere Brüder also nicht infrage!

      ENDLICH BEFREIT!

      14. Beschreibe anhand der Bibel, was in der Zeit von 1914 bis 1919 geschah.

      14 In Maleachi 3:1-3 (lies) wird die Zeit von 1914 bis in die erste Hälfte des Jahres 1919 beschrieben, in der die gesalbten „Söhne Levis“ eine Läuterungsphase erleben würden. Damals kam Jehova, „der wahre Herr“, begleitet von Jesus Christus, dem „Boten des Bundes“, zum geistigen Tempel, um die dort Dienenden zu inspizieren. Nachdem sie die nötige Korrektur erhalten hatten, war Jehovas gereinigtes Volk geeignet, eine weitere Dienstzuteilung anzunehmen. 1919 wurde ein „treuer und verständiger Sklave“ über den Haushalt des Glaubens gesetzt, um für geistige Speise zu sorgen (Mat. 24:45). Jetzt war Gottes Volk vom Einfluss Babylons der Großen befreit. Seither ist dank der unverdienten Güte Jehovas ihre Erkenntnis des Willens Gottes und die Liebe zu ihrem himmlischen Vater stets gewachsen. Wie dankbar sie für seinen Segen sind![1]

      15. Was sollte die Befreiung aus Groß-Babylon in uns bewirken?

      15 Es ist begeisternd, aus der Gefangenschaft Babylons der Großen befreit worden zu sein. Satans Bemühungen, das wahre Christentum auszurotten, sind kläglich gescheitert. Verfehlen wir aber nicht den Zweck, warum Jehova uns befreit hat (2. Kor. 6:1). Viele aufrichtige Menschen sind immer noch in der falschen Religion gefangen. Ihnen muss gezeigt werden, wie sie sich daraus befreien können. Dabei können wir sie anleiten. Ahmen wir daher unsere Brüder des letzten Jahrhunderts nach und tun wir alles uns Mögliche, um Menschen zu helfen, befreit zu werden!

      ^ [1] (Absatz 14) Zwischen der 70-jährigen Gefangenschaft der Juden in Babylon und dem, was Christen nach Beginn des Abfalls widerfuhr, gibt es viele Ähnlichkeiten. Dennoch scheint die Gefangenschaft der Juden kein prophetisches Vorbild für das zu sein, was Christen erlebten. Ein Unterschied besteht zum Beispiel in der Länge der Gefangenschaft. Wir sollten also nicht in jeder Einzelheit der Gefangenschaft der Juden prophetische Parallelen suchen, so als würden diese irgendwie auf das hinweisen, was gesalbte Christen in den Jahren vor 1919 erlebten.

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